YouTube Music: La-La-La-Lauch

YouTube Music ist eine “Lauch-App“. Nachdem ich einige Meinungen gelesen und mir auch selbst einen Überblick in der App verschafft habe, komme ich auf keinen besseren Vergleich: Alle Zutaten für ein Festessen sind da, das Essen ist auch schon fast fertig und es fehlt nur diese eine raffinierte Zutat, die aus dieser Malzeit ein 5-Sterne-Gericht zaubern würde. Aber Google kommt mit Lauch für 10 Euro das Kilo um die Ecke – und das ist kein Bio-Bärlauch.

YouTube Music im Club der Streamingdienste

YouTube Music gibt es bereits seit zwei Jahren, ist seit letzter Woche aber auch hierzulande verfügbar. Die Applikation hat Google für Nutzer konzipiert, die Audio über YouTube konsumieren wollen. Aber im Vergleich zu anderen Musik-Streaming-Diensten wie Spotify, Deezer, Apple Music oder Qobuz kann sie wenig. Im Gegenteil bietet die App in der kostenlosen Version nicht einmal dieses kleinen Feature, mit dem YouTube als Streaming-App überhaupt zu gebrauchen wäre und man die User so viel glücklicher machen würde. Natürlich sprechen wir von der Hintergrundwiedergabe, die kostenlose Drittanbieter-Apps wie OG YouTube so beliebt machen.


Die lange Liste des Nichtkönnens

Noch unsinniger werden die Beschränkungen bei der Nutzung von Google-Assistant-Lautsprechern. Die App möchte erstmal ein Upgrade in die Premium-Variante, bevor sie die Inhalte an den Lautsprecher sendet. Zwar lässt sich Musik über die Google-Home-App dann doch irgendwie an die Speaker senden. Aber selbst über die Premium-App reagieren die Google-Speaker nicht auf Sprachbefehle des Nutzers. Die zahlreichen nichtvorhandenen Funktionen und Features hat Golem bereits ausführlich besprochen. In etwa so, als hätte man Safran fürs Essen gebraucht und erklärt nun ausgiebig, wieso Curry außer der Farbe nichts damit gemeinsam hat.

Musikvideos ohne Bild = Audio in schlechter Qualität

Das größtes Manko: die Qualität der Musik lässt nicht einstellen, wie das etwa Apple Music erlaubt. Je nach Verbindung lädt die App mit maximal 128 Kilobit pro Sekunde im AAC-Format. Ist die Verbindung schlechter, gibt YouTube Music Dateien mit nur 64 Kilobit pro Sekunde aus. Und obwohl man als PlayMusic-Abonnent bei Google auch kostenlos Zugriff auf YouTubeMusic-Premium erhält, synchronisiert sich YouTubeMusic nicht mit PlayMusic, so dass man zwei Musikbibliotheken gleichzeitig pflegen muss. Andererseits übernimmt YouTube Music automatisch alle Daten aus der YouTube-App, lässt Nutzer die Daten aber nicht unabhängig managen, sondern löscht Musik immer automatisch in beiden Apps. Die neue App spielt Musik außerdem nicht auf Amazon Echos oder der Playstation von Sony ab.

YouTube Music ziemlich textsicher

Zwei praktische Funktionen, mit denen sich YouTube Music von anderen Apps abheben kann, gibt es aber doch. Die Suche nach Liedzeilen und in der Bezahl-Variante auch das Offline-Mixtape. Die smarte Suche lässt sich mit Textzeilen füttern und findet so tatsächlich meistens die passenden Titel dazu. Sucht man in YouTube Music unter „Heartbeats drifting together“ erscheint der gesuchte Metronomy-Song (Reservoir) an erster Stelle sowie zwei weitere Vorschläge. Klappt auch mit „Crying zeros and I’m hearing 111s“ von Alt-J (In Cold Blood) oder „Keine Atempause Geschichte wird gemacht“ von Fehlfarben (1 Jahr). Ein paar Fehlversuche gab es aber auch hier.

Offline-Mixtape
 vom Algorithmus

In meiner Jugend gab es Mixtapes, die man sich für besondere Gelegenheiten oder Menschen zusammen stellte. Das Kassettendeck im Auto, den Walkman für die Zugreise oder als Erinnerung an gute Zeiten für die Freunde im Ausland. Bei YouTubeMusic mixen kluge Algorithmen unsere Musikauswahl zusammen und machen Vorschläge, die sich an der Tageszeit und dem Standort des Nutzers orientieren. Und das ist zwar irgendwie praktisch, aber auch ein bißchen langweilig, vorhersehbar und unpersönlich.

…nicht von Herzen

Dennoch bietet YouTube Music in der Bezahl-Variante eine besondere automatische Playlist – das sogenannte Offline-Mixtape. Wenn man es möchte, speichert die App hier automatisch bis zu 100 favorisierte Lieder, je nachdem wie viel Platz auf dem Device zur Verfügung steht und wie hoch die Kompressionsrate ist. Diese Titel lassen sich dann auch ohne Internet-Verbindung abspielen. Einen Offline-Modus haben aber auch andere kostenpflichtige Streaming-Apps von Apple Music über Spotify bis Deezer.

Fazit: Lauch bleibt Lauch



YouTube Music erscheint unfertig und übereilt auf den Markt geworfen. Wann Google PlayMusic und YouTube Music endgültig zu einer App verschmelzen, ist noch nicht bekannt. Solange dürfen PlayMusic-Abonnenten auch die Premium-Variante von YouTube Music nutzen, können aber die Bibliotheken nicht synchronisieren. Der automatische Download in der kostenpflichtigen App ist zwar praktisch und die smarte Suche nach Liedzeilen macht Spaß, um damit die Nutzer von anderen Diensten wegzulocken, genügen die Funktionen meiner Meiner nach aber nicht.

Zum Launch bietet Google eine dreimonatige, kostenlose Testphase von YouTube Music Premium an, die ihr hier für iPhone und Android herunterladen und mit einem Google-Konto nutzen könnt. Anschließend kostet das Abo regulär 9,99 Euro, über die iPhone-App jedoch 12,99 Euro im Monat. Googles unübersichtliche Preisgestaltung macht das Angebot sicher nicht attraktiver. Wenn ihr das Test-Abo kündigt, könnt ihr es dennoch bis zum Ende des Zeitraumes testen.

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Lena Simonis

Lena Simonis

ist Fachjournalistin für Interactive Design, Technologie, eCommerce, digitale Wirtschaft und Bildung. Lebt seit 2003 in Hamburg und arbeitete dort unter anderem als Redakteurin für einen Kulturverein, verschiedene Fachverlage, Agenturen und Start-Ups.

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