Interview mit Klaus Eck: „Das Blog ist meine Kommunikationszentrale“

Heute im Interview mit den Blogpiloten ist der Kommunikationsberater und PR-Blogger Klaus Eck. Er ist ausgewiesener Experte in Sachen PR im Web 2.0 und hat im vergangenen Jahr das Buch „Corporate Blogs. Unternehmen im Online-Dialog zum Kunden“ veröffentlicht. Mit Blogpilot Steffen sprach er u.a. über Reputationsmanagement und darüber, warum Twitter nicht erklärbar ist.  

BP: Herr Eck, im März dieses Jahres werden Sie neun Jahre alt – zumindest als Blogger, denn 1999 haben Sie mit dem Bloggen begonnen. In Ihrem ersten Posting fragen Sie sich und Ihre damals noch nicht vorhandenen Leser, ob Sie nun in ein neues digitales Leben starten oder als Online-Fabulierer enden werden. Wie hat das Bloggen Ihr (berufliches) Leben seither verändert? KE: Damals habe ich anonym ein privates Online-Tagebuch geführt und darüber spekuliert, wohin uns der Online-Life-Style noch führen wird. Dazu muss man wissen, dass ich zu dem Zeitpunkt schon Bücher, Zeitschriften und Online-News-Dienste rund um das Internet entwickelt hatte. Online-Kommunikation ist seit rund 15 Jahren mein Thema. Deshalb hätte ich nicht unbedingt erwartet, dass für mich durch das Bloggen eine größere Änderung eintritt. Doch nach dem Start des PR Bloggers und weit über 1.000 Blog-Artikeln ist eine Menge passiert: Journalisten und Kunden meldeten sich manchmal bereits drei Stunden, nachdem ich etwas gebloggt hatte. Mit der Resonanz habe ich wirklich nicht gerechnet. Am meisten freue ich mich darüber, dass ich via Kommentar-Funktionalität zahlreiche spannende Menschen kennenlernen durfte. Letztlich ist das Blog meine Kommunikationszentrale, über die ich in die Öffentlichkeit trete und ein wenig an meiner Reputation arbeite, indem ich regelmäßig zu Kommunikationsthemen schreibe. BP: Sie sind ein gefragter Kommunikationsberater, insbesondere wenn es um PR und Marketing im Web 2.0 geht. Welche Hürden im Zusammenhang mit Social Media müssen Sie bei neuen Kunden nehmen, bevor Sie ans Eingemachte gehen können? KE: Als allererstes müssen die Mitarbeiter großer Unternehmen ihre Angst vor den eigenen Kunden verlieren, die sie längst online bewerten. Noch immer behagt es vielen Entscheidern nicht, dass sie die Darstellung ihres Unternehmens in der digitalen Öffentlichkeit nicht mehr wirklich kontrollieren können. Deshalb ist die erste Reaktion die Abwehr. Nach dem Motto: Im Web 2.0 sind nur egozentrische Selbstreflektierer unterwegs, die nichts besseres zu tun haben, als Banalitäten ins Netz zu stellen. Hierbei wird oftmals übersehen, dass sich selbst die privaten Äußerungen, die als Text, Bild oder Video online gestellt werden, direkt auf die Markenwahrnehmung und das Image eines Unternehmens auswirken. Momentan wird Hillary Clinton jeden Tag in den Blogs 2.000-mal erwähnt. Kein Wunder also, dass die US-Präsidentschaftskandidaten genügend Zeit für MySpace, Facebook, Youtube und ein eigenes Blog finden. BP: Zu Authentizität, Kommunikation mit offenem Visier und Dialog raten Sie Ihren Kunden und den Lesern Ihres Blogs. Das dürfte bei den meisten klassisch gelernten PR- und Marketingstrategen zu nervösem Zucken der Gesichtsmuskulatur führen. Oder machen Sie da inzwischen andere Erfahrungen? KE: Hierzulande verstehen sich die PR- und Marketing-Profis nicht unbedingt als Content-Produzenten oder Community Manager. Vor einigen Jahren sah kaum jemand von den Kommunikatoren die Relevanz des Web 2.0. Doch das hat sich inzwischen komplett gewandelt. Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass man gut daran tut, sich den neuen Influencern zu stellen und zumindest ein ordentliches Blog-Monitoring aufzusetzen. Erst vor einer Woche bin ich von zwei PR-Verantwortlichen als erstes gefragt worden: Wie können wir bei unserem Projekt die Blogger einbeziehen, wie spricht man diese an? Erst an zweiter Stelle stand die Frage: Was machen wir für die Journalisten? BP: „Digitale Reputation“ gehört aktuell zu Ihren Schwerpunktthemen. Was genau verstehen Sie darunter und warum sollten Unternehmen auch online Wert auf Reputationsmanagement legen? KE: Wie nehmen wir Unternehmen heute als erstes wahr? Durch die ersten 10 Suchtreffer einer Google-Recherche. Wer sich um seinen digitalen Ruf nicht kümmert, darf sich nicht wundern, wenn die Kunden ausbleiben. Wir können