Digital Economy Compass: Was die Zahlen für Deutschland bedeuten – Teil 1


Was sind die aktuellen digitalen Trends weltweit? Wie entwickelt sich der Wettbewerb auf digitalen Plattformen? Diese Fragen versucht der „Digital Economy Compass“ von Statista in regelmäßigen Abständen zu beantworten. Wir haben in unserer Artikelreihe einen Blick auf die Trends geworfen.


Der kürzlich veröffentlichte Digital Economy Compass 2017 macht auf über 190 Slides vor allem zwei Dinge deutlich: China wird voraussichtlich 2018 zum größten digitalen Markt aufsteigen und Unternehmen, die die digitalen Plattformen nicht verstehen, werden untergehen.

Und wie machen sich dabei die deutschen Unternehmen unter den globalen Playern? Nach den Analysen von Statista eher unterdurchschnittlich. Doch es gibt auch einige Bereiche, in denen zumindest einige deutsche Firmen herausstechen. Eine dieser Plattformen ist der E-Commerce.

Einnahmen im E-Commerce werden sich verdoppeln

Laut Statista sollen sich die Einnahmen in diesem Bereich bis 2021 auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar verdoppeln. Vor allem in den Branchen „Mode” und „Food und Personal Care” wird der größte Wachstum erwartet.

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E-Commerce Wachstum – Screenshot by Marinela Potor (Quelle: Statista)

Die Konzerne, die hier – nicht überraschend – ganz vorne mitspielen sind der US-Riese Amazon und die chinesische Alibaba Group. Interessant zu sehen ist aber auch dass sich neben diesen großen Playern auch einige, wenn auch nur sehr wenige, deutsche Konzerne wiederfinden. Dazu gehören zum Einen der Online-Modeversandhändler „Zalando“ sowie der Berliner Kochbox-Lieferant „HelloFresh“. Beide stammen aus der Start-up-Schmiede Rocket Internet und beide sind als globale Unternehmen im E-Commerce vorne mit dabei.

HelloFresh: Schnell und aggressiv

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Foto: HelloFresh CEO Dominik Richter (Quelle: HelloFresh)

HelloFresh, das nach dem ersten gescheiterten Versuch nun möglicherweise einen erneuten Börsengang wagen will, erwirtschaftet inzwischen die Hälfte seines Umsatzes in den USA. Offensichtlich ist die Kombination aus neuartigem Konzept, ausgewählten Zutaten und flexiblem Abomodell zu einem internationalen Verkaufsschlager geworden. Nach Meinung einiger liegt der Erfolg von HelloFresh aber auch darin, sich früh und aggressiv auf die richtige Zielgruppe konzentriert zu haben: die anspruchsvolle, aber faule Generation Y.

Und noch etwas mag dazu kommen: Das nötige Quäntchen Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Markt zu sein. Denn wenn Statista mit seinen Prognosen richtig liegt, ist die Essenslieferung der dynamischste Markt im Bereich E-Services. Demnach sollen sich die Einnahmen hier bis 2021 verdreifachen. So scheint HelloFresh bereits sehr früh auf das richtige Pferd gesetzt zu haben – ein Risiko, das sich jetzt auszahlt.

Den Kunden das geben, was sie vom E-Commerce erwarten

Dies hat möglicherweise auch dem Modeversandhaus Zalando zum Erfolg verholfen. Zalando hat sich seit der Gründung 2008 von einer Garagenfirma für Schuhversand zu einem Online-Riesen für Fashion entwickelt. Experten sehen den Erfolg von Zalando in strategischen Partnerschaften, der schnellen und klugen Entwicklung aus dem Nischenmarkt heraus – und vor allem dem einfachen Bestellverfahren. In einer Umfrage aus dem Jahr 2014 von deals.com gaben 51 Prozent der Befragten an, dass sie die Gratis-Lieferung sowie den kostenlosen Rückversand als größten Vorteil des Onlineshops an.

