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Netzpiloten @LEARNTEC

Eine große Zukunft für den Bildungsbereich liegt eindeutig in den digitalen Welten! Deshalb locken zur 27. LEARNTEC vom 29. bis zum 31. Januar über 300 Aussteller aus 14 Nationen nach Karlsruhe. Wir Netzpiloten freuen uns, bereits zum zweiten Mal als Partner mit an Bord zu sein von Europas Leitmesse für digitale Bildung. Inbesondere der dazugehörige Kongress wird mit über 120 internationalen Referenten spannende Einblicke geben in Themen wie Mobile-Learning, Augmented Reality bis hin zu virtuellen Klassenräumen.

Welche Speaker werden da sein?

Auf den Panels erwarten euch unter anderem VR- und AR-Experte Thorsten Fell, Mediendidakterin Jasmin Hamadeh und der französische Marketing-Spezialist Geoffroy de Lestrange. Die Sprecherin des Netzwerks Digitale Bildung Sarah Henkelmann referiert über Stolpersteine bei der Beschaffung digitaler Bildungslösungen und Martin Respondek stellt Virtual Reality-Stellwerksimulationen bei der Deutschen Bahn vor.

Das ist natürlich nur ein kleiner Auszug, aus dem prall gefüllten Programm. Auf der Website der Veranstaltung könnt ihr alle Referenten und ihre Themen einsehen.

Welche Themen erwarten euch?

  • Mobiles Lernen
  • Gamification und immersive Technologien
  • E-Learning und virtuelle Klassenräume
  • Datenschutz an Schulen

Und sonst noch?

Um bei dem breiten Angebot die Übersicht zu wahren, stellt die LEARNTEC Programmpläne und Ausstellerlisten zur Verfügung

Außerdem wird „delina“, der Innovationspreis für digitale Bildung auf der LEARNTEC verliehen.

Tickets für die LEARNTEC könnt ihr euch hier sichern. Wir freuen uns schon auf Karlsruhe!


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didacta 2018: Mit Touchscreen statt Tafelbild in die Berufswelt von morgen

didacta 2018 iPad und Apps im Unterricht

In der digitalisierten Berufswelt von heute, morgen und übermorgen kommen Schulabsolventen mit statischem Faktenwissen allein nicht weiter. Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben Berufseinsteiger, die stattdessen wissen, wie sie mithilfe digitaler Tools und kreativer Herangehensweisen immer wieder neue Herausforderungen meistern. Wie Lehrer durch den Einsatz digitaler Kreativ-Tools die Problemlösungskompetenz des Nachwuchses fördern, ist daher ein großer Schwerpunkt auf der Bildungsmesse didacta 2018, die von heute bis zum 24. Februar in Hannover stattfindet.

Das Interesse an diesem Thema ist unter Lehrern anhaltend groß. Denn obwohl Lehrpläne und Schulbudgets vielerorts noch auf die ‚analoge‘ Unterrichtsgestaltung programmiert sind, suchen 8 von 10 Lehrern trotzdem nach Wegen, mehr Kreativtechniken und digitale Tools in den Unterricht zu integrieren. Dies ergibt die Studie „Kreative Problemlösungstechniken in Schulen“ von Adobe, die auf der didacta 2018 vorgestellt wird.

Realschullehrer Eyk Franz unterrichtet an der Waldschule Hatten in Niedersachsen Erdkunde, Geschichte und Sport immer öfter auch mithilfe digitaler Tools und Unterrichtsmedien. Am Adobe-Stand auf der didacta 2018 vermittelt der 51-Jährige in Tablet-Workshops, wie Lehrer in „Mikro-Fortbildungen“ mit digitalem Storytelling und Erklärvideos ihren Unterricht bereichern können. Er ist überzeugt: Nicht nur Schüler, auch Lehrer müssen sich noch stärker für die digitalisierte Berufswelt öffnen.

Netzpiloten (NP): Herr Franz, was können Sie Ihren Schülern am Touchscreen besser vermitteln als an der Tafel?

Eyk Franz (EF): Wenn ich sehe, dass viele Schüler per Social Media sich Wissen aneignen und dieses weitergeben, dann fällt mir oft auf: Es werden dort genau die gleichen Inhalte verhandelt wie in der Schule, aber eben auf viel ansprechendere und bleibende Weise. Die Brücke zu dieser Lebensrealität müssen wir als Lehrer schlagen. Diese Art von eigenverantwortlicher, kreativer Wissensaufbereitung wird auch in vielen heutigen Berufsbildern gefordert. Wollen wir Schüler darauf vorbereiten, und das ist schließlich unser Auftrag, dann können wir als Lehrer sie nicht weiterhin nur von der Tafel abschreiben lassen. Außerdem entfesselt dieser Ansatz das Potenzial mancher Schüler auf eine Weise, wie es andere Unterrichtsmethoden nicht können.

Eyk Franz didacta 2018
Realschullehrer Eyk Franz erklärt auf der didacta 2018, wie er mit Adobe Spark und andere Tablet-Apps die Kreativität seiner Schüler fördert. Image by Berti Kolbow-Lehradt
NP: Können Sie ein Beispiel für die kreative Arbeit mit digitalen Tools im Unterricht nennen?

EF: Nehmen wir ein Beispiel aus dem Geschichtsunterricht. Aufgabe der Schüler war es, auf multimediale Weise die Lebensumstände der Menschen während der Industrialisierung darzustellen. Eine Schülerin, die im Unterricht generell sehr zurückhaltend war, ist bei dieser Aufgabe geradezu kreativ explodiert. Sie hatte sich in der Video-Messaging-App einen Avatar erstellt, sich darin auf dem Borsigplatz in Dortmund gefilmt und mit Ruhrpott-Mundart aus der Sicht eines fiktiven Zeitzeugen über die Entstehung der Eisenbahn und der Stahlindustrie berichtet.

Der Avatar hat sie gleichzeitig geschützt und dazu ermutigt, aus sich herauszugehen. Das war für mich als Pädagoge eine beeindruckende Erfahrung. Virtuelle und reale Elemente in Erklärvideos und Webpräsentationen zu verbinden, ist für mich seitdem ein Paradigmenwechsel in der Unterrichtsgestaltung.

NP: Auf animierte Videos und Webpräsentationen gehen Sie auch in Tablet-Workshops ein, die sie auf der didacta 2018 am Adobe-Stand anbieten. Für welchen Unterrichtsstoff eignen sich diese Formate?

EF: Es gibt viele Anwendungsszenarien. Beispielsweise erstellen Schüler im Erdkundeunterricht mithilfe der Storytelling-App Adobe Spark animierte Videoclips, um sich auf kreative Weise mit dem aus geographischen Gründen für sie sehr abstrakten Thema Regenwald auseinanderzusetzen. Dabei filmen sich die Mädchen und Jungen vor einer grünen Leinwand, in die später mit einer zusätzlichen App eine Regenwaldkulisse digital hineinkopiert wird.

Mithilfe ihres eigenen Wissens zum Thema beschreiben die Schüler vor dem „Greenscreen“, was sie selbst oder der Betrachter der Filmaufnahmen in der Regenwaldkulisse sieht. Die Aufnahmen dienen als Basis für die Spark-Videoclips und werden durch Screenshots und Texteinblendungen ergänzt. Am Ende des Clips stellen die Schülerinnen und Schüler den Betrachtern Fragen zum Thema, die andere Schülergruppen beantworten. Auf diese Weise vertiefen die Schüler gegenseitig das Wissen zum Unterrichtsstoff.

Im Sportunterricht helfen Videoaufnahmen dabei, dass Schüler ihre Technik beim Hürdenlauf verbessern. Mit einer Kamera- und Videoschnitt-App wie Adobe Premiere Clip nehmen sich die Schüler gegenseitig auf und werten die Bewegungsabläufe aus. In anderen Fällen ermöglichen Apps für Bildretusche und Bildmontage wie Adobe Photoshop Fix und Adobe Photoshop Mix Schülern einen Eindruck davon, wie durch Bildmanipulation „Fake News“ entstehen können.

NP: Warum nutzen nicht alle Lehrer längst diese neuen Möglichkeiten?

EF: Es stimmt, dass viele Lehrpläne im Kern sich noch an „analoger“ Unterrichtsgestaltung orientieren. Das begünstigt die digitale Bildung natürlich nicht. Außerdem ist die Ausstattungslage in den Bundesländern sehr heterogen, je nachdem wie viel die Schulträger sich leisten können. Daher gibt es an manchen Schulen, wie die, an der ich unterrichte, mehrere „Tablet-Klassen“. Dann haben alle Schüler jederzeit ein Gerät zur Verfügung. Und dann gibt es Regionen, wo sich Schulen freuen, wenn eine Handvoll PC und LAN-Kabel installiert sind. Dabei muss der Einsatz digitaler Tools nicht teuer sein. Alle von mir im Unterricht verwendeten Apps sind kostenlos nutzbar. Ungeachtet dieser Hindernisse sehe ich aber auch, dass einige Lehrer unbegründete Vorbehalte gegenüber dem Einsatz digitaler Unterrichtsmedien haben.

NP: Welche Vorbehalte in der Lehrerschaft sehen Sie?

EF: Das ist sehr unterschiedlich. In manchen Fällen befürchten Lehrer, sie müssten künftig einen großen Teil ihrer Vorbereitungszeit auf das Produzieren von Erklärvideos verwenden. Das ist natürlich ein Missverständnis. Schließlich sollen die Schüler zu Produzenten werden, während Lehrer lediglich in der Lage sein sollten, sie dazu anzuleiten. Außerdem möchte ich Lehrer ermutigen, sich nicht davor zu scheuen, ihre digital erstellten Unterrichtsmedien zum Beispiel auf Schulservern zu teilen und dabei auch Fehler zu machen. Die Furcht vor Kritik ist unbegründet. Diese Art von Authentizität ist genau das, was Schüler wollen. Zu guter Letzt ist ein Teil der Skepsis in der Lehrerschaft auch auf die negative Signalwirkung zurückzuführen, die durch den falschen Einsatz von digitalen Medien ausgeht.

