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5 Highlights aus den Mediatheken!

In den kostenlosen Mediatheken warten unzählige tolle Filme, Serien-Episoden und Dokumentarstücke auf ihre Entdeckung. Hier ist meine Auswahl für den September: eine Dokumentation über Seenotrettung, ein Drama von Andreas Dresen und ein Lehrstück zum Thema iPhone-Marketing. Viel Spaß beim Streamen!

Iuventa

Dokumentarfilmer Michele Cinque begleitete die Hilfsorganisation „Jugend Rettet“ ins Mittelmeer, wo sie unterwegs waren, um Flüchtlinge aus der Seenot zu retten. Leider fehlte ihnen dafür die Erlaubnis und ihr Schiff, die „Iuventa“, wurde 2017 festgesetzt. Die Doku zeigt das harte Training für die Einsätze und ein unvergleichliches Engagement der freiwilligen Hilfskräfte – entgegen aller Widerstände.

3sat / Verfügbar bis 11.10.: Zur Doku

Halt auf freier Strecke

Frank (Milan Peschel) und Simone (Steffi Kühnert) haben sich einen Traum erfüllt und leben mit ihren beiden Kindern in einem Reihenhäuschen am Stadtrand. Sie sind ein glückliches Paar, bis zu dem Tag, an dem bei Frank ein inoperabler Hirntumor diagnostiziert wird.

3sat / Verfügbar bis 07.11.: Zum Film

Tanken – Mehr als Super (Staffel 1)

Nachtschicht im Nirgendwo: Die Sitcom zeigt Georg (Stefan Haschke), Daniel (Ludwig Trepte) und Olaf (Daniel Zillmann) bei ihrer Arbeit in einer besonders trostlosen Super-Tankstelle.

ZDF / Verfügbar bis 16.04.19: Zur Serie

Kebab Connection

Ibo (Denis Moschitto) wünscht sich nichts sehnlicher, als den ersten deutschen Kung Fu-Film zu drehen. Den ersten Schritt in Richtung Ruhm macht er mit einem Werbespot für die Dönerbude seines Onkels. Als seine Karriere gerade Fahrt aufnimmt, erfährt er von der Schwangerschaft seiner Freundin Titzi (Nora Tschirner) und fliegt Zuhause raus. Jetzt wünscht er sich eigentlich nur noch sein altes Leben zurück…

Netzkino / Dauerhaft verfügbar: Zum Film

#Moneypulation

Ob Storytelling, Green Washing oder Gamification – nicht nur durch Anglizismen streuen uns die Strategen des Marketing gerne immer wieder mal Sand in die Augen. Intelligent drücken sie die richtigen Knöpfe in unserem Unterbewusstsein, um geschickt Wahrnehmung und Wünsche des Konsumenten zu manipulieren. Mit einem Zwinkern im Auge zeigt die Serie „#Moneypulation“, wie uns so nicht nur Apple, Red Bull oder Philip Morris gerne mal einen Bären aufbinden, sondern auch wie Spin-Doctoren das Image eines ganzen Staates neu aufbauen können – oder gar einen frauenfeindlichen Außenseiter zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt.

Arte / Verfügbar bis 29.10.:  Zur Doku-Reihe


Image by David Streit

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Lesen zum neuen Jahr: Was uns ‚Herr der Fliegen‘ über 2016 erzählt

Lord of the Flies (adapted) (Image by Alaina Buzas [CC BY 20] via flickr)

Es ist die Geschichte einer Gesellschaft, in der sich die Demokratie in einer Art Stammesdenken und Tyrannei auflöst. Die Geschichte einer Zivilisation, die von den Redlichen nach Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit aufgebaut wurde, die sich dann aber gegeneinander aufhetzten und die Schwachen und Ausgestoßenen zu Sündenböcken erklärten. Letztlich ist es eine Erinnerung an die menschliche Barbarei, die unter der zerbrechlichen Fassade des Anstands lauert.

Klingt das bekannt? Allerdings: Es handelt sich um den Plot von ‚Herr der Fliegen‘, einem Roman über ein paar Jungs aus England, die einen Flugzeugabsturz überleben und auf einer Insel im Südpazifik gestrandet sind. Nach einer kurzen Zeit der Harmonie bewirkt ein Machtkampf zwischen den beiden Anführern Ralph und Jack die Spaltung der Gruppe. Jack gewinnt, indem er verspricht, einen gemeinsamen Feind zu jagen und zu töten – er meint das seltsame Phantom, das im Dschungel lebt und nur als ‚das Monster‘ bekannt ist. Es ist ein erfolgreicher Kampf, der die Angst benutzt, um die Gruppe zu spalten.

Der ‚Herr der Fliegen‘ wurde zuerst im Jahr 1954 veröffentlicht, hauptsächlich als Reaktion auf den Aufstieg des Nationalsozialismus und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Und doch hat das Buch in vielerlei Hinsicht eine direkte Gültigkeit für die Welt von 2016, da Sparmaßnahmen, die Flüchtlingskrise, der Brexit und der Aufstieg Donald Trumps den nationalistischen Eifer ermutigt und die gesellschaftliche Zersplitterung geschürt haben.

Die rassistisch motivierte Sprache der Stammes-„Wildheit“ im Roman lässt zeitgenössische Leser zu Recht innehalten. Hier zeigt sich die Unfähigkeit des Autors William Golding, über eine grundsätzlich eurozentrische und kolonialistische Weltanschauung hinauszudenken. Letztendlich jedoch ist die Botschaft des Buches, dass eine „Wildheit“ quasi allgemeingültig ist. Sie ist weder rassisch noch anhand von Landesgrenzen definiert. Es ist eine Botschaft, die uns darüber nachdenken lässt, dass der Rechtsextremismus erneut in die Mainstream-Politik in ganz Europa und den USA eingekehrt ist.

Im Fahrwasser einer populistischen Sprache unter Betonung nationaler Zugehörigkeit gelingt es den Rechtsextremen, Rassismus zu legitimieren. Amerikas sogenannte alt-right-Bewegung, der Front National in Frankreich, UKIP und die fremdenfeindlichen ‚Leavers‘ in Großbritannien – sie alle nutzen die Unzufriedenheit, die mit der Globalisierung einherging, um im Innern Feindschaften zu schüren. Die Lösung komplexer wirtschaftlicher und politischer Wirklichkeiten ist für diese Gruppen so einfach wie die Jagd auf ‚das Monster‘. Der Anführer Jack gibt sein Erbe weiter an Figuren wie Trump, Marine Le Pen und Nigel Farage.

Die Stimme der Vernunft

Als Gegenstück zu Jacks Agitation und Angstmacherei stellt uns ‚Herr der Fliegen‘ die beiden Freunde Piggy und Simon vor. Piggy glaubt an den wissenschaftlichen Fortschritt, ist sich aber auch bewusst, dass eine Weiterentwicklung der Menschheit aufgehalten wird, wenn „wir Angst vor Menschen bekommen“. Piggy wird geschwächt, wenn die Jungen seine Brille stehlen – sein Symbol von Vision und Klarheit – und sie benutzen, um ein Feuer zu entzünden. Das Feuer gerät außer Kontrolle, was zur Zerstörung eines Teils ihres neuen Zuhauses führt. Statt den ersten Akt einer vereinten Zivilisation zu repräsentieren, signalisiert die Entstehung des Feuers die Uneinigkeit, die die Gruppe spaltet und schließlich unter Jacks Verantwortungs als Stammesoberhaupt zum Tode von Piggy führt.

Wie Piggy den Fortschritt repräsentiert, so steht Simon für die Vernunft. Er weiß, dass ‚das Monster‘ nicht real ist und durch die Angst der Jungen erschaffen wird. „Wann immer Simon an ‚das Monster‘ dachte“, so heißt es, „stand vor seinem inneren Auge das Bild eines Menschen, der heroisch und krank zugleich war.“ Trotz dieser Einsicht wird Simon als schwach angesehen und gemieden.

Nach einer Expedition, die er allein angetreten hatte, entdeckt er, dass ‚das Monster‘ lediglich ein toter Fallschirmjäger ist – ein Opfer des Krieges, der in der Ferne tobt. Sein Fallschirm hat ihn auf die Insel getragen. Simon kehrt zum Lager zurück, um die Nachricht zu überbringen, aber die Phantasie der Jungen erweckt in ihnen einen blinden Blutrausch. Sie sehen keinen Menschen mehr, sondern nur eine Bedrohung für ihre Gesellschaft. Simons Schreie werden durch das „Reißen der Zähne und Krallen“ übertönt.

Während seiner Vortragsreise an amerikanischen Universitäten im Jahr 1962 erklärte Golding die Gründe, weshalb er den ‚Herr der Fliegen‘ geschrieben hatte:

Mein Buch will sagen: Sie denken, dass jetzt der [Zweite Weltkrieg] vorbei ist und etwas Böses zerstört worden ist, und dass Sie jetzt in Sicherheit sind, weil Sie von Natur aus gut und anständig sind. Doch ich weiß, warum diese Sache in Deutschland so mächtig wurde. Ich weiß, dass es in jedem Land passieren kann.

So weit, so finster. Und dennoch – während Golding die Neigung der Menschheit zu Vorurteilen darstellt, gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Nach seiner Flucht vor den von Jack bestellten Menschenjägern trifft Ralph auf einen Marineoffizier, dessen Schiff angelegt hat, nachdem die Mannschaft den Rauch gesehen hat, der von der verwüsteten Insel aufsteigt. Als Ralph „das Ende der Unschuld“ beweint, dreht sich der Offizier um, um das Kriegsschiff in der Ferne zu betrachten. Dieses finale Bild des Buches ist ein Moment der Selbstreflexion. Inmitten der Wildheit und der Katastrophe der rudimentären Zivilisation der Jungen wird die Erwachsenenwelt mit einer Vision ihrer eigenen Torheit konfrontiert.

Die Moral von ‚Herr der Fliegen‘ ist nicht nur, dass die Barbarei keine Grenzen kennt. Die Moral besteht auch darin, dass die Barbarei verhindert werden kann, und zwar durch das Engagement für eine gemeinsame Menschheit. „Wenn die Menschheit eine Zukunft von hundert Millionen Jahren auf diesem Planeten hat“, sagte Golding in seinem Vortrag von 1962, „ist es unvorstellbar, dass sie diese Äonen in einem Gepräge von nationaler Selbstzufriedenheit und chauvinistischer Idiotie verbringen sollte.“

Der Roman mag keine sonderlich herzerwärmende Geschichte sein, aber er präsentiert uns eine erbarmungslose Darstellung einer Gesellschaft, die von Angst getrieben wird. Im neuen Jahr soll dies dem Leser eine dringende Warnung und ein Aufruf zum Handeln sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Lord of the Flies“ by Alaina Buzas (CC BY 2.0)


The Conversation

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • DIGITALISIERUNG faz: Behörden fürchten Digitalisierung mehr als Flüchtlingskrise: Die Bewältigung der Flüchtlingskrise steht zwar auf der politischen Agenda weit oben – für die öffentliche Verwaltung in Deutschland gilt das aber nur mit Abstrichen: Eine Mehrheit der Behördenleiter erwartet, dass ihre mit Abstand größte Herausforderung der kommenden fünf Jahre die Digitalisierung und der Umstieg auf elektronisch geführte Akten sein werden. Die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen steht für sie nur auf Platz fünf der Themen mit großem Handlungsbedarf. Das zeigt eine Studie der Hertie School of Governance, die dieser Zeitung vorliegt. Für die Studie wurden rund 1200 Behördenleiter aller staatlichen Ebenen befragt.

