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Netzpiloten @Chatbot Summit

Auf vielen Digital-Konferenzen dieses Jahres ist das Thema „Voice“ emminent wichtig. Es scheint der kollektive Zukunftstraum der Tech-Enthusiasten zu sein, dass wir alle mit unserer Sprache jede Menge technischer Geräte steuern und mit digitalen Services kommunizieren. Kein Wunder also, dass es bereits einen eigenen Summit für Chatbots und Voice Assistants gibt: der Chatbot Summit am 23. und 24. Oktober in Berlin. Bereits zum vierten Mal findet die bislang einzige Bot Conference der Welt statt (veranstaltet von Sunrize Digital). Wir Netzpiloten sind mit dabei.

Welche Speaker werden da sein?

Die Eröffnungs-Keynote kommt vom Chef und Gründer des Chatbot Summit, Yoav Barel. Er kennt den derzeitigen Entwicklungsstand der Bots. Spannend wird sicherlich der Vortrag von Daniel Whaley, Senior Architect für künstliche Intelligenz bei der BBC. Er referiert über das Medium der Stimme in der medialen Landschaft. Wir freuen uns auch auf die Ausführungen von Stéphanie Charlaix Meyer, Vice President Digital Product and Innovation bei Air France, über das Thema „Reinventing Costumer Relationships Using AI Powered Chatbots“.

Um welche Themen wird es gehen?

  • Zukunft der Chatbots
  • Kundenbeziehungen und Chatbots
  • Whatsapp und andere Personal Messenger
  • Marketing-Strategien in Zusammenarbeit mit Bots

Und sonst noch?

 Tickets gibt es für General Attendees, für Startups und für VIPs, Executives und CEOs. Noch sind Early Bird Tickets zu haben. Genaueres erfahrt ihr hier.

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Never mind the Killerroboter – Unzuverlässig sind sie alle.

Drohne (adapted) (Image by anne773 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Anführer von mehr als 100 der weltweit größten Unternehmen der KI-Branche sorgen sich um die Entwicklung der „Killerroboter“. In einem offenen Brief an die Vereinten Nationen warnten die Führungskräfte – inklusive Elon Musk, dem Gründer von Tesla und den Gründern von Googles KI-Abteilung – dass die autonome Waffentechnologie von Terroristen und Despoten gehackt werden und anschließend für böse Motive verwendet werden könnte.

Aber die Gefahr ist im echten Leben weitaus größer – und speist sich nicht nur aus menschlichem Versagen, sondern auch aus dem der Maschinen. Studien von komplexen Systemen haben gezeigt, wie sich ein Verhaltensmuster entwickeln kann, das weitaus unvorhersehbarer ist als die Summe einzelner Maßnahmen. Auf einer Ebene deutet das darauf hin, dass sich menschliche Gesellschaften, verglichen mit dem Verhalten Einzelner, sehr unterschiedlich verhalten können. Dieses Prinzip kann jedoch genauso auf Technologien angewendet werden. Sogar Ökosysteme von relativ simplen KI-Programmen, die wir als dumme, nützliche Bots bezeichnen, können uns überraschen – sogar dann, wenn die individuellen Bots sich gut verhalten.

Die individuellen Elemente, die ein komplexes System wie einen Wirtschaftsmarkt oder das Wetter als Ganzes ausmachen, haben die Tendenz, nicht auf eine simple, lineare Art und Weise zu interagieren. Das macht es sehr schwierig, dieses System als Modell zu verstehen. Beispielsweise ist es nach vielen Jahren der Klimaforschung immer noch unmöglich, langfristige Wettervorhersagen zu treffen. Diese Systeme sind oft sehr sensibel gegenüber kleinen Veränderungen und deshalb anfällig gegenüber explosiven Rückkopplungsschleifen. Es ist darüber hinaus sehr schwierig, den präzisen Status eines solchen Systems an einem bestimmten Zeitpunkt festzustellen. Alle vorher genannten Aspekte machen diese Systeme intrinsisch unvorhersehbar.

Alle diese Prinzipien sind anwendbar auf große Gruppen von Einzelpersonen, die auf ihr eigenes Verlangen hin Entscheidungen treffen. Ob es sich hierbei um eine menschliche Gesellschaft oder eine Gruppe von Robotern handelt, ist dabei irrelevant. Meine Kollegen und ich erforschten kürzlich den Typ eines komplexen Systems, das geeignete Roboter dazu benutzte, Wikipedia-Artikel automatisch zu bearbeiten. Diese verschiedenen Roboter wurden von Wiki-Nutzern entwickelt, wobei die der zugrundeliegenden Open-Source-Software kostenlos und frei zugänglich und deswegen jedem zur Forschung verfügbar ist. Einzeln haben sie alle das gemeinsame Ziel, die Enzyklopädie zu verbessern. Ihr kollektives Verhalten stellt sich allerdings als überraschend ineffizient heraus.

Diese Wikipedia-Bots arbeiten sehr gut, wenn sie auf bewährten Regeln und Absprachen basieren. Weil die Webseite jedoch über kein zentrales Führungssystem verfügt, gibt es keine effektive Koordination zwischen den Personen, die diese Bots betreiben. Als Ergebnis fanden wir Bots, die ihre Artikel gegenseitig jeweils über mehrere Jahre hinweg editierten und die Bearbeitungen der anderen Kontrollinstanz rückgängig machten, ohne, dass es jemandem aufgefallen war. Und weil diese Bots über keinerlei Wahrnehmung verfügen, bemerkten sie es selbst auch nicht.

Die Bots sind für den Zweck entwickelt, den Bearbeitungsprozess zu beschleunigen. Jedoch können kleine Diskrepanzen in der Entwicklung der Bots oder zwischen den Menschen, die diese Bots nutzen, zu einer massiven Verschwendung von Ressourcen im Rahmen eines „Bearbeitungs-Krieges“ führen, der von menschlichen Redakteuren weitaus schneller gelöst werden könnte.

Wir fanden ebenso heraus, dass die Bots sich innerhalb der verschiedenen Sprachversionen von Wikipedia unterschiedlich verhielten. Die Regeln sind mehr oder weniger die gleichen, die Ziele sind ebenso identisch, die Technologie ist dieselbe. Jedoch ist in der deutschen Wikipedia die Kooperation zwischen den Bots weitaus effizienter und produktiver als beispielsweise in der portugiesischen. Dies kann nur mit den Differenzen zwischen den Redakteuren, die diese Bots in verschiedenen Umfeldern laufen lassen, erklärt werden.

Exponentielle Verwirrung

Wikipedia-Bots verfügen über nur wenig Autonomie. Das System verhält sich ohnehin schon anders als die Ziele der individuellen Bots. Jedoch plant die Wikimedia Stiftung den Einsatz einer KI, die den Bots einen höheren Grad von Autonomie verleihen soll. Dies wird wahrscheinlich zu noch mehr Fällen von unerwartetem Verhalten führen.

Es wurde auch untersucht, was passiert, wenn zwei Bots, die dazu entwickelt wurden, mit Menschen zu sprechen, auf einmal untereinander interagieren. Die Antworten künstlicher persönlicher Assistenten wie Siri von Apple überrascht uns schon überhaupt nicht mehr. Wenn man aber zwei dieser Chatbots zusammenbringt, können diese schnell anfangen, sich auf eine überraschende Weise zu verhalten. Sie können beispielsweise einen Streit führen und sich sogar gegenseitig beleidigen.

