Tobias GillenTwitter: Wem gehört eigentlich @Pontifex?

Der Papst dankt ab und lässt 1,5 Millionen interessierte Follower auf Twitter zurück. Doch was passiert jetzt mit dem Account?

Twitter: Wem gehört eigentlich @Pontifex?

Zweieinhalb Monate hat der scheidende Papst Benedikt seinen Twitter-Account @Pontifex und die länderspezifischen Unteraccounts genutzt, dabei 37 Tweets abgesetzt und etwas über 1,5 Million Follower nur auf seinem Hauptaccount angehäuft. Dass ein Papst die sozialen Netzwerke nutzt, um Menschen anzusprechen, ist bisher ein Novum und demensprechend unklar sind nun auch die Fragen nach der Zukunft des Accounts.

Vor einigen Wochen stand die Frage nach dem Verbleib von Twitter-Followern schon einmal im Fokus der Tech-Medien. Nach 26 Jahren Tätigkeit für die „New York Times“ und der Ansammlung von 75.000 Followern, schied der bisherige Chef vom Dienst, Jim Roberts, bei der „Grey Lady“ aus. Roberts, der bis dato unter dem Namen @nytjim twitterte, machte schnell klar: „My feed is my own“. Und auch die „New York Times“ stellte keinerlei Ansprüche an Roberts Account, bis auf eine Änderung der Kurz-Biografie und des Namen.

340.000 US-Dollar für einen Twitter-Account

Wie „Netzpiloten“-Projektleiter Andreas Weck im Januar für „t3n“ recherchierte, gab es bereits letztes Jahr einen ähnlichen Fall: Noah Kravitz twitterte unter dem Namen @phonedog_Noah für – der Name verrät es – den Mobile-Blog Phonedog. Seine 17.000 Follower wollte Phonedog nach der Kündigung aber nicht so einfach hergeben und forderte insgesamt einen Betrag von 340.000 US-Dollar von Kravitz für den Account. Leider ist das Ergebnis des Gerichtsprozesses nicht bekannt, es scheint aber eine Vergleichseinigung gegeben zu haben.

Doch wie sieht das Ganze bei der heiligen Followerschaft aus? Der Vatikan gab dazu jetzt eine Meldung heraus, wonach der Twitter-Account @Pontifex exklusiv für den Papst angelegt wurde. Während der Übergangsphase werde er inaktiv gehalten und sobald ein neues Papst gewählt ist, könne er selbst entscheiden, ob der Account weiter geführt werden soll.

Gut, dass Papst Benedikt den Account nicht mitnehmen will und der Vatikan Geld pro Follower verlangt. Bei 1,5 Millionen Followern wären das ja laut Phonedog-Forderung 3.750.000 US-Dollar. Aber Twittern im Kloster wäre ja sowieso nicht wirklich praktisch.

Doch eine Frage bleibt: Wird sich der neue Papst auch so coole Hashtag-Battles mit dem Dalai Lama geben?


Über den Autor / die Autorin
ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

 

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