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Netzpiloten @IoTcamp

Mit smarten Technologien und interaktiven Geschäftsmodellen das Leben der Menschheit einfacher gestalten – ein guter Ansatzpunkt über den ihr mehr auf dem IoTcamp erfahren könnt. Dafür versammeln sich alle Interessierten, Unternehmer und Gründer am 12. und 13. Oktober im innovativen  Space Shack Berlin.

Worum es genau geht? – Um die Vollvernetzung und um Künstliche Intelligenz im Zeichen des Internet of Things. Es geht um Fragen, die unsere Zukunft betreffen und unsere Realität. Zudem erfahrt ihr mehr über aktuelle Forschungen und Entwicklungsstände. Anlass genug, um sich das Barcamp – veranstaltet von der Cassini Consulting GmbH – nicht entgehen zu lassen.

Beim IoTcamp spontan die Themen mitbestimmen

Was ist eigentlich ein Barcamp? Bei dem aus der Bloggerszene entstanden völlig freien Format (wir lieben es!), werden weder die einzelnen Sessions noch die Sprecher vorher festgelegt. Und das macht das Ganze so spannend. Die Teilnehmer entscheiden erst am Morgen des Konferenztages, wie die Planung verläuft.

Es ist das erste Mal, dass das IoTcamp an zwei Tagen veranstaltet wird. Während wir also am 12. Oktober spannende Businessaspekte und Entwicklungen neuer Geschäftsmodelle kennenlernen, geht es dann am 13. Oktober über Entwicklungs- und Anwendungsfragen.

Um welche Themen wird es gehen?

  • Business-Modellentwicklung
  • IoT-Strategie
  • Success Stories
  • Industrial Internet of Things

Dabeisein ist alles!

Wer sich das spannende Barcamp und den sicherlich angeregten Austausch untereinander nicht entgehen lassen möchte, sollte also nicht lange zögern und sich die passenden Tickets sichern. Wir wünschen zwei tolle Tage!

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Routine-Unternehmer sind Moralzehrer

The Boss (adapted) (Image by Hunters Race [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Joseph Schumpeter war ein großer Sozialwissenschaftler und ist es immer noch in dem Sinn, dass seine Persönlichkeit und seine Arbeiten weiter wirken, schreibt Heinz D. Kurz in seinem Opus „Joseph Alois Schumpeter – Ein Sozialökonom zwischen Marx und Walras“. Vor allem über seine Bücher und Aufsätze, die als Referenzwerke und als Quellen von Ideen nicht an Anziehungskraft verloren haben. „Seinen Namen führen mehrere Gesellschaften in ihrer Bezeichnung, darunter die International Joseph A. Schumpeter Society, die Wiener Schumpeter Gesellschaft und die Grazer Schumpeter Gesellschaft.“

Schumpeter: Der VWL-Star in Bonn

Eine Bonner Gesellschaft sucht man vergeblich, obwohl Bonn eine wichtige Station im Wissenschaftsleben von Schumpeter repräsentierte. Er war vor der Bonner Zeit privat insolvent, als Geschäftsmann und Politiker gescheitert. Durch Freunde, Gönner und Weggefährten wie Arthur Spiethoff, der Professor in Bonn war, kommt er wieder auf die Beine. Spiethoff gelingt es, Schumpeter im Oktober 1925 auf den Lehrstuhl für wirtschaftliche Staatswissenschaft zu holen. „Schumpeter wird deutscher Staatsbürger. Spiethoff, Schüler von Schmoller, aber aufgeklärter Historizist, ersucht Schumpeter, alles zu lehren, was dieser wolle, nur nicht Theorie. Schumpeter hält sich anfangs an die Vorgabe. Er hat großen Erfolg bei den Studierenden, die von nah und fern nach Bonn strömen. Wie kaum ein anderer zieht er die Hörer in seinen Bann. Einem seiner Schüler, Erich Schneider, zufolge sei es alleine Schumpeter zu verdanken, dass sich Bonn in wenigen Jahren zu einem ‚Mekka‘ der Volkswirtschaftslehre entwickelt habe“, so Kurz.

Macht und die Kaste der Manager

Schumpeter schöpft in dieser Lebensphase neuen Mut und veröffentlicht binnen kurzer Zeit mehrere einflußreiche Aufsätze. Dazu zählt die 1928 im Economic Journal veröffentlichte Abhandlung „The Instability of Capitalism“. In ihm beschreibt er die dem Kapitalismus seiner Ansicht nach innewohnenden selbstzerstörerischen und diesen letztlich transzendierenden Kräfte, und nimmt damit eine Hauptidee seines knapp anderthalb Jahrzehnte später veröffentlichten Buches Capitalism, Socialism and Democracy (1942) vorweg. „Schumpeter trägt in seinem Aufsatz dem Umstand Rechnung, dass es die von ihm verherrlichte Gestalt des ‚Unternehmers‘ immer seltener gibt. An die Stelle des Wettbewerbs-Kapitalismus sei der in Trusts vermachtete Kapitalismus getreten. Dieser ist gekennzeichnet durch eine Trennung von Eigentum und Kontrolle sowie die wachsende Bedeutung der neu entstehenden Kaste der Manager“, erläutert Kurz.

Niedergang der Mannigfaltigkeit

Die Aufsteiger-und Absteigertypen in einer vertrusteten Gesellschaft seien völlig andere als in einer Konkurrenzgesellschaft und der Unterschied überträgt sich schnell auf Motive, Stimuli und Lebensstile, führt Schumpeter aus. Es wirkt sich negativ für die ökonomische Wohlfahrt aus. Oder in den Worten von Wilhelm Röpke, der zu den Architekten der Sozialen Markwirtschaft gehörte: Es leidet die Mannigfaltigkeit – nachzulesen im Buch „Wilhelm Röpke – Wissenschaftler und Homo politicus zwischen Marburg, Exil und Nachkriegszeit“, erschienen im Metropolis-Verlag. In Märkten, die von ungesunden Machtstrukturen dominiert werden, leiden mittelständische Unternehmen und die Kundschaft.

Wohin das beispielsweise auf dem Entsorgungsmarkt führt, dokumentiert ein Schreiben des Milchindustrieverbandes, das Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Es geht um Verträge, um die Pflichten des Gesetzgebers beim Verpackungsrecycling über Gelbe Tonnen und Säcke zu erfüllen. „Schon jetzt betrifft die Handelslizenzierung rund 50 Prozent des Marktes. Sie stellt keinen Ausnahmetatbestand mehr dar und stellt den Markt für die Verpackungsentsorgung vor umfangreiche wettbewerbliche Probleme, da im Rahmen der Handelslizenzierung nur einige wenige Handelsunternehmen die Verpackungsentsorgung nachfragen und dies auch nur bei einigen wenigen Dualen Systemen. Regelmäßig erfolgt die Handelslizenzierung derzeit zu überhöhten Preisen.“ Klingt nicht spektakulär.

Am Beispiel des Kunststoffverwertung sind das aber enorme Beträge. Da werden 1.296 Euro pro Tonne als Entsorgungspreis verlangt. Ein entsprechender Vertrag wurde dem Notiz-Amt aus der Konsumgüterindustrie zugespielt. Der Marktpreis durch technologische Innovationen liegt aber mittlerweile beim Plastikrecycling unter 600 Euro. Wie kann es sein, dass ein Handelskonzern von seinen Lieferanten mehr als doppelt so viel verlangt? Was passiert mit den rund 700 Euro pro Tonne, die in der Kasse des beauftragten Dualen Systems landen? Der Gesetzgeber fürchtet wohl Kickback-Absprachen zu Gunsten der fünf Handelsgiganten und will das ab 2019 durch das Verpackungsgesetz unterbinden. Siehe auch den NRWision-TV-Beitrag

Das Märchen vom ehrbaren Kaufmann

Das Bild des ehrbaren Kaufmanns ist wohl nur eine Chimäre, genauso wie die Segnungen der unsichtbaren Hand,  führen Professor Lutz Becker und Amit Ray in einem Beitrag für das Fachbuch „CSR und Marketing“ aus. Wenn sich ökonomisch, ökologische und soziale Dysfunktionalitäten ergeben, stellt sich die Frage nach den Regulativen.

Solche Moralzehrer findet man vor allem bei den Routineunternehmen, bei den Platzhirschen, bei den verkrusteten Konzernen sowie bei jenen Protagonisten, die sich über Kartelle organisieren und absichern. Atypisch-verantwortungsvolle Unternehmer findet man vor allem bei neuen Akteuren, die sich von alten Routinen, Absprachen und Ritualen abgrenzen. Es sind Unternehmer, die Anstand und Gemeinwohl als mindestens genauso wichtig erachten, wie Gewinn und Verlust. „Unternehmer, die mit den Regeln des Marktes, die sie unanständig finden, brechen – wie etwa Viva con Agua, eine sich als Social Business verstehende Mineralwassermarke, die sich der Sicherung der Trinkwasserversorgung in den so genannten Entwicklungsländern verschrieben hat“, schreiben Becker und Ray.

Routineunternehmer lieben die Wahrung des Status quo und nutzen Situationen, um Vorteile zu erschleichen. Diese Logik zwingt den Gesetzgeber dauerhaft zum Nachziehen. Ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Handlungsethik auf der Strecke bleibt. Neue Schumpeter-Unternehmer braucht das Land.


Image (adapted) „The Boss“ by Hunters Race (CC0 Public Domain)


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Handwerk 4.0: Die digitalen Klempner kommen

Workbench and Tools (adapted) (Image by Jeff Sheldon [CC0 Public Domain] via Unsplash) Handwerk 4.0

Die beste Autowerkstatt online finden? Den Fahrradreparaturdienst per Twitter anheuern? Klimaanlage im Netz planen? Die Digitalisierung der Handwerksbranche, auch Handwerk 4.0 genannt, läuft in Deutschland auf Hochtouren.

Handwerk 4.0 – was ist das eigentlich?

Angelehnt an das Prinzip der Industrie 4.0, heißt dies, dass Abläufe und Arbeitsprozesse im Handwerk zunehmend digitalisiert werden. Sprich: Was vorher Menschen erledigt haben, übernimmt nun ein Computer, beziehungsweise eine Software und irgendwann wahrscheinlich ein Roboter. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz definiert den Begriff folgendermaßen:

„Handwerk 4.0 beschreibt Betriebsstrukturen, Arbeitsprozessabläufe, Produkte und Dienstleistungen von Handwerksbetrieben, die in einem bisher noch nicht dagewesenen Maß digital vernetzt, adaptiv wissensbasiert und aus Kundensicht höchst intelligent in Erscheinung treten.“

Ganz klar, die Handwerksbranche ist im Wandel. Das hat auch die Politik erkannt, und sieht offensichtlich Handelsbedarf. So hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Teil der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“ das Kompetenzzentrum „Digitales Handwerk” ins Leben gerufen. Von Infoveranstaltungen über Webinare bis hin zu Lehrvideos. Hier können traditionelle Handwerksbetriebe wie Dachdecker oder Bäckereien Informationen rund um die Digitalisierung ihres Fachfelds bekommen.

Auch ein Blick auf die Branchenpublikation handwerksblatt.de bestätigt, dass Handwerksbetriebe sich zunehmend digitalisieren. Viele Veröffentlichungen widmen sich explizit dem digitalen Wandel der Branche. Neben einer ganzen Serie „Handwerk 4.0” werden zum Beispiel regelmäßig Artikel mit Titeln wie „Cyberangriffe auf Handwerksbetriebe” oder „Online-Shops lohnen sich auch für Handwerker” veröffentlicht.

Der starke Fokus auf die Digitalisierung des Handwerks ist jedoch keine Einbahnstraße. Sie ist auch eine Antwort auf verändertes – digitales – Kundenverhalten. Nach einer Umfrage der Gelbe Seiten Marketinggesellschaft läuft beispielsweise das Suchen und Finden von Diensten, auch von Handwerkern, zunehmend im Internet ab. Demnach:

  • recherchieren 80 Prozent der 18 bis 39-Jährigen im Web
  • suchen 42 Prozent der Deutschen nach Handwerkern zuerst online statt Bekannte zu fragen
  • werden 25 Prozent aller Anfragen ab 2020 online gestellt

Startups stürmen die Handwerksbranche

Gerade junge Gründer sind sich darüber im Klaren, dass die nächste Welle von Kunden die Digital Natives sind. Und die suchen, wie diese Zahlen belegen, nicht mehr im Telefonbuch nach einem Klempner. Das Handwerk 4.0 ist für diese Kunden keine Entwicklung. Es ist bereits die grundsätzliche Erwartungshaltung an die Branche.

Bastian Scherbeck, Andreas Schmidt und Peter Pawlitzek gründeten zum Beispiel ihr Startup Livecycle, weil ihnen der Service bei Fahrradreparaturen gelinde gesagt, „unterirdisch” erschien, wie sie im Interview verrieten. Der Kunde sei bisher kaum ernst genommen worden. „Wenn dein Fahrrad kaputt ist, musst du es selbst in die Werkstatt bringen und dann auch noch lange auf die Reparatur warten. Wenn das dein Haupttransportmittel ist, ist das eigentlich nicht akzeptabel“, sagt Bastian Scherbeck.

Bei Livecycle drehen die Gründer daher das Prinzip um: Die Handwerker kommen zum Kunden und reparieren das Fahrrad vor Ort. Alles von der Terminvereinbarung über die Preisfrage wird vorab online geregelt. Schneller, zeitsparender, billiger ist auch das Motto von Caroobi. Das Berliner Startup bringt auf einer Online-Plattform Autowerkstätten mit Autobesitzern zusammen. User geben hier ein, welche Reparaturen sie benötigen und können anschließend verschiedene Angebote online vergleichen – und direkt über die Webseite buchen. Damit wollten sie Autoreparaturen übersichtlicher, transparenter, flexibler und einfacher gestalten, sagen die Gründer.

Ein Wandel der klassischen Handwerksdienste

So machen gerade viele klassische Handwerksdienste wie das Bodenhandwerk, Malerbetriebe oder Dachdecker eine digitale Wandlung durch, oft angetrieben durch junge Gründer.

Robin Lanzer ist einer dieser Gründer. Der gelernte Farben- und Lackentwickler mit BWL-Studium arbeitet seit 17 Jahren im Handwerk. Mit seinem Startup Jeez will er den lästigen Baumarkt-Besuch überflüssig machen. Seine Idee ist dabei ähnlich wie der Ansatz von Livecycle. Wenn es für Kunden zu umständlich ist zum Baumarkt zu gehen, kommt eben der Baumarkt zum Kunden. Statt also selbst stundenlang von einer Abteilung zur anderen zu rennen, Farben, Bodenbeläge, Regale und Nägel zu suchen, kommen die Experten von Jeez zu den Kunden in die Wohnung. Die Beratung findet in den eigenen vier Wänden statt. Auch hier wird der Service im Netz gebucht, sodass Kunden so wenig Zeit und Nerven wie möglich verlieren.

Das ist ebenfalls der Ansatz von Stegimondo. Das Startup mit Sitz in Berlin positioniert sich selbst wiederum als „Der Online Dachdecker“ und wirbt mit Attributen wie Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit um seine Dienste.

All diese Beispiele zeigen: Das Handwerk 4.0 ist keine Zukunftsvision, es ist bereits Realität. Einige Brancheninsider sind daher der Meinung, dass traditionelle Handwerksbetriebe nur zwei Optionen haben: Voll in die Digitalisierung einsteigen – oder untergehen.


Image (adapted) „Workbench and Tools“ by Jeff Sheldon (CC0 Public Domain)

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • FACE-ID Chip: Apple war stolz darauf: Hacker greifen sicherste Funktion des iPhone X an: So sicher wie versprochen, ist die Gesichtserkennung Face-ID des neuen iPhone X dann wohl doch nicht: Bereits beim ersten Versuch haben es Hacker mithilfe eines Maskenmix geschafft, das sicherste Merkmal des neuen iPhones auszutricksen. Hierfür haben IT-Forscher des vietnamesischen Sicherheitskonzerns Bkov das Gesicht eines iPhone-X-Besitzer mit einem 3-D- und 2-D-Drucker kopiert. Zusätzlich waren Silikon, Make-up und Papierschnipsel nötig (Materialkosten: 150 US-Dollar), um jedes iPhone X entsperren zu können. Nur fünf Tage haben die Forscher an der Maske gearbeitet. Ihr Fazit: „Das hat Apple nicht gut gemacht.“

  • DIGITALISIERUNG Süddeutsche: Fünf digitale Großbaustellen für Jamaika: Bei den Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition der Grünen, FDP und Union für die kommenden Jahre, steht auch die Digitalisierung im Mittelpunkt. Im Wahlkampf wurde dem Thema viel Aufmerksamkeit geschenkt, umso größer sind jetzt auch die Erwartungen der Bürger und Bürgerinnen: Der Rückstand bei Breitbandausbau, digitaler Wirtschaft oder Online-Behördengängen muss aufgeholt werden. Vorschläge, wie eine Digitalpolitik aussehen könnte, gibt es viele – doch der Erfolgdruck für ein schnelles Internet deutschlandweit, sitzt der Politik im Nacken. Um kurzfristige Verbesserung herbeizuführen, sollen nun veraltete und überlastete Telefonnetze modernisiert werden. So steigt die Zahl der schnellen Internetanschlüsse kurzfristig – dies hält zwar die Kosten für den Breitbandausbau niedrig, doch echte Fortschritte werden damit nicht erreicht, da die langsame Verbindungn über die alten Kuperkabel bestehen bleibt.

  • QUANTENCOMPUTER Wired: Was genau sind Quantencomputer – und was können sie?: Quantencomputer werden als Superrechner betitelt, die schneller und besser sind als alles, das wir bisher kennen – die Erwartungen sind dementsprechend hoch. Das Besondere an dem Computer sind die Quantinbits oder auch Quibits genannt. Der Haken an der Sache: Die Quibits sind sehr empflindlich und verlieren schnell ihren Superpositionszustand – wenn das passiert, bevor die Rechnung durch ist, ist sie futsch. Dennoch sind Quantencomputer für Unternehemen wie VW, Google, IBM und Microsoft von großem Interesse. In der Industrie wird geschätzt, dass es noch zehn Jahre noch dauern wird, bis Quantencomputer so weit entwickelt sind, dass sie einen Vorteil bringen.

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Die Industrielle Revolution lehrt uns die Zukunft der Automatisierung von Arbeit

Kohlekraftwerk (adapted) (Image by 526663 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Während sich die Automatisierungstechnik und die künstliche Intelligenz stetig verbessert, sorgen sich viele Menschen über die Zukunft der Arbeit. Was werden die Menschen tun, sorgt sich so mancher, wenn Millionen Menschen keinen Job mehr haben? Wie werden sie sich und ihre Familien versorgen und welche Veränderungen werden eintreten (oder sind nötig), damit sich die Gesellschaft anpasst?

Viele Ökonomen sagen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Sie weisen darauf hin, dass große historische Veränderungen der Arbeit an sich und des Arbeitsmarktes – vor allem die Industrielle Revolution zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert – nicht zu wesentlichen sozialen Umbrüchen oder weit verbreitetem Leiden geführt haben. Diese Ökonomen sagen, dass die Menschen andere Jobs finden, wenn die Technologie Jobs zerschlägt. So lautet die Aussage eines Wirtschaftswissenschaftlers:

„Seit dem Beginn des industriellen Zeitalters besteht die wiederkehrende Angst, dass der technische Wandel eine Massenarbeitslosigkeit hervorbringen wird. Neoklassische Ökonomen sagten voraus, dass dies nicht geschehen wird, weil die Menschen andere Jobs finden werden, wenn auch möglicherweise erst nach einer langen Phase der schmerzhaften Anpassung. Im Großen und Ganzen hat sich diese Voraussage als korrekt erwiesen.”

Und sie haben Recht, wenn sie von der langen Phase der schmerzhaften Anpassung reden. Die Nachwirkungen der Industriellen Revolution beinhalteten zwei große kommunistische Revolutionen, die Zahl der Todesopfer betrug hier nahezu 100 Million. Der stabilisierende Einfluss des modernen Wohlfahrtsstaats zeichnete sich erst nach dem zweiten Weltkrieg ab, fast 200 Jahre nach dem Beginn der Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert also.

Heutzutage, wo die Globalisierung und Automatisierung die Unternehmensproduktivität dramatisch steigern, stagnieren die Löhne. Die zunehmende Leistung der Automatisierungstechnologie und künstlicher Intelligenz bedeutet, dass noch mehr Schmerz folgen könnte. Bagatellisieren diese Ökonomen die historischen Aufzeichnungen, wenn sie die Zukunft voraussagen, indem sie uns im Wesentlichen sagen, wir sollen uns keine Sorgen machen, weil sich die Dinge in ein oder zwei Jahrhunderten bessern werden?

Der Wendepunkt ist erreicht

Um von der Industriellen Revolution zu lernen, müssen wir sie in den richtigen historischen Kontext setzen. Die Industrielle Revolution war ein Wendepunkt. Über viele tausend Jahre vorher war wirtschaftlicher Wachstum praktisch vernachlässigbar, grundsätzlich folgte er dem Bevölkerungswachstum: Die Bauern bauten mehr an als vorher, die Schmiede stellten mehr Werkzeuge her, aber die Menschen der frühen Ackerbaugesellschaften Mesopotamiens, Ägyptens, Chinas und Indiens hätten ihre Welt im Europa des 17. Jahrhunderts durchaus wiedererkannt.

Als aber Dampfkraft und industrielle Maschinen im 18. Jahrhundert hinzukamen, hob die wirtschaftliche Aktivität ab. Das Wachstum, das hier in einigen wenigen Jahrhunderten stattfand, war auf einer ganz anderen Skala wiederzufinden als alles, das vorher geschehen war. Jetzt gerade könnten wir an einem ähnlichen Wendepunkt, der von manchen als „vierte Industrielle Revolution“ bezeichnet wird, stehen. Jetzt erscheint alles, was in der Vergangenheit passiert ist, unbedeutend im Vergleich zu der potenziellen Produktivität und Profitabilität der Zukunft.

Eine falsche Vorhersage

Schnell unterschätzt man die Auswirkung von Globalisierung und Automatisierung, die da kommen mag – ich habe das selbst auch getan. Im März 2000 erreichte der NASDAQ Composite Index einen Höchststand und brach dann ein, womit er acht Billionen US-Dollar an Marktbewertungen innerhalb der folgenden zwei Jahre mit sich riss. Zur selben Zeit ermöglichte die globale Ausbreitung des Internets das Offshore-Outsourcing von Softwareproduktionen, was zu der großen Angst führte, dass Jobs in der Informationstechnologiebranche im großen Stil verschwinden könnten.

Die Association for Computing Machinery machte sich Sorgen darüber, was diese Faktoren für die Computerausbildung und Beschäftigung in der Zukunft bedeuten könnten. Ihre Studiengruppe, bei der ich Mitvorsitzender war, berichtete im Jahr 2006, dass es keinen wirklichen Grund gäbe, zu glauben, dass die Jobs in der Computerindustrie aus höher entwickelten Ländern abwandern würden. Die vergangene Dekade hat diesen Schluss untermauert.

