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April, April! Die besten Aprilscherze im Netz

Na, seid ihr heute auch schon reingelegt worden? Zugegeben sind weder alle Aprilscherze geschmackvoll, noch mag man in jeder Situation zum Opfer eines solchen werden. Viele große Unternehmen nutzen den Tag jedoch für kleine und größere Späße, die teilweise echt gut sind. Für manche ist es sogar eine gute Möglichkeit, virales Marketing zu betreiben. Einige große Unternehmen machen bereits seit Jahren mit und wissen, dass Teile des Internets geradezu auf die neuesten Absurditäten warten. 

Wir haben das Internet durchforstet, um euch die tollsten Aktionen am 1. April zu zeigen. 

Artikel 13 im Eilantrag abgelehnt

Einen ganz fiesen Aprilscherz erlaubte sich Christian Solmecke von der Kanzlei WBS. Der bekannte Rechtsanwalt erlangte jüngst einen großen Bekanntheitsschub durch seinen Einsatz gegen den umstrittenen Artikel 13. Ausgerechnet diesen Einsatz nimmt er zum Aufhänger eines Aprilscherzes und verkündet, dass Artikel 13 durch eine Eil-Abstimmung im EU-Parlament gekippt wurde. Dass er damit einige Zuschauer auf dem falschen Fuß erwischt hat, zeigt sich an der hohen Zahl negativer Bewertungen. Bereits in der Beschreibung wird aber darauf hingewiesen, dass das Video am 1. April erschien und nicht am 31. März, wie YouTube es darstellt. Auch im angepinnten Kommentar schreibt die Kanzlei WBS „Für uns ist #Artikel13 eben einfach nur ein schlechter Scherz! #gehtwaehlen P.S.: Sorry an alle, die kurz Hoffnung hatten…“.

Die Rückkehr der Telefonzelle

Auch T-Mobile besinnt sich auf einen alten Hut, den sie natürlich als innovative Neuigkeit präsentieren. Kennt ihr auch das Problem, dass ihr mit dem Smartphone einfach keine ruhige Umgebung habt, weil ständig jemand um euch herum ist? Die T-Mobile BoothE soll Abhilfe schaffen. Eine Zelle für eine einzelne Person soll euch auch unterwegs ein ungestörtes Telefon-Erlebnis bieten. Wir finden diese Innovation super!

Google Maps lässt euch Snake spielen

Google Maps lässt euch dieses Jahr einen alten Spieleklassiker neu erleben. Bild: Stefan Reismann.

Google Maps bringt schon seit Jahren immer wieder lustige Spielereien. Unter anderem zeigte sich der Kartendienst bereits im Look einer Overworld-Map, wie sie einem alten Supernintendo-Spiel hätte entspringen können. Schade, dass diese Features anschließend wieder verschwinden.

Vor vier Jahren konntet ihr außerdem Pac-Man auf dem berühmten Kartendienst spielen. Die Straßen wurden einfach zum Labyrinth, in dem die gelbe Spielfigur ihren berühmten Heißhunger auf Punkte stillt und dabei den farbig eingefärbten Gespenstern aus dem Weg gehen muss.

Dieses Jahr gibt es auch wieder Retro-Spaß für Gaming-Fans. Google-Maps gibt es nicht nur wieder im Pixel-Look, ihr könnt dieses Mal sogar Snake darauf spielen. Statt einer Schlange dürft ihr allerdings den öffentlichen Nahverkehr bedienen. Neben Fahrgästen müsst ihr gelegentlich auch Wahrzeichen der gewählten Stadt mitnehmen, die euch zusätzliche Punkte versprechen. Lasst euch von eurem Spieltrieb aber nicht komplett von der Arbeit ablenken.