NP: Was meinen Sie mit „dem falschen Einsatz von digitalen Medien“?

EF: Damit meine ich eine Art Ersatzhandlung. Ein Beispiel ist das Instrument des Lückentextes, in dem Schüler fehlende Begriffe ergänzen müssen, um ihr Wissen zu prüfen. Statt diesen Text, wie früher, auszudrucken, schicken manche Lehrer Schülern den Lückentext als Datei zu, damit sie ihn am Tablet ausfüllen. Das ist für mich Humbug. Denn dabei entsteht kein Lerneffekt, der Problemlösungskompetenzen schult.

Kreativität setzen wir mithilfe digitaler Tools nur frei, wenn Schüler erworbenes Wissen eigenverantwortlich umsetzen. Und zwar in einer für den Empfänger angemessenen Form. Das ist ja das Szenario, dem Schüler in ihrem späteren Berufsleben begegnen.

Weitere Informationen zu den Workshops von Eyk Franz auf der didacta und sind hier zu finden.

Dieser Beitrag zur didacta 2018 entstand in Zusammenarbeit mit Adobe.


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Mit der Samsung Gear 360 (2017) mittendrin in der Kunst

Gear 360 (2017) Parthenon der Bücher Documenta

Viele Lehrer und Schüler wünschen sich eine bessere Ausstattung an digitalen Lehrmaterialien. Das kostet viel Geld, und bis sich Schulen dies flächendeckend leisten können, springen private Unternehmen in die Bresche. Etwa Samsung. Ein Beispiel, wie Bildung und Kultur von digitalen Technologien profitieren kann, ist die kürzlich zu Ende gegangene Kunstausstellung Documenta in Kassel. Dort hat Samsung Schüler in Workshops mit smarten Gadgets ausgestattet. Wie Technologie die Auseinandersetzung mit Kunst verändert, konnte ich während eines „Digital Art Walk“ zum Abschluss der Documenta selbst ausprobieren – und dabei auch gleich die aktuelle Generation von Samsungs 360-Grad-Kamera Gear 360 (2017) ausprobieren.

Wie und warum Samsung Technologie und Kultur fördert

Auf der Documenta kamen diverse Samsung-Geräte für die Installation und das Betrachten der Exponate zum Einsatz. Weil Samsung Displays zur Verfügung stellte, wurden die Werke einiger Videokünstler erst möglich. Zudem ermöglichten Tablets und andere Gadgets von Samsung gerade jungen Besuchern einen modernen Zugang zur ausgestellten Kunst. Bei interaktiven Spaziergängen besuchten Schüler in rund 100 Workshops verschiedene Documenta-Standorte und hielten ihre Eindrücke mit den mobilen Flachrechnern in Text, Ton und Bild Notizen fest. Anschließend kreierten sie zusammen mit dem Künstler Anton Kats im Kulturzentrum Narrowcast-House daraus multimediale Collagen. Mit dieser Art der Kultur- und Bildungsförderung möchte Samsung zu einer Lernkultur beitragen, die Schüler motiviert, sich mit Kunst zu beschäftigen und davon inspirieren zu lassen. „Wir möchten Schülern mithilfe von digitalen Technologien ermöglichen, sich auf und kreative Weise mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und es ihnen gleichzeitig erleichtern, andere an ihrer Wahrnehmung teilhaben zu lassen“, erklärt Steffen Ganders, Director Corporate Affairs bei der deutschen Samsung-Niederlassung.

Documenta 14 Gear 360 (2017)
Teilnehmer des Digital Art Walk auf der Documenta 14 / Image by Berti Kolbow-Lehradt

Schüler und Lehrer wünschen sich Virtual Reality im Unterricht

Samsung verfolgt damit selbstredend kommerzielle Interessen, trifft damit aber auch einen gesellschaftlichen Nerv. Laut einer Bitkom-Umfrage wünschen sich acht von zehn Deutschen mehr Digitaltechnik und digitale Lernmittel an Schulen. Viele halten den Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen für genauso wichtig wie Investitionen in Schulgebäude. Das Spektrum an im Unterricht potenziell einsetzbarer Hard- und Software ist denkbar breit. Ergebnissen eigener Umfragen zufolge sieht Samsung vor allem großes Interesse bei Schülern und Lehrern, Technik für Virtual Reality im Unterricht einzusetzen. Dies könnte auf spielerische Weise die Motivation zum Lernen beflügeln, und realitätsnahe Erlebnisse dabei helfen, schwierige Sachverhalte leichter zu verstehen. Zudem können Schüler beispielsweise im Erdkunde- oder Geschichtsunterricht Erfahrungen mittels VR machen, die in der Realität so nicht möglich wären.

Mit der Gear 360 (2017) beim „Digital Art Walk“

Samsung ist im Bereich mobiler Virtual Reality stark vertreten. Neben VR-Headsets stellt das Unternehmen mit der Kamera-Reihe Gear 360 auch passende Aufnahmegeräte her. Wie der Einsatz von 360-Grad- und VR-Technik die Wahrnehmung von Kunst positiv verändern kann, konnte ich während eines Presserundgangs namens „Digital Art Walk“ auf der Documenta am eigenen Leib ausprobieren. Mit einer 360-Grad-Kamera wie der Gear 360 (2017) eine Kunstausstellung zu besuchen, bietet tatsächlich besondere Vorteile. Nicht zwingend für die eigene Erinnerungsproduktion. Dies gelingt auch mit einer herkömmlichen Kamera prima. Viel interessanter finde ich die Möglichkeit, anderen, die nicht vor Ort sind, meine Eindrücke zu vermitteln, so als wären sie selbst dabei.

Ein Beispiel ist die „Blutmühle“ genannte Installation des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela auf der Documenta. Die riesige hölzerne Installation steht für Arbeitsungerechtigkeiten bei der historischen Metallproduktion. Als Besucher konnte ich die Mühle über ein Drehkreuz selbst antreiben und dabei mittels 360-Grad-Video die Mühe und Beklemmung in dieser Höllenvorrichtung auch einem Facebook-Publikum nahebringen. Da die Gear 360 (2017), wie immer mehr andere Modelle auch, direkt zu Facebook oder YouTube streamen kann, ist das unter idealen Umständen sogar in Echtzeit möglich. Wegen schwächelndem Netzes entschied ich mich aber für eine Videokonserve und lud sie gleich im Anschluss hoch. Das mit der Gear 360 (2017) aufgenommene Video ist hier zu sehen.

Die Gear 360 (2017) ausprobiert

Die Gear 360 (2017) zählt zu den kompaktesten 360-Grad-Kameras. Im Gegensatz zum wuchtigeren Vorgänger passt sie besser in die Hosentasche. Zudem ist ein Handgriff gleich in die Gehäuseform integriert. Dafür ist das neue Modell ohne zusätzliches Stativ nicht so stabil. Weiterer Unterschied: Die Auflösung der beiden Sensoren ist mit 8,4 MP nur knapp halb so hoch. Bei der Betrachtung auf einem Smartphone fällt das jedoch nicht ins Gewicht.

Im Unterschied zu anderen 360-Grad-Kameras sind die Gear-360-Modelle nur mit Samsung-Smartphones kompatibel, weshalb meines für den Rundgang mit einem Galaxy S8 gekoppelt war. Der Vorteil des geschlossenen Systems ist jedoch, das alle Komponenten gut miteinander harmonieren. Die herstellereigene App ist eine zwingende Voraussetzung um die beiden Fisheye-Bilder zu einem Kugelpanorama zusammenzufügen. Erst dann kann die Aufnahme vernünftig betrachtet werden. Alternativ lässt sich das mit der Windows-Software Gear 360 ActionDirector erledigen.

Gear 360 (2017) und Samsung Galaxy S8
Samsung Gear 360 (2017 und Samsung Galaxy S8. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Mich auf diese Weise mit den Exponaten zu beschäftigen, macht Spaß. Neben der Blutmühle war das Parthenon der Bücher sehr geeignet für 360-Grad-Aufnahmen. Der mit verbotenen Büchern dekorierte Nachbau des Tempels auf der Akropolis in Athen war das Wahrzeichen der Documenta 2017. Da nur für die Dauer der Ausstellung errichtet, ist ein 360-Grad-Video tatsächlich die einzige Möglichkeit, das Werk auch nach dessen Abbau im Rundumblick zu betrachten. Vor allem die Möglichkeit, Aufnahmen direkt im Social Web zu teilen, faszinierte mich. Übertreiben sollte man es damit aber nicht. Denn dies erfordert trotz der intuitiven Bedienung ein paar Einstellungen, die während eines geführten Rundgangs ablenken können. Sich nicht von der Technik vereinnahmen zu lassen, so faszinierend sie auch ist, und die Umgebung mit eigenen Sinnen wahrzunehmen, liegt dann doch noch in der Eigenverantwortung des Betrachters.

Der Text entstand in Zusammenarbeit mit Samsung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


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New School statt Old School – Digitalisierung in der Bildung auf der Didacta 2017

Adobe Didacta 2017 (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Adobe entstanden.


Ich gehöre zur Generation Y oder den „Millenials“, die quasi halb-halb aufgewachsen sind – halb im Sandkastendreck mit aufgeschlagenen Knien und halb mit Gameboy in den Händen und der ersten eigenen E-Mail-Adresse mit sechs Jahren. Als ich zur Schule ging, war alles noch mehr oder weniger nach dem Prinzip „old school“, Informatik war, wenn überhaupt, ein Wahlfach, welches aus seinem Namen auch nicht wirklich viel machte und es das Höchste der Gefühle war, seinen PC korrekt rauf- und runterfahren zu lassen.

Was ich an Digitalisierung in der Schule mitbekommen habe, waren maximal noch die interaktiven Whiteboards, die quasi „digitale Tafel“, mit denen gefühlt jeder einzelne Lehrer Probleme hatte. Anders die „Generation Z“ oder Digital Natives, die heute 11 bis 17-jährigen, die im Zeitalter der Social Media und Tablet PCs aufwachsen. Was macht diese Generation aus und wie muss man sie in der Bildung ansprechen?

