Social Media: Definitions(ver)suche!

Jochen Krisch hat drüben auf Exciting Commerce Social Media zum Unwort des Jahres gekürt. Ähnlich wie Nico musste ich ein bisschen Nachdenken, ob ich die Argumentation nachvollziehen kann und soll oder nicht. Schließlich verwende ich den Begriff auch häufig in meiner Arbeit als Medien- & Verlagsberater drüben im media-ocean. Jochen schreibt:

Social Networks verändern die (Medien-)Welt. Doch indem der Netzwerk-Begriff durch den zwar sehr griffigen, aber in diesem Zusammenhang komplett unsinnigen Medienbegriff ersetzt wird, möchte uns die Medien-, PR- und Marketingindustrie vorgaukeln, dass man im Netzwerkkontext mit der klassischen Mediendenke (= Aufbau und Monetarisierung von Reichweite) weiterkäme.

Ja, das mit den Begriffen, deren Definition und Verwendung ist das alte Problem, dass Bedeutung und Gebrauch eng miteinander zusammenhängen und je nach dem wer, welchen Begriff wie häufig verwendet andere Sichtweisen in der Begriffsverwendung mit einfließen. So wars es schon beim Thema Weblogs. Was ist richtiges Bloggen? Was ist falsches Bloggen? Wer darf überhaupt bloggen? Wie man „damals“ schon gesehen hat, gehen definitorische Grabenkämpfe schnell über die reine Wortverwendung hinaus und umfassen Handlungsweisen und damit kulturelle Praktiken. Social Media ist für mich persönlich nicht unbedingt das Unwort des Jahres, aber das liegt eben genau daran, dass ich es anders verstehe als die im Blogposting genannte „Medien-, PR- und Marketingindustrie“. Für mich ist Social Media ein übergeordneter Begriff. Auf der einen Seite sind die klassischen Medien Fernsehen, Hörfunk und Print. Auf der anderen Seite die organisch in und aus der Netzkultur heraus erwachsenen Social Networks. Zwischen beiden „Welten“ ist aber schon längst keine Mauer mehr, sondern es gibt größer werdende Schnittmengen, in denen „Media“ und „Social Networks“ zusammenwachsen. Social Media ist dann für mich die Beschreibung sowohl der Schnittmengen selbst, als auch dessen, was aus dem „Näherzusammenrücken“ der beiden Bereiche insgesamt entsteht. Das entscheidende bei den Social Networks ist die Kommunikation, der Austausch der Vernetzung mit Freunden. Um das zu Fassen, reicht mir persönlich der Begriff „social“, da all das, was man an Social Networks charakteristisch findet aufeinander bezogenes (vernetzendes) soziales Handeln der User voraussetzt. Insofern geht für mich bei Social Media das „Netzwerkige“ nicht verloren, sondern bleibt durch „social“ erhalten. „Media“ bezeichnet dagegen in der Tat eher die klassischen Medienanbieter, die mit „social“ im Sinne der Social Networks bisher noch nicht viel aber zunehmend mehr am Hut haben. Aber genau das ändetr sich gerade in Zeiten der Medienkrise immer schneller. Wenn man sich alleine mal anschaut, welche Blogs klassischer Medienanbieter bei Rivva die Agenda zusammen mit großen native Blogs mitbestimmen hat meinen einen von vielen Indikatoren für den angesprochenen Wandel. Soweit zu meinem Verständnis, wie ich „Social Media“, „Social Networks“ und Co. lese. Wie seht ihr es?

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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