All posts under Unternehmer

Guilty Pleasure: Wirtschaftswandel-Bücher schmökern!

Ich gehöre zur Generation der Digital-Unternehmer, die um die Jahrtausendwende angefangen haben ihre Firmen zu starten. Mein guilty pleasure ist es von jeher, dass ich Artikel, Dokumentationen und Bücher verschlinge, die den großen Wandel der Arbeitswelt zum Thema haben.

Vermutlich auch deshalb, weil ich ganz unbescheiden hoffe, dass wir als Pioniere der sogenannten New Economy viele Akzente gesetzt hatten, die heute schließlich die Transformationsprozesse großer Firmen mitbestimmen. Wir wollten uns Mitte der 90er Jahre in absolut allem absetzen von der Old Economy. Wir kamen angezogen wie coole Fahrradkuriere in unsere Büros und spazierten in genau demselben Outfit in die holzgetäfelten Notarräume zur Millionen-Unterschrift.

Nichts konnte uns lässig genug sein, alles musste unkonventionell und total unverstellt daherkommen. Hohen EU-Beamten wurden beim Bürobesuch Sitzbälle angeboten. Meetings fanden im Stehen statt, im Treppenhaus, im Cafe, auf der Parkwiese. Sehr schnell ging uns die Selbstinszenierung in Fleisch und Blut über. Die begeisterte Ungläubigkeit der Old-Economy erfüllte uns mit Genugtuung. – Ich bin ganz froh, dass diese naive Zeit vorbei ist ;)

Selbstvergewisserung für die eigene Arbeitsbiographie

Wie gesagt: Wenn mir heute ein Buch in die Hände kommt, wo vorne draufsteht „12 überraschende Lösungen für Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft“, bin ich sofort neugierig. Als wollte ich insgeheim nachschauen, ob aus dem gefeierten Work- und Lifestyle unserer Anfangsjahre etwas Sinnvolles geblieben ist.

Stefanie Kuhnhen und Markus von der Lühe, zwei sympathische Media-Macher (sie ist Geschäftsführerin einer Hamburger Kreativagentur und er macht ein Digitalisierungsfestival in München) spielten mir ihren neuesten Meta-Trend-Reader in die Hände. Sie haben in großer Fleißarbeit „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze“ nachgewiesen. Ich fand das Buch inhaltlich sehr anregend, als Publikation aber etwas schwerfällig und recht altmodisch ediert. Empfehlen will ich es mit ein paar O-Tönen der beiden Autoren zu ihrem Wurf:

Markus von der Lühe und Stefanie Kuhnhen; Fotografie von Engels Uli Schneider
Hallo Stefanie, hallo Markus! Vorab eine Frage zur Form eures Buches: Was genau habe hier gelesen? – Ihr hantiert mit vielen wissenschaftlichen Erklärmodellen, ihr führt akribische Quellennachweise. Liest sich streckenweise wie eine Doktorarbeit.

Gute Frage! Was wir geschrieben haben, ist ein Ratgeber mit zwölf Handlungsanweisungen. Wir haben bewusst eine Mischung aus Theorie und Praxis gewählt. Denn der Metatrend, den wir beschreiben, basiert auf harten Fakten, Sekundärstudien und bekannten Theorien. Und um in die konkrete Beweisführung zu gehen, haben wir diese bewusst mit lebendigen und persönlichen Stories aus unserer Lebenswelt kombiniert. So hoffen wir, die beiden Pole Lesespaß und Seriosität auf neue Art und Weise zusammen zu führen.

Eure Beobachtung ist, dass große Spannungsfelder sich derzeit auflösen (z.B. Arbeit – Privatleben, Mensch – Technologie). Eure Schlussfolgerung daraus ist, dass wir alle uns ganzheitlicher wahrnehmen und integrativer agieren müssen. Richtig verstanden?

Richtig verstanden. Wir glauben daran, dass die digitale Transformation nicht damit getan ist, sich einfach systematisch zu digitalisieren. Sie wird die Verflechtung von „allem mit allem“ nach sich ziehen. Das heißt, man muss auch sich selbst ganzheitlicher wahrnehmen, um der Ganzheitlichkeit überhaupt Raum geben zu können. Das Leben besteht aus Ying und Yang, aus Entspannung und Dynamik, aus Hartem und Weichem, aus Natur und Technologie. Es gilt, dem allen viel mehr, viel multioptionaler gerecht zu werden. Das geht nur über Wahrnehmung, Werte und sich immer wieder neu fragen, was jetzt Sache ist. Also, was im Moment das Wichtigste ist. Wir plädieren für eine multioptionale, integrierte Denkweise, die unserem Leben in der ganzheitlichen Welt gerechter wird.

Jetzt meine geltungssuchende Frage: Würdet ihr den Startups der Jahrtausendwende zuschreiben, dass sie die Auflösung vieler der von euch beschriebenen Gegensätze eingeleitet haben?

Wir glauben nicht, dass die Startup-Bewegung sie alleine eingeleitet hat. Startups sind vielmehr das Symptom einer komplexer werdenden Welt, bei denen die Veränderungen besonders stark und frühzeitig zum Ausdruck kommen. Das ist auch ein Phänomen der neuen Gesellschaftsordnung, die gerade entsteht: Ursache und Effekt stehen in keinem klaren Zusammenhang mehr. Wir glauben aber, dass Startups ein wichtiger Teilbereich dieser Bewegung sind, die sich durch unsere Gesellschaft wie ein roter Faden zieht.

So gerne ich eurem harmonischen Leitbild folgen würde, kann ich die Auflösung der Gegensätze auf der großen Weltbühne nicht sehen. Die Trumps und Putins und die ganze Weltmacht Chinas stehen mit genau dem gegenteiligen Verhalten in vollem Saft. Macht mir eher bange. Euch nicht?
Image by Springer Verlag

Im Gegenteil: Trump, Brexit, Erdogan, AfD, Putin und die Datenschutzdebatte sind für uns eher Symptome einer sich radikal verändernden Gesellschaft und somit Übergangsphänomene. Wir spüren alle, dass die Welt, so wie wir sie kennen, für immer der Vergangenheit angehören wird. Das ist es, was den Menschen Angst macht.

Für uns sind die aktuell negativen, nationalistischen, despotischen Symptome jedoch auch Hoffnungsboten für eine neue Zeit. Denn wir sehen sie als Zwischenschritt auf dem Weg in das neue Integrierte, mit dem wir die großen Probleme der Zeit dann auch lösen können. Ganz bestimmt ist das eine Betrachtungsweise in einem 50-Jahre-Zeitraum – so, wie es bei Metatrends der Fall ist. Wir wollen bestimmt nicht sagen, dass alles gut und harmonisch ist. Wir wollen uns alle aber dazu aufrufen, uns für diese integrierte Sicht.