Vergangene Woche hat in Stuttgart die Bildungsmesse didacta stattgefunden. Digitale Bildung stand auch hier im Fokus, denn die Digitalisierung hält in beinahe allen Lebensbereichen Einzug, so natürlich auch in der Bildung. Schon lange gibt es in Klassenzimmern nicht mehr nur besagte Whiteboards – von programmierbarem Lego über Roboter bis hin zum Lernen in der virtuellen Realität – die Digitalisierung ist vollends in der Bildung angekommen und soll sie revolutionieren.

Auf der didacta hatte ich die Chance, Einiges davon auszuprobieren. Ob einem kleinen Lego-Roboter das Fahren in eine bestimmte Richtung beizubringen, mittels einer Oculus Rift in einen Rachen einzutauchen und über Enzyme zu lernen oder mit 3D-Druck Schüler dazu zu animieren, sich mit der Kombination aus Mathe und Design auseinanderzusetzen – zweifelsohne tolle, kreative Ansätze. Aber was davon sind nur Spielereien und was ist umsetzbar für Schulen?

 

Am @Lego-Stand kann man lernen kleine #Roboter selbst zu programmieren. #didacta #didacta17 #lego

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Statt Old School: #MakeItNewSchool

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Image by Lisa Kneidl (adapted with Adobe Spark)

Wirft man einen pauschalen Blick auf die Generation Z, denkt man meist an das regelrecht am Körper festgewachsene Smartphone, weiße Sneaker und große Begeisterung für Youtuber XYZ. Fakt ist, dass noch keine Generation vor ihnen ab solch jungem Alter schon mit solch einer Fülle von Informationen, Content und visuellen Eindrücken überhäuft wurde wie diese. Kreativität und den kreativen Umgang mit Medien sieht ein Großteil dieser Generation als Teil ihrer Identität.

Auf der Messe hatte ich die Chance mich mit Wolfgang Schlicht, einem Lehrer an der Realschule Viechtach und Mitglied des Adobe Education Leader Programs, über die Generation Z zu unterhalten.

Wolfgang Schlicht beschreibt diese digitale Generation und deren Medienkompetenz und –nutzung so: „Ich denke, dass die Lehrer das Problem haben, das einzuschätzen. Das ist ein anderes Verständnis von Arbeiten und von Kreativität. Der Lehrer sieht den Schüler vielleicht mehr als Knöpfchen-Drücker und –Wischer. Ich würde mir wünschen, dass nicht die User im Vordergrund stehen, sondern die Produzenten. Ein Kollege hat das mal schön formuliert, er wünsche sich den „prosumer“, also einen Produzenten und Konsumenten gleichzeitig“.

Am Adobe-Stand konnte ich mich vom Konzept des Unternehmens für die didacta 2017 überzeugen. Mit dem Motto #MakeItNewSchool wollen sie die Schüler nicht mit Spielereien und Gadgets anlocken, sondern an deren Kreativität appellieren und den Unterricht durch digitale Tools kreativer und interaktiver gestalten. Wolfgang Schlicht weiß, seine Schüler sind zwar medienaffin, aber sie nutzen meist ihr Potential für kreatives Arbeiten nicht ausreichend aus.

Die Studie zur Generation Z  von Adobe hat sich exakt mit der Generation Z und der digitalen Bildung beschäftigt. In Deutschland haben Sie dazu rund 500 Schüler und 200 Lehrer befragt und wollten herausfinden, welche Bedeutung Technologie und Kreativität in der Zukunft dieser Generation haben werden. Mehr zu den Ergebnissen gibt es auf der offiziellen Seite zur Studie.

Intelligenz, wenn sie gute Laune hat

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Image by Lisa Kneidl (adapted with Adobe Spark)

Der Fokus liegt ganz klar auf Kreativität und darauf, Schülern einen Baukasten an digitalen Werkzeugen bereitzustellen, mit denen sie sich auf Berufe vorbereiten können, die es so heute vielleicht nicht gar nicht gibt, wie mir Adobes Education-Marketing Manager Matthias Hoepfl das Adobe Motto im Bereich digitale Bildung erklärte.

Grundsätzlich geht es bei unseren Werkzeugen und Programmen immer um Kreativität. Sie sind ausgelegt, um sie im Schulunterricht einzusetzen. Wir haben eine Make-it-Area aufgestellt, wo alle Tools ausprobiert werden können, um den Lehrer zu inspirieren, den Unterricht so praxisnah wie möglich zu gestalten.“ 

Das Aushängeschild von Adobe ist ganz klar die Creative Cloud– ein Paket aus allen Desktop-Applikationen des Unternehmens, für alle möglichen kreativen Gestaltungsbereiche, von der Bildbearbeitung bis zum Drehbuch. Inwieweit diese aber alle für die Schule nutzbar sind, ist fraglich, vor allem aufgrund ihrer Komplexität.

Auf der Messe habe ich mich auch bei den Besuchern und ihrer Vorstellung von digitaler Bildung unterhalten, ein Schüler hätte sich noch einen größeren Fokus auf praxisorientiertes Arbeiten gewünscht: „Die Adobe Creative Cloud benutze ich auch privat. Einen vergrößerten Bereich für Praxisanwendungen fände ich noch gut. Weil das hier auf der Didacta vor allem auch Schüler ansprechen soll, wären wohl vereinfachte Versionen ideal, weil beispielsweise Photoshop schon auch sehr komplex ist.“ All diese Tools haben zwar nahezu unbegrenzte Möglichkeiten des kreativen Outlets, aber sind in Zusammenarbeit mit Schülern nur schwer nutzbar.

If you can dream it, Spark can do it

Die herkömmlichen Adobe Produkte sind altbekannt und wurden am Didacta-Adobe-Stand auch in regelmäßigen Abständen in Vorträgen erklärt. Nebenan konnte man sich in einem impromptu-Fotostudio vom Fotografen Alexander Heinrichs ablichten lassen und dann direkt in der „Make-it-Area“ Applikationen wie Photoshop oder Lightroom in Aktion gezeigt bekommen.

Alles schön und gut, aber was mich wirklich überzeugt hat, war Spark. Kein VR, kein Schnick Schnack, eine einfache, browserbasierte Anwendung, die es einem ermöglicht Posts, Blogeinträge und Videos zu gestalten. Es ist genau das, was der Schüler im Unterricht braucht: ein reduziertes, leicht zu erlernendes Tool, das ihn animiert, die Informationen aufs Wesentliche zu reduzieren.

Hier ist Filterkompetenz bei den Unmengen von Informationen und den Suchmaschinenalgorithmen wichtig, wie Wolfgang Schlicht betont. Ebenfalls ist es eher kontraproduktiv, wenn man sich im Unterricht an der Arbeit an einem Projekt länger mit Schriftgrößen oder Zeilenumbrüchen aufhält, Arbeitsschritte, die Spark automatisiert und so extrem vereinfacht. Der Fokus liegt auf den Informationen, Spark macht die Technik, der Schüler die Kür.

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Adobe Spark Interface. Screenshot by Lisa Kneidl

Möglich sind Posts, Pages und Videos. Damit können beispielsweise Projektarbeiten im Unterricht erstellt und dokumentiert werden. Wolfgang Schlicht erzählte etwa von einem Kochbuch, das er zusammen mit einer Klasse über Spark erstellte und auch gleichzeitig begleitende Videotutorials zu den Rezepten produzieren konnte. Das Tool ist kostenlos und derzeit auf dem Browser und iOS-Geräten (als separate App für die Anwendungen Post, Page und Video) verfügbar, eine Version für Android ist in Arbeit.  

 

Ich bin ehrlich und sage, dass ich gerne so ein Tool wie Spark bei meinen Projektarbeiten in der Schule oder Uni gehabt hätte. VR-Brillen und Roboter machen erstmal viel her und sehen spektakulär aus. Aber Tatsache ist, dass sie für den Unterricht, vor allem fächerübergreifend, wohl noch in den Kinderschuhen stecken – noch also viel Lärm um nichts.

Wichtig ist Digitalisierung, wo sie Sinn macht – ein Tool, das fächerübergreifend anwendbar ist, den Fokus auf den Content statt auf Formatierungen lenkt und sich die Schüler kreativ ausleben lässt. Ich denke da nur an mein 15-jähriges Ich, das den Glauben an alles Gute verlor, wenn die gesamte Folienformatierung sich nach dem Einfügen eines Bildes in PowerPoint mal wieder zerschossen hat.


+++ GEWINNSPIEL +++

 

Hier haben wir noch ein Schmankerl für euch, ihr könnt eine Jahreslizenz für die Adobe Creative Cloud gewinnen. Einfach klicken, mitmachen und Daumen drücken. Zeit habt ihr bis zum 28. Februar. Viel Glück!
Teilnahmebedingungen


Header & Images (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Screenshot by Lisa Kneidl


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Ein MOOC ist ein Event, ist digitale Bildung, ist Marketing …

University Life 239 (adapted) (Image by Francisco Osorio [CC BY 2.0] via Flickr

MOOCs werden gefeiert. MOOCs werden gehasst. MOOCs sind die Zukunft. Und MOOCs sind die Vergangenheit. Was aber bleibt, ist die digitale Bildung. Und das ist gut so!

Vorletzte Woche war ich eingeladen zum Podiumsgespräch auf dem b.i.t. Sofa anläßlich der Frankfurter Buchmesse. Die Frage war, ob MOOCs ein neues Geschäftsfeld auch für Bibliotheken und Verlage seien?! Da ich mir eine hartnäckige Erkältung eingefangen hatte, war es mir leider nicht möglich, nach Frankfurt zu reisen. Von daher hier jetzt meine Überlegungen in schriftlicher Form.

  • Digitale Bildung? Ach, komm. Face-to-face ist doch ganz was anderes, meinen die meisten. Aber stimmt das eigentlich – oder ist dies bloß die Sicht von Anbietern, die ihre Räume verpachten wollen?