  • UBER heise: Daimler: Uber ist uns zu teuer: Daimler-Chef Dieter Zetsche kann sich eine Zusammenarbeit mit dem Fahrdienst-Vermittler Uber vorstellen. „Wir können potenziell in manchen Bereichen kooperieren und in anderen Konkurrenten sein“, sagte Zetsche am Mittwoch auf der Internet-Konferenz Axel Springer Noah Berlin. Zugleich schränkte er ein, dass es nichts Konkretes anzukündigen gebe. Für einen Einstieg sei Uber mit einer Bewertung von zuletzt mehr als 60 Milliarden US-Dollar für Daimler allerdings zu teuer, betonte Zetsche.

  • DATENSCHUTZ netzpolitik: Investigatory Powers Bill: Großbritannien stimmt für Überwachungsgesetz: Mit den Stimmen weiter Teile der Labour Party hat die konservative britische Regierung den Investigatory Powers Bill, eines der weitestgehenden Überwachungsgesetze westlicher Demokratien, durch das Parlament gebracht. Nur die Scottish National Party, die Liberal Democrats und Abgeordnete der Grünen stimmten dagegen. Das Gesetz wurde mit 444 zu 69 Stimmen angenommen.

  • SERVER golem: Robuste Server für die Grenzbereiche der Daten: Hewlett Packard Enterprise (HPE) hat zwei neue Server der neuen Produktfamilie Edgeline angekündigt. Die Server EL1000 und EL4000 gehören nicht in Rechenzentren, sondern an die sogenannte Edge des Internet of Things (IoT). Sie sollen also dort eingesetzt werden, wo die Daten anfallen, statt die Daten vom Ort des Geschehens ins Rechenzentrum zu schieben.

  • JOB berufebilder: 7 Tipps fürs Fern-Recruiting: Auch wir bei den Netzpiloten führen oft mit BewerberInnen Vorstellungsgespräche via Skype. Gute Tipps für zukünftige Angestellte oder Praktikanten können da sehr gut weiterhelfen. Ein erfolgreiches Video-Interview beginnt nämlich mit der richtigen Einstellung zu diesem. Eine gute Vorbereitung und die Chance, dem Wunscharbeitgeber schon auf diesem Wege davon zu berichten, warum man genau die richtige Besetzung für die freie Position sei.

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Die New York Times versucht sich an VR-Filmen

Caucus Tourism Virtual Campaigning (adapted) (Image by Phil Roeder [CC BY 2.0] via flickr)

Mittels virtueller Realität erzählte die New York Times ihren Lesern die Geschichten von jungen Flüchtlingen, nahm die Leser auf Wahlkampfreise mit und ermöglichte ihnen, die Trauer in Paris mitzuerleben. Nun ist es Zeit, sie auf den Pluto zu begleiten.

Mit „Auf der Suche nach Plutos kaltem Herzen“ nimmt der Times-Wissenschaftsautor Dennis Overbye die Zuseher mit auf einen virtuellen Rundgang über die Oberfläche des Planeten. Das Projekt, das auf dem Tribeca Film Festival zu sehen sein wird, wird im Laufe des Monats veröffentlicht – zusammen mit einer neuen Lieferung von etwa 300.000 Google-Pappbrillen an Times-Abonnenten. (Die Times hatte bereits im November eine Million der Brillen verteilt.)

Dieses neue Projekt stellt einen bedeutenden Meilenstein für die Times dar. Im Gegensatz zu bisherigen VR-Projekten, die alle in Kooperation mit VR-Produktionsfirmen wie VRSE produziert worden waren, ist das Pluto-Erlebnis ganz allein von der Times-eigenen Wissenschafts- und Grafikabteilung auf die Beine gestellt worden. Dies zeigt nicht nur das Engagement der Times im technischen Bereich, sondern macht ebenfalls deutlich, inwiefern  Nachrichtenredaktionen mittlerweile in der Lage sind, mit den bestehenden Technologien Videos zu produzieren, so Sam Dolnick, der für die VR verantwortliche New York Times Redakteur:

Es gibt eine Reihe neuer Fragen zu der Technologie, zur Erzählkunst und zur Bearbeitung. Was es so spannend macht, ist, dass jeder sich mit den Fragen neu auseinandersetzt. Sogar unsere Experten arbeiten erst seit einem Jahr daran. Daher fühlt sich alles so offen an.

Dolnick sagt, dass virtuelle Realität ihr größtes Potenzial entfaltet, wenn sie Menschen an Orte transportiert, die sie alleine nicht besichtigen können. So ist die virtuelle Reise auf den Pluto eine der mächtigsten Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technologien. Aber die Times bearbeitet noch weitere Projekte. Diese Woche erklärte sie, dass sie gerade an ihrer ersten Reihe von Episodenfilmen arbeite, um damit den einmaligen Zugang zur virtuellen Realität, den sie und andere Nachrichtenagenturen eröffnet haben, weiter auszubauen.

Ich habe mit Dolnick über die Annäherung der Times an die virtuelle Realität sowie die entstehenden ethischen Grundlagen für VR-Journalismus gesprochen und gefragt, welche Zukunft die Times für das, was sie „meditative VR“ nennt, sieht.

 

Ricardo Bilton (RB): „Auf der Suche nach Plutos kaltem Herzen” und „Die Verdrängten” scheinen ganz andere Schwerpunkte zu haben. Wie gehören sie zusammen?

Sam Dolnick (SD): Sie sind in der Tat ganz unterschiedliche Filme, aber der rote Faden ist, dass sie beide auf clevere Art und Weise das Medium benutzen. Von „Die Verdrängten” haben wir gehört, dass die Zuschauer sich auf eine Art mit den Kindern im Film verbunden fühlten, wie es für einen traditionellen Nachrichtenartikel eher schwierig zu erreichen ist. Wir haben Hunderte von Geschichten über die Flüchtlingskrise geschrieben, doch was wir immer wieder von den Leuten hörten, war, dass sie mittlerweile abgehärtet waren. Mit diesem neuen Medium konnten sie den Kindern aber in die Augen sehen, was einen bleibenden Eindruck hinterließ und sie nachhaltig schockierte.

Das Pluto-Projekt ist insofern eine neue Nutzung des Mediums, als dass es einen an einen Ort bringt, den man eigentlich niemals betreten könnte, und einen die Wunder eines neuen, fremden Planeten erleben lässt – und zwar auf eine Art und Weise, wie es eine traditionelle Geschichte oder sogar ein traditionelles Video nicht vermögen.

RB: Wie halten Sie die Leute bei der Stange? Viele dieser VR-Projekte machen zunächst einen großen Wirbel, doch dann vergessen die Leute sie schnell wieder.

SD: Wir erwarten von unserer VR-App nicht, dass sie zur täglichen Gewohnheit wird, wie unsere Haupt-Nachrichtenapp. Aber wir haben eine Vielzahl an Wegen gefunden, die Leute wieder zurückkommen zu lassen. Wir senden zum Beispiel Push-Benachrichtigungen bei neuen Videos, schreiben E-Mail-Newsletter, promoten unsere Webseite mobil und in den sozialen Netzwerken. Wir haben eine Menge Kanäle, über die wir die Leute erreichen können.

Wir freuen uns außerdem darauf, dieses Jahr unsere Episodenfilme herauszubringen. Die Idee ist, richtige VR-Shows zu produzieren, die einen verbindenden roten Faden und eine Serienstruktur haben. Wir sind der Meinung, dass wir so die Leute längerfristig zum Wiederkommen bewegen können.

RB: Ein anderer bedeutender Teil ist doch offenbar auch, die Leute mit dem passenden Equipment zusammenzubringen, nicht wahr?

SD: Ja. Hätten wir unser erstes Video veröffentlicht und dann einfach Feierabend gemacht, hätte es niemand geguckt. Der Grund für die große Resonanz war, dass Google uns einen gewaltigen Vertrauensvorschuss entgegenbrachte und uns half, eine Million Pappbrillen zu liefern. Ohne die Headsets geht es nicht.

RB: Was ist mit unterschiedlichen Themen?

SD: Wir werden uns weiterhin auf die großen Geschichten konzentrieren. Aber wir werden ebenfalls VR-Filme machen, die sich mit Style und Kultur beschäftigen. Die New York Times ist da vielschichtig. Wir experimentieren außerdem mit Formaten. Wir beschäftigen uns gerade mit einem Erlebnis, das wir scherzhaft „meditative VR“ nennen. Dies sind ungeschnittene Videos von wunderschönen Orten , die aus einer einzigen Einstellung heraus aufgenommen wurden. So kann man zum Beispiel bei Sonnenuntergang an einem jamaikanischen Strand sein oder an einem kanadischen Wasserfall. Sie sind genau dort in dem Moment. Sie schauen sich um. Es gibt keine Geschichte und es passiert nichts weiter. Ich würde es nicht einmal unbedingt Journalismus nennen. Es ist einfach etwas sehr Mitreißendes, etwas, das in der virtuellen Realität sehr eindrucksvoll wirken kann.

RB: Eine der Nebenwirkungen des Einsatzes dieser neuen Technologien ist, dass man auch mit neuen ethischen Fragestellungen konfrontiert wird. Bei „Die Verdrängten“ wurden Bedenken geäußert, wie und ob sich die Produzenten verstecken sollten, so dass sie nicht innerhalb der 360-Grad-Kamera zu sehen waren. Ist das eine ethische Problematik im Zusammenhang mit neuen Technologien?

SD: Das stimmt nicht. VR ist nicht arrangierter als andere Filme auch. Man positioniert die Kamera und oft verlässt man den Raum, um zu schauen, was passiert. Der Videojournalist Ben Solomon, der Co-Regisseur von „Die Verdrängten“ sagt, dass ein Videodreh oft wie das Jagen mit einem Gewehr ist – man weiß genau, hinter was man her ist.