es uns gelinde gesagt gar nicht leisten, online ein schlechtes Erscheinungsbild zu hinterlassen. Wer im Web von Dritten an den Pranger gestellt wird oder sich selbst durch Saufbilder unmöglich macht, ruiniert nicht nur seine Karrierechancen, sondern wirft auch Fragen für das Unternehmen auf, das diese Mitarbeiter beschäftigt. Ein gutes Online Reputation Management basiert zunächst auf eine Analyse des Status quo: Wie wirke ich auf andere, die nach mir oder meinem Unternehmen im Web suchen? Stimmt das mit dem Bild überein, dass ein Unternehmen oder eine Person von sich hat? Falls nicht, müssen geeignete Online- wie Offline-Maßnahmen entwickelt werden, um das Image zu stärken. BP: Hier könnte man einwenden, dass der notwendige Ressourceneinsatz nicht in Relation zum Ertrag steht. Stimmts? KE: Natürlich sind für das Online Reputation Management einige zeitliche und finanzielle Ressourcen notwendig. Doch als erstes sollte man sich fragen, inwiefern sich das Online-Image auf den eigenen Geschäftserfolg negativ auswirkt. Wenn die Online-Meinungen und -bewertungen negativ sind, verliert ein Unternehmen manchmal zweistellige Millionenbeträge oder könnte in den Ruin getrieben werden. Persönliche Meinungen, die sich in Blogs und Communities finden, wirken sich auf die konkreten Kaufentscheidungen stärker aus als sachliche Informationen. Wir kennen das alle: Wenn Ihnen ein Freund von seinem neuen Handy vorschwärmt, vertrauen Sie ihm vielleicht blind und sparen dadurch enorm viel Zeit. BP: Sie bloggen, twittern, xingen, facebooken, flickrn, taggen, bookmarken… Wie bleibt da noch Zeit zum Arbeiten? KE: Letztlich hängt alles vom Kontext ab, in dem man sich bewegt. Als Kommunikationsberater bookmarke, tagge und gewichte ich Medien- und Blog-Artikel, die ich für meine alltägliche Arbeit benötige. Aufgrund der großen Informationsmengen, die jeden Tag allein zum Thema Online-Kommunikation publiziert werden, erleichtern mir derlei Web 2.0-Instrumente den schnellen Zugang zu wichtigen Wissensgebieten. Manche gebookmarkten Infoschnipsel nutze ich in meinen Vorträgen, andere in Blogeinträgen, Fachartikeln, Büchern und in Beratungsgesprächen. Von Zeitverschwendung kann hierbei nicht die Rede sein, sondern eher von einer neuen Art des persönlichen Information Managements. Via Xing und Facebook pflege ich die Kontakte zu meinen Lesern, Kunden und natürlich auch Freunden. Hierbei sind die Fotos auf Xing sicherlich dessen Killerapplikation. Auf diese Weise kann ich Namen und Gesichter wesentlich leichter zuordnen und somit viel mehr Kontakte pflegen als noch in den Vor-Web-Zeiten. Facebook ermöglicht mir darüber hinaus die Syndizierung meiner ganzen Online-Aktivitäten. Schließlich kann jeder Facebook-Freund in meinem Profil nachvollziehen, was ich twittere, blogge, bookmarke, welche Bücher ich empfehle und wohin ich reise. In gewisser Weise trage ich damit der radikalen Transparenz, in der wir uns alle bewegen, Rechnung und nutze es für meine Selbstdarstellung. BP: Als ausgewiesener Social Media Experte sollte Ihnen die abschließende kleine Aufgabe keine Probleme bereiten: Erklären Sie in drei Sätzen Sinn und Zweck von Twitter für die Unternehmenskommunikation! KE: Das Twittern kann man nicht wirklich verstehen, wenn man es nicht selbst längere Zeit ausprobiert hat, das haben nicht zuletzt schon einige Twitter-Konvertiten wie der Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer erfahren. Wer nur 140 Zeichen pro Text zur Verfügung hat, kann daran verzweifeln, seine Leser langweilen, sie mit Linktipps verwöhnen oder unterhaltsame Haikus verfassen, die neugierig auf mehr machen. Wer twittert, verschafft seinen Lesern die Chance, eine überraschend intime Nähe zu entwickeln, vielleicht ohne jemals die Person hinter der Twitter-Fassade kennengelernt zu haben. Als Kommunikator kann ich via Twitter mein Unternehmen authentisch repräsentieren, auf Events und eigene Artikel verweisen und meine Kontakte zu ausgewählten Influencern pflegen und sehr schnell Information mit Kollegen austauschen. So erfahre ich über dieses Kommunikationsinstrument, welche Online-Trends und Produkte gerade hipp sind. BP: Okay, keine drei Sätze aber eine gute Erklärung. ;-) Herr Eck, danke für das Interview.

Schlagwörter: , , , ,
Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

More Posts - Website