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Neue KI von Deezer erkennt Emotionen in Musik

Sobald ich meine Musikmediathek öffne, springen sie mir entgegen: Hunderte Playlists, Alben, Künstler und einzelne Titel. Wer auch nur ansatzweise so ein Playlist-Messie ist wie ich, der kennt das Problem: Welche Musik will ich jetzt hören? Zumal ich nicht nur „aufgeräumte“ Playlists habe, für bestimmte Interpreten oder Situationen. Sondern auch Playlists, in denen sich einfach alles Mögliche befindet. Ein einziges Chaos also, das oft darin mündet, dass ich ständig Songs skippe oder durch verschiedene Playlists nach genau diesem einen Song suche, von dem ich mir sicher war, er wäre hier irgendwo…

Der französische Streamingdienst Deezer hat nun einen großen Schritt getan, Playlist-Messies wie mir in Zukunft unter die Arme zu greifen. In einem kürzlich veröffentlichten Dokument haben die Forscher des Musik-Streamingdienstes ein Experiment vorgestellt, in dem sie ihre neue KI zur automatischen Emotions-Erkennung in Songs mit bisher „herkömmlichen“ Methoden vergleichen.

Die bisherigen Methoden

Bisherige Versuche, große Datensätze an Musik mithilfe von Computern eindeutigen Stimmungen und Emotionen zuzuordnen, verliefen eher schleppend. Denn die meisten Experimente in diese Richtung basierten auf festen Datenvorgaben. Betrachtet werden dabei bei jedem Track das Audio-Signal und die Songtexte. Für jeden Song wird vorher festgelegt, ob er eine negative oder positive Stimmung hat, und ob er ruhig oder aufbrausend ist. Doch durch diese einfache Kategorisierung ist nicht genug Differenzierung zwischen einzelnen Tracks möglich gewesen. Somit waren auch die Playlists, die von vorherigen Systemen zusammengestellt wurden, immer noch chaotisch.

Was die KI von Deezer besser macht

Deezer stützt seine KI nun auf ein zweidimensionales Stimmungs-System. Das bedeutet, dass ein Song nun auf einem Skala-Feld liegt. Ein Song kann dann z.B. als 85 Prozent positiv, 15 Prozent negativ, 30 Prozent ruhig und 70 Prozent aufregend eingestuft werden. Aus diesen Daten ergibt sich der genaue Punkt des Songs, den er auf dieser zweidimensionalen Skala einnimmt. Und aus diesem individuellen Punkt lässt sich dann die Emotion bestimmen. Das ermöglicht der KI deutlich mehr zu differenzieren und zudem repräsentiert dieses System die Emotionen-Vielfalt eines Menschen deutlich besser.

Das erste Experiment mit dieser neuen KI wurde mithilfe der Daten von 18.000 Songs durchgeführt. Das Ergebnis dessen war, dass die KI durchaus besser darin ist, zu erkennen ob ein Song eher positiv oder negativ ist. Allerdings ist die Trefferquote bei der Einteilung in ruhige und aufregendere Songs vergleichbar niedrig, wie bei älteren Methoden. Noch hat das Deezer-Team also einige Fehler zu beheben.

Wie diese KI die Art wie wir Musik hören beeinflussen könnte

Jedoch ist der Ansatz, eine KI für die Einteilung von Musik zu verwenden, gar nicht so verkehrt. Die Forscher von Deezer meinten, sie bräuchten Datensätze von synchronisierten Texten zu den Audio-Stücken, um die KI zu verbessern. Sollte diese oder ähnliche KIs dann aber irgendwann ausgereift sein, könnten sie die Art, wie wir Musik konsumieren, revolutionieren. Denn die Idee hinter diesen Vorhaben ist, dass man eines Tages in der Lage ist, die Stimmung von Musikkonsumenten automatisch zu erfassen und genau passende Playlists vorzuschlagen. Individualisiert man diesen Prozess noch weiter, könnten wir irgendwann ein perfekt auf unsere Hörgewohnheiten abgestimmtes Netzwerk aus Künstlern, Playlists und Titeln vorgeschlagen bekommen. Dann würden wir auch automatisch zu den besten Songs, die zu unserer derzeitigen Stimmung passen, geleitet. Und das Playlist-Chaos hätte ein Ende.


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Spotify: Wird der Musik-Streamingdienst von seinen Konkurrenten überholt?

Eugenio Marongiu/stock.adobe.com

Für viele Musikfans ist seit der Gründung des Musik-Streamingdienstes Spotify im Jahr 2006 ein Traum in Erfüllung gegangen: Endlich kann man gegen eine niedrige monatliche Gebühr seine Lieblingsmusik hören, wo man möchte. Spotify ist der größte und bekannteste Musik-Streamingdienst weltweit. Er zählt momentan rund 83 Millionen Abonnenten. Doch mittlerweile gibt es unzählige Konkurrenten, die erstaunlich schnell aufholen. Das hat eine enorme Auswirkung auf den momentanen Spitzenreiter des Musik-Streamings.

Damit können die Konkurrenten punkten

Es gibt mittlerweile eine ganze Menge Musik-Streamingdienste, die vergleichsweise kleiner sind als Spotify. Dazu zählen unter anderem Deezer, SoundCloud oder Napster. Doch auch große Unternehmen wie Apple, Google und Amazon bieten mittlerweile ihre eigenen Musik-Streaming-Angebote und stellen Spotify in den Schatten.

Besonders die Sprachsteuerung hat eine immer bedeutendere Rolle – und gerade bei dieser Funktion kann Spotify nicht mithalten. Die Sprachlautsprecher werden immer beliebter und auch beim Autofahren setzt sich diese Funktion immer mehr durch. Andere Dienste lassen sich gut über die Sprache steuern. Spotify hingegen hat damit große Schwierigkeiten. Bislang ist diese Funktion nur in Thailand verfügbar. Auch Im Vergleich zu den Konkurrenten findet Spotify viele Lieder über die Sprachsteuerung nicht. Zudem vertreibt Spotify derzeit keinen eigenen Sprachlautsprecher. Somit ist Spotify auf die Geräte der Konzerne angewiesen.