VR zu drehen ist dagegen eher wie das Aufstellen einer Bärenfalle. Man stellt sie hin und hofft das Beste. Es ist eine andere Art der Erzählkunst, aber ich bin nicht der Ansicht, dass man von einer inhärenten journalistischen Kompromittierung sprechen kann. Man kann es theoretisch auf eine unaufrichtige Art und Weise machen, aber das ist nicht die Herangehensweise, die wir verfolgen.

RB: Es hat den Anschein, dass die ethischen Grundlagen der VR, journalistisch gesehen, ziemlich fließend sein werden, wenn die Leute sich auf die neue Technologie eingestellt haben.

SD: Es wird anders sein. Traditionellerweise erscheint der Videojournalist in Dokumentationen nicht. Er ist hinter der Kamera, nicht im Bild. Vielleicht werden wir akzeptieren, dass in der virtuellen Realität der Regisseur innerhalb des Bildes ist, man ihn also sehen kann, und dies ein Teil der Transparenz ist. Am wichtigsten ist es, dass die Zuschauer verstehen, was wir tun und was sie sehen, und dass wir transparent und offen hinsichtlich des gesamten Prozesses sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Caucus Tourism: Virtual Campaigning“ by Phil Roeder (CC BY 2.0)


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • Facebook tn3: Trinkgeld für Beiträge: Facebook überlegt Monetarisierung für seine Nutzer Um eine Bandbreite an Kunden zu erreichen, braucht es mehr als die traditionellen Marketingstrategien. Viele Unternehmen steigen auf Influencer Marketing um oder zeigen zu mindestens ihr Interessen. Demnach ist Social Media der Ort zur Monetarisierung. Auch Facebook überlegt sich aktiv mitzumachen und Beiträge direkt mit Geld zu verbinden. Noch werden Meinungen von Nutzer zum neuen Konzept eingeholt, aber eine Umsetzung wäre nicht so abwegig.
  • Apple Golem: Apple Maps für den Browser: Bislang war Google Maps der Vorreiter für Kartenlesen im Web. Das könnte sich in Zukunft ändern, denn die Konkurrenz schläft nicht. Zuvor gab es die Apple Karte nur für die eigenen Geräte, aber ab jetzt gibt es die Apple Karte auch für jeden anderen Browser. Zwar kann die Apple Karte noch nicht mit Google Maps mithalten, was aber nicht bedeuten soll, dass Apple an weiteren Funktionen für die Verbesserung der Karte tüftelt.
  • WhatsApp Mashable: The Indian state requires users to get a government permit to create WhatsApp groups: Sollte mit der neuen Ende-zu-Ende Verschlüsselung von WhatsApp nicht für die Privatsphäre der Nutzer gesorgt werden? So scheint das neue Gesetz für das Erstellen von WhatsApp Gruppen in Indien total lächerlich. Hiernach müssen WhatsApp Gruppen vor ihrer Gründung erst genehmigt werden, damit der Staat diese später überwachen kann. Werden Verstöße gegen das Gesetz entdeckt, könnte dies zu strafrechtlichen Folgen führen.
  • Start-Up Gründerszene: Vier Freunde aus Deutschland bilden junge Kenianer zu Techies aus: Das Start-Up „Learning Lions“ versucht mit ihrem Projekt die Perspektive der jungen Menschen in Kenia aufzubauen. Sie bieten dreimonatige Kurse an, in denen junge Menschen in den Bereichen Software Development, Grafik-Design und Media-Production ausgebildet werden. Nach dem dreimonatigen Kurs können, nach Ablegung einer bestanden Prüfung, weitere vertiefende Kurse belegt werden. Das Ziel ist es, sie in die technisch basierte Arbeitswelt zu integrieren, um ihnen eine Zukunftsaussicht zu bieten.
  • Youtubeheise: Online-Hetze: Werbeclips mit Flüchtlingen sollen rechte Online Videos kontern: Mit dem Andrang von Flüchtlingen, steigt auch der Anstieg der rechten Anhängern. Durch die Meinungsfreiheit die in Deutschland herrscht, ist es schwer, Videos mit rechtem Inhalt zu verbieten oder gar aus dem Internet zu löschen. Um gegen solche Videos und dem Suchen nach solchen Videos entgegenzuwirken, werden vor dem gesuchten Video-Werbeclips abgespielt, die den Besucher vom weiterschauen des Videos abraten.

Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Twitter im Jahr 2015: Die Top-Hashtags

Lots of Hash (adapted) (Image by Michael Coghlan [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu. Es ist viel passiert. Doch welche Themen hat die Twitter-Welt besonders beschäftigt?

Ein turbulentes Jahr liegt hinter der Netzgemeinde – ihr erinnert euch bestimmt noch an ein paar Hashtags, die das Jahr 2015 mitbestimmt haben. Hierbei wird besonders deutlich, wie sehr Twitter mittlerweile Teil unserer modernen Gesellschaft geworden ist. Bestimmte Hashtags haben sich sogar in den ganz alltäglichen Sprachgebrauch eingebracht. Welche das 2015 waren, haben wir in unserem Jahresrückblick für euch zusammengestellt.

10. #CallMeCaitlyn: Ein Mann entdeckt seine Transsexualität – und die Welt schaut zu

Das hat noch nicht mal US-Präsident Barack Obama geschafft: Am 1. Juni meldete sich Caitlyn “Bruce” Jenner bei Twitter an und hatte innerhalb von vier Stunden eine Million Follower. Diese Leistung wurde sogleich honoriert:

“4 Stunden und 3 Minuten! @Caitlyn_Jenner hat gerade einen neuen Rekord im schnellsten Erreichen von einer Million Followern auf Twitter aufgestellt.” Jenner fasziniert mit einem ungewöhnlichen Lebenslauf. Als Mann geboren, war sie in jungen Jahren im Zehnkampf erfolgreich und trat mehrmals bei den Olympischen Spielen an. Später widmete sie sich der Schauspielerei. Von 1991 bis 2015 war sie in dritter Ehe mit Kris Jenner, der Mutter von Kim Kardashian, verheiratet und hat mit ihr zwei leibliche Kinder. Anfang 2015 outete sie sich überraschend als transsexuell und ließ geschlechtsangleichende Operationen vornehmen.

Ich bin so glücklich, nach einem so langen Kampf mein wahres Ich zu leben. Willkommen auf dieser Welt, Caitlyn. Ich kann es gar nicht erwarten, sie/mich kennenzulernen.

9. #TheDress – Welche Farbe hat das Kleid?

Diese Frage stellten sich Ende Februar Menschen auf der ganzen Welt, als ein Foto von einem Kleid im Social Web kursierte. Viele waren der Ansicht, es sei blau-schwarz. Andere hielten es für weiß-gold.

“Ich bin noch nie so frustriert gewesen #TheDress #weißundgold” Britische Medien haben nun den Ursprung dieses viralen Trends herausgefunden. Dahinter steckt keine Werbestrategie eines Modeunternehmens, sondern einer Dame, die mit sozialen Medien so gar nichts zu tun hat. Cecilia Bleasdale hatte das Kleid für die Hochzeit ihrer Tochter gekauft. Dann die Überraschung: In ihrer Familie war man sich uneinig, ob es nun blau-schwarz oder weiß-gold ist. Ihr Tochter habe sogar gesagt, wenn sie denke, dass es blau und schwarz sei, solle sie zum Augenarzt gehen. An die Öffentlichkeit gelangte dieses Mysterium schließlich über eine Freundin ihrer Tochter. Diese postete das Foto des Kleides auf ihrem Tumblr-Blog, von welchem aus es weiter verbreitet wurde. 8. #PlutoFlyby – NASA goes Pluto Mitte Juli erforschte eine Raumsonde der NASA erstmals den Zwergplaneten Pluto. Dabei wurden hochauflösende Fotos geschossen, die ihn von Nahem zeigten. Viele Twitteruser ließen sich das Spektakel nicht entgehen:

“Mein Interesse an Astronomie war irgendwie auf Eis gelegt im letzten Jahr, es ist Zeit, das Teleskop rauszukramen! #PlutoFlyBy

7. #FIFAWWC – Frauen am Ball

Im Juni und Juli fand die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada statt. Die Fans fieberten auf Twitter mit und tauschten sich aus.

#FIFA muss noch bestätigen, wer den #FIFAWWC – Pokal am Sonntag dem Gewinnerteam überreichen wird. Man nimmt an, dass es Hayatou sein wird, aber noch gibt es keine Bestätigung” Im Finale gewann übrigens die USA gegen Japan mit 5:2 und sicherte sich somit den Weltmeistertitel. 6. National Elections – die Welt geht wählen 2015 war das Jahr der Wahlen. Argentinien, Kanada, Singapur, Indien und Großbritannien haben ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Ein wichtiges Ereignis, über das auch im Vorfeld schon eifrig getwittert wurde.

Oje… die Wahlen sind morgen… meine erste Möglichkeit, zu wählen und ich weiß immer noch nicht, wen ich wählen soll.”

5. #IStandWithAhmed – Solidarität mit US-amerikanischem Schüler

Dass die Angst vor Terroranschlägen permanent präsent ist, musste im September der 14-jährige Ahmed Mohammed aus Texas am eigenen Leib erfahren. Nichtsahnend brachte er seine selbstgebastelte Digitaluhr in die Schule – und wurde prompt festgenommen und in Handschellen abgeführt. Der Grund: Man hatte die Uhr für eine Bombe gehalten. Ein Foto von ihm wurde daraufhin auf Twitter verbreitet und sorgte für Empörung. Sogar Präsident Barack Obama setzte sich mit einem Tweet für den Jungen ein:

Coole Uhr, Ahmed. Möchtest du sie ins Weiße Haus bringen? Wir sollten mehr Kinder wie dich dazu inspirieren, sich für Wissenschaft zu interessieren. Das ist es, was Amerika großartig macht.4. #RefugeesWelcome – Europa zeigt seine Toleranz gegenüber Menschen auf der Flucht 2015 war auch ein Jahr, in dem Menschen aus ihrer Heimat fliehen mussten. Beinahe kein Tag verging ohne Meldungen aus Politik und Nachbarschaft. Viele Menschen solidarisierten sich mit den Asyl suchenden Menschen auf der Flucht und engagierten sich um zu Helfen. Der Hashtag “#RefugeesWelcome” entstand. Er steht für Weltoffenheit, Toleranz und kulturelle Vielfalt. 3. #MarriageEquality – die USA legalisiert die gleichgeschlechtliche Ehe Auch in den USA wurde ein Zeichen der Toleranz gesetzt, und zwar für gleichgeschlechtliche Paare. In allen 50 Staaten ist seit dem 26. Juni die gleichgeschlechtliche Ehe rechtlich erlaubt. Vorher war diese nur in 36 Staaten möglich. Weltweit freuten sich Menschen aller sexuellen Orientierungen über diese Entscheidung.

