All posts under digitaler Wandel

Die Zukunft der Arbeit könnte weiblich sein

djile-adobe.stock.com

„Frauen können die Gewinnerinnen des digitalen Wandels werden, wenn wir es klug anstellen“, sagte Andrea Nahles 2015 auf der Konferenz zur Geschlechtergerechtigkeit der Internationalen Association for Feminist Economics (IAFFE) in Berlin – damals noch als Arbeitsministerin. Hat sie damit Recht? Ist die Zukunft der Arbeit weiblich?

Neue Jobmodelle, neue Möglichkeiten für Frauen

Nach Ansicht von Nahles liegen die Chancen für Frauen in der Arbeit 4.0 vor allem in der Digitalisierung. Diese verändert zum Einen die Art und Weise wie wir arbeiten. Das Internet und Cloud-Technologien führen zum Beispiel dazu, dass wir nicht mehr immer und jederzeit physisch am Arbeitsplatz sein müssen. Vieles wird heutzutage, statt im Büro, im Homeoffice erledigt. Resultate seien wichtiger als Anwesenheit, sagte Nahles.

Das gilt natürlich nicht nur für Frauen, jedoch könnte gerade dieser Wandel vor allem Frauen den Zugang zur Arbeitswelt erleichtern. Während sie bisher vielleicht zwischen Kind und Karriere wählen mussten, können sie nun beides ohne große Kompromisse haben.

Darüber hinaus verändern sich durch die Digitalisierung ebenfalls die Berufsbilder für Frauen. Während zum Beispiel Krankenschwester ein typischer Frauenberuf war, wird diese Arbeit wahrscheinlich bald komplett von Robotern erledigt. Das gäbe Frauen aber auch „ganz neue berufliche Perspektiven auf gut bezahlte, gut abgesicherte Industriearbeitsplätze“, sagt Nahles.

Ganz ähnlich sieht dies auch die prämierte US-Unternehmensberaterin und Digitalisierungsxpertin Cheryl Cran. Sie sieht ebenfalls in neuen Jobmodellen eine große Chance für Frauen. Denn Frauen können ihrer Meinung nach durch Freelancing, Homeoffice oder Telearbeit nun problemlos Familie und Job miteinander vereinen. Tatsächlich ist ein steigender Anteil der Freiberufler in den USA weiblich. Nach Zahlen der National Association of Women Business Owners wagen ebenfalls viele Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit und gründen eigene Unternehmen. So wurden 9,1 Millionen US-Firmen von Frauen gegründet, die zusammen beinahe 8 Millionen Menschen beschäftigen.

Auch Männer seien nicht mehr bereit, 14-Stunden-Tage zu schieben und suchen einen bessere Work-Life-Balance. Jobsharing-Modelle, in denen sich Männer und Frauen eine Managerposition teilen, seien gar nicht mehr so selten. Auch renommierte Tech-Unternehmen wie Facebook oder Tesla suchen laut Cran händeringend qualifizierte Frauen für Spitzenpositionen.

Roboter geben Frauen mehr Muskelkraft

In einem Kommentar für die irische Onlinepublikation Siliconrepublic.com geht Cheryl Cran sogar noch einen Schritt weiter. Sie behauptet: Gerade die sogenannten Soft Skills – Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Emotionale Intelligenz – die Frauen ihrer Meinung nach von Natur aus mitbringen – werden in Zukunft viel mehr gefragt als „männliche“ Arbeitsweltattribute wie Wille, Entschlossenheit, Egoismus und Aggressivität. Cran glaubt zwar, dass in Zukunft eine Kombination aus männlichen und weiblichen Attributen gefragt sein wird, doch dabei haben Frauen ihrer Meinung nach einen Vorteil: „Frauen werden erfolgreich sein in einer Zukunft, in der Jobs, die früher physische Stärke erforderten – Bau, Produktion, Landwirtschaft -, durch Roboter verbessert werden.

Sprich: Frauen haben nicht nur Vorteile aufgrund ihrer natürlichen Eigenschaften, sie können nun auch Jobs ausüben, die ihnen bisher aus rein physischen Gründen verwehrt waren. Cran nennt das Beispiel einer Roboter-Rüstung, die in Japan in der Pflege genutzt wird. Diese kann man sich als Mensch überziehen und damit die eigene Muskelkraft verstärken.

Auch die Soziologin Christiane Funken sagt in ihrem Buch „Sheconomy“: Die Arbeitswelt der Zukunft ist weiblich. Allerdings zögert die Wissenschaftlerin, dies wie Cran auf angeborene Eigenschaften zurückzuführen. Vielmehr stellt sie klar: „Frauen werden traditionellerweise auf Fähigkeiten hin erzogen, die der Arbeitsmarkt dringend braucht.“ Da Frauen also in vielen Kulturen eher dazu erzogen werden, diplomatisch, zurückhaltend, zuvorkommend, freundlich und schon gar nicht aggressiv zu sein, könnte ihnen dies in einer Arbeitswelt, die genau diese Eigenschaften verstärkt, sucht und fördert, zugute kommen.

Neue Chancen gibt es nur dann, wenn Frauen sie nutzen

Doch ganz so rosig, wie die Expertinnen die Zukunft sehen, ist sie nicht. Nur weil Frauen neue Chancen haben, bedeutet dies nicht, dass sie diese auch nutzen werden. Frauen haben zum Beispiel mehr Angst vor der Digitalisierung als Männer. Nach einer Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos misstrauen Frauen dem digitalen Wandel mehr als Männer.

Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt sogar, dass Frauen die großen Verlierer der Digitalisierung sein werden. Seiner Ansicht nach werden Tätigkeiten wie Verkauf, Terminpflege und Organisation oder Dienstleistungen in der Gastronomie in Zukunft zu 80 Prozent von Robotern ausgeführt. Das sind aber genau die Jobs, die aktuell mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden.

Während Expertinnen wie Cran oder Funke hier eine neue Möglichkeit sehen, warnt Grabka vor dem besonders hohen Risiko auf Jobverlust für Frauen. Tatsächlich ist der Arbeitsalltag derzeit für Frauen nicht gerade rosig – trotz Digitalisierung. Die DGB-Studie „frau geht vor“ hat beispielsweise ermittelt, dass Frauen schwierigere Arbeitsbedingungen als Männer beklagen. 52 Prozent der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer klagen über höhere Arbeitsbelastung, mehr Kontrolle, Überwachung und Stress. Das zeigt auch, dass die Macho-Kultur in Unternehmen immer noch verbreitet ist, auch in Start-ups.

Auch wird der Kampf um begehrte Arbeitsplätze härter, und es ist nicht anzunehmen, dass Männer sich in Zukunft weniger um gute Jobs bemühen werden.

Nicht alle Männer sind machtgierige Egoisten

Bei der ganzen Debatte ist es aber auch nicht unbedingt förderlich, grundsätzlich alle Männer als machtbesessene Egoisten darzustellen und alle Frauen als hilflose Opfer. Denn es ist nicht notwendigerweise die Schuld der männlichen Kollegen, wenn der Arbeitsplatz keine Flexibilität bietet, um das Kind morgens in die Kita zu bringen oder am Nachmittag abzuholen – was übrigens auch Väter tun. Klar ist: Wenn sich mit dem digitalen Wandel Unternehmensstrukturen nicht verändern und sich besser an aktuelle Lebensweisen von Männern UND Frauen anpassen, verlieren am Ende alle.

Deswegen betont Sheconomy-Autorin Christiane Funken auch, dass es ihr nicht darum geht, Frauen gegen Männer aufzuspielen. Vielmehr sei es so, dass Geschlechterrollen sich ohnehin immer mehr verschieben und verändern. Männer wollen genau so mehr Freizeit haben oder Zeit mit der Familie verbringen wie Frauen.

Das bestätigen auch Zahlen des Zukunftsinstituts in einer Untersuchung zum „Female Shift“ in der Arbeitswelt. Demnach glauben 65 Prozent der Männer, dass beide Elternteile gleichberechtigt für die Kindererziehung verantwortlich sind. Oft gehen Wunsch und Realität noch auseinander, doch immerhin nimmt bereits jeder vierte Mann in Deutschland Elternzeit in Anspruch. Frauen wiederum nehmen Machtpositionen selbstbewusster an als noch vor 20 Jahren. So birgt die Arbeitswelt der Zukunft idealerweise nicht mehr Chancen für Männer oder für Frauen, sondern für alle.


djile/stock.adobe.com


Weiterlesen »

Die Netzpiloten sind Partner der VDZ Tech Summit

Partnergrafik_Vdz_Techsummitpsd

Es ist soweit: Die 5. Tech Summit findet am 21. und 22. November 2017 in Hamburg statt. Ziel der VDZ Akademie ist es, mit der Tech Summit eine Plattform zu schaffen, die Verlagsmanager, Technologieprofis von Medienhäusern und Internet-Experten zusammenbringt, um neue Trends, Technologien, Verfahren und Best Practices vorzustellen.

Technologie gestaltet den Wandel

Die Herausforderung der Tech Summit liegt darin, die unterschiedlichen Welten zusammenzubringen: Das bedeutet, dass Verlagsmanager die Möglichkeit der Technik verstehen sollen und IT-Spezialisten die Business-Anforderungen der Verlagswelt. Denn Verlage und Medienhäuser stehen heute im Wettbewerb zu Unternehmen: Um in Zukunft erfolgreich zu sein, gilt es gemeinsam kreative Konzepte zu entwickeln und die richtigen Tools auszusuchen und zu programmieren.

Das gemeinsame Verständnis von Aufgabe und Lösungsansatz ist essentiell, um die digitale Transformation zu führen – denn kein Unternehmensbereich bleibt davon ausgeschlossen. Das beinhaltet neben Produktion, Marketing, Sales, IT auch die Verwaltung: Für alle diese Bereiche muss eine gemeinsame Vision geschaffen werden. Die Konferenz bietet den Teilnehmer dafür eine einzigartige Gelegenheit.

Unter den Keynote-Speakern werden unter anderen Torsten Ahlers, Gründungsführer der Otto Media Group und Matthew Monahan, Head of Sales & Product für das Arc Publishing der Washington Post, vor Ort sein.

Interesse geweckt?

Das Programm soll vor allem IT- und Business-Entscheider in Medienhäusern zusammenbringen: Darunter fallen IOs, CTOs ud CEOs sowie Personen, die für die Digitalisierung der Publishing- und Vermarktungsprozesse in Medienunternehmen verantwortlich sind. Zudem werden auch Verlagsmanager aus nicht-technischen Bereichen wie Organisation, Sales, Finanzen, Logistik und Human Resources adressiert.

Die Konferenz findet am 21. und 22. November 2017 im Empire Riverside Hotel, Bernhard NochtStraße 97, 20359 Hamburg statt. Es werden ca. 150 – 200 Teilnehmer erwartet und hier gehts zur Anmeldung. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Spaß!

Weiterlesen »

Studie: Diese digitalen Business-Trends kommen 2018

Business (adapted) (Image by Olu Eletu [CC0 Public Domain] via Unsplash

Die digitale Arbeitswelt ist bereits Realität. Doch welche digitalen Business-Trends bringt die Zukunft? Der Telekommunikationsanbieter NTT Group mit Sitz in Südafrika hat in einer aktuellen Studie, „Top IT trends in 2018: digital business“, fünf Kernthesen für die Business-Trends 2018 herausgearbeitet.