Elon Musk rappt über Harambe

Eine ganz kuriose Aktion macht auch Elon Musk. Der Tesla-Gründer veröffentlicht einen Rap-Song über den Gorilla Harambe, der 2016 erschossen wurde, nachdem er einen dreijährigen Jungen durchs Wasser zog, der ins Gehege gefallen war. Die Reaktion des Zoos sorgte damals schon für starke Kritik, aber auch für etliche Memes. Nun erinnert Musk mit dem Rap „RIP Harambe“ wieder daran zurück. Das Lied von „Emo G Records“ ist auf Soundcloud verfügbar. Kurz nach Veröffentlichung schrieb Musk, der sich derzeit „Jung Musk“ nennt, auf Twitter: „Ich bin enttäuscht, dass mein Musiklabel gescheitert ist“.

Smartphone-Spuren in U-Bahn-Stationen

Auch für Verkehrsverbünde gehört Social Media mittlerweile zum gängigen Handwerk. Die Wiener Linien haben sich zum 1. April etwas ganz besonderes einfallen lassen. Auf einem Bild zeigen sie gekennzeichnete Wege für Smartphone-Nutzer und Smartphone-Verweigerer. Das Konzept der getrennten Wege soll das Zusammenleben verbessern und für weniger Zusammenstöße sorgen. Ein harmloser, aber lustiger Aprilscherz.


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Wikipedia offline: Darum macht das Web-Lexikon einen Tag dicht

Darum ist Wikipedia offline

Studenten und Schüler hatten vermutlich den schlimmsten Tag ihrer bisherigen Uni- oder Schulzeit. Immerhin ist Wikipedia offline. Das bedeutet, die weltweit wohl umfassendste Sammlung an Wissen, einen ganzen Tag lang nicht erreichbar.

Wikipedia offline aus Protest

Wikipedia ist aus Protest gegen die Reform für den kompletten 21. März nicht erreichbar. Besucht man die Seite trotzdem, wird einem ein schwarzer Hintergrund mit einem kurzen Brief an die Besucher präsentiert. Darin heißt es gleich zu Beginn:

„DIES IST UNSERE LETZTE CHANCE. HELFEN SIE UNS, DAS URHEBERRECHT IN EUROPA ZU MODERNISIEREN.“

In dem nachfolgenden Text schildern die Betreiber, warum sie Wikipedia offline schalten – wegen der befürchteten Folgen der EU-Urheberrechtsreform. So wären laut Wikipedia mit Artikel 11 und Artikel 13 die Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit erheblich beeinträchtigt. Laut der Seite sei Wikipedia zwar von Artikel 13 ausgenommen, doch würde das freie Wissen auch dann noch leiden, wenn Wikipedia als eine „Oase in der gefilterten Wüste des Internets“ bliebe. Wikipedia verweist auch darauf, dass bisher über fünf Millionen Menschen eine Petition gegen die Reform unterschrieben haben. Außerdem würden 145 Bürgerrechts- und Menschenrechtsorganisationen, diverse Wirtschafts- und IT-Verbände, sowie diverse Kreative gegen die Reform protestieren. Abschließend verlinkt die Online-Enzyklopädie auf den Abgeordneten-Suchdienst des Europäischen Parlaments mit der Bitte, die Abgeordneten zu kontaktieren und über die eigene Haltung zur geplanten Reform zu informieren.

Die EU-Urheberrechtsreform und ihre Folgen

Die geplante Reform soll am 26. März vom EU-Parlament verabschiedet werden. Viele befürchten mit der Verabschiedung weitreichende Konsequenzen für die Freiheit des Internets. Wir haben bereits hier, da und dort in der Vergangenheit ausführlich über die Reform und deren mögliche Folgen berichtet.

Laut John Weitzmann, dem Leiter für Politik und Recht bei Wikimedia sei Wikipedia offline zu nehmen, das drastischste Mittel, dass der Plattform zustände, um auf etwas hinzuweisen. Auch ist Weitzmann der Meinung der Ansatz über Ausnahmeregelung sei im jetzigen Entwurf noch sehr lückenhaft. So sollen zum Beispiel jüngere Unternehmen oder Unternehmen mit einem geringen Jahresumsatz von gewissen Verpflichtungen ausgenommen sein.


