Kurz und schmerzvoll – naht das Ende des eBook-Readers?

Die Halbwertzeit des eBook-Readers scheint erreicht. Tablets stehlen den Geräten die Marktanteile.

Manche Erfindungen kommen und gehen schneller, als es den Entwicklern lieb war. Eines dieser Produkte ist anscheinend der eBook-Reader, der sich dieser Tage massiv durch Tablets bedroht fühlen muss. Im Vergleich zum letzten Jahr, sollen die Verkaufszahlen um ein Drittel eingebrochen sein, sagen Analysten von IHS iSuppli. Doch wie kann man dieser Entwicklung entgegentreten? Mit Kampfpreisen, meinen die Experten.

E-Reader gibt es eigentlich schon ziemlich lange. Den ersten brachte Sony im Jahr 1990 heraus. Damals funktionierte der sogenannte Data Discman noch mit externen Datenträgern, die von dem Gerät ausgelesen wurden. CD-Roms im Mini-CD-Format, die den EBG-Standard nutzten waren quasi das Papier auf dem geschrieben wurde. Diese Technologie galt lange Zeit als zu kompliziert und wurde nicht sonderlich weiterentwickelt in den kommenden Jahren. Mit einer kleinen Ausnahme im Jahre 1999 – NuvoMedia brachte das eBook-Lesegeräte „Rocket eBook“ auf den Markt – verschwand die Produktgattung für die nächsten sieben bis acht Jahre fast vollständig von der Bildfläche. 2006 gab es zunächst wieder einige Neuerscheinungen wie den iLiad der Firma iRex Technologies oder den Sony Reader, der als Nachfolger des Librie galt. Jedoch mit mäßigem Erfolg.

2007 dann die Kehrtwende. Amazon brachte seinen Kindle heraus und verknüpfte damit den eigenen Onlineshop clever mit einem hauseigenen Gadget. Eine Symbiose ähnlich wie bei iTunes und dem iPod, könnte man meinen. Mit dem Release und der Marktmacht Amazons wurde der eReader zur interessanten Innovation. Nicht wenige Hersteller zogen nach und entwickelten ebenfalls eigene Geräte, um vom Kuchen ein Stück abzubekommen. Selbst hiesige Buchhändler wie Weltbild und Thalia haben mit der Zeit das Potenzial erkannt und eigene Lesegeräte entwickelt. Die Zeichen standen auf „Grün“. Und dennoch. Die goldenen Zeiten scheinen passé.

Schaut man sich die derzeitigen Verkaufszahlen der einst beliebten Geräte an, so beobachtet man einen extrem ungewöhnlichen Verlauf. Laut IHS iSuppli sollen in diesem Jahr nur 14,9 Millionen eBook-Reader verkauft werden – inklusive Weihnachtsgeschäft. Das sind summa summarum 36 Prozent weniger als im Jahr 2011. Und der Trend soll sich fortsetzen. Im kommenden Jahr prognostizieren die Analysten einen nochmaligen Einbruch von 27 Prozent. Bis 2016, glaubt IHS iSuppli, wird der Markt um zwei Drittel schrumpfen. Doch woran genau mag das liegen?

Der große Vorteil der Geräte liegt in den – auch im Sonnenlicht – gut lesbaren Displays, den mehrtägigen Akkulaufzeiten sowie dem hohen Speicher für die eigene Bibliothek. Jedoch sind es weniger die Vorteile, die nicht mehr konkurrenzfähig sind, als das Konzept des eReaders an sich: „Die Geräte taugten nur zu einem Zweck und würden von den Verbrauchern deshalb reuelos durch Tablets ersetzt, die mehrere Funktionen hätten“, schreibt heute Andreas Donath auf Golem.de. Weiterhin argumentiert er: „Zwar gebe es dieselben Probleme auch bei anderen Geräten, die nur einem Zweck dienen, wie Digitalkameras, Navigationssysteme und MP3-Player, aber die hätten dennoch längere Zeit in der Gunst der Verbraucher gestanden als E-Book-Reader“.

Schuld ist also die fehlende Entwicklungsfreude der Produkthersteller? Oder doch eher die eigene Treue zum Wesentlichen des Produktes? Man kann es negativ oder positiv ausdrücken. Am Ende läuft es auf dasselbe hinaus. Etwas muss sich ändern.

Wird also der eReader den Schritt zum Tablet-nahen Gerät vollziehen? Oder gibt es andere Wege wie man sich weiterhin auf die Kernkompetenz konzentrieren kann? Um Marktanteile und Absatzzahlen weiter oben halten zu können, müssen sich die Entwickler wahrscheinlich mit neuen Kampfpreisen auseinander setzen. Andreas Donath schreibt dazu: „Der Txtr Beagle sei dafür ein gutes Beispiel. Er wird nach Informationen von Golem.de in Kooperation mit Netzbetreibern für vermutlich unter 10 Euro angeboten werden. Unternehmen, die wie Amazon nicht nur die Hardware, sondern auch die Inhalte für die E-Book-Reader anbieten, könnten im Preiskampf durch die Einnahmen aus Medienverkäufen besser bestehen“.

Vielleicht ist es sinnvoll damit schon jetzt anzufangen. Das Weihnachtsgeschäft könnte sonst schlecht ausfallen für die Hardware-Schmieden.


 


Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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