Wie PR Social Media zerstört…

Es gibt nicht nur in Deutschland viele PR-Berater und PR-Experten, die mit dem Thema Social Media Umsätze generieren, die sie vorher nie hatten. Aber viel mehr Agenturen versuchen mehr oder weniger erfolgreich die wegbrechenden Umsätze seit dem Siegeszug des Web durch das Thema Web 2.0 und Social Media aufzufangen. Brian Carter hat nun zu diesem Thema einen bemerkenswerten Beitrag ins Netz gestellt.

Er vertritt darin die These, dass PR-Menschen nicht selten den Bereich Social Media in einer Weise „verschmutzen“, der weder den alltäglichen Besuchern noch den engagiert professionellen Arbeitern nutzt. Denn sie verwirren sowohl diejenigen, die Social Media und Soziale Netzwerke einfach so nutzen als auch die Menschen, die dafür zu zahlen bereit sind.

Er nennt sie „Ignorant Opportunists“ und charakterisiert sie mit den folgenden Eigenschaften: Kein Hintergrundwissen in Marktforschung und Marketing (was ich für nicht so tragend halte), keine Erfahrung in Social Media vor 2008 (was wirklich ein wichtiger Punkt ist), der sinkende Umsatz hat sie zum Thema Social Media getrieben (ja, da kenne ich eine Menge), sie favorisieren twitter vor allem anderen (twitter ist ja auch toll, oder) und, was wahrscheinlich der größte Fehler ist: Sie glauben, dass alle Social Media Aktivitäten unter den PR-Hut gehören. Vor allem der letzte Punkt lässt erkennen, dass ihnen die Begriffe HR, Organisationsentwicklung und Unternehmenskultur völlig abgehen. Dass die PR-Umsätze gefallen sind, dürfte demgegenüber vielen aufgefallen sein (Quelle 123).

Brian Carter geht von den harten Fakten aus und den Diskussionen rund um ROI bei PR-Maßnahmen, im speziellen bei Social Media.

Er vergleicht die Kompetenz von arbeitslosen Immobilienmaklern und die der PR-Berater für den Komplex rund um Social Media. Dabei kann er kaum erkennen, dass PR-Menschen besser vorbereitet wären für den Dialog mit den Webnutzern. Er wirft allerdings ein, dass Makler immer mit den Interessenten reden. PR-Menschen wären aber klassischerweise Leute, die nur Informationen gesendet hätten. Presseinformationen wurden und werden nicht selten wie Brandbomben über den Redaktionen abgeworfen und man hofft, dass wenig Blindgänger darunter sind. Dialog mit den Journalisten hat es selten gegeben und wenn dann nur, um nachzufragen, ob denn auch die Informationen angekommen seien und ob man ein Belegexemplar haben können…

Aus meiner Sicht ist exakt dieser Punkt essenziell für das Verständnis von Brian Carter. Er rekurriert seltsamerweise sehr auf die Marktforschung als bestes Mittel, um den Nutzern und Kunden zuzuhören: Personalisierung und Optimierung der Botschaft sind seine heiligen Grale. Das mag aus seiner Sicht stimmen. So ganz bin nicht bei ihm. Denn Social Media ist nur dann sozial, wenn sie unmittelbar, menschlich, nicht optimiert ist und es muss vor allem erkennbar sein, dass jemand für sein Meinung, Ansicht, Einsicht oder was auch immer anerkannt oder gehasst werden möchte. Dieser Wusch nach Bezug zum anderen ist die Einsicht darin, dass keiner ohne andere sinnvoll existiert – gerade bei all dem Groll, den man im Web liest.

Erkennbar ist, dass PR und deren Auftraggeber ganz klassisch nie auf Dialog angelegt war, noch nicht einmal einen Hauch von Wunsch offenbarten, vom Markt oder den Kunden zu lernen. Ingenieure können toll planen. Kundenbedürfnisse stören nur das Machbare. Die Marketeers sollen die tollen Gewächse der Damen und Herren Erfinder gefälligst anständig ins rechte Licht rücken. In der Not kauft man einfach Aufmerksamkeit bei den Massenmedien mit Goodwill oder Sport.