Unser Bericht gestand aber zu, dass „Handelsgewinne unterschiedlich verteilt werden könnten“, was bedeutet, dass manche Individuen und Regionen Gewinn und andere Verlust machen würden. Außerdem war es eng auf die Informationstechnologieindustrie fokussiert. Hätten wir auf die Breitenwirksamkeit von Globalisation und Automatisierung in der Wirtschaft geachtet, hätten wir die größeren Veränderungen, die damals schon um sich griffen, möglicherweise gesehen.

Ausbreitung in der Herstellung

In beiden Industriellen Revolutionen, der ersten und der heutigen, schlugen sich die ersten Effekte in der Herstellung in der entwickelten Welt nieder. Durch den Austausch von Arbeitern durch Technologie verdoppelte sich die amerikanische Fertigungsproduktivität ungefähr zwischen 1995 und 2015. Als Ergebnis daraus erreichte die Beschäftigungsrate einen Höchststand um 1980 und nahm seit 1995 steil ab, während das Produktionsvolumen heutzutage ein Rekordhoch verzeichnet.

Anders als im 19. Jahrhundert aber verbreiten sich die Auswirkungen von Globalisierung und Automatisierung in den Entwicklungsländern. Die „Elephantenkurve“ des Ökonomen Branko Milanovic zeigt, wie Menschen, die 1998 nach ihrem Einkommen geordnet wurden, ein steigendes Einkommen bis zum Jahr 2008 erleben durften. Während das Einkommen der Armen stagnierte, führten die steigenden Einkommen in Schwellenländern hundert Millionen Menschen aus der Armut. Menschen, die an der Spitze der Einkommensskala standen, profitierten ebenfalls von der Globalisierung und Automatisierung

Das Einkommen der Arbeiter- und Mittelklasse in den entwickelten Ländern stagnierte allerdings. In Amerika ist beispielsweise das Einkommen von Produktionsmitarbeitern heutzutage inflationsbereinigt genauso hoch wie um das Jahr 1970. Nun kommt die Automatisierung auch in die Entwicklungsländer. Ein aktueller Bericht der International Labor Organization fand heraus, dass mehr als zwei Drittel der 9,2 Million Jobs in der südostasiatischen Textil- und Schuhbranche durch die Automatisierung gefährdet sind.

Das Ausmaß der Probleme anerkennen

Automatisierung und künstliche Intelligenz breiten sich nicht nur über die Welt aus, sie durchdringen auch ganze Wirtschaftssysteme. Buchhalter, Anwälte, Berufskraftfahrer und sogar Bauarbeiter – deren Jobs im Großen und Ganzen von der ersten Industriellen Revolution unbeeinträchtigt blieben – werden miterleben, wie sich ihre Arbeit wesentlich verändert, wenn sie nicht ganz von Computern übernommen wird.

Bis vor kurzem erkannte die gut ausgebildete berufliche Klasse, die auf der ganzen Welt vertreten ist, nicht, was mit der Arbeiter- und Mittelklasse in entwickelten Ländern geschah. Aber jetzt wird es auch mit ihnen geschehen. Die Ergebnisse werden alarmierend sein, zerstörerisch und unter Umständen lange anhalten. Die politischen Entwicklungen des letzten Jahres machen deutlich, dass das Thema des gemeinsamen Wohlstands nicht ignoriert werden kann. Es ist inzwischen offensichtlich, dass die Brexit-Abstimmung im Vereinigten Königreich und die Wahl des Präsidenten Donald Trump in Amerika zu einem Großteil durch sozioökonomische Missstände angetrieben wurden.

Unsere aktuelle Lage in Wirtschaft und Gesellschaft wird sich in bedeutender Weise verändern, ohne dass wir die Möglichkeit einfacher Abhilfen oder Anpassungenen haben, um ihre Auswirkungen zu verringern. Wenn man aber versucht, wirtschaftliche Vorhersagen zu treffen, die auf der Vergangenheit basieren, lohnt es sich, sich die Zurückhaltung des angesehenen israelischen Ökonomen Ariel Rubenstein aus seinem Buch „Economic Fables“ (2012) in Erinnerung zu rufen und diese zu praktizieren:

„Ich bin sehr damit beschäftigt, jede Interpretation zu verleugnen, dass ökonomische Modelle Schlussfolgerungen mit echtem Wert erzeugen.“

Rubinsteins Grundbehauptung, dass ökonomische Theorie uns mehr über ökonomische Modelle als über die wirtschaftliche Wirklichkeit verrät, ist eine Warnung: Wir sollten nicht nur auf Wirtschaftswissenschaftler hören, wenn es darum geht, die Zukunft der Arbeit vorherzusagen; wir sollten auch den Historikern zuhören, die ihren Vorhersagen oftmals eine tiefere historische Perspektive geben. Die Automatisierung wird das Leben vieler Menschen erheblich verändern, und zwar auf möglicherweise schmerzhafte und langanhaltende Weise.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Kohlekraftwerk“ by 526663 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Können sich alte Industriekonzerne zu Plattformen wandeln?

Automobilindustrie(adapted)(Image by MikesPhotos[CC0 Domain] via Pixabay)

Das autonome Fahren sei nicht alleine beherrschbar, zitiert Spiegel Online den BMW-Chef Harald Krüger. Genauso sehe es bei neuen Mobilitätsdiensten aus, also bei der Frage, wie die Menschen sich künftig jenseits des eigenen Autos und des bekannten öffentlichen Nahverkehrs fortbewegen, etwa mit selbstfahrenden Shuttlebussen.

„Das Automobil als Wirtschaftsfaktor reicht nicht mehr. Die Branche muss sich neu erfinden. Denn künftig werden die Autokäufer von heute dank autonom fahrenden Fahrzeugen eher neue Mobilitätsdienste nutzen, um ihr Ziel zu erreichen – und diese verstärkt mit anderen Nutzern teilen“, schreibt Spiegel Online-Redakteurin Kristina Gnirke. Gerade bei der Entwicklung autonom fahrender Autos zeige sich jedoch, wie knifflig dieser Wandel für die Autohersteller wird. Bislang würde jeder Konzern lieber seinen eigenen Weg ausprobieren.

Abwehrschlachten nach alten Rezepten

Und nicht nur das. Die Lobbyisten, wie VDA-Präsident Matthias Wissmann ergehen sich in überflüssigen Abwehrschlachten zur Bewahrung alter Konzepte. Da werden dann mahnende Stimmen sogar als „Feinde des Verbrennungsmotors“ tituliert. Auf diesem Diesel-Niveau sollte man nicht weiter agieren und seine Zeit mit Software-Updates verschwenden, kritisiert D2030-Geschäftsführer Klaus Burmeister bei der Vorstellung des Memorandums ‚Der Zukunft eine Stimme geben‘ in Berlin.

‚Es geht nicht um den Diesel. Es geht darum, bis 2030 ein vernetztes Mobilitätssystem zu erfinden, welches intermodal mit allen Verkehrsträgern in der Lage ist, weltweit zu konkurrieren. Wie bekommen wir einen Wandel hin‘, fragt Burmeister.

Die Gestern-Orientierung von Auto-Lobby und Politik lässt sich auch am Bundesverkehrswegeplan ablesen.

Teer, Beton und keine Infrastruktur für autonome Mobilität

„Da werden bis 2030 fast 300 Milliarden Euro in Teer und Beton investiert. Nur 500 Millionen Euro gehen in die vernetzte Infrastruktur für autonome Mobilität. Da stimmt das Bild nicht“, so Burmeister.

Aber können die Industriekonzerne mit ihrer alten Ego-Logik überhaupt anders agieren? Das bezweifelt Professor Martin Kornberger im Netzpiloten-Interview. „Die Prinzipien des Marktes gelten unternehmensintern nicht.“ Da setze man auf Hierarchie, Fließband-Fertigung und Kommandowirtschaft. Es seien zwei Systeme, die parallel laufen. „Das Versprechen des Marktes soll durch das Gegenteil eingelöst werden. Dieser Widerspruch steckt tief in der marktwirtschaftlichen Theorie und kann nur schwer überwunden werden“, erläutert Kornberger.

Plattformen als Ausweg

Die Auseinandersetzung mit Plattformen sei ein Ausweg. „Es gibt dort Marktelemente, Freiheitsgrade und sogar starke soziale Bindungen. Es gibt Nutzer, die freiwillig mitmachen. Die Autoindustrie braucht ein Ökosystem, das insgesamt Mobilität erzeugt. Diese Herausforderung wird in Wirtschaftskreisen fast überhaupt nicht diskutiert. Das ist aber die komplementäre Seite zur Veränderung der Technologie“, betont der Organisationswissenschaftler. Man könne das nicht nur auf neue Antriebsverfahren reduzieren.

Die Verschiebung in diesem alten Machtgefüge wolle keiner angehen. Man verharrt in der überkommenden Logik. Uber sei vom Ansatz her richtig gewissen. In der Ausführung wirke das allerdings monopolisierend und sei genauso limitierend wie die etablierten Konzepte. Es wäre tausendmal spannender, wenn es dabei Pluralität geben würde. Können die alten Industriekonzerne die Transformation zu Plattformen überhaupt bewerkstelligen?

Kornberger ist skeptisch: „Die Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte belegen eher das Gegenteil. Die Kutscher haben nicht das Automobil erfunden. Genauso wenig waren die Eiswürfel-Lieferanten die Wegbereiter für Kühlschränke. Es steckt unendlich viel Beharrungsvermögen und Macht in den Strukturen. Da ist es einfacher, bis zur letzten Minute Schreibmaschinen herzustellen als zu versuchen, ins Computer-Business einzusteigen. Es passiert relativ selten, dass sich große Unternehmen neu erfinden.“ Das ist ein dystopisches Szenario für die Platzhirsche. Von Einzelakteuren erwartet Kornberger keine Änderungen.

Kollektives Handeln organisieren

Relevant seien einzig und allein organisatorische Stellschrauben. „Das ist etwas Kollektives und das stimmt mich optimistisch, weil man zum ersten Mal kollektives Handeln durch das Internet anders organisieren kann. Es ist viel einfacher geworden, sich zu vernetzen. Projekte wie Wikipedia sind dafür die besten Beispiele. Die Kreativität der Crowd kann schon sehr beeindruckend sein, wenn man sie richtig organisiert.“ Wie kann das traditionelle Management dort hinkommen? Unternehmen wie BMW operieren doch noch nach Methoden des 19. Jahrhunderts. Sie sollten sich diese Methoden anschauen und damit experimentieren. „Das ist nicht Rocket Science. Die Top-Manager sollten endlich ihre Kontrollverlust-Ängste ablegen“, empfiehlt Kornberger von der Lyion Business School. Ob die alte Führungsgarde die dafür nötige Imagination mitbringt, darf bezweifelt werden.

Anstellen und Einstellen – da liegt das Problem im Personalmanagement

Müssen Nachwuchskräfte mit einem anderen Denken rekrutiert werden? „Die ganze Idee mit Anstellen und dann Einstellen ist der Kern der Hierarchie. Der oder die Richtige soll für einen genau definierten Job gefunden werden. Im Netzwerk läuft das anders.“ Wann werde dort jemand mit seinem Wissen relevant? Das sei abhängig von der Resonanz, vom Kontext und nicht vom Organigramm. „Die individualisierte Personalauswahl in Unternehmen tut sich damit schwer. Auf Plattformen ist diese Frage ausgelagert. Die behandeln das sehr viel flüssiger und dynamischer“, resümiert Kornberger im Vorfeld der Kölner Fachmesse Zukunft Personal. Das Notiz-Amt wird dort am 19. und 20. September in Halle 3.1 Stand F27 zum #StudioZ verwandelt und in Interviews mit Experten des Personalmanagements weiter diskutieren.


Image(adapted)„Automobilindustrie“by MikesPhotos [CC0 Public Domain]


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Hacks bei selbstfahrenden Autos: So halten wir sie auf

Autonomes Fahren (adapted) (Image by RioPatuca Images via AdobeStock)

Sobald Hacker in ein Auto gelangen, das mit den Internet verbunden ist, können sie die Airbags, Bremsen und Türverriegelungen ausschalten und sogar den Wagen komplett stehlen. Das sind die Ergebnisse von Forschern, die vor kurzem Sicherheitslücken bei verschiedenen Komponenten eines Autos entdeckt haben. Es konnte bei mehreren Tests nachgewiesen werden, dass es möglich ist, sich aus der Ferne in Autos zu hacken. Ein Fall zog sogar einen Rückruf von einem Jeep-Modell nach sich.

Keiner dieser Hacks konnte bis jetzt an normalen Fahrzeugen auf der Straße gezeigt werden. Doch sie zeigen, wie Cybersicherheit zu einer großen Herausforderung für die Autoindustrie wird. Vor allem, da in Fahrzeugen mehr und mehr fahrerlose Technologie eingebaut wird. Dies hat die britische Regierung so sehr beunruhigt, dass diese sogar eine Sammlung von Richtlinien für diesen Sektor veröffentlicht hat. Diese betonen den Bedarf von Unternehmen, zusammenzuarbeiten, um widerstandsfähige Fahrzeuge zu bauen, deren Sicherheit während der gesamten Lebenszeit gewährleistet werden kann. Aber was kann eigentlich gemacht werden, um Autos, die im Prinzip zu Computern auf Rädern werden, vor Hackern zu schützen?

Es gibt drei Hauptgründe, warum Autos verwundbar für Cyberattacken werden. Diese Trends haben es ebenfalls schwierig gemacht, Sicherheitssysteme zu designen und zu testen. Erstens werden Systeme, die in einem Auto integriert sind, immer öfter so entworfen, dass diese zusammenarbeiten, um ihre Effizienz zu erhöhen. Und deswegen müssen diese alle in der Lage sein, zu kommunizieren und auch mit einer zentralen Kontrolleinheit verbunden sein. Fügt man autonome Systeme hinzu, die die Autos teilweise oder komplett fahrerlos auf die Straße lässt, heißt das, dass diese sich mit anderen Autos und der Infrastruktur auf der Straße verbinden müssen.

Aber dies öffnet ein System, was traditionell nach außen hin geschlossen war, vor möglichen bösartigen Eingriffen. Zum Beispiel haben wir Demonstrationen von Angriffen gesehen, die Bluetooth, WLAN und Sendefrequenzen des Autos nutzen, um wichtige passive Zugangssysteme anzugreifen. All diese erzeugen mögliche Einstiegspunkte für Hacker.

Zweitens bedeuten mehr Features und Funktionen in Autos auch mehr Software und Komplexität. Ein einziges Fahrzeug kann inzwischen Millionen Zeilen an Computercodes benutzen. Und dies alles wird auf verschiedenen Arten, in verschiedenen Komponenten und von verschiedenen Herstellern zusammengepackt. Das macht es Sicherheitstestern schwerer zu wissen, wo sie zu suchen haben. Und das macht es auch Prüfern schwerer einzusehen, ob ein Auto die Richtlinien einhält. Wenn die Software, die kürzlich von Volkswagen benutzt wurde, um Emissionen zu beschönigen, ein bösartiger Virus gewesen wäre, dann hätte es Monate oder Jahre gebraucht, um das Problem zu finden.

Drittens steigen das Volumen und die Vielfalt der Daten und des Inhalts ständig, die in einem Fahrzeug benutzt und gespeichert werden. Beispielsweise könnte ein Multimedia-GPS-System in einem Auto Kontaktdaten, Informationen über die gewöhnlichen Routen des Fahrers und in der Zukunft sogar Finanzdaten enthalten. Dieser Hort an Informationen wäre für Cyberkriminelle sehr attraktiv.

Eine der besten Möglichkeiten, um Autos, die im Netz verbunden sind, vor dieser wachsenden Gefahr zu schützen, wäre es, Sicherheitssysteme im Design der Fahrzeuge einzubauen. Das würde beispielsweise heißen, dass sichergestellt wird, dass es keinerlei Konflikte, Fehler oder Fehlkonfigurationen in den einzelnen Teilen gibt. Vollständig zusammen gebaute Autos sollten strenger kontrolliert werden, damit das Endprodukt gegen Hackerangriffe bestehen kann. Dabei sollten Methoden wie Penetrationstests benutzt werden, bei denen Systeme absichtlich angegriffen werden, um Sicherheitslücken aufzudecken. Dies würde im Umkehrschluss bessere Werkzeuge und Standards bedeuten, die alle Industriehersteller dazu zwingen würden, Sicherheitssysteme von Anfang an mit einzuplanen.

Die nächste große Herausforderung wird wahrscheinlich sein, Autos zu entwerfen deren Sicherheitssysteme sich mit der Sicherheit beim Fahren abstimmen. So wie sich selbstfahrende Technologie weiterentwickelt und mehr künstliche Intelligenz und Deep-Learning-Methoden benutzt, werden wir uns auf noch mehr Software verlassen, um unsere Autos zu kontrollieren und um Entscheidungen aufgrund Sicherheitsbestimmungen zu treffen, wie es auch ein menschlicher Fahrer tun würde. Das macht es noch wichtiger, dass Autos so sicher sind, dass sie auch auf die Sicherheit des Fahrers achten.

Die Antwort der Industrie

Die Industrie reagiert langsam, aber beständig auf die Gefahr von Cyber-Angriffen. Neben den Regulierungen der Regierung hat die Society of Automotive Engineers (SAE) ihr eigenes Richtlinienpaket eingeführt. Dieses zeigt, wie Cyber-Sicherheit wie andere Sicherheitsgefahren behandelt werden kann, während man Autos entwirft. Es gibt auch Bemühungen, die Fahrer fähiger zu machen ihr eigenes Auto schützen zu lassne, indem beispielsweise in den Bedienungsleitungen davon abgeraten wird, unbekannte Geräte anzuschließen.

Langfristig ist die größte Herausforderung, die Autoindustrie dazu zu bringen, sich besser abzusprechen. Der Sektor ist hart umkämpft auf jeder Ebene und Unternehmen verlassen sich auf die neuesten autonomen und smarten Technologien, um sich abzusetzen und neue Kunden zu gewinnen.

Diese Rivalität bedeutet, dass Firmen sich davor sträuben, Informationen über Gefahren aus dem Netz und mögliche werwundbare Stellen miteinander zu teilen oder aber auch zusammenzuarbeiten, um ein sichereres Design zu entwerfen. Damit Autos wirklich sicher werden, müssen wir die Industrie dazu bringen, sich zu verändern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Autonomes Fahren“ by RioPatuca Images/AdobeStock.com


The Conversation

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  • GOOGLE GLASS t3n: Google Glass ist zurück – und soll diesmal die Industrie erobern: 2014 wollte Google die Augmented-Reality-Brille im Konsumentenbereich etablieren und konnte sich im Handel nicht durchsetzen. Ein Jahr später wurde der Verkauf bereits gestoppt. Jetzt soll die Brille – jetzt nur noch Glass genannt, da sie nicht mehr von Google entwickelt wird – ein Hilfswerkzeug für Handwerker werden. In Kooperation mit verschiedenen Dienstleistungspartnern hat das Unternehmen „X“ individuell zugeschnittene Lösungen. Mögliche Einsatzbereiche sind Medizin, Logistik, Marketing oder Industrielle Arbeit wie Autoherstellung. Ersten Ergebnissen eines Testunternehmens zufolge, soll die Brille die Produktivität in der Fertigung um 25 Prozent gesteigert haben.

  • QR CODE wired: The Curious Comeback of the Dreaded QR Code: QR Codes schienen lange wie die Innovation der Zukunft, bis sie von ihre Popularität verloren. Ihre Handhabung war zu umständlich für viele Nutzer. Aber mit der Entwicklung von Social Media QR Codes hat das System ein schleichendes Comeback gefeiert. Unternehmen wie Snapchat, Facebook oder Spotify nutzen ein QR Code System um Nutzer schnell miteinander verbinden zu können. Grund für das Comeback ist unter anderem auch der Fortschritt der Kameras, die mittlerweile auch ohne spezielle QR Code App diese erkennen und scannen können. War das System also nur zu weit vor seiner Zeit?

  • ZALANDO handelsblatt: Warum Zalando Amazon nicht fürchten muss: Abo-Dienste für Premium Kunden sind in der heutigen Zeit keine Besonderheit mehr. Zalando führt nun in Konkurrenz zu Amazon Prime ebenfalls einen Premium Abo Service „Zet“ ein. Dienstleistungen des Service sollen taggleicher Versand oder ein Stylisten-Beratungsservice. Zuvor hatte Amazon mit „Prime Wardrobe“ ein neues Konzept angekündigt, mit welchem Kunden vor Bezahlung die Klamotten anprobieren konnten und Zalando so vor eine kommende Krise gestellt.

  • NOTE 7 heise: Samsung schlachtet Debakel-Smartphone Galaxy Note 7 aus: Das südkoreanische Unternehmen Samsung kündigte in einer Pressemitteilung an, dass sie konkrete Recycling Pläne für das zurückgerufene Smartphone Galaxy Note 7 erarbeitet haben. Die Smartphone sollen demnächst ausgeschlachtet werden, um zum Beispiel die Edelmetalle, die in der Technik der Geräte verarbeitet sind zu extrahieren. Noch intakte Bauteile wie OLED-Displays oder Kameramodule sollen als Ersatzteile für Reperaturen genutzt werden. Mit diesen und weiteren Maßnahmen möchte Samsung Nachhaltig handeln. Das Problem des Smartphones war in erster Linie der Akku, der bei Überhitzung in Flammen aufging.

  • KOOPERATION golem: Microsoft will an autonomen Autos mitentwickeln: Das Softwareunternehmen Microsoft ist eine strategische Partnerschaft mit dem chinesischen Unternehmen Baidu eingegangen, um an der Entwicklung von autonomen Autos mitzuwirken. Baidu hatte erst kürzlich ein Open-Source-Betriebssystem vorgestellt, dass jede Autofirma nutzen kann. Neben Microsoft sollen auch Nvidia, Ford und Intel an der Entwicklung dieses Open-Source-Systems beteiligen.

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Gewaltenteilung für die Maschinenwelt – Warum wir Utopien brauchen

Himmel (adapted) (Image by Alexas_Fotos [CC0 Public Domain] via pixabay)

Wenn Technokraten über Zukunft reden, kommen in der Regel 4.0-Wortungetüme heraus, die sich in Zahlen, Effizienz und Effektivität suhlen. Alles wird besser. Kaum einer formuliert, wie und was wirklich besser werden soll. Welche Ziele, welche Werte und welche Ethik werden angestrebt? Die Silicon-Valley-Himmelsstürmer und die Copy-Cat-Abziehbilder in Deutschland erstreben die Weltherrschaft, verweigern aber den normativen Diskurs. Man will besser werden, neue Horizonte erstreben, Vergangenheit zurücklassen, beginnt Sätze mit dem Adverb „beyond“ und verharrt in Zwischenorten, Zwischenzeiten und in Wartesälen des Denkens.

Digitalisierung im Wartesaal des Denkens

Bei Intellektuellen wie Politikern im Westen scheint heute Stillstand im Fortschritt zu herrschen, jeglicher Richtungssinn verloren gegangen zu sein …“ , schreibt Günter Blamberger im Band „Möglichkeitsdenken – Utopie und Dystopie in der Gegenwart“ , erschienen im Wilhelm-Fink-Verlag. Es dominiert selbst bei den digitalen Vordenkern eine Trägheit des Kopfes, weil man dem kritisierten Bestehenden weder praktisch noch theoretisch etwas entgegenzusetzen hat. Kein futuristisches Denken, keine Utopien und keine Phantasien.

