Amazon Prime Air – Lieferung per Drohne startet bald

Das Eigenheim wird immer smarter und auch auf unseren Straßen werden ständig neue Mobilitätskonzepte ausprobiert. Warum nicht also auch den Paketdienst neu überdenken? Seit einigen Jahren arbeitet Amazon an Prime Air, einem künftigen Liefersystem. Unbemannte Luftfahrzeuge, Drohnen, bringen im Rahmen von Amazon Air Pakete innerhalb von 30 Minuten an ihren Bestimmungsort. Doch warum ist die Lieferung per Drohne umstritten? Und warum ist die Einführung des Dienstes in Deutschland fraglich? Schauen wir uns Amazon Prime Air doch mal genauer an.

Wie funktioniert Amazon Prime Air?

Die Drohnen, mit denen der Service bald offiziell starten soll, haben in etwa eine Reichweite von 24 Kilometern und stellen bis zu 2,3 Kilogramm schwere Pakete innerhalb von 30 Minuten zu. Zu Beginn des Services soll Amazon Prime Air zunächst kleine Haushaltswaren wie Zahnpasta oder Rasierer liefern, verkündete Amazon-Chef Jeff Bezos auf der Tech-Konferenz re:Mars in Las Vegas. Das beschränkt den Kundenkreis natürlich vorwiegend auf Kunden in Reichweite eines Logistikzentrums.

Im Flug kippt die Drohne um gut 60 Grad und nutzt ihren Rahmen offenbar als eine Art Tragfläche. Da die Drohnen autonom fliegen, gibt es eine Reihe von Systemen, die für Sicherheit garantieren sollen. Per Echtzeitbilderkennung werden Objekte wie Hubschrauber oder Paraglider erkannt. Beim Landevorgang erkennt das KI-System Menschen, Tiere und andere Hindernisse auf dem Landeplatz und weicht auch Überlandleitungen und Wäscheleinen aus. Wie und wo genau diese Landezonen eingerichtet werden können, ist leider noch nicht bekannt.

Sinnhaftigkeit umstritten

Ein kleiner Blick in die Kommentarsektionen auf Nachrichtenportalen reicht aus, um einen Eindruck zu bekommen, wie umstritten Lieferdrohnen in Deutschland sind. Unter anderem lauten die Argumente, dass der Service wegen der Nähe zu Logistikzentren wohl eher in städtischen Regionen genutzt wird, wo man ohnehin Haushaltswaren bei einem Laden in Reichweite bekommen sollte. In Deutschland kommt hinzu, dass diese Gegenden vor allem durch Mietshäuser geprägt sind, wo sich eine eigene Landezone vermutlich nicht einrichten lässt.

Hinzu kommt die Angst, dass die Drohnen reihenweise abstürzen. Skeptiker bemängeln zudem das Geräusch, das die Rotoren erzeugen oder die fragwürdige Umweltfreundlichkeit einer Drohne im Vergleich mit einem Lieferfahrzeug. Schließlich können diese mit einer Tour weitaus mehr Kunden beliefern. 

In Deutschland mit großen Hürden

Deutsche Kritiker können vorerst aufatmen. Zwar gab es auch schon ähnliche Drohnentests von DHL (ja, nicht nur vom bösen Amazon), doch die Regularien der Deutschen Flugsicherung sind äußerst streng und erlauben unbemannte Flüge eigentlich nur auf Sichtweite. Hinzu kommen zahlreiche weitere Einschränkungen, die sich regional unterscheiden können. Autonome Drohnen stellen nochmal ganz andere Herausforderungen für den Luftraum dar. In diesem verkehren mitunter auch Rettungs- und Polizeihubschrauber. Allerdings arbeitet die Deutsche Telekom mittlerweile mit der Deutschen Flugsicherung zusammen, um Drohnenflüge über das Mobilfunknetz sicher in den Luftraum zu integrieren. Damit soll nicht nur Drohnenflügen, sondern auch den nicht minder umstrittenen Flugtaxis die Tür geöffnet werden.

Amazon Prime Air startet in „wenigen Monaten“

Der Lieferdienst soll laut Aussage während der re:Mars-Konferenz bereits in „einigen Monaten“ erste Pakete ausliefern. Informationen darüber, wann und wo der Dienst genau starten soll, bleibt uns Amazon jedoch vorerst schuldig. Da die Entwicklung in den USA, Großbritannien, Frankreich und Israel stattfindet, sind das auch potentielle Märkte, um den Dienst einzuführen.

Der erste Test fand übrigens 2016 in Großbritannien statt – damals noch mit einem anderen Drohnenmodell. Der Kunde erhielt 13 Minuten nach Bestellung seine Lieferung: einen Fire-TV-Stick und eine Tüte Popcorn.

Ihr könnt auch selbst eine Drohne steuern und damit fantastische Luftaufnahmen machen (Provisionslink)


Image by JORDAN STEAD / Amazon

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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