Das Buch „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze“ ist erschienen im Springer Verlag und z.B. per Amazon zu bestellen (Provisionslink)

 

Weiterlesen »

Netzpiloten @EBSpreneurship

Es ist bereits das zehnte Mal, dass Investoren, Studenten, Unternehmer und die, die es noch werden wollen, auf dem EBS Campus im Reingau aufeinandertreffen. Denn vom 19. bis 20. Oktober findet erneut der EBSpreneurship statt.

Hierbei handelt es sich um den größten von Studenten organisierten Kongress mit dem diesjährigen Fokus auf das Zusammenspiel von Finanzen und Technik.

Highlights für Jedermann

Wie schon in den Vorjahren können Besucher sich auf ein vielfältiges Programm freuen. Dabei erwartet sie spannende Vorträge von namhaften Speakern wie unter anderem Peter Holzer – Autor des Buches “Mut braucht eine Stimme” – oder auch Rouven Dresselhaus von Cavalry Ventures.

Zudem können sich die Teilnehmer auf anregende Podiumsdiskussionen mit Experten und Referenten freuen, bei denen es um interessante Themen wie Künstliche Intelligenz oder auch um die Zukunft der Mobilität geht.

Besonders sinnvoll ist an den beiden Tagen außerdem die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen. Die Chancen stehen besonders gut sich seinen Praktikumsplatz zu ergattern oder gar andere Gründer mit ins Boot zu holen. Die Optionen scheinen an den beiden Tagen beinahe unbegrenzt.

Neben spannenden Workshops unter anderem zu den Themen Social Media oder Unternehmens- und Marktsimulationen können Teilnehmer hier ihr Wissen auffrischen und von den Besten lernen, um sich in Zukunft ein sicheres Standbein zu schaffen.

Diese beiden Tage sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, denn hier ergeben sich zahlreiche Chancen für Gründer, Investoren, Unternehmer und Studenten. Aber auch Interessierte, die erst noch den großen Schritt in die Gründerszene wagen wollen, sind auf dem Kongress herzlich willkommen. Seid dabei, wenn Wissen auf Innovation trifft und vernetzt euch untereinander!

Tickets ergattern und dabei sein!

Wenn ihr euch den EBSpreneurship nicht entgehen lassen wollt, dann könnt ihr euch schnell Studenten-, Early Bird-, oder Unternehmer-Tickets besorgen.

Weiterlesen »

Die Netzpiloten @Bits & Pretzels

Partnergrafik_2018_B&P

Hier geht es zum Ticket


Das Gründer-Festival Bits & Pretzels öffnet auch 2018 wieder seine Türen für die Gründer-Szene. Vom 30. September bis zum 2. Oktober finden rund um das Münchner Oktoberfest wieder die wichtigsten Köpfe, Unternehmer und Investoren der Branche zusammen. Das Event ist eines der absoluten Highlights des Jahres für die internationale Startup-Szene.

Was die Bits & Pretzels zu bieten hat

Die Bits & Pretzels hat wie gewohnt alles wichtige aus der Welt der Gründer und Unternehmer zu bieten. Teilnehmer der Messe können sich auf ein dreitägiges Festival voll mit neuem Input, neuen Innovationen, Networking-Möglichkeiten, Ivestoren und Speakern freuen. Die Veranstaltung ist DER Ort für persönlichen und fachlichen Austausch, sowie das Erschließen neuer Wege, Möglichkeiten und Ideen. Gäste der Bits & Pretzels erwartet ein Angebot voller Workshops, Panels, Seminare, Keynotes und ähnlichem. Tiefe Einblicke und neue Eindrücke sind auf dem Festival garantiert. Kombiniert mit dem Oktoberfest ist die Veranstaltung ein Muss für jeden der Branche.

Das Programm der Bits & Pretzels

Auch das Programm der Bits & Pretzels ist gespickt von diversen fantastischen Punkten. Auf der Agenda stehen neben zahlreichen Vorträgen, Panels, Seminaren und anderen Ereignissen viele weitere großartige Angebote. So wartet die B&P an den ersten beiden Tagen unter anderem mit einem breiten Themencluster, der Startup Academy, dem Pitch-Wettbewerb, und mehreren anderen exklusiven Stages auf. Auf die vielen Teilnehmer wartet als ein erneut absolut breites, spannendes, hilfreiches und hochwertiges Programm voller Input und Spaß.

Die Gäste und Speaker der Bits & Pretzels

Wie bereits in den letzten Jahren werden auf der B&P auch dieses Jahr diverse großartige Speaker und Table Captains mit von der Partie. Das genaue Line-up der Speaker wird in den nächsten Monaten nach und nach bekannt gegeben. Die rund 5000 Besucher der Messe dürfen sich allerdings bereits auf einige be- sowie anerkannte Table Captains freuen. Angekündigt sind unter anderem folgende fantastische Referenten:

Lasst euch diese großartige Veranstaltung nicht entgehen und seid unbedingt mit dabei. Tickets für die Bits & Pretzels könnt ihr nach wie vor im Online-Ticketshop erhalten. Bei Bedarf an weiteren Informationen oder bei Fragen kontataktiert ihr hier den Veranstalter.

Weiterlesen »

Homo Digitalis: Digitale Unternehmer sind schöpferisch und kreativ

Tastatur (adapted) (Image by JeongGuHyeok [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Digitalisierung fordert alle Unternehmen und auch die akademischen Disziplinen heraus. Eine Antwort will jetzt die BWL im Strategischen Management liefern. Das dokumentieren jedenfalls die Autoren Thomas Hutzschenreuter, Torsten Wulf und Dodo zu Knyphausen-Aufseß in einem Gastbeitrag für die FAZ. Keiner wisse genau, wie neue Branchenstrukturen aussehen, welche Plattformen und Technologien sich durchsetzen und wie digitale Technologien zukünftig ausgeprägt sein werden. Zudem hänge die Beschaffenheit der Welt jenseits der digitalen Transformation von den Akteuren selbst ab. „Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Endogenität, womit gemeint ist, dass die Veränderung eines Systems aus dem System selbst heraus und nicht ausschließlich von außen beeinflusst wird.

Betonung der Unterschiedlichkeit

Auch wenn die Forschung zum Strategischen Management eine Reihe von inhaltlichen Beiträgen zum Umgang mit Chancen und Risiken der Digitalisierung geleistet habe, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Digitalisierungsansätze in Unternehmen so unterschiedlich sind wie die Unternehmen selbst. Deshalb könne das Strategische Management nur in begrenztem Maße generell gültige, allgemeine Empfehlungen für den Umgang mit der digitalen Transformation liefern. Strategie sei immer individuell.

Wie Lehrstühle sowie Lehrbücher mit diesen Empfehlungen umgehen und wie man sich auf das Echtzeit-Management in der Datenökonomie ausrichtet, bleibt abzuwarten. Zumindest eine Erkenntnis hat sich bei den drei Autoren durchgesetzt: Die Zeit der „Wöhe-BWL“ sei vorbei. Was nun kommt, dass müsste erst erkundet werden. Löblich ist zumindest das Bekenntnis der drei Wissenschaftler, dem Ansatz des Nationalökonomen und Soziologen Joseph Schumpeter zu folgen. In seinem Erstlingswerk „Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“ aus dem Jahr 1908 (!) hat er auf die Bedeutung individueller Erscheinungen besonders für die Ökonomik hingewiesen.