  • Wie immer hinken wir im deutschsprachigen Diskurs etwas hinterher. Als Innovation kann man hier gut und gerne verkaufen, was andernorts längst state-of-the-art ist.

  • Auch wenn sich viele Menschen mit dem Marketing-Begriff schwer tun: MOOCs sind vor allem ein Instrument, um den Anbieter zu vermarkten. Aber das kommt den Usern sehr entgegen.

Ein Blick zurück

2012 war DAS Jahr der MOOCs. Mit dieser Auszeichnung der New York Times hatte die MOOC-Entwicklung, die 2008 bereits startete, ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem befindet sie sich auf dem langsamen Abstieg. Langsam deshalb, weil die naturgemäß nachgelagerten politischen Prozesse erst seit 2013 die Bildungs-“Innovation” in Europa fördern. Und die meisten Menschen erst jetzt im MOOC-Zeitalter ankommen. Während andere in der Welt schon längst am NEXT BIG THING stricken.

 Von daher erfährt das MOOC-Konzept hier in Europa nur gaaanz langsam eine Umdeutung. Es erscheint mir zunehmend als öffentlicher Türöffner für eine breitere “Digitale Bildung”, also inklusive verschiedener Content-Formate, wie sie in der Grafik rechts angeführt werden. Was wiederum eine schöne Entwicklung wäre, denn davon brauchen wir mehr im digitalen Zugriff – viel mehr sogar angesichts der digitalen Transformationswellen, die aktuell auf uns zurollen.

Aber rekapitulieren wir kurz: MOOC ist das Akronym für „Massive Open Online Course” und damit sind Online-Kurse gemeint, die kostenfrei zur Verfügung stehen und in denen sich ein sehr großer Nutzerkreis eingeschrieben hat. In Expert_innen-Kreisen wird bis heute gerne diskutiert, welcher dieser 4 Buchstaben ihnen der wichtigste sei.

Ich denke, es ist das zweite O – alles andere ist nachrangig bzw. teilweise kontraproduktiv. Kurse sind nämlich ein überholtes Konzept und werden nur deshalb noch gerne aufgesetzt, weil sie schön anschlussfähig sind zu unserem alten Bildungsverständnis. Dieses Bildungsverständnis besagt, es gibt eine_n Lehrende_n, die Wissen aufbereitet für mehrere Lernende.

Aber seitdem es mehr um den wechselseitigen Austausch und die gemeinsame Entwicklung bzw. den Diskurs von implizitem Wissen geht, zumindest mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, gilt dieses Bildungsverständnis als überholt. (Hält sich aber dennoch sehr hartnäckig, auch oder gerade in den Kontexten, die sich traditioneller Weise mit Bildung beschäftigen. Aber dies nur am Rande bzw. sehen wir gleich, wohin das führt.)

Die zwei Perspektiven

Grundsätzlich gibt es zwei Perspektiven, wie man auf MOOCs blicken kann: Da ist zum einen die Perspektive der Anbieter_innen und zum anderen die Perspektive der User, der Menschen, die solch ein Angebot nutzen könnten.

Wenn die Frage lautet, ob MOOCs auch etwas für Verlage und Bibliotheken seien, dann ist dies die Perspektive der Anbieter. Was könnte es also einem Anbieter bringen, MOOCs anzubieten?

Nichts ist an dieser Perspektive falsch. Ich selbst halte diese Frage sogar für die zentrale, auch wenn sie anders vermarktet wird. Das Standard-Argument eines MOOC-Anbieters lautet immer: „Die Leute sollen lernen, dass …” oder “Wir wollen den Menschen zeigen, dass …” – es ist das alte Denken: Top —> Down.

“Down” SOLL lernen von “Top”, sozusagen. Klassischer Weise in Form einer Vorlesung oder einer medienvermittelnden Video-Aufbereitung, folgt dieses Denken weiterhin der alten Vorstellung des Nürnberger Trichters: Schädeldeckel auf –> Content rein —> Wissen vermittelt. Fertig.

Da es sich herum gesprochen hat, dass diese Vorgehensweise so nicht funktioniert, wird dieser Prozess schon lange “pädagogisch” eingerahmt durch die standardisierte Formulierung von Lehr-/Lernzielen, gefolgt von ebenjenem Top-Down-Vermittlungsprozess – und hinten dran gibt’s dann den Wissenstest, der sicher stellen soll, dass die Lehr-/Lernziele grob erreicht wurden.

Das ist die Form der Bildung, wie sie derzeit gängig ist, auch wenn man modern pädagogisch ahnt, dass auch dieser Prozess nie gut funktioniert hat. Aber so kennen es die User aus unzähligen Formaten – und quälen sich begeistert durch.

Das Problem mit der User-Sicht

An dem Wissenstest erkennt man im MOOC-Kontext die so genannten “xMOOCs“, wie wir sie vorzugsweise in den kostenfreien MOOCs auf den grossen MOOC-Plattformen finden. Das X steht für richtig gross skalierbare MOOCs. Die Nummer 1 der Hitliste der meist gebuchten Online-Kurse als größter Kurs weltweit hat derzeit mehr als 690.000 (!) Lernende. Es ist der FutureLearn-Kurs IELTS.


EXKURS WIKIPEDIA ZU IELTS:

“Das International English Language Testing System (IELTS) ist ein Sprachtest, der die Fähigkeiten einer Person in der englischen Sprache ermittelt.

IELTS wird in zwei unterschiedlichen Testversionen angeboten, die auf verschiedene Nutzergruppen ausgerichtet sind:

Academic – Dieser Test wird hauptsächlich von Studenten absolviert, die an einer Universität im englischsprachigen Ausland oder einer deutschen Hochschule studieren möchten. Die meisten Universitäten in Australien, Großbritannien, Irland, Kanada und Neuseeland sowie mittlerweile über 3.000 Einrichtungen in den USA (Anzahl stetig steigend) akzeptieren den Test als Zulassungsvoraussetzung. Auch immer mehr deutsche Unis und Fachhochschulen verlangen den IELTS für Studiengänge mit internationalen Komponenten (Bachelor/Master). Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten, müssen den IELTS-Test ablegen, um eine Arbeitserlaubnis in oben genannten Ländern zu erhalten.

General Training – Diese Variante wird von Personen absolviert, die einen Nachweis über ihre allgemeinen Englischkenntnisse, beispielsweise für den Beruf oder zur Immigration, benötigen.”


Ein kostenfreier Online-Test-Kurs zur Vorbereitung eines kostenpflichtigen Real-World-Sprachtests sagt einiges über unsere globale Welt aus, in der wir uns aktuell bewegen. Kein Wunder, dass solch ein Angebot massenweise von den Usern abgerufen wird.

Wer aber denkt, diese Massivität erlangt man nur über solch naheliegende Querschnittsthemen, der täuscht sich. Platz 2 mit ebenfalls mehr als 600.000 Einschreibungen geht an den Stanford-Online-Kurs zu „Cryptography I“, Platz 3 an „Programming Mobile Applications for Android Handhelds“ der University of Maryland usw. usf. .

Selbst wenn nur jeweils 3% den Online-Kurs erfolgreich bis zum Schluss durchliefen, so sind das bei 600.000 Teilnehmer_innen doch immerhin 18.000 Leutchen – pro Kurs und ohne Zugangsvoraussetzungen! Insofern macht solch ein freies Bildungsangebot je mehr Sinn, je gesellschaftlich relevanter es ist. Und die Relevanz folgt in diesem Fall dem Gesetz der selbst motivierten Füße. Das wäre eine konsequente User-Sicht.

Man könnte daraus eine Art kollektive Intelligenz ablesen. Nicht im Sinne der von Günter Dueck beschriebenen Schwarmdummheit, sondern im Sinne der Weisheit der Vielen, die sich meist unabhängig voneinander für ein spezifisches Bildungsangebot entscheiden, egal wie pädagogisch sinnvoll das Angebot aufbereitet zu sein scheint. (Auch wenn es vorzugsweise weisse Mittelstandsmänner in mittleren Jahren mit akademischen Abschluss betrifft. Dieses Problem begründet sich meines Erachtens aus anderen sozialen Werten und Praktiken.)

Will man hingegen das Angebot stärker bildungspolitisch lenken, kann man dies ein wenig über das Format steuern – oder über finanzielle Anreizsysteme. (Ich hatte mir dazu an anderer Stelle schon einmal Gedanken gemacht, wann eine öffentliche Förderung gerechtfertigt ist.)

Das Problem mit den Anbietern

Die User-getriebene Entwicklung der xMOOCs ist nämlich keine, die dem modernen Pädagogen schmeckt. Er will beim “Learning Design” ein Wörtchen mitreden – denn er weiss besser, wie Lernen geht. Deshalb präferiert er Angebote, die den reflexiven Part, der klassischer Weise in dem Wissenstest absolviert wurde, möglichst nach vorne in den Vermittlungsprozess als interaktiven Prozess zieht, um dort das Knowhow der “Lernenden” wechselseitig im Gespräch oder in der Praxis besser zu qualifizieren. So weit, so gut.

An dem intensivierten Diskurs und der pädagogischen Aufgabe erkennt man in MOOC-Kontexten den sogenannten (auch kostenfreien) “cMOOC”, der die Lernenden stärker miteinander ins Gespräch bringen will. (C steht für konnektivistisch, aber damit muss man sich nicht näher befassen. Könnte man später nachlesen in Wikipedia. Diese Seite wurde damals von mir mit meinen Studis angelegt …)

Die cMOOCs sind an sich ein interessantes Format, sofern es glückt, eine temporäre Community of Practice dabei zu etablieren. Ihr Problem gleichwohl ist, dass mit zunehmender Skalierung die Unübersichtlichkeit wächst. Die Leute quatschen und quatschen und niemand hat so den genauen Überblick, welches Gequatsche denn nun das Relevanteste beinhaltet.