Die Human Resources programmieren die Employer Branding Maschine rasch noch auf die Kohorte der so genannten ‚Millennials‘, während männliche Mittfünfziger in den Chefetagen der Konzerne und auf den Podien der Lobbyverbände Phrasen dreschen vom Internet of Things oder der Industrie 4.0. Kaum einer weiß, was er da redet, geschweige denn, wie er seine Organisation und seine Mitarbeiter dorthin bekommt. Und in einer solchen Situation lässt sich vortrefflich Geld verdienen. So planen die meisten ihren nächsten Karriereschritt hin zur sich bereits andeutenden Vollendung des beruflichen Lebenswerks. Nach mir die Sintflut. Analog oder digital? Mir doch egal“ , so Robert Frankenin seinem Blog „Digitale Tanzformation“.

Graf Zahl an der Unternehmensspitze

Graf Zahl steuert die Unternehmensgeschicke und vielleicht noch Daniel Düsentrieb, der Vorhandenes etwas besser macht. Blinklicht-Innovationen, die Professor Lutz Becker in der dritten Folge des Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland im Gespräch mit dem Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky angeschnitten hat.

Es fehlen leidenschaftliche Zukunftsbilder, meint Janszky. Es mangelt an Regelbrechern, die die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze in Frage stellen. Wir können noch so viele Digital Hubs gründen und Fördermittel herauspusten, letztlich konzentrieren wir uns auf Tätigkeiten, die die vorhandenen Technologien etwas besser machen.

Das große Gemälde für gesellschaftliche Utopien sucht man vergeblich. „Unternehmen haben heute in den allermeisten Fällen nicht einmal mehr das kleine Einmaleins der Beziehungsarbeit zu ihrer Belegschaft drauf. Sie stiften statt Sinn nur Angst und Verwirrung, wenn sie jedes Individualschicksal der großen Optimierungsmaschine unterwerfen“ , führt Franken aus.

Humankapital wird abgebaut

Humankapital eben. Stellenabbau, permanente Befristung und prekäre Lohnsituation mag kurzfristig dem Shareholder Value dienen – langfristig führt es in die Sackgasse. Statt mutig Neues zuzulassen und alte Systeme auf den Kopf zu stellen, karren wir Busladungen grauer Damen und Herren durchs kalifornische Silicon Valley. Auf dass sie die Muse der digitalen Innovation durchs Busfenster hindurch küssen mögen. Das ist Möglichkeitsdenken auf Sparflamme. Dabei gibt es keinen Determinismus, der uns vorschreibt, wie wir die Zukunft gestalten. Etwa die Rolle von wenigen Super-Computern, die nur von wenigen Menschen beherrscht werden. Gibt es wirklich nur eine Handvoll Götter, die dem Rest der Menschheit diktiert, wie wir leben sollen?

Neue Regeln denken

Wir könnten ja über neue Systeme nachdenken, die eine demokratische Gewaltenteilung für die Maschinenwelt ermöglicht, schlägt Janszky vor. Also neue Regeln, um den Machtmissbrauch von Künstlicher Intelligenz zu verhindern. Algorithmen programmieren, die dezentral, offen und kollaborativ ausgerichtet sind. Szenarien beschreiben und dann Impulse zur Realisierung bieten. Sich nicht mehr als der allwissende Experte inszenieren, das können mustererkennende und musterbrechende KI-Maschinen sowieso bald besser machen, sondern als Erster unter den Lernenden neue Möglichkeitsräume erarbeiten. Nicht konstruierten ökonomischen Sachzwängen hinterherlaufen, sondern lebenswerte Zukunftsentwürfe diskutieren. Die D2030-Initiative hat dazu interessante Skizzen geliefert. So könnte es in gut 20 Jahren ausschauen:

So kann Zukunft aussehen

Die deutsche Wirtschaft entwickelt und fertigt weiterhin erfolgreich in einem zunehmend hochdynamischen Wettbewerb. Grundlage dafür sind neben erfolgreichen mittelständischen Unternehmen vor allem eine breite Innovationskraft durch handlungsfähige Allianzen, ein substanzieller Bürokratieabbau sowie ein offenes Bildungs- und ein vielfältiges Wissenschaftssystem. Auf dem Arbeitsmarkt entsteht eine „Projektwelt“ mit flexiblen Arbeitsverhältnissen, die jedoch nicht in prekäre Beschäftigung mündet, sondern breiten Bevölkerungsgruppen deutlich Wohlstandszuwächse ermöglicht.

Offenheit für Menschen und Ideen sowie eine neue „Wir-Orientierung“ prägen die Gesellschaft.? Es werden neue Formen von Gemeinschaft, bewusstem Konsum und kultureller Offenheit erprobt – unterstützt durch die den Zusammenhalt fördernde, digitale Transformation und die gewachsene Qualität der Medienangebote. Öffentliche Daten stehen den Bürgern in großem Umfang zur Verfügung. Die breite Zuwanderung wird allgemein akzeptiert und als Chance für Veränderung begriffen. Zudem ermöglicht die Migration einen demografischen Ausgleich, und trägt insofern zum Interessenausgleich von Jungen und Alten in einem neuen „Generationenvertrag“ bei.

Der Gegensatz von Wirtschafts- und Umweltinteressen löst sich immer weiter auf. Der Einsatz von Rohstoffen kann deutlich verringert werden. Um der latenten Gefahr eines Rebound-Effektes zu begegnen, werden immer mehr Produkte und Produktionsprozesse in geschlossenen Stoffkreisläufen gehalten.
Es gibt einen akzeptierten Politikbetrieb im Zusammenspiel mit aktiver Zivilgesellschaft.? In der Politik hat sich das Subsidiaritätsprinzip in der Breite durchgesetzt: Entscheidungen werden wo möglich dezentral, wo nötig aber auch auf transnationaler Ebene getroffen. So kann Deutschland von einer vertieften europäischen Integration profitieren. Bürgerschaftliches Engagement erfolgt zudem über direkte Bürgerbeteiligung oder konsultative Elemente. Darüber sollten wir intensiver debattieren. Gefordert ist ein utopisches Denken, das Zeitkritik zur Sprache bringt – also all das, was uns zur Zeit gegen den Stricht geht – und Denkwenden provoziert. In diesem Dickicht möglicher Zukünfte diskutiere ich in der nächsten netzökonomischen Runde in Köln mit Repräsentanten der D2030-Initiative.

Offen, kollaborativ und ohne Teleprompter. Hashtag zum Mitdiskutieren #D2030. Oder einfach vorbeikommen. Das Notiz-Amt wird darüber berichten.


Image (adapted) „Himmel“ by Alexas_Fotos (CC0 Public Domain)


 

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Netzpiloten sind Partner des 31. ECC-Forums

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Alljährlich veranstaltet das ECC Köln zweimal das ECC-Forum, ein Mal mit dem Fokus B2B und dieses Mal wieder mit Konzentration auf B2C-Marketing. Am 6. April 2017 ist es wieder soweit und die 31. Ausgabe explizit zum Thema „Customer Centricity“ findet in der Balloni-Halle in Köln statt.

Von 9:30 bis 17 Uhr könnt ihr euch auf ein umfassendes Programm freuen, mit vielen spannenden Erfolgsbeispielen von Playern aus Industrie und Handel. Das Event ist zudem vor allem interessant als Plattform für den Austausch zwischen Branchenkollegen und –experten. Zahlreiche Referenten, wie beispielsweise Prof. Dr. Christian Zagel, Senior Manager für IT Innovation & Technology bei adidas oder Klaus Cholewa, dem Customer Experience Manager und Mitglied des Vorstands von IKEA, stellen dort neue Erkenntnisse und Studienergebnisse zum Leitthema „Customer Centricity“ vor. Zum Networken habt ihr zwischen den Vorträgen auch reichlich Zeit, seid ihr aber ECC-Club-Mitglied, habt ihr auch die Chance am Vorabend des ECC-Forums an einem speziellen Networking-Event teilzunehmen.

Hier könnt ihr euch für Tickets anmelden.

Hier ein Rückblick zum letzten B2C-ECC-Forum:

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  • SECURITY t3n: Sicherheitslücke: So einfach ist es, fremde Flüge umzubuchen: Der Buchungscode, den Fluggäste von ihrer Airline bekommen, wenn sie über das Internet einen Flug buchen, ist auch heute noch lediglich sechsstellig. Das stellt laut den Sicherheitsforschern Karsten Nohl und Nemanja Nikodijevic ein erhebliches Risiko dar. Ruft man die Website des entsprechenden Anbieters auf, braucht man nur den Nachnamen des Fluggastes eingeben. Den Buchungscode kann man durch automatisierte Anfragen leicht herauskriegen. Mit beiden Daten zusammen hat man Zugriff auf die gesamte Buchung und kann diese nach Belieben verändern. So ist es beispielsweise möglich, den Flug eines Fremden anzutreten und Vielflieger-Accounts zu einem fremden Ticket hinzuzufügen, um Meilen von Langstreckenflügen zu bekommen.

  • VERSCHLÜSSELUNG golem: Fristverlängerung zur Einführung sicherer App-Kommunikation: Für den Jahreswechsel war formal die verbindliche Einführung von App Transport Security (ATS) vorgesehen. Wie Apple in einer Entwicklermitteilung nun äußerte, wurde dieser Termin auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Konzern will den Entwicklern damit mehr Zeit geben, sich auf die neuen Richtlinien einzustellen. Mit ATS wird verhindert, dass beispielsweise in offenen WLAN-Systemen der Netzwerkverkehr von einem weiteren Teilnehmer abgehört werden kann. Bislang wird ATS aber nur von fünf Prozent der „wichtigen“ iOS-Apps umgesetzt. Immerhin verwenden 45 Prozent der für Unternehmen relevanten Apps eine per HTTPS abgesicherte Kommunikation.

  • ASUS FAZ: Asus Zenbook 3 im Test: Der taiwanesische Hardwarehersteller Asus hat mit dem Zenbook 3 Apple den Kampf angesagt. Unschwer zu erkennen ist, dass mit dem schlanken Gerät das MacBook Pro aus dem Vorjahr angegriffen werden soll. Es gibt verblüffende Ähnlichkeiten, aber auch im Inneren kommt ähnliche Technik zum Einsatz. Laptops in dieser Größe mit wenig Gewicht sind ideal für Geschäftsreisende, die mit wenig Gepäck unterwegs sein wollen. Wer sich jedoch für das Zenbook 3 entscheidet, nimmt dafür auch typische Schwächen in Kauf. Laute Lüftung, zu wenige Anschlüsse, schlechte Display-Qualität und ungünstige Materialwahl, um nur ein Paar zu nennen.

  • TTIP heise: Industrie hofft auf TTIP-Comeback mit Trump: Auch, wenn der designierte US-Präsident Donald Trump als strikter Gegner des Freihandelsabkommens TTIP gilt, hofft die deutsche Industrie auf eine Einigung. Seit 2013 dauern die Verhandlungen der EU-Kommission mit den USA an. Industriepräsident Ulrich Grillo sagte dazu: „Amerika ist nicht autark. Deshalb bin ich optimistisch, dass Trump über kurz oder lang TTIP wieder aus der Schublade holt. Die EU-Kommission muss ihre Gesprächskanäle bei TTIP auf jeden Fall offen halten.“

  • GOOGLE GoogleWatchBlog: Chrome-Extension bringt aufgeräumtere Oberfläche für Clean Google Calendar: Gute Nachrichten für Anhänger des Google Kalenders: Google spendiert seinem Kalender ein neues Design. Über Jahre hat sich bei der Software so gut wie nichts getan, außer, dass vor einigen Jahren kleine Änderungen am Material Design vorgenommen wurden. In der neuen Oberfläche, die sich in Chrome als neuer Tab öffnet, werden überflüssige Teile weggelassen. Dadurch erscheint der Kalender insgesamt klarer und aufgeräumter. Die neu geschaffenen Buttons „NEW“ und „OPTIONS“ enthalten praktische Schnellzugriffe.

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Warum Industrie 4.0-Lobbyisten mehr denken sollten – Nachtrag zum #ctk2016

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Haben Strategen im 21.Jahrhundert ausgedient? Weit gefehlt. Sie dürfen nur nicht den Regeln von mechanistischen Modellen folgen. Das war schon immer ein Fehler. Erfolgreiche Unternehmer haben das zu allen Zeiten unkonventionell gehandelt. Schnelligkeit, Stärken nutzen, Erfahrung, Urteilskraft, siebter Sinn und Intuition kann man nicht planen. Unternehmerisches Handeln ist nur schwer zu systematisieren. Wie gute Unternehmer handeln und entscheiden, ist häufig von Zufällen abhängig und widerspricht dem ideologischen Weltbild von Planungsfanatikern.

Am völligen Versagen der Wirtschaftsforschungsinstitute bei der Vorhersage der Finanzkrise kann man erkennen, wie wenig formelhafte Theorien für das Wirtschaftsleben taugen. Wer das praktiziert, landet in der Bürokratiefalle. Denn sehnen sich die Mechanisten in den Chefetagen der Konzerne und mittelständischen Firmen nach Kennziffern, Regeln, Methoden, Benchmarks und Best Practise-Ratschlägen, ums Paradies der Effizienz, Effektivität und Profitmaximierung. Sie hören Begriffe wie Industrie 4.0, Lean Management oder Kaizen und ordnen es direkt in ihre System-Schubladen ein für Erfolg und Glückseligkeit.

Technokratisches Wortgeklingel

Denken kommt dabei leider nicht an erster Stelle, moniert Guido Bosbach in einer Session des Change to Kaizen-Forums in Mannheim, die er gemeinsam mit mir präsentierte. Es regiert technokratisches Wortgeklingel, um wieder zur Tagesordnung übergehen zu können.

Industrie-Vordenker in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ergötzen sich an Formeln. Sie besichtigen eine Produktionshalle von Toyota, hören das geheimnisvolle Credo von Kaizen, wandeln das Ganze in einen „kontinuierlichen Verbesserungsprozess“ um und fixieren es mit 80 Regeln, die in einem Lastenheft dokumentiert werden. Leerformeln abspulen, statt über die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns zu grübeln.

Aber genau das steckt hinter der Jahrhunderte alten Kultur von KAIZEN, erläuterte der Industrie-Fachmann Mario Buchinger auf der Mannheimer Fachtagung im Technoseum. „Es geht um die Veränderung zum Guten – gemeinsam besser werden. Das klingt für deutsche Manager schon viel zu philosophisch.“

Egozentrische Manager hassen Kaizen und lieben Tastendrücker

In Deutschland spricht man lieber von der Qualitätsmethodik. Sich selbst zu hinterfragen, kleine Schritte zu gehen und das Wohl der Gesamtheit im Auge zu behalten, sei für egozentrische Manager Gift. Da wird das so genannte Humankapital dann doch lieber zur Kennziffer im Controlling degradiert. Der Mensch als Faktor der Verschwendung wird mit Prinzipien-Huberei entweder in der Speedfactory eliminiert oder zum optimierten Tastendrücker in „Shopfloors“ montiert.

Shopfloor klingt irgendwie eleganter als Werkstatt oder Fertigungshalle. Der kosteneffiziente Tastendrücker taucht in den Präsentationsfolien der schlanken Industrie 4.0-Propagandisten als „Dirigent der Wertschöpfungskette“ auf. Ist in der Realität zwar immer noch langweilig, kann aber als Tätigkeit mit Gamification-Tools zu olympischen Höchstleistungen gebracht werden. Einen kleinen Unterschied zu früher gibt es dennoch.

Maschine und Werkstück als Dirigenten der Wertschöpfungskette

Die Anweisungen bekommt der Tastendrücker nicht mehr von hausmeisterlichen Vorarbeitern, sondern von einem Werkstück oder einer Maschine. Dem „Dirigenten“ wird die Rolle zugewiesen, auf optische und akustische Signale zu reagieren und vorbestimmte Handlungsmuster auszuführen auf Basis von Prozessinformationen und Algorithmen.

„Mitarbeiter werden zu Objekten. Es ist der Mensch in der Fabrik, der sich an die Vorstellung gewöhnen muss, dass das Werkstück bestimmt, was wer wann und wo zu tun hat. Die Aufgaben des Vorgesetzten übernimmt dann das Material, das bearbeitet werden möchte. Ein seltsames Verständnis von Dirigententum“, kritisierte Professor Andreas Syska in seinem Vortrag beim Kaizen-Symposium. Gewinner sind in diesem industriellen Denkmuster die Ingenieure. Kaizen sehen sie eher als überflüssige „Räucherstäbchen-Runden“.

„Begeistert sind all jene, die Betriebsführung mit der Gestaltung von technischen Systemen verwechseln und lieber mit Technik als mit Menschen zu tun haben. Industrie 4.0 ermöglicht den Führungsschwachen die langersehnte Flucht vor ihren eigenen Mitarbeitern“, so Syska.

Fehlanzeige bei Kommunikationskompetenz

Mit dieser fabrikfixierten Nabelschau werden die Industrie 4.0-Flötisten allerdings scheitern. „Industrie 4.0 ist ein Kind der Stückfertigung kleiner Serien nach dem Verrichtungsprinzip. Dort liegen die geistigen Wurzeln“, erläutert Produktionsexperte Syska. Aber genau da fängt das Problem an. Das Thema wird auf die Fabrik beschränkt, ohne über notwendige Kompetenz für digitale Plattformen, neue Märkte, Vernetzungsintelligenz oder Wissensmangement in Schwärmen nachzudenken. Es wird den deutschen Unternehmen in offenen Strukturen schwerfallen, ihre Fertigungshoheit zu verteidigen. Mit den Ichlingen des Ingeniuerswesens gelingt das mit Sicherheit nicht. Das sind Ego-Dirigenten, die sich im Kreis drehen.

Wahre Führungspersönlichkeiten haben Follower und verstecken sich nicht hinter „schlanken“ Prozessen, Musterlösungen, linearen Methoden und Routinen. „Führung ist vor allem Kommunikation, Vernetzung und die Ermöglichung des Lernens voneinander“, schreibt Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. An den technischen Hochschulen sollte Philosophie als Pflichtfach eingeführt werden. Das Notiz-Amt sieht hier Reformbedarf.


Image „Spielsteine-Netzwerk-vernetzt“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Schwarm-Mobilität statt Schmieröl-Weisheiten im Land der Autobauer

In Deutschland bekommt man schon Schnappatmung, wenn das Ende des Verbrennungsmotors für 2030 erwogen oder auch nur angedacht wird. Die KP China gibt ein anderes Tempo vor – wie bei der Digitalisierung. In gut einem Jahr müssen nach einem Bericht der SZ für acht Prozent aller in China verkauften Fahrzeuge sogenannte Kreditpunkte gesammelt werden, 2019 dann für zehn Prozent und 2020 zwölf Prozent.

„Die Faustformel, mit der die Konzerne derzeit kalkulieren, lautet: vier Punkte für ein Elektrofahrzeug, zwei Punkte für einen Plug-in-Hybriden“, schreibt die SZ. VW müsste 2018 für den chinesischen Markt rund 60.000 E-Autos herstellen. Bei Plug-in-Hybriden mit einer elektrischen Reichweite von 50 Kilometern seien sogar 120.000 Exemplare notwendig. Gelingt das nicht, müsste VW entweder die Produktion drosseln oder aber anderen Herstellern Kreditpunkte abkaufen. Und das könnte teuer werden.

Probleme für die Exportnation

Jetzt wird hoffentlich auch den Industrie-Lobbyisten blitzschnell klar, wie idiotisch es ist, das Märchen von der guten, alten Exportnation mit Schmieröl und rauchenden Schloten wie zu Wirtschaftswunder-Zeiten zu erzählen. Die Automobilwirtschaft steht vor dem größten Wandel seit der Einführung des Verbrennungsmotors. Die Grenzen der Geschäftszweige verschwimmen, branchenfremde Anbieter erobern den Markt und Newcomer wie Tesla demonstrieren, wie man Elektroautos richtig in Szene setzt. Wertschöpfungsketten werden rekonfiguriert und digitale Plattformen treiben die Vernetzung der Fahrzeuge voran. Und was passiert in Deutschland? Da dominieren Teflon-Statements der politischen und wirtschaftlichen Elite.

Die Vergreisung der Auto-Lobby

Der Ökonom Joseph Schumpeter würde das so kommentieren: Der Zwerg von gestern ist der Riese von heute und der Greis von morgen. Die deutsche Automobilindustrie und die Regierungspolitik sind auf dem Weg in die Vergreisung.

Die alten Industriedenker versäumen es, zukunftsfähige Mobilitätskonzepte zu entwickeln, moniert der Wuppertaler Unternehmer Jörg Heynkes im Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland. „Der Umstieg der Antriebstechnologie von einem dreckigen und völlig ineffizienten Verbrennugnsmotor auf einen sauberen Elektromotor ist nur ein erster Schritt. Hier wird nur ein kleiner Teil der Mobilitätswende abgebildet, die wir in Deutschland und Europa brauchen. Ansonsten stehen die Elektrofahrzeuge im gleichen Stau wie die Verbrenner.“

Heynkes bemängelt, dass es in der Politik noch nie den Willen gegeben hat, sich nicht mehr als reines Autoland zu definieren. Etwa bei der Organisation des Schienenverkehrs – lokal, regional und überregional. In Japan gibt es ein einziges Ticketsystem für Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen und Hochgeschwindigkeitszügen. „Alles digital, alles mehrsprachig, von jedem Menschen auf der Welt zu bedienen. Alles läuft komplett über Smartphones.“

Bei uns herrsche ein Dschungel von völlig unterschiedlichen Systemen mit grottenschlechten Benutzungsoberflächen. Die Systeme in Japan seien nicht nur einheitlicher, sie funktionieren unfassbar pünktlich. Die Verspätungen aller Zugverbindungen mit dem Shinkansen summierten sich im vergangenen Jahr auf läppische 50 Sekunden. So etwas schafft noch nicht mal eine ICE-Verbindung von Siegburg nach Frankfurt Flughafen.

Politik baut auf Autokäufer

„In der deutschen Politik gibt man sich damit zufrieden, dass Menschen deutsche Autos kaufen“, so Heynkes, der sich in Wuppertal als unabhängiger Kandidat für den NRW-Landtag bewirbt. Schon jetzt sei es möglich, auf einen erheblichen Teil der täglich stattfindenden Mobilität zu verzichten und sie flexibler zu organisieren. Etwa über Schwarm-Mobilität. „Während die Politik wertvolle Zeit verplempert, die schwerfällige Autoindustrie zu nähren, verschlafen wir die wirklich große Wende in der Neugestaltung unseres Landes“, erläutert Heynkes.

Dobrindt und Co. würden einseitig die Interessen der Automobilindustrie bedienen. „Die Kompetenz dieser Industrie beruht auf einem einzigen Produkt und auf einer einzigen Technologie – dem Bau von Verbrennungsmotoren. Das ist der einzige Unterschied zum Rest der Welt. Jetzt kommt eine neue Technologie, die nennt sich Elektromobilität und die ist so simpel, dass der altbewährte Kompetenzvorsprung, den man sich seit Ende des 19. Jahrhunderts erarbeitet hat, keine Rolle mehr spielt“, sagt Heynkes.

