Interview BLN.FM: „Ach, Sie machen so ein Radioprojekt?“

BLN.FM

Zehdenicker Straße im Januar. Der Berliner Winter paralysiert die Stadt. Kaum Jemand ist im Eisesdunkel unterwegs. Wenig Verkehr. Kerzen schimmern aus Küchenfenstern. Eine fast ländliche Stille am frühen Abend.
Fast scheint es, als hätten ein paar hundert Quadratmeter Wendezeit den Sanierungswahn überlebt. Und tatsächlich, hier, in einem unverputzten Mitte-Altbau nahe des Prenzlauer Berges findet sich das Studio des Internetradios BLN.FM: Die Produktionsstätte und deren Macher verströmen Aufbruchsstimmung und Pioniergeist.

Der Ort erinnert an die Experimentierfreude der Berliner Clubszene zur Zeit des Mauerfalls. In jener Umbruchphase begannen Tim Thaler und Alexander Koenitz, die heutigen Geschäftsführer bzw. Vorstandsvorsitzenden von Bln.Fm, bereits die Berliner Musiklandschaft zu erkunden. Diese Erfahrungen bildeten bis heute das Rüstzeug, aus welchem Thaler, Koenitz und das BLN.FM – Team ihren Innovationsgeist speisen.

Im Folgenden Interview spricht Tim Thaler (TT) über die ereignisreiche Geschichte, Gründung und Positionierung von BLN.FM, Musik + Kultur im Netz und die Zukunft des Radios…


NP: Sehr geehrter Herr Thaler, BLN. FM liefert seit knapp 3 Jahren täglich ein 24/7 – Programm rund um zeitgenössische, elektronische Musik mit Nachrichten, Beiträgen und Reportagen. In der öffentlichen Wahrnehmung wird BLN. FM zunächst von der Berliner Musikszene erfasst, erreicht aber über das Internet Hörer weltweit. Seit 2011 scheint die Anzahl der Moderatoren proportional steil zur Hörerschaft zu wachsen.
Woran liegt das? Und wie entstand – und entsteht – BLN. FM?

TT: Also BLN.FM gibt es jetzt seit 3 Jahren. Die Idee entstand eigentlich aus Vorgängerprojekten, denn BLN.FM ist jetzt nicht das erste Internetaudio-Projekt, was wir gestartet haben: Da gab es vor vielen Jahren, zu Zeiten vor dem Platzen der ersten New Economy Bubble, das Unternehmen „3Headz“, das wir mit – eben – 3 Leuten, eigentlich aus einer Webagentur heraus starteten. Wir konnten etwas, was damals kaum jemand konnte, nämlich Streams per Flash produzieren. Riesige Server standen da im Raum, heute kaum mehr vorstellbar.

Nun, wir haben Infos erstellt, welcher DJ oder Musiker aus der Elektro-Szene wann wo in welchem Berliner Club spielt, habe dabei Tickets verlost, zusammen mit den Clubbetreibern, die erst mal spontan „Macht Mal“ gesagt haben. So arbeiteten wir u. a. mit Word-Newslettern, erstellten Infos, Updates und Partylists für diverse Berliner Elektro-Clubs, die uns damals natürlich noch gar nicht kannten. Um sicher zu stellen, dass unsere ausgewählten Gäste dann auch tatsächlich in die Clubs rein kamen, haben wir die Newsletter/Einladungen ausgedruckt und ich persönlich bin dann wirklich ein Jahr lang nachts konstant mit dem Roller quer durch Berlin gefahren, habe an allen Eingängen vorgesprochen und sicher gestellt, dass die Einladungen funktionierten. Eine absolute Basicarbeit. So lernten wir aber auch alle Clubbetreiber, Türsteher und Künstler aus der Musikszene direkt und intensiv kennen.

Davon zehren wir noch heute. Dann platzte die erste Web-Bubble, New Economy erlebte seine erste Krise, die Gelder blieben aus – und wir platzten mit.

NP: Das war ja auch noch die goldene Zeit im Umfeld der Clubs rund um die Hochphase der Love Parade, die Gründerzeit der Agenturen, der Indie-Labels und Musikerkollektive. Die auch heute, unter neuen Vorzeichen, als Netzwerke weiter funktionieren. Wie ging es weiter?

TT: Nun, aus „3Headz“ ist dann eines Tages „Sonett77“ entstanden, da kam dann ein begüterter Vermarkter auf uns zu, der uns mit hohem Selbstbewusstsein erklärte, dass er „uns ganz groß raus bringen wolle, da brauchen wir aber hier ein richtiges Radio mit 24h Programm, richtig fett, nicht so ne Hinterhof – Nummer, aber da helf’ ich euch, Jungs, das kriegen wir hin!“. Der Mann hatte etwas vom Typ „Reeperbahn – Zuhälter“, mit Hawaiihemd, Tattoos auf den Oberarmen und gegeltem Haar und wir dachten uns: „Hm, ob das alles so gut geht – aber schaun’ wir mal…!“.