Ich erinnere mich noch gut an die zarten Hinweise auf dialogorientierte Kommunikation Ende der Neunziger Jahre, die in der Branche selten bis gar nicht aufgenommen wurde, obwohl Zerfaß und Bentele 1996 zu exakt diesem Thema ein tolles Buch geschrieben hatten. Die heutigen Social Media Berater wissen oft gar nicht, dass so etwas existiert. Diejenigen, die schon so lange in der Branche sind, dass sie es wissen könnten, haben durch das sogenannte PR-Broadcasting in den letzten 20 Jahren soviel Geld verdient, dass sie einfach zu jedem neuen Kunden eine schnuckelige Diplom-Blondine mit hohen Absätzen und kurzen Hauptsätzen beiordnen, die entweder den Kunden becirct oder mit dessen Marketing-Managerin über die besten Einkaufsmöglichkeiten für Prada-Taschen schnattert. Der Rest ist derselbe Schmu wie schon 1994: Produktvorstellung. Geschäftsführerzitat. Firmenprofil. E-Mail-Verteiler. Distribution. Und alle paar Monate eine Redaktionstour, um ein „passendes Anzeigenumfeld“ zu erschaffen. Achja, ich hatte die Anwenderberichte vergessen, die in den Fachmagazinen der dritten und vierten Reihe im Handelsblatt-Verlag erscheinen. Das sind die Magazine, wo die Objektleiterinnen über die gesamte Redaktionsmannschaft herrschen, die nur aus einem prekären Redaktionsleiter und sechs freien Autoren besteht, die nebenbei noch für PR-Agenturen tätig sind, weil normale Verlage kaum noch mehr als 70 EUR pro Artikel zahlen.

Wo an dieser Stelle besteht Kompetenz für den Austausch auf Augenhöhe? Warum sollten ausgerechnet diese PR-Expertern verstehen, dass man eine Facebook-Seite nicht einfach mit Pressemitteilungen und Roadshow-Daten vollmüllt?

Leider sind exakt diese PR-Experten es, die auf Panels von Zuhören reden, wenn es um Social Media geht. Wann hatte jemals eine der vielen PR-Ausbildungsstätten die das FAZ-Institut (sic) oder die seltsamen anderen PR-Akademiegewächse auch nur ansatzweise erklärt, was Zuhören überhaupt bedeutet?

Demgegenüber setzt Carter die Digital Marketeers, die eine enorme Erfahrung darin haben sollten, da sie ja schon immer via Google AdWords und Blogkommentaren am Puls der Zeit wären. Ähem.

Denn genauso wie PR immer nur Presseinformationen, Anwenderberichte und phrasendreschende Geschäftsführer gepushed hatte, haben die Marketeers nichts anderes getan, als den Statistiken aufs Maul zu schauen und zu hoffen, dass sie die Wirklichkeit derart abbilden, dass man seine Botschaften in ein bestehendes Bedürfnis hineinschiebt wie den Braten ins heiße Rohr.

Beides hat wenig mit dem Begriff SOZIAL (gegenseitig) zu tun. Insofern wäre es gut zu verstehen, dass Social Media nicht einfach ein weiterer Kanal ist, in dem man mit oder ohne Zuhören, mit oder ohne Statistiken Firmeninformationen hineinschiebt in der Hoffnung, dass nach 20 Minuten bei 200° schicker Ertrag mit knuspriger Krume herauskommt.

In den USA sind die ersten Studien schon draußen, die belegen, dass die facebook-Nutzer nur mit Freunden und nicht mit Marken verbunden werden möchten – ganz zu schweigen vom unsäglichen Thema der human recommendation, die die Idee hinter word of mouth vollständig mißverstehen.


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Jörg Wittkewitz

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)

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39 comments

  1. Einige interessante Ansätze, aber grundsätzlich stimme ich nicht zu. Wer sich irgendwo hinstellt und Blödsinn erzählt, dem hört über kurz oder lang einfach niemand mehr zu. Im Realen wie im Virtuellen.

    Leute, die Blödsinn erzählen oder sich als Experten für etwas bezeichnen, von dem sie keine Ahnung haben, gibt es nicht erst seit dem Social Web. Ich glaube an die Intelligenz zumindest der relevanten Leser/Zuhörer/User und an die natürliche Selektion.

