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Bewegtbild-Studie: Ein Streaming-Dienst reicht aus

Vor kurzem berichteten wir über das vermeintliche Ende des linearen Fernsehens. Wir bezogen uns dabei auf den ersten Teil der von nextMedia.Hamburg beauftragten Bewegtbildstudie. Die Studie zeichnet im Vorfeld des anstehenden NewTV-Kongresses in Hamburg schon ein erstes Bild über unser aller Medien-Nutzungsverhalten.

Soeben ist der zweite Teil der Studie erschienen. Dieser widmet sich vor allem den kostenpflichtigen Streaming-Diensten. Wie viel Geld sind wir bereit, für Streaming-Dienste auszugeben? Und wie hilfreich empfinden wir überhaupt die algorithmusbasierten Programmempfehlungen? Wir nennen euch wichtige Erkenntnisse aus der Bewegtbildstudie.

Wie viel ist uns das Streaming wert?

Mittlerweile haben sich Streamingdienste schon breit durchgesetzt. Das Wort netflixen hat es in der jüngeren Generation längst in die Alltagssprache neben „twittern“ und „googeln“ geschafft (mitunter sogar mit einer gewissen sexuellen Konnotation). Die bequeme Unterhaltungsform, Filme, Dokumentationen und vor allem zahlreiche Folgen einer der vielen gut gemachten Serien zu verschlingen, hat sich längst breit gemacht im deutschen Privatleben. Doch so verführerisch die schöne neue Welt der Digital-Dienste auch ist, sie kommen natürlich auch mit Kosten für ihre Nutzung daher. Wie viel Geld geben wir aus für Amazon Prime, Netflix und Co?

Für den Media Innovation Report gaben 46 Prozent der Befragten an, monatlich nicht mehr als fünf Euro für Streaming-Services ausgeben zu wollen. Immerhin 36 Prozent sind bereit, bis zu 15 Euro fürs Streaming zu berappen. Bis zu 25 Euro findet nur noch bei 13 Prozent der Befragten Zustimmung. Lediglich vier Prozent wären bereit bis zu 40 Euro zu zahlen.

Verglichen damit, dass einzelne Filme im Handel in der Regel mehr als fünf Euro kosten, eine neuere Serienstaffel meist sogar die 25 Euro übersteigt, erscheint die Zahlungsbereitschaft für die Nutzung einer schier unerschöpflichen Mediathek vergleichsweise gering. Auch wenn die gekauften Filme natürlich den Mehrwert bieten, immer im eigenen Besitz zu bleiben und nicht etwa wieder aus dem Angebot verschwinden.

Knapp die Hälfte der Befragten möchte nicht mehr als fünf Euro im Monat für Streaming-Services investieren. Image by nextMedia.Hamburg

Mehr als einer muss nicht sein

Netflix, Amazon Prime, DAZN, Crunchyroll und Maxdome. Es gibt zahlreiche Video-On-Demand-Anbieter, einige davon sind spezialisiert auf Sportarten und Zielgruppen. In den USA sind beispielsweise Spezial-Angebote der Wrestling-Liga WWE oder der bekannten Football-Liga NFL populär.  

In der Bewegtbildstudie gaben 59 Prozent der Befragten an, nur einen einzigen kostenpflichtigen Dienst zu nutzen. 32 Prozent nutzen zwei Streaming-Services. Nur acht Prozent können sich für drei Dienste erwärmen.  

Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt nur einen einzigen Streaming-Dienst. Drei oder mehr sind dagegen Seltenheit. Image by nextMedia.Hamburg.

Programmempfehlungen sind hilfreich

Wer Netflix, Prime oder ähnliche Anbieter nutzt, kennt auch deren automatisierten Programmempfehlungen. Anhand der eigenen Vorlieben oder aktuellen Trends, bekommt man Vorschläge zu Filmen und Serien, die einen interessieren könnten. 59 Prozent der Befragten gaben an, diese Programmempfehlungen hilfreich zu finden – 13 Prozent davon sogar sehr hilfreich. Immerhin 35 Prozent finden diese Empfehlungen nicht hilfreich – zwölf Prozent sogar überhaupt nicht hilfreich.  

Auffällig ist, dass deutsche Streaming-Nutzer eine starke Abneigung gegen Werbung zeigen. Für mehr als ein Drittel kommt Werbung bei bezahlpflichtigen Streaming-Diensten nicht in Frage. Weitere 41 Prozent könnten sich Werbung nur bei einer Vergünstigung von mindestens 50 Prozent vorstellen. Bei einer Vergünstigung von nur zehn Prozent gaben 98 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Haltung zur Werbung nicht ändern würden.

Die meisten Nutzer empfinden die Programmempfehlungen als hilfreich. Zwölf Prozent finden sie allerdings auch „gar nicht hilfreich“. Image by nextMedia.Hamburg

Am besten günstig und alles aus einer Hand

On-Demand-Dienste genossen lange Zeit ein Nischendasein. Die Zeiten sind vorbei! Deutsche Nutzer wollen die neuen Dienste nutzen. Am liebsten nicht von vielen verschiedenen Anbietern, sondern alles aus einer Hand. Preislich soll es unter fünf Euro und ohne Werbung bereitgestellt werden.  