Ein Gesetzentwurf, den man schon viel eher verabschieden hätte sollen. Was für ein unglaubliches Zeichen der Freiheit. #LiebeGewinnt #MarriageEquality

2. #BlackLivesMatter – Afroamerikaner kämpfen gegen Gewalt und Rassismus

Diese Bewegung gibt es bereits seit 2013, sie nahm auf den sozialen Netzwerken ihren Ursprung. Auslöser war die Vielzahl an Übergriffen seitens der Polizei gegenüber Dunkelhäutigen. 2015 konnten die Aktivisten mit Protesten und Demonstrationen international auf sich aufmerksam machen.

“Bei #BlackLivesMatter geht es nicht nur um die Wertschätzung der Opfer der Polizeigewalt. Es geht um die Wertschätzung aller Schwarzen.1. #PrayForParis – Anteilnahme für die Opfer der Anschläge Nur 10 Monate nach den Anschlägen auf die “Charlie Hebdo”-Redaktion wurde die Hauptstadt von Paris erneut durch Terrorismus erschüttert: Gleich mehrere Attentate rissen am 13. November 130 Menschen in den Tod, mehr als 350 wurden verletzt. Diese traurige Nachricht war auch auf Twitter Thema.

#PrayForParis – das ist furchtbar, ich kann nicht glauben, dass Menschen so herzlos sein können. All meine Gedanken sind bei euch.


Image (adapted) “Lots of Hash” by Michael Coghlan (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 20. November

In unseren Lesetipps geht es heute um Google und sein Cloud-Business,  gespendetes WLAN, Youtube-Optimierung, den Online-Möbelmarkt und Stressmanagement. Ergänzungen erwünscht.

  • GOOGLE Umbau: Google stellt das Cloud-Geschäft neu auf und setzt sich sehr ambitionierte Ziele – GWB: Google organisiert sein Cloud-Business neu und setzt sich noch größere Ziele. Viele Privatanbieter nutzen die kostenlosen Angebote von Google zur Speicherung von Dokumenten, Bilder, Videos etc. Für Business-Kunden, also verschiedene Unternehmen, sieht der Dienst bisher noch anders aus und muss sich in Konkurrenz mit anderen großen Anbietern, wie Microsoft und Amazon, stellen. CEO Sundar Pichai teilte mit, dass alle Angebote für die Auslagerung von Daten der Business-Kunden, sowohl die Cloud Platform als auch Apps und Google for Work, in eine neue Cloud zusammengefasst werden sollen.

  • WLAN t3n: Freifunk für Flüchtlinge: TP-Link spendet über 1.000 WLAN-Router: Kostenfreies WLAN für Flüchtlingsunterkünfte. TP-Link möchte die oft schwierige Kommunikations-Situation von Flüchtlingen mit ihren Familien verbessern. Mit einer Spende an den Förderverein Freie Netzwerke e.V. von über 1.000 WLAN-Routern soll dies gewährleistet werden. Der Förderverein hat die Geräte an 50 lokale Freifunk-Gruppen verteilt. Die freiwilligen Helfer vor Ort sorgen für eine Einrichtung der Router.

  • YOUTUBE Business2community: How to Optimise on YouTube: Youtube ist die perfekte Plattform, um sich ein Publikum aufzubauen und dieses mit spannenden Videos zu entertainen. Um das Publikum zu halten und um es bestenfalls zu maximieren, sollten die Videobeiträge natürlich eine gewisse Kreativität mit sich bringen. Doch wie kann man seinen Youtube-Channel und die Videos noch optimieren? Es gibt da ein paar Möglichkeiten, um sowohl den Channel als auch die Videos an sich zu perfektionieren. Eine davon ist, wirkungsvolle Fotos auf dem eigenen Profil zu verwenden. Beim den Videos ist es zum Beispiel die Titelwahl von großer Bedeutung. Die Wahl der Schlagworte sollte natürlich genau darauf abgestimmt sein, wo der Fokus beim Thema des Videos liegt.

  • ONLINE-MÖBELMARKT Gründerszene: Möbelshopping per Whatsapp: Der Möbel-Markt im E-Commerce-Bereich ist auf dem Vormarsch. Das im September gestartete Startup-Unternehmen Furnitects, mit David Uhde als Gründer, will sich Online als Berater zur passenden Einrichtung einen Namen machen. Der große Schritt in diese Richtung ist neben dem Bereitstellen einer Beratung im Web, diese auch einfaches halber über den Messenger Whatsapp zu gewährleisten. Neben ähnlichen Unternehmen, wie 99chairs und GoButler will sich Furnitects mit der Whatsapp-Funktion von deren Angebot abheben und ausgehend von den bisherigen Erfolgen weiter wachsen.

  • STRESSMANAGEMENT SmartCompany: Six ways to manage the stress of being an entrepreneur: Was tun wenn es mal wieder stressig wird im Job? Als Unternehmer gerät man schnell in die Situation, wo die Arbeit einem über den Kopf wächst. Diese stressigen Momente richtig zu managen ist dabei von zentraler Bedeutung, um auch den Mitarbeitern und dem Unternehmen nicht zu schaden. Man sollte eine kühlen Kopf bewahren und sich auf die wichtigen Aufgaben fokussieren und den Stress, der Teil des Lebens als Unternehmer ist, akzeptieren. Ein paar effiziente Tipps können helfen, Stress zu minimieren. Wichtige Faktoren sind dabei ausreichender Schlaf, ausgewogene Ernährung und vor allem auch positives Denken in Bezug auf die anstehenden Aufgaben.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Digitale Hilfe für Flüchtlinge zwischen Regierung und Zivilgesellschaft

smartphone teen (adapted) (Image by Pabak Sarkar [CC BY 2.0] via flickr)

Im Netz finden sich viele wichtige Informationen für Flüchtlinge und Helfer. Online-Angebote der Bundesländer setzen dabei auf ganz unterschiedliche Formate.

Das Netz ist beim Geschehen um Flucht und Aufnahme von Flüchtlingen nicht nur ein Ort polemischer Auseinandersetzung sondern auch spontaner Selbstorganisation. Dies betrifft die Flüchtlinge, für die Smartphones und soziale Netzwerke essenzielle Instrumente sind, aber auch die Flüchtlingshilfe, in deren Kontext sich bislang nicht vernetzte Freiwillige zuweilen grenzüberschreitend koordinieren. Politisch-administrative Angebote können diese Dynamik nur mit einigem Zeitverzug nachvollziehen. Die betreffenden Plattformen verfolgen dabei diverse Ziele, wie ein Blick auf drei Bundesländer zeigt.

Relativ früh war die hessische Landesregierung mit einem Online-Angebot am Start, allerdings handelt es sich dabei lediglich um eine themenspezifische Variante des Portals hessen.de. Ebenso wie die Landesministerien dort eigene Dependancen unterhalten, gibt es jetzt fluechtlinge.hessen.de. Und im selben Format wie bei Finanzen oder Wirtschaft werden hier maßgeblich einschlägige Inhalte aus der Öffentlichkeitsarbeit der einzelnen Ressorts sowie der Staatskanzlei präsentiert.

Insofern wird hier vor allem über die aktuelle Arbeit der Administration berichtet, sowie dem deutschsprachigen Publikum die Einrichtungen und Maßnahmen der Asylpolitik erklärt. Abgesehen von einem Formular zur Einreichung privater Unterkunftsangebote für Asylbewerbende, wird für Mitmach-Möglichkeiten eher auf existierende respektive externe Angebote verwiesen, wie die als Schnittstelle zwischen Hilfsgesuchen und Hilfsangeboten konzipierte Plattform peoplelikeme.hr.de, für die der Hessische Rundfunk verantwortlich ist.

Ein solches Matching-Tool bietet in Nordrhein-Westfalen die Landesregierung selbst an: ich-helfe.nrw ist eine Börse, die die Zivilgesellschaft bei der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe unterstützen soll. Dazu werden lokale Initiativen inklusive ihres Bedarfs an Sach-, Zeitspenden und insbesondere Übersetzungsleistungen erschlossen. Das ist praxisnah, doch bevor Interessierte zur zentralen Eingabemaske gelangen, sollen sie dann doch erst ein Video der Ministerpräsidentin zur Kenntnis nehmen, in dem Hannelore Kraft das Angebot vorstellt.

Wenig politische PR trotz Wahlen

Konsequent an Flüchtlingen als Zielgruppe orientiert, zeigen sich hingegen zwei Angebote aus Rheinland-Pfalz. Das beginnt bei der Ausrichtung am englischen Begriff “refugee” bei refugees.rlp.de und einer Ausführung der Inhalte in drei Sprachen – derzeit Deutsch, Englisch und Arabisch, weitere sollen folgen. Geliefert werden vorrangig Informationen zum Asylverfahren und zum Leben in Deutschland. Hilfreich dürfte für Flüchtlinge sein, dass die Darstellung für die Anzeige auf Mobilgeräten gut geeignet ist.

Dies gilt auch für ein spezialisiertes Angebot, das die Studienmöglichkeiten für Flüchtlinge im Bundesland vorstellt. Der konkrete Weg zum Studium lässt sich unter studium-fluechtlinge-rlp.de schrittweise durch Beantwortung von Fragen ermitteln. Interessant ist, dass die rheinland-pfälzische Regierungskommunikation im Vergleich am wenigsten Aspekte politischer PR aufweist, obgleich hier bald Landtagswahlen anstehen, und die aktuelle Stimmungslage für die rot-grüne Koalition den Erhebungen des ZDF-Politbarometers zufolge nicht gerade günstig aussieht.

Civic Tech und E-Government

Bei der adäquaten Aufbereitung von Inhalten durch Online-Angebote, die sich am Informationsbedarf der Flüchtlinge orientieren, lassen sich Defizite bei der Regierungskommunikation noch durch bürgerschaftliches Engagement kompensieren wie zahlreiche “Civic-Tech”-Projekte zeigen.

Die eigentliche Herausforderung liegt für staatliche Stellen derzeit bei der Registrierung, wie der Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Franz-Reinhard Habbel, in einem umfangreichen Überblick unter dem Titel “Integration durch Digitalisierung” zeigt. Die aktuelle Situation offenbart nämlich den digitalen Modernisierungsbedarf der Verwaltung und die nach wie vor bestehende Notwendigkeit eines entsprechenden Mentalitätswandels: Es geht nicht um die Einführung und Nutzung proprietärer Software für spezialisierte IT-Problemlösungen, sondern um E-Government-Konzepte, die sich an Partizipation, Responsivität und Transparenz orientieren.

Eine solche Transformation maximiert dann wiederum die Möglichkeiten für kollaborative Projekte einer digitalen Zivilgesellschaft, die im Zuge der Flüchtlingshilfe auch in Deutschland an Kontur gewonnen hat.


