Spielerisch Programmieren lernen mit Human Ressource Machine

Programmieren lernen ist eigentlich ganz einfach. Auch, wenn es nicht immer danach aussieht. Das, was die meisten abschreckt, sind nicht die Konzepte und Logiken hinter dem Programmieren. Code sieht für Laien einfach nicht sonderlich zugänglich aus. Die Syntax – also so etwas wie die Rechtschreibung einer Programmiersprache – ist häufig sehr kryptisch und als Anfänger nicht immer sofort zu verstehen. Doch die Programmiersprache an sich und das ganze Drumherum sind nicht das, was das Programmieren in erster Linie ausmacht. Vielmehr sind es eine logische Art zu denken und wiederkehrende Konzepte sowie Ansätze, die dem Programmieren zugrunde liegen. Das Spiel Human Ressource Machine hilft Erwachsenen und Kindern, spielerisch Programmieren zu lernen, indem es genau diese Konzepte und Ansätze gekonnt und zugänglich in Szene setzt. Und macht dabei auch noch wirklich Spaß.

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Was ist Human Ressource Machine für ein Spiel?

In Human Ressource Machine seid ihr ein Angestellter der Tomorrow Corporation und arbeitet euch nach oben. Hier versteckt sich eine kleine und lustig verpackte Kritik an so mancher „moderner“ Arbeit. Denn eure Tätigkeiten sind mehr oder weniger stumpfsinnig und könnten auch als bloße „Beschäftigungstherapie“ bezeichnet werden. So geht es in jedem Level darum, Pakete mit Nummern drauf aus der Inbox – einem in den Raum fahrenden Fließband – in die Outbox – dem herausfahrenden Fließband – zu legen. Welche Pakete ihr allerdings nach welchen Regeln in die Outbox legt, das unterscheidet sich von Level zu Level und sorgt teilweise für kniffelige Herausforderungen. Jedes Level in Human Ressource Machine steht dabei für ein Jahr, das ihr für die Tomorrow Corporation arbeitet.

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Die Programmiersprache in Human Ressource Machine

Anstatt eure Arbeit händisch zu erledigen, schreibt ihr in Human Ressource Machine kleine Programme, die die Aufgabe dann automatisiert bewältigen. So lernt ihr spielerisch Programmieren. Nichts anderes tun wir nämlich auch, wenn wir in der echten Welt programmieren. Die Befehle, die euch dabei zur Verfügung stehen sind allerdings relativ simpel gehalten. So startet ihr mit den Befehlen „inbox“, um ein Paket aus dem einlaufenden Fließband zu nehmen, und „outbox“ um ein Paket auf das hinauslaufende Fließband zu legen. Hinzu gesellen sich dann im Verlauf des Spiels verschiedene weitere Befehle.

So könnt ihr zum Beispiel irgendwann Pakete mit „copyto“ auf bestimmte Felder auf den Boden zwischen den Fließbändern legen und mit „copyfrom“ von dort aufnehmen. Die Befehle „add“ und „sub“ ermöglichen es euch, den Wert eines Paketes, das ihr tragt, mit dem eines der Pakete auf den Boden-Feldern zu addieren oder zu subtrahieren.

Der Befehl „jump“ wiederum sorgt dafür, dass das Programm an eine andere Stelle springt. So könnt ihr im Ablauf weiter nach vorne oder aber wieder an den Beginn des Programms springen. So erzeugt ihr „Schleifen“. Schleifen wiederum sind Konstrukte, die in so ziemlich jeder Programmiersprache einen elementaren Bestandteil darstellen. Hinzu gesellen sich auch an Bedingungen geknüpfte Sprünge. „Jump if zero“ beispielsweise lässt das Programm nur dann Springen, wenn der Wert des Pakets in eurer Hand gleich „0“ ist.

