Die Smartphone-Ära führt zum Ende der offenen Standards

Die PC-Ära wurde ganz klar von Microsoft dominiert und der Riese aus Redmond hat diese Macht immer wieder genutzt, um Standards zu etablieren, die verschiedenen Objekten bis heute helfen miteinander zu kommunizieren. Doch die PC-Ära ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und Google und Apple führen derzeit die Post-PC-Revolution an. Allerdings drücken beide Konzerne ihre eigenen Standards durch – das Ergebnis: Geräte verschiedener Plattformen können nicht miteinander kommunizieren, da sie die Sprache des anderen nicht verstehen.

Früher war alles besser?

Als wir vor einigen Jahren noch alle vor PCs saßen, musste Microsoft immer wieder Kritik einstecken, die Macht, die das nahezu Monopol in dem Bereich mit sich brachte, oft missbraucht zu haben. Diese Vorwürfe waren zwar oftmals berechtigt, doch hat Microsoft diese Macht auch oft positiv genutzt. So hat das Unternehmen aus Redmond immer wieder Standards durchgesetzt, mit denen Geräte-Objekte miteinander kommunizieren können. So hat das Unternehmen z.B. das Netzwerkerkennungsprotokoll Universal Plug and Play (UPnP) entwickelt, und die Arbeit an den DLNA-Richtlinien früh unterstützt, die dabei helfen, Mediendaten in den eigenen vier Wänden zu streamen. Diese und andere Standards fanden weite Verbreitung in der Branche, mit einer Ausnahme: Apple. Das Unternehmen aus Cupertino ist schon immer lieber einen eigenen Weg gegangen und hat lieber auf proprietäre Lösungen, wie etwa die Netzwerk-Technologie Bonjour, gesetzt.

Microsoft versucht auch heute noch Industriestandards zu etablieren, damit Geräte untereinander kommunizieren können. Dazu gehören etwa MirrorLink, mit dem sich Telefoninhalte auf Autodisplays projizieren lassen, oder Miracast, mit dem sich Videos an ein TV-Gerät übertragen lassen. Auch Internet der Dinge hat Microsoft als Mitglied der AllSeen Alliance im Auge. Doch wie zuvor, hat Apple sich mit eigenen Standards wie CarPlay, AirPlay oder HomeKit dagegen positioniert und setzt dabei immer stärker auf den Einsatz von iPhones.

Der Erfolg gibt ihnen Recht?!

Apple setzt dabei aber nicht mehr hauptsächlich auf die eigenen Macs, sondern eben auch immer mehr auf iPhones und iPads, die Geräte also, die das Post-PC-Zeitalter eingeläutet haben. In diesem Bereich ist Apple zwar ein ganz großer Player, doch muss sich das Unternehmen das Duopol mit Google teilen. Dabei setzt Google aber ebenso wie Apple auf die eigenen Standards, die nicht mit anderen Geräten interoperabel sind. Android Auto, oder die Streaming-Lösung Google Cast sind nur zwei Beispiele und auf der eigenen Entwicklerkonferenz I/O hat das Unternehmen im Mai mit Brillo ein Betriebssystem für das Internet der Dinge vorgestellt. Und sowohl Apple als auch Google feiern mit ihren eigenen Lösungen massive Erfolge. Apple TV und der Chromecast-Streaming-Stick haben sich deutlich häufiger als Miracast-Adapter verkauft und auch MirrorLink findet nur wenig Unterstützung aus der Automobilindustrie, während die Hersteller Schlange stehen um Android Auto und Apples CarPlay in ihre Fahrzeuge zu integrieren.

Da Apple und Google sehr große Konkurrenten sind, wird keiner die Initiativen, die der andere unterstützt, verwenden. Es bleiben also drei Kommunikationsstandards, Googles, Apples und ein eher neutraler Standard. Letzterer wird allerdings eher wenig Erfolg haben, da Apple und Google für Soft- und Hardware-Hersteller aufgrund der großen Marktanteile deutlich verlockender sind. Diese Entwicklung kann sich zu einem großen Problem entwickeln, wenn das Internet der Dinge sich noch weiter in unseren Alltag integriert. Hier werden Smartphones, zumindest in der Übergangsphase, eine deutlich wichtigere Rolle spielen, als PCs und somit ganz klar die Marschrichtung vorgeben. Die entsprechenden IoT-Devices werden dann aber nicht in der Lage sein, miteinander zu kommunizieren, wenn Apple und Google ihre eigenen Lösungen durchdrücken. Was wir für das Internet der Dinge dringend brauchen, sind offene Standards, ansonsten drohen wir in einem Chaos von Geräten zu versinken, die sich untereinander nicht verstehen.


Image (adapted) „Google Keep note art“ by sagesolar (CC BY 2.0)


 


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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1 comment

  1. Microsoft wird hier dargestellt als hätten sie „universale Standards“, „neutrale Standards“, ja gar offene Standards entwickelt um Interoperabilität zu fördern. Dabei werden aber Tatsachen vertauscht: Microsoft hat viel mehr seine Marktmacht genutzt um die eigenen, proprietären Standards allen anderen Mitbewerbern oder auch Zusammenarbeitenden aufzudrücken. Interoperabel war schon immer nur, wer auch Windows benutzt. Microsoft-Standards waren so verschlossen wie sie verschlossen nur sein können.

    „Offene Standards“ haben technische Definitionen [1], von denen Microsoft keiner einzigen gerecht wird. Im Gegenteil: Immer noch steckt Microsoft Millionen in den Kampf gegen .ODT – das offene Format für Textverarbeitungsprogramme – um seine proprietäres .DOCX als Standard zu etablieren. Das ist aber weder interoperabel noch offen! Es ist Microsoft.
    Apple ist dabei keineswegs besser. Google’s Android hingegen – so viel man dem Unternehmen bezüglich Datensammlung oder anderem vorwerfen kann – unterstützt nativ den Import, Verarbeitung und Export mit Verwendung realer Offener Standards und Formate.

    Und was das IoT angeht: Dort sind von Anfang an derart viele Hersteller und Interessenten involviert, dass es im Sinne aller sein wird, Offene Standards zu verwenden. Längst gibt es dazu Konsortien und die Etablierung gemeinsamer Industriestandards. Denn gerade die Abwesenheit des Monopoles – wie es dieser Artikel als gute Lösung verkauft -, wird endlich die Interoperabilität fördern weil sie notwendig werden wird.

    [1] siehe zb European Interoperability Framework: http://ec.europa.eu/idabc/servlets/Doca2cd.pdf

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