Mobile Payment (Bild: Richard Tanzer Fotografie/VeroPay [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Common)

C2C: Nächste Hürde in Mobile Payment ist eine Vertrauensfrage

Mobile Payment wird sozialer, doch noch fehlt es an Vertrauen der Verbraucher in die neuen C2C-Anbieter. // von Lou Shipley

Mobile Payment (Bild: Richard Tanzer Fotografie/VeroPay [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Common)

Mobile Bezahlung wird 2015 eines der heißesten Geschäftsmodelle, denn die Verbraucher ersetzen ab jetzt Bargeld und Kreditkarten durch ihre Smartphones. Dennoch gilt: wie rasch mobile Bezahlung wächst, ist abhängig von dem Vertrauen der Verbraucher, der Sicherheit und der Benutzerfreundlichkeit.

Während Bezahlmodelle des Consumer-To-Business-Bereichs (C2B) mit Firmen wie Apple Pay und Pay Pal rasch angestiegen ist, stellt die nächste Hürde ein Modell namens Consumer-To-Comsumer (C2C) dar. Glaubwüdige Statistiken über C2C-Transaktionen sind schwer zu bekommen, jedoch wird sich laut Gartner Research der weltweite Markt des mobilen Bezahlens bis zum Jahr 2017 auf 450 Millionen Nutzer erhöht haben (über 18 Prozent Wachstum jährlich) und 721 Mrd. US-Dollar wert sein (35 Prozent Wachstum jährlich).

Währenddessen sagt eine Studie von Forrester Research voraus, die „Annahme der mobilen Bezahlung wird durch eine Zunahme der Rechnungsbegleichungen angetrieben„. Forrester fügte hinzu, dass von den In-Store-Bezahlung ein rasches Wachstum erwartet wird.

Wie vorherzusehen war, wird dieses Wachstum meist von jüngeren Verbrauchern angetrieben. Eine Untersuchtung von Ernst & Young ermittelte, dass die Generation Y dem Konzept des mobilen Bezahlens gegenüber viel aufgeschlossener ist als die älteren Zeitgenossen. In dem kürzlich erschienenen Gutachten mit 6.000 Verbrauchern aus 12 Ländern wird aufgezeigt, dass 11 Prozent der 25 bis 30-jährigen regelmäßig einen Geldtransfer per Smartphone nutzen, während nur 4 Prozent der 46 bis 65-jährigen dieses Angebot nutzen.

Die mobile Bezahlung wird die Barzahlungstransaktionen wahrscheinlich nicht vollständig ersetzen, aber das Potenzial, um dies in größerem Maße voranzutreiben, ist vorhanden und zwar ganz besonders in der Generation Y.

Wieso das wichtig ist? Solch eine grundlegende Veränderung kann hier aufregende neue technische Möglichkeiten bedeuten, sowohl auf der Makroebene (hier: wie Verbraucher von etablierten Marken kaufen) als auch auf der Mikroebene (hier: wie Geld von einer Person zur anderen gelangt).

Auch wird die Software im Zentrum dieser Entwicklung stehen, ganz besonders die Open Source-Angebote. Dazu gleich mehr, doch werfen wir zuerst einen Blick auf den Generationswechsel, der diese Veränderungen veranlasst hat.


Die Deutsche Welle wirft einen Blick auf Mobile Payment in Afrika:


Die Generation Y führt uns auf den Weg

Wieso gerade diese Generation? Weil dies die Generation ist, die sich am ehesten in sozialen Gruppen zusammenfindet, sich Rechnungen teilt oder eine Wohnung zusammen mieten würde. Sie ist außerdem die Generation, die schon jetzt das Portemonaie zuhause lässt und viel eher das Smartphone mitnimmt. Wenn innerhalb der Generation Y Geldschulden entstehen, egal ob es nur 20 US-Dollar von einem gemeinsamen Essen oder 100 US-Dollar von einer Betriebskostenabrechnung sind, ist es nicht unüblich, dass man sich auf einer Platfirm wie Venmo trifft und es dort begleicht.

Die C2C-Bezahlung wird durch den sozialen Aspekt für diese Generation sogar noch verlockender. Nicht nur, dass hier die sozialen Netzwerke durch Bezahlung ausgehebelt werden (man denke nur an Facebook), bei Plattformen wie Venmo werden sogar Ankündigungen veröffentlicht, wann immer eine Transaktion geschieht – das wirkt dann oft wie ein wirtschaftliches Selfie oder eine Art Bonitätserklärung. Die Generation Y nutzt die Technik anders als die vorherigen Generationen, und für diese zählt eine öffentliche Bestätigung als wichtige Anerkennung. Schauen Sie sich nur an, wie sehr die Generation Y auf Facebook-Likes versessen ist.