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Artikel 13 beschlossen – Das müsst ihr wissen

Nach langem Hin und Her trafen sich Parlament, Kommission und Mitgliedsstaaten zum Trilog, um sich über die Reform des Urheberrechts zu einigen. Nun steht der Deal. Artikel 13 wird gemäß der Einigung zwischen Frankreich und Deutschland umgesetzt und damit auch der Uploadfilter. Wir verraten euch, was genau beschlossen wurde, wie die betroffenen Parteien reagieren und welche letzte Hürde jetzt noch auf die Reform wartet.

Das wurde beschlossen

Uploadfilter

Betreiber von Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten sollen für Urheberrechtsverstöße haftbar gemacht werden. Sie müssen also jedwede verfügbaren Lizenzen erwerben, oder aber dafür sorgen, dass solche Inhalte gar nicht erst hochgeladen werden. Dafür sollen Uploadfilter eingesetzt werden, die geschütztes Material sofort erkennen und sperren oder löschen.

Ausnahmeregelung

Startups sollen durch eine Ausnahmeklausel von der Pflicht eines solchen Filters befreit werden. Artikel 13 gilt nicht, wenn folgende drei Kriterien zutreffen

  • Das Unternehmen ist weniger als drei Jahre alt
  • Der Jahresumsatz liegt bei unter zehn Millionen Euro
  • Die Plattform hat weniger als fünf Millionen Besucher im Monat

Da alle drei Punkte erfüllt werden müssen, fallen darunter auch kleine Nischenplattformen / Communities, die bereits seit mehr als drei Jahren existieren. Viele dieser Communities haben selbst nicht einmal den Anspruch, in irgendeiner Form wirtschaftlich zu sein.

Ausnahme für Memes

Eine Ausnahme des Artikel 13 gilt für Memes und Gifs, die weiterhin lizenzfrei auf urheberrechtlich geschütztes Material im Netz zurückgreifen dürfen.

Artikel 11

Neben Artikel 13, ist auch Artikel 11 beschlossen wurden. Dieser beinhaltet eine Vergütungspflicht, auch beim kurzen Anriss urheberrechtsgeschützter Texte. Damit wird vor allem gegen Google News vorgegangen, da die Nachrichten-Suchmaschine künftig für Ausschnitte in ihren Suchergebnissen zahlen müsste. Google stellte im November bereits eine Einstellung von Google News in den Raum.

Warum die Reform so kontrovers ist

Vor allem der Uploadfilter sorgt schon seit Monaten für heftigen Gesprächsstoff im Netz. Doch nicht nur der Inhalt selbst sorgt für Unmut, sondern auch einige Umstände rund um die Reform.

Koalitionsvertrag schließt Uploadfilter aus

Die Einigung zwischen Frankreich und Deutschland war kürzlich ein großer Aufreger. Grund dafür war unter anderem der Koalitionsvertrag. In diesem heißt es: „Eine Verpflichtung von Plattformen zum Einsatz von Upload-Filtern lehnen wir als unverhältnismäßig ab.“ – Eine klare Linie gegen die Einführung von Uploadfiltern, mit der nun gebrochen wird.

Martin Sonneborn von DIE PARTEI veröffentlichte, wer in einer Abstimmung im September für einen Uploadfilter gestimmt hat: Die komplette CDU/CSU, große Teile der SPD und überraschenderweise sogar eine Mehrheit der Grünen.

Axel Voss und die Lobby

Einer der treibenden Kräfte des Uploadfilters war CDU-Politiker Axel Voss, der die Reform auch als Berichterstatter auf Seiten des EU-Parlaments vertritt. In einem Kommentar von t3n wurde er als „inoffizieller Springer-Chef-Lobbyist“ bezeichnet. Ebenso erhielt er den Big Brother Award, einen Negativpreis für Datenschutz.

Bereits im Zuge der Datenschutz-Grundverordnung wurde er auf Lobbyplag.eu als EU-Parlamentarier mit den meisten, für den Datenschutz negativen Änderungsanträgen gelistet.

Der YouTuber HerrNewstime bekam Axel Voss direkt nach dem abschließenden Trilog für ein Interview zu fassen, bei dem beide allerdings keine gemeinsame Gesprächsbasis fanden.