Umso größer das System wird und umso autonomer ein Bot ist, umso komplexer und unvorhersehbarer ist das zukünftige Verhalten eines Systems. Wikipedia ist ein Beispiel einer großen Anzahl relativ einfacher Bots. Das Chatbot-Beispiel zeigt eine kleine Anzahl eher komplexerer und kreativerer Bots auf – in beiden Fällen entwickelten sich unerwartete Konflikte. Die Komplexität und damit die Unvorhersehbarkeit, steigt exponentiell, je mehr individuell agierende Bots dem System hinzugefügt werden. In einem zukünftigen System mit einer großen Anzahl sehr kluger Roboter könnte das unerwartete Verhalten unsere Vorstellungskraft übersteigen.

Selbstfahrender Wahnsinn

Bei selbstfahrenden Autos gibt es beispielsweise spannende Fortschritte zur Effizienz und zu Sicherheitsaspekten des Straßenverkehrs. Wir wissen jedoch noch nicht, was passieren wird, wenn wir einmal ein großes, ungezähmtes System voller autonomer Fahrzeuge haben. Sie könnten sich völlig anders verhalten als weniger Fahrzeuge dies in einer kontrollierten Umgebung tun würden. Und sogar noch unerwarteteres Verhalten könnte in dem Fall auftreten, wenn fahrerlose Autos von verschiedenen Personen in unterschiedlichen Umgebungen „trainiert“ werden und anfangen, miteinander zu kommunizieren.

Menschen können sich neuen Regeln und Standards sehr schnell anpassen – aber immer noch damit Schwierigkeiten haben, den Systemwechsel durchzuführen. Dies kann für künstliche Akteure weitaus schwieriger sein. Wenn ein auf deutsche Standards eingestelltes Auto beispielsweise in Italien fährt, wissen wir einfach nicht, wie es mit den geschriebenen Regeln und ungeschriebenen Normen umgeht, die von den vielen anderen Autos befolgt werden, die auf italienische Standards eingestellt sind. Etwas so Ordinäres wie das Überqueren einer Kreuzung könnte plötzlich eine tödliche Gefahr bergen, weil wir einfach nicht wissen, ob die Autos so miteinander kommunizieren, wie sie es sollen oder etwas total Unvorhersehbares tun.

Denken wir nun an die „Killeroboter“, die Elon Musk und seinen Kollegen Sorgen bereiten. Ein einziger dieser Roboter könnte in den falschen Händen sehr gefährlich sein. Aber was ist mit einem unvorhersehbaren System von „Killerrobotern“? Daran will ich nicht mal denken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Drohne“ by anne773 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Bad News, Everyone: Chatbots ohne Emotionen übernehmen den Kundenservice

Headset (adapted) (Image by ronaldo [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Es ist heutzutage nicht einfach, einen echten Menschen ans Telefon zu kriegen. Nahezu jedes Mal, wenn man seine Bank, seinen Arzt oder irgendeinen anderen Service anrufen muss, wird man höchstwahrscheinlich von einem vollautomatischen Service begrüßt. Dieser wurde scheinbar nur dafür gemacht, um uns davon abzuhalten, mit jemanden zu sprechen, der tatsächlich für das Unternehmen arbeitet. Und dank der auf dem Vormarsch befindlichen Chatbots dürfte das bald noch schlimmer werden.

Chatbots sind Programme, die sich künstlicher Intelligenz bedienen. Sie werden häufig in Apps oder Nachrichtenservices eingesetzt. Die Bots sind darauf ausgerichtet, die Fragen von Leuten im Gesprächsstil zu beantworten, anstatt sie nur in die Richtung der korrekten Antwort zu leiten, wie es eine Suchmaschine tut. Unternehmen wie Uber, Lufthansa und Pizza Express nutzen sie bereits, um die Anfragen von Kunden entgegen- und Buchungen anzunehmen – und für noch vieles mehr.

Sie haben das Potential, einige Aspekte des Kundenservices zu verbessern und sind sicherlich einfacher zu nutzen als automatisierte Telefonsysteme, die schon Schwierigkeiten haben, einfache Angaben zu verstehen. Doch sie sind trotzdem ein weiteres Hindernis, das Kunden von einem realen Menschen trennt, der in der Lage ist, schwierigere Fragen zu beantworten und, ganz wichtig, das Mitgefühl und Entgegenkommen zeigt, das elementar für einen guten Kundenservice ist. Es kann gut sein, dass Chatbots dies sowohl Kunden als auch Unternehmen auf die harte Tour herausfinden lassen werden.

Den Kundenservice, oder zumindest einen Teil davon, zu automatisieren, ist für viele Unternehmen ein verlockender Gedanke. Nicht nur sind die menschlichen Mitarbeiter den Unannehmlichkeiten des Jobs weniger ausgesetzt – es kann auch dabei behilflich sein, viele gängige oder triviale Probleme herauszufiltern, bevor die kostspielige Arbeitszeit eines Menschen dafür geopfert wird. Dies könnte Unternehmen dabei unterstützen Kosten zu sparen. Gleichzeitig werden diejenigen Kunden zufriedengestellt, die lediglich eine einfache Lösung für Standardprobleme benötigen.

Doch menschliche Angestellte durch künstliche zu ersetzen, ist nicht ganz so einfach. Zunächst einmal ist die Sprache mit all ihren Variationen und Fehlern – und obwohl es mittlerweile wirklich beeindruckende Fortschritte im automatischen Sprachverstehen und Übersetzen gibt, bleibt dies eine schwierige Angelegenheit. Vollautomatische Vertreter sind immer noch deutlich weniger kompetent und sprachbewusst. Bei manchen Problemen wäre es daher schwierig, wenn nicht unmöglich, diese zu kommunizieren.

Gut, aber nicht gut genug

Talent ist die Fähigkeit, gute Leistung abzuliefern. Können ist die Fähigkeit, eine ungewöhnlich schwierige Situation zu lösen. Die Ausnahme zu beherrschen, ist eine Kunst, und bei gutem Kundenservice geht es oft um die ungewöhnlichen oder unerwarteten Fälle, die auch noch potentiell verärgerte Kunden mit sich bringen. Während Chatbots überzeugende Antworten auf simple Fragen geben können, ist künstliche Intelligenz dennoch noch nicht schlau genug, mit seltenen und außergewöhnlichen Fällen umgehen zu können.

Unternehmen mögen dies zu Anfang nicht als ein Problem sehen, da Chatbots eine neue Möglichkeit darstellen, um Kunden zu sortieren, deren Anliegen einen gewissen Extraaufwand mit sich bringt. Nur diejenigen Kunden, deren Anliegen den Bot irritieren, werden zu einem menschlichen Angestellten weitergeleitet. Doch die Kommunikation mit einem verwirrten Computer kann schnell als ein frustrierender Vorgang wahrgenommen werden, und kann dazu führen, dass sich der Kunde noch mehr über den Service ärgert als zuvor. Auf lange Sicht könnte er schließlich dazu ermuntert werden, anderswo Geschäfte zu machen – besonders, wenn es schwer ist, zur Problemlösung endlich an einen menschlichen Vertreter weitergeleitet zu werden, sollte der Bot nicht in der Lage sein, zu helfen.