Diese Funktion wird von den Spotify-Nutzern vermisst

Wenn einem ein Lied besonders gut gefällt, nimmt man es doch gerne mal genauer unter die Lupe und guckt sich den Songtext an. Doch seit zwei Jahren ist diese Funktion bei Spotify nicht mehr möglich. Stattdessen gibt es eine neue „Behind the Lyrics„-Funktion. Hier erscheinen neben einzelnen Songtextausschnitten auch diverse Hintergrundinformationen zu der Erstehung des Liedes und dem Werdegang des Interpreten. Wer allerdings nur den Text sehen will, wird enttäuscht. Apple Music beispielsweise legt hingegen viel Wert auf die Songtexte und macht sie für jeden sichtbar.

Um weiterhin Spitzenreiter zu bleiben, muss Spotify am Ball bleiben. Apple Music und weitere Musik-Streamingdienste werden immer beliebter und holen kräftig auf. Dennoch geht es Spotify zurzeit sehr gut, aber die Konkurrenz schläft nicht und wird auch in Zukunft präsent bleiben. Es wird sich also zeigen, wie der Musik-Streamindienst sich entwickelt.


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YouTube Music: La-La-La-Lauch

YouTubeMusic_Titel by lena Simonis

YouTube Music ist eine “Lauch-App“. Nachdem ich einige Meinungen gelesen und mir auch selbst einen Überblick in der App verschafft habe, komme ich auf keinen besseren Vergleich: Alle Zutaten für ein Festessen sind da, das Essen ist auch schon fast fertig und es fehlt nur diese eine raffinierte Zutat, die aus dieser Malzeit ein 5-Sterne-Gericht zaubern würde. Aber Google kommt mit Lauch für 10 Euro das Kilo um die Ecke – und das ist kein Bio-Bärlauch.

YouTube Music im Club der Streamingdienste

YouTube Music gibt es bereits seit zwei Jahren, ist seit letzter Woche aber auch hierzulande verfügbar. Die Applikation hat Google für Nutzer konzipiert, die Audio über YouTube konsumieren wollen. Aber im Vergleich zu anderen Musik-Streaming-Diensten wie Spotify, Deezer, Apple Music oder Qobuz kann sie wenig. Im Gegenteil bietet die App in der kostenlosen Version nicht einmal dieses kleinen Feature, mit dem YouTube als Streaming-App überhaupt zu gebrauchen wäre und man die User so viel glücklicher machen würde. Natürlich sprechen wir von der Hintergrundwiedergabe, die kostenlose Drittanbieter-Apps wie OG YouTube so beliebt machen.


Die lange Liste des Nichtkönnens

Noch unsinniger werden die Beschränkungen bei der Nutzung von Google-Assistant-Lautsprechern. Die App möchte erstmal ein Upgrade in die Premium-Variante, bevor sie die Inhalte an den Lautsprecher sendet. Zwar lässt sich Musik über die Google-Home-App dann doch irgendwie an die Speaker senden. Aber selbst über die Premium-App reagieren die Google-Speaker nicht auf Sprachbefehle des Nutzers. Die zahlreichen nichtvorhandenen Funktionen und Features hat Golem bereits ausführlich besprochen. In etwa so, als hätte man Safran fürs Essen gebraucht und erklärt nun ausgiebig, wieso Curry außer der Farbe nichts damit gemeinsam hat.

Musikvideos ohne Bild = Audio in schlechter Qualität

Das größtes Manko: die Qualität der Musik lässt nicht einstellen, wie das etwa Apple Music erlaubt. Je nach Verbindung lädt die App mit maximal 128 Kilobit pro Sekunde im AAC-Format. Ist die Verbindung schlechter, gibt YouTube Music Dateien mit nur 64 Kilobit pro Sekunde aus. Und obwohl man als PlayMusic-Abonnent bei Google auch kostenlos Zugriff auf YouTubeMusic-Premium erhält, synchronisiert sich YouTubeMusic nicht mit PlayMusic, so dass man zwei Musikbibliotheken gleichzeitig pflegen muss. Andererseits übernimmt YouTube Music automatisch alle Daten aus der YouTube-App, lässt Nutzer die Daten aber nicht unabhängig managen, sondern löscht Musik immer automatisch in beiden Apps. Die neue App spielt Musik außerdem nicht auf Amazon Echos oder der Playstation von Sony ab.

YouTube Music ziemlich textsicher

Zwei praktische Funktionen, mit denen sich YouTube Music von anderen Apps abheben kann, gibt es aber doch. Die Suche nach Liedzeilen und in der Bezahl-Variante auch das Offline-Mixtape. Die smarte Suche lässt sich mit Textzeilen füttern und findet so tatsächlich meistens die passenden Titel dazu. Sucht man in YouTube Music unter „Heartbeats drifting together“ erscheint der gesuchte Metronomy-Song (Reservoir) an erster Stelle sowie zwei weitere Vorschläge. Klappt auch mit „Crying zeros and I’m hearing 111s“ von Alt-J (In Cold Blood) oder „Keine Atempause Geschichte wird gemacht“ von Fehlfarben (1 Jahr). Ein paar Fehlversuche gab es aber auch hier.

Offline-Mixtape
 vom Algorithmus

In meiner Jugend gab es Mixtapes, die man sich für besondere Gelegenheiten oder Menschen zusammen stellte. Das Kassettendeck im Auto, den Walkman für die Zugreise oder als Erinnerung an gute Zeiten für die Freunde im Ausland. Bei YouTubeMusic mixen kluge Algorithmen unsere Musikauswahl zusammen und machen Vorschläge, die sich an der Tageszeit und dem Standort des Nutzers orientieren. Und das ist zwar irgendwie praktisch, aber auch ein bißchen langweilig, vorhersehbar und unpersönlich.