Wie soll das gehen?

Wie soll das mit den Uploadfiltern eigentlich umgesetzt werden? Einer der potentesten Uploadfilter nutzt derzeit YouTube. Dieser prüft Inhalte bereits auf Rechtsverletzungen und war dafür verantwortlich, dass während des langen Streits mit der GEMA viele Videos nur in Deutschland nicht verfügbar waren.

Doch wie sollen kleinere Plattformen diesen Standard gewährleisten? Wird die EU selbst die Entwicklung eines solchen Filters beauftragen oder müssen die Plattformen ihn selbst entwickeln oder erwerben? Selbst der YouTube-Filter ist außerdem nicht fehlerfrei und lässt sich mitunter auch austricksen.

Letzte Chance, Artikel 13 zu kippen

Bei der Abstimmung zwischen Rat, Komission und Parlament waren lediglich acht Parlamentarier anwesend. Eine abschließende Abstimmung im Parlament findet vermutlich im März statt. Viele SPD-Abgeordnete haben sich mittlerweile sogar gegen Artikel 13 bekannt.

Bundesjustizministerin Katarina Barley wird am 18. Februar außerdem die mittlerweile 4,7 Millionen Unterschriften umfassende Petition zum Erhalt des freien Internets entgegennehmen.

Der YouTuber PietSmiet machte kürzlich allerdings deutlich, dass Petitionen allein nicht reichen. Er rief seine Zuschauer auf, sich direkt an die Entscheider zu wenden, um sie vielleicht doch noch umzustimmen. PietSmiet trat schon öfter als Sprachrohr zwischen YouTuber und Politik in Erscheinung.

Auf Twitter trenden neben #Artikel13 auch Hashtags wie #NieMehrCDU und #NieMehrSPD, über die Nutzer ihrer Enttäuschung zum Bruch des Koalitionsvertrages Luft machen. Für den 23. März werden außerdem europaweite Demonstrationen geplant. 


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Artikel 13: Uploadfilter doch nicht gekippt, sondern verschärft

Als der Rechtsausschuss des EU Parlaments im Juni 2018 den Artikel 13, einen Uploadfilter für hochgeladene Inhalte beschloss, ging ein Aufschrei durch das Internet. Das Internet, so wie wir es kennen, ist in Gefahr – so zumindest der Tenor vieler Gegner des Filters. Auch auf YouTube fürchteten Kanäle um ihre Zukunft und die Untergangspropheten sprossen (mal wieder) aus dem Boden empor.

Vor kurzem dann die große Erleichterung. Der EU-Ministerrat legte die Einführung des Leistungsschutzrechts (Artikel 11) und des Uploadfilters (Artikel 13) vorerst auf Eis. Da sich elf Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, gegen den rumänischen Kompromissvorschlag stellten, ergab sich keine gemeinsame Verhandlungsposition.

Nun ist der Uploadfilter wieder zurück auf dem Verhandlungstisch – in einer noch aggressiveren Form als zuvor. Die Nachrichtenseite Politico leakte eine Einigung zwischen Deutschland und Frankreich in Bezug auf die Filterpflicht. Diese Übereinkunft schließt nur noch wenige Unternehmen aus der Pflicht eines Uploadfilters aus.

Was ist an der Deutsch-Französischen Lösung anders?

Zwar gibt es wie bei vorigen Kompromissen Ausnahmen aus der Filterpflicht, doch diese gestalten sich in der neuesten Version als ziemlich gering. Laut des Leaks sind Plattformen von der Filterpflicht ausgeschlossen, die keine der folgenden Ausnahmen erfüllen:

  • Die Plattform ist weniger als drei Jahre alt
  • Der Jahresumsatz beträgt weniger als zehn Millionen Euro
  • Die Plattform hat weniger als fünf Millionen Nutzer

Während die letzten beiden Bedingungen kleinere Dienste ausklammern, ist die erste Bedingung umso härter. Sie würde auch kleinere Communities wie etwa Diskussions-Foren mit einschließen, die teils nicht einmal kommerzielle Absichten verfolgen.

