„Innovation ist eine Geisteshaltung“ – Interview mit VivaTech-Managing Director Maxime Baffert


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


In etwas weniger als zwei Wochen öffnet die Tech-Konferenz VivaTechnology im Konferenzort Porte de Versailles zum zweiten Mal ihre Tore. Was Ende 2015 als spontanes Projekt startete, soll nach der erfolgreichen ersten Auflage im letzten Jahr 2017 nun bis zu 50.000 internationale Besucher versammeln. Ein selbstbewusstes Vorhaben, aber Managing Director Maxime Baffert ist zuversichtlich.

Maxime Baffert arbeitet für die Publicis Groupe, ist CEO von Proximedia und ist seit mehr als 10 Jahren im digitalen Marketing tätig. Im letzten Jahr war er Teil des Teams, das die VivaTech aus dem Nichts startete. Er beschreibt diese Zeit als sehr dynamisch und spaßig. Zusammen mit Yael Kusch-Stassart – sie ist Head of Communication and Media Partnerships der VivaTech – konnten wir ihn im Vorfeld der VivaTech zum Interview einladen.

Lisa Kneidl: Die VivaTech ist schon bald – In welcher Phase der Vorbereitung seid ihr gerade?

Maxime: Das Gute ist, dass wir sehr zuversichtlich hinsichtlich der Konferenz sind und hinsichtlich der Sachen, die wir in die Veranstaltung einbringen wollen. Wir haben eine großartige Reihe an Rednern und viele Innovationen, die vorgeführt werden. Mehr als 1.000 Startups werden mit großen Unternehmen während der drei Konferenztage zusammenarbeiten, um Workshops anzubieten. Inhaltlich steuern wir wirklich auf etwas Großartiges zu, aber bevor wir das erreichen, müssen wir eine Million Details klären, arrangieren, vorbereiten und ausführen – es ist schon ein bisschen stressig.

Letztes Jahr war die erste Auflage der VivaTech. Wie kam das alles zusammen?

Maxime: Es war eine Idee, die Maurice Lévy, der CEO der Publicis Groupe, schon seit Jahren im Hinterkopf hatte. Wir wollten etwas haben, das eine große und globale Veranstaltung sein sollte und in Paris stattfinden könnte. Wir wollten diese Art von Treffen erschaffen, die mit dem Web Summit, sowie dem CES in Las Vegas konkurrieren kann. Wir wollten mit dem Standort Paris eine neue Anlaufstelle für die großen Veranstaltungen schaffen. Ende 2015 haben wir uns mit unserem Geschäftspartner, der Wirtschaftszeitung Les Échos, getroffen und sie hatten die gleiche Idee. Also haben wir uns dazu entschlossen, den Weg gemeinsam zu gehen und unsere Kräfte zu bündeln, um dieses Event auf die Beine zu stellen. Es war komplett verrückt, weil wir uns erst Anfang Dezember 2015 getroffen haben und überzeugt waren, dass diese Veranstaltung im Juni 2016 stattfinden sollte. Wir hatten viele Leute dabei, die dachten, dass das verrückt sei, aber das hat uns erst recht motiviert, schneller daran zu arbeiten. Letztendlich haben wir es geschafft, während der drei Konferenztage insgesamt 45.000 Leute zu versammeln und ein Event zusammenzustellen, das interessant ist und sich von den anderen unterscheidet. Jetzt wollen wir dieses Niveau übertreffen, es sogar noch weiter vorantreiben und daraus ein jährliches Treffen für die digitale Welt machen.

Wie würdet ihr die letztjährige VivaTech beschreiben?

Yael Kusch-Stassart (adapted)
Image by Yael Kusch-Stassart

Yael: Für die erste Auflage hatten wir 45.000 Teilnehmer und für die zweite Auflage nehmen wir uns 50.000 Teilnehmer vor. Wir wollen es noch nicht zu groß machen.

Maxime: Wir wollen in diesem Jahr internationaler werden und Leute aus den wichtigsten Ländern, die für digitale Entwicklung stehen, erreichen. Daher sind wir sehr an dem deutschen und dem britischen Markt interessiert. Israel und natürlich China sind auch stark vertreten.

Wo sind Frankreich und Paris in der Tech-Gemeinde positioniert, was können sie anbieten? Ist Paris das Silicon Valley Frankreichs oder gar Europas?