Wie Einzelne die Ökonomie verändern

Das erläutert Jesko Dahlmann in seiner vorzüglichen Arbeit „Das innovative Unternehmertum im Sinne Schumpeters: Theorie und Wirtschaftsgeschichte“ (erschienen im Metropolis-Verlag). Schumpeter spricht vom methodologischen Individualismus, der vom Handeln Einzelner ausgeht, um kollektive und gesellschaftliche Phänomene nachvollziehen zu können. Nur die Detailuntersuchung könne beachtenswerte Ergebnisse ergeben. Ökonomen besäßen die unglückliche Neigung, viel zu häufig zu aggregieren und auf diese Weise wichtige Unterschiede zu verschleiern. „Hütet Euch vor Durchschnitten“, sagte Schumpeter gern.

Der Entrepreneur ist kein Homo Oeconomicus

Schumpeters Entrepreneur unterscheidet sich deutlich vom so genannten Homo Oeconomicus der traditionellen Wirtschaftswissenschaft. Der Schumpetersche Unternehmer unterläuft das rein ökonomische Kalkül. Es geht ihm nicht um Zweckrationalität, sondern um das Schaffen des Neuen selbst.

Dahlmann verweist auf die wirtschaftssoziologischen Arbeiten von Euteneuer und Niederbacher, die darlegen, dass es an empirischen Belegen für Schumpeters Unternehmerbild mangelt. Diese Figur werde selbst explizit definiert und nur wenige der in der Forschungspraxis auf den Unternehmer bezogenen Hypothesen stehen auf einer soliden theoretischen Grundlage oder sind durch Fallstudien empirisch abgesichert. Was macht also einen Unternehmer konkret aus, der es vermag, die Wirtschaft in neue Bahnen zu lenken? Heute müsste man fragen, wer ist wirklich ein Homo Digitalis, der im 21. Jahrhundert Akzente setzen kann? Es geht dabei um das schöpferische Gestalten und nicht um das passive Konsequenzen ziehen.

Vulgärkapitalisten ohne dauerhaften Erfolg

Dahlmann ist den Schumpeter-Kriterien für den schöpferischen Unternehmer gefolgt und hat neun Persönlichkeiten der zweiten industriellen Revolution ausführlich untersucht. Seine Ergebnisse führen zu Überraschungen, die den vulgärkapitalistischen Lemuren im Silicon Valley wohl überhaupt nicht gefallen werden: Alle ausführlich analysierten Geschäftsmänner haben sich durch ein außergewöhnliches soziales Engagement ausgezeichnet. „Siemens gründete bereits 1872 eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse für seine Angestellten, weitere Maßnahmen folgten. Rathenau war nicht nur jahrzehntelang Mitglied im karitativen Verein ‚Gesellschaft der Freunde’, auch die AEG-Arbeiter profitierten auf verschiedene Weise von seinem sozialen Verantwortungsgefühl. Oetker zahlte zusätzliche Jahresabschlussvergütungen und Weihnachtsgeld an seine Mitarbeiter, organisierte Betriebsausflüge, richtete eine Kaffeeküche ein, zudem waren die kostenlosen Koch- und Backkurse bei der weiblichen Belegschaft außerordentlich beliebt. Troplowitz reduzierte die wöchentliche Arbeitszeit der Beiersdorf-Angestellten bereits im Jahr 1912 auf lediglich 48 Stunden (üblich waren damals 60 Stunden) bei vollem Lohnausgleich.“ So gehen die Aufzählungen weiter.

Mehr Schöpfer als Zerstörer

Diese Unternehmer waren weitaus mehr Schöpfer als Zerstörer. Sie hatten höhere Ambitionen und starrten nicht einseitig auf Profite. „Ihre Innovationen haben ihren Unternehmen den wenig aussichtsreichen Kampf erspart, stets kostengünstiger als die Konkurrenz sein zu müssen“, so Dahlmann. Es waren eben rebellische Unternehmer, die sich nicht mit Effizienzinnovationen zufrieden gaben oder Gewinn-Exzesse über die Entlassung von Mitarbeitern betrieben. Sie starrten nicht auf utopische Renditen, sondern konzentrierten sich auf langfristige Wettbewerbsvorteile über neuartige und bessere Produkte und neue Produktionstechniken. Es waren Unternehmen, die sich durch Erfindungen einen Vorsprung verschafften und nicht durch Kartellabsprachen im Hinterzimmer.

Kann das mit dem Methodenkasten der Mainstream-Ökonomen überhaupt abgebildet werden? Die das Allgemeine betrachten und Einzelphänomene unterschätzen, die auf exogene Faktoren schielen und Maßnahmen nach dem Gießkannen-Prinzip empfehlen? Die Manager ausbilden, aber keine rebellischen Unternehmer, die das Vorhandene in Frage stellen und das Bessere anstreben? Das kann weder die BWL noch die VWL. Schaffen wir also wie Leibniz Akademien als anti-institutionelle Einrichtungen für neues Unternehmertum. Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit einer neuen Theorie jenseits des universitären Betriebes.


Image (adapted) „Tastatur“ by JeongGuHyeok (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Die Netzpiloten sind Partner der Startup Safary

Partnergrafik_ss

In Leipzig findet am 11. und 12. Mai die Startup Safary statt. Das Ziel der Veranstaltung ist eine stärkere Vernetzung der wirtschaftlichen Akteuere und Unternehmer der Stadt. Bei dem Event habt ihr die Möglichkeit, die Leipziger Startup-Szene besser kennenzulernen. Außerdem könnt ihr die Bekanntschaft von den Teams von über 50 Startups, VCs, Investoren und Coworking Spaces machen.

Die dynamische Gründerszene Leipzigs gewährt euch zudem Einblicke in innovative und kreative Geschäftsmodelle. Wer mit mitteldeutschen Gründern, Jungunternehmern und Investoren in Kontakt treten will, hat hier die ideale Möglichkeit dazu. Des Weiteren haben die Besucher einen direkten Draht zu Gründern, Entscheidern und Innovatoren. Die einzelnen Veranstaltungen finden mitunter gleichzeitig und an über 60 Stationen statt. Das sorgt für eine erhöhte Sichtbarkeit der teilnehmenden Projekte und bietet Gästen der Stadt zudem eine hervorragende Möglichkeit, Leipzig zu entdecken.

Weithin bekannte Partnerstädte

Entstanden ist das Konzept der Startup Safary in Berlin. Seitdem fand das Event schon in bedeutenden Städten wie Kopenhagen, Athen, Warschau und Poznan statt. Auch die Leipziger kennen die Veranstaltung schon. Schon in den letzten beiden Jahren präsentierte sich die Gründer- und Ideenlandschaft der größten Stadt Sachsens.