Er versprach uns ein riesiges High-End – Studio, „200qm, mit aller Technik, TriTraTrullala, Schnack und Schnull, alles Luxus pur und was ihr wollt, direkt gegenüber der just aus Hamburg hergezogenen Universal an der Spree.“ Hmm. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir eigentlich nur noch gewinnen, dachten wir. Also beendete ich alle Jobs, die ich bis dato hatte: Ich war zu dieser Zeit im Fernsehen tätig, hatte Artis + Label – Management gemacht – alles komplett gekündigt, bin zum Arbeitsamt und bat um Hartz IV, hatte endlich Zeit mich mit dem Thema Internet, Radio, Studio mal intensiv zu beschäftigen und widmete mich fortan nur noch diesem Projekt.

Nun war der Kopf frei für die dringlichsten Aufgaben: Wie funktioniert ein Rotations-Programm, wie wird richtig produziert, wie baue ich ein Studio, wer sind die Produzenten, wie gelangt die Sendung zum Hörer, etc. pp. – kurz: „Radio- wie geht das?“

NP: Wie ging es weiter?

TT: Ach, das hat Monate, fast ein dreiviertel –Jahr gedauert, um überhaupt erstmal den Content und eine Rotation aufzubauen. Was hört man morgens, mittags, abends, nachts, wie gestaltet und ändert sich die Tagesrotation? Wir haben in der Zeit, neben dem Aufbau der Studioarbeit, über 15.000 Tracks gelistet und gehört, bevor wir ernsthaft an Programmsendung dachten. Aber gut, die Mühe war produktiv und letzten Endes haben wir alles hergestellt und gemacht, doch …letzten Endes hat sich unsere erste Befürchtung bewahrheitet: Das heißt, der Promoter war nicht so richtig von unserer Radio-Arbeit angetan, die nach unseren Wertmaßstäben neben aller Musik vor allem auf journalistische Ansprüche, Reportagen, Infos , Hintergründe, Stadtleben, Interviews und nicht ausschließlich auf das Befüllen und Beschallen von Tracks und DJ-Sets setzte.

Er indes wollte eine website haben, die aus dem Stand sofort auf eine Million Zugriffe hinaus reicht. Das ist aber nicht machbar! Mal als Vergleich: Playboy.com hat eine Million Zugriffe im Monat. So! Das ist aber eine ganz andere Baustelle! „Sonett77.de“ hatte circa 1000 Zugriffe im Monat. Er war also ganz aufgebracht, meinte, das „ginge so gar nicht“, hat unsere Rotationsordner verstümmelt und letzten Endes unsere ganze Arbeit behindert, ja hat sich sogar zum Teil mit unserem Team angelegt, so dass wir schließlich in einer Art „Nacht und Nebel“ – Aktion da raus gezogen sind. Die Geschichte wird und bleibt abenteuerlich.

Wir hatten zu jenem Zeitpunkt eine Redakteurin, die uns ein Haus an der Torstraße (in Berlin-Mitte) anbot, das ihrem Mann gehörte. Dort könnten wir, so die Aussage, direkt einziehen und die Kellerräume als Studio nutzen. Damit entstand in der Torstraße unser 2. Studio. Dennoch war der Neustart schwer: Wir hatten ja von einem Tag auf den Anderen kein Geld mehr, auch die Namensrechte blieben beim Promoter.
Radioteam in der Odysee!

Wieder alles auf Anfang. Aber unser Team aus immerhin 20 Leuten und der Freundeskreis fanden jeder etwas Kapital zusammen und so ging es dann doch in der Torstraße mit viel Einsatz wieder los. Dann, es geht abenteuerlich weiter, kam nach 2 Monaten der Mann jener Redakteurin an und fragte nach der Miete. „Wieso Miete, wir sind doch hier erstmal mietfrei…oder?“ Und er meinte, „Nee, nee, da wäre ein Mietvertrag von 500, -€ für eine 2-Jahres – Nutzung fällig und das bitte gleich!“. Im Grunde nach heutigen Maßstäben kein großes Geld, aber: Unser ganzes Kapital ging für die Renovierung des Kellers drauf, einem ehemaligen Schlachterkeller, wo die armen Schweine ausbluteten, voll gekachelt, ohne Fenster, ein wahres Horror – Set. Das erstmal zu einem Musikstudio hin zu bauen, war, um im Bild zu bleiben, eine Mordsarbeit. Davon abgesehen, war die Redakteurin gar nicht zeichnungsberechtigt, den Vertrag hätten wir so auch nie erfüllen, geschweige denn, zeichnen können. Der Vermieter war natürlich sehr erbost. Schließlich sind wir dort mit Ach und Krach raus geflogen. Das ist jetzt fünf Jahre her.

NP: Doch wie es oft so ist, geht ein Türchen auf, wenn sich ein Tor schließt..?

TT: Oh, ja Kurz zuvor klopften nämlich Kollegen vom Sender blu fm bei uns an, wollten eigentlich eine Sendung mit uns produzieren, bekamen von unserer akuten Raumnot mit und boten uns darauf hin an, ein Souterrain bei sich in den Rosenhöfen (Berlin-Mitte) mit zu benutzen. Mietfrei! Da hat dann die Kooperation richtig gut funktioniert.

Zu jenem Zeitpunkt hatten wir uns, ein neuer Name musste ja eh her, mit dem Namen „BLN.FM“ aufgebaut. Wir haben das Team vergrößert und dann für blu fm produziert, hatten also das Programm auf deren UKW Frequenz 97,2 mit gestaltet und sind dann mit blu fm auch richtig zusammen in deren Studio, also den 1. Stock gezogen und hatten schließlich beide Redaktionen zusammen gelegt.

