Soziale Netzwerke der Samtklasse

Wer die meisten Freunde auf MySpace hat, gewinnt? Kann ja sein, aber nach ganz anderen Regeln funktionieren die Velvet Networks, zu deutsch Samtnetzwerke. Nur geladene Gäste haben Zutritt zu dieser Luxusklasse der sozialen Netzwerke. Man bleibt lieber unter sich.

Die Idee, dass ohne Einladung ein Beitritt nicht möglich ist, ist nicht neu. Auch Orkut, das heute zu Google gehört, erlaubte schon vor Jahren den Eintritt nur auf Einladung eines anderen Mitglieds. Diese heute gängige Praxis des „privaten“ Betatests zielt allerdings eher darauf ab, das Wachstum des Dienstes ein wenig zu kontrollieren und künstlich Interesse zu schaffen: Wer die Waren verknappt, steigert die Nachfrage.

Doch geht es bei den Samtnetzwerken natürlich um etwas anderes: Einen Hauch von Elite.

Reuters Space (Logo)Der Reuters Space soll Finanzprofis eine virtuelle Heimat und einen Ort zum Netzwerken bieten. Ob das Inhaltsniveau durchgehend so hoch ist wie erwartet, darf bezweifelt werden: Zum Zeitpunkt unseres Tests waren die letzten drei angezeigten Beiträge ein Test und zwei relativ oberflächliche Selbstmanagement-Tipps.

Reuters Space (Screenshot)
Bildquelle: Screenshots von Reuters Space

InMobile (Logo)inmobile.org positioniert sich als Onlinecommunity für leitende Persönlichkeiten der Wireless-Branche. Obwohl sich nur Topmanager bei InMobile bewerben können, verwundert die geringe Zahl von nur 400 Mitgliedern. Ob die Mitgliedschaft so elitär-kuschelig ist oder das Netzwerk einfach nicht so spannend?

InMobile (Screenshot)
Bildquelle: Screenshots von InMobile

Verglichen mit der nüchternen Business-Optik der beiden anderen Netzwerke präsentiert sich die Diamond Lounge tatsächlich mit einem Hauch von Luxus: Begrüßt wird der neugierige Besucher mit dem Bild eines rotierenden, glitzernden Diamanten. Auch die Auswahlkriterien für Neumitglieder sind hier eine Ecke härter. Ein Kommittee wählt die Mitglieder aus, die sozial und finanziell ins Bild passen. Die Mitgliedsgebühr von 60 Dollar monatlich dürfte hier eher eine symbolische Geste sein. Dafür erwartet die Auserwählten eine der angeblich „coolsten und anspruchsvollsten Websites, die je gebaut wurden.“

Diamond Lounge (Screenshot)
Bildquelle: Screenshots von Diamond Lounge

Wir hätten die Dienste gerne auf Herz und Nieren geprüft, standen aber offenbar nicht auf der Gästeliste. Was genau die Dienste allerdings bieten könnten, die man nicht auch mit Hilfe von Facebook und Co abbilden könnte? Wir werden es wohl nie erfahren.

Peter Bihr

war Netzpiloten-Projektleiter von 2007-2010. Heute hilft er als freier Berater Unternehmen, ihre Strategien erfolgreich ins Netz zu übertragen. Über Social Media und digitale Kultur schreibt und twittert Peter auch privat unter TheWavingCat.com. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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2 comments

  1. > Orkut, das heute zu Google gehört,

    Orkut gehörte schon immer zu Google. Zumindest faktisch, denn es entstand in der 20%-„Frei“zeit eines Google-Mitarbeiters. Der Satz impliziert ein wenig, als wäre Orkut früher mal vollkommen Google-unabhängig gewesen.

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