Hier sind einige der Startups, die beider Startup Safary für euch zwei Tage lang ihre Türen öffnen:

Bis es soweit ist, bleibt ihr bei Twitter auf dem Laufenden, welches Programm euch erwartet. Hier könnt ihr euch eure Tickets sichern.

+++ Rabattaktion +++

Schnell sein lohnt sich! Die ersten zwei, die sich hier für die Veranstaltung anmelden, erhalten 50 Prozent Rabatt auf den Ticketpreis. Gebt dafür einfach denn Rabattcode „Netzpiloten@SUSLeipzig“ ein.

Weiterlesen »

Netzpiloten sind Partner beim Startup Camp Berlin 2017

Partnergrafik_startup_camp

Am 07. und 08. April findet in Berlin das Startup Camp Berlin 2017 (SCB17) statt. Das SCB17 bringt Gründer, Entrepreneurs, Investoren und Studenten zusammen. Ziel ist es, Erfahrungen miteinander zu teilen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten.

Die Veranstalter sind der Bundesverband Deutsche Startups e.V., Berlin Startups und deutsche-startups.de. Auf der Konferenz werden euch die Speaker im Rahmen ihrer Präsentation Einblicke in ihre Kenntnisse geben und ihr Wissen mit euch teilen. Wenn ihr selbst ein Produkt auf den Markt gebracht hat, könnt ihr mit den Experten eine Fallstudie durchführen. Dadurch erreicht ihr ein breiteres Publikum, bestehend aus Studenten, Entrepreneurs, Gründern, Kunden, Investoren und potentiellen zukünftigen Partnern.

Die Organisatoren, selbst Entrepreneurs, die ihre eigenen Unternehmen aufgebaut und verkauft haben. Seit 2005 haben sie mehr als 200 Veranstaltungen und Meet-Ups organisiert. Mit ihrer Hilfe seid ihr schlauer bei der Gründung und werden schneller wachsen. Unter den erfolgreichen Speakern, die für euch vor Ort sein werden, sind unter anderem:

Parallel zum Konferenzgeschehen finden so genannte Focus Camps statt. Diese werden von Kuratoren organisiert und durchgeführt. Themen der bislang insgesamt 15 Focus Camps sind in diesem Jahr unter anderem: FinTech, HR, Business Creation for Startups, Incubatoren & Acceleratoren, Marketing & PR sowie Digital Health und viele weitere.

Die Veranstaltung findet in der Humboldt Universität in Berlin statt. Unter dem Hashtag #SCB17 auf Twitter bleibt ihr auf dem Laufenden und teilt eure Meinung mit einer relevanten Zielgruppe.

+++ Rabattaktion +++

Hier könnt ihr euch Tickets für die Veranstaltung sichern. Wenn ihr euer Ticket bucht, benutzt exklusiv den Rabattcode „Netzpiloten_at_SCB17“. Die ersten fünf von euch erhalten damit 15 Prozent Rabatt.

Weiterlesen »

Nach einem Jahr Filmfestival Futurale: Was haben wir über die Zukunft der Arbeit gelernt?

futurale-image-by-tom-maelsa-via-bmas

Zwölf Monate, 25 Städte und 175 Diskussionrunden: Ein Jahr lang zog das Filmfestival Futurale des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durch Deutschland. Knapp 9000 Besucher schauten sich in dieser Zeit sieben Filme zur Zukunft der Arbeit an – und diskutierten im Anschluss darüber. In der vergangenen Woche ging das Festival zu Ende. Welche Erkenntnisse bleiben?

Filme hinterfragen Ideen der Arbeitswelt

Das Festival war ein weiterer Baustein des Grünbuchs Arbeiten 4.0 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Ziel war es, die Bürger aktiv in den Dialog um die Zukunft der Arbeit mit einzubinden. Was bedeutet eigentlich Arbeiten 4.0? Ist Technologie unser Freund oder unser Feind? Werden wir alle unsere Häuser in Zukunft mit einem 3D-Drucker bauen? Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Diese und viele weitere Fragen wurden bei der Futurale thematisiert und vor allem diskutiert. Das BMAS hatte dafür bewusst aktuelle Filme herausgesucht oder solche, die noch nicht in deutschen Kinos gezeigt wurden und natürlich Produktionen gewählt, die auch genügend Gesprächsstoff lieferten. Die sieben ausgewählten Filme thematisieren so auf unterschiedliche Weise aktuelle und zukünftige Herausforderung unserer Arbeitswelt.

So geht es bei „Silicon Wadi“ um die Startup-Szene von Technologieunternehmen in Tel Aviv. Die Dokumentation begleitet vier junge Unternehmer und geht dabei der Faszination aber auch den Herausforderungen der Gründerszene nach. Auch der Dokumentarfilm „Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus“ begleitet junge Menschen in Deutschland auf ihrem Weg in eine neue ortsunabhängige Arbeits- und Lebenswelt.

Please Subscribe“ zeigt dabei an vielen Praxisbeispielen wie eine solche Arbeit im Internet heutzutage aussehen kann und wie junge Menschen durch YouTube-Videos reich werden. An solch neue Formen der Arbeit knüpft auch die Produktion „Mein wunderbarer Arbeitsplatz“ an, der die aktuelle Führungskultur in Unternehmen hinterfragt. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch „Deine Arbeit, dein Leben“. Die WDR-Produktion zeigt, was Arbeit heute in einer ehemals so industriell geprägten Region wie Nordrhein-Westfalen bedeutet.

Unsere Ideen von Arbeitsform und Arbeitsraum werden damit herausgefordert. Ähnliches wird im Film „Ik ben Alice“ thematisiert, wenn es darum geht, wie unsere Arbeitswelt durch Roboter revolutioniert werden könnte. Wie weit Technologie gehen und sein darf ist auch eine Frage, die in „Print the Legend“ aufgegriffen wird, einer Dokumentation über die Entwicklung der 3D-Drucker in den USA.

Futurale offenbarte großes Diskussionspotential

Nach den Vorführungen gab es eine Gesprächsrunde zwischen Zuschauern und regionalen Experten rund um die Themen der Filme. Das Feedback war dabei, je nach Veranstaltung, sehr unterschiedlich, erklärt das BMAS gegenüber den Netzpiloten: „Wir hatten Veranstaltungen mit 300 Gästen, aber auch welche mit 15. Das hat aber Qualität und Intensität der Diskussionen nicht beeinflusst. Bei einer eher gering besuchten Spätvorstellung des Films „Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus“ lief die Diskussion im Anschluss zwei Stunden und wurde letztendlich nur durch die Schließung des Kinos durch den Betreiber beendet.“

Das BMAS hat dabei beobachtet, dass gerade die digitalen Nomaden und die Thematik von Robotern, die menschliche Arbeiten übernehmen, die Zuschauer besonders bewegt hat: „Bei den digitalen Nomaden war das Publikum häufig gespalten in eine Hälfte, die sofort in den Flieger steigen würde, um es den Nomaden gleichzutun und die andere Hälfte, die die Nomaden eher als egoistische Selbstoptimierer empfand. Der Film „Ik bin Alice“ wiederum, eine holländische Produktion über ein Modellversuch, bei dem ein Pflegeroboter auch zur sozialen Interaktion bei drei alten Damen eingesetzt wird, wurde überall heiß diskutiert. Viele Gäste fanden das Konzept eines Social Robots verstörend und erschreckend.“

Dabei wurden die Filme nicht nur bei den eigentlichen Vorführungen diskutiert, der Diskurs wurde auch auf der Webseite der Futurale oder bei Twitter unter dem #Futurale weitergeführt.