Über die Studie

Bei der Bewegtbildstudie handelt es sich um eine online-repräsentative Studie von Statista, die im Auftrag von nextMedia-Hamburg zwischen dem 7. und 12. Januar 2019 durchgeführt wurde. Bei den Befragten handelt es sich um 1.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren, zu 50,4 Prozent männlich, zu 49,6 Prozent weiblich. Sie wurden nach Geschlecht, Alter und Bundesland quotiert.


Image by nextMedia.Hamburg

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DVD als Rarität: Sammeln statt ausrangieren

Bei meinem rituellen Rundgang auf dem Flohmarkt, auf der Suche nach verborgenen Schätzen, machte ich unter allerlei Trödel eine ungewöhnliche Beobachtung, die kaum meiner Aufmerksamkeit entging. Es gab eine überdurchschnittliche Ansammlung an DVDs in den buntgewürfelten Reihen der Gebrauchtwarenhändler, die ungeduldig zum Kaufen einluden. Manches lag wertlos in Behältern herum, anderes wiederum war liebevoll in extra angefertigten Kisten aufgereiht und nach Buchstaben sortiert. Eifrig ergriff ich diese Gelegenheit und blätterte unauffällig wie ein hinterlistiger Schurke los. Jeder kennt die Situation. Sobald man etwas fixiert und auffällig begutachtet, stürzen andere Schurken herbei, um einem die Beute abzujagen. Diese Vorsichtsmaßnahme sollte sich nachträglich als Irrtum erweisen. Schnell verdrängte ich meine Umgebung und begab mich wie im Rausch und mit funkelndem Blick in die groteske Gefühlswelt des Konsums. Nachdem ich mich durch die Titel und Namen gelesen hatte, erkannte ich sofort den Wert dieser kostbaren Sammlung.

Raritäten

Unzählige Raritäten und Klassiker in den wildesten Formaten, Materialien und Ausführungen, befanden sich unter den DVDs. So etwa Platinum, Gold und Silber Versionen, neben Collector´s und Limited Editionen. Manche DVD-Schalen waren aufwendig aus Holz, Metall-, oder Aluminium hergestellt. Glücklich und ein wenig konspirativ, freute ich mich heimlich über meine Entdeckungen und fischte sogleich ein gutes Dutzend dieser Raritäten raus. Ich war wahrhaftig auf einen Schatz gestoßen. Sogleich überprüfte ich den Zustand und die Qualität der DVDs. Kurzerhand zupfte ich einen Schein und zahlte einen soliden Preis, der galaktisch unter dem Realwert lag. Meine Freude war groß und ich befand den Grund zu erfahren, weshalb denn jemand solch eine Sammlung veräußert. Folglich machte mich die Verkäuferin auf die Umbrüche in der digitalen Welt aufmerksam und sagte mir den Tod der DVD voraus. Diese Erkenntnis war mir wohl entgangen. Daher kam also die Gleichgültigkeit meiner Mitmenschen.

Eigentlich sollte ich nicht überrascht sein. Das Tempo mit der sich technische Produkte in den letzten Jahren entwickelt haben, ist nämlich beinahe surreal. In unregelmäßigen Abständen wird eine Innovation präsentiert. Die DVD ereilt nun ein ähnliches Schicksal wie die VHS. Nachdem die VHS aus den Regalen verbannt wurde, rückt nun ein weiteres mediales „Fossil“ in die vermessene Tradition dieser Kultur des Ausrangierens. Während meine Regalböden wöchentlich mit neuen DVD Käufen bestückt werden und vertikal wachsen, schrumpfen die DVD Abteilungen in den Kaufhäusern immer schneller. Stattdessen erobern Streaming-Dienste die Haushalte. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die DVD, sondern allgemein auf unser Konsumverhalten. Selbst das klassische Fernsehen muss die Konkurrenz aus dem Netz fürchten. Bereits drei von vier Internetnutzern ab 14 Jahren schaut sich über Internetportale Videostreams an. Einer Umfrage zufolge ersetzt das Videostreaming bereits bei jedem dritten Nutzer den bisherigen TV-Konsum. So auch die unzähligen illegalen Videoportale wie z.B. movie4k.to.

Temporärer Wahnsinn

Es vergehen keine Tage ohne das eine neue Erfindung erfolgt, ein neues Ereignis die Medienlandschaft bewegt. Der Markt wird beherrscht von Wettbewerb und Innovation. Die hohe Volatilität nimmt dabei irrsinnige Ausmaße an und braust zwischen Fortschritt und temporärem Wahnsinn. Die Industrie ist jedenfalls anpassungsfähig. Sofort wird ein passendes Tool geliefert. Um Anteile und Reichweite zu generieren werden die Bedürfnisse einer neuen Zuschauergeneration gestillt. Insgesamt hat sich die kollektive Wahrnehmung mit der Zunahme von On-Demand Diensten verändert. Alles muss jederzeit abrufbar sein, die komplette Staffel am besten dazu. Mit weniger gibt man sich nicht zufrieden. Die Laufzeiten von der Kinopremiere bis zur Heimvideo-Veröffentlichung soll am besten auf ein Minimum verkürzt werden. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, brauchen wir natürlich mehr Zeit. Deshalb bin ich dafür, dass man den Tag auf flexible 26 Stunden erhöht und einen achten Wochentag einführt. Doch kehren wir wieder zur Realität zurück.

