Disney öffnet sich für freie Videoinhalte im Web

Disney infinite copyrightEs ist ja nicht ganz unüblich das man, wenn man beispielsweise eine Dokumentation wie PressPausePlay oder sogar ganze Spielfilme wie Sin Nombre schauen will, auch mal auf YouTube nach einem Hit sucht. Bisher waren diese Treffer aber eigentlich eher Glückstreffer und das hochladen solcher Filme wurde von der GEMA, wenn es denn herauskam, meistens mit einer Löschung des Inhalts beantwortet. Das die großen Hollywood-Filmstudios freiwillig Ihre Produktionen auf offenen Plattformen wie der Google-Tochter uploaden, ist so unwahrscheinlich gewesen wie ein Oscar-Gewinn für Johnny Depp oder Harrison Ford (beide gingen bisher immer leer aus). Lediglich Filmtrailer und Making Ofs waren zum Zwecke viraler Verbreitung publiziert worden und dienten eher Werbezwecken statt reiner Nächstenliebe oder der kulturellen Verbreitung.

Mit Disney wird hier allerdings einiges neues passieren. Das Unternehmen, dass sich auf Kinder-Entertainment, Spielzeug und Merchandise spezialisiert hat wird künftig mit einem YouTube-Channel an den Start gehen, der eigens für die Plattform produzierte Kinderfilme anbietet – kostenfrei versteht sich. Laut Golem.de ist hier ein Budget von 10 Millionen bis 15 Millionen US-Dollar angesetzt worden. Für Disney sicherlich ein recht schmaler und sehr überschaubarer Betrag – aus der Portokasse – jedoch für einen YouTube-Channel schon eine Menge Holz. Disney möchte nämlich das unter Kindern und Jugendliche beliebte Portal mehr für PR-Zwecke nutzen und mit Streams für den nötigen Aufwind sorgen. Also ebenfalls nicht ganz uneigennützig, aber immerhin eine Öffnung hin zum aktuellen Zeitgeist. Dass Disney diesen Schritt wagt, ist auch auf die stetigen Rückläufe der Umsätze zurückzuführen. 300 Millionen Dollar Verlust hat das Unternehmen in den letzten vier Quartalen verzeichnet, glaubt man den veröffentlichten Zahlen von Golem. Wenn das die Konsequenz aus fehlenden Einnahmen ist, dann sollten wir Verbraucher doch bitte noch mehr boykottieren und vielleicht setzt sich dieser Grundgedanke ja bald fest durch.

Wäre das nicht schön, wenn Seiten wie YouTube bald mehr Blockbuster anbieten würde oder Geschäftsmodelle wie das eingestampfte Streaming-Portal kino.to legal wären? Vielleicht ist der Grundstein für neue Geschäftsmodelle, wie dieses nun ins Visier genommene, ja bald Konsens und wir haben alle ein wenig mehr vom Kuchen. Einnahmen generiert Disney nämlich über eigens bereitgestellte Anzeigen auf dem Channel. So kann man über Banner neben dem Stream womöglich in den Merchandise-Shop geraten oder zu einem der unzähligen anderen Onlineshops Einlass finden.

Ich bin gespannt wie sich dieses Vorgehen auszahlen wird und ob es auch andere Produzenten zur Nachahmung verleitet. Die digitale Revolution und das Web 2.0 krempeln ja so einiges um. Warum nicht auch endlich das veraltete Urheberrecht und die klassischen Vertriebswege der Unterhaltungsindustrie. Ich sehe Potenzial und wie steht Ihr dazu?

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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