Was erwartet Unternehmen mit Blick auf den digitalen Wandel im kommenden Jahr? Die NTT Group hat in ihrer aktuellen Studie zu IT-Trends 2018 auch auf die Businesswelt geschaut und prognostiziert fünf große Trends für das kommende Jahr:

  • Die Kopplung von künstlicher Intelligenz und virtueller Realität (VR)
  • Blockchain in Unternehmen
  • Cloud-Technologien
  • Die Dominanz von Wireless
  • Wer als Unternehmen im digitalen Wandel nicht smart agiert, wird untergehen
grafik business trends
Business Trends (Screenshot by Dimensiondata)

KI ist Chance, nicht Bedrohung

Während Unternehmen und vor allem Arbeitnehmer in Deutschland sich vor künstlicher Intelligenz fürchten, betont der NTT-Report, dass sowohl KI als auch VR die Trends in Unternehmen im Jahr 2018 werden. Vor allem die Kopplung von künstlicher Intelligenz und Robotik mit virtueller Realität und erweiterter Realität habe großes Zukunftspotential, sagen die Experten: „Wir sehen verstärkt wie diese Technologien gemeinsam das Potential haben, disruptive Ergebnisse zu liefern.”

Beispiel DHL. Der Paketlieferdienst hat seinen Lagerhausmitarbeitern Smart Glasses verpasst, die den Mitarbeitern genau zeigen, wo die Ware in welcher Reihenfolge am besten verstaut wird. Das hat laut DHL sowohl die Produktivität der Mitarbeiter erhöht als auch die Genauigkeit der Auslieferungen verbessert.

In Deutschland experimentiert zum Beispiel die Airline Lufthansa mit VR-Brillen. Die möglichen Anwendungen sind dabei vom Erleben eines Urlaubsziel bis hin zu 360-Grad-Ansichten des Flugzeugs sehr vielfältig. Um etwa Passagiere zu einem Upgrade ihrer Flugklasse zu ermuntern, können Kunden im Vorfeld mit den Brillen sehen, wie das Fliegen in der ersten Klasse eigentlich aussieht.

Air New Zealand wiederum stattet seine Flugbegleiter mit VR-Brillen aus. Während sie mit den Brillen durch den Gang gehen, können sie mit der Technologie Informationen zu den Fluggästen sehen: was das Flugziel ist, welche  Essensvorlieben der Passagier hat oder ob er an Duty-Free-Einkäufen interessiert ist.

All das könnte, laut NTT-Studie, zu einem besseren Kundenservice führen. Ähnlich sieht es mit Robotern aus, die, mit AI ausgestattet, Kunden viel besser helfen könnten. „Das wahre Versprechen der Robotik beginnt sich zu zeigen”, heißt es im Report. Mehr und mehr Unternehmen werden diese Technologien 2018 einsetzen, so die Prognose.

business trends VR
Business Trends VR (Screenshot by Dimensiondata)

Nicht nur für Kriminelle: Blockchain in Unternehmen

Der zweite große Trend 2018 sind nach Ansicht der NTT-Experten Blockchain-Technologien. Je mehr Transaktionen online stattfinden, je mehr das Internet der Dinge sich verbreitet, umso sicherere Technologien brauchen Unternehmen, um die Daten ihrer Kunden zu sichern.

Blockchain im Business sei daher der nächste große Trend im kommenden Jahr, heißt es in der Studie. Die Tatsache, das Kriminelle die Kryptowährung Bitcoin aufgrund der dahinter stehenden Blockchain-Technologie als sicherste Transaktion sehen und nutzen, sollte nach Meinung der Experten Unternehmen ermuntern, nicht abschrecken. Wenn es so sicher ist, dass Hacker sie nutzen, warum sollten Unternehmen Blockchain nicht nutzen? „Wir glauben, dass Blockchain das Potential hat Cybersicherheit völlig neu zu strukturieren, doch die Industrie muss noch lernen, damit umzugehen.

Gerade im Hinblick auf das Wachstumspotential im Internet der Dinge brauchen Nutzer mehr Sicherheit. Blockchain sei in der Lage, dieses Sicherheitsversprechen zu erfüllen – wenn Unternehmen den Mut hätten, diese Technologie einzusetzen.

Unternehmen wollen die Cloud „einfach nutzen”

Auch die Cloud-Technologien in Unternehmen sind nach NTT-Studie im kommenden Jahr nicht mehr aufzuhalten. Die Vorteile einer zentralen Datenbank für alle Mitarbeiter seien ersichtlich, Unternehmen setzen daher auf die Cloud in der Arbeitswelt. Tatsächlich gehören Speicherdienste per Cloud zu den größten Wachstumssegmenten in der IT-Branche. Denn mit der Digitalisierung der Arbeitswelt, werden auch die Arbeitsprozesse an sich, öfter von Ort und Zeit entkoppelt – wie zum Beispiel beim Home Office oder bei international agierenden Unternehmen. Cloud-Lösungen sind deshalb immer gefragter.

Unternehmen wollen sich dabei aber nicht mehr darum kümmern müssen, ob die Cloud sicher sei, wo diese stehe und wie sie funktioniere, „sie wollen sie einfach nur nutzen.” Ganz so einfach wie die Studie es darlegt, mag es für Unternehmen in der Praxis dennoch nicht sein. Denn wer mit empfindlichen Daten arbeitet, muss natürlich sicherstellen, dass diese entsprechend gesichert werden.

Doch mit einem hat der Report sicher Recht: Wenn es eine sichere und unkomplizierte Cloud-Lösung gäbe, wären Unternehmen sicher dankbar, diese „einfach“ nutzen zu können.

Wireless ist nicht mehr aufzuhalten

Dies geht einher mit dem vierten Business-Trend 2018, den die Experten voraussagen: dem Durchbruch von Wireless in Unternehmen.

Mit dem Internet of Things, Cloud-Lösungen und automatisierten Prozessen sei der Boom von Wireless in Unternehmen nicht mehr aufzuhalten. Vom Einkaufszentrum über smarte Geräte im Haushalt bis hin zum Universitätscampus sei das kabellose Internet bereits jetzt schon Teil unseres Alltags. In der Arbeitswelt könnten so in Zukunft mehr Applikationen automatisiert und damit Arbeitsprozesse beschleunigt werden.

business trends wireless
Business Trend Wireless (Screenshot by Dimensiondata)

Nur Unternehmen, die den digitalen Wandel smart umsetzen, werden profitieren

All die Vorteile, die diese digitalen Trends Unternehmen bringen können, seien aber nur dann spürbar, wenn der digitale Wandel in Unternehmen mit der richtigen Infrastruktur einhergehe, so die fünfte Prognose der NTT-Experten für 2018. Das mag als Aussage eines Telekommunikationsanbieters nicht weiter überraschen. Dennoch ist es im Kern nachvollziehbar, dass Digitalisierung von Prozessen an sich noch keine Vorteile bringt. Es kommt vor allem darauf an, wie IT im Unternehmen eingesetzt wird.

Welche Technologie bringt meinem Unternehmen wirklich etwas? Inwieweit können automatisierte Prozesse Mitarbeiter unterstützen? Welche Software ist am besten geeignet? Das sind Fragen, die Unternehmen sich in Zukunft verstärkt stellen werden müssen, wenn sie vom digitalen Wandel nicht überrollt, aber auch nicht überfordert werden wollen. Die NTT-Studie tippt deshalb darauf, dass dies 2018 vor allem einem neuen Geschäftsfeld zum Durchbruch verhelfen könnte: IT-Beratung für Unternehmen.


Image (adapted) „Business“ by Olu Eletu [CC0 Public Domain]


Weiterlesen »

Windhunde und Cargo-Kulte schaden dem digitalen Wandel

network-1762507_960_720 (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)__

Gestern habe ich mich zum wiederholten Male über Berater-Luftpumpen geäußert, die einem jeden Tag irgendwelche Tschakka-Botschaften zum digitalen Wandel an den Kopf knallen. 

Es sind merkwürdige und zumeist nicht sehr geistreiche Gestalten. Sie hämmern Begriffe, PowerPoint-Folien, Best Practice-Beispiele, Benchmarks, Empfehlungen für das Prozessmanagement und technokratisch-ganzheitliche Werkzeuge in den Raum und bleiben dabei Diener des alten Systems. In ihrer Wissensanmaßung vermitteln sie Gewissheiten und goldene Erfolgsregeln mit der Halbwertzeit von Hustinetten-Lutschpastillen. Allein bin ich mit diesem Hilferuf nicht. LinkedIn sortierte den Beitrag zumindest in die Kategorie „Favoriten der Redaktion“ ein. Ein Bruder im Geiste ist auch der Capital-Kolumnist Martin Kaelble, dem das disruptiv-transformatorische-Startup-Gemurmel in Deutschland auf die Nerven geht. 

Hurra, wir haben ein Kreativ-Lab

Bald dürfte wirklich jedes größere Unternehmen eine Digital-Konferenz veranstaltet oder ein Kreativ-Lab etabliert haben. Kein Zweifel: Der Innovations-Hype ist in vollem Gange. Genau genommen hat er seinen Peak längst erreicht. Und ich bin mir ziemlich sicher: viele Manager haben langsam die Nase voll von dem ganzen Alles-Neu-Machen-Gequatsche.“ Die Digital-Dauerschwätzer hinterlassen verbrannte Erde. Und das ist eine gefährliche Gemengelage. Denn es ist ja nicht weniger wichtig geworden, sich damit auseinanderzusetzen.

Was macht man gegen den digitalen Flachsinn?

Gunter Dueck macht sich in seinem neuen Buch „Flachsinn – Ich habe Hirn, ich will hier raus“ Gedanken, wie man das ändern könnte. So einfach ist das nicht, denn jeder giert nach Aufmerksamkeit: „Berater verkünden uns den Segen ihrer Patentrezepte, die absolut nur sie selbst gegen Geld erklären können“, bei sich selbst aber nicht zur Entfaltung bringen. Shops wollen verkaufen, auch wenn es nur Luftmatratzen in Form von Orangen sind. Propheten und Idealisten missionieren uns. Event-Manager locken uns. Trolle hassen uns. Hohepriester retten uns. Einzelkämpfer bitten um Unterstützung, um das eigene Personal Branding nach vorne zu bringen. Motivationskünstler bringen auf Facebook Appetithäppchen, die man in voller Blüte nur in einer eBook-Serie mit 30 Folgen erlebt.

In Etappen kann man dann noch Zertifikate erwerben und sich zum Master der Motivation ausbilden lassen in sündhaft teuren Workshops in Schweizer Nobelhotels. Erste Qualifikationsstufe „Fürst“, dann folgt „König“, dann „Kaiser“, „Papst“ und irgendwie das Universum. Klar ist, der Mentor und Guru erfindet immer wieder neue Kategorien, um an frisches Geld der Jünger zu kommen, die auf der Suche nach dem Heiligen Gral der Coaching-Laufbahn sind und passives Einkommen in einer 4-Stunden-Woche verdienen wollen. Motto: „Lass andere arbeiten und werde reich im Schlaf“.  Es wimmelt von Opportunisten, „denen jedes Mittel recht ist, naive Marktteilnehmer auszunehmen“, kritisiert Dueck.

Jeder hat das gleiche Musterbeispiel-Unternehmen

Eine besondere Spezies sind die Prediger der so genannten „Cargo-Kulte“, die der Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman in seinem Opus „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman“ metaphorisch einsetzt. Die neu-religiösen Heilsbewegungen der Südsee gehen mit diesen Kulten schon etwas tiefsinniger um. In der Auslegung von Feynman kennzeichnet es Versuche von Menschen, bestimmte Umstände genau so einzurichten, wie sie einmal waren, „als ein Wunder geschah“. Dann erwartet sie ein Wiedererscheinen des Wunders, was aber nicht eintritt, weil etwas Wesentliches beim Beobachten des Wunders nicht beachtet wurde. Also die Verwechslung von Ursache und Wirkung.