Entsprechend hat sich in der Folge eine Vielzahl weiterer MOOC-Formate herausgebildet: von projektbasierten Ansätzen (pMOOCs) bis hin zu präsenzbegleiteten Angeboten (bMOOCs – b wie “blended”) gibt es heutzutage ein breites Spektrum an möglichen Formaten, die an dieser Stelle an sich zu vernachlässigen sind. Was sie alle eint, ist ihre Perspektive aus Sicht der Anbieter, vermarktet aus Pseudo-Sicht der User: Der Anbieter WILL dem User zeigen, dass… .

Wie gesagt, nichts ist daran falsch, aber es ist immer eine pädagogische Warte, aus der heraus man sehr paternalistisch agiert – manchmal allerdings auch völlig unverblümt Marketing betreibt. Auch dagegen ist an sich nichts zu sagen, denn welche Motivationslagen gibt es, einen MOOC zu veranstalten, der mitunter sehr aufwändig zu produzieren ist?

Entweder wird a) ein Marketingeffekt erhofft, oder b) ein Ansatzpunkt für eine staatliche o.ä. Förderung angelegt, oder c) man verfolgt tatsächlich eine inhaltliche Mission. Manchmal ist es auch eine Kombination aus verschiedenen Motivationslagen – aus Anbietersicht.

Der Antrieb von Anbietern

Ich selbst denke allerdings, der Marketingaspekt ist der wesentliche Antrieb, der den meisten MOOCs zur Entstehung verhalf. Wogegen auch überhaupt nichts spricht, nur sollte man es dann auch als solches benennen. Und dies nicht hinter pädagogischen Pseudo-Argumenten verbergen.

Es heisst dann nicht länger: Der Anbieter WILL dem User zeigen, dass …, sondern es müsste heissen: Der Anbieter zeigt dem User kostenlos, was er beispielhaft im Angebot hat, damit der User ihn im guten Gedächtnis hält und später ggf. kostenpflichtig zurück kommt.

Insofern können auch Verlage und Bibliotheken hier mit ihrem sehr fachspezifischen Knowhow und Personal durchaus attraktive, für die User kostenfreie MOOC-Angebote unterbreiten und damit einen positiven Marketing-Effekt für sich verbuchen. EduMarketing ist eine sehr attraktive und zeitgemäße Freemium-Form, auf sich aufmerksam zu machen, ohne allzu platt ins Werberische einzusteigen.

MOOCs ermöglichen es zudem, einen Spannungsbogen im Vorfeld aufzubauen und damit einen Event-Charakter zu provozieren, der Aufmerksamkeit in adressierten Zielgruppen-Kreisen auf sich zu lenken vermag. Löst man mit dem Angebot gar ein halbwegs drängendes Problem der User, steht dem Erfolg nichts mehr im Wege.

Von daher: Ja, gerade Verlage und Bibliotheken könnten von diesem Trend derzeit gut profitieren, um einen emotionalen Bezug zu Kund_innen und Partnern herzustellen.

Der Gewinn für die User

Um die eingangs angeführte Perspektive der User hier abschliessend anzuführen, denke ich, diese freuen sich so-oder-so über die wachsende Anzahl an kostenfrei zugänglichen Angeboten. Insofern sie sich im Idealfall sehr selbstbestimmt die für sie relevanten Micro-Inhalte herauspicken, können sie sich entsprechend ihrer eigenen Vorstellungen weiter entwickeln.

Dass manche MOOC-Angebote dafür von ihrer konzeptionellen Anlage her mehr oder weniger prädestiniert sind, ist der pädagogischen Brille geschuldet. Aber darüber kann man als User eines kostenfreien Angebotes ja grosszügig hinweg schauen. Als Anbieter könnte man nichts desto trotz darüber nachdenken, ob der “MOOC” nicht auch deutlich verstärkt aus User-Sicht angelegt werden könnte.

Von daher mag ich nur ermuntern und sagen: Nur zu! Wir User warten bereits!

Gerade Bibliotheken käme in einer modernen Welt der Zukunft ein wesentlicher Beitrag zu, einen attraktiven Bildungsort mit zeitgemäßen, entgrenzten Angeboten zu schaffen. Hier über die tradierte Angebotspalette deutlich hinauszudenken, wünsche ich mir schon lange aus gesellschaftspolitischer Sicht.

Auch Premium-MOOCs für Verlage in Kooperation mit Unternehmen könnten hier ein Format darstellen, das durchaus seinen Platz finden könnte.

Seid kreativ! Ich bin gespannt! Vertiefenden Content zum Verkauf habt ihr ja genug.

P.S. Auch wir befinden uns in der Planung eines (anderen) MOOCs. Das Thema: ARBEIT 4.0. Demnächst mehr auf dem FlowCampus und auf mooin.


Image (adapted) “University Life 239” by Francisco Osorio (CC BY 2.0)

 


 

 

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Digitale Bildung: Sachsen-Anhalt will mit Microsoft kooperieren

Computer (Image by dantetg [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Das Land Sachsen-Anhalt plant eine Partnerschaft mit Microsoft für den Aufbau einer zentralen Cloud-Plattform. Kritiker warnen vor den Risiken. Mit einem Konzept unter dem Titel „Lernen, Lehren, Managen 2.0 – Auf dem Weg zur Schule 2020“ möchte Sachsen-Anhalt seine Bildungslandschaft fit für die digitale Zukunft machen – parallel zu Investitionen in IT-Mindeststandards. Es soll darum gehen, ein integriertes Managementsystem zu schaffen, in dem Wissens-, Informationsbestände und eine Infrastruktur harmonisiert und modular ausgestaltet werden. Helfen soll eine umfangreiche Kooperation mit Microsoft, Vertragsabschlüsse sind greifbar nah. Seit Bekanntwerden regt sich dagegen Unmut. Jetzt gibt es eine Onlinepetition.

Sie kommt von Alexander Dahl, 33 Jahre und Mitglied im Netz39, einem Verein für Bastler, Hacker und Digitalinteressierte in Magdeburg. Dahl ist Programmierer, kein Prinzipienreiter. Dahl: “Microsoft kann eine gute Lösung für ein konkretes Problem sein.“ Schulen werden jedoch, so befürchtet er, mit einer “allumfassenden Partnerschaft“, wie angedacht, künftig keine andere Wahl gelassen, als auf die Microsoft-Produktfamilie zu setzen. Mit seinen Bedenken ist er nicht allein – neben der Grundskepsis bei allen Kritikern in puncto Datenschutz, die sich aus den NSA-Enthüllungen speist.


Was ist geplant?

  • Alle rund 220.000 Schüler und 18.000 Lehrer in Sachsen-Anhalt sollen das Paket „Office 365“ für mehrere Desktop- und Mobilgeräte zum gemeinsamen Arbeiten in einer Cloud erhalten und dafür zentral registriert werden.

  • Laut Präambel der bisher geschlossenen Absichtserklärung in einem „Letter of Intent“ ist für beide Seiten das Ziel, „eine integrierte und nahtlose Nutzererfahrung bereitzustellen, die erstklassige Kommunikations- und Kollaborationsdienste in einer tragfähigen, soliden und verwalteten Umgebung“ biete.

  • Strategische Beratung und der Aufbau einer IT-Academy für Lehrerfortbildung sind ebenfalls vorgesehen.


Lehrergewerkschaft sieht keinen Mehrwert

Die Lehrergewerkschaft GEW Sachsen-Anhalt kritisiert, engagierte Lehrer würden längst moderne Cloud-Lösungen und Lernplattformen nutzen. Software fehle nicht, sondern Personal und Technik. GEW-Landesvorsitzender Thomas Lippmann: “Bei diesem Vertrag gibt es nur einen Nutznießer – und das ist Microsoft selbst.“ Bildungsexperten, wie Prof. Michael Kerres von der Universität Duisburg-Essen, betonen unterdessen die Vorteile, denn Office-Lizenzen seien gewöhnlich ohnehin nötig. Die zentrale Vergabe könne “ein kluger Weg“ sein, weil es den Schulen die bilaterale Aushandlung erspare.

Sind bestehende Initiativen und Modelle in Gefahr?

Über ein Modell nach dem Motto“Lizenzen für alle“ gehen die Pläne indes weit hinaus. Wenn es erst einmal eine zentral geschaffene (Cloud-)Plattform von Microsoft gibt, könnten viele Schulen einfach nur froh sein, sich mit IT-Fragen nicht weiter befassen zu müssen und sich anpassen, befürchtet Jan Wagner, netzpolitischer Sprecher der Linken im Landtag, die eine Aufkündigung der Pläne fordert. Für Medienkompetenz sei aber eine Vielfalt an IT-Technologie wichtig. Oberster Datenschützer im Land, Harald von Bose, mahnt zur Vorsicht, entwickelte Ansätze nicht kaputt zu machen. Die befassten Ministerien kündigen an, die Plattform offen für andere Anwendungen zu gestalten, Open-Source-Lösungen “bedarfsweise“ zu fördern und keine Konkurrenz zu entwickelten Komponenten am landeseigenen Lehrerbildungsinstitut LISA zu schaffen.

Jöran Muuß-Merholz, Pädagoge und Digitalexperte von der “Transferstelle Open Educational Ressources“, glaubt an die gute Absicht der Politik, hält aber die Bedenken für berechtigt. Denn die Praxis könne ganz anders aussehen. Die Krux an den Plänen sei, dass Micorosoft Software, Infrastruktur, Weiterbildung und überdies Programme zu frühkindlicher Bildung in Personalunion als Hersteller liefere und federführend als Dienstleister mitaufbaue. Eine vergleichbar weitgehende Kooperation gebe es bundesweit bisher nicht.

Das ist ein relativ bedrohliches Szenario. Microsoft sitzt am Anfang und am Ende dieser Kette.“ Und zwar bei allem, was in naher Zukunft noch wichtiger werde, wenn sich Digitalisierung und Cloud-Computing erst richtig an Schulen durchsetze, so Muuß-Merholz. Gegenüber anderen Diensten im Land würde das immer einen Startvorteil bringen – auch wenn technisch gesehen alles anwendbar bliebe. Muuß-Merholz: “Das ist Teil einer größeren Strategie, die Microsoft gerade im Bildungsbereich ausrollt.“ Zu dem Pilotcharakter wollte sich Microsoft mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen auf Nachfrage nicht äußern.