    1. Das Problem sind ja nicht die Dumpfbacken sondern die Frage, ob und wie eine ganze Branche selber Kommunikation gestaltet oder einfach Bürgermedien verhudelt und trivialisiert, um gegenüber den Kunden operative Hektik zu dokumentieren, die man in Rechnung stellen kann. Hier eine Facebook-Seite, dort ein twitter-account und ab und zu ein bißchen Monitoring, damit der Controller auch was zum Erbsenzählen hat. Eigentlich ist an keiner dieser Maßnahmen ein grundlegender Umbau erkennbar. Das hat mehrere Gründe die auf beiden Seiten der Vertragspartner liegen…

  2. Danke für den schönen Artikel. Ein paar Tippfehler hier und da (z.B. Boradcasting?), aber inhaltlich tippitoppi. Ich kann Deine Kritik an Carter gut nachvollziehen, würde die angesprochene Problematik aber eher interkulturell als absolut sehen.

  3. @ K. Hoffmann: Ohne zuuuu OT zu werden, wie erklären Sie sich dann Massenphänomene wie Religionen, die BILD, Nahrungsergänzungsmittel, Esoterik, Walt Disney, McDonalds, die Verwendung von fossilen Brennstoffen, Thilo Sarrazin usw.? Außerdem unterstellen Sie dem Begriff „Relevanz“ eine Objektivität, die er niemals hatte. Darüber hinaus würde ich gerne wissen, wie die „natürliche“ Selektion (hier gemeint als das Aussterben der Dummen?) hier helfen soll. „Blödsinn“ wird nicht in Form von DNA kodiert und vererbt. Ach ja, und glauben, braucht man Letzteres auch nicht, es handelt sich dabei nämlich um ein der Wissenschaft zugängliches Forschungsfeld. Bleibt also nur noch die Frage zu klären, warum Sie noch nicht (ihrem Dozenten) weggelaufen sind. ;-)

  4. Ich kann Kerstin Hoffmann nur zustimmen. Außerdem gibt es genug Studien die belegen, dass die Emotionalisierung von Brands dazu führt, dass beispielsweise Facebook-User sich sehr wohl mit Marken verbinden wollen.

  5. Im Wortsinne des Begriffes „sozial“ ist es einfach haarsträubend anzunehmen, juristische Personen könnten sich einfach mit der Hauptzielgruppe dieser Dienste (Menschen) gemein machen (andersherum genauso). Ebensowenig wie es „notleidende Banken“ geben kann, kann es auch keine Unternehmen geben, die auf gleicher Ebene mit Menschen kommunizieren (s. Kommunikationstheorie). Aus Sicht von Werbenden mag das ja doch irgendwie „funktionieren“, aber hier geht es nicht darum, ob das Social Web die PR kaputt macht sondern ob PR Social Media kaputt macht. Und das wurde hier treffend dargelegt. Es ist echt erstaunlich wie tunnelblickig und selbstbezogen diese Marketingfachkräfte sind. Und das einzig echte Argument, das Frau Hoffmann in ihrem Artikel (s.o.) einbringt, geht übrigens auch an der Diskussion vorbei. Dass die die PR-Maßnahmen der Firmen im Laufe der Entwicklung effektiver/besser werden, heisst noch lange nicht, dass es deswegen für den eigentlichen Sinn und Zielgruppe von Social Media positiv sein muss. Mein Leben wird doch nicht besser dadurch, dass mir Unternehmen immer mehr blöde Werbung unterjublen, die noch geiler, noch besser, noch individueller gemacht ist, und mich auf noch unbewußterem Niveau zum willfährigen Konsumenten macht.
    Und als Kunstform, die sich selbst (und damit mir als Vebraucher) genügt, will ich diese Form der Multimediagestaltung noch nicht sehen. Es gibt nur einen Grund, warum die „Crowd“ Euch, liebe Marketeers, im Internet akzeptiert und das ist die schlichte Tatsache, dass ihr das Geld für unsere Spielzeuge raushaut wie nix Gutes. Ihr seid das reiche Kind, das mitspielen darf, weil es den Lederball besitzt, aber trotzdem von allen gehasst wird.

  6. Ich habe nichts gegen das verteilen von Pressemitteilungen über Social Netwoks, da sie, wenn sie gut gemacht sind und man ihnen einen wohl überlegten Gedanken ansieht, durchaus bereichert werden kann. Die Ästhetik einer gelungenen Werbeanzeige, die z.T. für hunderttausende produziert wird, ist meist besser als jede mittelmäßige Fotostrecke oder langweiliger Artikel in einer Tageszeitung.

