Android Auto im Test: So funktioniert Googles Infotainment auf vier Rädern

Von Autos, die so smart sind, dass sie selbsttätig agieren können, sind wir noch weit entfernt. Als Zwischenschritt lassen sich viele Neuwagen aufschlauen, indem ihr sie mit eurem Android-Smartphone verbindet. Voraussetzung ist, dass das Auto oder ein nachträglich eingebautes Autoradio Googles Technologie namens Android Auto unterstützt. Immer mehr Automodelle sind kompatibel. Um euch zu erklären, welche Vorteile diese Vernetzung bietet, habe für zwei Wochen Android Auto mit meinem Lenovo Moto Z ausprobiert.

Die Idee hinter Android Auto

Im Kern ermöglicht euch die Technologie, einige Funktionen eures Android-Smartphones auch im Auto zu benutzen. Eurer Smartphone bleibt dabei die zentrale Steuereinheit. Dadurch lässt sich Android Auto im Gegensatz zu Apple CarPlay auch sogar dann verwenden, wenn euer Auto kein Touchdisplay besitzt. Google trägt damit unterschiedlichen Innovationszyklen bei Autos und Smartphones Rechnung. Smartphones und ihre Betriebssysteme werden derzeit viel schneller erneuert als ihr euch ein anderes Auto kauft. Deshalb steht das Smartphone im Mittelpunkt. Die einzige Voraussetzung ist, das auf eurem Smartphone Android 5 oder neuer installiert ist.

Android Auto einrichten

Im Unterschied zu Apples CarPlay ist Android Auto nicht fester Bestandteil des Betriebssystems. Stattdessen ladet ihr es als separate App aus dem Play Store herunter. Nach der Installation verbindet ihr das Handy per USB-Kabel mit dem Auto und seht den Startbildschirm von Android Auto. Auf dem Startbildschirm erhaltet ihr alle wichtigen Informationen wie die momentane Routenplanung, die laufende Musik oder das aktuelle Wetter. Nach einiger Nutzungszeit werden euch aber auch Vorschläge zur Navigation angezeigt, wie zum Beispiel die Navigation zur Arbeit am Morgen oder nach Hause am Abend. Über empfangene Nachrichten oder verpasste Anrufe informiert euch Android Auto ebenfalls. Sie lassen sich per Sprache oder per automatischer Antwort beantworten. Dies könnt ihr in den Einstellungen der App festlegen.

Standard-Apps nach euren Vorlieben auswählen

Android Auto ist in drei Bereiche unterteilt: Navigation, Kommunikation und Musik. Diese lassen sich durch Antippen der Symbole am unteren Bildschirmrand auswählen. Tippt ihr beispielsweise auf Navigation, so öffnet sich Google Maps. Wenn ihr aber eine andere App zur Navigation verwenden möchtet, tippt ihr erneut auf das Navigationssymbol und seht eine Liste mit allen unterstützen Navi-Apps auf dem Smartphone. Bei den Bereichen Kommunikation und Musik verhält es sich genauso. Eine komplette Übersicht über alle unterstützen Apps findet ihr hier.

Mit Android Auto navigieren

Zur Navigation lassen sich wahlweise die Apps Google Maps sowie Waze nutzen. Die Anwendungen sind für den Bildschirm im Fahrzeug optimiert und bieten große, leicht sichtbare Schaltflächen. Wenn das Auto sich in Parkposition befindet oder der Motor ausgeschaltet ist, lässt sich das Ziel per Bildschirmtastatur eingeben. Ansonsten stehen euch die Sprachbedienung sowie die letzten Ziele aus dem Verlauf zur Verfügung. Während der Navigation lassen sich auch Zwischenziele wie Cafés oder Tankstellen suchen, die sich auf der Route befinden. Diese werden euch dann anschaulich auf einer Karte angezeigt und lassen sich durch Antippen der Route hinzufügen.