Screenshot by Marinela Potor

Dabei gab es vor allem zwei große Themenfelder, die die Zuschauer beschäftigten. Das war einmal die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit durch ständige Erreichbarkeit – möglich gemacht durch moderne Technologie.

Das andere Thema ist die Angst vor der Automatisierung von Arbeitsprozessen und somit dem Verlust von Arbeitsplätzen.

Screenshot by Marinela Potor
Screenshot by Marinela Potor

Interessant war dabei zu beobachten, wie anfangs futuristisch anklingende Themen für die Zuschauer durch das Festival viel nahbarer wurden. Vielen war beispielsweise gar nicht klar, dass es auch in Deutschland das Geschäftsmodell YouTube gibt oder wo überall schon Roboter eingesetzt werden. Hier konnten die regionalen Experten Aufklärungsarbeit leisten und so die Diskussion anregen, erklärt das BMAS im Rückblick: „Durch die regionalen Experten auf den Podien wurden die Themen geerdet und konkretisiert. Wenn beispielsweise ein Geschäftsführer eines 3D-Druckunternehmens aus der Region über seine Arbeit berichtet, wird das Thema des amerikanischen Films Print the Legend schnell vor Ort fassbar.”

Die Zukunft der Arbeit bietet Chancen

Insgesamt hat die Futurale gezeigt, dass Arbeiten 4.0 ein Thema ist, das Menschen im ganzen Land beschäftigt. Dahinter steckt nicht nur Angst und Sorge, sondern auch Zuversicht und Hoffnung auf neue, gerechtere Arbeitswelten, die wir mit unserer Kreativität und mithilfe von Technologien selbst mitgestalten können.

Dahinter stecken Herausforderung, aber auch Chancen glaubt das BMAS: „Erwerbsbiographien werden in Zukunft wahrscheinlich dynamischer sein, als das heute meistens der Fall ist. Klassische Nine-to-five-Jobs, die man sein Leben lang beim selben Arbeitgeber verrichtet, werden seltener. Deshalb werden wir immer wieder auch Lernphasen brauchen, um unser Know-how auf dem neuesten Stand zu halten, oder auch um ganz neue Kompetenzen aufzubauen. Auch hier ist jeder Einzelne gefragt und muss offen bleiben für Neues.“

Die Ergebnisse der Futurale sollen bis zum Ende des Jahres in einem Weißbuch veröffentlicht werden.


Image by Tom Maelsa


Weiterlesen »

Vorsicht vor digitalen Unternehmern, die ihre eigenen Schulen eröffnen

classroom-laptops-computers-boy.jpg (adapted) (Image by r. nial bradshaw [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Kinder, die Computerspiele lieben, könnte ein Traum wahr werden. Anfang Februar hat die britische Bildungsministerin Nicky Morgan verkündet, man plane die Eröffnung von zwei neuen, freien Schulen im Jahr 2017. Die Schulen in London und Bournemouth würden sich auf Programmierkenntnisse spezialisieren, da sie von Ian Livingstone, einem Unternehmer für Videospiele, der auch wichtiger Akteur bei der kürzlichen Einführung von Informatik als Fach im Lehrplan war, gegründet werden. Livingstones Mitwirkung an Schulen zeigt wieder einmal, wie Bildungspolitik von hochkarätigen Geschäftsleuten beeinflusst wird. Dabei verändern sie die Rolle der Schulen und machen daraus eher ein Geschäft als eine demokratisch geführte öffentliche Einrichtung. Laut der umstrittenen Veröffentlichung des Bildungsministeriums, welche alle Schulen ermutigt, sich großen Konzernen anzuschließen und Elternsprecher durch Profis zu ersetzen, sind die zwei neuen Schulen – genannt Livingstone-Akademien – typisch für die zukünftige Richtung, in die die Schulen sich entwickeln: es gibt mehr privaten Einfluss und weniger demokratisches Bürgerengagement.

Lobbyismus in der Bildung

Livingstone ist bekannt für seine Rolle als Unternehmer für Videospiele. Als er Vorstandsvorsitzender von Eidos war, brachte er die erfolgreiche Spieleserie Tomb Raider auf den Markt. Das Wired Magazine benannte ihn als einen der einflussreichsten Personen in der digitalen Wirtschaft im Vereinigten Königreich. 2011 hat Livingstone einen Bericht namens „Next Gen“ (deutsch: Nächste Generation) mit Forschern der Nesta-Stiftung verfasst, der das Wachstum des digitalen Sektors unterstützt. Ihr Bericht forderte mehr “konsequenten Informatikunterricht in den Schulen” und empfahl, Informatik auf den nationalen Lehrplan für englische Schulen zu setzen. Beauftragt von Ed Vaizey, dem Minister für Kultur, Kommunikation und Kreativbranchen, sollte der Artikel einen Überblick über die notwendigen Fähigkeiten in der Videospiele- und Spezialeffekteindustrie geben, welche schon lange als ökonomisch wertvoller Sektor der Wirtschaft des Vereinigten Königreichs gesehen wird. Die anschließende Bildung einer Lobbyismusvereinigung, die sich des Themas der Studie annahm, bestehend aus Nesta, Google und Microsoft, überzeugte das Bildungsministerium letztendlich im Jahr 2013, die Entwicklung eines neuen Informatiklehrplans zu unterstützen. Livingstone selbst bleibt Vorsitzender der Gruppe und arbeitet mit Nesta zusammen daran, Kooperationen zwischen Industrie, Politik und Lehrkräften herzustellen. Livingstones Lehrstätten erweitern seinen Einfluss vom Politiklobbyismus auf der Nachfrageseite auf die direkte Angebotssteuerung von Bildungseinrichtungen.