Image (adapted) “smartphone teen” by Pabak Sarkar (CC BY 2.0)


 

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Syrische Flüchtlinge dokumentieren ihre Flucht via Social Media

Syrian Refugees Crisis - HUNGARY IGNORANCE (adapted) (Image by Freedom House [CC0 Public Domain] via Flickr)

Syrische Flüchtlinge dokumentieren ihre Flucht auf Instagram und Facebook mit Smartphone-Schnappschüssen. Fotos sind für syrische Flüchtlinge oft der einzige Weg, um ihre Flucht in Erinnerung zu behalten und zu dokumentieren. Doch viele von ihnen haben die Bilder ihrer Flucht nicht nur geknipst, sondern sie danach auch auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook veröffentlicht: als Erinnerung, als Mahnung, als Nachricht und als Botschaft. In einem Hotel in Athen hat Netzpiloten-Autorin Marinela Potor zwei syrische Flüchtlinge getroffen, die ihr ihre Geschichte erzählt haben, zusammen mit Fotos von der Flucht.

Wer in den Urlaub fährt, macht Fotos. Wer als Syrer auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung ist auch. Was zunächst merkwürdig anmutet, ist eigentlich ganz logisch. Viele Flüchtlinge posten ihre Fotos auf sozialen Netzwerken, nicht nur um die Flucht zu illustrieren und festzuhalten, sondern auch um sie zu verarbeiten. Um ihren zurückgebliebenen Verwandten und Freunden zu zeigen, dass es ihnen gut geht. Um anderen Flüchtlingen Hoffnung zu machen. Um auf der schwierigen Flucht wenigstens einige wenige schöne Momente zu schaffen – selbst wenn es nur das Lächeln für den Schnappschuss ist.

Eindrucksvolle Fluchttagebücher in Bildern

So haben auch Maziad Aloush und Kamal Kawsara ihre Flucht aus Syrien, Land um Land, Grenzzaun um Grenzzaun, in Bildern festgehalten. Maziad ist mit seinen Brüdern per Boot und über Land nach Deutschland geflüchtet. Kamal ist über Boote, Busse und ein Flugzeug nach Belgien geflohen. Ihre Flucht-Fotos haben sie mit ihren Smartphones gemacht, um sie später auf Facebook oder Instagram zu veröffentlichen.

Auch Monate nach ihrer Flucht, schauen sie noch die alten Bilder an und erinnern sich and beschwerliche, aber auch an schöne Momente ihrer Flucht. Viele der Fotos erinnern in ihrer Selfie-Pose an ganz normale Urlaubsfotos, doch wer genau hinguckt erkennt schnell: diese Fotos haben wenig mit einem entspannten Ferienausflug zu tun. Sie zeigen wie die Flüchtlinge tagelang zu Fuß über die Balkanroute wandern, wie sie ohne Essen und ohne ein Dach über dem Kopf Schritt für Schritt ihrem Zielland näher kommen.

Flüchtlingsbilder wie die von Maziad und Kamal zeigen die schwierigsten, aber auch die hoffnungsvollsten Momente ihrer Flucht. So ist ein eindrucksvolles Bild-Tagebuch ihrer Flucht entstanden.

Ankunft in Europa

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

Endlich Europa! Maziad hat zum ersten Mal in seinem Leben (und das auch noch Nachts im Dunkeln) ein Boot gesteuert, um aus der Türkei zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen. Nachdem ihm ein Schlepper um all sein Erspartes betrogen hatte, konnte er es sich nur so leisten, sich und seine zwei Brüder nach Europa zu bringen. Während Kamal tagelang vergeblich darauf wartet, mit gefälschten Pass per Flugzeug nach Frankreich zu fliegen, schaut er sich die Akropolis an. “Ich musste dabei an Syrien denken und wie viele historische Bauten dort durch den Krieg zerstört wurden.”

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

Um nach Mazedonien zu kommen, mussten Maziad und seine Gruppe 84 Kilometer zu Fuß durch den Wald stapfen. “Wir hatten nur Datteln zu essen und sehr wenig Wasser. An einem Punkt hatten wir kein Wasser mehr, und es war sehr heiß. Genau dann sind wir an eine Bergquelle gekommen – das war das beste Wasser, was ich je getrunken habe.” Einen einfacheren Weg gibt es nicht, denn dies ist die einzige Route, mit der Maziad und die anderen die strikten Grenzkontrollen in Mazedonien umgehen.

Kamal hat es mit sieben falschen Pässen nicht geschafft, einen Flug nach Frankreich zu bekommen. Er beschließt deswegen, mit dem Boot zurück nach Rhodos zu fahren und hofft, dass er dort mit seinem allerletzen Pass durch die Passkontrolle gelassen wird.

Die neue Heimat

Kamal hatte Glück. Er konnte mit seinem letzten Pass von Rhodos nach Paris fliegen. Hier holt ihn sein Bruder ab und sie fahren gemeinsam in Kamals neue Heimatstadt: Brüssel. Seit drei Monaten ist er mittlerweile hier und lernt schon fleißig Französisch: “Ich fühle mich sehr wohl hier und hoffe, dass ich die Sprache schnell lerne und mich möglichst schnell in die Gesellschaft aktiv einbringen kann.”

Nach vielen Monaten auf der Flucht sind sie endlich am Ziel. Maziad und seine Brüder werden von ihrem Cousin in Düsseldorf am Bahnhof abgeholt. Mittlerweile sind sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Dorsten bei Dortmund – und warten immer noch darauf, dass ihr Aufenthaltsantrag geprüft wird.

Auch er sieht seine Zukunft in Deutschland: “Ich hoffe, es dauert nicht mehr lange, bis wir die Papiere haben. Dann kann ich endlich anfangen zu arbeiten und ein Flugticket für meine Eltern kaufen. Sie sind noch in Syrien – und sie sollen nicht wie ich über Land nach Deutschland kommen müssen.”

Unvergessliche Bilder

Wie auch viele andere Flüchtlinge haben auch Maziad und Kamal ihre Flucht nicht nur für sich, sondern auch für andere in Bildern auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Twitter festgehalten. Sie werden ihre Flucht sicherlich niemals vergessen, doch sie wollen auch, dass die Welt sie nicht vergisst. Ihre Bitte an die Netzpiloten: “Bitte veröffentlicht unsere Fotos! Wir möchten, dass so viele Menschen wie möglich unsere Bilder und unsere Geschichte sehen!”


Image (adapted) “Syrian Refugees Crisis – HUNGARY IGNORANCE” by Freedom House (CC0 Public Domain)


 

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Willkommen in Deutschland: Digitale Hilfe für Flüchtlinge

Welcome asylum seekers and refugees - Refugee Action protest 27 July 2013 Melbourne (adapted) (Image by Takver [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die Flüchtlinge sind da. Und nun? Für viele von ihnen beginnt damit ein komplett neues Leben in Deutschland, weit entfernt von ihrer Heimat, in einem Land das ihnen noch fremd erscheint. “Wir wollen diesen Menschen Deutschland näher bringen und ihnen den Einstieg erleichtern”, haben sich da viele engagierte Bürger gedacht – und genau zu diesem Zweck zahlreiche Webseiten und Apps entwickelt. Was steckt hinter den Apps? Was können sie? Und: Was für Hilfe bieten sie den Flüchtlingen?

Die Stadt-Apps für das Smartphone oder Tablet

Die Dresdner Welcome App war eine der ersten Smartphone-Apps, die speziell für Flüchtlinge entwickelt wurde. Entwickelt wurde die App von den Dresdner IT-Unternehmen Saxonia Systems AG und der Heinrich & Reuter Solutions GmbH. Welcome to Dresden hilft neu angekommenen Flüchtlingen in Dresden zum Beispiel bei der Arztsuche oder gibt Tipps zu ersten Schritten im Asylverfahren.

Viola Klein, Geschäftsführerin von Saxonia Systems AG sagt, die Idee zur App war eine ganz natürliche Entwicklung: “In unserem Unternehmen haben wir 230 Mitarbeiter aus 11 Nationen und sind es einfach gewohnt mit fremden Kulturen zu arbeiten. Ich finde das wunderbar, das bereichert!” Für Viola Klein gibt es viele Dinge vor denen wir Angst haben sollten, aber Flüchtlinge gehören für sie nicht dazu. Ganz im Gegenteil. So wurde die App auch gemeinsam mit Flüchtlingen entwickelt, um deren brennendste Fragen möglichst einfach und schnell zu beantworten. Die App gibt es mittlerweile für alle drei mobilen Betriebssysteme und soll bald in zehn Sprachen erscheinen. Auch andere deutsche Städte wollen die Welcome-to-Dresden-App übernehmen.

Der Witten City Guide folgt einem ähnlichen Prinzip. Die App bietet Flüchtlingen Informationstexte in verschiedenen Sprachen. Darüber hinaus können Nutzer über die “around me”-Suche wichtige Orte in ihrer unmittelbaren Nähe auf der Karte finden.

Die App war ursprünglich für Bürger und Touristen gedacht. Über den Witten City Guide konnten sie sich über alles Wichtige aus Witten informieren. Die Idee, diese App mit Informationen für Flüchtlinge zu erweitern, kam der Stadt da sehr schnell: “Natürlich fehlt es bei uns vor Ort an verständlichen Informationen und an Hinweisen in der Muttersprache von Asylbewerbern, die Neuankömmlingen wenigstens die ersten Schritte im neuen Land erleichtern”, erklärt Astrid Raith von der Stadt Witten. Schon war der Witten City Guide mit spezieller Hilfe für Flüchtlinge ins Leben gerufen.

Interaktive Stadtpläne: Afeefa Dresden und InfoCompass Berlin

Die beiden Webseiten Afeefa (kurz für: alle für einen und einer für alle) aus Dresden und InfoCompass Berlin arbeiten mit Stadtplänen, um Flüchtlingen das Navigieren in diesen beiden Städten zu erleichtern. Afeefa geht es dabei vor allem um die Vernetzung zwischen Behörden, Organisationen, engagierten Bürgern und Flüchtlingen. Die Webseite versteht sich als “Dreh- und Angelpunkt der zahlreichen und vielseitigen Angebote von und für geflüchtete und engagierte Menschen” in Dresden. Hier finden Flüchtlinge nicht nur praktische Informationen zum Aufnahmeverfahren, sondern auch aktuelle Veranstaltungen sowie eine Börse für Angebote und Gesuche für Flüchtlinge und Bürger, die helfen wollen.

