Ich bin Journalist, ähm Blogger.. oder doch beides…?

Der Pulitzer-Preis, den die Huffington Post für eine Serie über verletzte Soldaten erhalten hat, wird als großer Sieg der Blogger über die Journalisten gefeiert. Zumindest von Einigen. Doch warum so zänkisch? Die Tatsache, dass traditionelle Online-Medien zu Blogs werden und Blogs zunehmend den traditionellen Online-Medien ähneln, liegt doch auf der Hand. Was herauskommt sind nämlich die neuen Medien und nur dieser Begriff ist es, der heute noch Gewicht haben sollte.

Dabei hat die Huffington Post zweifelsohne mal als Blog angefangen. Oder besser gesagt als loses Netzwerk von Bloggern, die einfach eine Plattform gesucht haben, um deren Artikel zu bündeln. Bis heute werden die meisten Autoren und Kolumnisten nicht bezahlt, was schon zu solch starker Kritik führte, dass dem Gebaren ein Rechtsstreit anhängt. Dieser Punkt alleine macht für viele Leser und auch Blogger aus, dass die Huffington Post also ein Polit-Blog ist, jedoch gibt es da draußen auch genug Zeitungsverlage, die Ihre Autoren kostenfrei arbeiten lassen. Prestige und Reichweite durch die Zeitung für den Autor gilt heutzutage scheinbar ebenfalls als Zahlungsmittel. Ebenso gibt es Blogger, die bezahlt werden für Ihre Texte. Das Paradebeispiel dafür ist Brain Stelter, der sogar vom Blogger zum Redakteur der New York Times aufstieg.

Ebenso banal ist das Argument der investigativen Recherche, das gerade Journalisten nur in den traditionellen Medien erkennen wollen. Hier liegt der Beweis jedoch auf der Hand, dass auch Autoren, die nicht auf der Gehaltsliste eines großen Verlages stehen, investigativ arbeiten können. Ist die Soldaten-Serie doch einzig und allein durch Gastkommentatoren zustande gekommen. Man nennt sie auch Op-ed Autoren, wie ich in einigen Kontexten gelesen habe. Sowohl Journalisten als auch Blogger bedienen sich Ihrer Recherchen der Vorarbeit anderer. Und da wo Fragen offen bleiben, hakt man nach. Ist das nicht investigativ? Der einzige Unterschied ist doch, dass die investigative Recherche in der analogen Welt zumeist von den traditionellen Medien in Auftrag gegeben wurde und die Blogger es zum großen Teil in eigener Initiative – oft halt sogar kostenlos – machen. Und doch gibt es auch hier wieder das Gegenstück. So hat zuletzt zum Beispiel der Journalist Thomas Kuban sich Undercover unter Neo-Nazi-Konzerten begeben, um von dem brisanten Material einen Film zu konzipieren, der da heißt „Blut muss fließen“. Alles in Eigenverantwortung.

Also wo fängt Bloggen an und hört Journalismus auf? Dass die Grenzen von Blogs und traditionellen Medien und somit von Bloggern und Journalisten verschwimmen, verneint eigentlich nur noch derjenige, der in alten Rastern denkt. Die Realität sieht doch schon fast eher so aus, dass beides Autoren sind und das jeweilige Medium sich im besten Fall regelmäßig abwechselt. Mal in Papier gehüllt und mal in Bits und Bytes. Mal im reichweitenstarken Verlags-Medium und mal als Gastautor im Ressort-Blog. Mal als freier Autor und mal als fester Redakteur.

Was die eitlen Schreiberlinge teilweise noch nicht realisiert haben, haben die Medien, für die sie schreiben, schon lange hinter sich. Der Onlineauftritt der SZ oder der ZEIT (in Übersee war es vor kurzem die Times gewesen), hat sich zum Beispiel immer mehr der Struktur der Web-2.0-Protagonisten, also der neuen Umstände, angepasst. Liest man heute ZEIT Online, so liest man, wenn man es penibel nimmt eigentlich einen Blog. Zumindest glaubt man das, wenn man sich die Aufteilung der Beiträge anschaut. Die Struktur des Blogs hat sich für so gut wie alle Online-Medien durchgesetzt. Selbst Spiegel-Online hat nach langem Zögern aufgegeben und eingesehen, dass eine Webseite keine Zeitung ist. Doch wollen wir mal nicht penibel sein. Schon allein weil es vermessen wäre zu behaupten, die oben genannten Größen wären das, was was vor einigen Jahren noch als Blog bezeichnet wurde.

Die Webauftritte der SZ, ZEIT Online oder der von Spiegel Online sind genauso, wie die Berliner Gazette oder wie wir Netzpiloten selbst, die neuen Medien. Onlinemedien. Und ein Autor ist eben je nachdem ob er im Print-, TV- oder Onlinebereich publiziert, entweder Print-, TV- oder Onlinejournalist. So sehe ich das zumindest.


 


Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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