Christopher Keith von startgeist

„Durch startgeist entsteht eine neue Gründerkultur“

Die soziale Plattform startgeist ist für Startups da und will eine neue Gründerkultur fördern, wie Christopher Kerth im Interview erklärt.

Christopher Kerth von startgeist

Aus einer Idee ein Startup machen ist kein leichter Weg. Christopher Kerth hat das Startup startgeist ins Leben gerufen, um Entrepreneure bei genau diesem Prozess zu unterstützen. Was sich hinter startgeist verbirgt, was sich Christopher davon erhofft und wie es seiner Meinung nach allgemein um die deutsche Startup-Kultur steht, das hat er mir im Interview verraten.

Julian Heck: Christopher, was ist startgeist?

Christopher Kerth: startgeist ist eine Community für Entrepreneure und Startups. Entrepreneure und Startups zeigen ihre Geschäftsideen auf startgeist und tauschen sich darüber aus. Durch die qualitativ hochwertige Diskussion werden die Geschäftsideen weiterentwickelt. Somit wird das Risiko zu scheitern, welches im Startup-Bereich grundsätzlich relativ hoch ist, verringert. Die Chancen steigen, ein erfolgreiches Startup zu werden. Durch startgeist entsteht eine neue Gründerkultur, auch in Deutschland, die durch den Austausch über Geschäftsideen geprägt und gefördert wird.

Warum braucht es diese neue Gründerkultur in Deutschland?

Wir haben in Deutschland sehr großes Potenzial, großartige Gründungen hervorzubringen. Die Anzahl der Gründer steigt und damit die Erfolgsgeschichten. Allerdings reden wir auch immer darüber, wann das „nächste Google“ kommt. Wir staunen dabei über die schwindelerregenden Bewertungen der Startups in den USA und hetzen teilweise gegen deren berechtigten Erfolg.

Wir sollten lieber unser Potenzial entfalten. Dieses Potenzial können die Gründer nur entfalten, wenn sie frühzeitig qualifiziertes Feedback – eben nicht von Familie und Freunden – zu ihren Ideen bekommen. Dieses Feedback von anderen motivierten Gründern hilft ihnen dabei, ihre Ideen zu verifizieren. Doch der deutsche Gründertyp hat zu viel Angst, dass andere seine Idee klauen. Günter Faltin schreibt tolle Bücher für die Gründer, aber so richtig ist der Kulturwandel noch nicht gekommen. In dieser Hinsicht können wir sehr viel von der erfolgreichen Gründerkultur der USA lernen: Rede über deine Idee, um erfolgreich zu sein.

Wie genau funktioniert startgeist? Nehmen wir an, ich habe eine Gründungsidee. Und dann?

Einfach mit Twitter einloggen. Ein Klick, wenn Du bereits bei Twitter eingeloggt bist. Da wir die Community auf motivierte Entrepreneure begrenzen, um Spam zu verhindern und Mehrwert für die Entrepreneure zu generieren, fragen wir eine kurze Motivation ab. Wir schauen uns die Motivation an und geben sehr zeitnah ein Feedback und schalten den Entrepreneur frei. Neu einloggen und einfach auf „Add idea“ klicken und diese Felder ausfüllen: Name der Idee, Sektor (Liste), Elevator-Line – eine sehr prägnante Kurzbeschreibung in Anlehnung an einen Elevator-Pitch (max. 140 Zeichen), Land, Stadt und optional einen Link zu einer Webseite.

Was passiert dann mit meiner Idee?

Die Idee wird in der Community gelistet und ist grundsätzlich für jeden zu sehen, der sich einloggt hat. Nur verifizierte Entrepreneure können indes Kontakt zu dem Entrepreneur aufnehmen, der die Idee angelegt hat, die Ideen kommentieren und Kommentare zu Ideen lesen. Die Idee kann also im Anschluss von verifizierten Entrepreneuren kommentiert werden. Ferner können Mentoren der Community Kontakt zu dem Entrepreneur aufnehmen.

Wie garantiert startgeist, dass nur qualifizierte Entrepreneure in der Community mitmischen?