Video on Demand-Dienste

Streamingdienste oder Videoportale bedrohen nicht nur Speicherträger wie die DVD, sondern eben auch traditionelle Formate wie das TV oder Kino. Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt, um den Thron des Erfolgs zu kosten. Netflix, Amazon Prime, Maxdome oder Sky sind mittlerweile eine ernste Konkurrenz zu klassischen Medien-Formaten. Die Dinge können sich dabei auch mal verwirren. Mittlerweile folgt der Markt nämlich einer überaus seltsamen Logik. Zwar gibt es einen Zuschauerschwund beim TV, andererseits gewinnt kurioserweise das TV-Format, insbesondere das Kabelfernsehen wieder zusehends an Attraktivität. Eine tragende Rolle spielen wunderlicherweise Serienproduktionen. Mittlerweile haben das auch die Privatsender begriffen. Der Aufwand mit der Serien heutzutage produziert werden, ähneln dabei immer mehr großen Kinoproduktionen und übertreffen diese meist durch eine epische Erzählweise. So findet auch eine Umdisponierung statt. Ein Serienstar geniesst mittlerweile genauso viel Ansehen wie ein Filmstar. Aber auch die Gagen machen Serienproduktionen attraktiver und locken mehr und mehr große Filmstars an.

Der Markt ist hart umkämpft, so viel ist klar. Die Macher sind sich über den stetigen Wandel bewusst und versuchen ihre Dienste an das Verhalten der Konsumenten anzupassen. Kehren wir uns ab von der Zählerei und widmen wir uns wieder den schönen Dingen zu. Ich kann mir vorstellen, dass uns die DVD noch eine Weile erhalten bleibt. Immerhin sieht eine DVD genauso repräsentabel aus wie eine VHS oder Schallplattensammlung. Kommerziell droht ihr definitv das Aus, als zukünftiges, kulturelles Gut hingegen gewinnt sie jedoch immer mehr Anhänger. Ob sie einen ähnlichen Kultstatus wie die Videokassette oder die Schallplatte erlangt, wird die Zeit zeigen.


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • VIRTUAL REALITY t3n: HTC soll über Verkauf der Virtual-Reality-Sparte nachdenken: Auch an der diesjährigen Gamescom war Virtual Reality an gefühlt jedem zweiten Stand vertreten und gar nicht mehr aus der Gamesbranche wegzudenken. Einer der größten Player auf dem VR-Markt, HTC, steht jetzt womöglich kurz davor, seine VR-Sparte zu verkaufen. HTC stellt mit der Vive eines der aktuell bekanntesten VR-Headsets her. Sogar ein Verkauf des kompletten Unternehmens soll in Erwägung gezogen werden.

  • HYBRID golem: James Bond fährt bald Hybrid: Das Kultfahrzeug des fiktiven, britischen Geheimagenten soll es in Zukunft in “umweltfreundlich” geben. Die Luxusmarke Aston Martin, die James Bond seit jeher den Dienstwagen bereitstellt, plant eine Zukunft als Hybridhersteller. Ab ca. 2025 sollen ausschließlich Hybridfahrzeuge angeboten werden und auch ein reines Elektroauto sei in Planung. Der Unternehmenschef Andy Palmer teilte der Financial Times zudem seine Prognose mit, dass 2030 schon 25 Prozent der verkauften Fahrzeuge Elektroautos seien sollen.

  • SEXISMUS sueddeutsche: Sexismus im Algorithmus: Wenn eine Bilderkennungssoftware das Bild einer Küche automatisch mit dem Wort “Frau” assoziiert, ist das nicht gerade erfreulich. Dem Informatiker Vicente Ordóñez ist kürzlich ein derart sonderbares Verhalten an der Bilderkennungssoftware aufgefallen, die er gerade entwickelt. Die Bilder von unterschiedlichen Aktivitäten werden dabei geschlechtsspezifisch gewertet. Einkaufen und Kochen wird Frauen zugeordnet, Schießen oder Trainieren dagegen Männern. Zwei IT-Professoren der Universität von Massachusetts, wollen sich mit der Software „Themis“ nun des Problems annehmen.

  • TV horizont: Pro Sieben Sat 1 hält trotz schwachem TV-Markt an Jahreszielen fest: Video on Demand-Dienste schwächen nach und nach den TV-Markt. Auch einem der größten Netzwerke, Pro Sieben Sat 1, macht dieser Wandel zu schaffen. Der Münchner Medienkonzern berichtete, dass sich die Werbeeinnahmen des dritten Quartals unter den Erwartungen entwickeln. Pro Sieben Sat 1 will nun die Konzernstruktur unter die Lupe nehmen, um sich besser auf den Wandel der Medienlandschaft auszurichten.

  • GAMESCOM ign: Gamescom 2017: Das waren die Highlights der IGN-Redaktion: Eine Woche ist bereits wieder seit dem Start der Gamescom 2017 in Köln vergangen und langsam aber sicher einigen sich die Redaktionen auf ihre Tops und Flops der dort vorgestellten Spieletitel. Die IGN-Redaktion hat sich die üblichen Verdächtigen wie Battlefield oder Need for Speed angesehen. Aber auch unbekanntere Titel wie das Playstation VR-Game Moss haben das Interesse der Redaktion geweckt. Zudem lässt die Hardware der präsentierten Xbox One X auf die wohl stärkste Konsole aller Zeiten hoffen.