Im Kampf der Meinungen und Gegenmeinungen im Netz wimmelt es von Cargo-Kulten. Hoch bezahlte Berater leben von dieser Täuschung. Sie definieren zusammen mit dem Top-Management beispielsweise einen Soll-Status. „So soll es sein! Die hoch bezahlten Berater kennen nämlich irgendein kleines oder großes Unternehmen, wo es mit einer neuen Methode recht gut läuft. Den dortigen Status empfehlen sie allen anderen Unternehmen als ‚BEST PRACTISE“. Ich bin jetzt ein bisschen gallig, weil die verschiedenen Beratungsfirmen alle gleichzeitig auf dasselbe Musterbeispiel-Unternehmen verweisen“, schreibt Dueck.

Helden der Arbeit im Jahres-Kick-off

Schon hier müsste man stutzig werden. Gibt es wirklich nur dieses eine Unternehmen? Kennen alle Berater dieses eine Beispiel oder schreiben sie nur voneinander ab? Irgendwann geht es dann um ein Reifemodell, um Ist-Analysen in unendlichen Workshop-Sitzungen. Zum Schluss winken dann Strategie-Meetings mit folgenden Punkten: Wellness – Work-Life-Balance – Positives Umgehen mit Stress – Begeisterung für das Unternehmen empfinden – Erfolg macht glücklich und sichert die Arbeitsplätze. Im Jahres-Kick-off wird dann die Begeisterung in den Mittelpunkt des Managements gestellt, dazu werden Trommler und Paralympics-Sieger eingeladen, die den Mitarbeitern demonstrieren, wie praktisch jeder trotz extremer Widrigkeit noch Gold gewinnen kann. „Glückliche Helden der Arbeit werden im Video festgehalten. Die Gesundheit wird in Newslettern thematisiert. Jeder Woche erklärt ein gesunder Mitarbeiter, wie er sich durch begeisterte Leistung fit hält und selbst motiviert“, so Dueck. Auf den neuen Kaffeepötten in den Büroküchen steht „Success makes cool & happy“.

Digitales Placebo-4.0-Management

Man wird überflutet mit Placebo-Maßnahmen, die nichts anderes sind als billig Taschenspieltricks oder eben Cargo-Kulte. Datenbanken mutieren zu Big Data, alles Externe ist Cloud, gemeinsames Arbeiten tauft man „Collaboration“ und neue Jobtitel wie „Leader Mobile Work 4.0“ untermauern die weltweit führende Ausrichtung des Unternehmens. Jede Kritik an der digitalen Camouflage wird mit Nebel- und Blendgranaten bekämpft. Politik, Unternehmen und Beratung sind mit Cargo-Priestern durchsetzt, „mit Leuten, die sich als Auserwählte eines Cargo-Kults empfinden und ständig auf dem Tower zu ihren Ahnen beten“, führt Dueck in seinem neuen Buch aus. Dabei sei es nicht so einfach, die Windhunde zu erkennen. „Die professionellen Signalisierer sind oft schon verdammt gut.

Stream Smarts suchen

Dueck liefert Vorschläge, wie man sich von diesem sinnentleerten Wettlauf um Aufmerksamkeit verabschieden kann. Beispielsweise über „Stream Smarts“. Das sind Menschen, die gewisse Netzzentren von Diskursen bilden. „Sie stehen in dauerhafter Verbindung mit einer größeren Community und tauschen Wissen und praktische Erfahrungen aus. Wer sich in einem ‚Stream’ an den Diskussionen beteiligt und vielen anderen hilft, wenn diese Probleme haben, macht sich langsam einen Namen – in dieser Region des Netzes.

Gute Stream Smarts seien so etwas wie Vereinspräsidenten oder Gildenmeister im Netz, ohne dass je ein Verein, eine Zunft oder Gilde gegründet worden wäre. „Am besten spannen mehrere ‚Community Meister’ ein Netzwerk von tief Interessierten auf.“ Leider sind solche Stream Smarts rar. Aber man bekommt ziemlich schnell ein Gefühl dafür, in welchen Netzwerken solche Qualitäten geboten werden.

Ein weiterer Gedanke, den Dueck ins Spiel bringt,  ist viel schwieriger zu realisieren. Er gilt jenen Protagonisten, die mal schnell ein Digital Hub ins Leben rufen, subventionierte Büroflächen für Gründer freischaufeln und irgendwelche Startup-Kolonien in neuen Gewerbegebieten erschließen. Alle bauen irgendwelche Landebahnen und reden aufgeregt über die kommenden Flugzeuge. Es werde planlos mit Hoffnungen gehandelt. „Wir stehen natürlich noch am Anfang, aber die ersten Schritte sind gemacht. Die Richtung stimmt. Dies ist natürlich erste die erste Konferenz, wie wollen noch viel verbessern.“. Blablablub. Ohne Goethe und Schiller wäre aus Weimar nichts geworden. Ohne die Modersohns und Mackensens gelingt kein Künstlerdorf Worpswede. Ohne Qualität und digitale Exzellenz schafft man halt nur profane Cargo-Kulte. Hektischer Aktionismus – hohl und folgenlos. Das Notiz-Amt wird das weiter dokumentieren.


Image (adapted) network by geralt (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • FACEBOOK sueddeutsche: Inside Facebook: In unscheinbaren Büros in Berlin arbeiten 600 Leute unter Ausschluss der Öffentlichkeit an etwas, das 28 Millionen Menschen in Deutschland und 1,8 Milliarden auf der ganzen Welt betrifft: Was darf auf Facebook gezeigt werden – und was nicht? Erstmals sprechen Mitarbeiter des Löschteams über ihren psychisch belastenden Arbeitsalltag und die Lösch-Regeln, die Facebook bislang unter Verschluss gehalten hat. Bereits seit Herbst 2015 lässt Facebook auch in Berlin Beiträge löschen, mit Hilfe der Bertelsmann-Firma Arvato. Doch Details zu den genauen Löschregeln oder zu Qualifikation und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, die dort jeden gemeldeten Beitrag überprüfen, hat das Unternehmen selbst auf Druck des Bundesjustizministeriums nicht öffentlich gemacht. Reportern des SZ-Magazins ist es in monatelanger Recherche gelungen, mit vielen derzeitigen und ehemaligen Mitarbeitern der Berliner Löschtruppe zu sprechen.

  • DIGITALER WANDEL shz: Schleswig-Holstein 4.0? Albig will digitalen Wandel nutzen: Der digitale Wandel kann bisherige Nachteile des eher ländlich geprägten Schleswig-Holstein wett machen – davon ist Torsten Albig überzeugt. „Geografische Randlagen spielen in einer digitalen Welt keine Rolle mehr“, sagte der SPD-Ministerpräsident am Donnerstag in einer Regierungserklärung zur Digitalstrategie im Landtag. „Digitales Lernen geht an jedem Ort zu jeder Zeit – auch bei Land unter auf der Hallig Hooge.“ Die Regierung wolle die Chancen nutzen und habe deshalb im kommenden Jahr 161,3 Millionen Euro für den digitalen Wandel eingeplant, 25,9 Millionen Euro mehr als 2016.

  • STARTUP gruenderszene: Diese Gründer organisieren Bestattungen übers Internet: Die drei Gründer Björn Krämer, Peter Kautz und Heiko Reintsch versuchen eine Branche zu digitalisieren, die analoger kaum sein könnte: Bestattungen. Genauer: die Bestattungsplanung. Über das Portal Mymoria können die Hinterbliebenen, Bestattungen online organisieren und buchen, erklärt Mitgründer Björn Krämer das Konzept des Berliner Startups. Nutzer erhalten Angebote für Bestattungen, können Urnen oder Särge auswählen oder auch Traueranzeigen entwerfen. Zudem haben die Nutzer die Möglichkeit, ihre eigene Beisetzung für die Zukunft zu planen.

  • VORRATSDATENSPEICHERUNG heise: Kommentar: Vorratsdatenspeicherung beim BND? Lasst das!: Vergangenen Mittwoch war ich in Leipzig. Vor dem Bundesverwaltungsgericht wurden Klagen gegen den Bundesnachrichtendienst verhandelt. Sie betrafen zum Einen die schon länger bekannte Überwachung des Internetverkehrs, zum Anderen aber auch die erst kürzlich bekannt gewordene massenhafte Speicherung von Telefonverbindungsdaten im System VerAS. Was in der Verhandlung vor Gericht alles zu Tage kam, verschlägt selbst erfahrenen Beobachtern die Sprache: Aufgrund so genannter G-10-Anordnungen, die durch ein parlamentarisches Kontrollgremium genehmigt werden, müssen Telekommunikationsunternehmen dem Auslandsgeheimdienst ganze Datenströme zuleiten. Die dürfen die Schlapphüte nach den ihnen genehmigten Suchkriterien durchforsten und die Treffer anschließend auswerten. Den riesigen Rest müssen sie sofort löschen. Soweit, so ungut, aber immerhin nach Recht und – schlechtem – Gesetz.

  • APP golem: Schnauzbart rockt Smartphone: Aufregung im Märchenland: Prinzessin Peach wurde von einem Monster entführt! Klar – langjährige Fans der Spiele von Nintendo werden angesichts dieses Verbrechens nur gähnen. Aber Super Mario Run richtet sich nicht nur an Menschen, denen die immer gleiche „Handlung“ bei Mario-Spielen inzwischen egal ist. Stattdessen dürfte das Jump-and-Run weit über die bisherige Zielgruppe hinaus auf Interesse stoßen. Es gibt Analysten, die langfristig mit mehr als 1,5 Milliarden (!) Downloads der kostenlosen Version und mit einer hohen Conversionsrate rechnen.

Weiterlesen »

Netzpiloten sind Partner der hub conference + Ticketverlosung

Am 22.November dreht sich bei der hub conference in Berlin wieder alles um digitale Trends und Innovationen. Es geht um aktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz, Bioinformatik, Blockchain und Virtual Reality. Auch das Leben und Arbeiten im digitalen Zeitalter, sowie das Meistern des digitalen Wandels spielen eine große Rolle. Dank ihrer interaktiven Angebote gilt die Veranstaltung als eines der wichtigsten Digitaltreffen. Die #hub16 bietet euch jede Menge Vorträge, Panels, Interviews und interaktive Workshops. Es wird drei Bühnen und zwei Bereiche für Workshops geben.
Außerdem kommen über 2000 Teilnehmer aus 50 Ländern, mehr als 400 Startups und 130 Speaker. Ein Großteil der Teilnehmer und vertretenen Firmen sind CEOs, CIOs und Global Player. Zu den Speakern zählen unter anderem Friedrich Joussen, CEO Tui Group, Carsten Kengeter, CEO Deutsche Börse AG und Jean-Philippe Courtois, EVP & President Global Sales bei Microsoft. Bevor das Programm um 9 Uhr beginnt, kann man ab 8 Uhr schon das Frühstücksbuffet genießen. Im Anschluss an die Veranstaltung findet ab 19 Uhr noch eine Club Night im Crackers Club statt.

