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Amazons Hardware-Strategie: Gib’ ihnen Kindle, verkauf’ Ihnen E-Books

Bei Shell-Tankstellen soll es den Kindle Paperwhite mit einem Rabatt von über 100 Euro geben. Der Kampfpreis steht exemplarisch für Amazons Hardware-Strategie. Auf diversen Schnäppchenjäger-Blogs ist es eine Meldung wert: Im Mai soll es einen Kindle Paperwhite für umgerechnet zehn Tafeln Schokolade gaben. Das Treuepunkteprogramm Clubsmart des Mineralölkonzerns Shell bietet für 999 Punkte das im Moment neueste Modell des E-Book-Readers. Und diese knapp 1000 Punkte bekommen Kunden nicht nur durch tanken, sondern auch indem sie zehn Tafeln Ritter Sport Schokolade kaufen: Einen Kindle für unter 15 Euro. Dieser Kampfpreis zeigt einmal mehr die Strategie Amazons: möglichst viele Kunden gewinnen.

Schon die regulären Preise für die Kindle-Geräte sind relativ gering: 129 Euro kostet der Paperwhite. Das Einsteigermodell der vollwertigen Tablets, der Kindle Fire HD, ist für den gleichen Preis zu bekommen. Das Analyse-Institut IHS geht davon aus, dass Amazon den ersten Kindle Fire unter Herstellungskosten verkaufte. 207 US-Dollar sollen Produktion, Lizenzen und Software zusammen kosten, für 199 US-Dollar konnten Kunden das Gerät erwerben. „Wir verkaufen Hardware zu unseren Kosten, wir liegen also am Break-Even„, sagte Amazon-Chef Jeff Bezos im Oktober 2012 der britischen BBC. Eine klare Aussage: Gewinn macht Amazon mit den Geräten nicht.

Amazon kennt das Geschäft mit geringen Margen

Denn egal ob E-Book-Reader oder Tablet: Günstige Hardware soll Kundenwachstum garantieren, auch wenn das Unternehmen zu Beginn sogar draufzahlen muss. Gewinn ist erst mittel- bis langfristig geplant. Wie beim E-Commerce-Bereich hat dieses Geschäft geringe Margen, Geld wird über die Masse gemacht. Und dafür müssen die E-Book-Reader in so viele Taschen wie möglich.

Verkauft werden sollen E-Books, Musik, Filme, Apps – kurz: digitale Güter.

Und damit die Kunden das so viel wie möglich tun, versucht Amazon einen sogenannten Lock-in-Effekt zu generieren: Das Grundprodukt ist günstig, Einnahmen sollen über die Folgekosten für die Kunden gemacht werden. Wer einen Kindle hat, kauft sich sehr wahrscheinlich seine E-Books auch bei Amazon. Indem die Wechselkosten – anderes Gerät, neuer Account, geringeres Angebot bei Konkurrenten – auf ein anderes System möglichst hoch sind, entsteht mit den Kindle-Produkten eine Plattforme mit genau diesem Lock-in-Effekt.

Die hohen Wechselkosten sind die Kehrseite des relativ günstigigen Einstiegspreises. Als Erfinder dieser Strategie gilt der Gründer des Rasiererherstellers Gillette, King C. Gillette. Ihm wird der Spruch “Gib’ ihnen Rasierer, verkauf’ ihnen Klingen” zugeschrieben. Diese Herangehensweise heißt deshalb auch „Razor and Blade“. Auf Amazon gemünzt: Gib’ ihnen Kindle, verkauf’ Ihnen E-Books.

Kindle-Kunden geben mehr Geld bei Amazon aus

Und die Zahlen geben Amazon bisher recht: Die Marktforschungsfirma Consumer Intelligence Research Partners hat im Dezember letzten Jahres die Ausgaben bei Amazon von Kindle-Besitzern und Kunden ohne Kindle verglichen. Das Ergebnis: Kunden mit Kindle geben geschätzt über 440 US-Dollar mehr pro Jahr aus.

Womöglich steht die Aktion, für unter 15 Euro einen Kindle Paperwhite zu bekommen, in Zusammenhang mit dem Nachfolger-Modell des Geräts. Der neue Paperwhite mit dem Namen Kindle Ice Wine soll noch im zweiten Quartal 2014 erscheinen, also spätestens bis zum Mai. Wahrscheinlich zahlt auch Shell trotz der Annahme günstiger Konditionen drauf. Aber Shell will schließlich dasselbe wie Amazon: Mit einem Treue-Programm Kunden an sich binden.