Dresdner App für Flüchtlinge: afeefa – alle für einen und einer für alle
Dresdner App für Flüchtlinge: afeefa – alle für einen und einer für alle

Felix Schönfeld und Joschka Heinrich, verantwortlich für das Konzept und die Programmierung der Webseite, haben viele Stunden in die Entwicklung des Internetauftritts gesteckt. “Das Ganze fing erst als Gegenbewegung zu Pegida an und wurde dann zu einem Netzwerk engagierter Bürger. Jeder hat dabei viele Informationen über und für Flüchtlinge zusammen getragen. Da wurde schnell klar, dass wir eigentlich eine Softwarelösung brauchen.” So entstanden schließlich die Webseite, die mittlerweile in zehn Sprachen von Urdu bis Tigrinya verfügbar ist, sowie die Facebook-Kontaktseite zu Afeefa.

InfoCompass Berlin ist ebenfalls entstanden, weil sich engagierte Menschen in Berlin Reinickendorf gefragt haben: “Wie können wir Flüchtlingen vor Ort helfen?” Das Ergebnis ist eine Landkarte geworden, mit wichtigen Informationen für Flüchtlinge. Hier finden Flüchtlinge Sprachschulen, Kitas oder psychologischer Betreuung, sowie die InfoPoints von InfoCompass Berlin. Flüchtlinge können auf der Webseite oder per mobiler App alle InfoPoints in ihrer Nähe sehen. Diese Infopunkte werden drei Mal pro Woche geöffnet und engagierte Bürger verteilen hier Informationen für Flüchtlinge und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Darüber hinaus gibt es auf InfoCompass auch InfoVideos zu wichtigen Themen.

Den Gründern war es dabei wichtig, dass sich so auch Migranten selbst einbringen können, um andere Flüchtlinge zu beraten oder selbst Veranstaltungen zu organisieren. Den InfoCompass Berlin gibt es mittlerweile in sechs Sprachen für Berlin Reinickendorf und Westend.

Hilfe bei der Jobsuche: SelfieJobs und Workeer

SelfieJobs hat einem etwas anderen Ansatz. Die App aus Schweden wurde eigentlich für junge Menschen entwickelt, um die Jobsuche einfach und vor allem schneller zu machen. Jobsuchende erstellen bei SelfieJobs ein Profil, laden ihren Lebenslauf hoch und stellen sich mit einem kurzen Bewerbungsvideo vor. Arbeitgeber können dann bei der Suche nach Bewerbern wie bei der Dating-App Tinder auswählen: Kandidaten, die ihnen gefallen werden in eine Richtung gewischt, Kandidaten, die ausscheiden in die andere.

Die in Europa kostenlose App gibt es für mehrere europäische Städte, unter anderem auch Berlin. SelfieJob-Erfinder Martin Tall möchte diese App nun gemeinsam mit der regierungsnahen Organisation Vinnova speziell für Flüchtlinge erweitern und einen Übersetzungsmechanismus einbauen. Die Idee dahinter: Flüchtlinge können die Jobangebote in ihrer Sprache lesen und ihren Lebenslauf etwa auf arabisch oder russisch hochladen. Arbeitgeber lesen diese Lebensläufe wiederum auf Schwedisch, Deutsch oder Englisch. Auch der anschließende Bewerbungsgespräch-Chat soll übersetzt werden. “Ich glaube, das ermöglicht Migranten mindestens einen ersten Kontakt, den sie sonst aufgrund der Sprachbarrieren gar nicht hätten”, sagt Tall. Er hofft, dass Auto CV im Dezember an den Start gehen kann.

David Jacob und Philipp Kühn haben mit Workeer ebenfalls eine Webseite kreiert, die Flüchtlingen und Migranten bei der Arbeits- und Ausbildungssuche helfen soll. Das Projekt ist als Abschlussprojekt in ihrem Bachelorstudium entstanden. Jacob und Kühn wollten nicht nur einfach eine Arbeit schreiben, die in der Schublade verschwindet. Kombiniert mit persönlichem politischem Interesse am Thema Integration und Migration entstand so Workeer. Über die Idee zu Workeer sagen die Macher auf ihrer Webseite: “Mit der Plattform soll ein geeignetes Umfeld geschaffen werden, in dem diese besondere Gruppe von Arbeitssuchenden auf ihnen gegenüber positiv eingestellte Arbeitgeber trifft.”

Die App Workeer möchte Arbeit- und Ausbildungsstellen vermitteln
Die App Workeer möchte Arbeit- und Ausbildungsstellen vermitteln

Sie hoffen also, dass Migranten und Flüchtlinge so schneller eine Arbeit in Deutschland finden – und somit auch schneller ein aktiver Teil der Gesellschaft werden können. Noch ist die Webseite allerdings nur auf Deutsch verfügbar, sie soll aber demnächst in weitere Sprachen übersetzt werden.

Apps für Flüchtlinge – bisher ohne Feedback

Die Apps und Webseiten für Flüchtlinge wollen ankommenden Flüchtlingen dabei helfen, sich in Deutschland besser zurechtzufinden. Sie wurden eigens dafür von engagierten Bürgern ins Leben gerufen und sie haben eine klare Botschaft: Flüchtlinge sind hier willkommen.

Die meisten Applikationen stecken allerdings noch in den Kinderschuhen. Einige sind zum Teil noch in der Beta-Phase, bei anderen gibt es noch die typischen anfängliche technische Pannen, und Auto CV von SelfieJobs steckt sogar noch in der Entstehungssphase. Derweil entwickeln viele andere Firmen wie zum Beispiel SAP derweil ihre eigenen Flüchtlings-Apps. Hier wird die Zeit sicherlich zeigen, welche der vielen Angebote den meisten Zuspruch bekommen.

Denn auch wenn viele Applikationen mit Hilfe von Migranten erstellt wurden, eins ist bei allen Apps noch absolute Mangelware: Feedback von den Flüchtlingen. Keiner weiß bisher genau, ob und wie viele Flüchtlinge ihre Apps nutzen – und ob sie ihnen überhaupt helfen.


Image (adapted) “Welcome asylum seekers and refugees – Refugee Action protest 27 July 2013 Melbourne” by Takver (CC BY-SA 2.0)

Screenshots by Marinela Potor


 

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Internet und Flüchtlinge: (Auch) ein Werkzeug zum Guten

Refugees (image by Haeferl [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia)

Angesichts der sich immer mehr zuspitzenden Flüchtlingskrise wollen viele Menschen helfen. Dabei kann das Internet eine unterstützende Rolle übernehmen und hat dies auch bereits getan. Es dient der Vernetzung und Koordination von Freiwilligen ebenso wie der Schaffung von Aufmerksamkeit für das Schicksal der Geflüchteten. Das zeigt, was das Internet im besten Fall sein kann: ein Werkzeug, das Menschlichkeit und “altmodisches” zivilgesellschaftliches Engagement nicht verdrängt oder ersetzt, kein Ort von Zynismus und billigem Amüsement, sondern von der Art Wissen, die Mitgefühl schafft.

Die Flüchtlingskrise verlangt nach freiwilligen Helfern

Mit dem aktuellen Ansturm geflüchteter Menschen (vor allem aus Syrien, aber auch aus anderen von Konflikten oder extremer Armut heimgesuchten Ländern) zeigt sich die Politik überfordert. Europa arbeitet nicht zusammen, sondern versinkt in Abschottung, Chaos und einer bedrohlichen Sankt-Florians-Mentalität. Auch die nationalen Regierungen wissen teils nicht so recht, was sie tun sollen. Sie warten ab oder aber reagieren inkonsistent und aufgeregt.

Um so wichtiger ist es, dass die Bevölkerung sich in dieser Frage engagiert. Einerseits gilt es, politischen Druck aufzubauen, von den Mächtigen ein vernünftiges ebenso wie menschliches Handeln zu fordern. Andererseits kann auch ganz konkret geholfen werden, können “Normalos” Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgen, ihnen die Orientierung erleichtern und ihnen hoffentlich zumindest ansatzweise das Gefühl geben, sicher und willkommen zu sein.

Diese Krise kann auch eine große Chance sein. Eine Chance, in den letzten Jahren eher vernachlässigte Tugenden wie Hilfsbereitschaft, Eigeninitiative und Teamgeist wieder zu entdecken. Deutschland könnte ein wenig engagierter, ein wenig menschlicher werden – und ist, wie man mit Freude feststellen kann, derzeit auf dem besten Weg dahin. Daran können auch die “besorgten Bürger”, die geistigen Brandstifter und Facebook-Hassprediger, wenig ändern.

Das Internet kann ein Bewusstsein schaffen

Schon lange gibt es Medien, die uns darüber informieren, was in der Welt passiert, und uns, im besten Fall auch emotional ansprechen (natürlich sind Gefühle kein Ersatz für solide Fakten – aber Menschen, die von einem Vorgang auch emotional berührt werden, sind deutlich eher bereit, sich auch zu engagieren). Das Internet aber kann beides ungleich schneller bewerkstelligen und so eine zeitnahe Reaktion auf Krisen erlauben. Reine Informationen bewirken noch keinen gesellschaftlichen Wandel – aber fühlen sich die Menschen zudem emotional angesprochen, beginnen sie, mitzufühlen, dann ist der erste Schritt hin zum Handeln getan. Das zeigt das Bild des ertrunkenen syrischen Jungen Aylan Kurdi, das in Windeseile um die Welt ging, zum Symbol der Flüchtlingskrise wurde und für eine ganze Reihe von Menschen der Auslöser für ein Umdenken und auch für ein aktives Helfen wurde.

Zudem fallen im Internet auch Machtstrukturen bei der Berichterstattung weitgehend weg. Das macht es leichter, auch von den Mächtigen ungeliebte Inhalte zu verbreiten und so den oben angesprochenen politischen Druck aufzubauen. Wer wüsste das besser als Angela Merkel, die sich gegenüber dem geflüchteten, pakistanischen Mädchen Reem so ungeschickt verhielt, dass es zum eigenen Meme wurde und die Kanzlerin unter dem Hashtag #merkelstreichelt reichlich Hohn und Spott von der Netzgemeinde einstecken musste. Man möchte zumindest glauben, dass dies einen gewissen Einfluss darauf hatte, dass sich Merkel später durchaus lobenswerter verhielt. Immerhin ist Politikerinnen und Politikern die Meinung der Bevölkerung in aller Regel nicht gänzlich unwichtig – die nächste Wahl kommt bestimmt.

Werkzeug zur Vernetzung und Kooperation

Viele Menschen, die helfen wollen, wissen nicht so recht, wo sie anfangen sollen. Glücklicherweise kann vielen schon eine schnelle Google-Suche weiterhelfen – dafür sorgen eigens eingerichtete Websites wie “Wie kann ich helfen?”, das sogar mit einer praktischen Übersichtskarte von Hilfsprojekten in ganz Deutschland aufwartet. Natürlich können Menschen auch ohne Internet geeignete Hilfsprojekte finden. Geht es aber so schnell und einfach wie hier, fallen Hemmschwelle und Reibungsverluste weitgehend weg – ein begrüßenswerter Zustand, der dazu beiträgt, dass möglichst viele noch etwas unentschlossene Interessierte tatsächlich zu Helferinnen und Helfern werden.

