Bayerische Kronprinzen

Freiherr zu Guttenberg ist der neue Held der CSU. Nicht jedem in der Partei ist das recht.

Bei der CSU scheint Friede eingekehrt zu sein. Der neue starke Mann, der vor einem Jahr politisch totgesagte Horst Seehofer, regiert unumschränkt als Parteichef und Ministerpräsident unterm Himmel weiß und blau. Edmund Stoiber hat den Untergang derer, die ihn gestürzt haben, genüsslich mit angesehen und sich am Abstzurz des Führungsduos Beckstein und Huber geweidet. Er sitzt wohlig in Wolfratshausen und wartet darauf, dass mal wieder jemand bei ihm zum Frühstück vorbeischaut. Michael Glos bleibt Bezirksvorsitzender. Er freut sich an der innerparteilichen Solidarität und daran, wie er seinem Widersacher Horst Seehofer mit seinem medial inszenierten Rücktritt die Schau auf der Münchner Sicherheitskonferenz gestohlen hat. Seehofer, so heißt es in CSU-Kreisen, ist darüber nach wie vor nicht glücklich. Glos strahlt und ist angriffslustig wie einst.

Ob der Friede in der bayerischen Ex-Staatspartei lange anhält? Mit Markus Söder und Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg sind zwei junge CSUler durch Seehofers Gnade in die erste Reihe der Partei vorgerückt. Der eine agiert auf bayerischer, der andere auf bundespolitischer Ebene. Markus Söder ärgert sich, dass dem wenige Jahre jüngeren Guttenberg das medienwirksamere, bedeutendere Amt zugefallen ist und nicht ihm. Er hat sich darauf eingestellt, Georg Fahrenschon, ebenfalls ein Mittdreißiger im neuen Kabinett, in der Aufmerksamkeit der (Partei-)Öffentlichkeit und Seehofers zu übertrumpfen. Dann kam der smarte Oberfranke und stahl Söder die Show.

Horst Seehofer freut sich über das Konkurrenzverhältnis zwischen Söder und zu Guttenberg, denn auf diese Art und Weise hält er beide bei der Stange. Beide werden versuchen, sich an Erfolgen zu überbieten und hart zu arbeiten. Einen höheren Anreiz dafür hat er mit seiner Äußerung geschaffen, er wisse nicht, wie lange er die Ämter auszufüllen gedenke. Viele in der CSU haben aufgehorcht und das Orakel befragt, wie diese Äußerung Horst Seehofers zu verstehen sei. Wie auch immer, die, die sich angesprochen fühlen könnten, haben aufgemerkt. Der Friede ist brüchig in der bayerischen Union.

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Alexander Görlach

ist Chefredakteur und Herausgeber des Online-Debattenmagazins The European (www.theeuropean.de). Für die Netzpiloten schreibt Alexander Kolumnen und kritische Beiträge zur Medienlandschaft und natürlich zu aktuellen politischen Ereignissen.


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