Facebook besteht auf die Klarnamen seiner Nutzer (Bild:: bykst [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Datenschutz: Facebook besteht auf Klarnamenzwang

Facebook fordert Ausweisdokumente der Nutzer zur Identifizierung – der Klarname ist dem Unternehmen wichtiger als Datenschutz. // von Alexandra von Heyl

Facebook besteht auf die Klarnamen seiner Nutzer (Bild:: bykst [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Facebook geht immer härter gegen Nutzer des sozialen Netzwerks vor, die sich nicht mit ihrem Klarnamen anmelden. In diesem Fall deaktiviert Facebook das Profil des Nutzers, bis dieser sich mit einem offiziellen Ausweisdokument identifiziert. Jüngstes Opfer dieser kritiserten Praxis ist Netzpiloten-Leser Hendrik, der uns seinen Fall geschildert hat.

Hendrik ist seit neun Jahren Nutzer von Facebook. Es begann während eines Auslandssemesters, als er sich bei dem weltweit größten sozialen Netzwerk anmeldete. Nicht mit seinen echten Klaramen, er veränderte seinen Nachnamen minimal, indem er einfach ein alle Vokale wegließ. Dies hat er bis heute beibehalten, um Berufliches und Privates zu trennen und nicht für jeden auf Facebook auffindbar zu sein.

Hendrik ist kein besonders aktiver Nutzer von Facebook. Im Schnitt schreibt er einen Beitrag pro Woche – in der Karnevalszeit können es auch mal ein paar mehr sein –, meistens Fotos und Links zu Beiträgen, die ihn gerade beschäftigen. Trotzdem ist ihm Privatsphäre wichtig, mit seinem verfremdeten Namen spielt er immer noch ab und zu rum, streicht weitere Buchstaben und sichert sich so immer etwas mehr Anonymität.

Seine Nutzer nicht genau zu kennen ist etwas, dass Facebook sich sprichwörtlich nicht leisten kann. Sie schrieben Hendrik nach seiner letzten Namensänderung eine Mail:

Hallo, Dein Konto wurde vorübergehend gesperrt, weil es den Anschein hat, dass es nicht deinen echten Namen zeigt. Um wieder Zugriff auf dein Konto zu erhalten, melde dich bei Facebook an und befolge die angezeigten Anweisungen zur Aktualisierung deines echten Namens. Alle Personen auf Facebook müssen ihre echten Namen nutzen, damit immer klar ist, mit wem du dich verbindest. Solltest du Probleme haben, dein Konto mit deinem echten Namen zu aktualisieren, antworte bitte auf diese E-Mail und erläutere dein Problem. […]

Sozialer Zwang einer Facebook-Mitgliedschaft

Dass Facebook ein Ausweisdokument von ihm haben wollte, störte Hendrik. Er reagierte erst einmal nicht und unternahm nichts gegen die Sperrung. Nach drei Tagen ohne Zugang zu Facebook gab er nach. Hendrik schickte mit einem Fomular die Kopie seines Personalausweises und aktivierte sein Profilmit seinem Klarnamen neu. Aus dem sozialen Netzwerk ausgesperrt zu sein war kaum zu ertragen. 

Ich will mitbekommen, was meine Freunde machen„, sagt Hendrik im Gespräch mit uns. Er habe sich gegenüber Facebook machtlos gefühlt, denn „die brauchen mich nicht„, aber er brauche es – vor allem den Messenger zur Kommunikation mit seinen Freunden. Auch funktionierten auf einmal mit Facebook verbundene Apps nicht mehr, wie Spotify, Radio.de und HaxSync, eine Android-App für Facebook-Nutzer zur Synchronisation von Kontakten und Events.

Steht Facebook über dem deutschen Gesetz?

