Neue Anzeichen: Netflix nun vor Deutschland-Start?

Netflix wird bei vielen deutschen Streaming-Nutzern sehnlichst erwartet. Nun scheint sich ein Deutschland-Start zu konkretisieren. In den USA ist Netflix mitunter populärer als so mancher Fernsehsender. Und auch in Übersee sammelt der Dienst, der unter anderem mit Eigenproduktionen wie „House of Cards“ glänzt, fleißig Nutzer – allerdings nur in ausgewählten Ländern. Darunter in Irland, den Niederlanden, Skandinavien und England. Schon mit dem ersten Schritt gen Europa hatten viele Fans in Deutschland gehofft, Netflix bald auch nutzen zu können. Bislang blieben sie enttäuscht.

Nun aber scheint sich wieder was zu tun. Unter anderem deutet darauf eine neue Kooperation mit Samsung in Europa hin. Demnach sollen ab März alle Samsung-Fernseher in europäischen Ländern inklusive Netflix ausgeliefert werden. Das beweist zwar noch nicht direkt eine Ausweitung des Dienstes nach Deutschland. Schließlich könnten deutsche Nutzer im schlimmsten Fall trotz installierter App auch weiterhin ausgeschlossen werden. Es ist aber immerhin ein erstes Signal – schließlich sind unter anderem in Deutschland, aber auch in anderen großen Ländern wie Frankreich enorme Nutzerzuwachse möglich. Hierzulande insbesondere deswegen, weil hiesige Anbieter bislang nicht so wirklich zündeten – siehe Maxdome, Watchever, Lovefilm oder das jüngst von Sky gestartete Snap.

Für Netflix ist also noch genug übrig vom großen Kuchen im Streaming-Bereich. Das dachte sich der Konzern wohl auch, als er sich erst kürzlich satte 400 Millionen US-Dollar lieh. Das Geld braucht der Dienst, um teure Rechtepakete für Filme und Serien einzukaufen. Schließlich lassen sich nur mit knalligen Angeboten auch möglichst viele Kunden anziehen. Der Grund für die Neuverschuldung, mit der der Schuldenberg von Netflix auch knapp eine Milliarde US-Dollar anwächst: Die Europa-Expansion.

Für Freude ist es dennoch noch zu früh. Eine offizielle Bestätigung von Netflix ist bislang noch nicht da. Zudem verdichten sich zwar die Anzeichen dafür, dass es noch in diesem Jahr zu einer weiteren Expansion kommen wird, aber auch das ist bislang nur Spekulation. Es heißt also nach wie vor: Abwarten. Aber die Hoffnung findet nun neuen Nährboden.

Übrigens: Die deutschen Konkurrenten sprechen sich schon mal Mut zu. Sky-Chef Brian Sullivan stellte für Snap schon mal klar: „Ich kann mir vorstellen, dass sie nach Deutschland kommen und auch ein bedeutender Player werden könnten – aber das wird kein Selbstläufer, und es wird sicherlich keinen Einfluss haben auf die Art und Weise unserer Handelns.“ Und auch der Watchever-Chef Stefan Schulz ist sicher: „Ich glaube nicht, dass auf einmal alles anders wird, nur weil ein neuer Wettbewerber in den Markt kommt. Vor einem Jahr hätte mir das vielleicht noch Sorgen bereitet, heute nicht mehr, inzwischen sind wir stark genug.

MEEDIA stellt dazu die richtige Frage: „Ist es ein Zeichen von Angst, wenn man sich die ganze Zeit versichert, gerade keine Angst zu haben?


Image (adapted) „052:365 – 06/21/2012 – Netflix“ by Shardayyy (CC BY 2.0)


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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