    Gehobenes Marketing – dazu zähle ich jetzt auch PR – kann sich mit genügend Pflege zu einer eleganten Kunstform im Web aufschwingen.

    (positves Beispiel: united colors of benetton oder Burberry)

    1. Pressemitteilungen sind eben für die Presse. Infos an Kunden sind ja nicht verboten, sollten aber eher nicht von PR-Leuten sein, sondern von Community Managern. Ich kenne sehr wenige Journalisten, die auf Facebook recherchieren; also eigentlich wirklich wenige Journalisten, die überhaupt mehr bei facebook machen als Kontakt zu Übersee – und Schulfreunden zu halten bzw. Treffen darüber zu koordinieren. Es gibt Werbung, die nach ästhetischen Gesetzen gestaltet ist. Das deutet darauf hin, dass der/die Macher/in die Aufgabe an historischem Wissen reflektiert (Berufsstand, Professionalisierung). Aber ich finde es besser, wenn normale Menschen die Werbung, die sie mögen per Pinnwand, flickr oder sonstwie selber verbreiten… Es geht hier eher darum, dass eine Firma gerne ein offenes Ohr haben kann für unzufriedene Kunden per social media. Man nennt dies Interesse an der Person die einen ernährt. Das kann man real im Web umsetzen. Dafür sollte man aber ohne Informationsmission an den Start gehen….

  7. Ich glaube nicht, dass PR Social Media zerstört. Ich glaube auch nicht, dass PR-Teibende Social Media zerstören. Denn
    1. warum sollten sie das tun?
    2. jedes zusätzliche Medium ist ein willkommenes Medium.
    3. Soziale Medien sind mehr als schnöde Kommunikations-Kanäle, wer das nicht begreift (das begreifen nicht nur viele PR-Treibende nicht), der wird unwillkürlich abgestraft durch Missachtung.
    4. wie wir wissen, messen PR-Treibende Sozialen Medien viel weniger Bedeutung bei, als uns lieb ist(siehe http://www.cloos.at/downloads/Ergebnisse-Befragung-2011.pdf), somit sollte die Gefahr der missbräuchlichen Verwendung doch relativ gering sein.

  8. Lieber Jörg,

    ich bin absolut bei Dir, dass es viele schwarze Schafe in der PR Branche gibt, die sich Social Media Know How auf die Fahne schreiben und mehr Social Media Kongresse besucht haben als Tweets abgesetzt oder neue Tools probiert. Und ne Menge Mist auf auf Facebook ist auch auf PR Agenturen zurückzuführen….

    Aber: Erstens sieht es auf Seiten der Journalisten wahrlich nicht viel besser aus. Versuche mal einen Journalisten zu einem Dialog auf Twitter oder Facebook zu bewegen. Bei den großen Magazinen und Tageszeitungen weiß ich nicht einmal, wer da bei Facebook eigentlich gerade mit mir spricht. Halt! Spricht? Der mich gerade gefragt hat, ob wir in Libyen eingreifen sollten oder ob dicke Mütter besser sind als dünne, wie die neuste Studie ergab. Dialog? Wo denn?

    Und so böse pauschalisierend (Prada) eine Branche zu geißeln, ist das „sozial“?

    In sofern:

    Ärgern tun wir (also die vor 08 aktiven :-)) uns alle, wenn wieder jemand Umsätze generiert, weil er in der Lage ist, unsere Blogbeiträge auswendig zu lernen, diese beim Kunden vorzutragen, um ihm dann eine Facebookseite aufzusetzen. Aber: Offenbar stimmt die Chemie zwischen Auftraggeber und Kunden! Sie sind sozial vernetzt. Sie reden miteinander! Wer Dialog nicht kann, bekommt keine Kunden. Das gilt auch für Bezuehung zwischen Agentur und Auftraggeber!

    PR Agenturen nur als Sender abzustempeln, das spricht jetzt eher dafür, dass Du eher selten versuchst, bei den Agenturen nachzufragen?