Facebook besteht bei all seinen Nutzern auf den Klarnamenzwang, doch Hendrik ist der erste in seinem Freundeskreis, der dies zu spüren bekam. Viele seiner Freunde sind weiterhin mit einem Pseudonym angemeldet. Anonymität im Internet ist ein Grundrecht im deutschen Datenschutz, den zum Beispiel des Landesdatenschützer von Niedersachsen für “selbstverständlich” hält. Es stellt sich deshalb die berechtigte Frage, ob der Klarnamen-Zwang von Facebook überhaupt zulässig ist?

Die Nutzungsbedingungen von Facebook, denen jeder Nutzer mit Anmeldung auf der Seite zustimmt, sagen dazu folgendes: „Du wirst keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen“. Eine Beschwerde des Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein wurde vom Oberverwaltungsgericht Schleswig abgelehnt. Laut dem Verwaltungsrichter sei der deutsche Datenschutz für Facebook nicht bindend, da die Datenverarbeitung in Irland erfolge. Das Oberverwaltungsreicht folgte der Annahme, dass irisches Recht gültig sei.

Rechtliche Grauzone der Identifikation

Ob Facebook allerdings eine Ausweiskopie verlangen darf, ist datenschutzrechtlich nicht eindeutig festgelegt und sehr kompliziert. Inhaber eines neuen elektronische Personalausweis dürfen diesen nicht kopieren und an Facebook schicken, denn dieser enthält eine Berechtigungsnummer, welche nur dem Ausweisinhaber bekannt sein darf. Nur in bestimmten Fällen darf der neue elektronische Personalausweiskopiert werden, aber auch nur von öffentlichen Stellen, von Telekommunikationsdiensten zur Identifikation und wenn Gesetze eine Ausnahme vorsehen.

Man kann bei Facebook zur Bestätigung seines Namens auch andere Ausweisdokumente, wie die Geburtsurkunde einreichen. In diesem Fall, wie auch bei älteren Personalausweisen, ist die Gesetzeslage nicht eindeutig. Das Kammergericht Berlin urteilte in einem Verfahren der Verbraucherzentale Bundesverband (vzbv), dass sich Facebook auch an deutsche Gesetze halten muss, solange die Rechtslage zur Kopieerstellung bei den alten Ausweisen aber nicht eindeutig ist, stehen die Chancen schlecht, gegen Facebook etwas zu erreichen.

Vorerst kann Facebook also an dieser Praktik festhalten, zum Bedauern von Nutzern wie Hendrik, auch Ausweisdokumente zur Identifikation zu verlangen. In der Mail zur Sperrung des Kontos verspricht Facebook zwar, dass die Daten nach Bestätigung der Identität wieder gelöscht werden, überprüfen können das Nutzer oder sonst eine Instanz aber nicht.

Klarnamenzwang bleibt auf Facebook gültig

Bereits vor einiger Zeit musste sich Facebook-Manager Chris Cox bei Dragqueens und Mitgliedern der LGBT-Community entschuldigen, deren Nutzerprofile das soziale Netzwerk nach einer anonymen Meldung als Fake-Accounts löschen wollte. Letzendlich durften die Betroffenen ihre Künstlernamen behalten, eine Lockerung der Regeln zieht Facebook aber nicht in Erwägung. Denn nur mit Klarnamen hat Facebook ein wirtschaftlich relevantes Nutzerprofil von uns, welches für Werbekunden deutlich wertvoller ist als ein Profil mit falschen Namen. Wir sind Gold wert für Facebook, aber nur wenn das soziale Netzwerk alles über uns weiß.


Teaser & Image by bykst (CC0 Public Domain)


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Alexandra von Heyl

Alexandra von Heyl

ist Studentin des Medien- und Kommunikationsmanagement, nachdem sie bereits in mehreren Praktika in die Medien- und Photographiewelt eingetaucht ist. Derzeit ist sie Praktikantin in der Redaktion der Netzpiloten. Nachdem sie jahrelang schon in der Bloggerszene unterwegs ist, versucht sie nun Fuß als aktiver Blogger zu fassen.

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