Katrin ViertelJugendliche wollen Musik

Eltern und Web - Medienlotse

Katrin Viertel von Medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es ums Musikhören und -beschaffen.

Wenn es um Filme und Musik aus dem Netz geht, sind mir meine Kinder (14 und 16 Jahre) weit voraus. Sie wissen, was es wo zu streamen, runterzuladen und zu tauschen gibt. Was davon legal oder illegal ist, interessiert sie nicht. Ich gestehe, dass es mich zwar interessiert, dass ich aber schlicht nicht mehr Bescheid weiß. Immerhin frage ich mich noch, ob sich die Kinder strafbar machen. Muss, kann, sollte ich verhindern, dass sie sich ihre Lieblingsstücke aus dem Internet holen?

Antwort:

Nein, verhindern können Sie das nicht und – je nach Quelle – müssen Sie das auch nicht. Tatsächlich sind die Debatten ums Downloaden und Streamen recht komplex und langwierig. Auch die Begriffe „Urheberrecht“ und „geistiges Eigentum“ werden diskutiert, wobei die generelle Gültigkeit des letztgenannten– soweit folgen halbwegs interessierte Eltern oft noch dem aktuellen Geschehen – inzwischen stark angezweifelt wird.

Aber was bedeutet das konkret für den Umgang mit Musik und Filmen zu Hause?

Ich empfehle, dass Sie mit den Kindern immer wieder darüber sprechen, was es für Künstler bedeutet, wenn sie mit ihrer Arbeit, ihren Werken nichts verdienen. Überlegen Sie, welche Geschäftsmodelle möglich wären, damit Künstler von ihrer Arbeit leben können. Bis es andere Lösungen gibt, sollten auch Ihre Kinder die zahlreichen kostenlosen und legalen Angebote nutzen (eine aktuelle Liste von Webseiten, Gebühren und Leistungen findet sich hier). Mittlerweile gibt es so viele Angebote im Netz, dass diese „Beschränkung“ sicher nicht das Ende des Musikhörens und Filmeguckens bedeuten würde. Vielleicht könnten Sie auch gemeinsam ein Konto mit Flatrate einrichten? Das gibt es für weniger als 5 Euro im Monat.

Reden Sie auch darüber, dass viele dieser Beschaffungsdienste Abzocke-Angebote sind, dass Abmahnungen der Nutzung folgen können. Schärfen Sie den Kindern ein, diese Schreiben nicht zu ignorieren und holen Sie sich gegebenenfalls Unterstützung bei Ihrer Verbraucherzentrale. Je nach Alter der Kinder, der Menge der illegal beschafften Inhalte und der Frequenz der Downloads haften die Kinder unter Umständen selbst. Die Eltern als Inhaber des Anschlusses sind sowieso mit dran.

Zum einen sollten Sie also die Konsequenzen der illegalen Nutzung aufzeigen und immer wieder über das Thema reden, auch wenn Sie selbst kein Urheberrechts-Spezialist sind. Vielleicht wird es Jugendliche nicht davon abhalten, weiter zu streamen und runterzuladen. Dennoch verstehe ich es als Aufgabe der Eltern, mindestens ein gewisses Unrechtsbewusstsein herzustellen und an die Selbstverantwortung zu appellieren. Zum anderen: Geben Sie ein gutes Beispiel und nutzen Sie selbst nie CDs, DVDs, Programme und Dateien aus zweifelhaften Quellen.


Über den Autor / die Autorin
, Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin, arbeitete viele Jahre als Journalistin für gedruckte und Online-Medien sowie für das Fernsehen, hauptsächlich zu Medienthemen, bis sie ihre neue Berufung fand. Seitdem berät und informiert sie als Medienlotse.com Eltern, die sich fragen: Was machen unsere Kinder mit digitalen Medien? Und wie sollen wir damit umgehen?
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