Google entzieht Huawei die Android-Lizenz

Ein Beben geht durch den Smartphone-Markt. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat Google Huawei mit sofortiger Wirkung die Android-Lizenz entzogen. Vor kurzem setzten die USA Huawei und 70 damit verbundene Unternehmen auf die Handels-Blacklist. Damit darf Huawei nur noch mit Erlaubnis der US-Regierung Komponenten von US-Unternehmen einkaufen. Mittlerweile bestätigte Google die Meldung über ihren Android-Account auf Twitter: „Bezüglich der Fragen von Huawei-Nutzern bezüglich unserer Schritte wegen der kürzlichen Aktionen der US-Regierung: Wir versichern euch trotz unserer Erfüllung der Forderungen der US-Regierung, dass Services wie Google Play und der Schutz von Google Play Protect weiterhin auf euren vorhandenen Huawei-Geräten funktioniern werden.“

Was bedeutet das für Huawei-Besitzer?

Da sich der US-Bann auf eingekaufte Komponenten bezieht, betrifft der Lizenz-Entzug alle Programme, die nicht Open-Source sind. Damit erhalten Huawei-Geräte keine weiteren Android-Updates. Künftige Geräte dürfen außerdem nur noch auf Open-Source-Versionen laufen.

Damit blieben die Geräte auf ihrem aktuellen Versionsstand. Neue Sicherheitspatches gehören allerdings zu Androids Open Source Programm und werden weiterhin für alle Geräte verfügbar sein.

Ob die Konsequenzen dauerhaft sind, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, da die Regelung „lediglich“ die Zustimmung durch die US-Regierung erfordert. Da dem Konzern aber Spionage für die chinesische Regierung vorgeworfen wird, ist die Zustimmung der US-Regierung sehr fraglich.

Stellungnahme von Huawei

Mittlerweile gibt es bereits eine erste Stellungnahme von Huawei:

„Huawei hat weltweit wesentlich zur Entwicklung und dem Wachstum von Android beigetragen. Als einer der wichtigsten globalen Android-Partner haben wir eng mit der Open Source-Plattform zusammengearbeitet um ein Ökosystem zu entwickeln, von dem sowohl Nutzer als auch Industrie profitieren.

Huawei wird weiterhin Sicherheitsupdates auf allen existierenden Huawei und und Honor Smartphones zur Verfügung stellen. Das deckt sowohl die verkauften als weltweit lagernden Geräte.

Wir werden weiterhin ein sicheres und zuverlässiges Ökosystem entwickeln, um Nutzern weltweit die beste Nutzererfahrung zu bieten.“

Huawei mit eigenem Betriebssystem?

Die Spannungen zwischen Huawei und der US-Regierung existieren nicht erst seit letzter Woche. Bereits im März gab Huawei bekannt, ein eigenes Betriebssystem in der Hinterhand zu haben. Damit wird die Sicherheit gewährleistet, nicht von den amerikanischen Herstellern abhängig zu sein. Ein Jahr zuvor traf dies bereits den chinesischen Telekommunikationsausrüster ZTE. Gegen eine Kompensationszahlung von einer Milliarde Dollar, weiteren Einzahlungen von 400 Millionen Dollar auf ein Treuhandkonto und Austausch des Führungspersonals durfte ZTE allerdings unter Einhaltung von Verpflichtungen wieder mit Halbleiter-Chips aus den USA beliefert werden.

Ein eigenes Betriebssystem könnte auch ein großer Gamechanger werden. Der chinesische Hersteller hat sich bei Smartphones kürzlich mit 17 Prozent Marktanteil sicher auf Platz zwei zwischen Samsung (21 Prozent) und Apple (12 Prozent) platziert. Das war ein Sprung von sechs Prozent zum Vorjahr, während die Konkurrenz an der Spitze Marktanteile eingebüßt hat. Trotzdem gab Huawei an, dass die Systeme von Google und Microsoft weiterhin erste Wahl sind. Ob das eigene Betriebssystem bereits einen konkurrenzfähigen Umfang besitzt, müsste sich daher erst bei Einsatz von Plan B zeigen. Auch der Release kommender Neuheiten, wie dem Mate X, wird unter diesem Aspekt sehr spannend.


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Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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