Eine Erfahrung dieser Art habe ich selber gemacht, als ich nach einem Zugausfall versuchte, ein Taxi zu ergattern. Als ich den einzigen lokalen Anbieter, von dem ich die Nummer hatte, anrief, wurde ich zu einem vollautomatischen Service weitergeleitet, der absolut nicht in der Lage war, den Abholort zur verstehen, obwohl ich schon alle Variationen des Namens und der Aussprache probiert hatte, die mir eingefallen waren.

Durch eine glückliche Fügung wurde ich irgendwie zu einem menschlichen Gesprächspartner durchgestellt. Doch bevor ich mein Anliegen vortragen konnte, hieß es: „Ich stelle Sie an das Buchungssystem durch“ – und der Teufelskreis begann von vorn. Die traurige Geschichte endete mit einem sehr langen Fußmarsch, dem glücklichen Aufgelesenwerden durch ein Taxi in einer ansonsten weitgehend menschenleeren Gegend, und dem Schwur, dieses Taxiunternehmen zu meiden, wo nur möglich.

Vollautomatische Systeme mögen in der Lage sein, gängige Probleme zu lösen. Doch sie können sich noch nicht auf außergewöhnliche Umstände einstellen oder gar erkennen, dass die Anpassungsfähigkeit einer menschlichen Interaktion vonnöten ist. Und aus Kundensicht geht das Problem noch weiter: Einige Situationen erfordern nicht bloß menschliches Verständnis und Problemlösefähigkeit, sondern auch eine Spur Mitgefühl und Empathie.

Ein Chatbot kann so programmiert sein, einen bestimmten Gesprächsstil anzunehmen, doch dieser wird sich in unerwarteten oder schwierigen Zusammenhängen dennoch seltsam fehl am Platz anhören. Zum heutigen Zeitpunkt gibt es keinen praktizierbaren Fahrplan in der Forschung im Bereich künstlicher Intelligenz, wie man etwas implementieren könnte, das menschlichem Mitgefühl überzeugend nahekommt.

Neben der tatsächlichen Lösung ihres Problems benötigen verärgerte Kunden manchmal vielmehr ein paar nette Worte und die Möglichkeit, sich bei jemandem auszusprechen, der bereitwillig zuhört. Und häufig beruht guter Kundenservice auf Gesten des Entgegenkommens, die nach Ermessen eines individuellen Angestellten ausfallen, der eher dem eigenen Mitgefühl als einem festen Regelwerk folgt.

Aufgrund der starken Kontextabhängigkeit der Situation ist es für die künstliche Intelligenz sehr schwer, dies nachzubilden. Meiner Meinung nach ist Kontextverständnis noch immer eines der extrem schwer fassbaren und ungelösten Probleme der künstlichen Intelligenz – und wird es auch noch für eine ganze Zeit bleiben.

Davon abgesehen werden Chatbots und andere Kundendienste, die auf künstliche Intelligenz zurückgreifen, aufgrund des kostensparenden Versprechens und anderer Vorteile, die Automatisierung mit sich bringt, in den kommenden Jahren drastisch auf dem Vormarsch sein. Das wahrscheinliche Ergebnis ist ein umso technokratischerer Umgang mit Problemen und weniger Flexibilität. Schlimmer noch: Sollte der Algorithmus deutlich verfeinert werden, wird der Prozess der Entscheidungsfindung immer intransparenter und lässt immer weniger Raum für die mildernde menschliche Intervention.

Wenn wir das verhindern wollen, müssen wir uns bewusst werden, dass der Weg zur Hilfe nicht mit guten Vorsätzen gepflastert ist, sondern darin liegt, zu verstehen, wie eingeschränkt die künstliche Intelligenz ist, wenn es um das Verstehen von Kontexten, Ausnahmefällen und menschlichen Umständen geht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Headset“ by ronaldo (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Diese 6 Chatbots für den Facebook Messenger wollen dir den Alltag erleichtern

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Alle reden von Chatbot-Apps. Das soll die Zukunft der Smartphone-Nutzung sein. Was sind eigentlich Chatbots? Welche Chatbots gibt es schon und wie können sie Smartphone-Nutzern jetzt schon helfen? Ich erkläre euch, was hinter diesen Helferlein steckt und präsentiere euch eine Auswahl cooler Apps.

Was sind Chatbots?

Was wir heute unter einem Chatbot verstehen, sind automatisierte Antwortmechanismen, die in einer vertrauten Bedienoberfläche eingebunden sind. Es gibt sie als selbständige Apps, aber auch als Add-on für bekannte Plattformen. Ein populäres Beispiel ist der Facebook Messenger. Per Schnittstelle können Entwickler darauf zugreifen und Messenger-Nutzern die Möglichkeit geben, direkt im Messenger die Chatbots zu verwenden. Ihr müsst nichts extra downloaden und installieren.

Ich verdeutliche es euch an einem Beispiel: Ihr möchtet beispielsweise einen Flug mit der niederländischen Fluggesellschaft KLM buchen. Das könnt ihr inzwischen über den Facebook Messenger erledigen. Alles, was ihr dafür tun müsst, ist „KLM“ oder @KLM.Deutschland in der Suchmaske des Facebook Messenger einzugeben. Dieser Link führt euch auch dahin. Dann schreibt ihr KLM eine Nachricht. Ein schlichtes „Hallo“ genügt. Kurz darauf erhaltet ihr eine automatisch generierte Antwort (siehe Screenshot).

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Flüge per Messenger statt per Hotline buchen. Screenshot by Niklas Hamburg

Weil inzwischen so viele Menschen Plattformen wie den Facebook Messenger nutzen, könnte es sein, dass wir künftig immer mehr Aufgaben über solche Plattformen abwickeln und immer weniger über andere Apps. Nachdem Apps Websites als wichtigste digitale Anlaufstelle für Konsumenten ablösten, könnten jetzt Chatbots die Apps ablösen. Allerdings sind längst noch nicht alle Chatbots für den Facebook Messenger das Gelbe vom Ei. Denn es gibt große qualitative Unterschiede.

Bei welchen Themen helfen euch Chatbots für den Facebook Messenger?

Chatbots können euch bei standardisierbaren Dienstleistungen helfen. So können sie euch die neusten Nachrichten nach eurem Geschmack zusammenstellen, Informationen über das Wetter präsentieren oder sogar dabei helfen, eure nächste Urlaubsreise zu buchen. Übrigens solltet ihr gut Englisch können, denn die Bots, die ich euch hier vorstelle, sind allesamt des Deutschen nicht mächtig. Während man mit virtuellen Assistenten wie Siri, Cortana, Alexa oder bald auch Bixby per Sprachbefehl interagiert, ist das bei Chatbots anders. Mit ihnen kann man schreiben oder je nach Vorliebe auch diktieren, was man schreiben will.

CNN-Bot: Eure persönliche Nachrichten-Maschine

Eine Variante der Chatbots, die sich im englischsprachigen Raum schon großer Beliebtheit erfreut, sind solche, die im Bereich des Publishings eingesetzt werden. Wer dem Bot schreibt, kann aus einer Vielzahl an Abonnements wählen und sich über neue Artikel in festgelegten Intervallen informieren lassen.

Ein Beispiel ist der CNN-Bot. Dieser kann auf den Nutzer zugeschnittene Nachrichten präsentieren. Der Stil nennt sich „Conversational Journalism“. Wenn man CNN schreibt, gibt es drei Kategorien zur Auswahl: „Top Stories“, „Stories for you“ und „Ask CNN“.