Schulgründungen

Während ihre Eröffnung in Kooperation mit dem Aspirations Academies-Konzern, einem erfolgreichen multiakademischen Konzern und Partner des Quagila Institute, geplant ist, konzentrieren sich die Livingstone-Akademien auf die “kreative Anwendung von digitalen Technologien”. Ihr Ziel ist es, Schüler mit “den erforderlichen Fähigkeiten und Qualifikationen, die es für das Spielen einer aktiven und erfolgreichen Rolle in der heutigen wissensbasierten, unabhängigen, hart umkämpften, sich schnell verändernden digitalen Welt bedarf”, auszustatten. Auf der Website der Schulen steht, dass sie in einer “Kooperation mit der digitalen Industrie” geführt werden “damit sichergestellt ist, dass die Schüler die Fähigkeiten und das Wissen, das besonders wichtig für ein erfolgreiches Leben als ein digitaler Bürger im modernen Europa ist”, erwerben. In der Praxis zeichnen sich die Schulen durch fachspezifische Einrichtungen wie wissenschaftliche Labore, Designstudios und sogar vor Ort als “Wirtschaftsstandorte für das Start-up und High-Tech-Geschäft” aus. Der Schwerpunkt, junge Leute auf die Arbeit und ihr Bürgertum in der digitalen Wirtschaft vorzubereiten, untermauert viele der wesentlichen Forderungen, die Livingstone selbst erstellt hat, während er den Bericht überwacht hat. Aus politischer Sicht handelt es sich eindeutig um eine erfolgreiche Kampagne. In der Pressemitteilung der Regierung, die die neuen Schulen ankündigt, sagt Morgan:

Das Programm der freien Schulen erweist sich als ein wichtiger Schmelztiegel für die kreativsten und innovativsten Köpfe unserer Gesellschaft, sodass ihre hervorragenden Leistungen an zukünftige Generationen weitergegeben werden können.

Livingstone sagte, er hofft, dass sein Spielzug “andere digitale Unternehmer ermutigt, die Gelegenheit, die sich durch das Programm der freien Schulen anbietet, zu ergreifen, um Kindern zu helfen, eine passende Ausbildung für die Arbeitsplätze und Möglichkeiten in der digitalen Welt erhalten.

Politische Unternehmer

Die Errichtung der Livingstone-Akademien ist Teil einer umfassenderen Reformbewegung, die sowohl in den USA als auch im Vereinigten Königreich stattfindet. Unternehmen und Unternehmer springen momentan auf eine neue Schulpolitik auf, um ihre eigenen Interessen in der Bildung voranzutreiben. Dies findet oft durch gemeinnützige Stiftungen und Konzerne oder auch durch Lobbyorganisationen statt. Da ihnen die Geschwindigkeit, mit der sich Bildung verändert, zu langsam ist, haben US-Unternehmer, beipsielsweise Computerfirmen wie Google und IBM sogar stattdessen begonnen, eigene alternative Schulen zu gründen. Die Livingstone-Akademien zeigen, wie freie Schulpolitik und Unternehmensvorschläge unternehmerischen Einfluss in englischen Schulen immer mehr möglich machen. In diesem politischen Kontext werden gemeinnützige Geschäftsleute wie Livingstone wichtige politische Unternehmer. Sie können die nationale Politik durch Lobbyarbeit beeinflussen und gleichzeitig Schulen ganz nach ihren Privatinteressen betreiben. Wie der Informatiklehrplan werden Livingstone-Akademien generell so aufgebaut, dass sich staatliche Programme nach der Digitalwirtschaft richten. Diese Programme werden von Unternehmern wie Livingstone gesteuert und dadurch verwirklicht, dass Schulen eher als Unternehmen geführt werden, die die Schüler zu kleinen digitalen Unternehmern der Zukunft erziehen. Gegenwärtige Richtlinien macht es zunehmend möglich und erstrebenswert für Unternehmer, Bildungsreformen sowohl zu nachzufragen als auch zur Verfügung zu stellen. Die Privatwirtschaft hält so über gemeinnützige Konzerne und Stiftungen Einzug, um die demokratische Debatte und Zusammenarbeit in der Schulbildung zu verdrängen. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „classroom-laptops-computers-boy“ by r.nial bradshaw (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Wie eine digitale Community lateinamerikanische Startups unterstützt

Chile's Flag Illuminated By Light (adapted) (Image by Kyle Pearce [CC BY 2.0] via flickr)

Für Unternehmer gilt es als selbstverständlich, dass es in den USA relativ einfach ist, eine Medienfirma zu gründen. Das Vorhandensein von Kapital und potenziellen Werbeeinnahmen sowie wenig oder keine Beschränkungen von Seiten der Regierung machen es für Leute mit einer guten Idee einfach, loszulegen. (Ob sie dazu in der Lage sein werden, für längere Zeit zu bestehen, ist dabei eine völlig andere Frage.) In anderen Ländern ist es da schwieriger. Beispielsweise hat die jahrelange Inflation in Venezuela die Lebensmittelpreise verdreifacht und das Wirtschaftswachstum zum Stagnieren gebracht. Das hat das tägliche Leben nicht nur für die Bürger von Venezuela, sondern auch für die Unternehmer in der nationalen Medienbranche stark erschwert. Diese sehen sich einem steten Kampf um Geldmittel für Gründung und Aufrechterhaltung von Unternehmen gegenüber. Medienunternehmer in anderen südamerikanischen Ländern sehen sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber und ihnen fehlt dabei eine zentrale Anlaufstelle zum Gedankenaustausch und zur Problemlösung. SembraMedia hofft darauf, diese Lücke schließen zu können. Die Website, deren Name ein Wortspiel mit dem spanischen Begriff für „säen“ darstellt, versucht eine Anlaufstelle und zugleich eine digitale Community für Startups in Südamerika aufzubauen. Die Hoffnung liegt darin, diese Aspekte zusammenzuführen und dass SembraMedia Gründern zukünftig dabei helfen kann, Ideen in die Realität umzusetzen und Startups zu beständigen Unternehmen weiterzuentwickeln. „Unsere Mission ist es, Menschen zu unterstützen, die neue Projekte initiieren. Einer der besten Wege hierfür ist, so viele Menschen wie möglich zu fördern und sie zusammenzubringen“, sagt Janine Warner, die ausführende Leiterin bei SembraMedia ist. (SembraMedia selbst wird vom Institute for Nonprofit News unterstützt und finanziell von der Nationalen Stiftung für Demokratie und der Cook Family Foundation getragen.) Der erste Schritt dabei ist, herauszufinden, wer diese Menschen sind. SembraMedia schätzt, dass es mehr als 2.000 spanischsprachige Medienseiten in Lateinamerika gibt. Bislang existiert keine Anlaufstelle, die sie alle zusammenführt. Um diesen Prozess zu unterstützen hat SembraMedia Botschafter in jedem Land engagiert, die dafür zuständig sein werden die Communities in ihrem Land aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Die Idee für SembraMedia entstand durch Warners Unterrichtserfahrung, bei der es sich um einen Onlinekurs zum Thema Unternehmensjournalismus an der Universität von Texas handelte. Warner erkannte, dass es ausreichend Studenten mit großartigen Ideen gab, denen jedoch das Wissen zur Umsetzung ihrer Ideen in tatsächliche Unternehmen fehlte. Warner dazu:

Übergreifend benötigten die meisten Hilfe dabei, Geld zu verdienen, ein Geschäftsmodell aufzubauen und bei der Entwicklung eines Verständnisses dafür, was es heißt ein Geschäftsmann oder eine Geschäftsfrau zu sein.

