Experten-Meinung zum Oops! Award: Olaf Kolbrück

Olaf KolbrückOlaf Kolbrück vom Branchenmagazin Horizont und Blogger bei off the record ist Experte zum Thema Social Media und hat anläßlich unseres Votings für den Oops! Award 2011 zu einige Fragen der Redaktion Stellung genommen.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte Fauxpas im Social Web 2011 unter den Top acht und warum?

Natürlich wäre der Staatstrojaner angesichts der Brisanz ein heißer Kandidat. Doch das ist kein Oops, kein „Huch, dumm gelaufen“, sondern ein Anschlag auf demokratische Grundrechte. Den symbolträchtigsten Ausrutscher leistete sich vielmehr Schlecker. Der Fall zeigt, wie sehr individuelle Fehler und vor allem persönliche Eitelkeiten eine Marke schrotten können. Denn Kommunikation hängt in Zeiten von Social Media vor allem auch von der Haltung jener ab, die einem Unternehmen Stimme geben. Wer als Kommunikationschef redet und textet, als seien ihm seine Kunden eher peinlich und unterhalb des eigenen intellektuellen Niveaus, der hat den Oops! Award verdient. Erst recht, wenn er Kritiker dann mit der ihm eigenen Arroganz über den Mund fährt und deutlich macht, dass er Kritik und Diskussion nicht wertschätzt.

Dieses Jahr sind auffallend viele große Unternehmen unter den Nominierten. Wie ist Ihre Erfahrung: Haben die Großkonzerne im vergangenen Jahr keine nennenswerten Fortschritte im Umgang mit dem Web 2.0 gemacht?

Viele Konzerne haben vielleicht Fortschritte in Nutzung der Technik gemacht und in der schlichten Präsenz, weil sie die dem Lockruf zu Facebook berechtigterweise gefolgt sind. Kulturell stehen sie aber häufig weiter auf der Stufe des Social-Media-Neandertalers. Sie haben die Werkzeuge, aber es fehlt ihnen an Empathie und an der inneren Haltung im Unternehmen, um mit den Werkzeugen wirklich einen Dialog und offene Kommunikation zu gestalten. Stattdessen bewegen sie sich weiter mit tumber Marketing-Motorik durch das Mitmach-Web. Das muss schief gehen, solange es in den Unternehmen an einer Kultur des Austausches und einer Wertschätzung des Kunden als Menschen fehlt.

HINWEIS

Das Voting zum Oops! Award 2011 findet noch bis zum 30. November 2011 statt. Wer seine Stimme ebenfalls mit einbringen möchte der kann hier mitvoten!

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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