Android Auto Test
Die Navigation über Android Auto funktioniert gut. Image by Timo Brauer

Die Navigation funktioniert in meinem Test sehr zuverlässig und die angegebene Ankunftszeit war immer ziemlich genau. Einzig die Routenoptionen zum Vermeiden von Autobahnen und Mautstraßen wurden, sobald die Route neu berechnet wurde, einige Male zurückgesetzt. Das war relativ störend. Dieses Problem lässt sich aber sicher durch ein Softwareupdate seitens Google lösen.

Android Auto als Kommunikationszentrale

Im Bereich Navigation könnt ihr Telefonanrufe starten, die über die Freisprechanlage des Autos geführt werden können. Hier stehen euch eine Liste der letzten sowie der verpassten Anrufe zur Verfügung. Leider fehlt eine vollständige Liste der eigenen Kontakte, sodass ihr meistens auf die Sprachsteuerung zurückgreifen müsst. Diese funktioniert aber einwandfrei und hatte in meinem Praxistest keine Probleme, die genannten Namen zu verstehen. Eingehende Nachrichten werden auf Wunsch vorgelesen und lassen sich per Sprache beantworten. Ihr könnt aber auch in den Einstellungen der App von Android Auto festlegen, dass alle Nachrichten mit einer automatischen Antwort beantwortet werden.

Android Auto Test
Telefonieren lässt sich über Android Auto natürlich auch. Image by Timo Brauer

Musik hören mit Android Auto

Im Bereich Musik stehen euch nicht nur sämtliche Streaming-Dienste wie Google Music, Spotify, Deezer und Amazon Music zur Verfügung, sondern auch Podcast-Apps wie Pocket Casts oder die Radio App TuneIn. Wärend bei Letzterem quasi der komplette Funktionsumfang der App in einem angepassten Layout zur Verfügung steht, sind die Musikstreaming-Apps deutlich eingeschränkter.

Android Auto Test
Android Auto unterstützt viele Musik-Apps, darunter Spotify. Image by Timo Brauer

So könnt ihr bei Spotify beispielsweise die Playlists nur von Anfang abspielen und sie nicht durchscrollen und einen bestimmten Song abspielen. Auch die Playlisten selber könnt ihr nicht durchblättern. Solange sich das Auto nicht im Parkmodus befindet, bekommt ihr nur die ersten paar Playlisten angezeigt und werdet dann durch den Hinweis „Aus Sicherheitsgründen wird das Surfen gesperrt“ daran gehindert auf die weiteren Playlisten zuzugreifen.

Android Auto Test
Aus Sicherheitsgründen schränkt Android Auto die Bedienung von Spotify ein. Image by Timo Brauer

Test-Fazit Android Auto

Die bereits aufgezählten Einschränkungen bei der Nutzung bestimmter Apps wie der Zieleingabe bei der Navigation sowie beim Musik hören sind zwar nachvollziehbar, da die übermäßige Benutzung von Systemen wie Android Auto oder CarPlay während der Fahrt doch stark ablenken können und das Unfallrisiko erhöhen. Leider lassen sie sich aber auch nicht abschalten, wenn das System beispielsweise vom Beifahrer bedient wird. So kann ein Zwischenziel oder eine bestimmte Playlist während der Fahrt auch nicht vom Beifahrer eingegeben oder ausgewählt werden.

Diese Funktionen können so nur durch den Fahrer per Spracheingabe erledigt werden, da sich das Mikrofon zumindest in meinem Fahrzeug scheinbar im Lenkrad befindet und so den Beifahrer nur schlecht verstehen kann. Bis auf diesen Nachteil ist Android Auto aber eine tolle Möglichkeit, Navigation und Entertainment im Auto zu verwenden. Besonders die Möglichkeit, während der Navigation Zwischenziele einzufügen sowie die besseren Verkehrsdaten sind Vorteile gegenüber Apple CarPlay.

Bei der Musikwiedergabe ist aber Apples Lösung im Vorteil, da sie nicht über die genannten Beschränkungen verfügt. Welches System ihr einsetzt, hängt schlussendlich von eurem bevorzugten Smartphone-System ab. In vielen Fahrzeugen sind aber sogar beide Systeme verfügbar.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


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Timo Brauer

Timo Brauer

studiert Technikjournalismus in Bonn und beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.

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