    Anfragen zu beantworten, auf weniger positive Ereignisse oder Berichte eingehen und reagieren, im Gespräch mit Journalisten Themen diskutieren, sich abends oder auf Kongressen treffen: Der PR Job war schon immer viel, viel Dialogischer als Du ihn darstellst. Auch wenn das für viele verständlicherweise nicht so wirkt, weil sie von unserer Arbeit nur die Pressemeldungen wahrnehmen…

    So und nun geh ich mal gucken, was Kerstin schreibt :-)

    1. Oh, Journalisten könnten ja via Website mit ihren Lesern diskutieren, was in 5-8% der Fälle auch passiert, aber im großen und ganzen haben Verlage und vor allem die dort arbeitenden Journalisten solche zeitfressenden Sachen wie Dialog nicht im Sinn. Deswegen zahlen viele Verlage angesichts der teilweise enormen Werbeeinnahmen deutlich weniger Honorar als früher. Denn wenn man weniger Personal hat, weniger für Freie ausgibt und dann auch noch Gewinne maximieren will durch das Rausschmeissen von Autoren und Redakteuren, dann bleibt irgendeiner auf der Strecke – mindestens der Leser. Aber genau diese Verlage prahlen ja damit, dass Qualitätsjournalismus genau darin besteht, keine Dialoge zuzulassen („mach dich nicht gemein“), damit die asymmetrische Kommunikationssituation zwischen dem allwissenden Journalisten und evt. Experten oder Interessenten in der Leserschaft nicht auch noch Zweifel bestätigt, dass die Qualitätsmedien auch noch inhaltiche Lücken haben. Denn damit wäre die Idee des Gatekeepers völlig obsolet.
      Disclaimer: Ich hatte früher selber eine kleine Agentur und habe auch als Freier schon öfter für größere gearbeitet als Berater oder Texter. Ich bilde mir ein, die PR-Branchen genauso wie die Medienwelt ganz gut zu kennen. PR kenne ich nicht als dialogisch, es sei denn man bezeichnet das Nachfragen nach Belegexemplaren, das Anbieten von Anwenderberichten oder das Nachfragen nach geeigneten Anzeigenumfeldern als Dialog…

  9. @Sebastian: „[..]ich bin absolut bei Dir, dass es viele schwarze Schafe in der PR Branche gibt,[..]“ und vgl. dann das:“In meinen Augen hat sich das Netzwerk unter anderem damit sein Grab geschaufelt, dass Organisationen (Bands, Unternehmen, Vereine usw.) auf den Profilen anderer gnadenlos Werbung machen konnten.“ (http://blog.frische-fische.com/raue-tone-bei-myspace-und-werbung-auf-facebook-fanseiten/1701/). Ist das Problem also nun strukturell oder nicht?

  10. @benZol ich verstehe den vergleich nicht so ganz?
    meiner meinung nach sollten pr agenturen sowieso nur in ausnahmefällen für ihre kunden in sozialen netzwerken schreiben sondern diese nur beraten!

    das aber tun einige kollegen eindeutig nicht mit ausreichender expertise im hintergrund und in der überzeugung, social media sei ein kinderspiel.

    die mehrheit ist das aber nicht! hoffe ich! und ich kann mir nicht vorstellen, dass eine einzige ersnt zu nehmende pr agentur gibt, die ihren kunden dazu rät, andere profile voll zu spamen!

  11. @jörg: das seh ich wirklich anders. der pr job kann nur dialogisch funktionieren! ich kann doch z.b. keine pr machen, ohne mindestens (!) zwei stunden am tag medien zu konsumieren. da fängt der kommunikationskreislauf doch schon an! denn das feedback, was man dazu gibt, das hat ja nichts mit schleimerei zu tun! so ein feedback gibt man ja nur, wenn man der meinung ist, dass sich der dialog lohnt! so wie jetzt :-))
    in diesem sinne: gute nacht aus dresden

  12. OK – verstanden! Social Media dürfen nur Laien machen, weil Kommunikation von Kommunikations-Profis ist gleich PR = Lüge = „Prada-Tasche“. Ein ärmelloses T-Shirt ist ein Norweger-Pullover und eine hingerotzte Polemik der Weisheit letzter Schluss.

    Ich weiss, dass es unanständig ist, professionell in der PR zu arbeiten, weil ja Kommunikation etwas ist, was jeder kann. Der Konsum reicht für Mitreden aus. Aber wie immer im Leben können es einige besser als andere.