Fragt man nach Top Stories, werden euch verschiedene Berichte vorgeschlagen, die gerade beliebt sind. Genial: Zu jedem Artikel ist auch eine Zusammenfassung („Get a summary“) verfügbar – der Artikel wird in drei bis vier Sätzen zusammengefasst. Anschließend kann man immer noch entscheiden, ob man den Artikel ganz oder doch lieber einen anderen lesen will. Mit der Funktion „Stories for you“ werden einem Artikel aus Themengebieten vorgeschlagen, aus denen man bisher schon verstärkt Artikel gelesen hat.

Die Wetterkatze Poncho sagt ob es regnet oder schneit

Der Bereich Dienstleistungen und Informationen profitiert ebenfalls von Chatbots. So kann die Messenger-Chatbot-App Poncho beispielsweise nett aufbereitete Wetterinformationen anzeigen. Darüber hinaus kann man mit Poncho, personifiziert als süße gelbe Katze, auch kleine Spiele spielen, die unterhaltsam sind und vielleicht über die eine oder andere frustrierende Wetterprognose hinwegtrösten. Einfach in der Suchmaske @hiPoncho bzw. „Poncho“ eingeben und los geht’s.

Whatson: Lasst euch Löcher in den Bauch fragen

Wem das ständige Fragen zu langweilig ist, der könnte sich über Whatson freuen. Der Chatbot dreht den Spieß nämlich um und stellt dem Nutzer fragen. „In welchem Land gibt es eine Stadt namens ‚Hell’ – Norwegen, Australien oder Kanada?“ „Die Flagge welchen europäischen Landes ist nicht rot, grün und weiß – Bulgarien, Italien oder Monaco?“

Das hilft einem bei Problemen natürlich nicht weiter. Aber das ist auch nicht Sinn und Zweck dieses Bots. Er dient lediglich der Unterhaltung. Die Fragen, die er einem stellt, sind nicht zu leicht und nicht zu schwierig und es macht Spaß, sich mit Whatson auszutauschen. Allerdings hat so ein Gespräch wenig Dialogcharakter, es ist eher so, dass der Bot viel sagt und fragt und man das Luftholen nutzen sollte, um zu antworten. Ihr findet ihn in der Messenger-Suche unter @WhatsonBot.

Dinner Ideas inspiriert euch mit Rezeptvorschlägen

Wer war nicht schon einmal in der Situation, zuhause zu sein, der Kühlschrank bietet nur noch ein paar magere Reste und man hat keine Ahnung, welches Gericht man daraus zubereiten soll? Mit Dinner Ideas gibt es jetzt eine hervorragende Lösung dafür. Ihr nennt dem Bot einfach, was eure Vorräte so hergeben und er durchsucht eine Datenbank nach passenden Rezepten. Das funktioniert selbst bei scheinbar ausweglosen Kombinationen wie Senf und Toastbrot – vorausgesetzt, man hat noch andere Lebensmittel zuhause, mit denen man die Reste kombinieren kann. Ihr findet den Bot unter @dinner.ideas.

Mit Jarvis nichts mehr vergessen

Ein weiterer Chatbot, den ich euch nicht vorenthalten möchte, ist Jarvis. Die einzige Aufgabe dieses Bots ist es, euch zu einer bestimmten Zeit an eine bestimmte Aufgabe zu erinnern. Bevor ihr diesen Service allerdings in Anspruch nehmen könnt, müsst ihr erst eure Zeitzone angeben. Anschließend erhaltet ihr ein Beispiel, wie eure Erinnerung aussehen sollte, damit der Bot sie versteht. Wenn ihr noch mehr Hilfe benötigt, schreibt einfach „help“.

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Jarvis ist sozusagen ein Erinnerungsroboter. Screenshot by Niklas Hamburg

Wollt ihr erinnert werden, sagt ihr also beispielsweise (auf Englisch bitte, wenn ihr mit dem Bot schreibt): „Erinnere mich um 14:20 Uhr daran, den Artikel zu veröffentlichen“. Und ihr werdet zu diesem Zeitpunkt eine Nachricht mit der Erinnerung erhalten. Das funktioniert einwandfrei. Der Kommunikationsstil ist angenehm informell und enthalt neben Umgangssprache auch Emojis. Ihr findet den Bot unter @helloimjarvis.

Fazit

Chatbots, in der Form, in der man sie heute antrifft, sind ein netter Zeitvertreib und gut gemeint. Wel sich dahin aber selbsttätig lernende Algorithmen und keine echte Künstliche Intelligenz verbirgt, bleibt noch viel zu wünschen übrige. Der Tag, an dem der Chatbot den informierten und assoziativ denkenden, menschlichen Kundenberater ersetzt, liegt noch in weiter Ferne.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


Teaser Image und Videos by Facebook; Screenshots by Niklas Hamburg


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • USA süddeutsche: Tausche USA-Visum gegen Facebook-Passwort: Die Themen USA und die Einreise nach ebenda waren in letzter Zeit ohnehin bereits schwierig – jetzt will der US-Heimatschutzminister Visa-Antragsteller noch gründlicher beleuchten. Zu solchen Überprüfungsmaßnahmen einer Person könnte unter anderem auch die Abfrage von Passwörtern für Konten in sozialen Medien zählen. Bereits seit Ende 2016 können USA-Urlauber freiwillig ihre Nutzernamen bei Facebook oder Twitter angeben. Noch ist die Passwort-Abfrage nur eine Idee, wie in vielen Aspekten sollte man aber unter der Regierung auf alles gefasst sein.

  • SOCIAL MEDIA heise: Steckt in jedem ein Troll?: Jeder der schon mal in den Kommentarsektionen von Social Media Kanälen unterwegs war hat wahrscheinlich Begegnung mit ihnen gemacht – Trolle. Keine Monster unter Brücken, sondern Kommentatoren deren einziges Ziel es ist, ein Maximum an Störung zu verursachen und Streit anzuzetteln. Forscher der Universitäten Stanford und Cornell behaupten in jedem von uns könnte ein solcher Troll stecken. Zu deren Studie soll nun Ende Februar ein Fachaufsatz auf der CSCW 2017 vorgestellte werden.

  • CROWDFUNDING golem: Protonet ist insolvent: Das Server-Startup Protonet aus Hamburg ist insolvent. Einst hatte die Firma über Crowdfunding eine, für deutsche Verhältnisse, Rekordfinanzierung von 3,2 Millionen Euro erhalten. Laut eigener Aussage habe Protonet intern nicht erfolgreich gewirtschaftet und neue Investoren blieben auch aus. Vor fünf Jahren wurde das Unternehmen mit dem Ziel gegründet, sichere und unkompliziert zu betreibende Server für Kunden herzustellen, bei denen Daten nur in Deutschland gespeichert werden sollten.

  • SLACK t3n: Chatbot fürs Firmenwissen: Obie bringt Confluence, Evernote und mehr in eure Slack-Kanäle: Obie zeigt, wie viel Arbeit uns Chatbots schon heute in der Teamkommunikation abnehmen können. Wichtige und arbeitsrelevante Informationen liegen oft genug auf einer Unzahl von verschiedenen Diensten verstreut, von Cloud-Speichern über Notizdienste hin zum firmeneigenen Wiki. Der Bot führt diese jetzt aus diversen Tools zusammen und setzt sich so zum Ziel, Ordnung und Übersicht im Kommunikations-Verlauf zu schaffen. Der Chatbot kann kostenlos zu Slack hinzugefügt werden.