+++Gewinnspiel+++

Wer also Lust hat am 22.November in Berlin an der Veranstaltung teilzunehmen, der hat hier die Chance zwei Tickets für die hub conference in diesem Jahr zu gewinnen. Schreibt uns einfach eine E-Mail bis Mittwoch den 2.November – 17 Uhr an gewinn@netzpiloten.de mit dem Betreff „hub conference“. Selbstverständlich werden die Gewinner von uns benachrichtigt. Doch auch die Verlierer gehen bei uns nicht leer aus! Also falls ihr die Tickets nicht gewinnen solltet, bekommt ihr von uns einen Rabattcode für die Tickets in Höhe von 15%.

Weiterlesen »

Emojis als Bestandteil digitaler Kommunikation

Emoji (adapted) (Image by downloadsource.fr [CC BY 2.0] via Flickr)

Emojis werden so oft genutzt wie noch nie. Kaum jemand schreibt Nachrichten auf WhatsApp oder anderen sozialen Netzwerken, ohne dabei die farbigen Bilder zu benutzen. Sie haben sowohl glückliche als auch traurige Gesichtsausdrücke und bereichern unsere digitale Kommunikation mit Emotionen. Der erste Emoticon „:-)“ wurde im September 1982 von dem Informatikprofessor Scott E. Fahlman genutzt. Dies gilt als der erste Gebrauch eines Smileys, des vermutlich bekanntesten Vertreters der sogenannten Emoticons.

Die Wortkombination aus „Emotion“ und „Icon“ beschreibt Zeichenfolgen, die man erfunden hat, um das Defizit des geschriebenen Wortes gegenüber dem gesprochenen auszugleichen. In den Neunzigerjahren entstanden dann die heute sehr beliebten Emojis (die kleinen, farbigen Bilder von Gesichtern, Speisen, Tieren und allem Möglichen). Damals rechnete noch keiner damit, dass sie eine so große Beliebtheit erlangen würden und dadurch eine Art Digitaldialekt entstand. Außerdem sind sie mittlerweile fester Bestandteil der Tastatur unserer Smartphones und tauchen auch in allen sozialen Netzwerken auf.

Dirk von Gehlen ist Autor, Journalist und Leiter der Abteilung Social Media und Innovation bei der Süddeutschen Zeitung. Er hat den durch die Digitalisierung ausgelösten Medienwandel auf seinem Blog begleitet und sich ausgiebig mit dem Thema Emojis beschäftigt. „Emojis und Emoticons sind zu einem Bestandteil digitaler Kommunikation geworden. Sie schließen die Lücke zu dem, was sich im persönlichen Gespräch durch Gestik und Mimik ausdrückt.“, erklärt von Gehlen. Viele, die Emojis selten nutzen, halten sie für platt und eindimensional. Doch die Frage, welches Symbol man wann benutze, sei sehr vielschichtig, betont von Gehlen.

Es gibt sie für allerlei Kategorien, um möglichst viele Gefühle und Situtationen damit auszudrücken. Interessant ist auch, dass man die Haltung eines Emojis auf der ganzen Welt verstehen kann. Dadurch sehen viele in ihnen die Chance, weltweit ohne Sprachbarrieren miteinander kommunizieren zu können. Da Emojis und Emoticons eine neue Form der Kommunikation sind, stehen sie noch häufig in der Diskussion. „Ich nehme an, dass wir sie schon in naher Zukunft als selbstverständlichen Bestandteil unserer Kommunikation wahrnehmen“, sagt von Gehlen. Für ihn sind sie eine Erweiterung der mündlichen Kommunikation.

shrug (adapted) (Image by Topher McCulloch [CC BY 2.0] via Flickr)
Image (adapted) „shrug“ by Topher McCulloch (CC BY 2.0)

 

Der Lieblingsemoji von Dirk von Gehlen ist der Shruggie ¯\_(?)_/¯  Es handelt sich hierbei um ein japanisches Emoticon (Kaomoji), welches eine Art Schulterzucken symbolisiert. Er streckt seine Handflächen seitwärts nach oben und lächelt, sodass man seine Haltung als ein „Ich weiß es doch auch nicht“ verstehen kann. Der Begriff Shruggie leitet sich von dem englischen Wort „to shrug“ (mit den Achseln zucken) ab.

Es gibt für seine Entstehung zwar keinen eindeutigen Ursprung, aber der Rapper Kanye West könnte ein Grund für seine Popularität sein. Bei den MTV Music Awards 2010 zuckte er beiläufig mit den Schultern, sodass die Zuschauer diese Geste als „Kanye-Shrug“ kommentierten. „Wie die meisten Emoticons war er einfach irgendwann da und wurde genutzt. Darin liegt für mich der besondere Wert digitaler Kommunikation: Es gibt nicht eine Quelle, die vorgibt, wie etwas zu nutzen sei. Die Menschen nutzen Buchstaben und Ziffern und bauen daraus etwas Neues – wie beispielsweise den Shruggie. Das ist wunderbar.“.

dirk-von-gehlen-image-via-dirkvongehlen-de
Plädiert für mehr digitale Gelassenheit: Dirk von Gehlen

Symbol einer digitalen Grundhaltung

Es gibt Leute, die sagen, der Shruggie sei Ausdruck des Gefühls, online zu sein. Für mich ist der Shruggie das Symbol einer digitalen Grundhaltung, die sich in einer fröhlichen (aber nicht zynischen) Ratlosigkeit manifestiert, die ich mal als Kulturpragmatismus überschrieben habe“, so von Gehlen. Dieser Kulturpragmatismus zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, die eigene Bewertung der Welt und ihrer Entwicklung nicht so ernst zu nehmen.

Zu der digitalen Grundhaltung des Shruggies zählt, dass man mit einem fröhlichem Schulterzucken auf verschiedene Situationen reagiert. Er lebt mit einer optimistischen Offenheit gegenüber der Welt, kennt keine Wahrheiten und bietet allerlei Raum für Interpretationen. Bei dem „Shruggie-Prinzip“ geht es darum, ständig zu fragen: „Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre?“. Wer sich dafür interessiert, kann in dem regelmäßig stattfindenden Seminar von Dirk von Gehlen mehr dazu lernen. Außerdem steht das japanische Emoji für eine produktive Ratlosigkeit, die uns davor schützt, alles sofort zu bewerten und immer eine Meinung zu haben.

Laut von Gehlen weiß es der Shruggie auch nicht, aber er schämt sich dieser Ratlosigkeit nicht. Er akzeptierte das Nicht-Wissen, denn nur, wenn man nicht auf jede Frage sofort eine Antwort hat, entstehe ein Prozess, an dessen Ende vielleicht eine neue Lösung steht. Zu diesem Lebensgefühl gehört es, fröhlich, ratlos, gelassen und digital zu sein. Zusammenfassend nennt von Gehlen die Haltung auch „Social Media Gelassenheit“. Dies sei der Versuch, das Shruggie-Prinzip auf die Nutzung von Twitter und Facebook zu übertragen, also eine Entschleunigung einzuführen.  Wenn jeder erstmal digital gelassen bleibt, ändert das die Stimmung in sozialen Netzwerken. Dieses Verhalten können wir alle von dem Shruggie lernen, er ist nämlich immer gelassen und distanziert.


Image (adapted) „Emoji“ by downloadsource.fr  (CC BY 2.0

Image via dirkvongehlen.de


Weiterlesen »

Schlau, aber abgehängt: Smartphones sorgen für eine digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft

mobile (Image by cicwdn [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Manch einer würde behaupten, dass der rasche Aufstieg des mobilen Zugriffs in der Theorie keine gute Idee für Einzelpersonen und die Gesellschaft war. Eine Öffentlichkeit, die verknüpfter ist, ist auch informierter. Ein gesteigertes mobiles Vordringen bedeutet, dass sich mehr Menschen öfter als jemals zuvor miteinander verbinden können.

Aber einem neuen Bericht des Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy aus Harvard zufolge gibt es eine dunkle Seite der mobilen Revolution, die befürchten lässt, dass eine weniger beteiligte, „zweitklassige“ Nutzerschaft entsteht, die nicht so sehr von der mobilen Übernahme profitieren wie man annehmen könnte. Eine mobilere Öffentlichkeit könnte, paradoxerweise, eine weniger informierte werden.

Johanna Dunaway, ein ehemaliges Mitglied von Shorenstein und Verantwortliche für den Report, macht die Smartphones selbst für diese Entwicklung verantwortlich. Dank der Kombination von kleineren Bildschirmen, langsamerer Verbindungsgeschwindigkeit und unterschiedlichen Datenpreise sind mobile Geräte in vielerlei Hinsicht keine geeigneten Überträger der Nachrichtennutzung.

Mithilfe einer Eye-Tracking-Software konnten Dunaway und ihre Kollegen beobachten, wie sich Menschen mit Nachrichten auf ihren Handys beschäftigen. Ihr Ergebnis: „Wir fanden heraus, dass im Vergleich zu Computernutzern die Handynutzer weniger Zeit mit dem Lesen von Nachrichteninhalten verbrachten. Sie haben die Links auch nach längerer Nutzung seltener bemerkt und verfolgt.“ sagt Dunaway.

Ihre Befunde wurden von vorherigen Daten von Pew Research unterstützt, die herausfanden, dass, während die meisten Seiten mehr Besucher per Smartphones als über PCs kriegen, die Leser dazu tendieren, weniger Zeit mit dem Lesen als an mobilen Geräten zu verbringen.

Image via Nieman Lab
Image via Nieman Lab

In Anbetracht dessen, dass voraussichtlich bis 2020 zwei Drittel der Onlineaktivität auf mobilen Geräten geschehen wird, sind die Auswirkungen einer mobil dominierten Öffentlichkeit laut dem Bericht recht finster.

Dunaway sieht eine Verbindung zwischen den Risiken von Handys zu vielen anderen Herausforderungen der Nachrichtenagenturen. Diese haben Probleme, die Menschen in einem Medienökosystem zu informieren, das von Auswahl, Fragmentierung und der Anziehung von Nachrichtennutzern zu Quellen, die ihre Ansichten beweisen und Neigungen durchsetzen, dominiert wird.

Letztendlich bedeutet dies, dass Smartphones zwar den Nachrichtenagenturen helfen, mehr Menschen als je zuvor zu erreichen, das Problem jedoch darin besteht, dass diese mobilen Nachrichtennutzer weniger beschäftigt und weniger informiert sind. Sie werden wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit den Sport- und Unterhaltungsnachrichten als der politischen Berichterstattung widmen. Des Weiteren ist die Übernahme des Handys am deutlichsten in Kreisen von Latinos, Schwarzen und Amerikanern mit geringem Einkommen, was noch einmal eigene Herausforderungen hervorbringt, zeigt Dunaway auf:

    „Es könnte richtig sein, daraus zu schließen, dass wir ein Zeitalter einer zweitklassigen digitalen Bürgerschaft betreten, geführt von einer ausschließlich mobilen digitalen Unterschicht.
    Ein denkbares Ergebnis ist eine größer werdende Lücke zwischen denen, die politisch interessiert und informiert sind und denen, die es nicht sind. Setzt man voraus, dass diese Lücke entlang der Einkommens-, Rassen-, Ethik- und Berufsgruppen entsteht, könnte der Effekt eine Beschleunigung der Kluft zwischen Reich und Arm in Amerika nach sich ziehen – und dies zu einer Zeit, in der diese Schwelle bereits der Grund für politische Sorgen und Unruhen sind.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Mobile“ by cicwdn (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Mit einem Schatten in der Birne misslingt die digitale Transformation

Konferenz (Image by Unsplash (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Unternehmensführer haben angeblich längst persönlich Verantwortung für das Gelingen der digitalen Transformation übernommen. Das behauptet zumindest eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Für die Untersuchung wurden ausschließlich CEOs und Aufsichtsratsvorsitzende von 78 der umsatzstärksten Unternehmen aus Deutschland ausgewählt – frei nach dem Motto „Frag den Bäckermeister, wie er seine Brötchen beurteilt“.