    Sorry, dass ich hier so angesäuert herüberkomme, aber Pauschlaschelte bringt mich immer auf die Palme.

    PS: Kommunikation die polarisiert ist gelungen – von daher ist der Beitrag als solcher gut und wirkungsvoll.

    1. @Stefan
      Nein, Social Media ist eine technische Plattform auf der Leser zu Autoren werden und umgekehrt. Das Besondere geschieht dann, wenn beide sich auf Augenhöhe begegnen und nicht der Eine einfach seine Botschaften los wird und der Andere im Regen steht, wenn er/sie Problem mit Produkten, Mitteilungen etc. hat. Aber PR kann diesen Rückkanal nicht leisten, weil das Wissen zumeist beim Produktmanagement sitzt. Wenn Du einmal bei einer größeren Firma PR gemacht hast, wirst Du verstehen, dass Eskalationsstufen, Abteilungsgräben und Grabenkämpfe keine guten Voraussetzungen sind für Kommunikation via Social Media. Wie gut eine PR-Agentur oder ein interner PR-Experte in interner Kommunikation ist, hängt zu großen Teilen von der inneren Vernetzung ab. Insofern sollte PR zunächst intern Social Media in Realität umsetzen, was oft nicht einfach ist, aber die Grundvorraussetzung für einee erfolgreichen externen Einsatz. Aber es geht auch immer im Dialogkultur…

      Es ist beispielweise einer Argumentation abträglich, wenn das Gegenüber keine ganzen Sätze formuliert sondern nur Assoziationsketten, deren Verbindungen und Schlußfolgerungen nur im Gehirn des Autors verbleiben. Auch sind emotionale Vorwürfe selten taugliche Wege zu einer transparenten Darlegung eigener Ansichten, sie können diese jedoch bis zu einem gewissen Grad der Diskussionsteilnehmer ersetzen. Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, wenn man aus eigener Erfahrung spricht. Da ich früher sehr viel Geld mit PR verdient hatte und beide Seiten kenne, also die der Redaktionen und Journalisten sowie der der PR und zusätzlich immer noch Firmen beim Einsatz digitaler Kommunikationswege berate, spreche ich in diesem Text in keiner Weise vom Elfenbeinturm der schlecht kompensierenden und dürftig argumentierenden Halbwissenden. Aber die Art und der Umfang der Reaktionen sind doch rein aus der Sicht der profilneurotischen Feldforschung äußerst aufschlußreich. Das bestätigt leider die schablonenhafte Zuspitzung mit Prada-Taschen…

  13. War dieser juengste Kommentar vom Autor als Erwiderung auf meinen Beitrag gedacht? Frage nur, weil ich nicht genau weiss, ob ich mich angesprochen fuehlen sollte, erkenne auch nicht genau, ob die Antwort auf meine kritischen Anmerkungen gemuenzt sein sollte. Aber dann waere ja auch schon alles gesagt.

    1. @Stefan
      Versuch doch einfach mal per Social Media die Community im Netz positiv für RWE einzunehmen. Oder versuch die Mitarbeiter im rahmen der internen Kommunikation davon zu überzeugen, dass bei RWE der Umsatzanteil der Erneuerbaren Energien auf 30% steigen muss. Wenn wir dieses Gedankenspiel nun auf den Text anwenden bedeutet das: Finde eine PR-Agentur, die dieses Vorhaben auf Augenhöhe umsetzt. Ich meine nicht konzeptioniert sondern auch und vor allem real umsetzt mit den Mitteln des Social Media. Solche und ähnliche Kampagnen funktionieren aber nicht auf diesem Weg. Leider versuchen aber immer noch Menschen aus der PR-Profession solche Maßnahmen. Noch immer liest man und erlebt man Kampagnen mit flankierenden Social Media Maßnahmen via faceboo, youtube, Blogs und twitter. Aktuell sind aber viele Social Media Nutzer nicht besonders angetan von den Manipulationsversuchen auf Plattformen, die dem Austausch alltäglicher Informationen dienen. Achja, ich sollte dazu sagen, dass ich früher auch im Bereich Wissensmanagement in großen Firmen unterwegs war. Dort gab es dasselbe Problem: Manche hatten das Etikett interne Kommunikation am Revers aber es regierten König Geld und Königin Gehorsam. Andere versuchten es mit weniger Portalflut im Intranet aber mit mehr Menschlichkeit und überzeugenden Produkten. Monopolisten brauchen das alles ja nicht. Wie sagte es eine Freundin von Exxon Mobile? Wir brauchen eigentlich weder Marketing noch Kommunikation. Wir machen das nur, weil es einfach so üblich ist in Firmenstrukturen. Andere Firmen müssen ja wirklich um Kunden buhlen. Wir kennen das nicht. Aus dieser Sicht ist PR und Kommunikation natürlich ein tolle Sache, man kann sich vollständig mit der Nabelschau begnügen.