Und wieder kam ein Dämpfer: Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg entzog nach beanstandeter Nichteinhaltung von Vorgaben (u. a. Wortanteil pro Sendung, Gesellschaftsstruktur, etc.) blu fm die Sendefrequenz! Zwischendrin bat uns ein Radiopartner von blu fm, „Sunshine Live“ aus Mannheim, die Berlin – Abdeckung als Mantel für die Berliner Hörer zu produzieren, was wir auch weiter gern getan hätten, doch dann entzog die Medienanstalt auch Sunshine-Live die Sendefrequenz. Damit waren wir von BLN.FM plötzlich auch – wieder einmal – passé und mussten von heute auf morgen den mittlerweile 3. oder 4. Neustart hinlegen. Aber die Zusammenarbeit mit blu fm war tadellos und beim Auszug aus den Rosenhöfen übergaben sie uns für BLN.FM noch einen Großteil der Technik, die wir bis heute in den Studios nutzen, Infrastruktur und natürlich Netzwerk, wofür den Kollegen von blu fm. bis heute größer Dank gebührt! Weiterhin hatten wir Glück, dass uns ein Redakteur, den wir schon zu „3Headz“ – Zeiten kannten, diese Räume hier zu einem sehr erschwinglichen Preis zur Verfügung stellte.

Zwei von den Drei „3Heads“ sind auch heute noch dabei. Der Dritte zog beruflich bedingt aus Berlin weg, aber ist uns nach wie vor freundschaftlich verbunden. Die anderen beiden sind mein Mann, Alexander Koenitz – und ich. Die Aufteilung in der GF läuft im Grunde so: Alexander ist verantwortlich für alles textlich-redaktionelle, ich für alles musikalisch-akustische. Und so zogen wir endlich – und hoffentlich endlich – hier in dieses Studio, das wir auch wieder komplett neu haben bauen müssen, an der Zehdenicker Straße. Und so wird es hoffentlich bleiben. Das war eine wahre Odyssee bis dahin.

NP: Odyssee ist wirklich treffend. Wie viele Menschen arbeiten heute für BLN.FM?

TT: Mittlerweile, Ende des Jahres 2011, haben wir tatsächlich einen Personenstand von 111 Mitarbeitern!

NP: Auf welcher Basis arbeiten die Mitarbeiter/-innen? Freie Feste oder…

TT: Nein, da kommen wir auch gleich zum Grundkonzept von BLN.FM: Denn BLN.FM ist gegründet als gemeinnütziger Verein, das heißt, der Träger von BLN.FM ist der BLN.FM, e.V. Der Bildungsauftrag ist uns sehr wichtig, also nicht nur im Sinne der Information, sondern auch der beruflichen Bildung und Qualifikation: Es kommen z. B. Leute zu uns, die entweder aus dem Text – oder Musikbereich stammen, nie etwas mit Radio zu tun hatten, von anderen Radiosendern abgelehnt wurden oder ihren redaktionellen Content nicht im Spektrum anderer Sender wieder fanden. Diese bilden wir aus oder weiter, je nachdem.

Außerdem möchten wir journalistische Inhalte ohne Kosten darbieten, d.h., ich muss kein Heft kaufen, um etwas zu erfahren, sondern wir lassen die Leute frei schreiben und liefern die Inhalte für lau. Jetzt könnte man uns natürlich Ausbeutung vorwerfen, aber das ist so nicht der Fall: Wir finanzieren uns rein durch Mitgliedsbeiträge. Diese liegen bei schlappen 2,50 € für sozial benachteiligte Menschen, 5,-€ der reguläre Betrag. Pro Monat! Damit speisen wir Telefon, Strom und überschaubare Miete. Da alle Mitarbeiter rein ehrenamtlich bei uns arbeiten, entstehen so keine Mitarbeiterkosten und Bezüge. Das erklärt auch die hohe Mitarbeiterzahl, weil nicht alle 111 Leute jederzeit arbeiten, sondern jeder leistet nur ein bisschen was, also z. B. produziert eine Sendung pro Monat oder schreibt einen kurzen Artikel pro Woche. BLN.FM funktioniert also im Web-Bereich als Bündelung all dieser Kräfte, als Plattform. Es macht sich also keiner tot, sondern produziert in seiner Freizeit, neben dem Beruf, als Passion.

Damit aber die Fluktuation gering bleibt, damit die Qualität der Beiträge gewahrt bleibt, sind unsere Auswahlprozesse sehr hoch. D.h. wir schmeißen nicht viel raus, sondern schauen eher genau hin, wer rein kommt und teilen den Bewerbern auch klar mit, was sie hier an Anforderungen erwartet. Derzeit haben wir neben den Mitgliedsbeiträgen auch keine weiteren Einnahmen. Ab und zu nehmen wir Werbepartner auf, die aber auch passen müssen, d. h. thematisch zur Musik und Stadtkultur Sinn machen. Seit Anfang 2012 steht nun auch eine Kooperation mit einem bestehenden Radiosender an, namentlich FLUX.FM auf 100,7 (mit GF Mona Rübsamen, vormals Motor FM, Anm. d. Red.). Mit FLUX FM bewarben wir uns gemeinsam im Februar für eine UKW – Sendefrequenz, die begehrte 106,0. Das hat jetzt noch nicht geklappt, doch im Juni dieses Jahres gehen wir in die nächste Bewerbungsrunde.