Führungskräfte wollen den Kontrollverlust „organisieren“

„In der Studie artikulieren die Manager deutlich, dass jetzt vor allem die richtige Führung und die richtige Kultur zum Ziel führen. Denn es ist nicht trivial, den Kontrollverlust zu organisieren. Es braucht einen Mentalitätswandel, lieber früh zu scheitern, um zielstrebig die Richtung zu ändern. Dazu gehören Offenheit und Flexibilität, um stärker als bisher auf Kooperationen mit Wettbewerbern zu setzen“, schreiben die Studienautoren.

Mitarbeiter nicht transformationsbereit?

Die größten Defizite beim digitalen Wandel ihrer Organisationen, sehen die Manager in den Chefetagen übrigens nicht bei sich selbst, sondern – welch eine Überraschung – bei ihren Mitarbeitern. Auch die Wettbewerber werden durchgehend schlechter beurteilt als das eigene Unternehmen. „Keiner nennt in diesem Zusammenhang aber potenzielle Disruptoren aus der digitalen Welt, beispielsweise Startups, alle achten bisher nur auf klassische Konkurrenten.“ Für den eigenen Führungsstil wird zwar auch Nachholbedarf konstatiert, allerdings sehen hier die Umfrageteilnehmer die kleinste Transformationslücke.

Digitale Kompetenz bei Vorständen zweitrangig

Bei Vorstandsbesetzungen spielen die Aspekte der digitalen Transformation keine dominante Rolle, obwohl das Thema von existenzieller Relevanz für Unternehmen ist. Bei Aufsichtsratsbesetzungen ist die Lücke noch größer. Das überrascht nicht wirklich, wo doch die wichtigsten Posten in Unternehmen eher im Verborgenen ablaufen. Da zählt eben Habitus mehr als die Qualifikation, wie der ehemalige Konzernvorstand Thomas Sattelberger im ichsagmal-Sommerinterview konstatierte.

Sonst würden sich nicht so viele Psychopathen durchsetzen. Viele von denen haben nach Erfahrungen von Sattelberger einen Schatten in der Birne: Sie sind neurotisch, aggressiv und machiavellistisch – also machtbesessen. Siehe auch den Netzpiloten-Beitrag „Top-Manager und die dunklen Hinterzimmer der Macht

Wie wollen die narzisstischen Old Boys in einer vernetzten Welt überleben?

In dieser Gemengelage wollen die Old Boys der Wirtschaft die Digitalisierung und den Kontrollverlust in einer vernetzten Welt stemmen? Das kann nicht gutgehen.

Es reicht halt nach Auffassung des Kölner Ökonomen Thomas Vehmeier nicht aus, einige TED-Konferenzen zu besuchen, mal rüber ins Valley zu reisen, die Krawatte gegen einen Schal zu tauschen, um andere zu belehren, wie man das mit dem Digitalen richtig zu machen habe. Nicht die Mitarbeiterschaft blockiert die Transformation, sondern der Manager-Narzissmus. „Demut und Lernen wären angebracht“, fordert Vehmeier. Das passt allerdings nicht zur machiavellistischen Persönlichkeitsstruktur vieler CEOs und Aufsichtsratsbosse.

Unlogische Netzstrukturen sind Gift für Firmenbosse

Wenn autoritäre und egozentrische Organisationsprinzipien in Unternehmen auf die anarchischen und unlogischen Strukturen des Internets prallen, erfahren die Steuermänner und Steuerfrauen der Wirtschaft sehr schnell, dass die alten Kontrollmechanismen nicht mehr funktionieren. Ob sie aus diesen Erfahrungen lernen oder die beleidigte Leberwurst spielen, wäre eine interessante Frage für empirische Untersuchungen. Ich befürchte, dass die Lernkurve ziemlich flach verläuft. Hier liegt wohl der Kern des Problems beim Umgang mit der digitalen Transformation. Es liegt nicht am Unverständnis gegenüber technologischen Veränderungen. Die Organisationssysteme in Konzernen und vielen mittelständischen Unternehmen sind in der digitalen Sphäre nicht mehr tragfähig. Unternehmensführer sehen ihre Organisation aber immer noch als kontrollierbare Entität – auch im Netz:

„Genau das funktioniert nicht mehr, auch wenn man strikte Social Media-Guidlines formuliert oder Regeln festlegt, wer in der Außenwelt etwas sagen darf und was er sagen darf. Auch hier versucht man, das Ganze in Kontrollstrukturen einzugliedern, damit krampfhaft das Bild einer einheitlichen Entität gewahrt wird. Das kostet unglaublich viel Energie und funktioniert am Ende doch nicht“, resümierte der Kontrollverlust-Blogger Michael Seemann schon vor ein paar Jahren.

Schönwetter-Denke der Egomanen

Folgt man den Erkenntnissen der IW-Studie, läuft das immer noch nach dem Prinzip „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ Reflexionsfähig sind die wenigsten Protagonisten in der Unternehmenswelt. Solange sich an den Kaminkarriere-Mustern nichts ändert, bleiben Narzissten auf den Chefsesseln. Die Wesenszüge dieser Führungspersönlichkeiten stehen dem Umgang mit Kontrollverlust entgegen: Überhöhte Anspruchshaltung, unkritische Selbsteinschätzung und Egoismus. So etwas wird man mit normalen Umfragen nicht ans Tageslicht befördern. Das Notiz-Amt plädiert für Couch-Interviews beim Psychiater.


Image „Konferenz“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Digitale Inkompetenz mit Aggression kompensieren

Business man holding a cell phone (image by kev-shine [CC2.0]__via Freestockphotos

Digitalisierung fordert aggressive Führung, proklamieren Ralf Landmann und Alexander Strahl in einem Gastbeitrag für die FAZ. Der Weg in die Digitalisierung sei immer ein Suchen. „Hier sind Anführer gefragt, die trotz aller Unsicherheit klar die Marschrichtung angeben. Wichtig ist, dass der Vorstand strategische wie kulturelle Leitbilder entwickelt und deutlich sichtbar Führung zeigt. Dazu gehört auch Offenheit gegenüber dem Pilotieren neuer Geschäftsmodelle. In der neuen Kultur müssen auch Fehltritte erlaubt sein„, schreiben die beiden Berater.

Auf der Suche nach „geeigneten“ Führungskräften

Der eigentliche Schlüssel zum digitalen Umbau der Organisation sei vor allem die Auswahl geeigneter Führungskräfte. Es gehe darum, Persönlichkeiten zu finden, die erfolgreich digitale Projekte vorantreiben und gleichzeitig die Kultur verändern. Erfolgversprechende Kandidaten würden eher aus einem Projektumfeld als aus der Linienverantwortung kommen. Solche Leute seien es gewohnt, ständig Neues auszuprobieren und auch parallel an mehreren Pilotprojekten zu arbeiten. Im Vergleich zu klassischen Führungskräften sind sie aggressiver, ungeduldiger und schneller. Punkt. Gelingt so der digitale Wandel? Was passiert, wenn Konzernvorstände eher ihre Macht verwalten und ältere Unternehmer kaum noch bereit sind, Neuinvestitionen vorzunehmen oder Risiken in noch unbekannten Geschäftsfeldern einzugehen? Erhöhen wir dann die Aggression in Organisationen, um endlich ein digitales Engagement für die Zukunft auszulösen?

Dünne Semantiksauce

Der frühere Konzernvorstand Thomas Sattelberger wertet diese Denkansätze nicht nur als dünne Semantiksauce, sondern sieht in dem Beitrag den naiven Versuch, die digitale Revolution in deutsche Evolution umzudeuten. Ehrlicher wäre es, die Unternehmensspitzen der Inkompetenz zu überführen, denn die deuten ja auch die digitale Transformation zum deutschen Kastraten Industrie 4.0 um. Externen Beratern, wie den FAZ-Gastautoren, fehle schlichtweg der Mut, solche Sachverhalte öffentlich auszusprechen. „Viele ‚Anführer’ in der Energiewirtschaft, Bankenbranche oder Automobilindustrie wurden ja von den gleichen Headhuntern auf die Stühle der Bewahrung des Alten vermittelt, die jetzt über die Veränderung des Alten ihre ‚Kopfprämien’ wollen“, kritisiert Sattelberger.

Es geht um Kompetenz

„Linienmanager“. „Projektmanager“. „Digitalisierung als Führungsaufgabe“. Wie lange wollen wir noch auf dieser weichgespülten Beraterebene verweilen, fragt sich Ralf Rottmann, Managing Partner des Kölner Unternehmens Grandcentrix: „Elon Musk kann Software, er programmierte sein erstes Spiel mit zwölf Jahren. Mark Zuckerberg ist im Herzen immer Entwickler geblieben. Ich sage nicht, dass Software-Ingenieure automatisch erfolgreiche Gründer werden. Aber es geht im Kern um nichts anderes als digitale Kompetenz und nicht um abstrakte Führungsmodelle oder absurd künstlich separierte Startups im Konzern, deren ‚Heads of Innovation’ Quarterly Business Reviews mit dem Konzernvorstand haben, die Blockchain mit Bitcoins verwechseln, weil das irgendwie so in der Süddeutschen Zeitung stand.

Beraterlatein mit dicker Hose

Professor Frank Widmayer hält die Ratschläge der beiden FAZ-Gastautoren für widersprüchlich: Wenig Substanz, aber mit dicker Hose geschrieben:

Das Idealbild des ‚digitalen Wandlers’ ist die Beschreibung für den Top-Narzissten und bleibt leider im alten Denkschema hierarchischer Führung. Aus meiner Sicht wollen die Leute, die es könnten, in solchen Strukturen gar nicht arbeiten. 

Ideen werden geboren, wo Beteiligung erlaubt ist, meint Roland Panter. „Ergo wird die ‚One-Steuermann-Show’ den komplexer werdenden Veränderungen vermutlich nicht gerecht. Eine zeitgemäße Führung basiert auf hierarchiefreier, wertschätzende Kommunikation. Also einem Umfeld, in dem Innovationen fast zwangsläufig provoziert werden. Der Ruf nach aggressiver Führung spiegelt vor diesem Hintergrund vielleicht den durchaus nachvollziehbaren Wunsch nach einfachen Lösungen wider. Mir persönlich würde die Idee einer entscheidungsförderlichen Führung besser gefallen“, so der Kommunikationsdienstleister aus Hannover.

Das Notiz-Amt neigt zu der Ansicht, einfach mal die Wahrheit über aggressive und unfähige Unternehmer, Top-Manager sowie Berater in Deutschland auszusprechen. So würde man schneller die Spreu vom Weizen trennen.


Image „Business man holding a cell phone“ by kev-shine (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Sportliche, kommunikative Chefs machen noch keinen digitalen Frühling

Manager (Image by niekverlaan (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Mit dem radikalen Wandel der Wirtschaft ist ein neuer Manager-Typ gefragt, schreibt Caspar Busse von der SZ und meint die Anforderungen der Digitalisierung. Schließlich spüren viele Unternehmen den Druck der Disruption und das sei ja so eine Art Zerstörung. Das Notiz-Amt verkneift sich jetzt weitere Ausführungen zur Disruptionstheorie und zu den Sabbeleien über die kreative Zerstörung, die nichts mit dem Werk des Ökonomen Joseph Schumpeter zu tun haben. Ein Verweis auf das Opus „Warum mich die disruptiv-digital-transformatorischen Keynote-Sprechautomaten nerven“ sollte genügen.