  • WEARABLES googlewatchblog: Smartwatches: Google stellt Android Wear 2.0 sowie LG Watch Style & LG Watch Sport vor: Am gestrigen Abend hat Google sein neues Smartwatch Line-up inklusive neuem Betriebssystem präsentiert. Wofür benutzen Menschen Wearables wie Smartwatches eigentlich? Für diese Frage hat sich der Konzern für den Nachfolger des Android Wear Betriebssystems knapp drei Jahre Zeit gelassen und stellt jetzt das Modell 2.0 in den Fokus. Besonderes Feature ist beispielsweise die Option, mehrere Watch Faces gleichzeitig anlegen zu können, beispielsweise für eine Oberfläche für die Arbeit oder für zu Hause.

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  • FACEBOOK süddeutsche: Ein Selfie mit der Kanzlerin bringt Facebook in Bedrängnis: Trivialer geht es fast nicht – ein Selfie. Das im September 2015 aufgenommene Bild wurde dem jungem Syrer Anas Modamani allerdings zum Verhängnis. Als er gerade einen Monat in Deutschland war, posierte er zusammen mit Angela Merkel in Berlin. Jetzt steht er vor dem Würzburger Landgericht, Grund dafür ist Hetzte auf rechten Seiten, die den Teenager als Terroristen diffamieren. Inwieweit Facebook hier mitverantwortlich ist und ob eine gewisse Sorgfaltspflicht verletzt wurde, soll jetzt entschieden werden.

  • PAYPAL venturebeat: PayPal launches Slack bot for peer-to-peer payments: Chatbots sind gefühlt in aller Munde. Der Bezahl-Dienst PayPal hat jetzt auf der Team-Messaging-App Slack seinen eigenen Bezahl-Bot gelauncht. Der Bot lässt Nutzer mit dem Shortcode „/paypal“ peer-to-peer (P2P) Zahlungen von bis umgerechnet rund 9.300 Euro ausführen. PayPal hat rund 5 Millionen tägliche Nutzer und mit dem Bezahl-Bot nun ihren ersten dieser Art veröffentlicht. Auf Slack gibt es im Gegensatz rund 900 Bots für die Automatisierung von Aufgaben.

  • NETZNEUTRALITÄT zeit: Ein Deregulierer, wie Trump ihn mag: Ajit Pai ist der von Trump eingesetzte neue Vorsitzende der Federal Communications Commission (FCC) und wartet nicht lange, um aktiv zu werden. Er beginnt direkt damit, seine eigene Behörde, die Regulierung zur Netzneutralität in den USA, zu entmachten. Bislang untersagte diese Providern, den Internetverkehr gegen Bezahlung zu bevorzugen. Die Sorge um ein „Zwei-Klassen-Internet“ ist jetzt groß.

  • YOUTUBE cnet: Youtube takes on Facebook Live with mobile live streaming: Youtube zieht, nach Facebook oder Instagram, nun auch mit bei der mobile Live-Streaming-Welle. Was im Juni verpsrohen wurde, soll jetzt bald verfübgar sein und zunächst für beliebte Youtuber, also mehr als 10.000 Abonennten, verfügbar sein. Neu ist Live-Streaming für die Video-Plattform allerdings nicht, seit 2015 ist es über die Sparte “Youtube Gaming” möglich, Gaming-Content zu streamen. Das neue Feature „Super Chat“ soll es zudem Zuschauern ermöglichen, direkt mit den Youtubern zu sprechen, allerdings gegen einen Preis.

  • ROBOTER heise: Fahrender Last-Roboter als Begleiter für Menschen: Gestern war “Liebe-deinen-Roboter-Tag”, klingt komisch, ist aber so. Dieser Tag soll sich auf die Interaktion zwischen Mensch und Roboter fokussieren. Beispielsweise arbeitet derzeit eine US-Tochterfirma des Vespa-Herstellers Piaggio an einem kleinen Roboter, der als Helfer für Menschen fungieren soll und Lasten von bis zu 20 Kilogramm befördern kann. Der blaue, runde Helfer soll, ebenfalls wie der Aktionstag, dazu anregen, über die Rolle der Roboter in unserer Gesellschaft und deren Zukunft nachzudenken.

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Destination Check: Digital Business Preview 2017

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Sogar Schafe werden jetzt mit dem Alptracker von Tecsag smart. Image by Lisa Kneidl

Die Digital Business Preview ist das alljährliche Preview-Event im Vorfeld des Mobile World Congress, vom 27. Februar bis 02. März 2017 und der CeBit, vom 20. bis 24. März 2017. Sie findet in kurzem zeitlichen Abstand an den Standorten Hamburg und München statt und versammelt IT-Unternehmen, Presse-Vertreter und innovative Hersteller zum regen Austausch und networking. „Internet of Things“, „Big Data“, „Chatbots“ und „Blockchain“ waren in diesem Jahr die großen Schlagworte.

„Alles wird smart! Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sind erstaunlich, aber auch beängstigend.“, so beschreibt Veranstalter und Moderator Peter Becker einleitend den Status Quo in der IT-Welt. Das Internet der Dinge ist im gewerblichen und privaten Raum angekommen und beinahe alles Erdenkliche kann mittlerweile auch als Smart-Artikel auf dem Markt gefunden werden.

Doch was Raum für Innovation bietet, kann auch Gefahren bergen, so können smarte Produkte auch schnell kompromittiert werden. Knud Lasse Lueth betonte, dass vor allem die USA in Sachen Smart-Home den Deutschen um einiges Voraus ist, vor allem ein Artikel wie Amazons Alexa war auf der vergangenen CES großes Thema.


Veranstalter: Peter Becker, Moderator der Digital Business Preview


Wie war Ihr Gesamteindruck?

Ich glaube, wir leben in sehr lebendigen Zeiten, wo die Technologie mehr und mehr unser Leben und unsere Arbeitswelt prägt und die Gesellschaft verändert. Es geht nicht nur um neue Produkte,

die auch zu sehen sind, vom neuesten Smartphone bis hin zum Paket-Butler oder zur ersten App, die mir Geld auszahlt, als erste digitale Essensmarke. Es geht auch darum, über den Tellerrand zu schauen und auch die Technologie zum Greifen in ihren Auswirkungen. Das ist eine sehr schöne Mischung gewesen, die wir heute erlebt haben, zwischen Hardcore-Tech- und Security-Themen, neuen Produkten, aber auch beim Berichten muss man über den Tellerrand hinausschauen. Alles wird intelligent, wie beispielsweise künstliche Intelligenz, die in Deutschland leider noch völlig unterbelichtet ist. Wir sehen die Rieseninvestments von Google und Facebook in diesen Bereichen und auch bei der CES war KI das vorherrschende Thema.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Ich habe gerade sehr positives Feedback von einem Kollegen bekommen, der sagte, dass die Mischung stimme. Es inspiriert einen und es ist von allem etwas dabei, es wäre lange nicht so gut gewesen.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Ich hielt viele Sachen für sehr originell und witzig, beispielsweise auch die Sache mit den Schafen aus der Schweiz! Es lässt sich nur schwer herunterbrechen.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Jedem, der sich für Technologien interessiert. Jedem, der wissen will, wie sich unser Leben und unsere Arbeitswelt verändern. Jedem, der in Kontakt mit der Zukunft bleiben will und Inspiration und eigene Geschäftsmodelle entwickeln möchte, aufgrund von Techniken, die hier vorgestellt werden. Wir erleben das unmittelbare Gespräch auch mit denjenigen, die Technologien und Innovation anbieten, das ist, glaube ich, sehr sinnführend.


