Medienethik: Unsere Gesellschaft braucht Journalismus

Mit einem eigenen Fernsehformat befasst sich ARD Alpha mit drei relevanten Fragestellungen der Digitalisierung. Moderiert von Professor Alexander Filipović, erster Inhaber des neuen Lehrstuhls “Medienethik an der Hochschule für Philosophie in München, werden in den 15-minütigen Episoden die Folgen der Digitalisierung für den Journalismus, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte, sowie Fernsehunterhaltung behandelt.

Anspruch an Journalismus: Öffentlichkeit und Aufklärung

Es fällt auf, dass Professor Dr. Alexander Filipović viel glaubt, wenn es um den Medienwandel geht. “Ich glaube, dass eine Gesellschaft überhaupt nicht darauf verzichten kann, dass es exzellente Journalistinnen und Journalisten gibt”, antwortet er im Gespräch mit Dr. Johannes Grotzky, der sich mit dem Münchner Medienethiker in seiner eigenen Sendung “Alpha Forum unterhielt.

Später, in der ersten Folge seiner Sendung “Medienethik, begründet Filipović diese Annahme mit dem Philosophen Immanuel Kant, der einen Zusammenhang zwischen Öffentlichkeit und Aufklärung beschrieben hat. Die Veröffentlichung von Informationen – traditionell durch den Journalismus – ist für Filipović die Grundlage einer funktionierenden Demokratie, denn nur objektiv informiert, kann sich eine Gesellschaft eine freie Meinung bilden. Den Aspekt, dass Whistleblower nicht mehr direkt mit Medien zusammenarbeiten, erwähnt Filipović allerdings nicht.

Frage nach Medienethik und Medienpädagogik

Filipovićs Vorstellungen sind durchdacht. Beim Thema öffentlicher Kommunikation unter ethischen Gesichtspunkten erweist er sich als reflektierender Denker des Medienwandels. “Meine Absicht dabei ist, vor allem die ethische Reflexionsfähigkeit, die ethische Kompetenz der Medienmacher zu stärken”, erklärt er die Absicht der Sendung. Grotzky ist selber Journalist und hinterfragt, ob Medienethik und Medienpädagogik überhaupt zusammenwirken können und Journalisten sich dieser Verantwortung noch bewusst sind. Filipović bejaht und ergänzt, “dazu zählen nicht nur die Journalisten, sondern auch die Öffentlichkeitsarbeiter, die Menschen in der Werbebranche, in der Filmbranche.” Mit seiner Sendung will er deshalb “auch in Richtung Medienkompetenzbildung aufseiten der Rezipientinnen und Rezipienten arbeiten.”

Fazit: Akteure müssen Verantwortung übernehmen

Doch kann der Journalismus in Zeiten einer Vertrauens- und Wirtschaftskrise, diese ihm zugesprochene Aufgabe noch erfüllen? Er muss es laut Filipović und verantwortlich dafür sind gleich mehrere Akteure unserer Gesellschaft. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, in denen Journalismus finanziert werden kann, während Presseverleger und Rundfunkanstalten optimale Arbeitsbedingungen für guten Journalismus schaffen müssen. Sie würden wahrscheinlich davon auch wirtschaftlich profitieren, denn Medien mit Vertrauen haben zukünftig einen wirtschaftlichen Vorteil, wie Adobe-Manager Mitch Green im Netzpiloten-Interview erklärt.

Damit die Medien das Prinzip der Öffentlichkeit aber nicht übertreiben und praktisch Medienhetze betreiben – Filipović verweist hier auf den Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler – müssen Journalisten sich öfters frage, worüber sie in welcher Art und Weise berichten wollen. In Ansätzen, beispielsweise bei Anzeigen während Berichterstattung über Katastrophen, passiert dies schon mit einem AdBlocker für Tragödien. Medienkonsumenten wiederum sind in der Pflicht, einen Anspruch an guten Journalismus zu formulieren und einzufordern. Ein jüngeres Publikum praktiziert dies bereits mit viraler Politik-Satire, die in sozialen Netzwerken verbreitet wird und dabei journalistisch informiert.

Alexander Filipović hat in schnell vorübergegangen 15 Minuten viele wichtige Punkte des Medienwandels grundlegend angesprochen, die er in der zweiten Folge (am nächsten Montag um 21:45 auf ARD Alpha) mit dem Leiter der Deutschen Journalistenschule (DJS), Jörg Sadrozinski, vertiefen möchte.


Teaser & Image “Medienethik” by ARD Alpha


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