Tanz der Moleküle: Forscher tanzen ihre Doktorarbeiten

Es gibt Themen, die sind absolute Kommunikationskiller. „Und, worüber schreibst Du Deine Doktorarbeit?“ ist eine Frage, die ganz sicher jede Unterhaltung beendet: Allein der Name des Titels dauert gefühlte fünf Minuten, ist gespickt von Worthülsen à la „System“, „Prozess“ oder „Funktionsweisen“ – und weil man kein Wort verstanden hat, sagt man schnell „Ah, interessant“ und wechselt dann panisch das Thema. Und doch gibt es auch Möglichkeiten, sein Habil-Thema ansprechend zu vermitteln, auch wenn das Gegenüber kein einziges Wort versteht – zum Beispiel beim „Dance your PhD“-Wettbewerb, der vor einigen Tagen in den USA verliehen wurde.

Die Regeln sind einfach: Ohne ein einziges Wort müssen die Bewerber das Thema ihrer Doktorarbeit vortanzen – egal ob als albernen Gruppensquaredance oder in Form eines Waldorfianischen Ausdruckstanzes. Die Rolle von Vitamin D in Betazellen? Menschliches Hämoglobin bei geringen Temperaturen? Nichts, was man nicht locker vortanzen könnte. Die Videos gibt’s nach dem Sprung.

Erfolgreich durchsetzen im sympathischen Abspacken der Wissenschaftler aller Fachrichtungen und Altersklassen konnte sich auch die deutsche Teilnehmerin Miriam Sach, die ihre Arbeit „Darstellung der Hirnstrukturen bei der Bildung regulärer und irregulärer Verbformen mit der Positronen-Emissions-Tomographie – ein Vergleich zwischen Einzel- und Gruppenanalyse“:

Auf der Homepage des Wettbewerbs gibt es noch zahlreiche weitere Beispiele. Achso: Aufgerufen zum hochwissenschaftlichen Vortanzen hatte übrigens die amerikanische Wissenschaftlervereinigung AAAS. Grandios, diese angelsächsische Forschungstradition, die sich selbst nicht so ernst nimmt!

Meike Laaff

(www.laaff.net) lebt und arbeitet als Journalistin in Berlin. Sie ist stellvertretende Ressortleiterin bei taz.de, schreibt für überregionale Zeitungen, Onlinemagazine und produziert Radiobeiträge. Sie betreut zudem das taz-Datenschutzblog CTRL.


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