SembraMedia plant, diese Bildungsmöglichkeiten Unternehmern über ihre Internetseite anzubieten. Dies soll über monatliche Fallstudien zu erfolgreichen Websites und Videointerviews mit den Personen, die sie leiten, erfolgen. Die Hoffnung liegt jedoch primär darin, dass Erkenntnisse durch die Konversationen zwischen den Unternehmern selbst gewonnen werden. Sobald einige Hundert Webseiten eingetragen sind, soll ein Forum für Unternehmer für Unterhaltungen, Ideenverbreitung und die Zusammenarbeit bei Projekten initiiert werden. Dieser Ansatz ist ähnlich dem von ALiados. Dies ist ein Netzwerk von unabhängigen Nachrichtenorganisationen in Lateinamerika, das im Jahr 2013 ins Leben gerufen wurde. Das Ziel war, ebenso wie bei SembraMedia, Mitgliederseiten dabei zu unterstützen durch einen Zusammenschluss bei Durchführungen und Marketinginitiativen Beständigkeit zu erreichen. Nach Mijal Iastrebner, der Regionaldirektorin von SembraMedia, ist die größte Herausforderung jedoch das Verständnis für und die Handhabung des Faktums, dass kein lateinamerikanisches Land dem anderen gleicht. Während die Regierungen von Kuba und Venezuela die Pressefreiheit stark einschränken, zeigt sich Chile sehr aufgeschlossen gegenüber der Presse und Unternehmern. Diese Unterschiede bedeuten, dass Dinge, die in einem Land funktionieren können, für ein anderes wiederum nicht geeignet sind. Letztendlich hofft SembraMedia, dass die vorteilhaftesten Verfahrensweisen, die es in Lateinamerika entdeckt, auch an anderen Orten angewandt werden können. Warner weist auf Ojo Público hin, eine gemeinnützige Website in Peru, die sich mit investigativem Journalismus und der Überprüfung von Fakten beschäftigt. Fabiola Torres, eine der Gründerinnen der Webseite (und eine Botschafterin von SembraMedia) präsentierte bei einer Konferenz des Nationalen Instituts für computegestützte Berichterstattung in Denver namens „Intensive Care“ eine durchsuchbare Datenbank mit 60.000 Ärzten und Versicherungsagenturen. Chequeado, eine Webseite zur Überprüfung von Fakten in Argentinien, hat ebenfalls ein Modell konzipiert, das Webseiten im Stile von Warner Media anderswo nachahmen soll. Sie sagte außerdem:“Wir hoffen darauf, dass das, was wir lernen, auch den traditionellen Medienunternehmen in Lateinamerika dabei helfen kann, innovativer zu sein und frische Ideen in US-Medienunternehmen einzubringen.Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Chile’s Flag illuminated by light“ by Kyle Pearce (CC BY-SA 2.0) 


Weiterlesen »

Wir haben keinen Mark Zuckerberg, aber viele Solopreneure

Laptop-Start (Image by vanmarciano(CC0)via Pixabay)

Wird über netzökonomische Aspekte in der Öffentlichkeit gesprochen, denkt man automatisch an die großen Kaliber des Silicon Valley und die neuen Zuckerbergs, die sich am Horizont abzeichnen. Es werden nur jene ernstgenommen, die das ganz große Rad drehen oder zumindest prahlerisch behaupten, irgendwann in der ersten Liga der Internet-Giganten mitzuspielen. Traditionell bekommt man als Gründer auch in Deutschland den Rat, ein komplettes Unternehmen zu planen mit Rechnungswesen, Controlling, Fragen des Gesellschaftsrechts, Finanzen, Gebäude und Mitarbeitern. Bei allem soll der Gründer einen Überblick haben. Am besten noch mit BWL-Expertise. Und immer wieder kommt die Empfehlung von schlauen Beratern, wie wichtig doch die Finanzierung sei – entweder mit Bankkrediten oder Risikokapital. Der Sprung in die Selbstständigkeit führt dann ganz schnell in eine neue Abhängigkeit von Kapitalgebern. Man wird zum Angestellten in seiner eigenen Firma. Weiterlesen »

Weiterlesen »

Sollten wir Uber und Airbnb lieben oder gegen sie protestieren?

Taxi cabs at Penn Station (adapted) (Image by Marcin Wichary [CC BY 2.0] via Flickr)

Proteste gegen die erfolgreichen Apps Uber und Airbnb, mit denen man Mitfahrgelegenheiten oder kurzzeitig eine Unterkunft mieten kann, weiten sich aus. Außerhalb des Flughafens von Mexico City hat ein wütender Mob ein paar Uber-Taxis mit Steinen und Schlagstöcken angegriffen. Das war der neueste Vorfall in einer Reihe von weltweiten Protesten gegen die erfolgreiche App, die Mitfahrgelegenheiten vermittelt. Über 1.000 Taxifahrer blockierten vor ein paar Tagen die Straßen Rio de Janeiros. In Ländern wie Frankreich, Deutschland, Italien und Südkorea ist der Service nur eingeschränkt nutzbar oder sogar komplett verboten. Es gab auch Proteste gegen die Plattform Airbnb, mit der man kurzzeitig eine Unterkunft mieten kann.

Keine der Plattformen zeigt Anzeichen eines Schocks

Uber ist in 57 Ländern verfügbar und generiert Einnahmen von hunderten Millionen US-Dollar. Airbnb gibt es in mehr als 190 Ländern und bietet mittlerweile über 1,5 Millionen Räumlichkeiten an.

Journalisten und Unternehmer haben schnell bestimmte Begriffe geprägt, mit denen man versucht, die sozialen und ökonomischen Veränderungen zu beschreiben, die mit solchen Plattformen einhergehen: “Sharing Economy”, “on-demand economy”, “peer-to-peer economy” und so weiter. Jeder Begriff bezeichnet einen der Aspekte des Phänomens, kann aber das vollständige Potential und dessen Widersprüche nicht erschöpfend beschreiben. Dazu gehört auch die Frage, wieso manche Leute die Services lieben, während andere sie am liebsten kurz und klein schlagen würden.

Protest 650x350 Screenshot
Wie mexikanische Taxi-Fahrer auf Uber reagieren (Quelle: Screenshot)

Sozialökonomen glauben, dass der Markt immer auf einer ihm zugrunde liegenden Infrastruktur basiert, der es den Menschen ermöglicht herauszufinden, welche Güter und Services angeboten werden, dass man sich hier auf Preise und Bedingungen einigen kann und was einem hier für sein Geld geboten wird, dass der andere Part der Absprache nach, der Bezahlung Folge leistet. Das älteste Beispiel ist das eigene soziale Netzwerk: ein Händler weiß per Mundpropaganda, was angeboten wird und treibt nur Handel mit Personen, die er selber kennt.