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Wie Netflix den TV-Markt revolutioniert hat

Netflix VHS (adapted) (Image by karat [CC BY 2.0] via flickr)

Die erste Revolution: Die Sehgewohnheiten

Viele Fans hätten sich diese Option wohl gerne für das Ende der US-Sitcom „How I Met Your Mother“ gewünscht: Gerüchten zufolge experimentiert der Streaminganbieter Netflix mit der Interaktivität von Handlungsverläufen. Die Zuschauer sollen die volle Kontrolle erhalten und entscheiden können, wie die Serie auf dem eigenen Bildschirm weitergehen soll – ein Happy End auf Knopfdruck. Wie viel an den Gerüchten dran ist, lässt sich nur schwer beurteilen, doch sie unterstreichen die Rolle von Netflix als disruptive Kraft im Mediensektor. Seitdem der Video-on-demand-Anbieter (VoD), der 1997 noch als Online-DVD-Verleih startete, vor ziemlich genau zehn Jahren sein Streaming-Angebot auf den Markt warf, hat sich die TV-Branche extrem gewandelt.

Netflix war der erste Anbieter, der alle Episoden eigenproduzierter Serien auf einen Schlag zur Verfügung gestellt hat – ganz im Gegensatz zur gewohnten wöchentlichen TV-Ausstrahlung. Auch das „Binge Watching“, also das Schauen zahlreicher Folgen am Stück, geht letztlich auf den Streaminganbieter aus Los Gatos in Kalifornien zurück. Die Amerikaner bieten vor allem auch sicheres und ruckelfreies Streaming und schaffen es, mit den eigenen Algorithmen recht treffsicher den Geschmack der einzelnen Zuschauer vorherzusagen.

Netflix‘ Erfolg basiert demnach auch auf seiner Rolle als Technikunternehmen: „Ihre Stärke ist, dass sie ein wirklich gutes Produkt haben“, so formulierte es Media-Analyst Michael Nathanson im vergangenen Jahr gegenüber der New York Times. Hinten über fällt gerne die Tatsache, dass Netflix natürlich eine Menge Daten von seinen Nutzern sammelt: Wann bricht man eine Serie ab? Wann pausiert man die aktuelle Folge? Ab welchem Zeitpunkt wird man „süchtig“ nach einer Produktion? Alles wertvolle Kundendaten für das Unternehmen.

Die zweite Revolution: Der globale Anspruch

Insgesamt kann Netflix auf 93,8 Millionen Abonnenten verweisen und peilt für dieses Quartal die 100-Millionen-Marke an. Das Wachstum des Streaminganbieters ist immer noch immens: innerhalb des letzten Jahres legte die Zahl der Kunden um ein Viertel zu, die Umsätze stiegen um 40 Prozent. Dabei denkt die Unternehmensführung konsequent global: in jedem Land der Welt solle es möglichst dasselbe Angebot geben – und das setzt die klassischen Akteure der Branche mächtig unter Druck. Dieses Vorgehen entspricht nicht mehr dem alten Geschäftsmodell der Studios und Sender, die ihre Lizenzen teuer in andere Länder verkaufen. Und noch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil hat Netflix gegenüber klassischen Sendern: im Vergleich zu US-Kabelanbietern, die zunehmend an Zuspruch verlieren, zahlen Kunden nur knapp die Hälfte pro geschauter Stunde.

Netflix hat sich durch seine globale Reichweite – fast die Hälfte der Netflix-Kunden stammt mittlerweile aus dem Ausland – im Rechtepoker in eine deutlich bessere Verhandlungsposition katapultiert. Doch gegen die Windmühlen der Studios hilft selbst das manchmal nicht, sodass Eigenproduktionen konzeptueller Mittelpunkt des Anbieters sind.

Die dritte Revolution: Die Inhalte

Unter anderem mithilfe gezielter Reboots alter Serien trifft Netflix den Nerv der Millenials: im vergangenen Jahr legte man sehr erfolgreich „Full House“ und „Gilmore Girls“ neu auf. Mit den eigenen Ideen erregt Netflix vor allem seit 2013 globale Aufmerksamkeit. Die Veröffentlichung von „House of Cards“ war einer der Game Changer in der Branche und der erste Schritt in Netflix‘ Positionierung als ernstzunehmender Konkurrent im Produktionsbereich. In diesem Jahr will der Anbieter sechs Milliarden Dollar für Inhalte ausgeben und langfristig sicherstellen, dass die Hälfte der auf der eigenen Seite gestreamten Inhalte Eigenproduktionen sind.

Die Masse an neu auf den Markt geworfenen Netflix-Serien ist für den einzelnen Zuschauer natürlich nicht zu bewältigen, doch das ist auch nicht das Ziel des Unternehmens. Der große Vorteil des eigenen Geschäftsmodells, so Programmchef Ted Sarandos, sei die Möglichkeit, Serien und Shows zu produzieren, die es im klassischen TV nicht gegeben hätte. Massentaugliche Serien entstehen bei Netflix selten, vor allem die Nische wird bedient. Auch klassische Branchen-Messgrößen wie die Einschaltquote verlieren im Video-on-Demand-Bereich zunehmend ihre Bedeutung – eine Serie muss nicht sofort bei der Veröffentlichung ein Zuschauermagnet sein.

Das bietet natürlich auch für die Kreativen hinter der Kamera neue Chancen. Nicht nur Einkäufe bekommen durch Netflix neuen Schub („Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan berichtet, dass die Bereitstellung auf Netflix die Zuschauerzahlen erst richtig in die Höhe getrieben hat, nachdem die AMC-Serie trotz toller Kritiken noch kein Quotenhit war), auch ungewöhnliche Ideen haben bei Netflix die Chance auf Verwirklichung. Und das ganz ohne Quotendruck, schließlich werden die Streaming-Zahlen selbst vor den Machern einer Serie geheim gehalten.