…nicht von Herzen

Dennoch bietet YouTube Music in der Bezahl-Variante eine besondere automatische Playlist – das sogenannte Offline-Mixtape. Wenn man es möchte, speichert die App hier automatisch bis zu 100 favorisierte Lieder, je nachdem wie viel Platz auf dem Device zur Verfügung steht und wie hoch die Kompressionsrate ist. Diese Titel lassen sich dann auch ohne Internet-Verbindung abspielen. Einen Offline-Modus haben aber auch andere kostenpflichtige Streaming-Apps von Apple Music über Spotify bis Deezer.

Fazit: Lauch bleibt Lauch



YouTube Music erscheint unfertig und übereilt auf den Markt geworfen. Wann Google PlayMusic und YouTube Music endgültig zu einer App verschmelzen, ist noch nicht bekannt. Solange dürfen PlayMusic-Abonnenten auch die Premium-Variante von YouTube Music nutzen, können aber die Bibliotheken nicht synchronisieren. Der automatische Download in der kostenpflichtigen App ist zwar praktisch und die smarte Suche nach Liedzeilen macht Spaß, um damit die Nutzer von anderen Diensten wegzulocken, genügen die Funktionen meiner Meiner nach aber nicht.

Zum Launch bietet Google eine dreimonatige, kostenlose Testphase von YouTube Music Premium an, die ihr hier für iPhone und Android herunterladen und mit einem Google-Konto nutzen könnt. Anschließend kostet das Abo regulär 9,99 Euro, über die iPhone-App jedoch 12,99 Euro im Monat. Googles unübersichtliche Preisgestaltung macht das Angebot sicher nicht attraktiver. Wenn ihr das Test-Abo kündigt, könnt ihr es dennoch bis zum Ende des Zeitraumes testen.

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Android Auto im Test: So funktioniert Googles Infotainment auf vier Rädern

Android Auto Test

Von Autos, die so smart sind, dass sie selbsttätig agieren können, sind wir noch weit entfernt. Als Zwischenschritt lassen sich viele Neuwagen aufschlauen, indem ihr sie mit eurem Android-Smartphone verbindet. Voraussetzung ist, dass das Auto oder ein nachträglich eingebautes Autoradio Googles Technologie namens Android Auto unterstützt. Immer mehr Automodelle sind kompatibel. Um euch zu erklären, welche Vorteile diese Vernetzung bietet, habe für zwei Wochen Android Auto mit meinem Lenovo Moto Z ausprobiert.

Die Idee hinter Android Auto

Im Kern ermöglicht euch die Technologie, einige Funktionen eures Android-Smartphones auch im Auto zu benutzen. Eurer Smartphone bleibt dabei die zentrale Steuereinheit. Dadurch lässt sich Android Auto im Gegensatz zu Apple CarPlay auch sogar dann verwenden, wenn euer Auto kein Touchdisplay besitzt. Google trägt damit unterschiedlichen Innovationszyklen bei Autos und Smartphones Rechnung. Smartphones und ihre Betriebssysteme werden derzeit viel schneller erneuert als ihr euch ein anderes Auto kauft. Deshalb steht das Smartphone im Mittelpunkt. Die einzige Voraussetzung ist, das auf eurem Smartphone Android 5 oder neuer installiert ist.

Android Auto einrichten

Im Unterschied zu Apples CarPlay ist Android Auto nicht fester Bestandteil des Betriebssystems. Stattdessen ladet ihr es als separate App aus dem Play Store herunter. Nach der Installation verbindet ihr das Handy per USB-Kabel mit dem Auto und seht den Startbildschirm von Android Auto. Auf dem Startbildschirm erhaltet ihr alle wichtigen Informationen wie die momentane Routenplanung, die laufende Musik oder das aktuelle Wetter. Nach einiger Nutzungszeit werden euch aber auch Vorschläge zur Navigation angezeigt, wie zum Beispiel die Navigation zur Arbeit am Morgen oder nach Hause am Abend. Über empfangene Nachrichten oder verpasste Anrufe informiert euch Android Auto ebenfalls. Sie lassen sich per Sprache oder per automatischer Antwort beantworten. Dies könnt ihr in den Einstellungen der App festlegen.

Standard-Apps nach euren Vorlieben auswählen

Android Auto ist in drei Bereiche unterteilt: Navigation, Kommunikation und Musik. Diese lassen sich durch Antippen der Symbole am unteren Bildschirmrand auswählen. Tippt ihr beispielsweise auf Navigation, so öffnet sich Google Maps. Wenn ihr aber eine andere App zur Navigation verwenden möchtet, tippt ihr erneut auf das Navigationssymbol und seht eine Liste mit allen unterstützen Navi-Apps auf dem Smartphone. Bei den Bereichen Kommunikation und Musik verhält es sich genauso. Eine komplette Übersicht über alle unterstützen Apps findet ihr hier.

Mit Android Auto navigieren

Zur Navigation lassen sich wahlweise die Apps Google Maps sowie Waze nutzen. Die Anwendungen sind für den Bildschirm im Fahrzeug optimiert und bieten große, leicht sichtbare Schaltflächen. Wenn das Auto sich in Parkposition befindet oder der Motor ausgeschaltet ist, lässt sich das Ziel per Bildschirmtastatur eingeben. Ansonsten stehen euch die Sprachbedienung sowie die letzten Ziele aus dem Verlauf zur Verfügung. Während der Navigation lassen sich auch Zwischenziele wie Cafés oder Tankstellen suchen, die sich auf der Route befinden. Diese werden euch dann anschaulich auf einer Karte angezeigt und lassen sich durch Antippen der Route hinzufügen.