In der Moderne können wir nun auch Geschäfte mit Fremden machen. Wir haben Institutionen entwickelt, um diese Art des Handels verlässlich zu machen, wie Privateigentum, einklagbare Verträge, standardisierte Gewichts- und Maßangaben und einen gewissen Kundenschutz. Dies ist Teil eines historischen Kontinuums, angefangen bei alten Händlerrouten über mittelalterlichen Markthandel mit bestimmten festgeschriebenen Verhaltensregeln, bis hin zur staatlichen Regelung des frühen Industriezeitalters.

Natürliche Auslese

Ökonomen und Historiker haben in den 1980ern die Theorie aufgestellt, dass man sich nur langsam in Richtung einer noch effektiveren natürlichen Auslese bewegt. Die Menschen wollen günstigere, leichtere, sichere und effizientere Institutionen, wie sie durch neue Technologien und organisatorische Innovationen ermöglicht werden. Die alten und schwerfälligen Einrichtungen werden laut Theorie nicht mehr genutzt. Im Gegenzug wird die Gesellschaft effizienter und ökonomisch erfolgreicher.

Es ist sicherlich leicht, diese Plattformen als nächsten Schritt in dieser Entwicklung zu sehen. Auch wenn sie keine staatlichen Institutionen ersetzen, können sie doch ein paar Lücken füllen. Zum Beispiel ist es vergleichsweise teuer und mühsam, einen Vertrag vor Gericht auszuhandeln. Die Plattformen bieten eine günstigere und einfachere Alternative an, denn sie bieten die Möglichkeit, sich über den Ruf eines Teilnehmers eine Meinung zu bilden, indem man sein Verhalten beobachtet und sich die letzten Bewertungen durchliest. Uber tut dies mit Hilfe von der Regierung ausgegebenen Lizenzen innerhalb der Taxi-Infrastruktur.

So wird hier beispielsweise die Qualität, die Vertrauenswürdigkeit und das Bezahlmodell angesprochen. Auch bei Airbnb gibt es ein ähnlich weitreichendes System auf dem Feld der Kurzzeitvermietung. Die Anbieter auf diesen Plattformen sind nicht nur Konsumenten, die ihre Quellen besser nutzen wollen, es gibt auch hier Firmen und Profihändler, die aus der staatlichen Infrastruktur herübergespült worden sind. Es ist, als würden die Menschen und Unternehmen ihre nationalen Einrichtungen verlassen und in Massen an einen Ort namens „Platform Nation“ einwandern.

Nachteil oder Vorteil?

Die theoretische Argumentation der natürlichen Auslese besagt, dass die Regierung die Menschen nicht davon abhalten sollte, Services wie Uber und Airbnb zu nutzen oder ihnen weniger effiziente Regeln aufzuerlegen. Man muss die Menschen mit den Füßen abstimmen lassen. Aber ist das nicht doch zu sehr vereinfacht? Wenn Kunden zu einer neuen Einrichtung wechseln, haben die Händler kaum eine Wahl, sie müssen ihnen nachfolgen. Auch wenn die Taxifahrer die neuen Regeln von Uber nicht besonders schätzen, werden sie dennoch feststellen, dass es außerhalb der Plattform noch schwieriger sein wird, seinen Geschäften nachzugehen und werden sich früher oder später ohnehin einreihen müssen.

Zu guter Letzt verändert sich der Markt eben doch. Das Ganze kann heruntergebrochen werden auf den Terminus “Macht schlägt Vielfalt”. Selbst wenn alle Teilnehmer freiwillig mitmachen, kann das Arrangement doch nachteilig für die Gesellschaft sein. Es könnte sich negativ auf Drittparteien auswirken, wie es bei Airbnb beispielsweise schon vorkam, dass sich die Nachbarn durch den Lärm der Gäste gestört gefühlt hatten, oder dass man mit dem Verkehr oder den örtlichen Regelungen nicht zurecht kam. Im schlimmsten Fall macht solch eine Plattform die Gesellschaft noch weniger effizient, indem eine “Mitfahr-Ökonomie” etabliert wird.

Sobald diese Interessenskonflikte beigelegt sind, ist es an den politischen Institutionen, den Markt zu regieren. Sozialwissenschaftler finden oft mehr über den Markt heraus, wenn sie die politischen Institutionen genauer betrachten. Ein Beispiel ist die Hotelindustrie: Die Regierung vor Ort versucht, die Interessen der Hoteliers und deren Nachbarn auszugleichen, indem Hotels nur in bestimmten Bereichen erlaubt werden. Bei Airbnb gibt es keine solche Regel, die eine dritte Partei mit einschließt. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb 74 Prozent der Airbnb-Unterkünfte sich nicht in den Gegenden befinden, wo es viele Hotels gibt, sondern eher in den normalen Wohngegenden.

Natürlich laufen die Aufsichtsbehörden hier Gefahr, von den derzeitigen Akteuren eingelullt zu werden, oder zumindest könnten Regelungen getroffen werden, die zum Nachteil späterer Marktteilnehmer ausgelegt werden könnten. Ein Beispiel wäre hier die Taxi-Lizensierung, bei der es eine strenge Einschränkung der Anzahl von Taxifahrern gibt.

Welche Qualität auch immer den Kunden versprochen wird, die potentiellen Fahrer zählen hier definitiv zu den Verlierern. Vor diesem Hintergrund wirkt die Plattformen beinahe wie radikale Erneuerer. Beispielsweise will Uber bis 2020 mehr als eine Million Jobs für Frauen schaffen. Dieses Versprechen wäre so nicht möglich, wenn man sich an die Lizenzen der Regierung halten müsste, denn die meisten Taxilizenzen besitzen wiederum Männer. Andererseits definiert Uber seine “Jobs” als sehr viel prekärer und unternehmerischer, als man es allgemein tun würde.

Ich möchte mich hier auf keine der Seiten schlagen, sondern verdeutlichen, dass die sozialen Auswirkungen sehr unterschiedlich sein können. Beide Positionen haben ihre Vor- und Nachteile, vieles davon kann bis zu den politischen Einrichtungen und deren Repräsentanten zurückverfolgt werden.

Welche neuen ökonomischen Einrichtungen werden mit den neuen Plattformen aufgebaut? Und wie unterscheiden sie sich? Welche Konsequenzen wird es geben? Wessen Interessen werden hier bedient? Dies sind die Fragen, die Regierungsbeamte, Journalisten und Sozialwissenschaftler stellen sollten. Ich hoffe, wir werden in der Lage sein, neue Wege zu finden, um das Beste aus dem alten und dem neuen System herauszufiltern, um eine neue Infrastruktur für eine Ökonomie zu erschaffen, die sowohl fair und einschließend, als auch effizient und innovativ ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf The Conversation und steht unter CC BY-ND 4.0 (die Übersetzung ist auf Nachfrage von der ND-Regelung ausgenommen). Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) “Taxi caps at Penn Station” by Marcin Wichary (CC BY 2.0)

Screenshot by Vili Lehdonvirta


 

Weiterlesen »