Aufgrund dessen versuchen die traditionellen Akteure im Finanzsektor so rasch wie möglich, die Marktlücke des C2C-Geschäftsmodells zu schließen und Lösungen zu entwickeln, die auf die Generation Y zugeschnitten sind. Diese Aufteilung führt jedoch am ehesten zu Massenpanikreaktionen und erhöht den Druck auf Firmen wie Venmo, neue Konzepte zu erfinden und der Konkurrenz immer um eine Nasenlänge voraus zu sein.

Außerdem ist dieser Bereich ein fruchtbarer Boden für neue Vorschriften von Behörden auf der ganzen Welt – auch wenn hier alles noch in den Kinderschuhen steckt – denn diese sind nun darauf aufmerksam geworden. Mobiles Bezahlen soll die Geschwindigkeit der Transaktionen beschleunigen, wenn man bedenkt, wie nah sich Verbraucher und sein Telefon mittlerweile sind.

Über das Soziale hinaus

Um die C2C-Lösungen weitergehend zu verbreiten, müssen die Firmen allerdings über die sozialen Netzwerke hinaus blicken, um Bezahlmodelle zu entwickeln. Erfolgreiche C2C-Lösungen sollten diesbezüglich auch dabei helfen, Kapital in anderen Arten umzuschichten, wie beispielsweise Ersparnisse und/oder konkurrierende digitale Geldbörsen. Diese Art von Flexibilität braucht allerdings auch eine neue Vertrauensebene auf der Suche nach der besten Bezahlmethode. Die Firmen müssen glaubwürdig beweisen, dass sie sichere Bezahlwege für Transaktionen anbieten können.

Ein wichtiger Schlüssel, um Vertrauen aufzubauen, ist Open Software (OSS). Wieso das? Ganz einfach, es geht um Qualität und Transparenz.

Große Firmen wissen bereits, dass mit OSS-Applikationen und -Netzwerke eine bessere Sicherheit als mit veralteter oder geschlossener Software einhergeht. Ein Gutachten aus jüngsten Zeit besagt, dass 75 Prozent der Firmen Linux als sicherer bewerten als andere Plattformen. Eine Studie von über 1.200 Open-Source-Softwareprojekten, sowie geschützter Software (Coverity), hat herausgefunden, dass es bei OSS 18 Prozent weniger Fehlermeldungen gab (das war oft auch der Grund für viele Anfälligkeiten). Und wenn die Sicherheit im OSS-Code fehleranfällig ist, werden diese 1,3-mal schneller registriert als bei internen Firmenprojekten, und sogar 2,3-mal schneller als bei kommerziellen oder geschützen Programmen.

Auf Seiten der Transparenz wissen findige Einzel- und Firmennutzer genau wie die Entwickler, dass sie, ihre Freunde und Kollegen, immer die Möglichkeit haben, die OSS selbst zu überprüfen.

Benutzerkomfort ist wichtig

Nun gut, es werden wohl kaum alle Verbraucher nun Venmo oder andere C2C-Plattformen für größere Geldtransfers nutzen, aber dennoch zwingen sie andere Bezahlmethoden dazu, ihre Benutzerkomfort zu verbessern.

Genau wie Amazon die „Konsumerisierung der IT“ eingeführt hat und damit bestehende IT-Unternehmen gezwungen hat, die Nutzerfreundlichkeit ihrer Produkte zu verbessern, werden einfache C2C-Bezahlmodelle wie Venmo dem Rest des Marktes zeigen, dass Benutzerkomfort und ein einfacher Zugang durchaus wichtig sind.

Venmo ist einfach zu bedienen – tatsächlich befindet sich die Transaktionsquote von Venmo in etwa auf dem Level der Bezahlquote der Starbucks-App, auch wenn die Kaffeekette aus Seattle viel mehr Geld investiert hat, um ihre eigene Software zu bewerben.

Schlussendlich gilt, dass der Markt für C2C nur durch das Vertrauen der Nutzer limitiert ist, ein Vertrauen, das durch die Plattformen, den Service und den Code verwirklicht wird.


Auf den Medientagen 2014 in München wurde Mobile Payment auf einem Panel diskutiert:


Zuerst erschienen auf theconversation.com und steht unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image by Richard Tanzer Fotografie/VeroPay (CC BY-SA 3.0)


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Lou Shipley

Lou Shipley

ist seit mehr als 25 Jahren als Software-Unternehmer tätig. Er hat bei fünf Software-Startups aus Massachusetts gearbeitet: Avid, WebLine (Cisco), FairMarket (Ebay), Reflectent (Citrix) and VMTurbo. Zur Zeit ist er CEO von Black Duck Software und unterrichtet an der MIT Sloan School of Management.

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