Zusammen mit FLUX.FM kämen dann ggf. auch bezahlte Inhalte rein. Diese möchten wir, das ist der Plan, auch sozial verträglich nach Außen leiten, d.h. alle Mitarbeiter sollen aus diesen Einnahmen eine faire Aufwandsentschädigung bekommen, die ihrem Arbeitsaufwand angemessen ist. Da erstellen wir derzeit einen Katalog. Also da tut sich was. Aber eben, erst müssen Einnahmen generiert werden, was bis dahin einfach nicht der Fall war. Der Grundstock der Einnahmen bleibt indes für die Anschaffung bzw. Pflege der Technik, wie Mikrofone o. ä. , Mietrücklagen und auch für GEMA – Gebühren vorbehalten. Wir leisten uns mit diesem Grundstock den Luxus, Radio auf hohem Niveau, inhaltlich wie technisch, produzieren zu können: Mit Moderator hinter der Glasscheibe im Studio, Producer davor, einer 9-köpfigen Musikredaktion, die sich wöchentlich trifft, um pro Woche 200 neue Tracks in die Rotation einzuspielen. All das Erwirtschaftete geht immer erst zu Gunsten des Radiobetriebes rein, dann erst fließt, was übrig bleibt, in den Mitarbeiterstamm – das inkludiert auch und besonders den Vorstand und die Geschäftsleitung. Wir sind nur ein Teil vom Ganzen. Das, noch einmal, funktioniert nur mit dem großen Mitarbeiterstamm. All diese 111 und mehr kommenden Mitarbeiter/-innen voll zu bezahlen, wäre gar nicht möglich, da würde das Projekt gar nicht laufen.

NP: Also es ist ganz viel Herzblut dabei, nicht nur bei Euch Gründern, sondern allen Beteiligten, die hier über die Jahre viel Power rein gesteckt haben.

TT: Genau. Herzblut!

NP: Wie sieht der Produktionsalltag bei BLN.FM aus? Welche Inhalte werden wie geplant?

TT: Uff, da könnte ich jetzt stundenlang erzählen, aber um mal eine Idee zu geben: Grundsätzlich läuft eine volle Rotation, 24h täglich. Da gibt es feste redaktionelle Bestandteile wie News, Wetter, Konzerttipps, Stadtkultur etc. die sich natürlich an den Wochentagen und der Tageszeit orientieren: Morgens um 6h läuft natürlich ein anderes musikalisches wie redaktionelles Programm als Abends um 22h, klar. Global News + Wetter bekommen wir geliefert. Aber BLN.FM News z.B. läuft als Programmbestandteil 8x am Tag, diese News produzieren wir selbst. Programmtipps und Kulturevents recherchiert der betreffende Redakteur oder/und bekommt sie von den Veranstaltern, Promotern, Clubs etc. geliefert. Diese werden dann gesichtet, welche Kooperationen, Verlosungen oder Hinweise entstehen zusätzlich, dann werden diese Hinweise spätestens eine Woche vor Sendetermin vorproduziert…

NP: Was ist mit Adhoc-News und kurzfristigen Programmänderungen?

TT: Da haben wir natürlich jemanden im Studio, der Änderungen oder News auch kurzfristig reinsteuern kann, das Studio ist ja stets besetzt. Aber um den Flow an Content möglichst weit organisieren und steuern zu können, sollte der Großteil an Beiträgen eben weit vorher fest stehen. Der Mantel muss sitzen!

NP: FLUX.FM als sehr beliebten Kooperationspartner hatten Sie ja schon erwähnt, existieren weitere Kooperationspartner?

TT: Nun wie erwähnt, möchten wir mit BLN.FM ja neben aller Liebe zur Musikkultur, insbesondere Elektronika, vor allem auch Inhalte mit großem Wort – und Infoanteil liefern. So bieten wir zum Beispiel mit der Sendung „Roman am Mittag“ unseres Literatur – Moderators Roman Rehor Beiträge rund um das literarische Leben: Zum einen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, Interviews mit Autoren und natürlich zur literarischen Landschaft in der Hauptstadt, mit Veranstaltungshinweisen, Terminen zu Lesungen oder Poetry Slams etc. Hier kooperieren wir z.B. eng mit „Hörbuch.FM“. Im Bildungsbereich kooperieren wir gern mit dem SAE – Institut, das bekanntermaßen begehrte Ausbildungsplätze rund um Studiotechnik, Audioproduktion etc. anbietet und wo wir unsere Infrastruktur für Praktika oder Weiterbildung anbieten, denn wie gesagt, der Bildungsauftrag ist bei uns ebenso hoch angesiedelt wie der technische und vor allem inhaltliche Anspruch.

NP: Internet-Radio ist ein junges, aber weltweit wachsendes mediales Sendeformat. Gab es inhaltliche Vorbilder, an denen sich BLN.FM orientiert?