Kompetenzvorsprung aus dem 19. Jahrhundert geht verloren

Das sei ein echtes Dilemma, denn die alternativen Technologien und Szenarien lassen sich nicht mehr stoppen. Durch das Nichthandeln und verspätete Innovieren geraten wir global zunehmend ins Hintertreffen. Rund 3,6 Millionen Kilometer werden täglich Strecken mit Tesla-Autos zurückgelegt und produzieren so wertvolle Daten für die Konzeption von intelligenten Mobilitätssystemen, die in zehn bis 15 Jahren nichts mehr mit dem Status quo des Individualverkehrs zu tun haben werden. Der weltweit für Aufsehen sorgende Unfall eines Tesla-Fahrers wird nie wieder passieren, wenn alle Fahrzeuge ein Update bekommen. Bei uns wird der Fall instrumentalisiert, um die Mobilitätswende aufzuhalten. Entscheidend ist die steile Lernkurve der selbstfahrenden Systeme.

Teures Blech steht ständig am Straßenrand

Am Beispiel der Stadt Wuppertal skizziert Heynkes eindrucksvoll, warum wir die Zukunft nicht mehr durch einen Blick in den Rückspiegel gestalten sollten. Wuppertal hat 350.000 Einwohner und 200.000 PKW.

„Die Autos fahren aber nicht ständig durch die Gegend, sondern stehen im Schnitt 23,6 Stunden am Straßenrand, blockieren permanent Flächen und kosten aber 24 Stunden am Tag Geld. Das ist das absolute Gegenteil von Effizienz. Jetzt kommt ein neuer Anbieter und sagt: ‚Liebe Wuppertaler, die Mobilität, die ihr zur Zeit mit 200.000 PKW bewerkstelligt, können wir euch problemlos mit 25.000 Schwarm-Mobilen besser erledigen.'“

Solche ‚Fahrzeuge’ haben kein Gaspedal, keine Bremse, kein Lenkrad. Sie sorgen einfach nur für den Transport von A nach B. Man nimmt nur noch solche Dienste via App über eine Flatrate in Anspruch, ohne überhaupt noch eigene Autos zu besitzen. Keine KFZ-Steuer, keine Versicherung, keine Inspektion, kein Kauf von Sommer- und Winterreifen, keine nervige Parkplatzsuche, keine horrenden Gebühren im Parkhaus und keine teure Benzinbetankung in Abhängigkeit vom Ölkartell. Die Schwarm-Mobile sind lautlos, sauber, umweltfreundlich, dezentral verfügbar und sicher.

Schwarm-Mobile werden alles verändern

Der Zuwachs an Komfort und Lebensqualität durch Schwarm-Mobilität wird alles verändern. 90 Prozent weniger Unfälle, 90 Prozent weniger Werkstätten für Reparaturen, 90 Prozent weniger Taxifahrer, 90 Prozent weniger ADAC-Mitglieder. „Durch eine vernetzte Technologie zur Verbesserung unserer Mobilität ändern sich unfassbar viele Parameter – mit negativen und positiven Folgen, die die Politik jetzt durchdenken muss“, fordert Heynkes.

Was bedeutet das für die Stadtentwicklung und für die Verkehrsplanung? Stadt muss und darf komplett neu gedacht werden. In Wuppertal gibt es rund 630.000 PKW-Stellplätze, die jeweils rund 12,5 Quadratmeter beanspruchen. Fallen die weg, gewinnt man Flächen, um beispielsweise in Kombination von digitaler Technologie, Hightech-Landwirtschaft und Manufaktur Stadtfarmen mit kleinen Kraftwerken aufzubauen. Die Menschen in den Wohnquartieren bekommen gesunde Nahrungsmittel direkt aus der Nachbarschaft – gestern gewachsen, heute geerntet und morgen gegessen. Und das ohne Transportwege und Belastungen mit Emissionen. Obst und Gemüse können zu hochwertigen Produkten veredelt werden in dezentralen und gemeinwohlorientierten Organisationsformen. All das steckt in der Mobilitätswende, aber nicht in den Köpfen der Industriepolitiker und Lobbyisten. Das Notiz-Amt fordert mehr Utopien in der Politik.


Image „traffic“ by pixaoppa (CC0 Public Domain)


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Der UX-Day 2016 – einen intuitiven Zugang zu Technologien schaffen

ux-day-logo

Vom 13. – 14. Oktober fand das zehnte Mal die Veranstaltung UX-Day in Mannheim statt. Das Event ist mittlerweile zu einem der wichtigsten für alle geworden, die beruflich oder privat mit User Experience zutun haben. Das Event war bereits nach kurzer Zeit ausverkauft, was wohl an den diesjährigen Speakern und dem vorgesehenen Programm lag.

Die Themen in diesem Jahr waren sehr vielseitig und reichten von E-Commerce über Marketing bis zu Industrie und Internet of Things. So haben beispielsweise UX Consultant Claire Rowland und Robert Stulle von der Agentur Edenspiekermann einen Ausblick darauf gegeben, welche Herausforderungen und Möglichkeiten das Internet of Things und Smart Homes für UX Designer liefern.

Team Facilitator Kira Krämer hat einen Einblick in das Themenfeld Ethnographic Design Research gegeben und dazu aufgefordert, mehr auf Nutzer zuzugehen und nutzerzentrierte Innovationsansätze in Unternehmen zu fordern. Dozent und Markt- und Mediaforscher Dirk Engel hat in seinem Vortrag ermahnt, den Fokus in der Werbung nicht nur auf die Aufmerksamkeit des Zuschauers, sondern auch auf die Usability des beworbenen Produkts zu legen. Usability-Forschung sei für die Werbung ebenso relevant wie für viele andere Bereiche, betonte Engel.

Natürlich war auch Virtual Reality ein großes Thema auf dem UX-Day: Dr. Thies Pfeiffer von der Mediablix IIT GmbH hat gezeigt, welches Potenzial in VR im Bereich der Prototypenentwicklung liegt und wie sie bei der Evaluation von Nutzerschnittstellen helfen kann.

Etwas kritischer mit den Entwicklungen des 21. Jahrhunderts haben sich Franziska Dolak von Siemens und Dr. Daniel Ullrich von der Ludwig-Maximilians-Universität in München auseinandergesetzt: Wie werden wir in Zukunft arbeiten, wohnen und leben und wie können wir dabei menschlich bleiben? Und welche Auswirkungen hat der Selfiewahn und die ständige Erreichbarkeit auf unser Glücksempfinden?

Außerdem hat Cristián Acevedo erklärt , wie gutes Storytelling für UX aussehen sollte und welche Anregungen man sich dafür aus Hollywood holen kann. Wie eine gute Usability und eine ausgereifte Digitalstrategie das Markenbewusstsein der Konsumenten verbessern, hat Jean-Philippe Defiebre anhand des Imagewandels von Sixt verdeutlicht.

Am zweiten Tag fand die UX-Masterclass im Kreativwirtschaftszentrum C-Hub statt. Hier wurden drei verschiedene Workshops angeboten:

Design Thinking & Personal Barriers to Digital Transformation,

User Story Mapping – Hands on Training

und die Sprache der Stifte – Visual Thinking.

Am Ende jedes Workshops stand eine Abschlusspräsentation, bei der jeder zeigen konnte, was er bei der UX-Masterclass gelernt hat.

 

 

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Netzpiloten sind Partner der OPEN! 2016

Bereits zum zweiten Mal findet die OPEN! 2016 statt – die Konferenz für digitale Innovation. Hier treffen Unternehmer, Denker, Verwaltungsexperten und Forscher aus ganz Deutschland aufeinander, um die Frage nach der Disruption zu klären: Wie einschlägig sind offene Systeme heute, morgen und in der Zukunft?

Für alle Interessierten gibt es ein umfangreiches Programm mit wissenswerten Themen, welches sich in vier Panels gliedert. In diesen Panels werden die Bereiche Industrie, Wissenschaft und Forschung, Kultur- und Kreativwirtschaft und die öffentliche Verwaltung angesprochen. Hierbei kann jeder an verschiedenen Vorträgen und spannenden Workshops teilnehmen von Referenten wie beispielsweise Karsten Panier oder Dr. Steffen Evers.

Die Konferenz werden Prof. Dr. Sabine Brunswicker – unter anderem Projektleiterin für Innovationsmanagement am Fraunhofer IAO Stuttgart – und Dr. Holger Schmidt, dem Chefkorrespondent mit Schwerpunkt Internet für das Magazin FOCUS, als Keynote-Speaker eröffnen und die Teilnehmer den Vormittag über begleiten, bis es dann am Nachmittag in die einzelnen Panels geht.

Aber danach ist noch nicht Schluss: Die Teilnehmer finden sich am Abend noch einmal zusammen, denn dann wird der Open Source Business Award verliehen – der Innovationspreis der OSB Alliance, bevor es dann ins Get-Together übergeht, wo sich noch einmal alle miteinander austauschen können.

+++ Das Gewinnspiel ist beendet +++

Wer diesen spannenden Tag voller Innovation nicht verpassen möchte, der kann bei uns Tickets gewinnen. Hierfür müsst ihr nur eine Mail mit dem Betreff OPEN! 2016 an gewinn@netzpiloten.de senden. Dafür habt ihr Zeit bis zum 15.11.2016 um 16 Uhr. Die Gewinner werden selbstverständlich von uns benachrichtigt. Wir wünschen viel Glück!

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Die künstliche Hilfskraft: Wie ein Roboter jedes unserer Bedürfnisse errät

Banksy NYC, Coney Island, Robot (adapted) (Image by Scott Lynch [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Sie ist da – die Welt, in der Hilfsroboter mit uns leben, uns durch den Tag bringen und sogar unsere Freunde werden. Science-Fiction wird zur wissenschaftlichen Tatsache.Wie der Science-Fiction-Autor William Gibson offenkundig bemerkt hat: „Die Zukunft ist bereits hier – sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt.“ Die Nachfrage nach Hilfs-Robotern boomt, und sowohl die akademische als auch die industrielle Welt und das Militär machen Überstunden, um den Bedarf zu decken, während eine völlig neue Industrie an Fahrt gewinnt. Die Nachfrage wird durch die Existenz dieser langweiligen, schmutzigen und gefährlichen Jobs angekurbelt, die trotzdem gemacht werden müssen. Also durch dieser schlecht bezahlten Jobs, die als unter der Würde eines Menschen angesehen werden, zumindest in der entwickelten Welt. Was gäbe es also besseres als einen lebensechten Roboter, um uns von dieser Schufterei zu befreien?

Gute Gesellschaft

Natürlich müssen Roboter auch eine angenehme Gesellschaft sein, wenn wir sie in unser Leben lassen, unser Zuhause und unseren Arbeitsplatz mit ihnen teilen und sie Dinge für uns tun lassen sollen. Diese Anforderungen gelten für alle Roboter, nicht nur diejenigen, die laufen und sprechen, sondern auch für künstliche Intelligenz, die in größere Systeme oder das Internet integriert sind. Benutzerfreundlichkeit wird durch natürliche Sprache und affektives Berechnen erreicht, die es der KI erlaubt, Sie „kennenzulernen“, indem sie den Zyklus Ihres emotionales Zustands durch eine Ableitung Ihrer Stimmlage oder Körpersprache im Laufe der Zeit erkennt. Die Großen in der Technikwelt, wie etwa Google, Microsoft, Apple und Facebook, stecken großen Aufwand in Softwares, die Sprache verstehen können und als sogenannte Chatbots bekannt sind. Sie werden als die nächste große Sache angesehen. Der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, Satya Nadella, sagte auf der Build-Konferenz in San Francisco im März, dass Chatbots, oder „Konversation als eine Plattform“, die nächste große Sache im Programmieren wäre, genauso wichtig wie der Wechsel zu graphischen Benutzeroberflächen, dem Webbrowser und Touchscreens. Das ist ein hoher Anspruch, nachdem viele sagen würden, dass dies wichtige Entwicklungsschritte der Interaktion zwischen Mensch und Computer sind. Chatbots bergen das Potenzial in sich, Computerressourcen für nicht-technische Benutzer leicht erreichbar zu machen. Man kann einen Chatbot nutzen, um einen Termin auszumachen, das Auto zur Inspektion anzumelden, Blumen für den ganz besonderen Jemand zu kaufen, einen Urlaub zu buchen, eine Wohnung zu finden oder besondere Interessen auszuleben. All dies wird möglich werden, wenn man einfach einen natürlich sprechenden digitalen Assistenten danach fragen kann, dies zu erledigen. Unter dem Deckmantel von Microsofts Cortana, Facebooks M, Apples Siri, Amazons Alexa und all denen, die noch kommen, werden sich diese kleinen Chatbots einschmeicheln und die Kontaktstelle zwischen Ihnen und den vielen Arbeiterrobotern sein. Sie werden wie eine Kombination aus Vorstandsassistent und Concierge sein, ein enger Vertrauter, der Ihre Bedürfnisse vorhersieht und die Aktivitäten der Vertreter auf einer niedrigeren Ebene reibungslos koordiniert, während diese ihrer Arbeit in der Cloud nachgehen.

Die Poeten von Silicon Valley

Schriftsteller finden heutzutage einträgliche Beschäftigungen in der Welt der Spitzentechnologie, wie neulich in der Washington Post berichtet wurde. Autoren, die einst Drehbücher und Gedichte geschrieben haben nutzen ihr Talent nun, um liebenswerte Charaktere für Chatbots zu erschaffen und ihnen coole Dinge einzupflanzen, die sie sagen können. Die neue Rasse intelligenter digitaler Assistenten sieht gut aus, klingt gut und werden unterstütz durch die neuste KI. Da der Trend hin zur Integration von Geräten in verschiedenen informationstechnologischen Umgebungen geht und den Menschen somit Zugang zu ihren Cloud-verbundenen Anwendungen und Daten über Plattformen hinweg gibt, ist es angemessen, zu erwarten, dass Ihr digitaler Assistent mit Ihnen geht, wenn Sie von einem Gerät zum nächsten wechseln oder von einem Ort zum anderen gehen. Wenn Sie beispielsweise Ihr Zuhause verlassen und in Ihr selbst fahrendes Auto steigen, das seine Batterien mit der Energie der Solarzellen auf Ihrem Dach selbständig geladen hat, wird derselbe digitale Assistent, mit dem Sie in Ihrem Heimarbeitsplatz interagiert haben, zur Stimme in Ihrem Auto werden, der Sie nun die Richtung ansagen. An einem bestimmten Wochentag wird das Auto Sie, wohlwissend, dass Sie zu dieser Zeit an diesem Tag normalerweise zur Arbeit fahren, in einem angemessen gesprächigen Tonfall fragen, ob dies Ihr Ziel ist, so wie es jeder gute Chauffeur tun würde. In der Folgewoche werden Sie ins Auto springen und es bitten Sie zur Arbeit zu bringen, aber der digitale Assistent wird sie an Ihren Arzttermin in Ihrem Kalender erinnern und sollten Sie nicht stattdessen dorthin fahren? Auf dem Weg zu dem Termin werden Sie einige Emails, die der Assistent verfasst hat, überprüfen und versenden. Sie haben außerdem die Zeit, die Inhalte eines Antrags zu diktieren, mit Hilfe Ihres wissenschaftlichen Mitarbeiters/Fahrers. Die Vorstellung eines intelligenten, natürlich sprechenden Assistenten wird trotzdem wahrscheinlich die vier Stadien der Ideenakzeptanz durchlaufen, wie sie durch den Britischen Genetiker John Burdon Sanderson Haldane beschrieben wurden:

  1. Das ist wertloser Unsinn
  2. Das ist eine interessante, aber abwegige Sichtweise
  3. Das ist wahr, aber ziemlich unwichtig
  4. Ich hab’s doch immer gesagt!

In etwa fünf, vielleicht auch erst in zehn Jahren, wenn wir unsere Skepsis überwunden haben und auf unsere digitalen Assistenten angewiesen sind, werden wir uns wundern, wie wir überhaupt jemals ohne sie zurecht gekommen sind. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Banksy NYC, Coney Island, Robot“ by Scott Lynch (CC BY-SA 2.0)


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HoloLens & Co: Die Mixed Reality-Revolution

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Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie, die sich im Vorfeld der Konferenz MSFT Explained (am 27. September in Berlin) mit Fragen der Digitalisierung unserer Gesellschaft auseinandersetzt.


Virtual und Augmented Reality sind zu Hause und im Beruf mehr als nur Zukunftsmusik: Für die wissenschaftliche Arbeit, das Training der Mitarbeiter, für Produktentwicklung und Vertrieb und natürlich Unterhaltung und Freizeit. Wie vielfältig die neuen Technologien eingesetzt werden können, ahnen bislang nur wenige. Was verändert sich und wer macht sich die Technologie heute schon zunutze?

Die neue Realität

Was wir sehen, ist die Realität. Oder nicht? Um uns herum fliegen Nanodrohnen, die in Echtzeit die ganze Welt aufnehmen. Monströse Rechenzentren setzen Avatare in diese Welt, die sich bewegen wie echte Menschen. Und ein Chip im Kopf der realen Menschen setzt alles zusammen, die reale Welt und die virtuelle. Dass ein Mensch gar nicht real da ist, merken wir nur daran, dass wir ihn nicht berühren können.

Diese Welt hat Jens Lubbadeh erschaffen. In seinem großartigen Roman „Unsterblich“ soll es schon 2044 so weit sein. Er nennt das „Blended Reality.“ Utopie? Oder denkbare Zukunftsvision? Vielleicht von beidem ein bisschen.

So weit sind wir noch nicht, aber wir sind in der Sache mit den Realitäten doch viel weiter, als man denken könnte. Wer sich die HoloLens von Microsoft aufsetzt, sieht im realen Raum vor sich einen Gewichtheber, dessen Muskeln ziemlich real aussehen und nach dem Lehrbuch die lange Hantel hochstemmt. In dieser Demo scannt die HoloLens den Raum, setzt den Gewichtheber hinein und der Nutzer sieht beides gleichzeitig, als würde sich dort wirklich gerade einer abmühen. Irritieren könnte, dass er gerade einmal fünfzig Zentimeter groß ist. Er kann aber mit nur ein, zwei Sprachbefehlen auch 1,80 Meter groß werden. Und steht dann in Lebensgröße im Raum.

Diese Verbindung aus Realität und Projektion: Microsoft nennt sie „Mixed Reality“. Möglich machen sie eine ganze Menge Sensoren in der Brille und sie ist damit fünf Schritte weiter als die bisherigen Virtual-Reality-Brillen, in die wahlweise ein handelsübliches Smartphone geschoben wird oder die selbst Prozessoren in sich haben, nicht aber Sensoren. Und schon gar nicht die reale Welt mit hinein lassen. Die HoloLens ist eine Brille, die der Google Glass sehr ähnlich ist.

Erinnert sich noch jemand? Das Geschrei war groß, markttauglich ist sie nie geworden und jetzt ist es schon lange Zeit still um sie. Aber die Google Glass hat den Weg bereitet für eine Realität, die durch zusätzliche Informationen erweitert werden konnte. Heute ist fast alles „virtuelle Realität“, was irgendwie mit solchen Brillen zu tun hat. Wenn man es aber genau nimmt, kann man drei Felder unterscheiden.

Die „Augmented Reality“ (AR), bei der auf die reale Welt eine zweite Lage gelegt wird, die mir zusätzliche Informationen gibt. Apps zum Beispiel bauen die Berliner Mauer wieder auf und zeigen am realen Ort auf dem Smartphone-Screen, wie es dort vor Jahrzehnten war. Die echte „Virtual Reality“ (VR) bezeichnete bislang vor allem Computeranimationen. 3D-Welten wie in Egoshootern, die sehr computeranimiert aussehen, in der man sich als Nutzer aber frei bewegen kann. Dann ist vor kurzer Zeit das 360°-Video dazu gekommen, das die reale Welt abfilmt und dem Nutzer zumindest die Möglichkeit gibt, sich zu allen Seiten umzuschauen – auch wenn sie sich nicht bewegen konnten.

Heute werden beide Begriffe in einen Topf geworfen. Fachkundige behaupten, dass der Nutzer mehr Entscheidungsfreiheit habe, als wenn er nur einen flachen Screen vorgesetzt bekommt. Die sogenannte „Mixed Reality“ ist die neueste dieser Entwicklungen, und wohl mit die komplizierteste. Aber gerade diese Verbindung aus realer und virtueller Welt schafft Möglichkeiten, die noch richtig spannend werden können. Die Realität wird erweitert, also angereichert. „Enhanced Reality“, sozusagen.

In der Medizin gibt es schon erste Prototypen, mit denen man den Körper in 3D vor sich sehen kann. Der Medizinstudent, der nicht mehr vom Screen lernt, sondern um den Körper herumlaufen kann, sieht, was wo liegt; der Chirurg, der über dem realen Körper auf dem Operationstisch einblenden kann, wo welche Adern und Gefäße entlang laufen: Noch stecken diese Technologien am Anfang. Gerade der Endverbraucher ist enttäuscht von dem, was er bisher gesehen hat. Gamer, die sich Monatelang auf die Oculus Rift gefreut haben, legten sie nach ein paar Tagen mit der virtuellen Realität wieder in den Schrank. Warum? Die Grafik hat den Stand von vor zehn Jahren, Gamer sind da anderes gewohnt. Die Prozessoren können mit den vielen Variablen der virtuellen Realität aber noch nicht so gut umgehen, der menschliche Körper irgendwie auch nicht. Es wird einem doch schwindelig, der Nacken schmerzt nach ein paar Stunden auch.

Aber es wird kontinuierlich weiter geforscht. In ein paar Projekten ist man mit der Brille nicht mehr an Sofa und Joystick gefesselt. Der Nutzer kann durch den virtuellen Raum laufen. Setzt er seinen realen Fuß nach vorn, geht auch sein Avatar einen Schritt weiter. Durch diese Kopplung von Augen und Körper kann der Kopf noch schlechter auseinander halten, was real ist und was nicht. Möglich ist das dank einer Tracking-Technologie, die den Nutzer im Raum verortet.

In den USA arbeitet The Void daran, auch in Deutschland gibt es ein solches Projekt. Das Fraunhofer IIS in Nürnberg hat die Technologie entwickelt, das Startup Holodeck arbeitet nun daran, es als Ausgründung auf den Markt zu bringen. Bis zu 100 Leute können sich mit VR-Brillen auf dem Kopf autark im Holodeck bewegen und sehen auch einander als Avatare. Einsatzgebiete? Wie wäre es denn mit Disneyland? Statt in eine Halle eine aufwändige Themenwelt zu bauen und sie damit für jede andere Nutzung zu blocken, können 3D-Artists am Computer gleich mehrere Experiences bauen. Drei Mal am Tag, jeweils eine andere Show, man muss ja nur die andere Simulation starten. Die Besucher würden sich drei Mal anstellen, um nicht nur durch die Welt von Ratatouille zu laufen, sondern auch Cinderella und das Dschungelbuch zu erleben.