Die vierte Revolution?

Doch trotz der vielen Erfolge, die Netflix in den vergangenen Jahren feierte, prophezeien nicht alle dem Anbieter eine goldene Zukunft. Börsenanalysten gehen davon aus, dass der Höhenflug des Anbieters an der Wall Street nicht ewig andauern wird – in den vergangenen zwölf Monaten stieg der Aktienwert immerhin um über 40 Prozent.

Diese Einschätzung rührt vor allem daher, dass die klassischen TV-Anbieter mittlerweile verstanden haben, welche Gefahr für sie von Netflix ausgeht und steuern mit eigenen Angeboten dagegen. Anfangs nahm man die neue Konkurrenz noch nicht ernst, doch inzwischen setzt beispielsweise auch Sky Deutschland zunehmend auf selbstproduzierte Inhalte (das prestigeträchtigste Projekt ist derzeit die für 2018 angekündigte Serien-Fortsetzung von „Das Boot“).  Schon lange haben sich Disney, 21st Century Fox und Comcast für den gemeinsamen US-Dienst “Hulu” zusammengeschlossen – seit vergangenem Jahr schaltet der Streaminganbieter der drei größten Medienunternehmen in den USA mit zwei großen selbstproduzierten Dramen (u.a. von J.J. Abrams) einen Gang höher.

Auch die BBC und HBO scheinen sich der Veröffentlichungsstrategie von Netflix anschließen zu wollen. Und nicht zu vergessen Amazon Prime Video, der derzeit größte direkte Konkurrent – mit dem Vorteil eines riesigen Unternehmens im Rücken. Netflix‘ entscheidender Vorteil aus den Anfangsjahren ist inzwischen verschwunden: das Unternehmen hat nicht mehr den ganzen Markt für sich allein, sondern muss sich immer mehr mit ernstzunehmenden Konkurrenten herumschlagen.

Netflix bleibt im Moment der Platzhirsch auf dem Streaming-Markt und beeindruckt mit Innovationen und starkem Wachstum. Doch wie lange können die Kalifornier noch auf der Welle des Erfolgs reiten? Aber egal, in welche Richtung sich der VoD-Anbieter entwickelt: der Wandel der TV-Branche ist bereits in vollem Gange – und die Interaktivität von Handlungsverläufen ist vielleicht nicht die letzte von Netflix angestoßene Revolution.


Image (adapted) „Netflix VHS“ by karat (CC BY 2.0)


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Ist der Untergang von Video-on-Demand längst eingeläutet?

fuck tv (adapted) (Image by Jan Ramroth [CC BY 2.0] via flickr)

Kürzlich gab Amazon bekannt (und zwar strategisch kurz vor der Pressekonferenz für die Quartalsergebnisse von Netflix), das eigene Videostreaming-Angebot Prime Video künftig monatlich kündbar und losgelöst vom Amazon-Prime-Gesamtangebot zum symbolischen Preis von einem Dollar weniger als der Konkurrent anzubieten. Das Angebot gilt zuerst in den USA. Amazon sieht Netflix durch den Wegfall vieler Filmpakete (das überteuerte Paket von Epix ging an den Konkurrenten Hulu), die kommende Preiserhöhung und den Widerstand aus der Industrie, der auch dazu geführt hat, dass Netflix nun massiv gegen VPN und DNS-Proxies vorgeht, geschwächt. Das neue Angebot will entscheidende Kundenschichten gewinnen, die bisher zwar bei Amazon einkaufen, aber bei Netflix „bingen“ . Maxdome, aktuell ist der Dienst anderen Kontroversen ausgesetzt, will in Europa mehr Empfehlungen ins Feld führen, Epix erwägt in den USA den Launch eines eigenen Portals, und Sean Parker will Filmstarts parallel zum Kino direkt in die Wohnzimmer bringen. Es tut sich einiges bei Video-on-Demand, möchte man meinen – doch unter der Oberfläche zeichnet sich eine Marktkonstellation ab, die eher dem „status quo ante“, also dem Zustand vorher, entspricht.

Keine Chance für Störenfriede

Von Netflix & Co. hatten Konsumenten weltweit viel erwartet. Endlich konnte man bequem und preiswert zu jeder Zeit grenzenlos und legal Inhalte konsumieren – Home Entertainment so, wie es die Logik des Internet erlaubt. Doch die Newcomer mussten diese Innovation von Anfang an gegen die Lobby-Übermacht aus Hollywood und die weltweiten Pfründe der Fernsehsender verteidigen, was mehr einem Kampf gegen Windmühlen glich: Das global zersplitterte und unlogische Lizenzgeflecht, das in erster Linie auf Grund der Macht des linearen Fernsehens fortbesteht, zwang die Video-on-Demand-Plattformen dieses Spiel mitzuspielen, statt es zu reformieren. In dieser analogen Welt, in der territoriale Lizenzen über zeitlich limitierte Phasen verkauft werden, ist das lineare Fernsehen eben immer noch König. Zu etabliert sind diese alten Tanker, als dass sich Lizenzgeber es leisten möchten, ohne deren Einkäufe Inhalte zu vergeben. Hinzu kommt, dass Studioköpfe, Regulierer und die Lobbyisten der Unterhaltungsindustrie das Internet bis heute nicht verstanden haben und es nach wie vor als Feind wahrnehmen. Kein gutes Omen für Störenfriede.