Speaker: Udo Schneider, Security Evangelist bei Trend Micro


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Image by Udo Schneider

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Die Digital Business Preview ist für uns ein sehr interessanter Termin im Jahr, um sehr früh Informationen zu bekommen, was auf der CeBit und was thematisch übers Jahr präsentiert werden wird. Sowohl von Sicherheitsherstellern als auch von den Interessen des Kunden her, oder was für Partner interessant ist und zu neuen Geschäftsmöglichkeiten führen kann. Die Veranstaltung ist weniger CeBit-spezifisch und kann als Ausblick und Erdung für das Branchen-Jahr angesehen werden.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Was ich an der Preview sehr gerne mag, ist das große Spektrum an Sprechern. Zum einen gibt es Sprecher von Firmen im Consumer-Bereich oder im großen Firmen-Bereich, mit ganz verschiedenen Themen und solchen, die man normalerweise so nicht mitbekommt. Es ist ein sehr interessanter und breiter Themen-Überblick, was insofern interessant ist, weil diese Themen erfahrungsgemäß dann sehr lange vorhalten. Es kommt vor, dass wir gegen Ende des Jahres Gespräche mit Kunden und Partnern führen, die im gleichen Jahr hier auf der Preview vorgestellt wurden.

Die Langlebigkeit der präsentierten Themen ist also enorm und die Veranstaltung dementsprechend sehr interessant – und das in einer sehr schnelllebigen Branche. Gerade, weil auch erfahrungsgemäß die meisten Sprecher der Veranstalter keine klassischen Produkt-Präsentationen machen, sondern es werden sehr visionäre Themen und Ansätze präsentiert, die weniger an Produkte, sondern eher an Vorgehensweisen gebunden sind. Das sind Informationen, die deutlich langsamer veralten als Produktupdates.

Wir profitieren sehr lange von dieser Veranstaltung! Wenn wir Themen hier präsentieren, die dann auf der CeBit aufbereitet werden, kommt es durchaus vor, dass wir von Kunden und der Presse teilweise Monate später auf das jeweilige Thema angesprochen werden. Für uns ist diese Veranstaltung quasi der Auftakt für die Pressearbeit des ganzen jeweiligen Jahres, von der wir lange profitieren.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Die Veranstaltung würde ich jeder Firma empfehlen, die auf IT-Messen präsent ist, die Produkte oder Lösungen haben, die vielleicht erklärungsbedürftig und nicht auf den ersten Blick verständlich sind, wo aber eine Berichterstattung für die Messen wünschenswert ist. Hier ist die Zeit Visionen und Konzepte vorzustellen und zu erklären deutlich besser gegeben, als im hektischen Messe-Alltag.

Gerade Lösungen, die auch ein wenig Nachdenken erfordern, sind hier sehr gut zu präsentieren, weil man erfahrungsgemäß mehr Zeit hat, diese zu zeigen und zu erklären. Die Berichte und entsprechenden Mitteilungen über die Preview werden dann passend zu den jeweiligen kommenden Messen geschrieben und veröffentlicht. Wenn es Themen sind beispielsweise komplexer sind und wenig „catchy“ sind, würde ich die Preview den jeweiligen Firmen empfehlen.


Aussteller: Thomas Uhlemann, Security Specialist bei ESET


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Image by Thomas Uhlemann

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Wie jedes Jahr ein gutes Treffen der entscheidenen Pressevertreter, die wir hier erwarten und die uns als Multiplikatoren dienen sollen. Die CeBit ist ganz klar eine Landmarke im Jahreskalender, auch wenn wir direkt an der CeBit nicht mehr teilnehmen. Die Preview ist aber immer eine gute Gelegenheit, Produkte zu platzieren, zu informieren und Content an die Medienvertreter zu liefern, was das Thema „IT-Security“ im kommenden Jahr betrifft.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Erwartungen sind erstmals das Networking, also bestehende Kontakte zu pflegen, neue Kontakte zu knüpfen und auch das Bewusstsein für unsere Firma auf dem Markt weiter auszubauen. Das wird auch jedes Jahr erfüllt, weswegen wir auch jedes Jahr mit dabei sind.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Es ist wie immer gut überschaubar, das heißt, es ist genau das richtige Angebot an Ausstellern in meinen Augen, es wird nicht überfrachtet, weil sonst einzelne Informationen verloren gehen würden. Wichtige Innovationen sind auch hier. Beispielsweise halte ich das Sport-Sponsoring Sponsoo für ein gutes Projekt und glaube auch, dass das funktionieren kann. Damit habe ich mich neben altbekannten Playern am meisten beschäftigt. Hier findet sich quasi ein guter Querschnitt wieder.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

In der B2C-Presselandschaft hat sich dieses Event etabliert, deswegen sollte die auf jeden Fall kommen, natürlich als Multiplikatoren für die End-Anwender. Ich glaube nicht, dass es für End-Andwender Sinn macht, herzukommen. Wünschen würde ich mir, dass tatsächlich auch mal neue Medien ihren Weg hierher finden, also mehr dedizierte Internet-Medien als klassische Verlagshäuser und Redaktionen, die aus dem Fernseh- oder Printbereich kommen.


Besucher: Oliver Berger, Consulting Director bei ERFAHRENHEIT


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Image by Oliver Berger

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Ich kann das nur in Relation zu den Previews vorher sehen. Ich beginne mit einer Anekdote: Als ich heute hier hereinkam, steuerte ich auf den großen Saal, in dem die Veranstaltung normalerweise stattfand, und war ein bisschen irritiert, dort nichts vorzufinden. Mit Glück habe ich mich dann umgesehen, den Treppenaufgang zur Veranstaltung gesehen und war dann sehr erstaunt, nur etwa sechs Aussteller vorzufinden, die dann zum Teil auch wiederholt hier sind.

Bei manchen muss ich mich auch fragen, wo der Innovationsfaktor war. Ich hab sowieso über die Jahre nicht verstanden was Pearl hier macht. Sie nutzen das Event natürlich als Kommunikationsanlass, sie können sagen, sie waren auf einer Preview zur CeBit und tauchen in der Presse auf. Der tatsächliche Mehrwert der Veranstaltung für den Großteil erschließt sich mir aber nicht, insbesondere weil Sie sich auch aggressiv vermarkten. Ich habe mit den Verantwortlichen des Alptrackers gesprochen und die wurden tatsächlich aktiv vom Veranstalter angesprochen und für das Event gewonnen.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Die Frage nach der Berechtigung dieser Veranstaltung versuche ich tatsächlich seit vielen Jahren zu beantworten. Die Veranstalter sind zwar freundlich, aber beratungsresistent. Meiner Meinung nach schwindet die Bedeutung der Veranstaltung von Jahr zu Jahr. Früher war es größer, internationaler und es gab sehr viel mehr Aussteller und Journalisten. Fazit: Wäre ich nicht jemand, der in Hamburg lebt und arbeitet, wäre ich nicht hergekommen.