Android Auto Test
Die Navigation über Android Auto funktioniert gut. Image by Timo Brauer

Die Navigation funktioniert in meinem Test sehr zuverlässig und die angegebene Ankunftszeit war immer ziemlich genau. Einzig die Routenoptionen zum Vermeiden von Autobahnen und Mautstraßen wurden, sobald die Route neu berechnet wurde, einige Male zurückgesetzt. Das war relativ störend. Dieses Problem lässt sich aber sicher durch ein Softwareupdate seitens Google lösen.

Android Auto als Kommunikationszentrale

Im Bereich Navigation könnt ihr Telefonanrufe starten, die über die Freisprechanlage des Autos geführt werden können. Hier stehen euch eine Liste der letzten sowie der verpassten Anrufe zur Verfügung. Leider fehlt eine vollständige Liste der eigenen Kontakte, sodass ihr meistens auf die Sprachsteuerung zurückgreifen müsst. Diese funktioniert aber einwandfrei und hatte in meinem Praxistest keine Probleme, die genannten Namen zu verstehen. Eingehende Nachrichten werden auf Wunsch vorgelesen und lassen sich per Sprache beantworten. Ihr könnt aber auch in den Einstellungen der App von Android Auto festlegen, dass alle Nachrichten mit einer automatischen Antwort beantwortet werden.

Android Auto Test
Telefonieren lässt sich über Android Auto natürlich auch. Image by Timo Brauer

Musik hören mit Android Auto

Im Bereich Musik stehen euch nicht nur sämtliche Streaming-Dienste wie Google Music, Spotify, Deezer und Amazon Music zur Verfügung, sondern auch Podcast-Apps wie Pocket Casts oder die Radio App TuneIn. Wärend bei Letzterem quasi der komplette Funktionsumfang der App in einem angepassten Layout zur Verfügung steht, sind die Musikstreaming-Apps deutlich eingeschränkter.

Android Auto Test
Android Auto unterstützt viele Musik-Apps, darunter Spotify. Image by Timo Brauer

So könnt ihr bei Spotify beispielsweise die Playlists nur von Anfang abspielen und sie nicht durchscrollen und einen bestimmten Song abspielen. Auch die Playlisten selber könnt ihr nicht durchblättern. Solange sich das Auto nicht im Parkmodus befindet, bekommt ihr nur die ersten paar Playlisten angezeigt und werdet dann durch den Hinweis „Aus Sicherheitsgründen wird das Surfen gesperrt“ daran gehindert auf die weiteren Playlisten zuzugreifen.

Android Auto Test
Aus Sicherheitsgründen schränkt Android Auto die Bedienung von Spotify ein. Image by Timo Brauer

Test-Fazit Android Auto

Die bereits aufgezählten Einschränkungen bei der Nutzung bestimmter Apps wie der Zieleingabe bei der Navigation sowie beim Musik hören sind zwar nachvollziehbar, da die übermäßige Benutzung von Systemen wie Android Auto oder CarPlay während der Fahrt doch stark ablenken können und das Unfallrisiko erhöhen. Leider lassen sie sich aber auch nicht abschalten, wenn das System beispielsweise vom Beifahrer bedient wird. So kann ein Zwischenziel oder eine bestimmte Playlist während der Fahrt auch nicht vom Beifahrer eingegeben oder ausgewählt werden.

Diese Funktionen können so nur durch den Fahrer per Spracheingabe erledigt werden, da sich das Mikrofon zumindest in meinem Fahrzeug scheinbar im Lenkrad befindet und so den Beifahrer nur schlecht verstehen kann. Bis auf diesen Nachteil ist Android Auto aber eine tolle Möglichkeit, Navigation und Entertainment im Auto zu verwenden. Besonders die Möglichkeit, während der Navigation Zwischenziele einzufügen sowie die besseren Verkehrsdaten sind Vorteile gegenüber Apple CarPlay.

Bei der Musikwiedergabe ist aber Apples Lösung im Vorteil, da sie nicht über die genannten Beschränkungen verfügt. Welches System ihr einsetzt, hängt schlussendlich von eurem bevorzugten Smartphone-System ab. In vielen Fahrzeugen sind aber sogar beide Systeme verfügbar.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


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Wie Telekom mit der StreamOn-Funktion die Netzneutralität gefährdet

Telekom-StreamOn-Teaser-AP

Mobilfunkverträge mit inklusivem Datenvolumen sind hierzulande ja ein leidiges Thema. Während Anbieter in Nachbarstaaten wie Finnland mit Dutzenden Gigabytes um sich werfen, erhält der Otto Normalverbraucher in Deutschland nur ein mickriges Inklusiv-Volumen. Bei Verwendung von Streamingplattformen wie Spotify oder YouTube ist das schnell aufgebraucht. Abhilfe soll beim größten deutschen Mobilfunkanbieter Telekom die neue Option „StreamOn“ schaffen. Doch was gut gemeint ist, könnte den Streaming-Wettbewerb womöglich spürbar verzerren.

StreamOn: Streamingdienste vom Inklusivvolumen ausgenommen

Streaming ist der Trend der letzten Jahre. Songs und Videos müssen nicht mehr auf dem kostenbaren Speicher des mobilen Endgeräts gespeichert, sondern können unterwegs „on-the-fly“ von den Webservern abgerufen werden. Gerade das kostet allerdings eine Menge Bandbreite, die bei den meisten Verträgen rar ist. Der Netzanbieter Telekom hat diese Entwicklung erkannt und bietet ab 19. April eine neue Option mit dem Namen StreamOn an.

Dabei ist der Name Programm: Der Nutzer kann Musik hören und Videos schauen, ohne dass das im Tarif enthaltene Highspeed-Datenvolumen belastet wird. Die Telekom selbst gibt sich selbstbewusst und Unternehmenssprecher Niek Jan van Damme tönt: „Mit StreamOn werden wir den deutschen Mobilfunkmarkt revolutionieren. Das neue Angebot ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, unseren Mobilfunkkunden auch unterwegs eine uneingeschränkte Nutzung von Audio- und Videoinhalten im besten Mobilfunknetz zu bieten.