Eigene Süppchen kochen ist billiger

Faktisch haben sich Netflix & Co. mit viel Geld um Inhalte gestritten, die eigentlich nicht exklusiv sein müssten. Betriebswirtschaftliche Zwänge aber erfordern Exklusivdeals. Deshalb scheiterte auch der Epix-Deal, denn Netflix hat wenig Interesse an einem Film- und Serienpaket, das auch alle anderen haben. Die alleinigen Rechte waren wohl außerdem viel zu teuer. Für den Konzern ist es sinnvoller, eigene Inhalte zu produzieren und weiter an Alleinstellungsmerkmalen zu arbeiten – über Content, den man komplett selbst kontrolliert. Netflix bewegt sich hier also weg von dem Wettbewerb am Markt um Inhalte, den sie nicht entflechten konnten (auch wenn ich mir sicher bin, dass man es gern gehabt hätte, die Branche wirklich zu modernisieren) und wird selbst zu einer Art HBO.

Content is King – und eigener ist Kaiser

Man könnte vermuten, dass man Netflix & Co. auf Führungsebene in Hollywood, in den Fernsehstudios, den Medienzentralen oder der MPAA nie eine echte Chance gegeben hatte. Von Anfang an wurde gekämpft was ging, denn das Internet ist böse. Das wird sich über Generationen hinweg auch nicht ändern, denn die Positionen sind so verfahren wie der US-amerikanische Kabelfernsehmarkt konsolidiert ist: sehr. Netflix hat aber, vor allem mit seiner schnellen Expansion, eine Größe erreicht, durch die man es sich leisten kann, nun eben eher mit HBO zu konkurrieren als mit den TV-Netzwerken. Content is King, und eigener ist am besten. Netflix ist hier nicht alleine, auch Amazon, Hulu, und damals auch Yahoo (man erinnere sich nur an die hervorragende Serie Electric City), produzieren eigene Inhalte. Sie tragen damit genau zu der Zersplitterung bei, dessen Überwindung man sich anfangs einmal erhofft hatte – und der technisch gesehen auch nichts im Weg stand. Das realistische Szenario ist also, dass man in absehbarer Zukunft neben dem Abo des linearen Fernsehen oder Kabel auch gleichzeitige Abos bei Hulu, Netflix, Amazon & Co. braucht, um wirklich alles sehen zu können. Das wird gleichzeitig leider viel Reformdruck vom Markt nehmen, was die Zugänglichkeit von Katalogtiteln und die Logik der Branche allgemein betrifft. Die Situation wird insgesamt also eher schlechter.

Im Keim erstickt

Damit sind für viele Nutzer die VoD-Plattformen also schon fast gestorben, ehe sie wirklich populär werden. Viele Nutzer, so wie ich, haben diese Abos abgeschlossen, um bei Bedarf sehen zu können, was sie wollen, und das betrifft in erster Linie Bestandskataloge von Filmen und Serien. Dieses Kernklientel schert sich, bis auf wenige Ausnahmen, wenig um exklusive Eigenproduktionen, denn diese waren und sind nicht der ursprüngliche Grund für die Abos. Der Wert von Netflix & Co. nimmt somit kontinuierlich ab, das kann auch kein House Of Cards wettmachen. Denn fleißige Nutzer haben innerhalb eines knappen Jahres den Großteil des Katalogs geguckt, und können dann für sich kaum mehr den Abopreis rechtfertigen. Das Problem: Der Wechsel in die Kataloge anderer Länder wird unterbunden, viele Inhalte fehlen. Amazon macht in den USA übrigens schon das, was ich Netflix von Anfang an empfohlen hätte: Upgrades. Man kann sich zu seinem Prime-Video-Basisabo schon weitere Pakete von Showtime, Starz, ComedyChannel etc. hinzubuchen. Wer sich an PayTV aus den 90ern erinnert fühlt, hat mein Argument verstanden: Wir drehen uns im Kreis. Video on Demand wie wir es uns gewünscht hätten, ist tot, denn Amazon, Netflix & Co. werden genauso wie Sky, HBO, Pro7 und Konsorten. Das Bittere dabei ist, dass die VoD-Dienste dies schon lange wussten.

Licht am Ende des VPN-Tunnels?

Wie immer klinge ich extrem pessimistisch. Ganz so schlimm steht es für viele Nutzer ja noch gar nicht. Soeben wurden beispielsweise bei Amazon UK Genretitel des Labels Arrow Video zum Streaming verfügbar gemacht, ein Novum in der Branche. Amazon Deutschland konkurriert mit Sky bei der aktuellen Staffel Game Of Thrones. Mit Filmstruck entsteht (zumindest in den USA) ein extrem interessanter neuer VoD-Anbieter. Es ist also noch Bewegung am Markt, und es könnte, zumindest in Europa, noch soweit kommen, dass die handvoll europäischen Amazons zu einer Art Amazon.eu veschmelzen. Das würde für Verbraucher sehr viel bringen und könnte ein Resultat des grotesken Minimalkonsenses sein, den Ansip auf EU-Ebene erreichen will. Man darf auch nicht unterschätzen, welcher Ruck noch durch die Industrie gehen könnte, wenn die Jack Mas und Mark Zuckerbergs der Branche die Unterhaltsungsindustrie ins Visier nehmen. Bis dahin ist für die meisten versierten Internetnutzer erst einmal ein zermürbender Kampf in den Schützengräben der VPN-Anbieter angesagt. Auch wenn es die engstirnigen Leute aus der Filmbranche nicht kapieren wollen: am Ende wird das Modell siegen, das Angebot und Nachfrage am besten zusammen bringt. Das war damals bei Napster der Fall, heute gelingt dies PopcornTime am Besten. Vielleicht können ja unsere Enkelkinder irgendwann online gucken was sie wollen – und anständig dafür zahlen, wenn man sie denn lässt.