Auch Veranstaltungen wie die CeBit halte ich in Teilen für überflüssig. Der einzige Grund, wieso man auf solche Veranstaltungen überhaupt noch geht, ist, wie bei Konferenzen auch, die Möglichkeit des Austauschs mit vielen Menschen zum selbigen Thema. Man hat also eine große Zeitersparnis durch solche Events, so habe ich auf der CeBit beispielsweise die Möglichkeit, über Zulieferer eines bestimmten Produktes aus Asien und deren Arbeitsweise zu informieren und muss dazu nicht extra dorthin reisen. Letztendlich muss man dort aber sowieso hinreisen und sich selbst überzeugen. Ich glaube also nicht, dass diese Veranstaltung noch häufiger als ein Mal stattfindet, wenn sich das so weiterentwickelt. Ich komme tatsächlich hierher, um mich mit Kollegen aus dem gleichen thematischen Umfeld auszutauschen. Das schätze ich und es interessiert mich an Konferenzen und Messen generell.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Es gab hier doch auch Highlights im Sinne von Innovationskraft, für mich ganz klar Christian Bennefeld mit eBlocker. Nicht nur, weil das ein Produkt ist, das tatsächlich gerade während der Ära Trump gebraucht wird. „Privacy“ in jeglicher Hinsicht, ob jetzt im öffentlichen Raum oder im privaten Umfeld, ist ein wichtiges Thema und das ist darum auch auf jeden Fall eine Innovation, die jetzt hier auf dem Event tatsächlich auch vorgestellt wird.

Hierfür trifft tatsächlich alles zu, was für die Veranstaltung angekündigt wurde: es ist ein innovatives Produkt, sie stellen heute die neue „Family-Edition“ vor und es ist tatsächlich vom Kosten-Nutzen-Faktor her ein Produkt, das sich jedes Unternehmen leisten kann. Für jemanden, der hierher kommt und sich informieren will, hat das auf jeden Fall einen Mehrwert. Anders sehe ich das beispielsweise bei der Paket-Ablage-Box (Anm. d. Red.: die Rede ist vom PaketButler), weil ich in Anbetracht von Problematiken wie Vandalismus oder Diebstahl darin keinen Sinn sehe. Amazon mit ihrem angedachten Drohnen-Lieferservice überspringen dieses Problem einfach.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Wenn ich mich hier umsehe, sind mindestens die Hälfte der Besucher männlich und über 50 und das hat möglicherweise auch seinen Grund. Einfach weil das eine Zielgruppe ist, – Achtung, Vorurteil! – die wenig affin damit ist, sich ihre Informationen selbst zusammenzusuchen. Sie suchen das Gespräch und müssen das Produkt anfassen können. Letztendlich ist es ein Branchenevent, ich freue mich wie gesagt über den Austausch und die Fachsimpelei mit Branchenkollegen.

Tatsächlich würde ich dem Veranstalter empfehlen, die Veranstaltung zu modernisieren. Warum lädt man Leute ein, die Geld bezahlen, um ihr Produkt zu bewerben und nicht etwa den ein oder anderen Experten zu den hier behandelten Themen? Wo ist also beispielsweise jemand, der zum Thema „Internet of Things“ sprechen kann? Wieso ist nicht etwa Martin Szugat von Datentreiber hier, der die Predictive Analystics World als Berater bedient? Er könnte einen guten, verhältnismäßigen und vor allem produktungebundenen Einblick in das Thema Big Data geben und darüber informieren, was uns noch erwartet. Das wäre tatsächlich ein Mehrwert für den Fachbesucher, da er eine unabhängige Meinung vertreten würde. Ich würde hieraus mehr eine Konferenz machen, samt angeschlossener Hausmesse, bei dem sich die Aussteller am Konferenz-Programm beteiligen können.


Images by Udo Schneider, Thomas Uhlemann, Oliver Berger


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Datenbeziehungen: Wie kommunizieren wir in Zukunft?

Tomy Chatbot (adapted) (Image by ?? Michele M. F. [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie, die sich im Vorfeld der Konferenz MSFT Explained (am 27. September in Berlin) mit Fragen der Digitalisierung unserer Gesellschaft auseinandersetzt.


“Guten Morgen, Theodore. Du hast in fünf Minuten ein Meeting. Willst du vielleicht *versuchen* aufzustehen?” “Du bist echt lustig.” “OK. Gut, ich bin lustig.”

Bei diesem Gespräch handelt es sich nicht etwa um den vertrauten Austausch zwischen zwei Verliebten im Halbschlaf, sondern um eine Konversation zwischen Mensch und Maschine. Im Film “Her” verliebt sich der introvertierte Theodore Twombly in seine virtuelle Assistentin Samantha. Alles nur Science Fiction – oder demnächst Wirklichkeit? Wie weit sind wir noch von den Samanthas, den HALs und den Jarvis‘ entfernt, die uns täglich unterstützen und unser Leben organisieren? Viele Entwickler, Startups und Investoren sind der Meinung, dass sogenannte Chatbots der nächste Schritt in diese Richtung sind. Die grundlegende Idee hinter Chatbots ist dabei simpel. Es handelt sich um Programme, die nicht auf visuelle Oberflächen angewiesen sind, sondern direkt mit den Menschen auf einer gemeinsamen Ebene kommunizieren können: Die Sprache.

Der Messenger als User Interface

Einer dieser Vordenker ist Chris Messina, Erfinder des Hashtags und Developer Experience Lead bei Uber. Anfang 2015 prägte er den Begriff des Conversational Commerce. Für ihn ist klar: Bald wird sich ein Großteil der Interaktionen zwischen Kunden, Marken und Geschäften in Chat-Umgebungen auf mobilen Endgeräten abspielen. Messina argumentiert, dass das Medium Chat mehrere Vorteile gegenüber klassischen Apps besitzt. So müssten Nutzer beispielsweise keine Apps mehr installieren, sondern nur noch mit dem Messenger ihrer Wahl einen Chatbot anschreiben. Eine Pizza-Bestellung mit einem Chatbot würde also — im Gegensatz zur klassischen App — nicht über mehrere Untermenüs ablaufen, sondern zu einem Frage-Antwort-Spiel werden:

Nutzer: Ich hätte gerne eine Salami Pizza Bot: Gern! Welchen Käse? Nutzer: Gouda :D Bot: Die gleiche Adresse wie letzte Woche? Nutzer: Jupp! Bot: Die Pizza wird in 20 Minuten geliefert.

Wenn man sich die aktuellen Nutzerzahlen anschaut, ergibt das auch Sinn. Beim Global Social Media Ranking stehen vier Messenger in der Top Five. Und während die Anzahl der Downloads anderer Apps stark zurückgeht, kommunizieren vor allem junge Leute fast ausschließlich über Nachrichten innerhalb ihres bevorzugten Chatdienstes. In China hat sich dieser Wandel hin zum Messenger als Plattform für andere Dienste innerhalb weniger Jahre vollzogen. Hier heißt der Platzhirsch WeChat, das für viele westliche Konkurrenten als Vorbild dient. Der Dienst ist in China zu einer Art Meta-App geworden, die tausende von anderen Apps in sich vereint. So können WeChat-Nutzer in der App nicht nur Nachrichten schreiben und empfangen, sondern auch Taxis bestellen, Nachrichten lesen, Tische reservieren, Arzttermine vereinbaren, Shoppen, Geld überweisen und Stars folgen. Kein Wunder also, dass immer mehr chinesische Nutzer die App kaum noch verlassen. Westliche Messaging-Apps wie Kik, Telegram aber auch der Teamchat Slack sind dem Vorbild gefolgt und haben damit begonnen, ihre Tore für Chatbots zu öffnen. Und spätestens seit der Öffnung des Facebook-Messengers für Entwickler im April 2016 ist das Thema in aller Munde.