TT: (Weist auf ein Poster von „NOVA.RADIO“) Oh ja, die gab und gibt es: NOVA.RADIO ist z. B. ein tolles Radio aus Frankreich, das wir schon zu „3Headz“ – Zeiten gehört haben – die waren so weit vorne, was ihre Beiträge, ihre Auswahl, ihr Musikformat und ihre Sendungen zu Stadtkultur und Stadtleben angeht. Die sind und waren ganz weit vorne, in jeder Hinsicht, auch technisch: Da wollen wir gerne hin, das ist so ein Leitstrahl, gewiss. Dann natürlich „BBC 1 Extra“, das ja nun als Flaggschiff weltweit angesehen werden kann, was den Web-Auftritt betrifft. Generell besitzt Internetradio in Großbritannien, Frankreich oder den USA einen ganz anderen, weit höheren Stellenwert , als hierzulande. Schaue ich beispielsweise den englischen Markt an und nehme die BBC als Beispiel: Wenn wir hier von GEZ – Gebühren reden , die es ja in England auch gibt, so komme ich auf kaum mit Deutschland vergleichbare Zahlen: In England werden jährlich 40% der eingenommenen GEZ – Gebühren AUSSCHLIEßLICH für Formate verwendet, die nur im Internet stattfinden! Jetzt mal die deutsche Quizfrage: Wie viele Prozent sind es denn in Deutschland?

NP: Vermutlich deutlich weniger…?

TT: Satte null Prozent! Null!

In Deutschland besitzt jeder Radiosender auf der eigenen Website nur eine Zweitverwertung. Das heißt, was z.B. auf Radio „Fritz“ live läuft, wird – unter Umständen – auch noch mal als Podcast auf deren Website gestreamt. Muss nicht, kann! Aber es gibt keine ausschließlichen, sondern bereits gesendete Inhalte. Das unterscheidet uns. Wir sind direkt und live und 1:1 im Netz! Und unser Fokus ist auch Internet – und damit genau die Hörerschaft im Web: Das heißt, wir begreifen unser Publikum, unsere Hörerschaft, eben auch im Netz und nicht woanders.


„Wir sehen die Zukunft des Radios eindeutig im Netz“


Andere Radioanstalten halten uns da für bekloppt, aber wir sehen die Zukunft des Radios, zumindest für unsere Ansprüche, stark und eindeutig im Netz! Gerade, weil sich im Netz multimedial oder crossmedial gestalten und produzieren lässt, von der Interaktivität ganz zu schweigen: Ich kann also z.B. im Internetradio ein Interview on demand vorrätig halten, in der vollen Länge, von sagen wir 25 Minuten, was ich im Radio in einer geschnittenen Version von 2,5 Minuten antease. Ich kann einen Text, eine Track-Review, mit Soundbeispielen mehrmals täglich als Collage laufen lassen. Es ist die Kombination von dem Medium website, dem Medium Radio und dem Hörverhalten per Internet und Coputer, so dass ich also auch den Hörer im Büro erreiche, der neben seiner Arbeit entspannte Backgroundmusik hören kann…all das war und ist für uns ein Leitmotiv, das wir im Internetradio als gegeben sehen.

Dazu kommen dann natürlich all die anderen Vorteile des Internets: Ich kann Hörerzahlen zu jeder Zeit direkt abrufen, was in Zukunft für Werbekunden spannend sein wird, Polls, Veranstaltungen etc. ebenso. Ich kann einem Werbekunden oder Kooperationspartner direkt beweisen, wann welcher seiner Jingles wie lange von wie vielen Nutzern gehört wurde. Das geht in dieser Genauigkeit mit dem UKW – Radio nicht…! Dagegen ist die Aussagekraft von MA – Zahlen, der Kaltakquise am Telefon, gleich Null!

NP: Wenn wir die Situation von Internetradios in den genannten Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder den USA mit Deutschland vergleichen, verblüfft es sehr, dass die Akzeptanz des Internet-Radios trotz steigender Zuhörer- bzw. Zugriffszahlen noch nicht die Senderlandschaft durchdrungen hat. Woran, glauben Sie, liegt das? Und könnten Sie ihre Zahlen nicht verwenden, um weitere Finanzhilfen oder gar Fördergelder für den Ausbau ihres Radioprogramms zu akquirieren?

TT: (Überlegt)Tja. Jein. Die Frage ist: Wollen wir das? Die Antwort ist „Ja!“. Können wir das? Derzeit eher „Nein“. Das liegt nicht an uns, sondern an der leider noch etwas, tja, stehen gebliebenen Organisationsstruktur der Senderäte, Fördergremien oder Pogrammanstalten. Nehmen wir zum Beispiel den Hauptstadtkulturfonds, der für uns in Berlin ein guter Begleiter wäre:

Da sitzen 12 Personen im Gremium, die uns fragen, was wir so treiben. Wir erklären, dass wir ein facettenreiches, multimediales Programm via Internet liefern. Da schauen uns dann mehrere in die Jahre gekommene Augenpaare an, die uns dann noch mal fragen: „Was machen Sie denn?“ – „Nun, wir machen ein 24h Internetradio mit angeschlossenem Webmagazin.“ – „Hä? Ach, ne Webseite!“ – „Äh, schon, aber mit Musik, Kultur und Nachrichten…“ – Das interessiert dann aber bereits gar nicht mehr, denn bei dem Begriff „Internet“ schalten die schon ab mit der Begründung: „Ja, also, ne Webseite brauchen wir ja nicht fördern!“ – Dann erklären wir, dass wir ja ein Radioprogramm streamen. „Ach sie machen ein Radioprojekt? Das können wir auch nicht fördern, denn sie schaffen ja keine eigenen Kultur, sonder multiplizieren diese nur…eine Multiplikationsförderung gibt es aber nicht, in ganz Deutschland nicht.“ Dabei sind wir Deutschland – und ich glaube sogar, europaweit, das bislang einzige Internet – Radio mit diesem Format der Vollabdeckung, das auf einer gemeinnützigen und bildungsorientierten Basis mit klarer Ausrichtung auf Stadt – und Musikkultur existiert.