Human Ressource Machine Screenshot

Spielerisch Programmieren lernen

Die Befehle in Human Ressource Machine sind simpel gehalten und bilden längst nicht alle Anweisungen und Möglichkeiten einer echten Programmiersprache ab. Tatsächlich ähnelt die Sprache in Human Ressource Machine aber der sehr alten Programmiersprache „Assembler“. Diese besteht ebenso aus simplen Anweisungen, bei denen Werte wie Pakete hin- und her geschoben werden. Dabei ist Assembler alles andere als einfach. Human Ressource Machine schafft es nun, die unnötigen Hürden beim Programmieren zu verringern und das spielerische programmieren Lernen dadurch stark zu vereinfachen. Die Visualisierung und das Storytelling beispielsweise, machen abstrakte Werte und Funktionen zu etwas Greifbarem wie Pakete, die verladen werden müssen. Das Drag-and-Drop-Interface, in dem die Befehle dem Programm hinzugefügt werden, ist intuitiv und einfach zu bedienen.

Human Ressource Machine eignet sich dadurch wirklich für jeden. So beginnt das Spiel mit wenigen Befehlen und stellt euch vor verhältnismäßig leichte Aufgaben. Doch mit eurem Vorankommen im Spiel werden die Aufgaben immer kniffliger und die Liste der Befehle immer länger. In Sachen Komplexität steht Human Ressource Machine teilweise „echten“ algorithmischen Problemen in nichts nach. So kann es für Neulinge eine wunderbare Möglichkeit sein, um spielerisch Programmieren zu lernen. Aber auch für erfahrene Entwickler kann es ein gutes Gehirnjogging darstellen, bei dem sie sich unabhängig von echten Programmiersprachen und ihren vielen Hilfsmitteln auf die darunterliegenden Konzepte besinnen müssen.

Human Ressource Machine aus Experten-Sicht

Ich habe Informatik studiert, bereits als Webentwickler gearbeitet und in meinem Leben schon so manche Zeile Code geschrieben. Dabei habe ich gelernt, dass Programmieren nicht bedeutet, die Anweisungen einer Sprache auswendig zu lernen oder ein bestimmtes Framework zu kennen. Das sind Dinge, die man mehr oder weniger auswendig lernen kann. Im Kern geht es um Logik. Human Ressource Machine schafft es, diese Logik verständlich auf ein Spiel zu übertragen, ohne dabei die Komplexität der zu lösenden Probleme zu reduzieren. Ich habe mir schon an so manchen Leveln wirklich die Zähne ausgebissen.

Vom Spiel zum wirklichen Programmieren

Natürlich könnt ihr, nachdem ihr Human Ressource Machine gespielt habt, nicht direkt programmieren. Auch wenn es eine tolle Übung ist und euch mit der Denkweise, die ihr als Programmierer braucht, vertraut macht, gehört eben doch etwas mehr dazu. So müsst ihr, um wirklich eigene Programme zu schreiben, eine Programmiersprache und deren Syntax lernen. Später kommen dann noch andere Bausteine hinzu. So zum Beispiel das Entwickeln grafischer Oberflächen oder internetfähiger Anwendungen. Auch müsst ihr in der „echten“ Programmier-Welt auch nicht mehr alles selbst schreiben. Verschiedene Frameworks und Bibliotheken, die bereits Code für bestimmte Aufgaben beinhalten, nehmen euch einiges ab. Letzten Endes ist es aber dann doch wie in Human Ressource Maschine, wenn ihr spielerisch Programmieren lernt. Ihr lernt eine Reihe von Befehlen, löst damit Probleme und erlernt neue Befehle, um noch komplexere Probleme zu lösen. Wenn ihr an einem Spiel wir Human Ressource Machine Spaß habt, dann könnte euch auch das Programmieren Spaß machen! Hier findet ihr einen Artikel mit guten Apps zum Programmieren lernen. Und hier kommt ihr zu unserem Interview mit Dr. Julia Freudenberg. Sie ist CEO der Hacker School und bringt dort Kindern spielerisch Programmieren bei!

Moritz Stoll

kann ALLES, aber nichts so richtig. Hat außerdem Medieninformatik studiert, ist als Redakteur fester Bestandteil der Netzpiloten-Redaktion, macht den Netzpiloten-Podcast Tech und Trara und arbeitet nebenbei als freiberuflicher Programmierer. Die Digitale Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, um damit Neues zu erschaffen, ganz viel auszuprobieren und sich in den vielen Ideen manchmal auch etwas zu verheddern.


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