Ähnlich ist es bei der Koordination der zahlreichen Freiwilligen. Viele Hilfsprojekte für Flüchtlinge wurden in den letzten Wochen von Unterstützungsangeboten und Spenden geradezu überrollt und stehen vor der herausfordernden Aufgabe, diese möglichst effektiv einzusetzen. Computer und das Internet sind gute Werkzeuge für die Koordination und Organisation aller Arten von Veranstaltungen und Projekten. Sie können auch hier helfen. Die meisten Helfenden – vom Chaos Computer Club bis zu lokalen Bürgerinitiativen – haben das bereits erkannt und entsprechende Systeme eingerichtet. Zu guter Letzt lassen sich im Internet auch ausgezeichnet Geldspenden sammeln – das zeigt derzeit unter anderem das prominente Beispiel von Google.

Auch zur Weiterbildung von Helfenden ist das Internet gut geeignet. Dazu zählen nicht nur die zahlreichen Artikel darüber, welche Besonderheiten im Umgang mit Flüchtlingen zu beachten sind (und in denen diese natürlich idealer Weise auch selbst zu Wort kommen), auch Übersetzungs-Hilfen im Netz, insbesondere für Arabisch, sind hilfreich.

Ein Werkzeug zum Guten

All diese Beispiele zeigen, was das Internet im besten Fall sein kann: ein Werkzeug, das das gesellschaftliche Zusammenleben, die gegenseitige Hilfe und das zivilgesellschaftliche Engagement nicht lähmt oder ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt und vereinfacht. Ein Ort, an dem man nicht sinnlos seine Zeit vertrödelt und sich übereinander lustig macht, sondern an einem besseren Zusammenleben arbeitet. Eine Domäne nicht der Hassprediger, sondern derjenigen, die sich mehr Völkerverständigung wünschen und bereit sind, ihren Teil dafür zu tun.

Es liegt an uns, dass dieser Teil der (Netz-)Wirklichkeit derjenige ist, der zählt und an den man sich später erinnern wird.


Teaser & Image “Refugees” by Haeferl (CC BY-SA 3.0)


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Lesetipps für den 27. August

In unseren Lesetipps geht es heute um die WDBJ-Schießerei, rassistische Angriffe auf Flüchtlinge, YouTube-Gaming, Zalando und soziale Medien. Ergänzungen erwünscht.

  • WDBJ Poynter: Should you use the video and the fax from the WDBJ shooting? Viele Menschen fragen sich, ob es ethisch vertretbar ist, das Video, in dem ein Kameramann und eine Reporterin von WDBJ, während eines Interviews erschossen wurden, im Netz zuteilen. Die Meinungen sind gespalten. Zu bedenken ist aber, dass das Video im Netz gezeigt werden müsse, nicht etwa, weil es die Schießerei zeigt, sondern auch einen Einblick auf den Schützen gewährt. Alleine dies, sollte Anlass genug sein, um das Video im Netz zu zeigen. Außerdem hat der Schütze die Tat selber aufgenommen und sie den sozialen Medien zugänglich gemacht. Auch dieses Video ist ein Beweis, der geteilt werden müsse. Wichtiges Hintergrund wissen steckt hinter diesen Aufnahmen. Man kann unter anderem gut erkennen, wie nahe der Täter an den Opfern gestanden hat.

  • FLÜCHTLINGE SPIEGEL ONLINE: Facebook: Heiko Maas fordert Löschung fremdenfeindlicher Posts: Bundesminister Heiko Maas hat Facebook in einem Brief aufgefordert, rassistische Bemerkungen gegenüber Flüchtlingen sofort zu löschen. Außerdem findet er es unpassend, dass anstößige beziehungsweise pornografische Posts bei Facebook, wegen moralischer Bedenken sofort gelöscht werden. Warum also nicht auch bei fremdenfeindlichen Beiträgen? Der Bundesminister hat den Facebook-Verantwortlichen zu einem Gespräch gebeten, welches voraussichtlich am 14. September stattfinden wird. Außerdem erinnerte er daran, dass Facebook gesetzlich dazu verpflichtet sei, rechtswidrige Inhalte umgehend zu löschen.

  • YOUTUBE GAMING Süddeutsche.de: Google startet Live-Streaming-Plattform Youtube Gaming: In den USA und Großbritannien startet gerade die neue Streaming Plattform Youtube-Gaming. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Plattform von Google, die Computerspielern ermöglicht, Live-Videos zu veröffentlichen. Allerdings hingt sie dem Marktführer Twitch.tv noch deutlich hinterher. Vorher mussten bei YouTube noch Live-Streams angemeldet werden, ab jetzt soll aber jeder die Möglichkeit haben, Videospiele live übertragen zu können. Ziemlich spannend dürfte für die Nutzer der Chat sein, denn hier können sich die Zuschauer live miteinander unterhalten. Wann YouTube-Gaming allerdings nach Deutschland kommt, kann noch nicht genau gesagt werden.

  • ZALANDO Horizont: Zalando Kampagne: Modefans sollen nicht mehr schreien, sondern teilen: Share your Style – In der neuen Herbst/Winter Kampagne, will der Zalando-Chef ein neues großes Internetphänomen starten. Das Mode-Selfie. Die Idee dahinter ist sehr einfach: Zalando möchte mit seinem eigens entwickelten Social Hub auf dem eigenen Portal, zum Forum für Modestatements und Inspirationssuche werden. Nicht nur ein Werbespot soll diese Kampagne bewerben, sondern das Unternehmen setzt auch auf Online- und Printanzeigen und Plakate. Die Modefans sind dazu aufgerufen worden, nicht mehr vor Freude zu schreien, sondern ihren Style zu teilen

  • SOZIALE MEDIEN business2community: 3 Reasons Why Social Media is One of the Most Important Marketing Tools: Jemandem auf Instagram zu folgen oder Freundschaftsanfragen auf Facebook zu bekommen, war früher eher weniger spektakulär. Aber heute haben mittlerweile soziale Medien einen hohen Stellenwert in unserem Leben und einen großen Einfluss auf die Art und Weise, wie wir mit anderen kommunizieren. Hier gibt es drei Gründe, warum soziale Plattformen ein wichtiger Punkt, unter anderem für Marketing-Programme, geworden sind: Soziale Medien bilden eine Community. Sie bieten außerdem Kunden die Möglichkeit, sich zwischen den vielen Unternehmen auszudrücken und soziale Medien ermöglichen den Kunden Produkte zu finden, von denen sie nicht gewusst haben, wie man diese finden und kaufen kann.

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Warum gerade Flüchtlinge ein Smartphone besitzen

Seeing Summer (Image: Conor Ashleigh)

Wird heutzutage über die Lage der in Deutschland Asyl suchenden Flüchtlingen gesprochen, fällt oft das vermeintliche Argument, dass es den Menschen gar nicht so schlecht gehen kann, wenn sie sich doch beinahe alle ein auch hierzulande mehrere Hundert Euro kostendes Smartphone leisten können. Ein Trugschluss, wie der Hamburger Migrationsforscher Vassilis Tsianos im Interview auf Wired.de erklärt.

Trugschluss: Das Smartphone als Neuland-Luxus

Diesen Sommer war ich auf zwei Familienfeiern – einmal auf einer Feier meiner eigenen Familie in Sachsen-Anhalt und einmal auf der Feier der Familie meiner Freundin in Baden-Württemberg. Auf beiden Veranstaltungen wurde die Notlage der Flüchtlinge diskutiert und auf beiden Feiern fiel das Argument, dass es den Menschen gar nicht so schlecht gehen kann, denn “die haben ja alle ein Smartphone”. Smartphones, in unserer westlichen Industriegesellschaft inzwischen Alltagsgegenstände, werden als Kriterium herangezogen, um die Situation von Flüchtlingen zu bewerten.

Zu Unrecht. Die Ansicht, dass Menschen auf der Flucht keine wertvollen Smartphones besitzen können, beruht neben rassistischen Ressentiments auch auf ein mangelndes Verständnis für den Umgang mit neuen Technologien. Gerade in einer Gesellschaft, die alles im Überfluss hat, auch diverse Kommunikationswege, sind Smartphones für die meisten Leute noch als Luxus betrachtetes Neuland. Ein Trugschluss, denn Smartphones dienen Flüchtlingen nicht nur als ein Statussymbol, sie sind für die lebenswichtige Werkzeuge auf ihrer Flucht.

Das Smartphone als Werkzeug zum Überleben

Der Fotograf Matt Cardy besuchte Anfang des Jahres ein Flüchtlingslager im irakischen Erbil, indem von der Terror-Gruppe “Islamischer Staat” vertriebene Christen untergekommen sind. Er fotografierte aus Qaraqosh geflohene Menschen, die den Gegenstand zeigten, den sie nicht zurück lassen konnten und mit auf die Flucht nahmen. In der Bilderserie sind unter anderem ein sechsjähriges Mädchen zu sehen, das ihren Lernlaptop mitnahm, zwei ihre Smartphones zeigende Studierende und ein sein Notebook präsentierender Tischler. In der Not entschieden sie, für sie wichtige Technik zu retten.

Teure Geräte für die Flucht sind alles andere als ein Statussymbol. Das ist eine Art mobile Bank, eine Investition. Sie sind nicht nur essentiell für die Navigation oder Kommunikation unterwegs. Man kann sie auch in Geld verwandeln, verleihen oder als Hypothek für einen Teil der Reise hinterlegen.”, erklärt Vassilis Tsianos, Migrationsforscher an der Universität Hamburg im Interview mit Chris Köver.

Tsianos betont, dass es auch selten mittellose Menschen sind, die sich auf eine oft mehrere Tausend Kilometer lange Flucht machen: “In der Regel migrieren tatsächlich nicht die Ärmsten der Armen, sondern die Angehörigen der Mittelschicht, und genau wie alle globalen Mittelschichtler gehen sie mit diesen Medien entsprechend um — und können sich diese Geräte leisten.” Wer sich trotzdem kein Smartphone oder zumindest ein einfaches Handy leisten kann, es verloren hat oder es bei der Polizei abgeben musste, organisiert sich laut Tsianos in Gruppen, die sich dann ein Gerät teilen. “Das total entnetzte migrantische Subjekt, das sich halbnackt auf den Weg nach Europa macht, existiert nicht”, sagt Tsianos.


Der australische Filemmacher Conor Ashleigh sammelte letztes Jahr via Crowdfunding Geld für einen Film über in Australien lebende Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Sudan zu drehen, die mithilfe von Smartphones ihre eigenen Geschichten erzählen können. Das Projekt hat sein Crowdfunding-Ziel erreicht und ist in der Produktion.