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Spotify ist zum Marktstart von StreamOn noch nicht enthalten. (Image by Jonas Haller)

Doch uneingeschränkt gilt nicht ganz: Für die Aufnahme in die Liste der ausgewählten Dienste müssen die Anbieter Telekom-Partner sein oder werden. Zum Start werden im Audiosegment lediglich Apple Music, Amazon Music Unlimited, JUKE, Napster sowie radioplayer.de unterstützt. Verhandlungen mit Spotify laufen nach Unternehmensangaben, eine Einigung wurde aber noch nicht erzielt. Soundcloud oder Google Play Music wurden gar nicht angefragt. Auch im Videobereich sind zwar die Big Player wie YouTube, Netflix, Amazon Prime Video, Sky Go oder das ZDF an Bord, allerdings fehlen Dienste wie Google Play Filme, Vimeo oder die ARD. Letzteres Angebot steht lediglich über den Telekom-eigenen Service EntertainTV live zur Verfügung.

Selektierung von Seiten der Telekom

Das Dilemma der kostenlos hinzubuchbaren Option ist die Willkürlichkeit des größten deutschen Netzbetreibers. Schlussendlich entscheidet er, welche Streaming-Dienste es wert sind, für StreamOn freigeschalten zu werden. Zwar verspricht Michael Hagspihl, Geschäftsführer Privatkunden Telekom Deutschland GmbH, dass keine Einschränkungen vorliegen und jeder Anbieter von legalen Audio- und Video-Inhalten Partner werden kann, allerdings müssen die Streaming-Unternehmen erst auf die Telekom zugehen. Und das ist die falsche Vorgehensweise. Der Mobilfunkanbieter bevorteilt einmal mehr die großen Content-Lieferanten und beschneidet etwaige Mitbewerber in ihrer Konkurrenzfähigkeit.

Fazit: Entweder alle oder keine

Auf dem ersten Blick ist StreamOn eine echte Revolution für den Mobilfunkmarkt. Gerade große Datenmengen bleiben von der Anrechnung an das Datenvolumen verschont. Der zweite Blick offenbart allerdings vielmehr einen Rückschritt – vor allem in Sachen Netzneutralität. Kooperierende Streaming-Anbieter werden durch die Funktion in ihrer Wettbewerbsfähigkeit bevorteilt. Der Mobilfunkbetreiber sollte nicht die Schlüsselrolle spielen, warum ein Kunde genau diesen Streaming-Dienst nutzt. An die Telekom gilt deswegen der Appell: entweder alle oder keine. Entweder, man spendiert den Kunden echte Flatrates oder bleibt weiterhin im alten System der engen Datenvolumina.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


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Willkommen in der musikalischen Zeitmaschine: Das Radiogefühl unserer Kindheit ist zurück

Vielleicht ist dieses Erlebnis an den Millenials vorbeigegangen, aber ältere Semester dürften diese Erinnerung mit einem nostalgischen Gefühl verbinden: Endlose Stunden im Auto, meist auf dem Rücksitz und auf einer Fahrt in den weit entfernten Urlaub, die Eltern vorn nicht nur am Lenkrad, Gas und Bremse, sondern auch am Autoradio-Knopf – und irgendwann wurden die lokalen Radiosender durchprobiert.

Meistens hat das eine ganze Weile gedauert, bis man etwas gefunden hat, auf das sich alle einigen konnten, denn man kam auf der Suche an einer Menge Ungeliebtem vorbei – von urigen Blasmusiksendern über langweilige Dudelfunk-Gewinnspielsendungen bis hin zu ellenlangen Wortbeiträgen in fremder Sprache. Denn: Nicht immer gab es den Komfort der Auswahl zwischen verschiedenen, sorgfältig zusammengestellten Playlists oder Streams wie heutzutage.

Was vor einigen Jahren wie eine Erlösung vom lokalen Radiodiktat erschien, könnte jetzt aber wieder Trend werden. Eine Homepage stellt sich als mutiger Einzelkämpfer gegen die glattgebügelten, immergleichen, werbefinanzierten und allzeit verfügbaren Streams und gibt sich unberechenbar. Das Projekt radiooooo.com (geschrieben mit mindestens fünf und höchstens etwa 25 „O“) gibt dem Nutzer das unwiederholbare Erlebnis zurück, das es früher nur im Analogradio gab: Sich in Geduld zu üben und einen Song tatsächlich bis zum Ende anzuhören.

Back for Good: Das Radio, das man nicht vorspulen kann

Im Gegensatz zu randomisierten Streaming-Angeboten wie Spotify, Deezer oder den auf Empfehlungen basierenden YouTube-Playlisten, die andere Nutzer erstellt haben, definiert sich radiooooo.com durch seine Zufälligkeit und Unwiederholbarkeit. Eine Pause-Taste gibt es nicht, einen Zurück- oder Vorspul-Button sucht man ebenso vergeblich. Die einzige Auswahlmöglichkeit, die die Hörer haben, besteht darin, dass ungefähre Jahrzehnt und das Land, in das man musikalisch und gedanklich reisen möchte, auszuwählen – die Urlaubs-Assoziation und die Neugierde auf fremde Kulturen und Szenen muss also durchaus gegeben sein. Eine liebevoll gezeichnete Landkarte, auf der man sich zwecks Länderauswahl bewegt, hilft beim Navigieren.