Kritik: Infrastruktur lässt sich von Bildungsinhalten nicht trennen

Unterdessen besteht auch unter Bedenkenträgern Konsens, dass es eine zentrale Infrastruktur zweifellos brauche. Kritisiert wird: Nicht so. Auch, weil das Finanzministerium die umstrittene – allerdings unverbindliche – Absichtserklärung zunächst vorbei an Kultusminister, Schulträgern und einer seit Jahren bestehenden Arbeitsgemeinschaft Medienkompetenz geschlossen hatte. Der Landesdatenschutzbeautragte wurde ebenfalls erst auf sein Drängen im Nachhinein an den Tisch geholt. Das Finanzministerium begründet das mit der Hoheit über Infrastruktur und beruft sich auf eigene Umfragen, wonach Microsoft-Nutzung an der Mehrheit der Schulen ohnehin “unübersehbare Realität“ sei, während Datenschutz und Bildungsinhalte erst im nächsten Schritt diskussionswürdig seien.

Alexander Dahl will mit einer Online-Petition eine Debatte über die künftige digitale Bildungslandschaft in Sachsen-Anhalt befördern. (Bild: M. Ganske-Zapf)
Alexander Dahl will mit einer Online-Petition eine Debatte über die künftige digitale Bildungslandschaft in Sachsen-Anhalt befördern. (Bild: M. Ganske-Zapf)

Für Netzaktivist Alexander Dahl greift das in puncto digitaler Medienkompetenz zu kurz. Bildung und Infrastruktur gehören für ihn zusammen. Ein einheitliches Konzept müsse stärker über pädagogische Ziele und mit Blick auf Folgekosten gedacht werden, unter Einbindung verschiedener Dienstleister. Das brauche politischen Willen, um es Schritt für Schritt aufzubauen. Er sagt: “Darüber will ich einen Diskurs anregen.


Teaser & Image „Computer“ by dantetg (CC0 Public Domain)

 

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Wieviel Wirtschaft darf’s denn sein in der digitalen Bildung?

Future Campus (C by Corell Tech)

Drei bemerkenswerte Beispiele digitaler Transformation, die den Spagat zwischen Individuum und Gesellschaft wagen – und damit zentrale Fragen aufwerfen. Drei Beispiele, die zum Nachdenken anregen, ob und inwiefern wir bei der digitalen Transformation einen Eingriff der Wirtschaft in unser Bildungssystem zulassen wollen. Zum ersten ist das der neue Campus der Cornell Tech University, welcher ein Ökosystem für technologiebegeisterte Studenten bilden soll. Zum Zweiten die Hour of Code, die schon den Kleinen Programmieren näher bringen möchte und zum Dritten die Digitale Agenda der EU.


Warum ist das wichtig? Wie weit darf die Wirtschaft in die Bildung der Gesellschaft eingreifen?

  • Eine grosse Lücke klafft zwischen staatlichem Bildungssystem und den Anforderungen am Arbeitsmarkt. Erst recht in Zeiten der digitalen Transformation. Wo wollen wir hin?

  • Bildung war schon immer mehr als die Ermächtigung des Menschen. Es reflektiert auch die Machtverhältnisse in der Gesellschaft. Wie geht man damit um?

  • Wenn man heute eine Volksbefragung abhielte, wieviel digitale Transformation gewünscht sei: Die Mehrheit würde das Rad wohl zurück drehen. Wo bleiben die konstruktiven Aktionen der Zivilgesellschaft?


1. Beispiel: Das neue Ökosystem rund um die Cornell Tech University in NYC

Die Stadt New York möchte im „War for Talents“ dem Silicon Valley etwas entgegen setzen und hatte dazu vor einigen Jahren einen Wettbewerb ausgerufen, dessen Gewinner ein grosses Areal auf der stadtnahen Roosevelt Insel zur Bebauung nutzen darf.

Es soll entstehen: Ein offener Campus als Magnet für technologiebegeisterte Studierende, die in einer Kombination aus Studium und praxisnaher Entrepreneurship-Schulung gezielt zum Aufbau neuer Startups geführt werden. An denen sich dann die Universität in einem vereinfachten Verfahren ggf. mit Anteilen beteiligen kann.

2011 fiel die Entscheidung zugunsten der Cornell University in Kooperation mit der israelischen Technion University, die Grundlage zu legen für das Silicon Island in NYC. Die Stanford University hatte lange mitgeboten, sich dann aber zurückgezogen, kurz bevor die Cornell University die ersten $350 Mio. eingeworbenen Mittel verkündete. Insgesamt soll das Projekt $2 Mrd. kosten – erste Studierende sind seit 2013 übergangsweise im New Yorker Google-Gebäude bereits aktiv.

Bemerkenswert hier: Die Finanzierung erfolgt weitestgehend über philanthropische, private Stiftungen und Alumnis der Cornell University – die Stadt New York hat nur das Gelände zur Verfügung gestellt. Auf den 74.000 Quadratmetern sollen die ersten Gebäude dann ab Sommer 2017 bezugsfertig sein. Ein Drittel wird von CornellTech bespielt, der Rest steht einem grossen Co-Working-Space, Startups und grösseren Unternehmen zur Verfügung.

Das Studium selbst setzt sich aus einem interdisziplinären Curriculum und projekt-basiertem Lernen in Studio-Atmosphäre zusammen zzgl. einer Vielzahl an Praktikas und Projekten, die mit den unterstützenden, grossen Unternehmen gemeinsam durchgeführt werden. Die Curricula werden von einem wissenschaftlichen und einem unternehmerischen Beirat abgenommen – alles weit entfernt vom hiesigen Anspruch nach Freiheit der Lehre.

Während also in Berlin mit rückwärts gewandtem Blick immer wieder Humboldt angerufen wird, sei es in der Bildung oder beim Stadtschloss-Wiederaufbau, gehen andere Initiativen in der Welt transformativ nach vorne. So war das New Yorker Engagement der Stanforder University intern eher umstritten – es gibt dort Bestrebungen, den nächsten Ableger in China aufzubauen.

Nun kann man reflexhaft argumentieren: Keine Wirtschaft in der Bildung. Dann sind wir beim hiesigen Status Quo, wo zwar jede Menge Drittmittel intransparent fliessen, und damit die Einflussnahmen eher versteckt erfolgen (siehe unseren Talk mit Arne Semsrott von Hochschulwatch.de).

Ich habe zwischenzeitlich meine Zweifel, ob wir nicht deutlich kreativer und innovativer, und das bedeutet transformativ denken lernen müssen. Alle gemeinsam. Oder wir schaffen den Kapitalismus ab – das ginge natürlich auch…

Mein Fazit zu CornellTech, auch wenn man es ambivalent betrachten muss: So sieht aktiv gestaltende Zukunft aus an der Schnittstelle von Urbanität, Bildung, Zukunftsorientierung & Entrepreneurship. Zwar alles ambivalent, aber es passiert was. Sehr sehenswert übrigens ihr Promo-Video – das ist schon sehr cool!

2. Beispiel: Code.org und das gemeinnützige Engagement von Unternehmen

Es gibt aktuell eine grosse Bewegung, jungen Menschen mit kleinsten Lern-Bausteinen den Spass am Coden zu zeigen: Programme, Szenarien, Materialien werden Computer-Lehrenden kostenlos zur Verfügung gestellt, um mit spielerischen Methoden und kindgerechten Programmier-Sprachen mehr Neugierde zu schaffen.

Code.org (Screenshot Google Maps)

Hour of Code, so nennt sich diese Bewegung, wurde 2013 von der gemeinnützigen, US-amerikanischen Code.org-Initiative ins Leben gerufen und kann sich auf sehr bekannte Sponsoren aus der Computer-Industrie (Bill Gates, Mark Zuckerberg etc.) und der Politik (Bill Clinton, Barack Obama etc.) berufen.

Im Winter 2014 sammelte Code.org über eine Indiegogo-Crowdfunding-Kampagne zusätzliche 5 Millionen Dollar ein, mit dem Versprechen, damit 100 Millionen Schüler_innen und Studierende erreichen zu wollen. Ich selbst hatte einen kleinen Betrag gespendet, weil ich das Projekt gut finde. Man bemüht sich hier, mehr Diversity einzufangen – vor allem auch weniger Privilegierte zu empowern.

Normalerweise beschäftige ich mich nicht mit Bildungspolitik in und für Schulen. Darum kümmern sich genügend andere – genau genommen fast alle anderen, da Bildung vor allem mit Kindern und Jugendlichen assoziiert wird. (Obwohl es den größten Nachholbedarf bei den Erwachsenen gäbe – nicht nur bei den Lehrenden.)

Nun geschah aber folgendes: Aufgrund meiner Netzpiloten-Artikel wurde ich vor einiger Zeit von Microsoft zu einem kurzen Presse-Ausflug zu einem von ihnen gesponserten Hour-of-Code-Event eingeladen. Ich hatte eine Weile mit mir gerungen, da ich wie gesagt a) keinen Schul-Fokus habe, ich mich b) nicht als Journalistin sehe und c) natürlich auch das Problem sehe, unentgeltlich PR für das Unternehmen zu betreiben.

Bei dem Event selbst handelte es sich um ein 3-tägiges Sommercamp im Rahmen der größeren Code your Life-Initiative – und zwar in einer Anlage außerhalb Berlins, die von der Henry-Maske-Stiftung betrieben wird.

Code your Life-Sommercamp (C by Anja C. Wagner)

Eine Turnhalle irgendwo in der Pampa, umringt von einigen Blockhütten – optimiert für einen jugendlichen Schulausflug. Wie Ihr seht: Ich bin der Einladung gefolgt und dachte mir: Unverbindlich anschauen kannst du es ja mal. Nicht nur Offenheit predigen, sondern auch leben. Ob ich berichten werde, kann ich dann noch schauen…

Ich berichte. Kurz. Immer noch unsicher ob der Ambivalenz des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen in der Bildungspolitik, die natürlich sich selbst damit ins rechte Licht rücken möchten. Und nebenbei über ihr Branding schon sehr frühzeitig eine positive Assoziation auf die Kinder ausüben wollen. (Auch wenn sie es abstreiten.)