“Digital Divide” ist ein Märchen

Tsianos erklärt in dem Interview auch, dass es keine vergleichsweise zurück gebliebene Entwicklung im Umgang mit modernen Technologien bei Menschen gibt, die aus Afrika oder dem Nahen Osten fliehen: “Diese Vorstellung vom ‚Digital Divide‘ zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden, die stimmt so einfach nicht. Im Gegenteil: Neue Technologien werden oft erst im sogenannten globalen Süden erprobt, dort von den Usern angeeignet und dann im Norden eingeführt.” Als Beispiel nennt er die Nutzung von GPS-Navigation, die von verschiedene Länder durchquerenden Migranten noch vor den Westeuropäern genutzt wurde.

Und die Suche nach Steckdosen, um sein Smartphone aufzuladen, oder ein öffentlich zugängliches WLAN, um online gehen zu können, sind hierzulande als „First World Problems“ ins Lächerliche gezogene Nöte, die gerade Migranten kennen. “Die Steckdose ist eine der wichtigsten Infrastrukturen unterwegs”, erklärt Tsianos und betont, dass “Digitale Konnektivität inzwischen ein Grundbedürfnis aller Bewohner Europas” ist. “Gerade bei Menschen, die transnational unterwegs sind, ist Zugang zum Netz Teil ihrer Soziabilität: So wahren sie die Verbindung zu Familie und Freunden, so organisieren sie Ressourcen für das Überleben in der Illegalität oder auch Legalität. So finden sie heraus, wo ihre Brüder oder Schwestern gelandet sind.


Das komplette Interview mit Vassilis Tsianos findet sich auf Wired.de. Tsianos forscht zu mobilen Medien und ihrer Nutzung durch Flüchtlinge. Gemeinsam mit Nicos Trimikliniotis und Dimitris Parsanoglou hat er gerade das Buch “Mobile Commons, Migrant Digitalities and the Right to the City” veröffentlicht.


Teaser & Image „Seeing Summer“ by Conor Ashleigh


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5 Lesetipps für den 11. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Russlands Silicon Valley, Netflix-Gründer Reed Hastings, Kreativität am Arbeitsplatz, digitale Bildung und künstliche Intelligenz. Ergänzungen erwünscht.

  • RUSSLAND Foreign Policy: The Short Life and Speedy Death of Russia’s Silicon Valley: Vor sechs Jahren wollte die russische Regierung ein eigenes Silicon Valley aufbauen. Jetzt wurden die Pläne offiziell beendet. Die in Russland vorherrschende Korruption in der Verwaltung, die Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften und Präsident Wladimir Putin (nicht in dieser Reihenfolge) haben ihren Teil dazu beigetragen.

  • NETFLIX FAZ: Netflix-Gründer Reed Hastings im Gespräch: Netflix-Gründer Reed Hastings war die Tage mal wieder in Berlin und hat mehreren Medien Interviews gegeben, u.a. auch der Wirtschafstredaktion der Frankfurter Allgemeine. Es ging neben der Zukunft des Fernsehens auch um seine Arbeitsphilosophie. Außerdem erfährt die Leserschaft, dass Hastings mal eine mit dem Fuß bedienbare Computermaus entwickeln wollte und warum daraus nichts wurde.

  • KREATIVITÄT Welt.de: Matilda, seit Jahren mit dem immer gleichen Outfit: Die 27-jährige Schwedin Matilda Kahl arbeitet in New York und hat etwas gemacht, dass Männer auf der ganzen Welt jede Tag machen, dass aufgrund ihres Geschlechts schon aber fast revolutionär wirkt: sie hat sich eine „Arbeitsuniform“ bestehend aus Bluse, Hose und Schleife zugelegt. Mit dem Ergebnis, dass sie sich fokussiert und kreativer erlebt, genauso wie die „Uniformträger“ Steve Jobs und Mark Zuckerberg.

  • BILDUNG Motherboard: Berliner Student gründet Online-Uni für Flüchtlinge ohne Papiere: Der Berliner Student Markus Kressler hat die Online-Uni Wings University gegründet, an der sollen Flüchtlinge und Papierlose ihr Studium fortsetzen können, um somit einen international anerkannten Abschluss zu machen. Der Zugang zur Bildung ist dabei erst einmal nicht von Zeugnissen abhängig, sondern der Qualifikation für das Studium. Mit dem Projekt hilft Kressler nicht nur Menschen auf der Flucht, sonder, versucht eine alternative Bildungsinstitution aufzubauen.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ The Economist: Rise of the machines: Zum Schluss gibt es einen beeindruckenden Longread des The Economist, den Abonnenten vielleicht schon aus dem Printmagazin kennen, der jetzt aber auch online zugänglich ist. Darin wird quasi alles geschrieben, was man heute bei der Debatte um künstliche Intelligenz wissen sollte, wenn man mitreden möchte. Vorrangig, dass auch eine künstliche Intelligenz kein Menschen sein wird. Ob es seinen Job demnächst noch geben wird, sollte man sich aber trotzdem einmal fragen.

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WG-Portal vermittelt Wohnraum für Flüchtlinge

Flüchtlinge Willkommen (Bild: Jean-Paul Pastor Guzmán [CC BY-SA 3.0], via Flüchtlinge Willkommen)

Mit dem eigenen Online-Portal „Flüchtlinge Willkommen“ suchen Ehrenamtliche freie Zimmer für Flüchtlinge in WGs. // von Franziska Türk

Flüchtlinge Willkommen (Bild: Jean-Paul Pastor Guzmán [CC BY-SA 3.0], via Flüchtlinge Willkommen)

Es gibt eine Menge praktischer Internetseiten. Manche zeigen, wie man mit einfachen Tricks die heimische Wohnung verschönert, andere machen den geneigten Beobachter zum Sternekoch – und wieder andere verändern ein ganzes Leben. Letzteres trifft auf die Website „Flüchtlinge Willkommen“ zu, die Flüchtlinge und WGs mit freiem Zimmer zusammenbringt.

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Mesbah Mohammady übers Bloggen im Iran

Mesbah Mohammadi spricht in Chemnitz übers Bloggen im Iran

Der iranische Blogger Mesbah Mohammady sprach am Mittwoch in Chemnitz über die Unterdrückung der Medien im Iran und seine Flucht nach Deutschland. // von Ben Franke

Mesbah Mohammadi spricht in Chemnitz übers Bloggen im Iran

Auf einer von örtlichen Bloggern organisierten Abendveranstaltung sprach am Mittwoch der iranische Blogger Mesbah Mohammady in Chemnitz über die Anfänge der iranischen Blogosphäre, politische Verfolgung und Unterdrückung, sowie seine Flucht nach Deutschland ins sächsische Chemnitz, wo er ironischerweise mehr Repressalien erdulden muss als im Iran.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 17. Oktober

Culture&Video heute mit Berichten und Informationen über Menschen, die nach Deutschland kommen. // von Hannes Richter

EXTRA DREI: Die deutsche Asyl- und Flüchtlingspoltik

Lampedusa und der Berliner Hungerstreik, das Flüchtlungsthema kocht wieder hoch. Erfeulich zumindest, dass sich angesichts der katastrophalen Lage vor der italienischen Mittelmeerküste eine neue Sensibilität in der Bevölkerung breit zumachen scheint. Die mediale Schelte, die Innenminister Friedrich für seine Zahlenspielereien und Polemiken auf dem Rücken der Flüchtlinge abbekommt, ist jedenfalls enorm. Immer mehr Menschen scheinen sich für das Thema zu interessieren. Der etliche Male geteilte kleine Erklärbeitrag aus der Redaktion von Extra 3 zur deutschen Asylpolitik seit 1992 spricht jedenfalls dafür. Das es so nicht weitergehen kann, scheint sich rumzusprechen.

GUT ERKLÄRT: Im Berliner Flüchtlingscamp

Doch was passiert eigentlich genau? Eher für Jugendliche Zuschauer bereitet eine Folge des Trigger Crime Reports das Thema auf. Eine Reporterin besucht das Berliner Flüchtlingscamp. Hier zelten, von Behörden geduldet, Asylsuchende seit Oktober letzten Jahres. Sie harren auf dem Platz aus und fordern die Anerkennung als Flüchtlinge und damit Bleiberecht in Deutschland. Trigger Crime Report ist überhaupt ein interessantes neues Format. Ein vom Medienriesen UFA betriebener Youtube-Channel als eine Art monothematischer Mini-TV-Sender mit junger Zielgruppe. Dass das Flüchtlingsthema hier einen Platz findet verwundert anfangs, ist angesichts der Kriminalisierung der Menschen, die auf der Suche nach Hilfe und Schutz sind, aber nur folgerichtig.

NUR ZU BESUCH? Stippvisite im Flüchlingslager Zirndorf

Unter welchen Bedingungen Flüchtlinge und Asylsuchende in Deutschland leben, die im System drin stecken und in den meisten Fällen auf einen Bescheid über ihren Asylantrag warten (dies kann sich über Jahre hinziehen und fällt sehr häufig negativ aus), darüber dringt in den letzten Jahren auch immer mehr nach außen. TV-Magazine wie zum Beispiel die inzwischen eingestellte Jugendsendung on3 des Bayerischen Rundfunks zeigen Bilder von Lagern tief in der Provinz, in Orten wie Zirndorf oder Böbrach. Vier Männer teilen sich ein kleines Zimmer, sanitäre Anlagen verfallen und ganze Familien fahren mit dem Bus zur Tafel in die nächste Kleinstadt, weil das „Taschengeld“ nicht ausreicht. Im Brandenburgischen Luckenwalde begegnete eine Reporterin der Deutschen Welle aber auch dem kürzlich verstorbenen Rainer Höhn vom Arbeiter-Samariter-Bund, der sich für die Flüchtlinge engagiert hat. 

We say hello with skateboarding

Überhaupt: Helfen! Vor einigen Wochen machte dieses Video die Runde durch das Netz. Eine Gruppe Skater reagiert auf die fremdenfeindlichen Proteste gegen eine neue Flüchtlingsunterkunft im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit einem Besuch vor Ort, bringt Boards mit und sorgt für ein paar sorgenfreie Stunden auf dem Hof der ehemaligen Plattenbauschule. Und gute Laune beim Anschauen des kleinen viralen Hits.

Der Verein borderline europe (Träger des Aachener Friedenspreises 2012) kämpft gegen die Abschottungspolitik der EU, dokumentiert Menschenrechtsverletzungen an den Grenzen und unterstützt humanitäre Aktionen. Direkt zum Spendenkonto geht es hier. Die Aktivisten um die Facebook-Gruppe Hellersdorf hilft Asylbewerbern organisieren Hilfsaktionen für die Bewohner des umstrittenen Flüchtlingsheims in Marzahn-Hellersdorf und informieren über andere Möglichkeiten, sich zu engagieren.

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