Image (adapted) „fuck tv“ by Jan Ramroth (CC BY 2.0)


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Apple-Chef Tim Cook: „Die Zukunft des TVs sind Apps“

Apple TV - HD 1080p (adapted) (Image by Silvio Sousa Cabral [CC BY 2.0] via Flickr)

Der Begriff des “Cord Cutters” hat sich in der Diskussion um die Zukunft des Fernsehens als Schlagwort etabliert. Noch sind es nur wenige, die auf reguläres TV zu Gunsten von Internet-Diensten wie Netflix verzichten, doch neue Geräte wie Apple TV machen das immer attraktiver. Die klassischen TV-Sender wissen um den Trend und bereiten sich schon länger auf die sich ändernden Nutzungsgewohnheiten vor.

Apple TV wird mehr als TV können

“Die Zukunft des TVs sind Apps”, hat Apple-Chef Tim Cook vergangene Woche von der Bühne in San Francisco posaunt (bei 52:06 im Video). Aus seiner Sicht klar: Mit dem baldigen Marktstart des neuen Apple TV hält ein App Store auf das Gerät Einzug, für dass Entwickler neue Software erfinden sollen. Basierend auf einem neuen Betriebssystem namens tvOS ist es Developern nun möglich, ihre Apps für Apple TV zu optimieren. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt: Neben den logischen Kandidaten Netflix, Hulu, HBO Now oder iTunes gibt es zum Start neben Games auch Apps von Airbnb oder Gilt. So soll man am Flat-TV seinen nächsten Urlaub buchen oder Kleidung shoppen können.

Wichtigstes Einsatzgebiet von Apple TV und seinen Konkurrenten (z.B. Fire TV von Amazon oder Nexus Player von Google) werden aber die bewegten Bilder bleiben. In den USA werden Menschen, die auf Kabel-TV verzichten und Serien und Filme ausschließlich nur mehr via Internet beziehen, bereits “Cord Cutters” genannt.

Einer Studie der Yahoo-Tochter Flurry zufolge hat in den USA im zweiten Quartal 2015 ein interessanter Wechsel stattgefunden: In dem Quartal wurden erstmals mehr Minuten mit Apps auf Smartphones und Tablets verbracht als vor dem TV-Bildschirm. Das bedeutet natürlich nicht, dass US-Nutzer in Apps nur Videos sehen, und die TV-Nutzungszeiten sind deswegen nicht gesunken. Für Anbieter von TV-Apps ist aber eines interessant: Laut Flurry wurde 2015 erstmals mehr Geld für Apps ausgegeben als für Mobile-Werbung (33 vs. 31 Milliarde US-Dollar), und zwar nicht mehr nur für Games, sondern eben auch für Anbieter wie Netflix, Hulu, HBO Now, Spotify und Pandora. Apple als App-Store-Betreiber ist dabei teilweise in der schönen Position, 30 Prozent der Monatsgebühren als Provision einzustreichen.

TV bleibt noch immer König

Zu glauben, dass Netflix & Co. dem klassischen TV bald den Rang ablaufen werden, wäre aber verkehrt. Schon allein, wenn es um Live-Übertragungen geht (z.B. Sport oder aktuelle Ereignisse), sind Fernsehsender natürlich ungeschlagen und bannen Millionen vor die Bildschirme. In Deutschland und Österreich ist das TV weiter das dominierende Medium, dem die meisten Minuten pro Tag Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die TV-Anstalten wissen aber auch, dass sie auf Internet-TV mit seinen Vorzügen (On Demand, auf allen Geräten) reagieren müssen, um bei jungen Konsumenten relevant zu bleiben. Von der BBC über ARD und ZDF bis zum ORF finden sich überall Bestrebungen, immer mehr Inhalte via Internet zugänglich zu machen. Und da könnte Tim Cook letztendlich recht behalten – denn über kurz oder lang werden sich die Apps der europäischen TV-Sender auch am Apple TV finden.


Image (adapted) “Apple TV – HD 1080p” by Silvio Sousa Cabral (CC BY 2.0)


 

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Netflix: in Deutschland kein Selbstläufer

conclusion netflix envelopes_tasty (adapted)(Image by Taro the Shiba Inu [CC BY 2.0] via Flickr)

Heute startet der Video-on-Demand-Anbieter Netflix in Deutschland. Die Markteinführung wird hierzulande als echte Herausforderung angesehen. Mit rund 50 Millionen Kunden in 40 Ländern ist Netflix der weltgrößte Anbieter für Video-on-Demand-Dienstleistungen (VoD). Ab heute sollen auch bei uns mittelfristig einige Millionen Kunden dazu kommen. Aufgrund der angespannten Wettbewerbslage wird von Unternehmenssprechern ein eher schwieriger Start erwartet. Die Zuschauer werden von der Software an keinem Punkt alleine gelassen. Ständig wird ausgewertet, welches Sehverhalten vorliegt, um den Kunden optimale Vorschläge für weitere Kinofilme und TV-Serien zu machen.

