Nokia: Brennende Ölplattform

Stephen Elop ist der neue Chef bei Nokia. Der ehemalige Mobilfunkriese hatte es in den letzten Jahren so richtig krachen lassen und den Markt der Handys beherrscht. Nur bei den teuren Modellen, den Musikplayern mit eingebautem Handy und ähnlichem, also allem, was irgendwie boomte konnten die Finnen nie so richtig Fuß fassen, trotz ihrer marktbeherrschenden Plattform Symbian. Dann kamen die Smartphones. Ausgerechnet da soll Windows Phone7 nun helfen. Doch genau da kann Windows gar nix zeigen, ist selber stark angeschlagen und bereits taumelnd.

Zunächst sah alles nach einem Gewinn für Apple aus, die in 6 Jahren aus einer maroden Klitsche einen Weltkonzern hämmerten. But the empire stroke back. Denn Google kam mit Android auf den Markt, einem Linux-basierten Handy-Betriebssystem, das iOS schnell und unwiederbringlich überflügelte, zuletzt mit einem Wachstum von über 600 Prozent zum Vorjahr, andere bescheinigen sogar 800 Prozent.

Da verwunderte es nicht , dass Elop neulich noch von brennenden Ölplattformen sprach. Denn Nokia verliert Kunden in Größenordnungen, die kaum zu verwinden sind. War da noch was?… Ja klar, das war noch was. Einst gab es auch einen kleinen Hersteller von Bürosoftware namens Microsoft, der eigentlich mal den Markt für Betriebssysteme dominierte. Auch dort bastelte man an einem mobilen Betriebssystem herum, als man sah wie schnell Google den vermeintlichen Platzhirsch Apple in die Ecke klemmte. Jetzt partnert man schnell mit Nokia. Warum?

Nun, Elop war früher CEO bei Macromedia, dann bei Adobe. Dann kam Microsoft. Daher ist es bereechtigt, anzunehmen, dass er die Übernahme bzw. Redmonder Eingemeindung von Nokia vorbereitet, da er nämlich auf höchster Ebene Präsident bei Microsoft war, bei der nicht ganz unwichtigen Abteilung Geschäftskunden.

Und so wächst zusammen, was nicht zusammengehört: Ein untergehender Stern in der Handy-Hardware-Welt mit Weltruhm und enormem Marktanteil und ein gerade eben zusammengebasteltes Mobil-Betriebssystem namens Windows Phone7. Das Ziel scheint offenbar zu sein, die ganz billigen Smartphones aus der Prepaid-Klasse unter die Fittiche zu bekommen. Denn die Idee eines Ökosystems, bei dem Dritte eigene Apps zuliefern können, wie Apple sie simuliert und Google sie schon ganz nett realisiert, kann bei Microia…ähm Microsoft/Nokia nichts werden. Dazu müsste sich Microsoft öffnen. Das aber tun sie nur, wenn die Kartellwächter kommen. Sowas kann Apple mit den Smartphones für die wannabes nicht passieren, aber Nokia und Microsoft wird eben in den altmodischen Kreisen noch eine marktbeherrschende Stellung nachgesagt. So kann Google still und leise mit seinen 1001 Partner vorbeiziehen. Und wenn dann im Jahr 2020 jeder Afrikaner ein Smartphone hat, dann werden sie mit Android laufen und von LG, Samsung, HTC und sonstwem kommen. Und wir haben dann schon ansteckbare münzgroße Kommunikationszellen mit eingebautem Minibeamer, die das Telefon, die Fernbedienung, den Autoschlüssel, den Pass und die Krankenversicherungskarte ersetzen.

So gesehen ist es schlau, die brennende Ölplattform namens Handy, die dem finnischen Gummistiefelfabrikanten Nokia Milliarden einbrachte nun mit Napalm zu „löschen“. Das hatte ja schon BP erfolgreich im Golf von Mexiko gezeigt. Einfach viel Bohei machen und dann abwarten. Den Rest erledigt Gevatter Chemie, in diesem Fall vermeintlich der große Bruder Microsoft

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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2 comments

    1. Man könnte das Ganze auch als ein harakiri in Zeitlupe umschreiben. Aber es ist ja genauso wie bei nachrichten.de, den Springer-Apps, dem neuen Stuttgarter Bahnhof. Wenn ein großes Haus ein kleine Idee umsetzt, dann kann es keine Gewinner geben – außer einem ganz unbekannten Dritten…

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