Aber wie wollen wir das einordnen? Das derzeitige Bildungssystem ist gnadenlos überfordert mit den Herausforderungen der digitalen Gesellschaft. Nach dem Wasserfall-Modell der Ausbildung von qualifizierten Multiplikatoren, die idealer Weise später die Lehrenden erreichen, wird die Entwicklung viel zu langsam greifen.

Es braucht m.E. einer Vielzahl solch externer Initiativen, um den Menschen eine Idee der modernen Welt und ihren möglichen Beitrag einer konstruktiven Mitgestaltung überhaupt zu bieten. Ob sie nun öffentlich, zivilgesellschaftlich, privat oder in einem Mix finanziert sind:

Die Entscheidung der Nutzung muss den Verantwortlichen an den jeweiligen Positionen obliegen. Hier sehe ich ihren zentralen Job: Sich für die Zukunft zu engagieren – und daran gemessen zu werden, ob sie dazu einen konstruktiven Beitrag geleistet haben.

Also vor Ort – in Stichpunkten:

  • 82 Kinder

  • 8 -14 Jahre alt

  • aus 5 Modell-Schulen

  • verteilt über den Tag: 3mal 90-Minuten Praxis-Einheiten

  • an 6 Thementischen mit je 2 Betreuer_innen (in der Turnhalle)

  • einen Zeichenroboter mit neuen Zeichnungen programmieren:

Code your Life - Zeichnung (C by Anja C. Wagner)

  • animierte Schildkröten per Programmierung zum Zeichnen bringen

  • eigene Twitterwall programmieren

  • Simulation entwickeln, um Ameisenvölker gegeneinander kämpfen zu lassen

  • einen Miniroboter zum Leuchten bringen:

Code your Life - leuchtender Miniroboter (Bild: Anja C. Wanger)

  • ein Minecraft-Spiel programmieren:

Code your Life - Minecraft (Bild: Anja C. Wagner)

  • Teams rotieren über die Thementische, sammeln Punkte und befinden sich im spielerischen Wettbewerb

  • Ziel: Kinder sollen herausfinden, was ihnen liegt

  • halbes Jahr Vorbereitung in der Schule mit bereit gestellten Materialien, um die Grundlagen kennenzulernen

  • vor der Tür: Microsoft-Zukunft-Bus mit 120qm aktuellen Technik-Schnickschnack (von 3D-Printer über Hololens-Simulation bis hin zu Games) – der beliebteste Ort in den Pausen:

3D-Drucker (Bild: Anja C. Wagner)

Wie Ihr seht: Ein Programm, an dem man selbst gerne aktiv teilnähme und auch uns Erwachsenen wohl gut täte, die moderne Welt zu be-greifen. Wirklich beeindruckend, wie die Kinder sich im sozialen Verbund den Herausforderungen stellen und diese auch meistern. (Übrigens: Die Mädels natürlich am besten …)

Ein zurückhaltender Gesamtschul-Lehrer, der mit seiner Klasse an dem Modellprojekt teilnimmt, zeigte sich sehr zufrieden und meinte, auch die schwächeren Schüler_innen, die vielleicht nicht alles kognitiv verstünden, wären aber mit dem Herzen dabei und begeistert. Nach Abwägen des Gewinns für die Schüler_innen versus dem unternehmerischen Branding, was er natürlich auch sieht, denkt er, es lohne sich doch, den Kiddies diese Zukunftsoption zu bieten.

Sein größtes Problem: Wenn er in 2 Jahren in Rente geht, wird sich wohl keiner seiner jüngeren Kolleg_innen des Projekts annehmen. Nicht wegen des Brandings, sondern wegen des individuellen Aufwands, sich in die für sie ungewohnte, digitale Welt hineinzudenken.

Euer Fazit? Bitte unten in die Kommentare.

3. Beispiel: Vielfältiges Engagement für die digitale Agenda der EU

Nachdem ich oben eine urbane und eine gemeinnützige Initiative in Kooperation mit der Wirtschaft vorgestellt habe, die Digitalisierung voranzubringen, wende ich mich jetzt der 3. Handlungsebene zu. Auch in der Politik sind nämlich die digitalen Zeichen der Zeit endlich eingetroffen.

Zwar sprechen hier alle von je Unterschiedlichem. Im nationalen Rahmen kann man die Schwerpunkte und ihre jeweiligen Anhänger_innen in Deutschland grob den folgenden Ministerien zuordnen:

  • BMBF: Humboldt & die Bildung im formalen Bildungssystem

  • BMAS: Arbeiten 4.0 & die Qualifizierung der Erwerbstätigen

  • BMWi: Digitale Bildung & die Förderung kapitaler Startups

Je nachdem, in welchen Kontexten man sich bewegt, stellt man fest: Es existieren kaum Berührungspunkte zwischen diesen Denkgebäuden. Jeder Komplex wird gesondert behandelt. Was nicht nur schade, sondern auch bedenklich ist, da hier kaum Synergien entstehen.

Umso erfreuter war ich, als ich diese Infografik der Europäischen Kommission sah, die zunächst das gesamte Spektrum der notwendigen, digitalen Alphabetisierung in der gesamten Breite dokumentiert.

A Digital Europa Needs Skills (Bild: Digital Agenda For Europe)

Vom Kleinkind über die arbeitende Bevölkerung bis hin zu den Senior_innen: Es sind ALLE Menschen gefordert, den digitalen Wandel zu be-greifen, bis man mehr Chancen erkennt als Risiken.

Dazu braucht es an all diesen verschiedenen Baustellen diverse Initiativen, die mithelfen, diesen Wandel zu verstehen und aktiv mitzugestalten. Die Europäische Kommission unterstützt von daher ein breites Spektrum an Projekten und hat dazu eine grosse IKT-Koalition kollaborativer Aktivitäten ausgerufen, die in Kooperation mit der Industrie Bildungsprogramme und Unterstützungsleistungen entwickelt und aufsetzt.

Entsprechend der eher neoliberalen Ausrichtung der EU klingt dies dann im Wortlaut so:

Unsere Vision: durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen in der gesamten Wirtschaft, Bildungsanbietern, Arbeitsverwaltungen, Sozialpartnern und vielen anderen Partnern können wir

  • den großen Herausforderungen notwendiger Skills begegnen, die dem Wachstum entgegen stehen;

  • dem digitalen Talent in Europa eine Chance zum Gedeihen bieten;

  • die Menschen für den Erfolg auf dem Arbeitsmarkt empowern.

Schauen wir großzügig über das Wording und das wachstumsorientierte Denken hinweg: Will man den gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen nachhaltig begegnen, braucht es solch transformativer Ansätze. Das ist das Positive dieser Koalition. Auch NGOs sind übrigens eingeladen, sich aktiv einzubringen.

Den eingeschlagenen Weg der Kommission, hier einerseits auf nationale digitale Koalitionen zu setzen (in 12 EU-Ländern bereits umgesetzt – natürlich nicht in Deutschland und Österreich), andererseits die digitalen Initiativen von derzeit 80 großen Institutionen (von BBC bis Google) laut zu begrüßen, macht grundsätzlich einen vernünftigen Eindruck.

Geschenkt wird modernen, neuen Initiativen dabei natürlich nichts. Auch die EU-Programme im Rahmen von Horizon 2020 sind SEHR technologielastig und wachstumsorientiert angelegt. Es herrscht grundsätzlich ein ähnlicher Esprit wie in deutschen Ministerien. Social Entrepreneurship ist da kaum vorgesehen.

Das nennt man dann übrigens Educational Governance-Politik – es ist ein Austarieren der vorherrschenden Interessenverbände. Wer hier zu leise ist, wird einfach übersehen.

Entsprechend starten wir bei ununi.TV demnächst eine digitale, öffentliche Initiative, um vor allem mit KMUs gemeinsam zu denken, wie notwendige Schritte sehr konkret und transformativ ausschauen könnten: Wie kann man den digitalen Wandel für eigene Innovationen sinnvoll nutzen? Wer über Start und Verlauf informiert werden will, kann sich hier auf die Liste setzen.


Teaser & Image (adapted) by Cornell Tech, Anja C. Wagner, Digital Agenda For Europe


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Ein Jahr #BTADA: Eine Informatikerin im Ausschuss „Digitale Agenda“

SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken (Foto: spdfraktion.de, Susie Knoll/Florian Jänicke)

Nach einem Jahr Ausschuss „Digitale Agenda“ wünscht sich die Abgeordnete Saskia Esken (SPD) vor allem mehr Beteiligungsformate. // von Tobias Schwarz

SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken (Foto: spdfraktion.de, Susie Knoll/Florian Jänicke)

Am 19. Februar jährt sich die Einsetzung des Ausschuss „Digitale Agenda“ (BTADA) zum ersten Mal. Zusammen mit unserem Medienpartner Politik-Digital.de haben wir uns mit Mitgliedern des Ausschusses über das vergangene Jahr unterhalten, wie sie den Ausschuss erlebt haben und wie die Abgeordneten in Zukunft Themen des digitalen Wandels setzen wollen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken verriet im Interview, dass sie sich mehr Beteiligunsgformate wünscht.

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Studium Digitale per MOOC

Salford Business School launches unique open access online course (adapted) (Image by University of Salford Press Office [CC BY 2.0] via Flickr)

Mit einigen MOOCs lassen sich jetzt ECTS-Leistungspunkte sammeln. Das fordert das traditionelle Universitätsmodell aus Anwesenheitspflicht und festem Lehrplan heraus. Verschulte, vorgefertigte Bachelor- und Masterstudiengänge lassen heute wenig Raum für individuelle Persönlichkeitsbildung. Ergänzende Online-Kurse – oder MOOCs – zur Verfolgung eigener akademischen Interessen werden immer beliebter, waren bisher aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt. Das ändert sich jetzt in Europa. Werden wir uns bald ein Studium digital selbst zusammenstellen können?