Wir sind hierzulande das einzige Internetradio mit Vollabdeckung.“ – Tim Thaler


Aber die Gremien wie der Rundfunkrat, der im Grunde an unserer Arbeit interessiert sein müsste, begreifen und erfassen uns gar nicht auf ihrem Schirm. Dabei arbeiten wir von Anfang an mit der MABB, der GEMA, der GEZ, wir möchten uns klar als Partner positionieren, aber wir passen in keine Schublade. Man sitzt beim Rundfunkrat Leuten gegenüber, die sich zwar im Laufe der letzten Jahre etwas verjüngt haben, aber deren Durchschnittsalter liegt immer noch bei 60. Die können mit Internet nichts anfangen. Erklären Sie einer 78-Jährigen Dame als Mitglied des Gremiums, dass sie elektronische Musikkultur via Internet liefern. Da geht gleich die Klappe runter: “Clubs? Diskos? Jugendliche? Drogen? Da hört’s auf!“ Klar ist unsere Zielgruppe jung, das Durchschnittsalter unserer Hörerschaft liegt zwischen 25-40 Jahren. Aber die sind nun mal auch ein nicht unwichtiger Teil dieser Stadtkultur. Und dazu gehört Journalismus, Recherche, Information.

Als Beispiel: Letztes Jahr, 2011 hatten wir zwei Scoops gelandet. Einer davon war der Bericht über die Nachforderungen des Berliner Finanzamtes an Berliner Club-Betreiber, die anstatt 7% plötzlich 19% UsSt. nachzuzahlen hatten, auch aus den letzten Jahren. Ein halbes Jahr lang hatten mein Mann und ich hier recherchiert und schließlich diesen Beitrag geschrieben, der dann zum gegebenen Zeitpunkt nachts (!) gesendet wurde. Nur 15 Minuten später war die Nachricht bereits auf allen wichtigen Formaten aus der Elektro – Musik und Clubkultur wie z. B. De:Bug zu finden!

Und bereits am nächsten Tag war die Nachricht im Wirtschaftsteil der Financial Times, wohlgemerkt, nicht der deutschen, sondern der amerikanischen, zu finden! Das Medienecho war gewaltig, es folgten die Berliner Zeitung, der Spiegel, die BZ etc. pp. und die Debatte rund um Zahlungen, Clubkultur und Berliner Finanzämter dauert bis heute an. Das haben wir losgetreten! Die Quelle „BLN.FM“ wurde leider nicht angegeben, wohl, weil es den etablierten Medien gestunken hat, dass wir aus Herzblut und Pathos so eine Story raus hauen oder schlichtweg Ignoranz, ich weiß es nicht. Wir haben uns dann juristisch beraten lassen, aber wollten da auch nicht Grabenkämpfe austragen. Aber das nur mal so nebenbei. Da wäre Hilfe nötig, doch all das kann den Kulturförderungen und Gremien, die ja im Grunde genau von solchen Nachrichten profitieren sollten, nicht vermittelt werden, das ist einfach eine andere Generation.

NP: Ist das Problem, ihr Format, ihre Inhalte zu vermitteln, eher ein Generationsthema oder ein strukturelles Problem?

TT: Ich würde mir wünschen, dass es ein Generationsthema wäre, denn da wären ja zukünftige Änderungen unausweichlich und es bestünde Aussicht auf Heilung. Ich befürchte aber, dass wir hier leider ein strukturelles Problem haben, da dieser ganze Komplex aus Institutionen, Gremien, Förderanstalten, Beiräten, deren Hierarchien, Überwachungs- und Entscheidungsprozessen usw. hier einfach zu schwerfällig und unbeweglich ist. Wie gesagt, ich würde mich freuen, zu irren, aber schauen wir mal.

Der ganze Komplex aus Institutionen, Gremien + Förderanstalten ist hier viel zu schwerfällig (…)
Kurz, diesen Topf Kulturförderung mussten wir uns nach einem halben Jahr Geackere ganz schnell abschminken. Darüber hinaus kann man ggf. mit der MABB (Medienanstalt Berlin-Brandenburg) schauen, ob ggf. ein paar Fördermöglichkeiten existieren. Da haben wir jetzt auch 2 Jahre lang auf festem Fels herum geschraubt und auf Granit gebissen. „Hä, Internet? Wie, so ohne Frequenz?“ Vor einem Jahr hat sich dann etwas geändert. Aus Rückständen hat die MABB nun in der Medienstadt Potsdam Babelsberg jetzt ein Innovationszentrum errichtet: 5 Stockwerke an der Marlene-Dietrich – Allee, ganz neu, allet schick. Da setzten die 3 junge Leute rein, ehemalige Praktikanten bei der MABB, die nun hier „irgendwas mit Internet“ machen sollen. Die sagten dann: „Okay, da loben wir mal ein paar Preise aus“, Stichwort „kreative Sendung“; da gibt’s dann mal für den Gewinner 1000,-€ …das ist zwar „nice to have“, aber lohnt den ganzen Aufwand , Konzepte von 70-80 Seiten schreiben, zeitlich gar nicht und geht auch am Ziel vorbei.