Rorsted redet sogar mit seinen Mitarbeitern

Aber was sollen denn nun Chefs in der vernetzten Wirtschaft mitbringen? Nach Ansicht von Busse sollten sie informell und nicht glattgebügelt sein sowie einen Hang zum „Querdenken“ haben. Gähn. Zu ihnen zählt der SZ-Autor den künftigen Adidas-Chef Kasper Rorsted. Der würde bei seinen Reisen meist ohne Entourage unterwegs sein und so direkt in Kontakt mit den Beschäftigten kommen – unabhängig von der Hierarchie-Stufe. „Wenn ihm etwas auffiel, sprach er das später bei dem verantwortlichen Vorgesetzten an.“ Wahnsinn. Man müsse präsent und für Mitarbeiter ansprechbar sein, wird Rorsted in dem Artikel zitiert. Hierarchien sollten keine Barriere sein. Das soll nun der Prototyp für den Vorstandschef neuer Prägung sein?

Schließlich sei der Däne erfolgreich und unkompliziert, er gibt sich nahbar und unabhängig, hat bereits in mehreren Branchen gearbeitet. „Gerade nahm er Abschied bei Henkel, eine Aktionärsvertreterin lobte ihn dabei als ‚Mann der Superlative’“, führt Busse weiter aus. Kein Wunder – was soll die Aktionärsvertreterin denn sonst dazu sagen?

Karrieristen der alten Schule

Rorsted mag ein kommunikativer und erfolgreicher Vorstandsvorsitzender sein, er ist zudem ein äußerst geschickter Architekt seiner eigenen Karriere im Netzwerk der immer noch mächtigen Deutschland AG. Er nutzt die informellen Runden, die von der Öffentlichkeit abgeschottet werden. Es soll intim zugehen. Ein Rückzug in die Privatheit, der ausschließlich über persönliche Kontakte läuft. Etwa in der alpinen Seilschaft von Herbert Henzler. Im elitären Männerzirkel der so genannten “Similauner” kraxeln unter Führung von Reinhold Messner Manager wie Hubert Burda und – welch ein Zufall – der noch amtierende Adidas-Chef Herbert Hainer. Wen findet man im Aufsichtsrat des Sportartikel-Herstellers? Henkel-Personalvorstand Kathrin Menges. Weitere Verbindungslinien zur Arbeitnehmerseite oder zu Finanzberatern kann man über Google recherchieren, nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Boardreport und – natürlich – bei den Netzpiloten. Rorsted ist sicherlich ein smartes Kerlchen. Aber er spielt immer noch auf der Klaviatur des klassischen Managements.

Personalberater-Schwafeleien

Was dann in der SZ-Story von Personalberatern abgesondert wird, ordnet das Notiz-Amt unter das übliche Consulting-Kauderwelsch ein. Die neuen Vorstandschefs müssten Kommunikation beherrschen, sollten aufnahmefähig sein und dürfen nicht erstarren. Sie sind wendig, machen unkonventionelle Vorschläge wie Telekom-Chef Höttges (der Autor bekommt an dieser Stelle einen leichten Lachkrampf), reisen regelmäßig ins Silicon Valley, treiben Sport und rauchen keine Zigarren oder Zigaretten mehr. Auweia. So wird das nichts mit der Netzökonomie.

Wer an die fortschreitende Vernetzung andocken will, sollte sich erst einmal von diesen dümmlichen Klischees verabschieden. Top-Leute in der Wirtschaft müssen erst selbst eine offene Netzwerkstruktur werden und entsprechend sichtbar, ansprechbar und dialogfähig sein – ohne Kontrollschleifen. Davon sind Rorsted, Höttges und Co. noch meilenweit entfernt. Es geht um eine Haltung, die sich vom Management der linearen Industrialisierung verabschiedet, fordert Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach in einem Facebook-Posting. Ob Führungskräfte nun Kettenraucher sind, zehn Kilometer-Waldläufe in 40 Minuten absolvieren oder auswendig gelernte Kalenderweisheiten über Kommunikation fehlerfrei in die Kamera brabbeln, ist hierbei völlig wurscht.

Sozialinnovative Digitalkompetenz vonnöten

„Alle Lebensbereiche, Arbeit und Politik unterziehen sich einem umfassenden, technologisch-sozialen Wandel, dessen Folgen allerorten spürbar, aber erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt bewertbar sind“, schreiben Thomas Sattelberger und Martin Schössler in einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche. Führungskräfte müssen eine sozialinnovative Digitalkompetenz erwerben – und sei es nur, um die Wechselbeziehungen ihrer Ideen in der realen Welt besser einschätzen zu können. „Selbst das greift aber vermutlich schon zu kurz, da technische, digitale und soziale Innovationen kaum noch voneinander zu trennen sind.“

Wird die digitale Revolution von Managern wie Rorsted und Höttges als sozialer Handlungsraum verstanden oder versuchen sie nicht eher, ihre Organisationen mit digitalen Werkzeugen auf Effizienz zu trimmen? In vielen Unternehmen werden mittlerweile Hierarchien abgebaut und Entscheidungsabläufe verschlankt. Weniger Hierarchie heißt aber nicht automatisch mehr Beteiligung und Verbesserung der Arbeitswelt.

Untersuchungen des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung in München belegen, dass die meisten Führungskonzepte auf die rigide Umsetzung des Prinzips „Steuern nach Zahlen setzen“. Das führt oftmals zu einer Zentralisierung von Macht und Entscheidungskompetenz. Die Mitarbeiter sehen sich dann nur noch als zahlengetriebene Exekutoren von Sachzwängen und Vorgaben. Kontrollmöglichkeiten werden mit der Digitalisierung ausgebaut und Beschäftigte stehen gar unter einem strengeren Regime von Vorgaben. Man schafft damit eher eine digitale Fließband-Organisation mit dem Maschinen-Paradigma des 19. Jahrhunderts. Trackingsysteme zur Selbstoptimierung im Privatleben sind dafür ein prächtiges Beispiel. Ein sozialer Handlungsraum, der Menschen in neuer Qualität miteinander vernetzt und in Beziehung bringt, entsteht so nicht.

Am 3. Mai gibt es auf der re:publica in Berlin beim #hrfestival zu diesem Thema ein Interview mit Thomas Sattelberger.

Also dann: Man hört, sieht und streamt sich in der nächsten Woche!


Image „Manager“ by niekverlaan (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Zurückgeblättert: Clifford Stoll und sein Abgesang aufs Internet

Clifford Stoll (Screenshot by YouTube)

In seiner Kolumne „Zurückgeblättert“ wirft unser Autor Hendrik Geisler einen Blick zurück. Für diesen Beitrag in die Newsweek-Ausgabe vom 27. Februar 1995, in der Clifford Stoll auf Seite 41 mit dem Internet abrechnet. Vor 20 Jahren rechnete der US-Amerikaner Clifford Stoll in der Newsweek mit dem Internet ab. Heute liest sich sein Abriss wie eine Satire. Das meiste hat Stoll falsch prognostiziert, mit mancher Voraussage hat er aber Recht behalten. Und auch nach 20 Jahren hat der Artikel an Unterhaltsamkeit seit seiner Veröffentlichung kein bisschen eingebußt hat. Im Gegenteil: Mit jedem Jahr, in dem neue Technologien vorgestellt werden, und mit jeder Innovation, die einen Schritt hin zu einer mehr und mehr digitalisierten Welt bedeutet, gewinnt Clifford Stolls „Why the Web Won’t Be Nirvana“ an Unterhaltungswert.

Stoll schrieb vor 20 Jahren einen Abgesang auf das Internet, in dem er das World Wide Web einen „großen Ozean ungefilterter Daten ohne Anspruch auf Vollständigkeit“ nennt. Man kann ihm dahingehend sicher zustimmen, den Siegeszug des Internets, hat diese Nebensächlichkeit aber nicht gestoppt. Zeit, mal einen Blick darauf zu werfen, was Clifford Stoll, der an der Aufdeckung des KGB-Hacks in den 1980er Jahren beteiligt war, vor über zwei Jahrzehnten am Internet bemängelte und eine Bestandsaufnahme zu machen von den Technologien, die er nicht vorhergesehen hat.

Nicholas Negroponte, director of the MIT Media Lab, predicts that we’ll soon buy books and newspapers straight over the Intenet. Uh, sure.

Selbstsicher stellt Stoll früh fest: „Keine Online-Datenbank wird die Tageszeitung ersetzen.“ Damit liegt der Amerikaner vollkommen richtig und könnte gleichzeitig nicht weiter von der Realität entfernt sein. Datenbanken sind kein Ersatz für Tageszeitungen und der Großteil der Menschen hat 2014 seine Informationen noch aus gedruckten Medienerzeugnissen bezogen. Doch es klingt schon fast hinterwäldlerisch, das auszusprechen, was Allgemeingrund ist: Die Zukunft des Journalismus liegt im Digitalen, im Internet.

Clifford Stoll konnte sich damals nicht vorstellen, dass man ein Buch auf einem Bildschirm lese. „Das kurzsichtige Glühen eines unhandlichen Computers ersetzt die freundlichen Seiten eines Buches“, schreibt er hämisch. Elektronisches Papier, auch E-Ink genannt, ist im Jahr 2015 absoluter Standard bei E-Book-Readern. Bei der Handlichkeit haben die Geräte Bücher auch schon lange überholt. Können sie deshalb ein Buch ersetzen? Nein. Noch immer gibt es Millionen von Leseromantikern, die nicht auf das gedruckte Wort verzichten möchten. Der Hinweis Stolls, einen Laptop könne man nicht an den Strand bringen, ist heute hingegen so schrecklich absurd, dass man sich aktiv ins Gedächtnis rufen muss, dass unsere Technologien nicht schon ewig zur Verfügung stehen.

Lacking editors, reviewers or critics, the Internet has become a wasteland of unfiltered data

Stoll stört sich zudem daran, dass man im Internet nicht wisse, was zu ignorieren sei und was beachtenswert. Auf der Suche nach dem Datum der Schlacht von Trafalgar bekommt er hunderte Dateien angezeigt und benötigt 15 Minuten, um einen Durchblick zu bekommen. Die Antwort kennt er danach noch immer nicht. Ein paar Jahre später war das kein Problem mehr. 1998 gründeten Larry Page und Sergey Brin Google, drei Jahre später rief Jimmy Wales Wikipedia ins Leben. Gibt man heute auf Google „Battle of Trafalgar“ ein, erhält man in 0,57 Sekunden etwa 881.000 Ergebnisse. Dass die Schlacht am 21. Oktober 1805 stattfand, kann man dann auf Wikipedia erkennen, ohne einen weiteren Klick zu machen.

Auch eine große Rolle des Internets in der Politik zweifelt Stoll an und nennt das Beispiel eines Lokalpolitikers, der im Wahlkampf alle Pressemitteilungen und Positionspapiere hochgeladen habe. Das Ergebnis: nur 30 Wähler hätten sich eingeloggt. Das sei kein gutes Omen, schließt Stoll seine Überlegungen. 13 Jahre nach der Veröffentlichung des besprochenen Artikels wurde Barack Obama erster schwarzer Präsident der USA. Forscher sind sich heute einig, dass dies ohne die Reichweite des Internets und speziell der Social-Media-Kanäle nicht gelungen wäre.