Im Media Lab Bayern haben wir Holodeck als Fellows aufgenommen, das Team arbeitete hier vor allem am Thema Storytelling. Denn gerade in den klassischen Bereichen, in denen Geschichten erzählt werden – Film, Games, Journalismus, hat die neue Technologie genauso viel Reiz wie Probleme. Wie erzähle ich eine Geschichte, wenn der Nutzer selbst entscheiden kann, was er sich als nächstes ansehen, wo er hinlaufen, was er tun möchte? Mehr Autonomität für den Nutzer bedeutet weniger Kontrolle für den Storyteller. Es kann nur noch Angebote geben und eine kluge Anleitung durch das Erlebnis. Mehr Autonomität, und da sind sich alle einig, die schon länger an VR arbeiten, heißt aber auch mehr aktives Interesse des Nutzers. Wie großartig gerade für Felder wie den Journalismus, wo man doch so gern hätte, dass der Nutzer die Themen wirklich erleben und nachvollziehen kann.

Gerade die „Augmented“ – oder auch „Mixed Reality“ ist für Informationsvermittlung und Journalismus wahnsinnig spannend. Eine Ebene mit Informationen liegt über der realen Welt, ich sehe beides gleichzeitig und habe die Informationen direkt verortet.

VR lohnt sich momentan vor allem in der Industrie, denn für den Alltag ist die Technologie noch zu teuer. Computeranimationen, zum Beispiel im Film, sind, trotz immer neuer Entwicklungen, noch immer Mammutprojekte. Wer den Film „Jungle Book“ gesehen hat, weiß, wie gut die mittlerweile sind. Da zittern die Wolfshaare im Wind, wie es die Realität nicht besser könnte. Aber diese Arbeit hat Millionen gekostet, 175 Millionen Dollar, um genau zu sein. Und ist noch nicht einmal interaktiv. Die teure Technik der virtuellen Realität ist daher momentan vor allem dort nützlich, wo teure Maschinen, Geräte oder gleich ganze Gebäude entstehen. Als Computergrafik können Architekt, Autobauer und Ingenieur sich die Produkte schon einmal in realer Größe und Form anschauen, bevor auch nur ein Quadratzentimeter Blech in Form gebogen werden muss.

Der Endnutzer kommt ins Spiel, wenn er teure Dinge kaufen soll und sich mit der Entscheidung schwer tut. Wie wäre es, ihn mit ein wenig Immersion schon einmal auf den Geschmack zu bringen? Beim Hausbau beispielsweise. Bislang gibt es Musterhäuser. Bald gibt es vielleicht nur noch eine Halle und eine Brille. „Die Wand verschieben? Klar, so würde das dann aussehen. Gefällt’s Ihnen? Gehen Sie mal durch!“

Ins Wohnzimmer des Endverbrauchers wird die virtuelle Kauf-Realität dann kommen, wenn man sich mit der IKEA-VR-App das neue Sofa schon einmal in den Raum stellen kann – zumindest so lange man eine Brille auf hat.

Das wird vermutlich gar nicht mehr so lange dauern. Und wer weiß, vielleicht brauchen wir die Brillen irgendwann gar nicht mehr. Sondern haben eine andere Technologie, mit der wir ganz selbstverständlich die Realität um Bilder, Grafiken, Informationen erweitern.
Vielleicht nur nicht gerade mit einem Chip im Kopf, wie bei „Unsterblich“. Wobei…

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Image „Smartphone“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Industrie 4.0 – Gehirn-Vernebelung am Fabriktor

Indtustrie-Skyline (adapted) (Image by Nico Kaiser [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Industrie 4.0 ist nach Auffassung von Thomas Sattelberger der deutsche Kastrat für Digitalisierung. Man könnte auch von einer Gehirn-Vernebelung sprechen. „Die ganze Frage, wie es mit Smart Services aussieht, mit Dienstleistungen allgemein, mit Bildung, Pflege oder Gesundheit, wird total vernachlässigt“, monierte Sattelberger auf der Next Economy Open in Bonn. Es ist tragisch, dass die Industrie 4.0-Prediger im alten Effizienz-Denken der Massenfertigung verharren.

Fordismus verpuffte vor 60 Jahren

Dabei war die Dynamik des fordistischen Produktionsmusters bereits in den 1960er Jahre verpufft, wie der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk „Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945 belegt“. Seit rund 50 Jahren schrumpft die Zahl der Arbeitsplätze in der Massenproduktion. Da ist keine Umkehr in Sicht.

Industrie 4.0-Denkfehler

Wenn wir unsere fabrik-fixierte Nabelschau mit dem ausschließlichen Ziel der Effizienzverbesserung nicht ablegen, schaffen wir keine Perspektiven für neue Arbeitsplätze und für neue Märkte. Am Beispiel der Speed Factory, die Adidas mit dem fränkischen Unternehmen Oechsler realisiert, kann man das eindrücklich nachvollziehen. Ziel ist es, den ‚individuellen’ Schuh in Ansbach zu produzieren. Nur 160 Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren eine halbe Million Sneakers produzieren. Wenn wir uns dabei nur auf den Akt der Fertigung fokussieren, sieht die Beschäftigungsbilanz eher mickrig aus. „Wenn wir blindlings den Protagonisten von ‚4.0’ folgen, gibt es keine Arbeit mehr für die allermeisten in unserer Gesellschaft“, moniert Ralf Volkmer in einem Thesenpapier für den YouBusiness-Talk, der am 6. September in Bonn stattfindet. Ein Denkfehler. Auch der Autor von Lean-Knowledge-Base reduziert den Blickwinkel auf die Fabrikproduktion und sitzt damit im gleichen Boot wie die Industrie 4.0-Denker.

Vernetzung für Kunden

Die Amerikaner machen es anders und nennen dieses Thema ‚Industrial Internet‘, schreiben Andreas Syska und Philippe Lièvre in ihrem Buch „Illusion 4.0“: „Sie vernetzen intelligente Produkte, Supply Chains und Fabriken. Das ist aus unserer Sicht auch der richtige Ansatz.“ Deutsche Ingenieure denken in technischen Schnittstellen. Der Gedankenschritt reicht nur von Maschinen zu übergeordneten Steuerungssystemen. „Wir sehen hierzulande größtenteils fabrikinterne Lösungen….Der eigentliche Sinn der digitalen Vernetzung und ihre enormes Potenzial liegt vielmehr in datenbasierten Geschäftsmodellen und damit außerhalb der Fabrik. Das hat man in Deutschland noch nicht verstanden, weshalb in Deutschland auch nichts Entsprechendes zu sehen ist. Industrie 4.0 kommt hierzulande gedanklich einfach nicht aus dem kleinen Karo der Fabrik heraus“, monieren Syska und Lièvre. In den USA werden Plattformen geschaffen und mit intelligenten Produkten sowie Services vernetzt.

Schnittstellen schaffen keine neuen Märkte

Die Deutschen hingegen tüfteln an Schnittstellen, faseln von höherer Produktivität, ergötzen sich an neuen Maschinen und vertrödeln ihre Zeit mit der Frage, wie man das Ganze technisch ans Laufen bringt. Die Amerikaner fragen, welches Geschäft damit gemacht werden kann. Die Rollenverteilung ist für uns nicht lukrativ. Jenseits des Atlantiks werden die digitalen Claims abgesteckt und das Gold geschürft, Deutschland liefert als verlängerte Werkbank die Spitzhacken und Spaten. Die deutsche Industrie hat sich widerstandslos in die zweite Reihe drängen lassen – zum austauschbaren Hardware-Lieferanten.

Die eigentliche Produktion findet außerhalb der Fabriken statt. Das erkennt man aber nicht, wenn der eigene Denkhorizont am Werkstor endet, führen die Illusion 4.0-Autoren aus.

Rollrasen, Mähdrescher und grüne Beratung

Wir laufen immer noch dem industriekapitalistischen Irrtum hinterher, dass Maschinen und Fabriken das eigentliche Geschäft sind. Sie sind aber nur Mittel zum Zweck. Plattformen und Anwendungen sind der Umsatztreiber. Wir marschieren in kleinen Schritten in ein Desaster, wenn das perfekt produzierte, aber nicht digitalisierte Produkt nicht mehr nachgefragt wird. Die reine Herstellung eines iPhones bringt doch für Apple nicht die Wertschöpfung. Design, nutzerfreundliches Interface, Vertrieb, Marketing, Software-Applikationen und die höchst erfolgreiche Internetplattform iTunes waren entscheidend für den Erfolg von Steve Jobs. Beim Landmaschinenhersteller John Deere war man bis in die 1990er Jahre auf den Maschinenverkauf fokussiert. Der Landmaschinenhersteller erkannte frühzeitig die Wachstumspotenziale auf dem gesamten Green Market und kaufte mehrere Unternehmen aus dem Garten- und Landschaftssegment. Aus John Deere wurde JDL. Die frühere Mähdrescherfirma verkauft jetzt Rollrasen, Landschaftskonzepte, Beratung, vergibt Kredite für Gartenbauunternehmen und baute eine Fortbildungsakademie auf. Mit der reinen Maschinen-Zentrierung wäre das Unternehmen schon längst untergegangen.

Die größte Niederlage unserer jüngeren Wirtschaftsgeschichte

Und wer machte und macht aus dem vom Fraunhofer-Forscher Karlheinz Brandenburg erfundenen Musikstandard mp3 in Kombination mit Produkten, Software und Plattform noch mal das größte Geschäft auf diesem Planeten? Das Notiz-Amt kennt die Antwort und sieht dieses Faktum nicht als Erfolgsbilanz einer deutschen Instanz für Grundlagenforschung, sondern als eine der schlimmsten Niederlagen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Man hört, sieht und streamt sich zu dieser Debatte am 6. September um 16 Uhr.


Image (adapted) „Industrie-Skyline“ by Nico Kaiser (CC BY-SA 2.0)


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Digitale Berater und ihre Lutschpastillen-Wirkung

Office (Image by Unsplash (CC0_Public Domain) via Pixabay)

Berater des digitalen Wandels sind merkwürdige Gestalten. Sie hämmern Begriffe, PowerPoint-Folien, Best Practice-Beispiele, Benchmarks, Empfehlungen für das Prozessmanagement und technokratisch-ganzheitliche Werkzeuge in den Raum und bleiben dabei Diener des alten Systems. In ihrer Wissensanmaßung vermitteln sie Gewissheiten und goldene Erfolgsregeln mit der Halbwertzeit von Hustinetten-Lutschpastillen. Egal, ob es um Industrie 4.0, Content Marketing, Unternehmensgründungen oder Transformationstools für Mittelständler oder Konzerne geht, sind die Consultants eher Agenten des Stillstands. Die Angst der Mächtigen in Organisationen korreliert mit der Angst und dem Opportunismus der Berater um ihre Pfründe, meint der Jurist Kurt August Hermann Steffenhagen.

„Wilde“ Ideen mit Prozess-Management

Beide Seiten – also Berater und Klient – agieren im Steuermann-Modus. Sie geben vor, mit der richtigen Navigationstechnik den Kurs auch in rauer See zu halten. Da reden Gartner, McKinsey und Co. von der Notwendigkeit des bimodalen oder trimodalen Managements. In unterschiedlichen Ausprägungen geht es dabei um das normale Tagesgeschäft, um wilde Ideen und um neue Geschäftsprozesse. Wer alle Disziplinen beherrscht, bleibt zukunftsfähig. Blöd nur, wenn das von Top-Managern orchestriert wird, die die Welt nur unimodal betrachten – nachzulesen in der aktuellen Gunter Dueck-Kolumne für die Zeitschrift Informatik Spektrum. Manager kultivieren ihre Liebe zu durchgehenden und einheitlichen Prozessen auch in einer unübersichtlichen Gemengelage.

Aktiver Wandel in alten Schläuchen

Die unimodalen Manager suchen in den Herausforderungen der Netzökonomie nach einer neuen Normalform, „die dann wieder durch neue einheitliche Prozesse beschrieben werden kann“, erläutert Dueck und schreibt weiter: „Change Management beschäftigt sich mit dem aktiven Wandel von einer Normalform in die andere. Dann – so stellt sich das ein MBA und vielleicht ein Fertigungsingenieur vor – geht alles seinen neuen, gemächlichen Trott weiter.“

Der digitale Wandel wird nicht funktionieren, wenn Führungskräfte mit ihren unimodalen Vorstellungen vom prozessorientierten Geldverdienen das Sagen haben. CEOs, CIOs und die anderen CxOs befassen sich vorwiegend mit dem Tagesgeschäft. Unterbrochen wird die industriekapitalistisch geprägte Routine mit Exkursionen ins Silicon Valley, die man sich von speziellen Beratern organisieren lässt. Da staunen dann die DAX-Chefs über die Visionen der amerikanischen Entrepreneure, bewundern selbstfahrende Autos, schwärmen von den Faktor Zehn-Projekten eines Mark Zuckerberg und erkennen, dass irgendetwas im Heimatland fehlt.

Ein halber Tag für Design Thinking

„Jetzt würde man denken, es müsste ein Ruck durch Deutschland gehen. Was aber geschieht nach dem großen Schreckbeben in Kalifornien? In den deutschen Konzernen bekommen jetzt alle Mitarbeiter einen halben Tag gute Ratschläge, wie Design Thinking geht“, bemerkt Dueck. Am Nachmittag geht es dann wieder um das Brot-und-Butter-Geschäft. So sieht bimodal oder trimodal in der Praxis aus.

Daran wird sich nichts ändern, wenn die digital-transformatischen Berater in Teutonien auf ihren Keynote-Präsentationsfolien die immer gleichen Schreckbeben-Beispiele von Uber und Konsorten ins Auditorium senden und nach ihrer Bühnenshow Visitenkarten, gesponserte Büchlein und Workshop-Angebote für das digitalisierte und holistische Management feilbieten.

Konsultanten für das Management von Gelegenheiten

Aus Beratern sollten wieder Konsultanten werden, die nicht im Best Practice-Gewand irgendwelche Gewissheiten verkaufen. Sie sollten eher Ungewissheiten vermitteln, wie sie der Philosoph Peter Sloterdijk in seiner prä-nationalistischen Lebensphase vor einigen Jahren in der „Revue für postheroisches Management“ beschrieben hat.

Beispielsweise die Diskontinuität als Element der Beratung. So versucht man in den chinesischen Klugheitslehren den Faktor der Entscheidung auszuschalten, um sich beim Handeln ganz von der Macht der Umstände und ihrer Neigungen tragen zu lassen. Handeln durch Nichthandeln. Damit würde man sich schon mal von einem prozessgetriebenen Aktionismus abkoppeln.

In den Ideenlaboren der Renaissance verbündeten sich die Konsultanten mit der Unberechenbarkeit. Unternehmerische Menschen gelangen nicht durch Prinzipientreue zum Erfolg, sondern dank ihrer Geistesgegenwart und ihres Sinns für das Glücksangebot. Es zählen nicht Prozesse, sondern das Erkennen von Gelegenheiten. Das Notiz-Amt hält übrigens den Hofnarr immer noch für den besten Berater. In seinem Zentrum steht die Störung von Abläufen sowie der Anstoß zur Selbsterkennung und nicht pseudo-rationale Steuerungslehren.


Image „Office“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Deezer denkt europäisch, sucht aber nach globalen Antworten für die Zukunft

Man with Headphones ? (adapted) (Image by Sascha Kohlmann [CC by 2.0] via flickr)

Es sind die europäischen Startup-Zentren, die die weltweite Innovationskultur vorantreiben – so wünscht es sich zumindest die hiesige Politik und versucht ein wirtschaftliches Umfeld zu schaffen, indem überhaupt noch Konkurrenz zu den bisher den Lauf der Dinge bestimmenden Unternehmen aus den USA entstehen kann. Am besten noch, bevor die asiatischen Unternehmen mit ihren Millionen an Nutzern neue globale Standards setzen. Beim Streaming von Musik sieht die europäische Bilanz eigentlich ganz gut aus. Mit Spotify aus Stockholm, dem Berliner SoundCloud und Deezer aus Paris kommen gleich drei große Streaming-Anbieter, die in Konkurrenz zu Apple und Google stehen, aus Europa. Das ist bei der europäischen Kulturpolitik nicht immer ein Vorteil. Daniel Marhely, der zuvor das Projekt Blogmusik.net gestartet hatte, gründete im Jahr 2007 mit Deezer den ersten legalen Streamingservice Frankreichs. „Wir sind natürlich gerne europäisch“, erkärt Gerrit Schumann, Chief International Officer bei Deezer, beim Interview im Berliner St. Oberholz. Der Gründer des deutschen Online-Musikdienst Simfy ist Ende 2013 als Vice President Europe zu Deezer gekommen, welches im vergangenen Jahr dann auch noch die Nutzer von Simfy übernahm, nachdem das Unternehmen den Dienst einstellte. Die Herkunft ist für Schumann aber nicht entscheidend, viel mehr spielt für ihn das Verhältnis in der Plattform-Landschaft eine entscheidende Rolle.

Ich würde sagen, dass wir ein europäisches Unternehmen sind. Wir sind mit Stammsitz in Paris und 80 Prozent unseres Teams in Europa. Aber ist das jetzt ein Vorteil? Deezer steht gut in den europäischen Märkten dar, aber ist denn die Frage, ob amerikanisch oder europäisch überhaupt wichtig? Es geht eigentlich mehr darum, auch in der Industrie ein gesundes ausgewogenes Verhältnis in der Plattform-Landschaft zu haben.

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Gerrit Schumann, Deezer

Schumann spielt auf den Status Quo der Musikindustrie an. Diese ist in einer starken Abhängigkeit von Google und Apple. Letzeres war es, das damals mit dem iPod und iTunes den Preis von 99 Cent pro Lied festlegte. Die Musikindustrie, damals vom Thema Piraterie besessen, freute sich zumindest, dass es endlich ein technisch gutes Angebot kam, bei dem überhaupt noch für Musik bezahlt wurde. Mit YouTube war Google die Plattform für Musikvideos in den letzten zehn Jahren. Das Verhältnis zu diesen Plattformen ist laut Schumann deshalb ebenso wichtig „für die Musikindustrie, als auch für die Künstler. Darum geht es eigentlich. Das ist entscheidend. Ob wir jetzt europäisch sind oder nicht, das ist daher nicht so wichtig“. Mit mehr Streaming-Unternehmen kann die Musikindustrie auch besser mitreden, zu welchen Preisen ihre Kataloge angeboten werden. Denn der Streaming-Markt wird immer wichtiger für die Musikindustrie:

„Wir sind ein sehr dynamischer Markt. In den letzten Jahren sind wir zu dem geworden, was wir vor fünf Jahren gesagt haben, was es sein wird: der Ort, an dem der Hauptkonsum für Musik stattfindet. Mittlerweile ist der Musikmarkt an sich digital und hat den physischen Markt überschritten – Musikstreaming macht im Schnitt inzwischen 15 Prozent am Gesamtumsatz aus und der Trend schreitet fort.“

Doch auch die Online-Musikdienste sind sich dieser Bedeutung bewusst. Schumann meint, dass man alle zwei Jahre, spätestens aber nach fünf Jahren, die Lizenzstrukturen noch einmal überprüfen sollte. Denn neben der wirtschaftlichen Bedeutung von Streaming verändern sich auch die Produkte der Online-Musikdienste und solche Verträge sollten stets „den aktuellen Bedarf und die aktuelle Marktsituation abbilden“. Bei neuen Produkten arbeitet auch Deezer mit den Plattformen zusammen. Während auch Apple und Google ebenfalls im Streamingbereich aktiv sind, arbeitet Deezer mit beiden Firmen beim Thema Auto zusammen. Deezer ist sowohl bei CarPlay als auch dem Android Auto mit unterwegs. Mit Amazon, das immer mehr auch für den Musikbereich spannende Geräte anbietet, sucht Deezer ebenfalls die Kooperation. Schumann spricht von „Frenemies“ – Freundfeinden. Der Begriff beschreibt das Verhältnis zwischen den USA und Europa oft recht treffend. Doch Unternehmen wie Deezer müssen internationaler denken als geopolitische Konzepte es ermöglichen. Zur Fußball-Europameisterschaft der Männer wird es die aus nationalen Ligen bekannten Livestreams der Fußballspiele geben. Neben Fußball soll es bald auch Content zu anderen Themen geben. Und nicht nur Musik, sondern auch News und Entertainment, wie Schumann aufzählt. Aufgrund der Masse an Content ist für ihn deshalb die Frage wichtig: „Wie bringe ich ihn dem Nutzer eigentlich möglichst einfach näher?“ Deezer setzt zurzeit auch auf Kuration durch die eigene Musikredaktion, das Hauptthema der Zukunft ist aber Personalisierung: Eine internationale Herausforderung für Content-Anbieter.


Image (adapted) „Man with Headphones ?“ by Sascha Kohlmann (CC BY-SA 2.0)


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Einen digitalen EU-Binnenmarkt gibt es nicht

Barrier (Image by HolgersFotografie [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Von EU-Kommissar Günther Oettinger hat man zwar von Anfang an nicht viel erwartet, aber doch einige Hoffnung an ihn geknüpft. Eines seiner Projekte ist es, den digitalen europäischen Binnenmarkt voranzutreiben. Die absurde Situation in Europa heute ist unter anderem, dass es einfacher ist, sich irgendeinen Gegenstand aus Hongkong zu bestellen, als ein digitales Angebot aus dem Nachbarland zu nutzen. Wir sind ein in 28 Enklaven zersplitterter Kontinent. Es herrscht eine aberwitzige Situation: In der digitalen Welt haben wir Grenzen oder errichten neue, die wir im Analogen schon seit Jahrzehnten eingerissen haben.

Mr. Ansip, tear down this wall

Der fehlende digitale Binnenmarkt in Europa ist aber nicht einfach nur ein Wunsch der netflixenden Avantgarde oder ein feuchter Traum der eGovernment-Industrie. Die existierende Zersplitterung kostet uns Milliarden Euros und verhindert wirtschaftliches Potential. Tausende Arbeitsplätze und mögliche Wertschöpfung passieren deswegen nicht.

Das ist ein ernst zu nehmendes Problem. Start-Ups haben einen immensen Nachteil in Europa, denn sie können nicht aus dem Stand einen großen Markt erreichen, wie es ein Rivale in den USA kann, der unmittelbar einen ganzen Kontinent anspricht. Auch nach Überwindung der sprachlichen Hürde bleiben immer noch 28 unterschiedliche winzige Länder zu erobern – ein Aufwand der nicht lohnt. Start-Ups versuchen lieber den Sprung ins Silicon Valley.

Auch andere Freiheiten leiden darunter: Unsere nationalen Ausweissysteme sind nicht zueinander kompatibel, Gesundheitskarten, Gewerberegister und eGovernment-Dienste sind jenseits unserer Grenzen wertlos. Es ist, als hätte der europäische Gedanke den Sprung vom Fax ins Internet nicht geschafft. Dabei wäre es ein geniales Leuchtturmprojekt, diesen Kontinent digital genauso zu vereinen wie analog.

Muss es erst noch schlimmer werden?

Widerstand gegen mehr Binnemarkt-Harmonisierung kommt aus verschiedenen Ecken. Die Verwerterlobby wehrt sich mit Händen und Füßen gegen ein Aufweichen des Territorialprinzips ihrer Lizenzsysteme und Hollywood ist zu blöd, selbst Druck auszuüben, um gleich 28 Länder in einem Rutsch bedienen zu können. Das liegt in erster Linie an der auch 2016 noch sonderbaren Existenz des Systems des linearen Fernsehens. So lange es dieses gibt, bleiben die Unterhaltungslizenzen wirtschaftlich gesehen nach wie vor im alten Konstrukt eben lukrativer.