Maxime: Ich denke, dass wir zunächst in Paris wirklich einen „Boom“ in Bezug auf Startups und die digitale Wirtschaft sehen. Wir haben jetzt eine riesige Zusammenstellung, die sich auf dem gleichen Niveau abspielt wie Konferenzen in London oder Berlin. Wir haben viele Startups, die hier gegründet worden sind, sowie viele große, besonders amerikanische, Firmen, die in Frankreich vor allem in die Qualität der Belegschaft investieren. Facebook gründet gerade sein „Artificial Intelligence Lab” in Paris.

Es gibt eine wirkliche Dynamik, die heutzutage in Paris und in ganz Frankreich stattfindet und wir spiegeln das mit der VivaTech-Konferenz wieder. Wir sind keine französische Veranstaltung, wir werden Redner sowie Sponsoren aus der ganzen Welt haben – aber ich denke, wenn wir nicht dieses dynamische Personal aus dem französischen Ökosystem hätten, hätten wir auch keine Konferenz.

Du hast Startups erwähnt. Wie wichtig sind sie für die VivaTech?

Maxime: Neben den 1.000 Startup-Ausstellern sind zudem 4.000 zu Besuch. Es ist tatsächlich eine Veranstaltung, die für Startups entworfen wurde. Unsere Spezialität ist, dass wir an das Modell der offenen Innovation glauben und wir glauben, dass es einen europäischen Weg für Startups gibt, sich zu entwickeln. Dieser europäische Weg beruht darauf, die Stärken von großen Firmen, die eine digitale Wandlung durchlaufen, zu vermischen. Startups können ihr Wachstum auf diesen großen Unternehmen gründen, weil sie Kunden oder Anteilseigner der Startups werden. Natürlich haben wir in Europa weniger Geld als in Kalifornien oder im Rest der Vereinigten Staaten zur Verfügung, aber wir glauben, es gibt eine Art Übereinstimmung zwischen großen Firmen und Startups, die sie schnell wachsen lassen.

„Innovation“ ist ein zentraler Begriff in Bezug auf Startups – Was ist „Innovation“ für dich?

Maxime: Ich denke, es erstreckt sich auf Bereiche außerhalb der Technologie, die natürlich ein großer Teil von Innovation ist, aber man kann auch Innovation in einem Geschäftsmodell erreichen. Ich denke, Innovation ist eine Geisteshaltung, die besagt, dass man sich nicht mit der Art und Weise zufrieden geben sollte, wie etwas gerade durchgeführt wird. Bei Innovationen geht es wirklich um den Versuch, um das Scheitern und darum, immer wieder zu experimentieren, bis man Erfolg hat.

Was können Besucher von der diesjährigen VivaTech erwarten?

Maxime Baffert (adapted)
Image by Maxime Baffert

Maxime: Wir haben wirklich gute Talks und tolle Redner wie Eric Schmidt von Alphabet, Daniel Zhang von Alibaba, Oliver Samwer von Rocket Internet und viele CEOs unserer Top-Sponsoren wie beispielsweise die Telekommunikationsfirma Orange. Es werden Verleger da sein, die aus den USA, Israel, Großbritannien und so weiter kommen. Mit unseren mehr als 250 Talks decken wir ein unglaublich breites Spektrum an Themen ab. Von Technologiethemen über Virtuelle Realität, künstliche Intelligenz, Robotik und Handelsthemen – wir haben einen sehr generalistischen Ansatz.

Mein Lieblingsdetail ist folgendes: Wir organisieren eine Reihe mit dem Namen „#nextechs“ und hier werden alle Themen angesprochen, von der jeder in ein paar Jahren reden wird, so wie wir heute von der Blockchain sprechen. Wir haben quantengestützte Informatik und all diese Technologien, die auf genetischer Manipulation basieren. Wir haben auch Vorträge zu Nanorobotik – die Leute, die wirkliche Tech-Nerds sind, werden wohl zufrieden sein, weil wir versuchen, detailliert auf Technologie als Themengebiet einzugehen. Das passt auch für Leute, die einfach nur wissen wollen, was in einem Bereich gerade los ist.

Was sind die drei hauptsächlichen Trendthemen der diesjährigen VivaTech?