So how come my local mall does more business in an afternoon than the entire Internet handles in a month?

Flugzeugtickets online kaufen? Kaufverträge im Internet aushandeln? Geht es um Geschäfte im Internet, winkt Stoll ab. Sein örtliches Einkaufszentrum mache an einem Nachmittag mehr Umsatz als das gesamte Internet in einem Monat, stellt der damals 44-Jährige in seiner Internet-Kritik fest. Es gebe ja nicht mal einen sicheren Weg, die Waren zu bezahlen, moniert er. Und überhaupt fehle es an einer essentiellen Zutat des Kapitalismus: Verkäufern.

Mittlerweile ist ein Einkauf im Internet das normalste der Welt und es gibt mehr als einen sicheren Weg, Rechnungen online zu begleichen. Neben Angeboten wie kartenbasierten Zahlungsarten, Online-Überweisungen und zahlreichen kleinen Micro-Pay-Methoden hat sich vor allem ein Dienst durchgesetzt: PayPal. Im zweiten Quartal 2015 betrug das Transaktionsvolumen der ehemaligen eBay-Tochter etwa 65,94 Milliarden Euro. Den Handel im World Wide Web bezeichnet Stoll in seinem Artikel als Cyberbusiness. Heute sagt man E-Commerce, und dieser E-Commerce hat trotz des von Stoll angekreideten Mangels an Verkäufern 2014 weltweit rund 1,32 Billionen Euro umgesetzt. Für den nachmittäglichen Umsatz einer örtlichen Mall braucht das Internet vermutlich keine Minute mehr.

While the Internet beckons brightly, seductively flashing an icon of knowlege-as-power, this nonplace lures us to surrender our time on earth

So oft man bei der Newsweek-Lektüre von 1995 auch laut auflachen muss, kommt man schlecht umhin, Clifford Stoll in einigen seiner Aussagen durchaus Recht zu geben. Gute Lehrer werden immer wertvoller sein als jede noch so toll konzipierte Lern-Software? Ja. Der menschliche Aspekt in der Bildung wird immer eine wichtige Rolle spielen. Und, genau wie Stoll sagt, man wird sich immer an inspirierende Lehrer statt an ausgefeilte Lehrtechnologien erinnern.

Eine elektronische Nachricht ist ein schwacher Ersatz zu einem echten Treffen mit Freunden? Eindeutig. Menschen wirklich gegenüber zu sitzen, ist nicht annähernd vergleichbar mit dem Tippen einer Nachricht auf einer Tastatur. Als Ersatz sollte man digitalen Kontakt dann auch nicht begreifen, sondern als fantastische Ergänzung des Miteinanders. Kein interaktives Multimedia-Display wird jemals das Gefühl eines echten Konzerts vermitteln können? Auch hier behält der Kritiker Recht. Gerade jetzt, wo Virtual Reality eine immer größer werdende Rolle zugesprochen wird, könnte man meinen, echte Erlebnisse müssten zukünftig dahinter zurücktreten. Wer selber schon bei einem Konzert in der Masse mitgehüpft ist, die Arme in die Luft geschmissen und den Bass in der Brust gespürt hat, weiß, dass die Realität niemals mit technischen Mitteln erreicht werden kann. Und wenn Stoll fragt, ob wirklich jemand Cybersex echtem Sex gegenüber bevorzuge, kann man sich auch heute noch guten Gewissens dieser Frage anschließen. Echter körperlicher Kontakt ist und bleibt einzigartig.

Of my many mistakes, flubs, and howlers, few have been as public as my 1995 howler.

Was macht Clifford Stoll, der noch immer mit seinem 20 Jahre alten Artikel Menschen unterhält, heute? Seit mehreren Jahren forscht er zu Problemen der Mobiltelefonie und arbeitet dort mit Physikern und Mathematikern zusammen. Seine größte Passion scheint aber der Online-Vertrieb von Kleinschen Flaschen zu sein. Wie viel Stoll damit zu den 1,32 Billionen Euro E-Commerce-Umsatz weltweit beiträgt, ist nicht bekannt. Mehrere Interviewanfragen ließ er leider unbeantwortet. Gerne hätten wir aus erster Hand gehört, wie Stoll persönlich über seine Fehlprognosen denkt und wie das Internet in weiteren 20 Jahren aussehen wird.

Einen Hinweis darauf, wie er seinen 1995er-Artikel selber sieht, findet man unter einem Blog-Eintrag zu seinem Artikel aus dem Jahr 2010. In einem Kommentar versucht Stoll dort nicht, sich zu rechtfertigen, sondern gibt zu, dass er falsch lag. Und bezüglich zukünftiger Prognosen scheint er mittlerweile Vorsicht walten zu lassen: „Wann immer ich heute denke, dass ich weiß, was passieren wird, hinterfrage ich meine Gedanken: Du liegst vielleicht falsch, Cliff…“.


Teaser & Image „Clifford Stoll“ by YouTube (Screenshot)


Weiterlesen »

Ohne Nerds keine digitalen Tipping Points

Me & My PowerBook (adapted) (Image by Brian Moore [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Der digitale Wandel wird von der Netzgemeinde betrieben. Wertschätzung erfährt diese dafür nicht. Stattdessen belächelt das krawattentragende Establishment die Nerds und zerstört so den Barcamp-Geist. Ein Beitrag zur #KölnerBarcampKontroverse. Manchmal gibt es Diskussionen und Lebenssituationen, die erzeugen einen Heureka-Moment und man weiß, wo man steht und in welche Richtung es weiter gehen soll. So war es beim fünften Netzökonomie-Campus mit Käsekuchen in Köln, den Mister Unternehmer-Plattform Winfried Felser perfekt organisiert hat. Auch seine Backkünste konnten überzeugen.

In unserem offenen Format, an dem jeder Interessierte teilnehmen kann – real und virtuell über eine Liveschalte via Hangout on Air – steht die Disputation im Vordergrund. Absprachen, Kontrolle der Gespräche, Sprachregelungen oder sonstige aseptische Vorkehrungen kommen für uns nicht in Frage. Da gibt es ausreichend Plastik-Frontal-Formate, die besonders in Wirtschaftskreisen dominieren.

Wir leben die Barcamp-Kultur und setzen auf Überraschungen. Das Schwerpunktthema kann der jeweilige Gastgeber oder die Gastgeberin auswählen und in einem Eingangsstatement vorstellen. Einzige Bedingung: Der Käsekuchen muss in Eigenregie gebacken werden.

Wenn Blindfisch über Barcamps redet

Beim Netzökonomie-Campus am vergangenen Sonntag gab es schon in den ersten Minuten eine Bestätigung des Veranstaltungstitels: „Doppelter Hochmut kommt vor dem doppelten Fall: Dialogunfähigkeit zwischen Netzszene und Wirtschaft“.

Barcamps seien esoterischer Quatsch, Netzgemeinde oder Netzaktivisten klingen irgendwie nach Sekte. Alles dummes Zeug. Es gehe darum, die alte Wirtschaft von der Digitalisierung zu überzeugen und Brücken zu bauen. Das waren die ersten Statements, die meine Streitlust steigerten. Ich frage mich, wo jener Protagonist des digitalen Wandels steht, der etwas flapsig auf die Netzbewegung runterschaut? Barcamps jemals besucht? Fehlanzeige. re:publica in den vergangenen Jahren in Berlin erlebt: Fehlanzeige. Die eigenen Positionen mal in offenen Formaten ohne Headset, ohne Powerpoint-Orgien und ohne Berieselungsrhetorik ausprobiert? Wohl eher nicht.

Wie kann jemand jenseits von Facebook-Monitoring-Schwafeleien Brücken in die alte Wirtschaftswelt bauen, der die Netzszene als irrelevant und kindisch wertet? Was den Unternehmern häufig vorgeführt wird, ist nichts anderes als digitales Tschakka-Gebrüll in alter Establishment-Denkweise.

Kein Respekt vor den Leistungen der Nerds

Der blinde Fleck in der Digitalisierung ist also auch dort zu verorten, wo inflationär Online-Marketing-Blabla abgesondert wird. Die liebwertesten Gichtlinge in Wirtschaft und Politik haben es sich wohl zur Aufgabe gemacht, die Graswurzel-Vorarbeiten der idealistischen Nerds abzusaugen und ihre Klüngel-Hinterzimmer-Praktiken nur mit etwas digitalem Zuckerguss zu überstreichen, um im abgeschotteten Einweg-Kommunikationsmodus zur Tagesordnung überzugehen.

Das brachte beim Käsekuchen-Diskurs Startup-Unternehmer Marcus Jacobs zum Ausdruck: Der Ursprung für viele regionale Initiativen wie die Kölner Internetwoche oder das IHK-Format „Digital Cologne“ sei durch ein Barcamp im Jahre 2009 im Rathaus der Domstadt entstanden. In diesen Veranstaltungen opfern viele Enthusiasten ihre Freizeit und entwickeln Netzideen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die von den etablierten Kräften in der Vergangenheit belächelt wurden und jetzt adaptiert werden.

Dann sollte man vor diesen Leistungen mehr Respekt zeigen! In den USA sind es auch nerdige Idealisten, die digitale Ideen hervorbringen. Sie werden allerdings von der Krawattenfraktion nicht überfahren, sondern als Ikonen der Netzökonomie verehrt und gefeiert.

IT-Gipfel-Unverbindlichkeiten statt Austin-Geist

Schräge und wilde Veranstaltungsformate wie die SXSW in Austin haben schon viele neue Netzplattformen, Apps und Geschäftsmodelle aus der Taufe gehoben. Auch das ist ein großer kultureller Unterschied zu teutonischen Apparatschick-Treffen wie dem Altherren-Stelldichein namens IT-Gipfel. Die Spitzenfunktionäre von Bitkom und Co. ergötzen sich an der Möglichkeit, einmal im Jahr der Kanzlerin am Rockzipfel zu hängen, um in schöner Regelmäßigkeit mit einer Suada von Unverbindlichkeiten abgespeist zu werden. Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo hat sich der Mühe unterzogen, die digitalen Merkel-Worthülsen aufzulisten.

Anfang 2008 wollte die Bundesregierung Merkel das Problem fehlender Breitbandanschlüsse „binnen 12 Monaten lösen“. 2009 fabulierte Merkel: „Wir haben uns sehr ambitionierte Ziele gesteckt, nämlich den Zugang zum Breitband erst einmal in der schmalen Variante von einem Megabit…“. Außerdem versprach die Regierungschefin drei Viertel der Haushalte 50 Mbit pro Sekunde bis 2014, „und zwar mindestens“ . Ein Jahr später bekräftigte sie beide Zahlen. „Geklappt hat es leider trotzdem nicht“, so Lobo.

Außendruck der Graswurzel-Bewegungen muss zunehmen

2011 wiederum galt 1 Mbit pro Sekunde als ein „ehrgeiziges Ziel“.

2012 machte Merkel einen Premiumscherz: ‚Wenn man jemandem mal Ruhe beibringen will, dann könnte man ihn in eine Ecke setzen, wo gerade mal ein Megabit pro Sekunde zur Verfügung steht.‘ Und doch erklärte noch 2013 die Bundesnetzagentur, ein Megabit pro Sekunde sei Breitband im Sinne der Bundesregierung. Kurz vor 2014 wurde bekannt, dass die im Koalitionsvertrag ursprünglich vorgesehene Summe von einer Milliarde Euro für den Breitbandausbau in letzter Minute gestrichen wurde

, erläutert Lobo. Und schon die veranschlagte Summe war nicht der Rede wert.