Was ist der Artikel 13 eigentlich?

Artikel 13 ist ein Teil des „Vorschlags für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt“. Es geht um eine gemeinsame europäische Richtlinie zum Schutz des Urheberrechts.

Der Artikel 13 dieses Entwurfes macht Betreiber von Internetdiensten haftbar für Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer. Teil des Artikels ist auch ein Uploadfilter, der Urheberrechtsverletzungen schon beim Hochladen von Dateien erkennen und blockieren soll.

Warum die Aufregung?

Wenn das geistige Eigentum geschützt wird, müsste das ja eigentlich gut sein, möchte man meinen. Doch die Internetkultur ist von der Popkultur durchzogen. In den schlimmsten Interpretationen eines solchen Uploadfilters würden auch die im Internet bekannten Memes, oft mit Bildern aus Filmen, aussterben. Das hätte Einfluss auf weite Teile des Internets, allen voran soziale Medien, in denen die Antwort per Bild oder animiertem GIF Alltag ist.

Auch auf YouTube befürchten viele Kanalbetreiber und Nutzer, das ein großer Teil der Inhalte dem Filter zum Opfer fallen würden. Man befürchtet auch, dass ein solcher Uploadfilter zu streng sein könnte und Inhalte sperrt, die eigentlich keinen Rechtsverstoß begehen. YouTube nutzt eigentlich bereits einen sehr hochentwickelten Filter um Rechtsverstöße, vor allem bei der Verwendung von Musik, zu erkennen.

Ist schon etwas beschlossen?

In Stein gemeißelt ist nachwievor nichts. Man rechnet damit, dass am Freitag, den 8. Februar, die Ratsposition beschlossen wird und schon am 11. Februar der Trilog stattfinden könnte. So nennt sich die Verhandlung der Vertreter nationaler Regierungen, bei denen Parlament, Rat und Vertreter der EU-Kommission am Tisch sitzen. Ein Artikel der Tagesschau erklärt übrigens genauer, wie ein EU-Gesetz entsteht.


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YouTube geht 2019 unter! – #SaveYourInternet

Alle Jahre wieder ist nicht nur Weihnachten. Regelmäßig bricht auf der YouTube-Plattform die Panik vor einem drohenden Untergang einzelner Kanäle oder auch ganz YouTube-Deutschlands aus. Dieses Mal geht es sogar um ein EU-weites Problem, durch den mehr als umstrittenen Artikel 13.

Der Beschluss von Artikel 13 im EU-Parlament am 12. September ist nun schon ein paar Tage her und zwischenzeitlich wurde es vergleichsweise ruhig um das Thema. Nun baut sich aber eine neue Panikwelle auf. Nach einem Video des Kanals „Wissenswert“ melden sich wieder zahlreiche kleine und große Kanäle zu Wort.

Panik bringt Klicks

Endzeitstimmung ist auf YouTube nicht ungewöhnlich. Anfang diesen Jahres stellte YouTube höhere Anforderungen zur Monetarisierung von Videos auf. Vor allem kleinere Kanäle beschwerten sich daraufhin, dass YouTube sie damit klein halten wolle. Viele dieser kleinen Kanäle wissen dabei nicht einmal, dass sie bei einer Monetarisierung sowieso ein Gewerbe anmelden müssen. Das würde vielen Kleinstkanälen übrigens mehr kosten, als sie im Folgejahr mit ihrem Kanal verdienen.

2017 gab es außerdem die „Adpokaylpse“, als YouTubes Werbepartner sich nicht mehr vor zweifelhaften Inhalten schalten lassen wollten. Auch damals sollte ein Filter die Lösung sein, der einige Zeit brauchte, bis er richtig funktionierte. Obwohl YouTube selbst auch Einnahmen verloren gingen, waren wieder ganz viele YouTuber der festen Überzeugung, das Videoportal gehe bewusst gegen seine Videoproduzenten vor. Die meisten Kanäle veröffentlichen diese Panikvideos nicht einmal aus wirklicher Panik. Videos wie „YouTube schließt meinen Kanal“ sorgen einfach für massig Klicks. 