Zalando Adidas Paket Shooting
Quelle: Zalando. Image by Claudius Pflug

Darüber hinaus positionierte Zalando sich von Anfang an als unkonventionelle Marke und zielte damit, ähnlich wie HelloFresh, auf eine junge Zielgruppe ab. Vor allem über geschickte Werbung, sowohl im TV als auch im Netz erreichte sie damit Kultstatus, sagt Dörte Spengler-Ahrens, Geschäftsführerin Kreation bei Jung von Matt/Fleet, die die Inhalte der Marke kommuniziert: „Der Schrei wurde Kult und die Marke zur Kultmarke im Fashion-Retail. Neben einem Shoppingerlebnis mit der Produkauswahl einer gesamten Fußgängerzone zur Convienence des eigenen Wohnzimmers bietet Zalando auch Fahionistas die neusten Trends und Designer.“

Wenn man dies wiederum mit dem vergleicht, was Statista als Erfolgsfaktoren für den E-Commerce identifiziert hat, erkennt man einen weiteren Grund, warum gerade HelloFresh und Zalando so erfolgreich sind. Sie geben ihren Kunden das, was sie vom E-Commerce erwarten: Eine transparente Preispolitik, einfachen Lieferservice sowie schnellen Kundenservice.

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Wichtige Faktoren des eCommerce – Screenshot by Marinela Potor (Quelle: Statista)

Unternehmen haben echte Kundenorientierung noch nicht Verstanden

Gerade die enge Bindung zum Kunden ist es, was Onlinehändler im B2C E-Commerce so erfolgreich macht, betont Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer der IFH Institut für Handelsforschung GmbH Köln. Seiner Meinung nach haben aber viel zu viele Unternehmen noch immer nicht verstanden, was das wirklich bedeutet: „Die meisten haben echte Kundenorientierung schlichtweg immer noch nicht verstanden und beschäftigen sich viel zu stark mit sich selbst, der Verhandlung der Boni, der Sicherung der eigenen Verantwortungsbereiche oder auch der neuen Positionierung im aktuellen Change-Prozess. Sie denken weiterhin, weil die Kunden bisher immer gekommen sind, werden sie auch weiter kommen. Das wird sich zukünftig aber noch schneller ändern als bisher.”

Vor allem im Internet, wo Kunden zwischen vielen verschiedenen Onlineshops auswählen können, sind Alleinstellungsmerkmale wie Kundenservice extrem wichtig. Dazu gehören aber auch Angebote, die über das Kerngeschäft hinausgehen und Kunden an das Unternehmen binden. Ein Trend, den auch die Statista-Daten belegen. Unternehmen müssen – auch, oder gerade im Internet – nicht nur Produkte, sondern auch einen Lifestyle verkaufen. So bieten nach Angaben von Statista zum Beispiel Sportgiganten längst nicht mehr nur Sportsachen an. Adidas hat beispielsweie, wie viele Konkurrenten, in eine Fitness-App investiert und schließlich 2015 „Runtastic” erworben.

Diese Zahlen zeigen: Wer im E-Commerce langfristig erfolgreich sein und wie Zalando oder HelloFresh vorne mitspielen will, muss sich vor allem auf eins konzentrieren – einfache Einkaufsprozesse für den Kunden.

Was die Statista-Daten über die digitalen Märkte „SmartHome“ und „Connected Cars“ in Deutschland sagen, schauen wir uns in den nächsten beiden Folgen der Analyse zum Digital Economy Compass 2017 genauer an.


Image (adapted) „Credit Card“ by NegativeSpace (CC0 Public Domain)


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Marinela Potor

Marinela Potor

begann ihren journalistischen Werdegang bei kleinen Lokalzeitungen und arbeitete dann während ihres Studiums als Reporterin für den Universitätsradiosender. Ihr Volontariat machte sie bei Radio Jade in Wilhelmshaven. Seit 2010 hat sie ihren Rucksack gepackt und bereist seitdem rastlos die Welt – und berichtet als freie Journalistin darüber. Über alle „inoffiziellen“ Geschichten schreibt sie in ihrem eigenen Blog fest.

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