Vor diesem Hintergrund müsse nach Meinung von Lobo auch das Versprechen von „50 Mbit/s bis 20XX“ betrachtet werden. Es ist lächerlich. Entsprechend muss der Außendruck von Graswurzel-Bewegungen wie den Barcamps wachsen. Nur dann gibt es nicht nur Schaufensterreden, sondern digitale Tipping Points, die der frühere IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck in Berlin forderte: Beim Barcamp Arbeiten 4.0.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf TheEuropean.


Image (adapted) „Me & My PowerBook“ by Brian Moore (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

Sponsored Post: Mit Office 365 fit für den digitalen Wandel

Tablet am Frühstückstisch (Bild: Microsoft)

Die digitale Welt entwickelt sich nicht nur extrem schnell, sie eröffnet auch neue Chancen. In seinem kostenlosen E-Book zeigt Edgar K. Geffroy, wie euer Unternehmen mit Hilfe von Office 365 vom digitalen Wandel profitieren kann.

Tablet am Frühstückstisch (Bild: Microsoft)

Eine Wirtschaft ohne IT ist inzwischen kaum noch vorstellbar. Wer konkurrenzfähig bleiben möchte, muss sich deshalb intensiv mit dem Internet auseinandersetzen. Dieses bietet dabei nicht nur allerlei Herausforderungen, sondern auch jede Menge Chancen. Nicht umsonst wird der momentane wirtschaftliche Wandel, bedingt durch die Entwicklungen in der digitalen Welt, als die nächste industrielle Revolution bezeichnet. So wie es auch der mehrfach ausgezeichnete Unternehmensberater, Autor und Wirtschaftsredner, Edgar K. Geffroy, tut. Weiterlesen »

Weiterlesen »

Nachrichten-Journalismus im Netz: Alles auf mobil?

Mobile Worker (adapted) (Image by Michael Coghlan [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die Medien verschlafen den digitalen Wandel. Wenn Nachrichten nur noch auf Smartphones gelesen werden, helfen ihnen nur noch Scharfschützen. Als sich der Mobilfunkstandard UMTS im Jahr 2008 auf dem deutschen Massenmarkt durchsetzte, etablierte sich auch das mobile Internet im Alltag, schreibt der Dienst Statista, was natürlich großer Humbug ist. Als im Jahr 2000 der große Run auf die UMTS-Lizenzen stattfand, träumten die Netzbetreiber vom mobilen Surfen, Location-Based-Services und Navigationssystemen auf Smartphones, mobilem Payment und vielfältigem M-Commerce. Jeder Versuch scheiterte bereits in der Produktentwicklung, werthaltigen Content bereitzustellen. Display-Logos und Klingeltöne stellten den einzigen mobilen Content dar, für den bezahlt wurde.

Was 2008 statistisch messbar wurde und exponentiell gewachsen ist, lag nicht an UMTS, sondern hängt mit einem Datum zusammen: Es geht um den 9. Januar 2007. Apple stellte an diesem Tag der Öffentlichkeit einen Prototyp des iPhones auf seiner Macworld Conference & Expo in San Francisco vor. Erst mit dem iPhone-Marktstart redeten wir intensiv über 3G, Apps und Datendienste. Die Explosion an intelligenten Datendiensten bringt bis heute die Telcos in Verlegenheit. Das App-Fieber führte zu Schüttelfrost bei den Netzbetreibern. Davon haben sich die Telekoms dieser Welt nie so richtig erholt.

Verlage verpennen die Smartphone-Revolution

Und nun bekommen auch die liebwertesten Gichtlinge der klassischen Medien mit etwas Verspätung eine mobile Infektion, wie „Huffington Post Deutschland“-Chefredakteur Sebastian Matthes sehr schön beschreibt. Die Smartphone-Dominanz und der steigende Anteil bei der mobilen Nutzung des Internets haben dramatische Auswirkungen für Dienstleister, Händler, Medienunternehmen, so Matthes:

Es lässt kaum einen Wirtschaftszweig unberührt. Ganz besonders wird es die Arbeit von News-Seiten verändern: Sie müssen in vielen Bereichen ganz anders arbeiten. Wir bewegen uns anders durch das mobile Internet. Denn das mobile Internet funktioniert grundlegend anders als das Internet, das wir vom PC aus ansteuern. Wir navigieren hier seltener mit Suchmaschinen durch das Internet, nicht mehr von Website zu Website und wieder zu unseren Bookmarks. Wir nutzen stattdessen entweder die nativen Apps der Anbieter oder wir bewegen uns mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter durchs Netz.

An der Bushaltestelle, im Flughafen, vor dem Einschlafen: Ein kurzer Blick in die Apps, ein Klick auf einen spannenden Text – so sieht die Zukunft der Massenmedien aus. Jeder Dritte konsumiert Nachrichten bei Facebook. Der Schmierstoff dieser mobilen Zukunft sind die Empfehlungen in sozialen Netzwerken. Jeder dritte Amerikaner liest bereits Nachrichten via Facebook, haben die US-Forscher von Pew Research beobachtet. Aber nicht, so schreiben die Forscher, weil jeder von ihnen zig Nachrichtenseiten geliked hat. Sie lesen vor allem Texte, die ihre Freunde empfohlen haben. Wir lesen, was unsere Freunde lesen. Und das ist die eigentliche Revolution.

Sinnfreies Generations-Blabla

Internet goes Social, goes Mobile – diese Marschrichtung sollte jedem Beobachter und vor allem den Medienakteuren gleichermaßen klar sein, meint Frank Michna, Kommunikationsberater vom team M. und Vorstand des Expertennetzwerks Social Media OWL. „Wer hätte denn im Ernst geglaubt, dass sich die mediale Revolution nur zu Hause zwischen Sofa und Arbeitsecke am iPad abspielt und dann schlagartig endet? Warum sollte das so sein?“, fragt sich Michna. Verlage würden nicht weiterdenken und seien zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Gleiches gilt übrigens für Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Bei dieser Entwicklung spiele das Alter der Akteure und das Gerede von Generation X, Y, Z ebenso wenig eine Rolle, wie die vollkommen sinnfreie Aufteilung in Immigrants und Natives: „Ich kenne mehr Immigrants, die Natives aufs digitale Pferd helfen, als umgekehrt“, so Michna.

Die einzige Gewissheit in der digitalen Sphäre sei die Ungewissheit, sagt Cridon-Innovationsberater Jürgen Stäudtner. „Das Smartphone kann genauso eine Zwischenlösung sein wie das iPad oder der Glaube an UMTS. Auch Facebook ist austauschbar. Das gilt aber genauso für die mobilen Dienste. Während bei Facebook die Alternativen zu fehlen scheinen, sind sie bei Apps absehbar. Mit HTML5 und CSS3 braucht man bald keine Apps mehr, um genau das Gleiche im Browser machen zu können. Apps reduzieren sich auf den App-Store – ein Marktplatz, eine Empfehlungsbörse.“

Klar sei nur, dass die deutschen Firmen für Telekommunikation dieses Spiel im Wettbewerb mit den Silicon-Valley-Giganten verloren haben. Die klassischen Medien könnten folgen.

Wer ist der neue Nachrichten-Gatekeeper?

Schwingt sich vor diesem Hintergrund nun Facebook zum neuen Gatekeeper des Nachrichtenkonsums auf, wie es der Netzökonom Holger Schmidt in einem Beitrag ausdrückt? Wohl nicht. Facebook steuert als Plattform nur den Kontakt zu seinen Nutzern. „Ich denke, solange Facebook nicht unsachlich diskriminiert, ist der Gatekeeper-Begriff nicht angemessen. Wirtschaftlich gesehen sieht das natürlich anders aus. Da hat Facebook den Kundenkontakt und es gibt kaum ein dümmeres Verhalten, als bestehende Kundenkontakte an einen Dritten zu transferieren, um danach für den Kontakt bezahlen zu müssen. Auf solche Ideen sollten Verlage nicht kommen, sie sind keine Dosenhersteller“, empfiehlt der Internet-Unternehmer Christoph Kappes.

Shit-Sniper gegen mediale Vermüllung

Sie sollten sich auch nicht an Clickbaiter-Plattformen wie Heftig orientieren, erklärt Detlef Gürtler vom Schweizer Magazin „GDI Impuls“: „Sie sind der Feind des News-Journalismus, weil ihr nonchalanter, opportunistischer Umgang mit journalistischen Standards zur Verunsicherung und Hirnvernebelung aller Nutzer beiträgt – nicht nur ihrer eigenen Nutzer, sondern aller.“

Die Zukunft gehöre weder den alten Gatekeepern (zu printig), noch den neuen Clickbaitern (zu müllig). „Wenn es wieder eine Chance für Online-Qualitätsjournalismus geben soll, ist dieser auf die Unterstützung von Shit-Snipern angewiesen – von Diensten, die Manipulationen, Verzerrungen, Überspitzungen aus Netz und Hirnen räumen und die Müllmacher abschießen“, fordert Gürtler. Hierdurch entstünde ein neuer, noch kaum erschlossener Markt für Fact- oder Rumorchecking-Dienste wie politifact.com/ oder emergent.info.

Ob die derzeitige Organisationsform der klassischen Medien überhaupt noch zeitgemäß ist, bezweifelt mein Bloggercamp.tv-Kollege Hannes Schleeh: Hierarchisch gegliederte Verlagshäuser seien nicht überlebensfähig. Besser wäre ein Netzwerk von Fachleuten, wo jeder für sein Thema brennt. „Die Krautreporter könnten ein erstes Konstrukt in diese Richtung darstellen“, so Schleeh.

Bei Bloggercamp.tv wurde gestern, am achten Oktober, das Thema im Gespräch mit „Huffington Post Deutschland“-Chefredakteur Sebastian Matthes kontrovers erörtert.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.


Image (adapted) „Mobile Worker“ by Michael Coghlan (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Welcher digitale Wandel ist für Sie bahnbrechend, Per Dalheimer?

Die Netzpiloten feiern 15 Jahre Expeditionen in den Cyberspace und fragen prominente Wegbegleiter nach ihrem denkwürdigsten Erlebnis der digitalen Revolution. – Heute den Geschäftsführer der Libri.de Internet Gmbh (ebook.de),  Per Dalheimer.

Per_Dalheimer_post

Für mich bedeutet schon beruflich bedingt die Digitalisierung des Buches eine digitale Zäsur. So schwierig alles vor rund zehn Jahren begann – mit klobigen Lesegeräten, der fehlenden Bereitschaft der Verlage Inhalte bereitzustellen und der komplizierten Handhabung – so groß ist heute die Begeisterung und so dynamisch entwickelt sich der Markt. Jeff Bezos war nicht der erste, aber es ist Amazon zuzuschreiben, dass sie mit ihrem Kindle – zuerst in den USA – die Tür zum Massenmarkt aufgestoßen haben. Der spannendste Moment für mich persönlich war der 10. Oktober 2012: es war der Tag an dem wir angetrieben durch die dynamisch zunehmenden digitalen Buchumsätze und als Ergebnis einer verborgenen intensiven Vorbereitungszeit unsere über zehn Jahre bestehende Marke Libri.de in eBook.de umgewandelt haben. Ich war zuversichtlich, dass der Markenwechsel klappt und die Kunden eBook.de als Spezialisten positiv annehmen werden. Aber es gab auch ein mulmiges Gefühl. Am Abend setzte dann langsam eine Erleichterung ein: viele begeisterte und positive Kundenrückmeldungen – es hat geklappt!

Weiterlesen »