Maxime: Das erste beinhaltet alles, was mit Data und künstlicher Intelligenz verbunden ist. Wir haben viele Vorträge dazu, weil es gerade ein wirklich heißes Thema ist. Wir haben einen sehr überzeugenden Vortrag über Fintechs. Es ist eines der Themen, an dem unsere Besucher am meisten interessiert sind. Der dritte Aspekt ist unsere Reihe mit dem Namen „#positiveimpact“, was bedeutet, dass wir zu verstehen versuchen, wie Technologien unserer Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes helfen kann. Zum Beispiel haben wir ein Panel namens „Techfugee“ das die Kernfrage bedient, wie Technologie den Flüchtlingen helfen kann.

Welches Thema ist für dich eine Herzensangelegenheit und auf was freust du dich?

Maxime: Mir gefällt das „#nextechs“-Projekt am besten, das ich gerade erwähnt habe. In diesem Jahr haben wir ein sehr wichtiges Ziel: Wir wollen das Problem der technischen Vielfalt und den Technologie-Konferenzen in Angriff nehmen – 40 Prozent der Referenten sollen Frauen sein. Unser Konferenzteam arbeitet intensiv daran, sicherzustellen, dass dieses Ziel erreicht wird. So haben wir beispielsweise alle Panels, in die sich ausschließlich Männer eingetragen hatten, abgeschafft. Bei Tech-Konferenzen hat man üblicherweise 10 Prozent oder maximal 20 Prozent Frauen – wir wollen darüber hinauskommen und zeigen, dass man, wenn man sich die Zeit nimmt, wirkliche Vielfalt auf der Bühne haben kann.

Bewerbt ihr die Veranstaltung auch aktiv auf diese Weise?

Yael: Es ist sehr wichtig und um ehrlich zu sein, gibt es kaum weibliche Hauptredner oder überhaupt Frauen in hohen Positionen mit wirklich interessanten Jobs. Noch seltener ist es, wenn sie auch noch auf der Bühne oder in der Öffentlichkeit sein wollen. Wir werben also aktiv mit weiblichen Speakern, weil uns das besonders wichtig ist.

Wer sollte an dem Event teilnehmen?

Maxime: Wir haben zwei Tage, die auf B2B ausgelegt und die wirklich für Fachleute sind. Der letzte Tag ist für B2C-Kunden gedacht. Demnach besteht unser Publikum innerhalb der ersten zwei Tage mehr aus Startups, Gründern, CEOs, Investoren und Journalisten. Am letzten Tag zielt es mehr auf Studenten und Projektverantwortliche ab, die ihre eigene Firma gründen wollen.

Yael: Es wird eine „Entdeckerzone“ geben, wo viele neue Projekte vorhanden sind, die sie entdecken können und die sie noch nicht im TV oder anderswo gesehen haben. Die zwei Tage, die B2B beinhalten, sind für uns der Schlüssel. Während des B2B-Teils wird alles auf Englisch sein und am Tag, an dem es um B2C geht, wird alles auf Französisch sein, weil wir denken, dass es eher die französischen Besucher als die internationalen Medien anzieht.

Was wollt ihr mit der diesjährigen VivaTech erreichen?

Maxime: Das erste Ziel ist, dass wir Leute anziehen, die aus mehr als 50 Ländern zur VivaTech kommen. Wir wollen uns weltweit aufstellen können. Unser zweites Ziel ist, dass wir unseren Besuchern auf der VivaTech etwas bieten, das sie noch nicht zuvor gesehen haben. Das kann ein Redner sein, den sie vorher noch nicht gehört habe oder eine Idee, über die sie vorher noch nicht nachgedacht haben. Dann wollen wir auch, dass die Leute sehen, dass die Technik etwas Positives ist. Besonders während des Wahljahres in Frankreich ist das wichtig. Wir hören viel über negative Folgen der Technik, aber wir glauben, dass die Chancen, die die Technik uns bietet, wichtiger sind als mögliche negative Auswirkungen.

Danke euch!


Images by Maxime Baffert, Yael Kusch-Stassart


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Lisa Kneidl

Lisa Kneidl

hat in Erlangen ihren Bachelor in Medienwissenschaft gemacht. Der Norden hat gerufen und somit ist sie jetzt in Hamburg bei den Netzpiloten gelandet.

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