Das Geschäftsmodell Amazons ist es nicht, als Produzent für Hardware Umsatz zu generieren, sondern es versteht sich als reines Dienstleistungsunternehmen – im Gegensatz zu Apple. Das Augenmerk von Apple liegt – neben digitalen Gütern im App-Store und iTunes – auf Premium-Produkte mit Premium-Preisen. Zum Vergleich: Im Programm von Shell kann man sich auch ein iPad holen. Dafür muss man 44.999 Treuepunkte vorweisen – 44.000 mehr als beim Kindle. Das sind 440 Tafeln Schokolade.


 


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Vom Buch zum Byte – die Geschichte der E-Books

Es war ein weiter Weg vom Buch zum Byte, doch die heutigen E-Books sind noch nicht das Ende. Die dritte Phase der E-Book-Evolution beginnt bereits. // von Ansgar Warner Am heutigen Mittwoch lädt das Internet & Gesellschaft Co:llaboratory und die Staatsbibliothek zu Berlin zu einem Autorengespräch mit Ansgar Warner über [...]
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Kurz und schmerzvoll – naht das Ende des eBook-Readers?

Die Halbwertzeit des eBook-Readers scheint erreicht. Tablets stehlen den Geräten die Marktanteile.

Manche Erfindungen kommen und gehen schneller, als es den Entwicklern lieb war. Eines dieser Produkte ist anscheinend der eBook-Reader, der sich dieser Tage massiv durch Tablets bedroht fühlen muss. Im Vergleich zum letzten Jahr, sollen die Verkaufszahlen um ein Drittel eingebrochen sein, sagen Analysten von IHS iSuppli. Doch wie kann man dieser Entwicklung entgegentreten? Mit Kampfpreisen, meinen die Experten.

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Review: Feedly – Der schicke RSS-Reader

Mit Feedly ist vor wenigen Tagen ein neuer, ziemlich schicker RSS-Reader an den Start gegangen, der personalisierten Startseiten wie Netvibes oder iGoogle mächtig Konkurrenz machen könnte. Feedlys stärkste Waffe in diesem Kampf ist zweifelslos sein schickes und cleveres Design. Während die Konkurrenz RSS-Feeds und Funktionen über kleine Widget-Boxen darstellt, versucht Feedly die RSS-Inhalte wie bei einem Online-Magazin zu arrangieren. Die Inhalte werden somit weitaus lebhafter präsentiert als in den eher technisch anmutenden Feed-Readern. Überraschenderweise ist Feedly dabei keine richtige Webseite, sondern ein lokales Add-On für den Firefox-Browser.

Wie funktioniert Feedly?

Der Start ins Feedly-Abenteuer gestaltet sich denkbar einfach: Wer bereits RSS-Feeds über einen anderen Dienst abonniert hat, kann diese einfach in Feedly importieren. Zudem bietet Feedly die Option sich automatisch mit dem Google Reader zu synchronisieren. Ansonsten werden alle Funktionen angeboten, die man von modernen RSS-Readern gewohnt ist. Ähnlich wie Friendfeed oder auch Google Reader schlägt Feedly zudem weitere Feeds vor, die zu den Interessen des Nutzers passen könnten.

Das, was Feedly aber von anderen Readern unterscheidet, ist in erster Linie die schöne Visualisierung der Inhalte. Nicht nur, dass Feedly in einem sehr schicken Grundlayout daherkommt, der Nutzer hat zudem weitere Optionen die Inhalte nach seinem Geschmack zu arrangieren. Das erfreuliche Ergebnis ist, dass Feedly optisch mehr einem Online-Magazin ähnelt als einem RSS-Reader.

Aber auch neben den Visualisierungsoptionen bietet Feedly eine Vielzahl an Zusatzfunktionen um sich von anderen Diensten abzuheben. So können beispielsweise Kontakte aus Twitter oder Googlemail importiert werden um diverse Empfehlungs- und Sharing-Funktionen zu nutzen. Interessante Artikel können somit direkt über die Beitragsansicht über Twitter gepostet werden oder über Gmail an Freunde gesendet werden.