Dem Starrsinn der Europäer ist es außerdem zu verdanken, dass wir außer ein paar Ausnahmen kaum europaweite Fernsehsender haben. Potpourri statt Wettbewerbsfähigkeit: Was für französische Winzer gilt, gilt leider auch für die europäische Filmindustrie, also wehrt man sich gegen Veränderung.

Nicht nur tut sich trotz (oder wegen) Oettinger wenig beim digitalen EU-Binnenmarkt, es passieren sogar ausgerechnet gegenläufige Entwicklungen. Wir haben zwar keinen digitalen EU-Binnenmarkt, aber die Einschnitte in die Presse- und Meinungsfreiheit, die nun “Recht auf Vergessenwerden” genannt werden, finden bald europaweit Anwendung. Diese Zensur, zusammen mit zunehmender digitaler Überwachung und Vorratsdatenspeicherung, werden sich viel schneller digital europaweit durchsetzen als irgendwelche echten Vorteile für die Bürger.

Die windelweichen Regeln zur Netzneutralität haben auch nicht viel Chancen, immerhin ist der Kontinent von Oligopolen alter Staatskonzerne geplagt (die so eng mit unseren Regierungen verstrickt sind, dass eine unbefangene Regulierung nicht stattfindet), echte Innovation beim Ausbau von Breitbandinternet ist also genauso fern wie eine in diesem Zusammenhang als vergleichbar wünschenswert anzusprechende Harmonisierung beim Zug- oder Energienetz.

Digitale Schlagbäume

Interessante Beispiele, warum im Hintergrund aber dennoch Marktzwänge zu Harmonisierung führen könnten, gibt es durchaus. Amazon hat mit Sicherheit schon ein einheitliches Dot-EU-Angebot in der Schublade. Denn was braucht so ein Handelsriese denn schon umstellen, es muss ja lediglich die Sprache der Oberfläche und die Vorauswahl an Produkten angepasst werden.

Eine Konsolidierung bei den Fernsehsendern ist ebenso wenig utopisch. Ob Bertelsmann, Sky, Mediaset, Vivendi oder Pro7Sat1, der europäische Fernsehdschungel ist längst von wenigen großen Konzernen dominiert, denen eine digitale Harmonisierung langfristig eher zu Gute kommt. Entsprechender Wählerdruck vorausgesetzt, würde dies auch zu einer Öffnung der staatlichen Rundfunksysteme führen. Es macht in den meisten Fällen keinen Sinn, dass deren Angebote online wie offline nicht jenseits der Landesgrenzen funktionieren können oder sollen, immerhin sind diese auch meist noch durch Steuern (England) oder Zwangsabgaben (Deutschland) finanziert, für die die Zahler auch im Urlaub etwas haben möchten.

Wir sind Lichtjahre davon entfernt, annähernd so etwas wie einen digitalen EU-Binnenmarkt zu haben. Einige Entwicklungen bringen diesen schleichend zwar voran, aber in der Regel nicht dort, wo es notwendig und sinnvoll wäre. Die Komplexität digitaler Politik und Wirtschaft erweisen sich als fast unüberwindlich. Der lange Kampf um die europäische Datenschutzgrundverordnung zeigt, dass es bei Internetregulierung fast genauso wenig Konsens gibt wie in der Migrationspolitik. Das Ergebnis beim Datenschutz ist sehr fragwürdig – manche nennen es eine Katastrophe. Die in Kürze startende Kampagne der Europaabgeordneten Julia Reda zur Abschaffung des Geoblocking ist ein gutes Signal, aber wird, denke ich zumindest, genauso erfolglos sein wie ihr Papier zur Urheberrechtsreform.


Image „Barrier“ by HolgersFotografie (CC0 Public Domain)


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Warum die Zukunft auf öffentliche Daten baut

open data (scrabble) (adapted) (Image by justgrimes [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Datenmaterial hat die Macht, die Art der Regierung von Gesellschaften zu revolutionieren und aus dem Gleichgewicht zu bringen. Keines davon wiegt mehr als öffentliche Daten, die freien Zugang bieten, frei zu verwenden sind und von jedem geteilt werden können. Sie sind nicht personenbezogen und können verwendet werden, um umfangreiche Trends und Verhaltensweisen zu identifizieren und vorauszusagen.

Im Gegensatz dazu sind geschlossene Daten auf internen Gebrauch innerhalb einer Organisation beschränkt. Viele Organisationen sehen nun die Vorteile öffentlichen Datenmaterials. Das Open Data Portal der Europäischen Union, die Anstrengungen der britischen Regierung unter dem Namen “Opening up Government und der Globale Open Data-Index sind drei Beispiele für Initiativen, die große Mengen an Daten über Industrie, Gesundheit, Ausbildung und Beschäftigung neben anderen Bereichen zusammenbringen und verfügbar machen.

Andere konzentrieren sich darauf, mehr Transparenz zu schaffen, zum Beispiel hinsichtlich der Verwendung der Steuern aus Großbritannien oder des Verbrauchs der Agrarsubventionen in Europa. Es gibt auch Organisationen wie die Offene Gesellschaft, die stärkere Transparenz fordern, um die Regierung zur Verantwortung zu ziehen.

Die Verfügbarkeit von offenen Daten erzeugt so für alle Formen von Organisationen, Regierungsbehörden und gemeinnützigen Einrichtungen die Möglichkeit, sich neue Wege auszudenken, um die Probleme der Gesellschaft anzusprechen. Diese beinhalten eine vorausschauende Gesundheitsversorgung und die Planung und Verbesserung des öffentlichen Verkehrssystems in London.

“Transport for London” war eine der ersten öffentlichen Einrichtungen, die von öffentlichem Datenmaterial Gebrauch machten, um neue Anwendungen zu schaffen. Mehr als 5000 Entwickler haben sich angemeldet, um ihre Daten zu verwenden, auf 30 Feeds verteilt. Sie betrafen die Reiseplanung, Störungen, Ankunfts- und Abfahrtsvorhersagen, Fahrpläne, Routen und Tarife. Kooperationen unter den Entwicklern haben die beliebte App Citymapper und leicht zugänglichen Apps wie der Colourblind Tube Map hervorgerufen.

Einsicht zu Daten werden lassen

Kooperationen zwischen verschiedenen Partnern können helfen, offenes Datenmaterial von der einfachen Einsicht in eine Tat zu verwandeln. Indes müssen Datenanbieter, Datennutzer und Datenentwickler für ein gemeinsames Ziel zusammenkommen. So beispielsweise bei dem Projekt “Future City Glasgow.

Im Jahr 2013 erlangte das Glasgow City Council 24 Millionen britische Pfund Fördergelder von Innovate UK, um herauszufinden, wie man Technologie und Daten nutzen kann, um das Leben in der Stadt sicherer, intelligenter und nachhaltiger zu machen. Das Projekt basierte darauf, große Mengen nicht-sensibler und nicht-personenbezogener Daten verschiedener Anbieter öffentlich online zugänglich zu machen. Unter Verwendung dieser Daten erschaffen Entwickler neue Anwendungen, die sowohl Organisationen als auch Individuen gleichermaßen nutzen können.

Aktuell sind mehr als 370 offene Datensätze verfügbar, die die Aktivitäten der Stadt abbilden, einschließlich Reise-, Ausbildungs-, Energie-, Gesundheits-, Sicherheits- und demographischen Daten. Diese enthalten Querverweise auf Echtzeit-Daten von CCTV, dem Verkehrsmanagement, der Polizei von Schottland, Durchsetzungsmaßnahmen in den Gemeinden und Notfalldiensten. Jeder Anwohner oder Besucher der Stadt hat Zugang zu einer personalisierten Instrumententafel mit Echtzeit-Aktualisierungen und Informationen, die helfen können, durch die Stadt zu navigieren. Weitere Städte überall in Großbritannien setzen nun Technologien ein, um Vorteile aus öffentlichen Daten zu ziehen.

 

Initiativen wie “Future City Glasgow nutzen öffentliche Daten, um vorausschauende Systeme zu erschaffen, die den Einwohnern Informationen für täglich zu treffende Entscheidungen bereitstellen. Durch das Heranziehen von gemeinsamen Daten können Gemeindeverwaltungen und andere öffentliche Einrichtungen Ressourcen effektiver zur Verfügung stellen um spezifische Probleme vorausschauend zu lösen.

Damit solche Initiativen um öffentliche Daten wirklich funktionieren, ist es essenziell, dass diejenigen, die dahinter stehen, Unterstützung aus der Öffentlichkeit bekommen – um deren Daten freizugeben und um ihr Vertrauen dahingehend zu gewinnen, dass die Daten sicher verwaltet und dort, wo es nötig ist, sachgerecht anonymisiert werden. Sicherheit ist aufgrund von Cyber-Attacken und Datenschutzverletzungen eine große Herausforderung.

Disruption öffentlicher Daten

Die Zukunft des öffentlichen Datenmaterials ist ein gemeinschaftlicher Prozess mit dem Ziel, der Öffentlichkeit Vorteile zu schaffen. Organisationen müssen ihre Daten freigeben und zusammenarbeiten, um neue Nutzungsmöglichkeiten zu erzeugen, die unsere Leben bereichern. Daten über die Muster zu nutzen, in denen wir leben, können uns helfen, Probleme auf eine Weise zu lösen, die wir bisher nicht einmal geahnt haben.

Nehmen Sie zum Beispiel die Stadt Louisville, Kentucky, in den USA. Louisville ist eine der schlimmsten Städte für Asthmatiker. Das Projekt “AIR Louisville versucht dies durch das Zusammenbringen der Gesundheitsmanagement-Unternehmen Propeller Health, dem Institut für gesunde Luft, gesundes Wasser und gesunde Erde und dem öffentlichen Gesundheitsamt der Stadt Louisville zu ändern. Die Lösung ist ein intelligenter Inhalator, der verfolgt wann, wo und wie oft Einwohner der Stadt Louisville Asthma-Symptome verspüren. Zusammen mit Echtzeit-Verkehrs- und Wetter-Daten können diese Informationen den Ärzten und öffentlichen Beamten helfen, Problemgebiete und Auslöser aufzuspüren, um anschließend Schritte zur Verbesserung identifizierter Bereiche einleiten zu können.

In all diesen Fällen lautet das Mittel zum Voranbringen von Innovationen und Hervorbringen neuer Problemlösungen das Bilden öffentlicher Datenpartnerschaften. Sie erfordern Teilnehmer, die bereit dazu sind zu teilen und zusammen an neuen umwälzenden Initiativen zu arbeiten. Viele dieser Initiativen haben schon bewiesen, dass sie für Menschen, Regierungen und Unternehmen von Nutzen sein können. Es herrscht eine neue Ära der größeren Transparenz und Demokratie, in der Daten nicht mehr länger nur in der Hand von Werbefirmen liegen. Das Nutzen öffentlicher Daten präsentiert Möglichkeiten für den Handel, während es außerdem das Gemeinwesen und das tägliche Leben der Bürger verbessert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “open data (scrabble)” by justgrimes (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Karriere im Kreisverkehr der Deutschland AG

Händeschütteln (Image adapted by geralt (CC0 Public Domain) via Pixabay)

In der Deutschland AG funktioniert das klassische Unterstützer-Netzwerk noch außerordentlich gut. Man trifft sich in lauschigen Eckchen in Kitzbühel, Davos, St. Moritz, auf Sylt oder kraxelt vier Tage mit Ex-McKinsey-Chef Herbert Henzler in den Alpen herum. Da laufen die Deals und Absprachen, da werden Wechsel besprochen und eingeleitet, da sichern sich die Top-Manager ihre Karriere ab.

Zwar sind die Unternehmen nicht mehr aneinander beteiligt wie früher. Aber in den Aufsichtsräten der großen Konzerne hat das alte Bündnis durchaus Bestand: Die immer gleichen Köpfe tauchen in etlichen Kontrollgremien auf. Ihr Erkennungsmerkmal: Sie sind männlich, meist im Rentenalter und blicken auf eine lange Erfahrung als Topmanager zurück, so das Handelsblatt.

Corporate Deutschland habe es versäumt, rechtzeitig für geeigneten Nachwuchs zu sorgen. Das werde allmählich in Vorständen und Aufsichtsräten zum Problem: “Ex-SAP-Finanzchef Brandt übernimmt bei RWE, Wolfgang Reitzle kehrt gerade zu Linde zurück. Beide sind Multi-Kontrolleure geworden. Die Deutschland AG bewegt sich – wenn auch nur im Kreis”, schreibt das Handelsblatt.

Rorsted und der Wechsel mit Ansage

In diesem Kreisverkehr gibt es aber wahre Meister, die perfekt auf der Karriere-Klaviatur spielen können. Zu ihnen zählt der 53 Jahre alte Henkel-Vorstandschef Kasper Rorsted, der am 1. August 2016 zu Adidas wechseln wird, um zwei Monate später den Vorsitz von Herbert Hainer zu übernehmen, der ein halbes Jahr vor Auslaufen seines Vertrags im März 2017 ausscheidet. Klare Verhältnisse, perfektes Timing und wohl ein von langer Hand vorbereiteter Coup, der Rorsted zur Avantgarde der Wechselkünstler macht.

Wie das funktioniert, hat der Organisationswissenschaftler Christian Scholz bereits 2013 in seinem FAZ-Blog “Per Anhalter durch die Arbeitswelt” erahnt: “Bevor irgendetwas anderes auch nur irgendeine Rolle spielt, muss das Interesse potenzieller Arbeitgeber geweckt werden.” Man muss direkt oder indirekt beweisen, dass man ein ganz Großer ist. Etwa in einem Bericht des Manager Magazins:

Henkel-Vormann Kasper Rorsted hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er sich als Manager mit ausgeprägtem Tatendrang sieht. Er trieb die Rendite des Düsseldorfer Markenartiklers (Persil, Pritt, Schwarzkopf) nach oben, trug einen Berg von Schulden ab und sorgte dafür, dass die Öffentlichkeit das auch mitbekam. Stichwort “Danish Dynamite”.

Zur Sicherheit sollte am Ende der Bewerbung noch ein kleiner Hinweis darauf stehen, dass der Kandidat in der operativen Marge bereits “auf 14,9 Prozent” geklettert ist und damit bereits über dem Ziel liegt. Schwieriger wird es nach Auffassung von Scholz, die Wechselabsichten zu begründen, wenn man doch bei seinem alten Arbeitgeber ein so großer Hecht ist:

Dieser Schritt ist schon kniffliger, wird aber hier als kommunikative Meisterleistung absolviert. Ohne auch nur irgendein Stückchen schmutzige Wäsche zu waschen, liest man, dass Kasper Rorsted gerne expandieren möchte, die Henkel-Familie lieber auf Nummer sicher gehen will.

Im O-Ton klingt das im Manager Magazin so:

Offenbar hat sich das Verhältnis zwischen Rorsted und dem Henkel-Clan, der die Mehrheit an dem Waschmittel-, Kosmetik- und Klebstoffkonzern hält, in jüngster Zeit etwas eingetrübt. Rorsted möchte expandieren, akquirieren, Risiken eingehen, die Henkel-Familie rund um Oberhaupt Simone Bagel-Trah dagegen lieber auf Nummer sicher gehen.

Der BWL-Professor genießt und schweigt nicht ganz: “Und dass rein zufällig auf der gleichen Seite ein Foto der Ex-Henkel-Managerin Tina Müller mit dem Hinweis ‘Neuer Style’ prangt, ist für Insider ebenfalls mehrdeutig eindeutig”, schreibt Scholz in seinem Blogpost.

Wohin die Reise hingehen sollte, hat der forsche Däne sehr geschickt offen gelassen. In seiner Blindbewerbung “An: Alle” meinte er wirklich “An: Alle”. Man liest, dass er gerne zum Industrie-Riesen Linde wechseln würde, sich aber auch die Leitung des Kristallkonzerns Swarovski quasi an der Seite von Karl-Heinz Grasser vorstellen könnte. Offener könne man eigentlich nicht sein. Lediglich eine gewisse Präferenz für den deutschsprachigen Süden “verfügt … bereits über eine standesgemäße Bleibe in München”, lässt Rorsted verschmitzt durchblicken. Mit Herzogenaurach ist auch dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.

Und selbst das Signal von Demut und Bescheidenheit in Zeiten der Gier hat der neue Drei-Streifen-Topmanager bedient: Damit meint Scholz den Manager Magazin-Satz: “Selbst einem Assessment-Center-Test der Personalberatung Egon Zehnder hat sich Rorsted unterzogen”.

So etwas sei der unumstößliche Beweis, für einen guten Job die Extra-Meile zu gehen – vor allem, wenn man sich die methodische Fragwürdigkeit dieser Testreihen vor Augen führt, die Rorsted sicher kennt, da er dem Personalmanagement immer schon sehr nahe stand. Was sollen die Zweifel: “Ein Mann wie eine Maschine”, stellt sich jeder Herausforderung und ist für jede Prüfung bereit. Für den BWL-Professor Scholz schließt sich der Kreis. Für Rorsted auch. Käme der Wechselkünstler nicht aus Dänemark, müsste man ihn zur Strategem-Schule in China rechnen – also zur Lehre der 36 Strategeme des Meisters Sanshiliu Ji aus der Zeit um 1500. Etwa bei der Anwendung des Strategems Nummer Sieben: “Aus einem Nichts etwas erzeugen.”

Das Ausmünzungsstrategem

Nun ist die bisherige Rorsted-Karriere mehr als Nichts. Es geht dabei um die Veränderung seiner Position. Immerhin brauchte der Henkel-Mann rund drei Jahre, um seine Bewerbungstournee abzuschließen. Nennen wir es freundlich “schöpferisches Vorausdenken”. So sieht es der Sinologe Harro von Senger.

Setzt man das Strategem Nummer Sieben als Ausmünzungsstrategem ein, dann macht man sich das schier unerschöpfliche Potenzial der vom Menschen noch ungeformten Wirklichkeit zunutze. Dank einer Vision, also zunächst eines Luftgebildes, die man in die Wirklichkeit überführt, gelangt man zu einem Erfolg oder spielt man ein Gegenüber aus.

Gerade das Geschäftsleben sei ein Wettstreit der Kreativität. Die Konkurrenz werde durch kühne, in Leer-Räume vorstoßende Ideen und mit schöpferischem Vorausdenken überflügelt und nicht mit dem Alltagstrott-Management:

Es gilt, die unglaublich vielfältige Gestaltbarkeit des Wirklichen – etwas, was listenblinden Schlafmützen entgeht – mit Hilfe menschlicher Fantasie auszuloten und zu verwerten, erläutert von Senger.

Rorsted ist ein Champion des Ausmünzungsstrategems – mit der Geste der Entschlossenheit spielt er über Bande, um sich selbst ins Gespräch zu bringen und um im Gespräch zu bleiben. Selfie-Botschaft: Wer dazugehören will, muss erst einmal leiden!

Aufreibende Selektionsprozesse, Interviewmarathons und tagelange Gehaltspoker sind mythenbehaftete Initiationsriten, die den Ruf der Konzernmanager als auserwählte Führungsfiguren begründen. Die Botschaft lautet: Nur diejenigen, die willens sind, alles zu geben, dürfen hoffen, mitmachen zu können, erklären Joerg Bartussek und Oliver Weyergraf in ihrem Opus “Mad Business”, erschienen im Hanser Verlag.

Kalenderweisheiten in der Deutschland AG reloaded

Die “Operation Kronprinz” mache nie Pause! Neben der chinesischen Strategem-Kunde haben auch klassische Kalenderweisheiten im Konzernwesen Bestand. Immer dahin gehen, wo es weh tut. Denn nur gute Arbeit zu leisten reicht nicht aus: “Wer ganz oben mitspielen will, muss sich auch konzernpolitisch betätigen. Das ist leider so, selbst wenn man genau weiß, dass das für jede Firma eigentlich Gift ist”, so Bartussek und Weyergraf.

Da können sogar 40 bis 50 Prozent der Arbeitszeit für Innenpolitik draufgehen. Jeder Konzernpolitiker verfügt über ein feingesponnenes internes und externes Netzwerk aus vielschichtigen Kontakten. Politisch werde es vor allem dann, wenn jemand eher durch persönliche Beziehungen als durch wirkliche Sachargumentation vorankommt.

In der Deutschland AG reloaded hat sich Rorsted frühzeitig etabliert. Das ist ihm als Vorstandschef eines erfolgreichen DAX-Konzerns relativ leicht gefallen. Er nutzt die informellen Runden, die von der Öffentlichkeit abgeschottet werden. Es soll intim zugehen. Ein Rückzug in die Privatheit, der ausschließlich über persönliche Kontakte läuft. Etwa in der alpinen Seilschaft von Herbert Henzler. Im elitären Männerzirkel der so genannten “Similauner” kraxeln unter Führung von Reinhold Messner Manager wie Hubert Burda und – welch ein Zufall – der noch amtierende Adidas-Chef Herbert Hainer. Wen findet man im Aufsichtsrat des Sportartikel-Herstellers? Henkel-Personalvorstand Kathrin Menges. Weitere Verbindungslinien zur Arbeitnehmerseite oder zu Finanzberatern kann man über Google recherchieren.

Rorsted wird von Branchenexperten zugetraut, das angeschlagene US-Geschäft von Adidas in den Griff zu bekommen und auch Initiativen für neue Geschäftsmodelle anzustoßen – etwa bei der Digitalisierung. Er ist sportbegeistert, teamfähig und energiegeladen. Er wollte nach Süddeutschland und auch das ist gelungen. Netzwerke und Vitamin B für das berufliche Fortkommen zu nutzen, ist völlig in Ordnung. Nur sollten die Protagonisten der informellen Deutschland AG die Schwächen dieses Karriere-Systems nicht unterschätzen. Das Notiz-Amt verweist auf die Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsmagazins Boardreport, in der man das alles ausführlich nachlesen kann. Der Titel: “Operation Kronprinz – Über die Kunst des Wechsels in einer vernetzten Welt.” Das Heft erscheint Ende März.


Image “Händeschütteln” by geralt (CC0 Public Domain).


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Quartz passt sich mit einer neuen App an seine Leser an

Quartz Screenshot (Image: Quartz)

Seit dem Launch im Jahr 2012 befand sich Quartz immer unter den am schnellsten wachsenden und am meisten beobachteten digitalen News-Seiten. Die zu Atlantic Media gehörende Seite war den Medientrends oft voraus, indem sie den Fokus auf Mobile-First und dem Teilen auf den sozialen Netzwerken, Email-Newslettern und hochqualitative Apps legte. In einem Memo, das der Quartz-Herausgeber Jay Lauf und Redakteur Kevin Delaney am Donnerstag an die Belegschaft veröffentlichten, heißt es, dass der Umsatz der Seite 2015 um 85 Prozent gestiegen ist und die Homepage allein im Dezember 16,8 Millionen Besucher hatte – teilweise bis zu 65 Prozent mehr als zur gleichen Zeit im Jahr 2014.

Mit Blick auf 2016 haben Lauf und Delaney festgehalten, dass Quartz plant, seine erste offizielle iPhone-App zu starten, die Email-Angebote zu erweitern und zusätzliche Funktionen bei Atlas hinzuzufügen – die eigene Plattform zur Erstellung und zum Teilen von Tabellen. Die Financial Times berichtete zudem im letzten Monat, dass Atlantic Media sich in Gesprächen befindet, in denen es darum geht, Quartz zu verkaufen. Eine Sprecherin von Atlantic Media äußerte sich dazu: “Wenn man sich die Ambitionen Quartz gegenüber ansieht, dann wäre es enorm nachlässig von uns, wenn wir die Möglichkeiten nicht nutzen würden, sobald sie sich bieten.” Lauf und ich haben vor kurzem über diese Trends geredet und darüber diskutiert, was die Zukunft für Quartz bringen kann.