Arbeiten, fernsehen, einkaufen – vieles geht heute an jedem Ort und zu jeder Zeit. Immer mehr Menschen arbeiten von zuhause oder unterwegs aus. Man hält sich nicht mehr an feste Sende- oder Ladenöffnungszeiten, sondern lebt nach dem persönlichen Zeitplan. Das Internet macht es möglich: viele Bereiche unseres Lebens können durch Digitalisierung zunehmend individualisiert werden. Doch in anderen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die akademische Welt gehört zu dieser Kategorie. Das Universitätsmodell mit physischer Anwesenheitspflicht und einem festen Programm aus Vorlesungen und Seminaren bis zum Examen hat sich seit Jahrhunderten praktisch nicht verändert. Seit der Bologna-Reform ist es sogar noch unflexibler geworden.

Vor 2010 konnten sich Diplomstudenten nach einem zwei- bis viersemestrigen Grundstudium auf ein Fach ihrer Wahl spezialisieren. Nach weiteren vier bis sechs Semestern erwarben sie ihr Diplom. Zwischendurch blieb Zeit für Praktika und Nebenjobs. Nach der Umstellung auf das Bachelor-Master-System kann von individualisierter Persönlichkeitsbildung nicht mehr die Rede sein. Das Studium ist verschult, es gibt kaum Möglichkeiten, es nach den eigenen Interessen auszurichten. Der rasend schnelle Konsum von vorgefertigtem Lernstoff für einen möglichst zügigen Abschluss prägte vor einigen Jahren den Begriff des „Bulimie-Lernens“. Um sich von der Masse der konformen Fließband-Lerner abzuheben, muss man sich auf eigene Faust weiterbilden. Und wieder findet sich die Lösung im Internet.

Massive Open Online Courses – kurz MOOCs – sind kostenlose Online-Kurse von Universitäten. Mit einem Smartphone, Tablet oder Computer kann jeder unabhängig von Ort und Zeit auf Video-Vorlesungen und Lernmaterial zugreifen. Online-Studenten picken sich die besten Kurse von Eliteuniversitäten wie Harvard oder dem MIT heraus. Jeder hat plötzlich Zugang zu Hochschulbildung der Extraklasse, ohne den perfekten NC vorweisen zu müssen – und das alles zum Nulltarif. Die drei weltweit größten (und amerikanischen) Anbieter von MOOCs – edX, Coursera und Udacity – haben zusammen seit der Geburt des MOOCs im Jahr 2008 über 12 Millionen Studenten in Online-Kursen unterrichtet. Ein drittel der Teilnehmer stammt aus den USA und edX gibt an, dass die Hälfte der Studenten aus Entwicklungsländern kommen. Die New York Times waren von diesem Weltverbesserungsappeal so begeistert, dass sie 2012 zum „Jahr des MOOCs“ kürte. Wieso sollte man noch eine Uni besuchen und Studiengebühren zahlen, wenn sich von zuhause aus ein persönlicheres, hochwertiges und kostengünstigeres Bildungsprogramm zusammenstellen lässt?

Bisher unterschied man zwischen formellen und informellen Bildungsangeboten. Onlinekurse waren eine komfortable Fortbildungs-Alternative zum abendlichen Besuch der Volkshochschule. Ein MOOC wurde aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt – schon allein aufgrund der fehlenden persönlichen Kontrolle bei der Abschlussprüfung. An einem MOOC teilzunehmen erforderte hohe Eigenmotivation, da man am Ende in manchen Fällen zwar ein Zertifikat bekam, dieses aber nicht vergleichbar mit einer Bescheinigung einer traditionellen Universität war. Viele MOOC-Teilnehmer brachen Kurse vorzeitig ab.

Das kann sich nun ändern. Die MOOC-Plattform iversity.org mit Sitz in Berlin hat als erster Anbieter erfolgreich kostenpflichtige Zertifikate für einige Kurse eingeführt, mit denen Studierende Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) sammeln können. Diese sind gleichwertig mit den Punkten, die an einer Universität gesammelt werden. Studenten in Europa können sich die ECTS-Punkte der Onlinekurse anrechnen lassen und in manchen Fällen sogar Kurse ihres Studiums durch MOOCs ersetzen. Die Zahl der Abbrecher sinkt dadurch, dass Teilnehmer zu Beginn des Kurses entscheiden, ob sie Gasthörer sind oder ein Zertifikat anstreben. Prüfungen können kontrolliert werden- durch Präsenzexamen oder Webcam und Abkopplung des Computers vom Internet. Ein MOOC unterscheidet sich dann nicht mehr groß von einem analogen Kurs, außer das man ihn gemütlich auf seinem Sofa belegen kann, anstatt sich mit 200 Kommilitonen die Luft in einem stickigen Hörsaal zu teilen. Bisher bietet iversity.org drei Kurse an, mit denen ECTS-Punkte erworben werden können. „Für Studierende ist ausschlaggebend, ob ein Kurs vom Hochschulsystem anerkannt wird oder nicht. Für Berufstätige ist die ECTS-Anerkennung ein Qualitätsindikator„, sagt Hannes Klöpper, Gründer und Geschäftsführer von iversity.org.


„How to MOOC – Was ist ein MOOC?“ erklärt von iversity Mitgründer Hannes Klöpper:


Wohin führt das digitale Studieren? Es gibt bereits einige (Fern)Studiengänge, die vollständig online absolviert werden können. Neu ist die Möglichkeit oder das Bedürfnis, sich seine Bildung selbst hochschulübergreifend aus dem besten verfügbaren Angebot zusammenzustellen. Was bedeutet dies für Universitätsgebäude? Wird sie das gleiche Schicksal wie leerstehende Kirchen ereilen? Wenn 100 Professoren einen ähnlichen Kurs in Statistik für Anfänger anbieten der auch im Internet frei verfügbar ist, werden dann 99 Kursangebote und eventuell auch Arbeitsplätze wegfallen? Wieso sollten Universitäten das überhaupt mitmachen? Was bringt es ihnen Kurse für die sonst gezahlt werden umsonst anzubieten?

Tatsächlich nutzen viele Universitäten MOOCs als Eigenwerbung. „Ein Kurs auf iversity.org hat im Schnitt 20.000 Teilnehmer. Das ist ein globaler Reputationsgewinn für Universitäten und kleinere Fachhochschulen„, sagt Klöpper. Am 14. Oktober startete die private Berliner Hochschule Hertie School of Governance einen MOOC auf iversity.org. Knapp 7000 Anmeldungen gab es für den 10-wöchigen Kurs namens „Governance and Policy Advice: How Political Decisions Come to Life„. Politiker und Berufserfahrene sollen den Studenten einen Einblick in die Geheimnisse des politischen Entscheidungsprozesses geben. Am Ende können Studenten ein Zertifikat für 49 Euro von iversity.org erwerben. ECTS-Punkte gibt es leider noch nicht. Die Hertie School verdient nichts; einen gewissen Marketing-Effekt hat der Online-Kurs jedoch. „Der MOOC schafft eine größere Sichtbarkeit unseres Angebots„, so die Leiterin des Kurses, Prof. Andrea Römmele.

Viele Universitäten wie zum Beispiel Oxford und Cambridge wehren sich gegen die Digitalisierung ihres Angebots. Doch es gibt immer Menschen, die das nicht einsehen. Sie möchten das studieren was sie interessiert und sich nicht fühlen als seien sie immer noch in der Schule. Und auch Unternehmen interessieren sich beim Bewerbungsgespräch eher für die Dinge die man neben dem Studium noch erreicht hat. Individuelle Leistungen zählen mehr als die der Masse.

Die Lösung ist eine Kombination aus Online- und Offlineangebot„, sagt Hannes Klöpper. Er hat mit iversity.org nicht die Absicht, traditionelle Universitäten online abzubilden. Studenten sollen ihr Studium durch ein umfassendes digitales Angebot ergänzen und nicht ersetzen. „Menschen kommen immer noch gerne an einem Ort zusammen- Das sieht man zum Beispiel daran wie viele Konferenzen es trotz des Internets noch gibt„, findet Klöpper.

Und es gibt weitere Gründe gegen eine komplette Digitalisierung unserer Bildung: Trotz aller Vorteile der Online-Lehre sollte man sich fragen, ob sie ein traditionelles Studium komplett ersetzen kann. Eine virtuelle Plattform transportiert noch nicht das Gefühl, das erste Mal vor seinen Kommilitonen zu präsentieren, mit ihnen zu debattieren und seine Meinung zu verteidigen. Auch der Geruch von alten Büchern in der Unibibliothek, das schlechte Mensaessen und die leuchtenden Augen des charismatischen Professors finden sich bis jetzt nur in der analogen Welt. Persönlichkeitsbildung und Lebenserfahrung erlangt man nicht nur durch bestandene Prüfungen und Scheine.


Image (adapted) „Salford Business School launches unique open access online course“ by University of Salford Press Office (CC BY 2.0)


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Wie Deutschland die Digitale Bildung verschläft

Digitale Bildung (Bild: Brad Flickinger [CC BY 2.0], via Flickr)

Vor allem der Bildungsbereich muss in Deutschland für die Digitalisierung fit gemacht werden, doch die Politik droht die Entwicklung zu verschlafen. // von Henning Tillmann

Digitale Bildung (Bild: Brad Flickinger [CC BY 2.0], via Flickr)

Die Digitalisierung schreitet voran: Unser Medienkonsum und Kommunikationsverhalten hat es schon vollständig erfasst. Ein Bereich ruht aber in den wohligen, miefigen und vor allem analogen Zeiten der 1980er Jahre: Die Bildung. Digitale Bildung ist in Deutschland ein Fremdwort und bedeutet eben nicht, nur Beamer mit Powerpoint statt Overheadprojektoren einzusetzen. Es gibt sehr viel zu tun – ein weiteres Aufschieben von Reformen wäre fatal. Drei notwendige Schritte.

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