Chatbots als virtuelle Assistenten

Über das Teamchattool Slack haben Bots bereits die Arbeitswelt erreicht. Die kleinen Programme leben hier direkt im Chatraum, können aber auch privat als “Person” angeschrieben werden und erfüllen die unterschiedlichsten Aufgaben. Howdy koordiniert beispielsweise Team-Meetings und Sammelbestellungen, Birdly wiederum sammelt die Spesenabrechnungen des Teams in einer Excel-Tabelle und kann sogar abfotografierte Rechnungen automatisch einlesen. Und Blossom gibt der New York Times-Redaktion Tipps, welche Inhalte demnächst auf Facebook geteilt werden sollten. All diese Bots sind zwar durchaus mächtige Programme, sind aber von künstlichen Intelligenzen wie Samantha noch weit entfernt. Sie verstehen meist nur bestimmte Befehle und können, wenn überhaupt, nur kurze Gespräche mit ihren Nutzern führen. Deutlich näher an der Idee einer Samantha wiederum dürfte “Amy Ingram” sein, die Entwicklung des Start-Ups x.ai. Amy soll eine Art virtuelle Sekretärin sein und die lästige Aufgabe der Terminkoordination vollkommen selbstständig übernehmen können. Die Idee ist dabei einfach: Man setzt Amy einfach in den CC-Kontakt der letzten E-Mail und die Software spricht sich mit den Menschen am anderen Ende ab, geht auf deren Wünsche ein und trägt Termine entsprechend der eigenen Verfügbarkeit und Präferenzen in den Kalender ein. Amy ist dabei so gut, dass viele Nutzer oft gar nicht bemerken, dass sie mit einem Computerprogramm kommunizieren. Auch die großen Tech-Firmen arbeiten bereits an ihren eigenen virtuellen Assistenten. So können Apples Siri, Microsofts Cortana, Amazons Alexa und Googles Google Now durchaus auch als Bots klassifiziert werden, die man jedoch nicht über geschriebene, sondern gesprochene Sprache aktiviert. Dabei bleiben die ausgeführten Befehle aller dieser Assistenten noch eher simpel – und auch wenn Siri in ihrer nächsten Iteration endlich nicht mehr nur auf Apples eigenen Dienste zugreifen kann, bleibt sie noch weit entfernt von Samantha.

Die Stärken von Chatbots: Kontext und Personalisierung

Besonders spannend wird es, wenn Dienste wie Amy Ingram unsere vorhergehenden Entscheidungen nutzen können, um zu lernen, wie wir ticken. Ein starker Faktor ist hierbei der Kontext: Unterwegs wird das Smartphone genutzt, während der Arbeit der Laptop und auf der Couch das Tablet. Dabei wird es für Services immer wichtiger, auch plattformübergreifend zu verstehen, wann wir welche Dinge benötigen. Wenn der Pizza-Bot aus obigem Beispiel weiß, welche Zutaten ich gerne hätte und wohin ich am liebsten bestelle, egal von welchem Gerät ich mit ihm kommuniziere, werden die Vorteile solcher lernender Concierge-Services klar: Ich muss mich nicht überall neu anmelden und meine Accounts und Präferenzen verwalten, sondern der Bot lernt direkt aus dem Messenger heraus, was ich will. Je mehr Kontext der Service schon hat, desto einfacher werden folgende Interaktionen für Nutzer. Die besondere 1-zu-1 Beziehung zwischen Chatbot und Mensch ist dabei der klare Vorteil dieser Interfaces: Das vertraute Messaging-Umfeld wird genutzt, um durch fortlaufende Gespräche eine persönliche Beziehung aufzubauen und so den Service immer weiter zu personalisieren. Die Geschwindigkeit und Richtung der Konversation wird von den einzelnen Nutzern bestimmt, nicht von der Dienstleistung. Wenn diese Charakteristiken weiter ausgebaut werden, nähern wir uns Szenarien wie Samantha an: Vollständige Personalisierung auf Bedürfnisse der individuellen Nutzer.

Wo führt die Reise hin?

Gerade mit der kommenden Automatisierung und Vernetzung des Internet-of-Things (IoT) wird klar, welche Bedeutung Sprachassistenten für die Zukunft haben könnten. Es macht deutlich mehr Sinn, Sprachbefehle zu geben, als für jedes neue Haushaltsgerät ein eigenes Interface zu entwickeln und zu erlernen. Letztendlich ist ein in den Raum gesprochenes “Siri, fahr doch bitte schon einmal den Tesla vor” auch deutlich cooler, als das Smartphone aus der Hose zu kramen, die App zu suchen, zu warten bis sie geladen ist und sich dann durch die Menüs zu wühlen, bis man den richtigen Button gefunden hat. Die Grundlagen werden hierfür bereits gelegt. Siri ist beispielsweise schon heute in der Lage, Geräte über Apples Homekit-Plattform zu steuern und Alexas Lautsprecher kann schon heute mit ein wenig Entwickler-Geschick zu einem Steuerungsterminal für das eigene Haus umfunktioniert werden. So beeindruckend diese Zukunft jedoch auch klingt, könnte sie auch eine Reihe von Risiken mit sich bringen. Eine virtuelle Assistentin im Haus müsste beispielsweise den ganzen Tag per Mikrofon Gesprächen lauschen, sollte sie gebraucht werden. Auch könnte sie als Hauptschnittstelle mit allen technischen Geräten im Haus zu einem großen Sicherheitsrisiko führen und Ziel Nummer eins für Hacker und Schadsoftware werden. Es ist das eine, wenn ein Virus den eigenen Laptop lahm legt, etwas vollkommen anderes jedoch, wenn das Haus auf einmal nicht mehr so funktioniert, wie es sollte.

Alles nur ein Hype?

Von dieser Zukunft sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt. Denn obwohl viele Bots wie Siri, Alexa oder Cortana einfache Sprachbefehle verstehen, scheitern sie oft an komplexeren Fragestellungen. Und bis eines dieser Programme in der Lage sein wird, einen echten Dialog mit uns zu führen, werden wohl noch einige Jahre vergehen. So ist die menschliche Sprache, geschriebene wie auch gesprochen, um ein Vielfaches komplexer als ein visuelles Interface, das nur klar strukturierte Befehle und Funktionen zulässt. Die Sprache ist außerdem voll von Metaphern, Redewendungen und Inhalten, deren Bedeutung im Kontext mit anderen Informationen zugänglich ist. Dazu kommen Dialekte und Akzente, die bereits den ein oder anderen sprachgesteuerten Dienst vor Herausforderungen gestellt haben. Bisherige Chatbots gleichen diesen Nachteil oft durch eine Kombination aus natürlichem Dialog und Buttons aus, wie beispielsweise im Facebook Messenger – eine Übergangslösung, um Nutzern klare Befehle entlocken zu können.

Auch wenn die heutigen Bots oft noch umständlich sind und als unsexy empfunden werden, sind sie dennoch ein Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Jahren erwartet. Natürlich werden Bots und virtuelle Assistenten nicht klassische Apps und visuelle Nutzeroberflächen verdrängen können, aber sie werden in der Lage sein, mit uns auf Augenhöhe zu kommunizieren. Und auch wenn der virtuelle Sekretär dann immer noch keinen Kaffee kochen kann, kann es vielleicht die IoT-Kaffeemaschine, die mit ihm verbunden ist. Nur verlieben sollte man sich trotzdem immer noch nicht.


Image (adapted) „Tomy Chatbot“ by ?? Michele M. F. (CC BY-SA 2.0)


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