In der Songauswahl kann der Nutzer die etwas ungenaue, aber deshalb nicht unspannende Auswahl zwischen den verschlagworteten Stilrichtungen „Slow“, „Fast“ und „Weird“ treffen. Zusätzlich gibt es noch einen „Taxi-Modus“, der den Hörern an mehrere Ziele bringt und eine Art Playlist erlaubt. Jeder Song, auch die Taxi-Strecke, kann natürlich auf sämtlichen sozialen Netzwerken geteilt und geliked werden – und so hoffentlich noch mehr Inspirationen hereinbringen. Außerdem erlaubt ein Link zum iTunes-Store, die Neuentdeckungen direkt zu kaufen.

Screenshot Homepage (Image via radiooooo.com)

Die Zeitspanne des musikalischen Repertoires umfasst etwa die letzten 100 Jahre – wer immer schon einmal wissen wollte, wie sich chinesische Volksmusik der 30er Jahre, russische Schmusehits der 70er oder echte Merkwürdigkeiten aus Ländern, die man musikalisch sonst eher nicht auf dem Schirm hat (hier sei nur die Antarktis, eine geheimnisvolle Insel namens „Lazy Island“ oder die verheißungsvolle „Party Island“ genannt), anhören möchte, sollte sich hier ausführlicher umschauen.

Mit Crowdfunding zum Radioprojekt

Entstanden ist diese Idee, wie sollte es auch anders sein, beim Autofahren. Benjamin Moreau, ein junger französischer DJ, wollte laut Gründungslegende den Oldtimer-Sportwagen seines Vaters testen – natürlich inklusive laut aufgedrehter Soundanlage. Als er das Autoradio anstellte, machten die kommerziellen Sender ihm aber einen Strich durch die Rechnung: stampfende Beats und verzerrte Autotune-Gesänge wollten so gar nicht zu den edlen Ledersitzen und dem mondänen Fahrgefühl passen.

Natürlich hätte sich Moreau auch einfach einen x-beliebigen YouTube-Stream suchen und auf das Beste hoffen können, doch die Algorithmen sind oft genug enttäuschend oder allzu vorhersagbar – jeder, der sich schon einmal im Laufe eines Abends im YouTube-Dschungel verirrt hat, kann das sicherlich bestätigen. Als DJ verfügte Moreau nicht nur über eine riesige Plattensammlung und jede Menge Unterstützer, sondern wusste auch, wie mühsam es sein konnte, sich seine Songs und Versionen zusammenzusuchen: „Das Internet sorgt dafür, dass man fast alles finden kann. Man muss aber wissen, wo man suchen muss.“ Ein eigenes Projekt musste also her.

Als die Idee der „musikalischen Zeitmaschine“ genug gereift war, wandte man sich an eine Crowdfunding-Plattform. Der Ansatz passte perfekt: Die Community sollte von vorn herein eingebunden werden, zunächst finanziell, später auch mit Inhalten. Die Idee hat sich auch auf die fertige Seite übertragen: Die Nutzer der Seite können in die Community eintreten und Songs aus ihrem Fundus aus allen Epochen hinzufügen, um zu diesem auditiven, weltumspannenden Puzzle etwas beitragen zu können – völlig ohne Algorithmen.

DJs und Musikliebhaber: Das Team von radiooooo.com (Image via radiooooo.com)
DJs und Musikliebhaber: Das Team von radiooooo.com (Image via radiooooo.com)

Die Urheberrechtsfrage wird umgedreht

Die komplizierte Frage nach dem Urheberrecht hat sich natürlich auch bei diesem Projekt gestellt. Die Betreiber operieren hier erfreulicherweise sehr offen: Jeder Song, den ein Nutzer hochlädt, wird zunächst vor der Freigabe von einem Urheberrechtsexperten geprüft. Im Anschluss wird das entsprechende Label angefragt, ob man deren Inhalte nutzen darf, und erst dann findet er Eingang in die Songdatenbank. Auf diese Weise kann eine Fehlermeldung umgangen werden und kein Nutzer muss juristische Konsequenzen fürchten.

In Fragen der Usability muss dem Entwicklerteam hier definitiv ein großes Lob ausgesprochen werden. Auch sollen vorrangig lokale Künstler und die Kulturszene gefördert werden – kommerzielle Hits wird man hier also, abgesehen von dem ohnehin beabsichtigten Zufallsprinzip, eher selten vorfinden.

Die Datenbank muss wachsen

Während dieser Beitrag entstanden ist, versuchte die Autorin, einen möglichst diversen Eindruck der Seite zu bekommen. Hierbei tat sich jedoch ein hausgemachtes Problem auf: je abseitiger und genauer die Angaben wurden, desto geringer war natürlich die Songauswahl – aserbaidschanische Musik aus den Zwanzigern hat schließlich nicht jeder auf der Festplatte. Leider ergibt sich hier irgendwann eine gewisse Wiederholung. Doch dieser kann jeder Nutzer entgegenwirken, in dem er selbst teilnimmt und Songs aus seinem Fundus hinzufügt. Einen Effekt hat die Seite auf jeden Fall bewirkt: sie will neugierig machen auf andere Epochen und Kulturen – mit Erfolg!

Mit der Aussage, von nun an müsse man „nie mehr in der Mittelmäßigkeit des Internets herumkramen“, haben sich die Entwickler sicherlich ein hehres Ziel gesetzt – doch diese Herausforderung, seine musikalischen Schätze mit der Welt zu teilen, nimmt sicherlich jeder Musikliebhaber gerne an.