Der Name HBO wurde in Deutschland spätestens mit der Ausstrahlung der Fantasy-Serie “Game of Thrones“ populär. Auch Netflix erlangte in Deutschland zunächst Aufmerksamkeit mit einer selbst produzierten Fernsehserie. In den USA ist das Unternehmen schon weitaus länger bekannt. Dort begann man bereits im Jahr 1997 mit dem Verleih von Videokassetten und verschickte später unzählige DVDs und Blu-Ray Filme an die Abonnenten. Im Jahr 2007 stieg Netflix ins Video-on-Demand-Geschäft ein. 2011 begann das Unternehmen die Produktion eigener Fernsehserien. An den Erfolg des Polit-Thrillers „House of Cards“ mit Kevin Spacey in der Hauptrolle konnte aber bisher keine eigene Serie anknüpfen (Anmerkung: deutsche Netflix-Mitglieder werden sich aber nur die ersten beiden Staffeln von House of Cards auf Netflix anschauen können, da die Rechte für die dritte Staffel an Sky verkauft wurden).

„TV only“ ist nicht zukunftsfähig

Die Konzernleitung begriff sehr früh, dass die Auslieferung der Filme und TV-Serien plattformübergreifend geschehen muss. Netflix streamed auch auf Tablet-PCs, Smartphones und Smart-TVs. Genauso wichtig ist es dem Unternehmen zu wissen, welche Vorlieben bei den Abonnenten bestehen. Mithilfe der ständig weiterentwickelten Algorithmen werden passgenaue Vorschläge gemacht, welche Serien oder Filme für den Kunden als nächstes interessant sein könnten.

Der Hightech-Verband Bitkom stellte in einer aktuellen Studie fest, dass 40 Millionen Deutsche Videos im Netz per Stream konsumieren. Das sind immerhin 73 Prozent aller Surfer. Viele tun dies sogar mehrmals die Woche. Beim Thema Video-on-Demand gibt es aber noch viel Luft nach oben. Nur jeder Fünfte (19 Prozent) nutzt On-Demand-Portale für TV-Serien und Spielfilme wie Watchever, Maxdome oder Amazon Prime Instant Video. Immerhin 17 Prozent aller Nutzer sind grundsätzlich bereit, für Bewegtbilder Geld auszugeben. Die überwältige Mehrheit der deutschen Surfer besucht lieber kostenlose Anbieter wie YouTube, Vimeo & Co.

Trotz der enormen möglichen Wachstumsraten liegen Chance und Gefahr nah beieinander. So hat Konkurrent Amazon kürzlich mit mit Fire TV eine eigene Set-Top-Box vorgestellt. Auch Sky geht momentan in die Offensive. Der Nachfolger von Premiere senkte den monatlichen Beitrag auf den Kampfpreis von lächerlichen vier Euro. Maxdome hat sein Programm um einen Kinderkanal erweitert. Familienmitglieder finden nun unter der Rubrik „Kids“ eine große Auswahl an Kinderfilmen und -serien. Die Erweiterung ist kein Zufall, diese Sparte ist auch eine der Stärken von Netflix.

Netflix: in Deutschland ein Leisetreter

Derweil geistern Gerüchte durch die Medienlandschaft, dass der französische Medienkonzern Vivendi bereits aufgegeben haben soll. Aufgrund hoher Verluste soll der VoD-Anbieter Watchever verkauft werden. Im Vorjahr wurden 66 Millionen Euro Verlust generiert, im ersten Quartal 2014 waren es bereits 21 Millionen Euro. Der enorme Konkurrenzkampf und die schwierigen Bedingungen sind wohl auch der Grund, warum Netflix trotz seiner weltweiten Marktmacht bisher eher wie ein Leisetreter fungiert.

Zunächst wolle sich das Unternehmen lediglich auf die Einführung in Deutschland konzentrieren und Pressekontakte knüpfen, wurde bekannt gegeben. Auch wurden schon erste strategische Partner genannt. Beim Mobilfunk ist Vodafone der Partner der Wahl. Die Festnetzsparte wird von der Deutschen Telekom unterstützt. Derzeit hofft offenbar auch E-Plus mit Netflix ins Geschäft zu kommen.


BuzzFeed hat 12 Fakten über Netflix aufgelistet, die man vielleicht noch nicht alle kannte:


Filmmaterial für 200 Jahre Entertainment

Bei den vorliegenden Statistiken ist das Interesse der Unternehmen nicht weiter verwunderlich, da möchte jeder gerne mitmischen. Das Unternehmen ist 17 Jahre nach seiner Gründung die weltgrößte Online-Videothek mit 50 Millionen Abnehmern aus 40 Nationen. Nach eigenen Angaben verfügt Netflix über 75.000 Serienfolgen und Filme in Form hochauflösender HD-Videos. Bei einer Gesamtlaufzeit von 200 Jahren wird keiner der Abonnenten in die Verlegenheit kommen, auch nur einen Film doppelt anschauen zu müssen. Ob man mit dem vielen Material und Partnern hierzulande auch viel Geld verdienen kann, wird die Zeit zeigen. Zumindest die Zuschauer dürfen sich schon jetzt über die heutige Einführung freuen. Der Neue von drüben sorgt momentan bei allen VoD-Dienstleistern für ein breiteres und preiswerteres Angebot.


Image (adapted) „conclusion: netflix envelopes = tasty!“ by Taro the Shiba Inu (CC BY 2.0)


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