Ein weiteres Novum ist die Option einzelne Passagen eines Artikels zu markieren oder mit Anmerkungen zu versehen. Diese Hervorhebungen werden dann auch für Freunde als Empfehlung sichtbar. Diese Micromeme-Mechanik ist wirklich nützlich und eine echte Killer-Applikation, die hilft die tägliche Informationsflut mithilfe eines sozialen Netzwerkes zu filtern. Schön ist zudem, dass man in der Einzelansicht auch alle Kommentare zu einem Artikel lesen kann. Das Kommentieren ist jedoch nach wie vor nur auf der jeweiligen Webseite möglich.

Für wen ist Feedly gedacht?

Jeder der regelmäßig RSS-Feeds liest, sollte Feedly mal selbst austesten. Allein die frische Optik macht den Testflug lohnend. Nutzer, die jedoch sehr viele Feeds abonniert haben (mehr als 100) und diese etwa auch noch in zahlreichen Ordner gruppiert haben, könnten ihre Schwierigkeiten mit Feedly haben – bei einer hohen Anzahl an Feed-Abos leidet die Usability. Daher richtet sich Feedly in erster Linie an Nutzer mit einer moderaten Anzahl an Feed-Abos.

Weiterhin ist Feedly recht einsteigerfreundlich gestaltet und könnte daher besonders RSS-Neulinge ansprechen. Diejenigen, die ihre Feeds bisher hauptsächlich über Dienste wie iGoogle oder auch Netvibes lesen, sollten Feedly unbedingt einmal ausprobieren, denn hier hat der neue Dienst einige echte Vorteile zu bieten.

Feedly im Vergleich zu iGoogle

Auch iGoogle ist ein Dienst, der es dem Nutzer ermöglicht, RSS-Feeds auf einer Seite nach persönlichem Geschmack zu arrangieren. Neben klassischen Feed-Inhalten lassen sich auch allerhand Mini-Applikationen wie Kalendar oder Aufgabenlisten einbinden. Ähnlich wie Netvibes, welches nach dem gleichen System funktioniert, hat sich iGoogle zu einer beliebten Startseite gemausert. Im Gegensatz zu Feedly arbeitet iGoogle mit kleinen Widget-Boxen, die sich frei auf der Seite anordnen lassen. Das Problem hierbei ist, dass die Boxen die RSS-Inhalte nur eingeschränkt wiedergeben. So erhält man meist nur die Überschrift und einen kleinen Text-Ausschnitt – wer den kompletten Artikel mitsamt Kommentaren lesen möchte, muss auf die entsprechende Seite gehen. Hier hat Feedly klar die Nase vorn.

Interessant ist auch, dass Feedly sich mit dem Google Reader synchronisieren lässt, das hauseigene iGoogle jedoch nicht. Hier müssen alle Feed-Abos eigenhändig eingegeben werden. Selbst der Import über eine sogenannte OPML-Datei ist nicht ohne eine vorher zu installierende Applikation möglich. Schön ist bei iGoogle hingegen, dass es dank offener API eine Menge Widgets von Drittherstellern gibt, die die Seite um unzählige Funktionen erweitert. Wer sich allerdings auf die Suche nach Filtermechaniken oder etwa einer sozialen Kommunkiationsebene begibt, wird schnell enttäuscht sein. Im Vergleich zu Feedly wirkt iGoogle daher eher rudimentär und eindimensional.

Blogpiloten-Urteil

Feedly ist schick, vermutlich sogar schicker als alle anderen Reader. Aber es ist leider nicht unbedingt funktionaler. Dies bekommen vor allem Nutzer mit besonders vielen Feed-Abos zu spüren – hier leidet die Navigierbarkeit deutlich, da Feedly sich eindeutig langsamer scannen lässt als etwa Google Redaer. Dies ist von daher überraschend, da Feedly gerade auf die Kompatibilität mit dem Google Reader setzt, dessen feine Struktur Feedly jedoch kaum abbilden kann. Auch einige der neuartigen und wirklich lobenswerten Funktionen gehen dank mangelnder Transparenz ein wenig im cleanen Layout unter. Aber Feedly steht noch am Anfang seiner Entwicklung und hier ist definitiv noch einiges zu erwarten. Die Richtung ist zumindest bereits sehr richtig. Für RSS-Fans mit einer überschaubaren Anzahl an Abonnements stellt Feedly zudem eine echte Alternative zum sonstigen Reader-Einheitsbrei dar. Gegen iGoogle oder Netvibes hat Feedly meiner Meinung aber bereits gewonnen – es ist einfach schicker, unterhaltsamer und vielseitiger.

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