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Deezer denkt europäisch, sucht aber nach globalen Antworten für die Zukunft

Man with Headphones ? (adapted) (Image by Sascha Kohlmann [CC by 2.0] via flickr)

Es sind die europäischen Startup-Zentren, die die weltweite Innovationskultur vorantreiben – so wünscht es sich zumindest die hiesige Politik und versucht ein wirtschaftliches Umfeld zu schaffen, indem überhaupt noch Konkurrenz zu den bisher den Lauf der Dinge bestimmenden Unternehmen aus den USA entstehen kann. Am besten noch, bevor die asiatischen Unternehmen mit ihren Millionen an Nutzern neue globale Standards setzen. Beim Streaming von Musik sieht die europäische Bilanz eigentlich ganz gut aus. Mit Spotify aus Stockholm, dem Berliner SoundCloud und Deezer aus Paris kommen gleich drei große Streaming-Anbieter, die in Konkurrenz zu Apple und Google stehen, aus Europa. Das ist bei der europäischen Kulturpolitik nicht immer ein Vorteil. Daniel Marhely, der zuvor das Projekt Blogmusik.net gestartet hatte, gründete im Jahr 2007 mit Deezer den ersten legalen Streamingservice Frankreichs. „Wir sind natürlich gerne europäisch“, erkärt Gerrit Schumann, Chief International Officer bei Deezer, beim Interview im Berliner St. Oberholz. Der Gründer des deutschen Online-Musikdienst Simfy ist Ende 2013 als Vice President Europe zu Deezer gekommen, welches im vergangenen Jahr dann auch noch die Nutzer von Simfy übernahm, nachdem das Unternehmen den Dienst einstellte. Die Herkunft ist für Schumann aber nicht entscheidend, viel mehr spielt für ihn das Verhältnis in der Plattform-Landschaft eine entscheidende Rolle.

Ich würde sagen, dass wir ein europäisches Unternehmen sind. Wir sind mit Stammsitz in Paris und 80 Prozent unseres Teams in Europa. Aber ist das jetzt ein Vorteil? Deezer steht gut in den europäischen Märkten dar, aber ist denn die Frage, ob amerikanisch oder europäisch überhaupt wichtig? Es geht eigentlich mehr darum, auch in der Industrie ein gesundes ausgewogenes Verhältnis in der Plattform-Landschaft zu haben.

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Gerrit Schumann, Deezer

Schumann spielt auf den Status Quo der Musikindustrie an. Diese ist in einer starken Abhängigkeit von Google und Apple. Letzeres war es, das damals mit dem iPod und iTunes den Preis von 99 Cent pro Lied festlegte. Die Musikindustrie, damals vom Thema Piraterie besessen, freute sich zumindest, dass es endlich ein technisch gutes Angebot kam, bei dem überhaupt noch für Musik bezahlt wurde. Mit YouTube war Google die Plattform für Musikvideos in den letzten zehn Jahren. Das Verhältnis zu diesen Plattformen ist laut Schumann deshalb ebenso wichtig „für die Musikindustrie, als auch für die Künstler. Darum geht es eigentlich. Das ist entscheidend. Ob wir jetzt europäisch sind oder nicht, das ist daher nicht so wichtig“. Mit mehr Streaming-Unternehmen kann die Musikindustrie auch besser mitreden, zu welchen Preisen ihre Kataloge angeboten werden. Denn der Streaming-Markt wird immer wichtiger für die Musikindustrie:

„Wir sind ein sehr dynamischer Markt. In den letzten Jahren sind wir zu dem geworden, was wir vor fünf Jahren gesagt haben, was es sein wird: der Ort, an dem der Hauptkonsum für Musik stattfindet. Mittlerweile ist der Musikmarkt an sich digital und hat den physischen Markt überschritten – Musikstreaming macht im Schnitt inzwischen 15 Prozent am Gesamtumsatz aus und der Trend schreitet fort.“

Doch auch die Online-Musikdienste sind sich dieser Bedeutung bewusst. Schumann meint, dass man alle zwei Jahre, spätestens aber nach fünf Jahren, die Lizenzstrukturen noch einmal überprüfen sollte. Denn neben der wirtschaftlichen Bedeutung von Streaming verändern sich auch die Produkte der Online-Musikdienste und solche Verträge sollten stets „den aktuellen Bedarf und die aktuelle Marktsituation abbilden“. Bei neuen Produkten arbeitet auch Deezer mit den Plattformen zusammen. Während auch Apple und Google ebenfalls im Streamingbereich aktiv sind, arbeitet Deezer mit beiden Firmen beim Thema Auto zusammen. Deezer ist sowohl bei CarPlay als auch dem Android Auto mit unterwegs. Mit Amazon, das immer mehr auch für den Musikbereich spannende Geräte anbietet, sucht Deezer ebenfalls die Kooperation. Schumann spricht von „Frenemies“ – Freundfeinden. Der Begriff beschreibt das Verhältnis zwischen den USA und Europa oft recht treffend. Doch Unternehmen wie Deezer müssen internationaler denken als geopolitische Konzepte es ermöglichen. Zur Fußball-Europameisterschaft der Männer wird es die aus nationalen Ligen bekannten Livestreams der Fußballspiele geben. Neben Fußball soll es bald auch Content zu anderen Themen geben. Und nicht nur Musik, sondern auch News und Entertainment, wie Schumann aufzählt. Aufgrund der Masse an Content ist für ihn deshalb die Frage wichtig: „Wie bringe ich ihn dem Nutzer eigentlich möglichst einfach näher?“ Deezer setzt zurzeit auch auf Kuration durch die eigene Musikredaktion, das Hauptthema der Zukunft ist aber Personalisierung: Eine internationale Herausforderung für Content-Anbieter.


Image (adapted) „Man with Headphones ?“ by Sascha Kohlmann (CC BY-SA 2.0)


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MIDEM 2014: Die Flucht ins Streaming

Skyphone Session through Autographer (adapted) (Image by Mads Boedker [CC BY 2.0], via flickr)

Kann Streaming ein nachhaltiger Wert für Musiker sein? Auf der Musikfachmesse MIDEM gab es neben YouTube kaum ein anderes Thema. Nachdem Thom Yorke im Vorjahr Spotify & Co. ein baldiges Ende vorher sagte, erfreuten sich gerade die Streaming-Anbieter in diesem Jahr viel Beachtung. Der respektvolle Umgang mit den Künstlern und der Branche trägt Früchte und wurde auf fast jedem Podium lobend erwähnt. Scheinbar hat die Branche den Wert von Streaming erkannt und nutzt ihn bereits intensiv.