Jeder, der ein Startup aktiv verfolgt, ist motiviert. Menschen, von denen wir verstehen, dass sie sich für Entrepreneurship interessierten (Content auf Twitter posten), sind auch motiviert. Falls wir von Twitter oder anderen Kanälen (Linkedin, Xing) nicht verstehen, warum sich die Person für Entrepreneurship interessiert, gehen wir per Email auf sie zu. In der Regel sind die Motivationen so geschrieben, dass wir die Person nach einem Blick auf das Twitter-Profil freischalten. Wir haben bisher nur Personen nicht freigeschaltet, die z.B. „Hallo“ als Motivation geschrieben haben, ein nichtssagendes Twitter-Profil hatten und keine Email hinterlassen haben.

Was hat startgeist eigentlich davon? Was ist euer Geschäftsmodell?

Aktuell sind wir kostenfrei für alle Nutzer. Unser erstes Ziel ist es, eine große und qualitativ hochwertige Community aufzubauen. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir das Feedback von einer ausreichenden Grundgesamtheit berücksichtigen. Deshalb setzen wir keine kostenpflichtige Eingangshürde. Mittel- bis langfristig wollen bzw. müssen wir als startgeist auch finanziell davon profitieren. Unser „Atem“ ist begrenzt, da wir rein eigenfinanziert sind.

Was das Geschäftsmodell betrifft, so befinden wir uns also in einer Such- und Experimentierphase. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Community Wert generieren – wir haben bereits positives Feedback von Entrepreneuren eingesammelt. Mögliche Optionen der Monetarisierung sind abhängig von unserem weiteren Weg. Angedacht sind: kostenpflichtiges Mentoring, eine Gebühr von Investoren für den Zugang zur Community und weitere Investorendienste, die in Planung sind. Von jeglicher Werbefinanzierung sehen wir ab, da diese keinen Mehrwert für die Entrepreneure und Startups bietet.

Ist euer Vorgehen – erstmal machen und dann nach einem Geschäftsmodell suchen – typisch für Entrepreneure?

Das würde ich nicht sagen. Grundsätzlich würde ich jedem Entrepreneur empfehlen, so früh wie möglich nach einem Geschäftsmodell zu suchen bzw. das Geschäftsmodell im Entrepreneurial Design zu integrieren.

Warum geht ihr mit startgeist einen anderen Weg, als ihr ihn anderen Entrepreneuren empfehlt?

Ein Netzwerk ist nicht einfach zu monetarisieren. Facebook hat über 2 Milliarden US-Dollar Venture Capital vor dem Börsengang eingesammelt. Das ist unvorstellbar. Wir wollen uns nicht mit Facebook vergleichen, außer in der Hinsicht, dass es etwas Mut bedarf, ein Netzwerk aufzubauen. Wir gehen Risiken bewusst ein, aber wissen auch, dass wir nur bis zu einem gewissen Punkt gehen können. Das zeichnet Entrepreneure aus. Wir glauben an den Erfolg von startgeist und der treibt uns an. Wir befinden uns in einem wettbewerbsintensiven Markt. Die Probleme, die wir lösen, kann man auf viele andere Arten lösen, z.B. Startup Weekend, Inkubator, Gründerstammtische etc., aber keine dieser Initiativen hat einen überregionalen Fokus und zugleich 24-7 geöffnet.

Blicken wir abschließend nochmal in die Zukunft: Wo möchtet ihr mit startgeist in 12 Monaten, wo in drei Jahren stehen?

Ich wüsste nicht, dass ein Startup so lange Planungszyklen hat. Wir sind ja kein Konzern ;-) Die Unsicherheit in einem Startup ist teilweise so groß, dass man nicht genau weiß, was nächste Woche passieren wird. Aber klar haben wir Ziele: startgeist soll international die Community werden, um neue Ideen zu entwickeln und zu entdecken. Startups sollen gegründet werden, weil es startgeist gibt. Jeder bekannte Venture Capitalist, Business Angel und Inkubator loggt sich mindestens ein Mal in der Woche auf startgeist ein. Das wäre toll.


Teaser & Image by startgeist


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Julian Heck

Julian Heck

ist freier Journalist, Dozent und Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt. Er schreibt über die Themen Medien, Technik und digitale Wirtschaft. Zu seinen Auftraggebern gehören unter anderem etailment.de, LEAD digital, Mobilbranche, das Medium Magazin, MobileGeeks.de und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Vom Medium Magazin wurde der Südhesse 2013 unter die "Top 30 bis 30" Nachwuchsjournalisten gewählt. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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