Nun, jetzt sind wieder einige Monate vergangen und wir stellen fest, dass sich da so gaaaanz langsam etwas bei der MABB ändert: Es entstehen – 2012 (!) so ganz sachte Strukturen, die sich mit dem Phänomen Internet professionell beschäftigen. Aber egal wie: Dass sich hieraus eine Komplettförderung eines Internetradiosenders entwickelt, ist nahezu völlig ausgeschlossen, das geht überhaupt nicht. Kurz: Wollen wir Hilfen? Gern! Aber das ist nur Wunschdenken, da müssen wir nach wie vor mit unseren eigenen Mitteln arbeiten. Klassische Werbepartner fallen da aber auch oftmals raus: Die Zugriffszahlen im Internet sind denen noch zu gering, die UKW – Gebührenliste ist denen zu teuer, also klassische Werbeschaltung, hmm… schwierig, auch inhaltlich… denn nur aus Geldgründen Staubsaugermarken ins Programm einzubauen, wäre etwas, das wir nicht unbedingt wollen. Naheliegend wären eher Partnerschaften mit branchennahen Sponsoren z.B. aus der Studiotechnik:

Da realisiert gerade Byte.FM in Hamburg schöne Projekte mit Panasonic: Panasonic liefert für – erstmal – fünf Jahre die Geräte, worauf Byte.FM entsprechend hinweist; und Panasonic freut sich, als Partner von Byte.FM aufzutreten. Ein Grimmepreis war schließlich das tolle Resultat dieser Kooperation! Einem Hersteller wie Panasonic muss man auch nicht unbedingt erklären, wofür man Studiotechnik braucht – und das heißt, die Kommunikation läuft einfacher. So wird ein Schuh draus. Im Grunde genommen ist all das Finanz – und Förderthema eine Menge Lobbyarbeit, fordert lange Gespräche und stets am Ball zu bleiben. Dafür fehlten uns anfangs Zeit und Konzentration, doch nun haben wir zwei Leute , die sich verstärkt um das Thema Drittfinanzierung kümmern, aber wir fahren am Besten damit, dass wir erstmal nichts erwarten – um so mehr freuen wir uns, wenn tatsächlich mal eine Hilfe kommt.


„Einen Radiosender, der rein auf dieses Genre Elektro ausgerichtet war, gab es nicht!“


NP: Warum richten Sie ihre Bandbreite hauptsächlich auf elektronische Musik?

TT: Die kurze Antwort ist: Das gab es so noch nicht. Die lange Antwort ist: Grundsätzlich aus Liebe zur Musik, ich bin ja selber Musiker, Schlagzeuger – und zum Radio. Aber eher deshalb, weil die elektronische Musikkultur dieser Stadt weit über ihre Grenzen hinaus bekannt ist. Die Berliner DJs und Musiker, mit angeschlossener Club –und Elektroszene haben bereits lange vor unserer Sendezeit die Tanzflächen in vielen anderen Ländern beschallt Wir haben hier eine immense Clubkultur – das ist im Prinzip zu einer Marke geworden, die auch die Touristen begeistert. Und nicht nur die Easy-Jet – Touristen. Wir reden ja auch von der ganzen Bandbreite elektronischer Musik, also House, Ambient, Dancefloor, Trance, etc. pp.

Wenn wir also in der Musikkultur von elektronischer Musik in Deutschland reden, liegt der Fokus ganz klar auf Berlin. Kurz: „Elektronika?“ – „Berlin!“ Was gab es aber im Mekka des Elektro nicht? Einen entsprechenden Radiosender! Klar bieten FLUX.FM, vormals Motor.FM, oder Radio „Fritz“ als Jugendsender mit dem Auftrag, DEN Sender für die Zielgruppe 14-24 Jahre darzustellen, abends auch Sendungen mit elektronischer Musik an. Das Gleiche gilt für Radio Eins („Elektrobeats“ mit Moderator Olaf Zimmermann), Kiss.FM oder Jam FM, die ebenfalls Programmteile für Elektronika ausstrahlen; aber einen Radiosender, der rein auf dieses Genre ausgerichtet war, den gab es nicht.

Es war geradezu erstaunlich, dass hier noch kein reines Sendeformat für Elektronika existierte. Wir, das heißt meine Mitstreiter, allen voran Alexander Koenitz, und ich hatten ja schon einige Jahre in der Berliner Radio – und Musiklandschaft verbracht und hatten einfach irgendwann den Wunsch, wieder einen anspruchsvollen Musiksender mit adäquaten Anteilen an Moderation, Reportagen, aber auch Nachrichten und Berichten aus Zeitgeschichte, Gesellschaft und Kultur zu gestalten…

NP: Wieder?