Auch am 6. November steht das Video „Warum es YouTube nächstes Jahr nicht mehr gibt“ von Wissenswert immerhin noch auf dem sechsten Platz der Trends. Platz eins lockt mit dem zurückhaltenden Titel „Mein Kanal wird gelöscht! Das Ende von YouTube“. Auch Platz fünf und zehn stehen ganz im Zeichen des drohenden Untergangs. Aber auch viele kleinere Kanäle springen dann dankbar auf den Zug auf, um ein Stück vom Klick-Kuchen abzubekommen.

Die Eingabe von „Kanal gelöscht“ in der YouTube-Suche ergibt unzählige Treffer. Der Untergang scheint schon längst beschlossen zu sein. Screenshot by Stefan Reismann.

Auch YouTube warnt vor Artikel 13

Unüblich ist, dass die Schuldzuweisung diesmal nicht gegen YouTube geht, sondern gegen die EU-Politik. Auch YouTube selbst mischt in der #SaveTheInternet-Kampagne mit, die eine Durchsetzung des Artikels aufhalten soll.

Das Video von Wissenswert bezieht sich unter anderem auch auf den neuesten Creator Blog-Eintrag von YouTube CEO Susan Wojcicki. Sie warnt davor, dass Artikel 13 in seiner jetzigen Fassung Millionen von Menschen daran hindern könnte, Inhalte auf YouTube hochzuladen. Hunderttausende Arbeitsplätze seien bedroht, sowohl Creator als auch zahlreiche Unternehmen. Wojcicki ruft dazu auf, selbst zu handeln und in sozialen Netzwerken unter dem Hastag #SaveYourInternet die Stimme zu erheben.

YouTube hat sogar eine eigene Seite dafür eröffnet, auf der sie den Artikel 13 erklären, mögliche Folgen darlegen und sich für eine gemeinsame und bessere Lösung aussprechen. Dabei wird sogar direkt dazu aufgerufen, ein Video zum Artikel 13 zu erstellen – ebenfalls ein Grund, dass YouTube derzeit von #SaveYourInternet-Videos geflutet wird.

Was ist dieser Artikel 13 überhaupt?

In Artikel 13 geht es darum, Anbieter für die von den Nutzern hochgeladenen Inhalte haftbar zu machen. Für große Portale ist das nur mit Hilfe eines Uploadfilters zu bewerkstelligen. Da diese Filter nicht immer einwandfrei funktionieren, könnten Inhalte oder auch ganze Kanäle versehentlich unter falscher Annahme gesperrt werden.

Bislang gibt es noch keine genaue Ausformulierung zur Umsetzung der Uploadfilter. Wovon YouTube und diverse Untergangsprediger ausgehen, ist dabei die schlimmstmögliche Auslegung. Dieses Horrorszenario geht davon aus, dass Privatpersonen in der EU aus Urheberrechtsgründen kaum mehr Videos erstellen können und selbst der Zugang zu Videos nichteuropäischer YouTuber stark eingeschränkt wird. Selbst Memes würde in den sozialen Medien der Untergang drohen, da sie sich visuellen Fremdmaterials bedienen.

Noch kein Grund zur Panik

Natürlich ist es wichtig, dass die Internetnutzer ihre Meinung deutlich formulieren können. Viele Politiker haben noch immer eine gewisse Distanz zum Internet und damit keinen Blick für die Besonderheiten des Mediums. Da das Internet mittlerweile ein Milliardengeschäft ist, braucht es ganz klare Regeln – aber diese dürfen nicht sämtliche kreative Impulse behindern.

Etwas weniger Übertreibung würde dem Thema aber guttun, vor allem, wenn man ernst genommen werden will. Aufeinander zugehen muss man von beiden Seiten, damit Kompromisse entstehen können. Davon abgesehen gibt es auf YouTube bereits einen Uploadfilter namens Content ID. Dieser Filter vergleicht Videos mit geschützten Inhalten und lässt Rechtsinhaber darüber entscheiden, was bei einem Verstoß passiert.