Ein Kindergarten namens Musikindustrie

Musiker sind Künstler, Emotionen sind Teil ihrer Natur. Und an denen fehlte es der prominenten Podiumsrunde auch nicht, die am Samstagabend auf der MIDEM 2014 über die Zukunft der Musikindustrie diskutierten. Deezer-CEO Axel Dauchez, Eddy Maroun von Anghami, Musikmanager Brian Message, Mandar Thakur von der indischen Firma Times Music und schließlich noch Thorsten Schlieche von Napster. An Kompetenz fehlte es offensichtlich eben so wenig in der von Milana Rabkin moderierten Runde.

Und Rabkin machte gleich zu Beginn einen provokanten Start: „Die Musikindustrie hat in den letzten Jahren das Wachstum von Streaming stark gebremst. Wollte man einen Streaming-Dienst aufbauen, war es ein Alptraum. Einige in der Musikindustrie haben sich wie im Kindergarten benommen

Streaming als Strategie

Wie zum Beispiel von Eddy Maroun vom arabischen Streaming-Dienst Anghami, der auf den Wert des Produkts verwies. Es muss stets attraktiv sein und „nichts setzt einem mehr Wettbewerbsdruck aus als Piraterie„. Doch die Entwicklung ist erst am Anfang und das volle Potenzial von Streaming noch gar nicht erkannt. Auch Schlieche von Napster sieht die Entwicklung noch lange nicht beendet und berichtete von eigenen Versuchen, „Play“ als neue Währung des Streaming zu etablieren, denn am Ende kommt es nur darauf an, wie oft ein Lied oder Video abgespielt wurde, wenn es um Geld für Künstler geht und um nichts anderes geht es. Deshalb setzt Napster auch vermehrt auf eigene Inhalte, wie z.B. Videos von Akustiksessions oder Interviews, alles was Fans interessieren könnte und näher an die Musiker bindet, so dass Videos öfters geschaut werden und Musiker bekannter werden.

Brian Message betonte den Nutzen von Streaming für noch wenig bekannte Musiker oder für diejenigen, die nicht viel von Marketing halten: „Es kann für einen neuen Musiker sehr schwierig sein, mit bereits bekannteren Musikern zu konkurrieren, (…) aber Streaming ist genau dafür ein sehr praktisches Werkzeug„. Deshalb hat er zum Beispiel bei Nick Cave „Streaming an vorderste Stelle aller Aktivitäten gesetzt, noch vor der Entwicklung von Spotify-Apps oder Songtextekarten, um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Und das hat ausgezeichnet funktioniert„. Es lässt sich zwar nicht alles monetarisieren, aber alles zählt wiederum in den Bereich des Messbaren und das kann viel Wert sein.

Aufmerksamkeit und Geld

Wie viel wert so etwas ist, wollte das Publikum vor allem von Deezer-Geschäftsführer Alex Dauchez wissen, der die Bemühungen seines Unternehmens, mehr Aufmerksamkeit zu generieren, nicht nur als Service für Musiker verstanden wollte, sondern als Hilfe für die gesamte Musikindustrie. Die interessierten sich aber eher dafür, wie viel Deezer gewillt ist, von den Einnahmen abzugeben als für die Investitionsvorhaben. Dauchez verwies auf Deezers unterschiedlichen Beteiligungsformen, die sich nach dem Lied richten.

Musiker aus dem Publikum interessierten sich besonders für die Daten, denn sie wissen kaum etwas über ihre Fans auf Deezer und würden gerne das Wissen besser monetarisieren, in dem sie sich auf Zielmärkte konzentrieren könnten. Vom Respekt allein lässt es sich eben auch nicht leben, doch Dauchez blockte hier schnell ab. Es wird zwar über Wege nachgedacht, wie Musiker auf Deezer mehr aus den Daten machen können, eine Herausgabe und damit vielleicht eine Nutzung des Wissens in anderen Diensten, könnte er nicht zu lassen.

Eine Lösung aus diesem Dilemma brachte zum Ende der lebhaften Diskussion Schlieche ins Gespräch: „Wenn Künstler ihre eigenen Plattformen bauen würden und selber ihre Inhalte bewerben, sollten sie es auch selber schaffen, Zugang zu ihrer Fangemeinde zu bekommen„. Und Messsage ergänzte: „Das Gute ist doch, dass wir die Wahl haben, denn es gibt schon jetzt eine Reihe von Möglichkeiten, denn immer mehr Unternehmen mit Diensten, die früher Labels angeboten haben, bieten einen leichten Zugang zu ihren Daten„.


Image (adapted) “Skyphone session through Autographer“ by Mads Boedker (CC BY 2.0)


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MIDEM 2014: Ist die Musikindustrie endlich am Wendepunkt angekommen?

MIDEM Panel (Bild: Tobias Schwarz-Netzpiloten, CC BY 4.0)

In kleiner Runde wurde auf der MIDEM 2014 angenehm offen über den digitalen Wandel der letzten Jahre und den neuen Möglichkeiten der Musikindustrie diskutiert. // von Tobias Schwarz

MIDEM Panel (Bild: Tobias Schwarz-Netzpiloten, CC BY 4.0)

Die Digitalisierung verändert das Musikgeschäft seit mehr als einem Jahrzehnt und inzwischen haben viele Akteure ihre Lehren aus dem Wandel gezogen und das eigene Geschäftsmodell angepasst. Distribution ist digital geworden und längst in den Händen von Unternehmen wie Apple, Google und Spotify. Doch wenn es nicht mehr um den Verkauf von Platten geht, was bleibt dann noch übrig, womit Künstler und Verlage Geld verdienen können? Die Antwort ist naheliegend: Musik.

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