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Facebook baut den Video-Bereich stark aus

YouTube hat mit Facebook starke Konkurrenz bekommen. Das soziale Netzwerk hat seinen Video-Bereich massiv ausgebaut und ist auf dem besten Wege, Googles Videoplattform zu überholen. // von Lukas Menzel

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12,3 Milliarden Videoaufrufe konnte Facebook laut comScore im August dieses Jahres auf den Desktop-Systemen in den USA erreichen und übertrumpfte damit YouTube um eine ganze Milliarde an Videoaufrufen. Auch die Anzahl der Facebook-Video-Postings auf dem sozialen Netzwerk überschreitet nahezu die der geposteten YouTube-Videos und die Interaktionsrate liegt mit mehr als 70 Prozent deutlich höher als die von YouTube. Auf dem ersten Blick verwunderlich, ist Facebook schließlich keine Videoplattform, sondern ein soziales Netzwerk, doch auf dem zweiten Blick zeigt die Entwicklung des weltweit größten sozialen Netzwerkes mit mehr als 1,3 Milliarden aktiven Nutzern, dass das US-Unternehmen im Video-Bereich nicht unterschätzt werden sollte. In den letzten Monaten hat Facebook seine Ambitionen im Video-Bereich stark ausgebaut.


Warum ist das wichtig? Bislang galt YouTube als die weltweit größte Videoplattform mit monatlich mehr als einer Milliarde Nutzern. Nun zeigt aber auch Facebook, dass das soziale Netzwerk im Video-Bereich ganz vorne mitmischen möchte.

  • In den letzten Monaten hat Facebook seinen Video-Bereich ausgebaut, indem der Algorithmus geändert wurde, eine Auto Play-Funktion eingeführt wurde und die Videoaufrufe nun angezeigt werden.    
  • Bislang ist YouTube alleiniger Marktführer unter den Videoplattformen. Nennenswerte Konkurrenz bleibt bislang aus, trotz zahlreicher anderer Videoplattformen.    
  • Neben 12,3 Milliarden Videoaufrufe im August 2014 auf Desktop-Geräten in den USA ist auch die Anzahl der Videos, die auf dem sozialen Netzwerk Facebook geteilt wurden, sowie die Interaktion mit diesen stark angestiegen.    

Verstärkter Fokus auf Videos

Vor zwei Jahren, 2012, waren direkt auf Facebook veröffentlichte Videos noch eine Seltenheit. Wollte man ein Video auf Facebook teilen, veröffentlichte man dieses in der Regel erst auf YouTube und teilte das dann auf dem sozialen Netzwerk. Dies ist heute nicht mehr so, denn das Blatt hat sich mittlerweile gewendet und statt YouTube-Videos wird der Newsfeed inzwischen von Facebook-Videos dominiert.

Einer der Gründe hierfür ist die noch vergleichsweise junge Änderung am Algorithmus des Newsfeeds. So kündigte Facebook im Juni dieses Jahres an, im Newsfeed relevantere und passendere Videos anzuzeigen. Dadurch sollen Nutzer, die viele Videos schauen, mehr Videos im Newsfeed angezeigt bekommen und Nutzer, die weniger Videos schauen, weniger Videos. Zuvor hatte das kalifornische Unternehmen schon im Mai die Auto Play-Funktion in mehreren Ländern eingeführt. Diese erlaubt es, dass sogenannte Premium-Video-Ads automatisch starten, sobald diese auf dem Bildschirm erscheinen. Zudem wurden die Analysemöglichkeiten verbessert, wodurch erfasst werden kann, wie die Nutzer mit den Videos agieren und seit Neuestem werden ähnlich wie auf YouTube auch die Videoaufrufe angezeigt.

Was steckt hinter Facebooks Ambitionen?

Durch diese Vielzahl an Änderungen stellt sich unweigerlich die Frage, was Facebook damit bezwecken möchte. Selbst gibt sich das Unternehmen sparsam, was Informationen über die zukünftige Strategie angeht, doch auch so zeigen die letzten Monate klar, wo es hingehen soll.

So scheint es, dass das von Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen es mit niemand Geringerem als der weltweit größten Videoplattform YouTube aufnehmen möchte, die geräteübergreifend auch weiterhin führend ist. Das bestätigen nicht nur die neuesten Änderungen wie Auto Play oder der angepasste Algorithmus, sondern auch der Kauf der Online-Video-Werbeplattform LiveRail für mehr als 400 Millionen US-Dollar im Juli dieses Jahres. Mit Hilfe von LiveRail werden Publisher mit Vermarktern verbunden, um Werbung noch gezielter auszusteuern. Durch LiveRail konnte Facebook nun auch im stark wachsenden Markt der Online-Videowerbung Fuß fassen und das Targeting von LiveRail auch direkt auf Facebook anwenden.

Doch reichen ein paar Änderungen und der Zukauf von LiveRail, um zu einem ernsthaften Konkurrenten von YouTube zu werden? Wie eingangs erwähnt, ist zurzeit der Video-Bereich auf dem sozialen Netzwerk mehr Schein als Sein. 12,3 Milliarden Videoabrufe in den USA im August sind zwar beachtlich, doch sind diese zum großen Teil nur durch die Auto Play-Funktion erreicht worden. Ebenfalls sind die Werbeinnahmen durch Videowerbung im Vergleich zu YouTube deutlich geringer. So wird Facebook dieses Jahr laut Stifel-Analyst Scott Devit mit Videowerbung nur 151 Millionen US-Dollar umsetzen, während die Google-Tochter alleine letztes Jahr einen Umsatz von vier Milliarden US-Dollar machte.

Potenzial aber vorhanden

Beachtet man aber, dass Facebook eine potenzielle Reichweite von mehr als 1,3 Milliarden aktive Nutzer hat, alleine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres die Zahl der Nutzer, die sich Videos anschauen, verdoppeln konnte und Facebook-Videos auf dem sozialen Netzwerk deutlich öfter geteilt werden als YouTube Videos, wird deutlich, dass Potenzial auf jeden Fall vorhanden ist.

Es  liegt somit nur an Facebook, den Video-Bereich weiter auszubauen, um zum gefährlichen Konkurrenten von YouTube zu werden. Eine gute Basis dafür hat das soziale Netzwerk in den letzten Monaten bereits gelegt, sodass es jetzt darauf ankommt, seinen Nutzern und vor allen den Videomachern Facebook als Videoplattform schmackhaft zu machen sowie die Monetarisierungsmöglichkeiten auszubauen. Dann könnte in wenigen Jahren nicht mehr nur YouTube der alleinige Marktführer unter den Videoplattformen sein.


Teaser & Image by Marco Paköeningart (CC BY-SA 2.0)


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Lukas Menzel

Lukas Menzel

ist als Digital Native tagtäglich in den Weiten des Netzes unterwegs. Er berät als Teil der Becker-Banse Medien Unternehmen zu den Themen Social Media, Webdesign und Webvideo. Dazu leitet er das Online-Magazin Broadmark und ist auch auf Twitter zu finden. Bis März 2015 war er Teil der Netzpiloten-Redaktion.

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