TT: Ja, wieder, denn es gab vor einigen Jahren bereits Kiss FM, einen Berliner Radiosender mit Schwerpunkt auf elektronischer Musik wie Clubbeats, Dancefloor, Rave, House, Ambient, Techno, Minimal etc., der dann aber im Rahmen kommerziellerer Ausrichtung Ende der 90er sein Programm inhaltlich wie musikalisch änderte. Im Zuge dieses Umbaus mussten auch viele Moderatoren und Gestalter des Senders, ihrerseits zum größten Teil Musiker, DJs, vor allem aus der damaligen Club-Ära ihrem Sendeplatz verlassen und Berlin verlor damit einen größtenteils auf Elektronika orientierten Sender. (…schüttelt den Kopf)

Da haben Einige DJs moderiert, die in dieser Zeit ihren Durchbruch erwirkten, wie z. B. Paul van Dyk…und dann wird das einfach gestoppt. Nun, wohin mit der ganzen Kreativität? Die einen suchten sich neue Engagements, andere gingen in die Studioproduktion und wiederum Andere bekamen die Vorstellung, dass das Internet vielleicht die Stelle wieder besetzen könnte, die das Radio nahm. Das scheint heute normal, doch Ende der 90er waren Web-Radio + Streaming Prozesse noch lange nicht so ausgereift wie heute – abgesehen davon, dass gemeinhin kaum jemand die hohen Standards am Privatcomputer besaß. Hier hat sich in den Folgejahren bekanntermaßen viel getan. So entstanden im Laufe der Jahre diverse Nachfolgeprojekte wie z.B. dj-sets.com, einem Internetradio, das von DJs gestaltet und produziert wurde. Hier wirkten einige der Kiss-Moderatoren weiter, wie u. a. die Clublegenden Corin Arnold aka ED2000 oder DJ Vela, die als Musiker, DJs und Producer ihres Labels Dangerous-Drums.de nun wiederum eine wichtige gestalterische Rolle bei BLN.FM ausüben.

NP: Wird sich BLN.FM hinsichtlich des Community – Gedankens auch zu einem interaktiven Netzwerk zwischen Hörern, Musikern, Clubs und Moderatoren hin entwickeln, also den Social Media Gedanken in die Website tragen?

TT: Nö! Das würde auch eine ganz andere Baustelle werden. Wir sehen uns inhaltlich im Grunde genommen als Bindeglied zwischen Magazinen wie „De:Bug“ und der „Raveline“, also den führenden Magazinen dieses Genres. Und da möchten wir informative Hintergründe liefern, die weniger intellektuell ausgerichtet sind wie bei der De:Bug, als auch Musikbeiträge senden, die weniger fanzine orientiert sind, wie bei der Raveline, und hier eine sinnvolle Ergänzung mit dem Format BLN.FM darstellen. Wir sind insofern etwas diktatorisch, als dass wir gerne das senden, was wir auch mögen – aber gleichzeitig finden bei BLN.FM auch keine Verrisse oder üble Kritiken statt, denn warum sollten wir wertvolle Sendezeit damit verschwenden, um dem Hörer mitzuteilen, was wir doof finden. Das kann jeder selber goutieren, dafür haben wir ja auf der Webseite auch die Möglichkeit gegeben, Sendungen, Meinungen oder Musik zu kommentieren. Die Kommentare werden natürlich auch stets auf anstößige Inhalte hin geprüft und gefiltert.

NP: Letzte Frage, Internet läuft also wunderbar…aber ist langfristig nicht doch eine eigene Frequenz im UKW-Bereich angedacht?

TT: (lacht) Tja ,ja…letzten Endes läuft genau die Kooperation mit FLUX.FM auf dieses Ziel hinaus. Das ist erstmal der Testballon. Im Februar 2012 wurde ja die starke Frequenz 106,0 ausgeschrieben, auf die sich zwei aussichtsreiche Kandidaten bewarben. Zur Ausschreibung spielten und spielen viele interne und politische Faktoren eine Rolle. Grundsätzlich arbeiten wir Geschäftsführer, d.h. Alexander und ich von BLN.FM, mit den GF von FLUX.FM, also Mona Rübsamen und Markus Kühn, an einem gemeinsamen, neuen Format, das im Arbeitstitel FLUX2 heißen wird und streben diese sehr starke Frequenz 106,0 an, die nämlich im gesamten Sendegebiet Berlin-Brandenburg zu empfangen ist.

Vielleicht wird es auch eine andere Frequenz werden, aber die Ausrichtung auf UKW ist geplant. Dabei werden, so die grobe Aufteilung an dieser Stelle, der Mantelteil von FLUX.FM geliefert und der elektronische Musik – Part, auch die Themen Stadtkultur, Clubkultur, also unsere Schwerpunkte, von uns produziert. Wir freuen uns sehr darauf, denn die Zusammenarbeit mit FLUX.FM ist ganz hervorragend!

NP: Das sind doch sehr gute Perspektiven. Herr Thaler, vielen Dank für das Gespräch und Ihnen und BLN.FM viel Erfolg!

TT: Danke!

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Bilder: Tim Thaler, BLN.FM

Daniel Khafif

studierte Kunstgeschichte, Romanistik und Komparatistik in Sevilla, Saarbrücken, Cádiz, Florenz und Berlin. Er ist Journalist, Kurator für bildende Kunst, Übersetzer und Dozent für Medien, kreatives Schreiben und Kulturtourismus. Als Autor für das Fotoreisebuch „7 Helden“ bekam er 2008 den Golden IF – Award. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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