Joseph Lichterman: In dem Memo sagten Sie, dass Quartz “bis zum 19. Januar 2016 mehr Geld erwerben konnte als im gesamten Jahr 2014.” Was hat zu diesem Wachstum beigetragen?

Jay Lauf: Das ist ein Hinweis darauf, dass wir in einer sehr kurzen Zeit eine glaubwürdige und kreditwürdige Firma aufgebaut haben. Wir haben eine Marke geschaffen, die für etwas steht und mit der Vermarkter zusammen arbeiten wollen.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass unsere Erneuerungs-Rate stark bleibt. Ein Satz, den ich immer wieder sage und den mein Team bestimmt nicht mehr hören kann ist, dass unser Job dann anfängt, wenn wir unseren Auftrag bekommen. In den ersten zwei Jahren habe ich angenommen, angesichts meiner eigenen Erfahrung in der Industrie, dass es bestimmt einen großen Kader an Vermarktern geben würde, die einen Teil ihres Budgets in etwas Neues und Spannendes stecken würden. Ich sagte zu meinem Team, dass wir wahrscheinlich unsere Zelte abbrechen und nach Hause gehen könnten, wenn wir es nicht schaffen würden, dass diese Kunden es wenigstens mit uns ausprobieren.

Ich weiß, dass wir ein Stück vom Business-Kuchen abbekommen werden, aber das Wichtigste ist, dass die Kunden mit der Investition so zufrieden sind, wenn sie uns ausprobiert haben, dass sie gern wieder zurückkommen. Das ist es, was wir gesehen haben. Wir haben eine 90 prozentige Rückhalterate unter unseren Inserenten. Es gibt mehrere Firmen, die zu uns zurückkehren und das mit größeren Werbeeinkäufen für längere Zeit und so behalten wir Kunden, aber helfen ihnen auch ihr Business zu erweitern, während wir an ihnen wachsen.

Lichterman: 42 Prozent der Werbeeinnahmen von Quartz kommen durch mobile Geräte, was eine wirklich hohe Quote ist, wenn man es mit den anderen Konkurrenten vergleicht. Das ist wirklich faszinierend.

Lauf: Es ist sehr ermutigend. Ich glaube unsere Absicht ist, dass Quartz zuerst in der mobilen Welt greift und dass wir weltweit agieren. Wenn Inserenten und Vermarkter darüber nachdenken mit uns zu arbeiten, sind diese zwei Punkte der Beginn für sie.

Lichterman: In letzter Zeit gab es eine Menge Diskussionen darüber, wie man Werbung auf mobilen Geräten und dem Desktop blockiert. Ist das etwas, worüber Sie sich Sorgen machen?

Lauf: Ich denke die allgemeine Antwort für alle Herausgeber ist, dass man immer ein Auge auf die aktuellen Geschehnisse haben muss. Es wäre naiv zu sagen, dass wir uns nicht genau ansehen, was hier gerade passiert.

Wir machen uns allerdings keine Sorgen, und dafür gibt es viele Gründe. Beginnend damit, dass Quartz seit 2012 ein Werbemodell entwickelt hat, das sich zuallererst um den Benutzer dreht. Das bedeutet, dass wir nicht sonderlich viel Massenwerbung schalten oder welche, die sehr aufdringlich ist, denn die sind es, die zu Adblocking geführt haben. Wir haben uns auf die Nutzererfahrung gestützt, wo man eventuell tatsächlich eine Produktwerbung begrüßt.

[Adblocking] hat unserem Business im letzten Jahr nicht geschadet. Wer sich an den vergangenen September und Oktober erinnert, ungefähr damals als iOS 9 heraus kam und die Adblocker wirklich anfingen zu greifen, wurden ungefähr 11 bis 15 Prozent unserer Seitenaufrufe geblockt. Ein Prozent oder vielleicht auch weniger davon waren auf den mobilen Geräten. Man sieht klar, dass diese Blocks bei uns mehr auf den Desktops passieren.

Wir haben außerdem gesehen, dass die Zahlen momentan sinken. Im letzten Monat lagen sie bei sechs Prozent. Wir erkennen zudem, dass der Einfluss von Adblockern nicht steigt, ganz im Gegenteil. Wir führen das zurück auf unser Wachstum im mobilen Bereich. Immer größere Teile unseres Publikums rufen in immer höherer Anzahl unsere Seite von mobilen Geräten ab. Ein großer Teil davon wird von In-App-Browsern, bei Twitter oder Facebook durchgeführt, bei denen die Adblocker bisher noch nicht aktiviert sind. Das Thema betrifft uns praktisch kaum mehr.

Lichterman: Eine andere Sache, die in der Memo angesprochen wurde, ist die erscheinende App und ich hoffe, dass Sie mir erzählen können, wie das Ganze aussehen wird.

Lauf: Was ich Ihnen sagen kann ist, dass unsere App irgendwann im ersten Quartal diesen Jahres gelauncht wird. Allerdings kann ich Ihnen nicht mehr preisgeben, vor allem wenn es darum geht, worum es sich handelt, wie das Interface aussieht und der ganze Rest.

Lichterman: Zach [Seward] sagte 2012 zu AllThingsD “Jeder kann jeden unserer Artikel direkt ansteuern. Das kann man bei den App-Stores nicht machen.” Warum dann nun eine App?

Lauf: Im Jahr 2012 war unsere Strategie, das Wachstum der Seite so reibungslos wie möglich zu gestalten. Man fängt zuerst völlig ohne Publikum an. Wir wollten keine Mauern errichten, was das Entdecken oder Teilen unseres Inhalts angeht. Also, egal ob es sich um eine Paywall handelt oder eine App, die man erst downloaden musste und von der wir hofften, dass die Leute sie auch öffnen würden – dies sind alles Grenzen, die dem Einführen einer neuen Medienplattform im Wege stehen.

Eines der Kennzeichen von Quartz ist die Wendigkeit und die Fähigkeit sich zu verändern, wenn es notwendig ist und sich die Umstände ändern. Wenn Sie ein anderes Memo über Quartz als Programmierschnittstelle von Zach lesen, dann ist dies ein gutes Beispiel. In den letzten vier Jahren haben sich die Orte an denen Leute Zeit verbringen, um zu lesen, stark verändert. Wir versuchen uns dort zu positionieren, wo immer diese Nutzer sind. Etwas was sich andauernd bei den Apps verändert, sind die Benachrichtigungen. Diese werden immer beliebter als Mechanismus, der einem dabei hilft, immer die neuesten Neuigkeiten und Informationen zu haben und sich mit bestimmten Marken zu verbinden. Apps geben einem definitiv die Möglichkeit dazu. Die App erlaubt uns zudem, mit verschiedenen Inhalten zu experimentieren und gibt uns Möglichkeiten, mit denen wir unsere journalistische Arbeit durchführen können, die besser in die App-Landschaft passen als ins klassische Internet.

Lichterman: Mich interessiert außerdem, wie Sie sich in Sachen Mails ausbreiten wollen. Ich weiß, dass der Service ‘Daily Brief’ ein großer Bestandteil Ihrer Strategie ist.

Lauf: Es gibt keine spezifischen Pläne bei uns, was die Erweiterung der Mails angeht. Allerdings waren Mails schon immer sehr beliebt bei uns. Man könnte einen Newsletter entwickeln, der vielleicht regionsspezifisch ist, dann gäbe es noch Potential für eine Anpassung von Inhalten wie einem Technik- oder Finanznewsletter, irgendetwas dergleichen könnte man entwickeln.

Es gibt auch Interesse an einem Newsletter nach Maß oder mit White-Labeling. Wir haben Klienten in der Werbung, die daran interessiert sind ihre eigenen Newsletter mit mehr Quartzigen Elementen zu bestücken, besser lässt es sich nicht sagen. Das könnte etwas sein, was wir mit unseren kreativen Diensten anbieten. Man kann sich vorstellen, dass man damit den Inhalt in diesen Fällen weiterverkaufen kann.

Lichterman: Nachdem Sie letztes Jahr Atlas gestartet haben, gab es Gespräche darüber, dass man diese Sache auch anderen Leuten zugänglich macht, die dann von außen dort Beiträge beisteuern können.

Lauf: Wir sind nur noch wenige Wochen davon entfernt, dass wir endlich mehr über die Entwicklung von Atlas sprechen können und wie diese aussieht.

Lichterman: Gibt es denn noch irgendetwas anderes, an dem Sie gerade arbeiten oder worüber Sie nachdenken?

Lauf: Ich glaube nicht, außer dem, was die andere Sache in unserem Memo anging: Unsere Konzentration auf die globale Erweiterung und die internationalen Märkte. Wenn Sie sich unsere Möglichkeiten ansehen, was die Freigabe von Geldmitteln im internationalen Bereich angeht, und wenn Sie die Mission von Quartz bedenken, in der es darum geht, die globale Wirtschaft für die Leserschaft weltweit abzudecken, wollen wir in diesen Bereichen im kommenden Jahr noch besser werden. Das ist ein großes Alleinstellungsmerkmal für uns und es ist etwas, in dem wir sehr gut sind. Das wollen wir weiterhin so fortführen.

Lichterman: Was suchen Sie, wenn es um die internationale Erweiterung geht: Mehr Märkte, oder verschiedene Ansatzpunkte?

Lauf: Es wird wahrscheinlich mehr Mitarbeiter geben, die in der Welt verteilt sind, jeweils auf Seiten des Journalismus und im Businessbereich. Dies würde uns erlauben eine tiefergehende Berichterstattung abzuliefern, mehr Leser anzusprechen und mehr Werbetreibende auf uns aufmerksam zu machen. Wir haben ein Büro in London aufgebaut, da arbeiten nun schon 16 Leute und es wird wohl noch weiter wachsen. Wir werden weiter an unserem Bestreben arbeiten nach Indien und Afrika zu gehen. Wir sehen auch weiterhin die Möglichkeit für Erweiterungen des Journalismus in Asien, vielleicht auch in Australien, oder an anderen Orten in Europa wie beispielsweise Deutschland. Ich denke aber nicht, dass wir in diesem Jahr noch ein anderes Projekt starten werden.

Lichterman: Gibt es irgendwelche Neuigkeiten oder Debatten über die Angelegenheit von Atlantic Media und dem Verkauf von Quartz? Vor ein paar Wochen zitierte die Financial Times eine Sprecherin von Atlantic Media, die sagte: “Wenn man sich die Ambitionen Quartz gegenüber ansieht, dann wäre es enorm nachlässig von uns, wenn wir die Möglichkeiten nicht nutzen würden, sobald sie sich bieten.” Gab es in dieser Hinsicht irgendwelche Entwicklungen? Können wir annehmen, dass Quartz den Weg allein beschreiten wird?

Lauf: Hier gibt es überhaupt nichts Neues zu berichten. Wie Sie schon sagten, die Aussage der Pressesprecherin ist nur mehr eine Richtlinie, beziehungsweise die einzige Aussage, an der man sich festhalten kann. Es gibt wirklich keine neuen Entwicklungen, über die man zu diesem Zeitpunkt reden kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image: Video-Screenshot by Quartz


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5 Lesetipps für den 11. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um den Musikdienst Aurous, Drohnen mit Wärmeblick, ungültige Führerschein-Regeln, Twitter und die Tagesschau auf Instagram. Ergänzungen erwünscht.

  • AUROUS heise online: Musikdienst Aurous macht nach Klage der Musikindustrie dicht: Gerade erst im Oktober gestartet und schon wieder vom Markt. Die Musik-App Aurous musste aufgrund einer Klage durch die US-Musikindustrie ihren Dienst wieder einstellen. Grund für die Klage waren zweifelhafte Quellen der Dateien aus dem Netz. Der Programmierer Andrew Sampson war der Meinung rechtens zu handeln, weil er die Dateien selbst nicht vorhalte. Sampson sagt auf seinem Blog: “Ich beschwöre den Kongress, das geltende Recht der Realität von Filesharing anzupassen.”

  • DROHNEN Golem.de: DJI Zenmuse XT: Drohnenkamera mit Wärmeblick: Eine lebensrettende Drohne? DJI bringt eine Drohne mit Thermalkamera auf den Markt: Die Zenmuse XT. Durch die Wärmeunterschiede, die sie aufnehmen kann, ist sie sogar in der Lage bei Brandbekämpfungen oder bei der Suche nach vermissten Personen zu helfen. DJI möchte nicht nur Spielzeugdrohnen verkaufen sondern sieht auch die Vorteile, Drohnen in der Wissenschaft und in der Technik einzusetzen. Die Wärmebildkamera eignet sich aber auch bei der Inspektion von Bauwerken und Stromleitungen, sowie bei der Analyse von landwirtschaftlich genutzten Flächen.

  • FÜHRERSCHEINE DIE WELT: Klage vor dem EuGH: EU erklärt deutsche Führerschein-Regeln für ungültig: Die EU-Kommission bemängelt die falsche Umsetzung bei der Ausstellung von Führerscheinen in Deutschland, Österreich, Polen und Finnland. Dabei sei die Gültigkeitsdauer nicht wie vorgeschrieben behandelt worden und zudem gibt es falsche Angaben bei den Führerscheinklassen. Vor dem EuGH müssen die Länder sich jetzt behaupten und bei einer Zustimmung, mit einer Geldbuße rechnen.

  • TWITTER horizont: Twitter-Werbung: Promoted Tweets sollen auch Nutzer ohne eigenen Account erreichen: Wie erreicht man Nutzer, die auf einer sozialen Plattform keinen eigenen Account haben? Twitter hat eine Idee: Promoted Tweets. Zusätzlich sollen mit ihnen 500 Millionen Menschen erreicht werden. Wenn jemand auf einen Tweet klickt, der in der Google-Suche angezeigt wird, kann man auf dem Profil des jeweiligen Twitterers in Zukunft die Werbung dazu vorfinden. Derzeit wird der neue Dienst erst mit ausgewählten Werbekunden in den USA, Japan, Großbritannien und Australien getestet.

  • INSTAGRAM tagesschau.de: tagesschau auf instagram: Von Null auf Zehntausend: Die Tagesschau nutzt jetzt auch Instagram. Und es läuft sogar ziemlich gut. Mehr als 10.000 User haben die Tagesschau in den ersten sechs Wochen bereits abonniert. Ziel ist es, auch die Leute zu erreichen, die sich am Abend nicht die Nachrichten ansehen. Aber nicht nur auf Instagram ist jetzt ein Profil der Tagesschau zu finden, sondern seit längerem auch auf Twitter und auf Facebook.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Schaut Eure Lieblings Filme, wie Ihr sie noch nie zuvor gesehen habt mit OLED – dem nächsten revolutionären Schritt der TV Technologie.

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In den vergangenen Jahren stieg die Popularität des 4K TVs und man konnte immer mehr von ihnen in unseren Wohnzimmern finden. Nachdem diese Art von Technologie immer erschwinglicher wurde, verbreitete sie sich in Windeseile. Die Menschen wollten immer bessere Qualität, besseren Sound und ein besseres TV Erlebnis. Der Sprung nach vorne hat die alte Technologie immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Aber gerade durch sie haben wir unsere Lieblings Filme kennen und lieben gelernt. Aber wie würde wohl der klassische Batman oder die originale Star Wars Trilogie in 4K Auflösung aussehen?

Wenn man Batman und Star Wars visuell mit einem Wort beschreiben müsste, welches wäre dann wohl das richtige? Genau! Dunkel. Denn gerade im Film Batman, wie er in seinem schwarzen Cape durch die Nacht saust oder X-Wings, die hinauf zum Todes Stern fliegen, ist in beiden Filmen gerade die Farbe schwarz ausschlaggebend. Experten beurteilen die TV-Fähigkeit, schwarz perfektioniert darzustellen, als eines der wichtigsten Elemente des Fernsehens.

Ebenso spielt sie für den Kontrast eine große Rolle auf dem TV Markt. Es wurde eine Technologie entwickelt, die nicht bloß schwarz rendert, sondern schwarze Farben perfektioniert.

Die Evolution der Bildschirm Technologie: OLED

Es gibt vier verschiedene Typen von Bildschirm Technologien in der Geschichte der Fernseher: Die Kathodenstrahlröhre (CRT), anschließend Plasma, LCD und OLED. Jede dieser Technologien steht für eine weitere Verbesserung der Bildqualität. Nach der guten alten Kathodenstrahlröhre entstand eine große Lücke bis zur Erreichung des Plasmas. Und eine ebenso große Lücke besteht auch zwischen LCD und OLED, denn OLED benötigt keine Hintergrundbeleuchtung.

Jeder einzelne Pixel kann Licht auf sich selbst emittieren. Genau dadurch entstehen diese perfekten Schwarztöne und das unverwechselbare Kontrastverhältnis. Mit Hintergrundbeleuchtung, wie die des LCD, wäre das nicht möglich. Aus diesem Grund ist die Umstellung auf OLED Fernseher so revolutionär für die Display Technologie, sowie damals die Einführung von Smartphones für die Handyindustrie.

Black Contrast

Den Unterschied der Bildqualität zwischen LCD und OLED ist gravierend und zeigt sich im obigen Bild. Links ist das, was man auf einem LCD Bildschirm sehen würde. Die Schwarzlicht-Panels verfärben das Bild und produziert Licht auf die Pixel, wo eigentlich gar keines sein sollte. OLED hingegen rendert jeden einzelnen Pixel nur so hell oder dunkel, wie es auch sein sollte. Es schafft ein sauberes, klares, glattes Bild und lässt die Images und Farben mehr als nur real wirken.

Vielleicht dachten Sie sich ja immer, dass eine schlechte Bildqualität nicht ausschlaggebend für den Filmgenuss sei, aber wenn Sie das erste Mal auf einem OLED TV einen Film gesehen haben, werden Sie es nicht mehr vermissen wollen. Der Schwarzwert liefert uns nicht nur die schwarze Farbe, die in den dunklen Filmen so überaus wichtig ist, er wird auch seiner Farbbrillanz gerecht.

Was wir von der neuem OLED Display Technologie erwarten

Denken Sie einmal an einen Nachthimmel. Wie dunkel sind die schwärzesten Stellen des Himmels? Wenn Sie ein Stadtbewohner sind, dann können Sie vielleicht gar nicht so genau wissen, wie dunkel der Himmel in Wirklichkeit ist, denn die künstlichen Lichtquellen blenden vieles einfach aus.

Erst in der freien Natur, fernab von jeglicher Zivilisation wie beispielsweise in der Wüste, können wir die majestätischen Farben des Nachthimmels genauer erkennen. Ohne die Lichtverschmutzungen, werden die Objekte im Himmel erst so richtig sichtbar.

Die unteren Bilder zeigen die einzelnen Effekte von Lichtverschmutzung. Auf der linken Seite sehen Sie, wie schwer die Lichter einer Großstadt es machen, einzelne Objekte genau zu erkennen. Auf der rechten Seite kann man jedoch erkennen, dass der LG OLED TV frei von sämtlichen Lichtverschmutzungen ist und der Nachthimmel in all seiner Pracht erstrahlt.

Das Bild von den hellen Punkten auf dem schwarzen Hintergrund, ist auf dem OLED TV viel klarer und deutlicher zu sehen, während auf dem LCD TV die Punkte eher verschwommen und weniger sichtbar sind.

LG Light Pollution

LCD TV vs. LG OLED TV

LG ELECTRONICS – der weltweit führende OLED-TV-Anbieter – hat kürzlich ein Video unter dem Titel “Colorful Sensation in Black” veröffentlicht. Der Clip zeigt eine Horde von laufenden und springenden Männern in schwarzer Kleidung. Sie helfen dabei, die Bedeutung der schwarzen Farbe zu verstehen und die Genauigkeit der heutigen Fortschritte des perfekten schwarzen Bildes hervorzuheben. Wie man sieht, ist die Darstellung der schwarzen Farbe auf einem Bildschirm, für die Home-Entertainment-Experten einer der wichtigsten Elemente.


Teaser & Image by LG


 

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5 Lesetipps für den 1. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um Datenklau beim Vtech-Spielzeug, neue Display- Entwicklungen, Änderungen bei der DB, 3D-Drucker in Hamburg und Snapchat. Ergänzungen erwünscht.

  • VTECH SPIEGEL ONLINE: VTech-Spielzeug: Daten von Eltern und Kinder erbeutet: Die VTech Lerncomputer sind bei den Kindern sehr beliebt. Leider hat sich jetzt herausgestellt, dass es ein massives Sicherheitsproblem gegeben hat. Unbekannte sind in das System des Herstellers eingedrungen und haben Passwörter, E-Mailadressen und Postanschriften von Kunden geklaut. Unter ihnen auch rund 200.000 Kinder. Es heißt nämlich, dass die Daten zu dem noch schlecht gesichert gewesen seien. Der Angriff geschah am 14. November, gemerkt habe man den Datenklau allerdings erst am 24. November.

  • DISPLAYS t3n: Ein Traum wird wahr: Mit diesen Displays müssen Smartphones nicht mehr täglich aufgeladen werden: Die Displays unserer Smartphones sind wohl die schlimmsten Akkufresser. Allerdings will ein Startup aus Großbritannien das jetzt ändern. Mit einem ultradünnen, flexiblen und transparentem Material, sollen in Zukunft die Displays für Smartphones hergestellt werden. Der Sinn dahinter ist, dass diese nicht mehr so oft aufgeladen werden müssen. Was aber genau hinter der neuen Technologie steckt, verrät das Startup jedoch noch nicht.

  • DB N24.de: Deutsche Bahn: Das ändert sich für Bahnreisende am 1. Dezember: Bahnreisende können sich freuen. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember fallen für die meisten Tickets des Fernverkehrs keine Erhöhungen der Preise an. Auch die Bahncard wird nicht teurer und Sparpreise stehen wie gewohnt für 19 oder 29 Euro zur Verfügung. Hier verfällt aber bei den Angeboten für 29 Euro die Vorverkaufsfrist, so dass, wenn verfügbar, auch kurz vor Antritt der Reise die günstige Fahrt gebucht werden kann. Auf eine schnellere Reisezeit, aber damit auch eine Erhöhung der Preise um ein bis sieben Euro müssen sich Reisende der Strecke Erfurt–Halle/Leipzig einstellen. Eine weitere Änderung betrifft den Namen des Normalpreises, der künftig unter Flexpreis zu finden ist.

  • 3D-DRUCKER DIE WELT: Neue Technologie: Wie 3-D-Drucker Produktionsprozesse verändern: Produkte aus 3 D – Druckern bringen große Veränderungen für die Industrie mit sich. Dies zeigt sich aktuell auch in Hamburg. Claus Emmelmann, Chef des Laser Zentrums Nord in Bergedorf und Professor an der TUHH, hat mit seinem Team eine dreidimensionale Fertigung von Bauteilen für Airbus entwickelt, die sich in alle Industrien verbreiten wird. Vermutlich werden diese Fertigungen sogar eine so starke Veränderung für die Fabriken mit sich bringen, wie es einst die Anfänge des Fließbandes mit Henry Ford taten. Die Innovation wird vielleicht am kommenden Mittwoch von Joachim Gauck mit dem Zukunftspreis ausgezeichnet.