  14. Entschuldigung! Dass „@Stefan“ wurde gar nicht geladen. War also fuer mich :-) Es bleibt fuer mich aber dabei, dass trotzdem schon alles gesagt wurde. Der Autor hat geschrieben, dass er selber PR gemacht habe… Ich habe auch mal Franzoesisch in der Schule gemacht. Fand ich nicht so einfach und war dort nicht so erfolgreich. Daraus schliesse ich, dass Franzoesisch eine Sprache ist, die nicht erlernbar ist.

  15. @Joerg
    Ich weiss zwar nicht, warum jetzt RWE ins Spiel kommt, wenn ich etwas als Privatperson kommentiere. Als Privatperson werde ich die juengste Rueckmeldung daher auch nicht kommentieren koennen – obwohl ich vermutlich auch eine Meinung dazu haette…

    Es ging mir auch nie um die Ausgangsthese, die vermutlich richtig ist: Denn ueberall wo divh professionelle und kommerzielle Kommunikation in Gespraeche zwischen einzelnen Personen einmischt bzw. versucht sich einzumischen, „verschmutzt“ sie den natuerlichen Dialog, weil sie Mittel, Moeglichkeiten, Wertungen und Gewichte mitbringt, die die klassischen Regeln der Sprechakttheorie aushebeln koennen.

    Ich mag halt nur keine Pauschalurteile, wie sie im urspruenglichen Text in Bezug auf Berufskommunikatoren anklingen. Sie moegen evt. einen wahren Kern haben, aber sind genauso richtig wie die Vermutung, dass „alle Schwarzen Rhythmus im Blut haben“ und „Frauen nicht autofahren koennen“. Das war eigentlich auch schon alles.

    1. Genau das meine ich mit professioneller Kommunikation wie sie von vielen PR-Menschen gepflegt wird. Ohne eskalierte Abstimmung der Inhalte über viele Schreibtische hinweg ist Social Media in vielen Firmen unmöglich und damit auch meistens völlig überflüssig, denn Vertrauen kann man nicht kaufen – auch Monopolisten nicht. Und die Kunden und Interessenten erwarten Dialog mit Menschen und nicht mit Subsumtionen von Abteilungsrichtlinien. Gespräche kann man auf eine reife Weise führen oder unreif und es gibt viele Zwischenbereiche, das sollte grundsätzlich genauso laufen wie überall sonst auch. Aber ob man besonders oder zumindest gut kommunizieren kann, wenn man gelernt hat, PIs zu verfassen, Resonanzanalysen zu lesen und mit Sponsoring- und Medienpartnerschaften umzugehen, bleibt fraglich. Prozesse verhindern in den allermeisten Fällen einen Dialog auf Augenhöhe.

    1. Widerspricht die Ansicht, dass PR Social Media besser kann als klassische Werbeagenturen wirklich der Idee der Verschmutzung? Aber danke für den Link, zumindest Carters – aus meiner Sicht irrige – Konklusion wird auf diese Weise noch gespenstischer.

  16. Ich melde mich jetzt doch noch mal mit einem kleinen Nachtrag:

    Der Original-Text von Brian Carter beginnt mit dem Satz: „This is by definition a controversial post and a bit of a rant.“ Somit war der Ursprungstext von vornherein als Polemík mit Vorwarnung angeleget. Diese Info geht in der deutschen Zusammenfassung ein bisschen unter und laesst den Beitrag gleich im anderen Licht erscheinen.

    Wenn man schon mal das Original liesst, sollte man unbedingt die Kommentare mitlesen – die meisten sind mit Carters These so gar nicht einverstanden :-)

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