Außerdem werden nicht alle Unternehmen per se ihre Inhalte radikal schützen wollen. Dafür existiert einfach eine zu große Marketing-Maschinerie rund um Social Influencer, ohne die viele Unternehmen gar nicht erst groß geworden wären.

Auch die DSGVO hat sich nicht als der große Untergang des Internets herausgestellt, den viele vorausgesagt haben. Auch da wurde ignoriert, dass vor allem in Deutschland viele Aspekte bereits gesetzlich verankert waren, aber selten beachtet wurden. Ähnlich dürfte am Ende auch der tatsächliche Einfluss des Uploadfilters ausfallen. Sterben wird YouTube 2019 sicherlich nicht.


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[UPDATE] Artikel 13: Kommt mit dem Upload-Filter das Ende vom Internet wie wir es kennen?

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Die Internet-Community ist mal wieder in Aufruhr. Kurz nach dem kuriosen Instagram-Werbe-Urteil bedroht die Reform Artikel 13 des EU Parlaments jetzt wohl das Internet so wie wir es bisher kannten. Doch worum genau geht es bei dem so genannten Upload-Filter?

Was ist Artikel 13 eigentlich?

Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments, allen voran durch den CDU-Politiker Axel Voss, haben im Juni Artikel 13, den Upload-Filter, und Artikel 11, das Leistungsschutzrecht, beschlossen. Sprich, jede Art von Content, der ein Urheberrecht beinhalten kann, dürfte so nicht mehr hochgeladen werden. Damit soll die Nutzung geschützter Inhalte durch „Sharing Provider“ für Online-Content verhindert werden.

Einen ähnlichen Urheberrechts-Filter gibt es so beispielsweise schon auf der Video-Plattform Youtube. Upload-Plattformen aller Art, beispielsweise Instagram, Facebook und Co. würden bei der schieren Menge an täglich hochgeladenem Content gar nicht mit dem Überprüfen hinterherkommen. Als einzige Möglichkeit bliebe da das Blockieren. Viele sehen darin einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit, andere applaudieren dem Schutz des Urheberrechts. Aber ist so ein Beschluss im Internet der heutigen Zeit, das auf das veröffentlichen und teilen von Content basiert, denn vertretbar? Noch ist man sich uneinig.

Wer profitiert – wer verliert?

Der Upload-Filter steht heftig in der Kritik, im öffentlichen Diskurs ist von einer Zensurmaschine und dem Ende des freien Internets die Rede. Am Ende stellt sich beim Ganzen natürlich die Frage, wer denn schlussendlich davon profitiert. Die Urheberrechte-Inhaber sind in der Theorie diejenigen, die geschützt werden sollen, in der Praxis wird vermutet, dass wohl eher Rechtskanzleien Kasse machen werden. 

Indirekt profitieren können davon auch große Medienhäuser. Kleinere Publisher und Plattformen werden sich die Lizenzen für etliche Urheberrechte kaum leisten können und laufen so Gefahr, im Hintergrund zu verschwinden.

Was passiert jetzt?

Unter dem Hashtag #savetheinternet lassen Twitter-User derzeit die Tasten glühen. Die Petitions-Plattform Change.org hat außerdem eine Petitionen für eine Million Unterschriften gestartet und das Vorab-Ergebnis bereits dem EU-Parlament präsentiert. Zu welcher Entscheidung das EU-Parlament auch kommt, der 5. Juli 2018 wird wohl in die Geschichte des freien Internets eingehen.

UPDATE vom 5. Juli

Das EU-Parlament hat abgestimmt und die Stimmen sind ausgezählt! Dem umstrittenen Upload-Filter wurde vorerst eine, wenn auch knappe, Absage erteilt. Von 627 Abgeordneten stimmten 318 gegen Artikel 13 und 278 dafür, während sich 31 enthielten. Das Internet bleibt also vorerst „frei“.

 


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