  • SNAPCHAT digiday: Snapchat publishers to post deep links on Facebook, Twitter: Snapchat hält Neuerungen für Herausgeber bereit. Das Unternehmen ermöglicht es bald Medienpartnern wie BuzzFeed, CNN oder Vice eine bessere Promotion ihres Channels auch auf den Plattformen Facebook und Twitter zu gewährleisten. Bisher waren keine Verlinkungen der Snapchat Seite außerhalb der App möglich. Das soll sich nun ändern, indem Verlinkungen auf Social-Media-Apps direkt zum Inhalt auf Snapchat hinweisen sollen. Herausgeber können ihre Channels also über die Nachrichten-App laufen lassen und verschiedene Editionen mit inhaltlichem Fokus auf Videos, Animationen und Artikeln generieren.

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Digitale Industriegesellschaft – Pfadabhängigkeiten für Aktenknechte

Insturial Building (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via pixabay

Die Software-Industrie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einseitig den Prinzipien des Industriekapitalismus unterworfen und Unternehmen auf Effizienz getrimmt. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert, kritisiert Wolf Lotter in seinem Vortrag “Arbeiten in der Ablenkungsgesellschaft” auf der IBM Bussiness Connect in Köln. “Wir kommen aus der Fabrikgesellschaft, aus der Industriegesellschaft und denken die Digitalisierung immer noch falsch. Wir organisieren uns in den Routinen der Industrialisierung.”

Aus der industriellen Informationsgesellschaft wurde keine Wissensgesellschaft

Seit den sechziger Jahren verliert die Massenproduktion, die nach den Regeln von Hamsterrad-Taktungen funktioniert, an Relevanz. Eine Antwort, wie wir in der postindustriellen Ära arbeiten werden, sucht das Notiz-Amt vergebens.

Die Industriegesellschaft würde, das stand für die meisten Vordenker dieser Zeit fest, durch die sogenannte Informationsgesellschaft abgelöst werden, die eine Art Übergangsregierung zur Wissensgesellschaft werden sollte, bemerkt Lotter. “Die Informationsgesellschaft war also stets nur als Provisorium gedacht, an dem man lernen sollte, wie man mit der großen Komplexität umgeht, um sie dann, im nächsten Schritt, richtig und gewinnbringend für alle zu nutzen. Was dabei herauskommen sollte, die Wissensgesellschaft, würde viel smarter sein als die Welt der Industrie.”

Daraus wurde aber nichts. Man baut Computer, so wie man schon immer Maschinen baute. Sie verarbeiten Daten schneller und steigern die Komplexität der Anwendungen.

Zwang zur Anpassung an Maschinen

“Man zwingt die Benutzer in einen Zustand kontinuierlicher Anpassung. Heute leiden die meisten unter der antiquierten Idee von Dateien und Verzeichnissen. Viele Benutzer finden die Information nicht wieder, die einmal digital abgelegt worden ist. Aber Paradigmen, die dieses Problem beheben könnten, konnten sich nicht durchsetzen”, moniert Brightone-Analyst Stefan Holtel. “Wir wandeln als Aktenknechte in Pfadabhängigkeiten. Während die Hardware immer besser wurde, blieb das Grundprinzip der Software – die Benutzeroberfläche – in den 1970er-Jahren stehen: Hierarchisches Filesystem, Icons, Desktop-Interface, die Maus, all das wurde in den späten 1970ern von Xerox und Bell erfunden“, so der Informatiker David Gelernter.

Dateinamen für 10.000 Schafe

Wolf Lotter

Das Desktop-Interface wurde nach dem Vorbild des Büroschreibtischs entwickelt: Man sitzt an einem Tisch mit Akten, und es gibt Schubladen und Ordner, in die man sie ablegt. “Die Idee, dass wir jedem Dokument einen Namen geben sollen, ist schlicht lachhaft. Wenn Sie drei Hunde haben, ist das sinnvoll. Besitzen Sie aber 10.000 Schafe, ist es Irrsinn”, bemängelt Gelernter.

Die Informationsgesellschaft sei nach Auffassung von Lotter nicht das Verbindungsglied zwischen Industrie- und Wissensgesellschaft, sondern nur jener “Superindustrialismus”, den der Zukunftsforscher Alvin Toffler in den Siebzigerjahren vorhersah.

“Organisationen, Kultur und Gesellschaft bleiben dabei in den alten Bahnen des Fabrikzeitalters.” Es geht um die Routine-Dressur in den Maßstäben der Industriearbeit. Die Digitalisierung müsste uns aber die Zeit freischießen, um geistig arbeiten zu können. Das komme im öffentlichen Diskurs zu kurz, resümiert Lotter.

Versteht mich die Software?

Um den Status der vernetzten Arbeit festzustellen, reiche eine einfache Frage, so Holtel. “Frage einfach, ob ein Wissensarbeiter sich von seiner Software ‘verstanden’ fühlt. Das ist ein ziemlich zuverlässiger Indikator.”

Eine Maschine darf nicht im Takt interner Regeln und im eigenen Tempo arbeiten – das macht den Anwender zum Befehlsempfänger. Sie müsste im Gleichklang mit den Denk- und Aktivitätsrhythmen eines Menschen ticken. “Dann tritt der Wissensarbeiter in einen wertschöpfenden, kognitiven Dialog mit seiner Denkmaschine und es entsteht auf wundersame Weise eine Symbiose zwischen wissendem Mensch und Wissensmaschine”, erläutert Holtel.

Programmierer sollten sich von liebgewonnen Grundsätzen verabschieden und Software nicht mehr nach den Maßstäben der technischen Machbarkeit konzipieren. Wichtiger sei der gelingende Mensch-Maschine-Dialog. “Das ist, ich gebe es zu, komplizierter zu planen als 10.000 Zeilen Code. Was auch der Grund ist, weshalb es so selten versucht wird”, sagt Holtel.

Kann das jetzt einfach so weitergehen mit der heutigen Art der Computer-Interaktion? Sieht so der Arbeitsplatz aus, an dem Wissensarbeiter bald den Großteil ihres Arbeitslebens verbringen sollten?

Die organisationale und psychosoziale Dynamik von Software müsse von der ersten Sekunde an bedacht werden, fordert Holtel, der auf der Next Economy Open in Bonn am 9. und 10. November über das “Machen uns digitale Assistenten klüger? Spagat zwischen natürlicher Dummheit und künstlicher Intelligenz.


Image „Industrial Building“ by Unsplash (CC0 Public Domain)

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Hirnintensive Arbeit als Konjunkturmotor

Industrie-Skyline (adapted) (Image by Nico Kaiser [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Ständig wird einem von Lobbyisten und Regierungspolitikern eingetrichtert, wie wichtig die Industrie sei als Stabilitätsfaktor der Konjunktur. Länder wie Frankreich hätten es da nicht so gut.Die gallische Wirtschaft sei weitgehend deindustrialisiert, produziere nichts mehr Gescheites oder müsse wie Peugeot Citroën von chinesischen Konzernen aufgefangen werden. Was da wohl noch mit VW passiert. Ein anständiger industrieller Anteil wird als Voraussetzung für eine ausgewogene ökonomische Entwicklung gesehen. Die VWL-Berater flöten es Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ins Ohr: Es müsse wieder mehr produziert, gebaut, geschraubt werden. Das war auch nach der Finanzkrise das Allheilmittel.

Abwrack-Politik

Abwrackprämie statt Investitionen in Wissensberufe oder den Ausbau der digitalen Infrastruktur. So konnte der Industriesektor seinen Anteil an der Wertschöpfung bei 25 bis 26 Prozent stabilisieren. Gleiches gilt für die Zahl der Industriebeschäftigten. Für die globalen Märkte hat sich Deutschland auf Luxusautos, Maschinenbau und Chemie spezialisiert – allerdings mit einer sinkenden Fertigungstiefe im eigenen Land. Wird ein großer industrieller Sektor auch künftig noch von Vorteil sein, fragt sich der Wirtschaftspublizist Henrik Müller. Diese trügerischen Stärken können sich sehr schnell und gut in Schwächen umkehren.

“Osteuropäische, später asiatische Volkswirtschaften, allen voran China, industrialisierten sich im Zeitraffer. Davon profitierte Deutschland wie kein anderes Land: Weil es hierzulande noch potente Firmen gibt, die Fabriken mit Maschinen ausstatten oder gleich ganze Fabriken errichten, weil es Infrastrukturanbieter wie Siemens gibt, die etwa ganze Bahnsysteme zu installieren in der Lage sind, weil es Luxusautohersteller gibt, die die neuen Reichen in den Schwellenländern mit Statussymbolen versorgen. Kurz: Deutschland hat all das noch im Angebot, was es anderswo längst nicht mehr gibt – weil der Strukturwandel in den 1980er und 1990er Jahren hierzulande verzögert ablief.”

Wissensintensive Dienstleistungen als Wettbewerbsfaktor

Wenn sich aber der Aufholprozess in diesen Schwellenländern abschwächt, was derzeit der Fall ist, wenn ausländische Autohersteller lernen, die Bedürfnisse der neuen Mittelschichten zu befriedigen, dann fragt sich, wer denn künftig die Kunden der deutschen Industrie sein sollen. Der Niedergang des Wolfsburger Konzern könnte das im Zeitraffer beschleunigen. Generell wird die Industrie in der Massenproduktion an Bedeutung verlieren.

“Wirtschaft und Gesellschaft wachsen über das Produzieren und Konsumieren von physischen Produkten hinaus und verlegen sich aufs Dienen und später aufs Wissen. Dienstleistungen, zunehmend auch wissensintensive Dienstleistungen dominieren heute in allen entwickelten Ländern die Wirtschaftsstrukturen. Es werden nicht mehr zuvörderst physische Güter hergestellt, viel wichtiger sind Leistungen an Mensch oder Materie”, schreibt Müller in seinem Opus “Wirtschaftsirrtümer”.

Postindustrielle Arbeitsplätze

Gesundheit, Bildung, Freizeit, Ernährung, Haushaltsservices, Vernetzungskonzepte, Apps oder Cloud-Technologien werden wichtiger.

“Auch Deutschland hat diese Entwicklung seit den 1970er Jahren durchgemacht, allerdings ist sie im Zuge der Globalisierung zum Stillstand gekommen. Um 1997 hat sich die industrielle Produktion stabilisiert. Die absolute Zahl der produzierenden Beschäftigten ist dabei in den vergangenen Jahren in etwa stabil geblieben. Die beeindruckenden deutschen Beschäftigungsgewinne haben in anderen Sektoren stattgefunden. Im Jahr 1995 waren ein Viertel der Arbeitnehmer mit Produzieren beschäftigt, heute sind es nur noch ein Fünftel. Beschäftigungszuwächse konnten vor allem die Unternehmensdienstleister verbuchen, teils durch Outsourcing von Aktivitäten aus traditionellen Industriekonzernen sowie Informations-und Kommunikationsservices”, so Müller. Er sieht keinen Grund, dass die Schwellenländer einen fundamental anderen Weg gehen werden. Wir sollten uns deshalb neue Vorbilder suchen, die besser dastehen als wir selbst. Schweden zum Beispiel.

“Das skandinavische Land genießt ein höheres Wohlstandsniveau als Deutschland (eine Differenz von 2.000 US-Dollar pro Kopf). Beschäftigungsstand, Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit sind höher, die Einkommensverteilung gleichmäßiger. Staat und Wirtschaft geben einen größeren BIP-Anteil für Forschung und Entwicklung aus als alle anderen OECD-Länder (außer Finnland): Stabil zwischen 3 und 4 Prozent des BIP. Das Vertrauen ins politische System ist hoch. Um nur einige Wohlfahrtsindikatoren zu nennen. Man muss Schweden nicht in allen Facetten als vorbildlich ansehen, aber dass das Land ökonomisch und gesellschaftlich gegenüber Deutschland einen Vorsprung hat, ist offensichtlich. Schwedens Wirtschaft ist hochgradig wettbewerbsfähig, was sich in ähnlich hohen Leistungsbilanzüberschüssen niederschlägt, wie sie Deutschland verzeichnet”, weiß Müller. Folgt man der Litanei der Industrievertreter, dürfte es das nicht geben.

Skandinavisches Wirtschaftswunder dürfte es eigentlich nicht geben

Denn Schweden habe einen vergleichsweise kleinen industriellen Sektor: 20 Prozent trägt die Industrie noch zum BIP bei, deutlich weniger als im Jahr 2000. Die Zahl der Jobs, im produzierenden Gewerbe, ist von 19 auf 15 Prozent der Gesamtbeschäftigung gefallen.

“Aber das skandinavische Land verfügt über eine große Stärke, die Deutschland nicht hat: Es verdient sehr erfolgreich im Handel mit Dienstleistungen. Mehr als 20 Milliarden US-Dollar Überschuss erwirtschaftete Schweden 2011 mit dem Verkauf von Services, Patenten und Lizenzen – viermal so viel wie noch 2004. Deutschland hingegen machte im selben Zeitraum ein Defizit im Dienstleistungshandel von knapp 32 Milliarden US-Dollar”, führt Müller aus.

Der Handel mit hirnintensiven Dienstleistungen und der Verkauf von Wissen ersetzen in Schweden zunehmend den Handel mit physischen Produkten – postindustrielle, hochproduktive Aktivitäten mit großem Input von Wissen. Dafür sind andere Qualifikationen und ein anderes Umfeld vonnöten. Mit der dualen Berufsausbildung auf IHK-Niveau kommt man nicht mehr weit. Ralf T. Kreutzer und Karl-Heinz Land sprechen gar vom digitalen Tsunamie der “Dematerialisierung”, der selbst den so hochgelobten Maschinenbau bedrängt. Wie viel Industrie wird also noch in der Netzökonomie stecken, fragt sich das Notiz-Amt.

Mit Professor Kreutzer wird es dazu in Vorbereitung der Next Economy Open in Bonn ein Bibliotheksgespräch geben.


Image (adapted) “Industrie-Skyline” by Nico Kaiser (CC BY-SA 2.0)


 

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NSA-Skandal beschädigt Vertrauen in US-Technologieunternehmen

NSA (adapted) (Image by Mike Mozart [CC BY 2.0] via Flickr)

Die von Edward Snowden enthüllte NSA-Überwachung hat das Vertrauen in US-Technologie nachhaltig beschädigt – doch das könnte eine gute Sache sein.Laut einer aktuellen Studie leiden US-Technologieunternehmen wirtschaftlich unter den Folgen des NSA-Skandals. Sie beklagen einen Vertrauensverlust und dadurch sinkende Umsätze. Auch geplante Gesetze, die Daten europäischer und asiatischer Unternehmen im Inland halten sollen, sind für US-Unternehmen eine Herausforderung. Für die Betroffenen, insbesondere für diejenigen, die von den Exzessen der NSA gar nichts wussten, ist das bedauerlich. Für die Gesellschaft könnte es sich aber als erster Schritt hin zu einem größeren Bewusstsein für Datenschutz und -sicherheit erweisen.

Studie belegt Vertrauensverlust durch NSA-Skandal

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte der in Washington ansässige Think Tank „Information Technology and Innovation Foundation“ (ITIF) eine Aufsehen erregende Studie über die Auswirkungen des NSA-Skandals auf den US-Technologiesektor. Aus der Analyse geht hervor, dass die wirtschaftlichen Verluste, die diese Unternehmen aufgrund des NSA-Skandals hinnehmen müssen, weit über vor zwei Jahren erstellte Schätzungen hinaus gehen. Damals hatte das ITIF Verluste zwischen 22 und 35 Milliarden US-Dollar (19.5 bis 31 Milliarden Euro) an entgangenem Umsatz im Export-Geschäft über einen Zeitraum von drei Jahren prognostiziert.

Diese Zahlen, so das ITIF nun, müssten erheblich nach oben korrigiert werden. Wie sehr, sei aber schwer zu quantifzieren, da auch Unternehmen betroffen seien, die nicht Gegenstand der ursprünglichen Schätzung waren. Die 2013 veröffentlichten Schätzungen bezogen sich lediglich auf Unternehmen, die Cloud-Computing-Lösungen anbieten. Diese, so vermutete das ITIF damals, würden am stärksten unter dem NSA-Skandal zu leiden haben. Nun scheint jedoch praktisch die ganze IT-Branche vom massiven Vertrauensverlust ausländischer Kunden betroffen zu sein.

Diese [Edward Snowdens] Enthüllungen haben das Vertrauen in US-Technologieunternehmen von Grund auf erschüttert und die wirtschaftlichen Perspektiven der USA in der ganzen Welt beschädigt„, heißt es in dem aktuellen ITIF-Bericht. In einer Stellungnahme anlässlich der Veröffentlichung des Berichts erklärte Mit-Autor Daniel Castro, der NSA-Skandal schade einer große Zahl von US-Technologiefirmen aus verschiedenen Bereichen und ein Ende der Beeinträchtigungen lasse sich nicht absehen. Er sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: „Es sind nicht nur Cloud-Firmen. Das betrifft alle Technologie-Unternehmen.

Berechtigtes Misstrauen gegen US-Technologie

Das Misstrauen der Kunden kommt nicht von ungefähr. Zwar ergibt es durchaus Sinn, dass ITIF zunächst annahm, vor allem Cloud-Computing-Anbieter würden unter dem NSA-Skandal zu leiden haben. Immerhin gehen diese direkt mit den Daten ihrer Kunden um und haben Zugriff auf diese. In den Monaten nach den ersten Snowden-Enthüllungen wurde jedoch deutlich, in welchem Umfang viele US-Unternehmen – wenn auch wohl größtenteils unfreiwillig – mit der NSA kooperieren. Viele Unternehmen gaben der NSA Zugriff auf Benutzerdaten – und durften dies noch nicht einmal, beispielsweise in ihrem Transparenzbericht, öffentlich machen. Microsoft soll der NSA sogar Zugriff auf verschlüsselte Outlook- und Hotmail-Nachrichten gewährt haben. Auch Skype und SkyDrive sind in ähnlicher Weise Gegenstand des NSA-Datensammelprogramms „PRISM“.

IBM wurde Ende 2013 von einem Anleger verklagt, weil es Verluste durch seine Kooperation mit der NSA und seine Lobbyarbeit für den Datenschutz-feindlichen „Cyber Intelligence Sharing and Protection Act“ (CISPA) zu verstecken versuchte. Selbst vor Hardware-Unternehmen macht der Trend nicht halt. Netzwerk-Gigant Cisco Systems hat nach wie vor insbesondere in China mit massiven Umsatzeinbußen zu kämpfen, da befürchtet wird, dass die Hardware Abhör-Schnittstellen für die NSA beinhaltet. Laut Glenn Greenwalds Enthüllungsbuch „No Place to Hide“ (deutscher Titel „Die totale Überwachung“) soll die NSA auch tatsächlich entsprechende Hintertüren in Cisco-Hardware eingebaut haben.

Angesichts dieser Enthüllungen ist das Misstrauen gegen US-Unternehmen verständlich und auch berechtigt. Zwar trifft der wirtschaftliche Druck bestimmt auch Unternehmen, die gar nichts mit dem NSA-Skandal zu tun haben, was natürlich bedauerlich ist. Aber wie sollen skeptische Kunden dies auch sicher wissen? Jedem verantwortungsbewussten Administrator oder CSO ist die Sicherheit der Unternehmensdaten zu wichtig, um unnötige Risiken beim Kauf von Hard- und Software einzugehen. Zumal sich deutlich abzuzeichnen scheint, dass die NSA bei ihrer massiven Überwachung keineswegs nur die nationale Sicherheit und die Kriminalitätsbekämpfung im Sinn hat. Vielmehr betreibt der US-Geheimdienst in vielen Fällen auch handfeste Wirtschaftsspionage.

Wachsendes Bewusstsein für Datenschutz

Im Zuge der Snowden-Affäre wächst das Bewusstsein für Datenschutz und -sicherheit – bei Privatpersonen ebenso wie bei Unternehmen. Angesichts der Wichtigkeit dieser Themen in der Informationsgesellschaft ist diese Entwicklung begrüßenswert. Wenn sich mehr Firmen der Tatsache bewusst werden, wie gut sie auf ihre sensiblen Daten aufpassen müssen, kann das nur von Vorteil sein, Ebenso erfreulich ist es, wenn mehr Privatpersonen diesbezüglich sensibilisiert werden und beispielsweise Verschlüsselung benutzen.

Auch, wenn einige Länder nun Gesetze planen, die Unternehmen verpflichten, Kundendaten im Inland zu hosten, ist das grundsätzlich keine schlechte Idee. Natürlich darf dieser Trend nicht zu gefährlichem Isolationismus führen. Wenn er aber dafür sorgt, dass Datenschutz-Standards an Bedeutung gewinnen und die allzu unkritische Kooperation mit Ländern, die diese Standards bekanntermaßen mit Füßen treten, endet, ist das zu begrüßen.

Wege aus der Krise

Die aktuelle Krise des US-Technologiesektor zeigt: ohne Vertrauen in die verwendeten Systeme kann IT-Sicherheit nicht funktionieren. Wie aber können die betroffenen Unternehmen das Vertrauen der Kunden zurück gewinnen? Das wird zweifellos ein schwieriger Prozess. Einerseits müssen sie – was einige Unternehmen wie Facebook, Google, Microsoft und Yahoo! bereits zu tun versuchen – transparenter mit Anfragen der NSA und anderer Behörden umgehen. Andererseits könnte ein Schritt hin zu Open-Source-Software ein Erfolg versprechender Schritt sein: wenn jeder den Quellcode eines Programms einsehen kann, können sich zumindest Fachleute selbst davon überzeugen, dass dieser keine Hintertüren irgendwelcher Geheimdienste enthält.

Wirtschaftlicher Druck als Ansporn für Veränderungen

So problematisch die Situation für die Betroffenen auch ist – für die Gesellschaft könnte sie sich als große Chance erweisen. Auch, wenn man nicht – wie einige Konservative und Wirtschaftsliberale – den Markt als Allheilmittel ansieht, bietet diese Situation Anlass zu der Hoffnung, dass der finanzielle Druck Unternehmen dazu bringt, ihr Verhalten zum Positiven zu verändern. Sei es, dass sie tatsächlich zukünftig auf quelloffene Software setzen, sei es, dass sie sich mit der beträchtlichen politischen Macht, die wichtige Unternehmen zweifellos haben, für Veränderungen in der Politik einsetzen.

Im positiven Fall kann der sorgsame Umgang mit Kundendaten nämlich durchaus ein gutes Verkaufsargument sein. Viele Kunden dürften bereit sein, entsprechenden Produkten den Vorzug zu geben, vorausgesetzt, die versprochene Datensicherheit wird auch tatsächlich geliefert. Spätestens die Snowden-Enthüllungen dürften einen nicht zu unterschätzenden Markt für derartige Produkte und Dienstleistungen geschaffen haben. Auf lange Sicht könnten diejenigen profitieren, die dies als wirtschaftliche Chance begreifen – zum Wohl auch derjenigen, denen das Thema auch aus anderen als rein wirtschaftlichen Gründen wichtig ist.


Image (adapted) „NSA“ by Mike Mozart (CC BY 2.0)


 

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