Withings Move im Test: Bunte Sportuhr mit Wunsch-Design für Sparfüchse

Vernünftige Fitnesstracker werden immer erschwinglicher und sehen dabei zunehmend wie analoge Uhren statt wie Computer aus. Für Sparfüchse, die im Wesentlichen eine unauffällige Uhr für gelegentliche Fitnessaktivitäten suchen, hat Withings dieses Jahr die Modellreihe Move zu einem Preis ab rund 70 Euro auf den Markt gebracht. Im Look klassischer Zeitanzeiger designt, steckt im kompakten 38-Millimeter-Gehäuse dennoch jede Menge Digitaltechnik für Schritt-, Sport- und Schlaftracking. Aus der Masse der Fitnesstracker hebt sich die Produktserie aber vor allem durch bunte Farbkombinationen ab, die sich Käufer online sogar selbst zusammenstellen können. Ergibt das eine runde Sache? Um dies zu beantworten, hatte ich eine selbst-designte Standard-Version der Sportuhr Withings Move im Test.

Design: Lieblingslook statt Stangenware

Wer mit seinem Fitnesstracker ein Mode-Statement setzen möchte, ist bei der Sportuhr Withings Move an der richtigen Adresse. Kein vergleichbares Produkt lässt sich derzeit so individuell den eigenen Vorlieben anpassen, wie dieses Modell. Schon ab Werk ist es in fünf quietschbunten Farbkombinationen mit Kunststoffarmband zum Preis von 70 Euro erhältlich (Provisionslink).

Für 10 Euro Aufpreis sind in einem Online-Konfiguration des Withings-Stores noch mal etliche weitere Kombinationen möglich. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Farben für Ziffernblatt, Tracking-Zeiger, Gehäuse und Armband. Dabei lassen sich Komponenten auch in Tönen einfärben, die bei der „Stangenware“ nicht verfügbar ist. Wer wenig Zeit oder Lust darauf hat, die Komponentenfarben eigenhändig zu kombinieren, greift auf einen Zufallsgenerator zurück.

Die individuell vom Kunden gestalteten Modelle montiert Withings in einer eigenen Manufaktur am Hauptsitz im französischen Issy-les-Moulineaux. Von dort sollen sie nach maximal drei Tagen verschickt werden. Für meinen Test habe ich den Bestellprozess durchlaufen. Dieser verlief allerdings nicht ganz glatt.

Das Designen macht zwar Spaß und ist sowohl am Desktop als auch in der kleineren Ansicht am Tablet gut gelöst. Doch nach dem Aufgeben der Bestellung erhielt ich vom Support widersprüchliche Rückmeldungen darüber, dass bestimmte Komponentenfarben vermeintlich nicht so lieferbar seien wie angegeben. Die Aufklärung dessen hat den Bestellprozess um einige Tage verzögert.

Tatsächlich ist inzwischen beispielsweise die Verfügbarkeit eines gelben Armbands und eines bestimmten Blautons für das Ziffernblatt aus der Auswahl verschwunden. Offenbar durchliefen die Abläufe in der Withings-Manufaktor Anfangsschwierigkeiten, die inzwischen hoffentlich behoben sind.

Fun-Look statt Lifestyle-Eleganz

Das fertige Produkt gefällt nun durch einen individuellen Look, der somit garantiert bei keinem zweiten Fitnesstracker zu finden ist. Zu einem Preis von 80 Euro sind in Sachen Haptik und Optik aber keine Wunder zu erwarten. Die Komponenten der Withings Move im Test sind zwar hochsolide verarbeitet und weisen auch nach zweimonatiger Tragedauer keine ungewöhnlichen Abnutzungsspuren auf. Dennoch wirken das Gehäuse und Armband eher wie ein Spielzeug denn wie ein hochwertiges Lifestyle-Produkt.

Mehr „Timeless Chic“ gegen Aufpreis

Wer es im Vergleich dazu etwas eleganter mag und dafür auch mehr ausgeben möchte, kann zu drei neuen Farbvarianten der Withings Move mit Lederarmband und Edelstahlgehäuse für 100 und 150 Euro (Provisionslink) greifen. Die Erschwinglichkeit ist dadurch natürlich etwas relativiert. Außerdem wechseln diese „Timeless Chic“ genannten Editionen den Besitzer so wie sie sind. Eine Möglichkeit, sie online individuell zu konfektionieren, bietet Withings nicht.

Withings Move Timeless Chic drei Farbvarianten
Kürzlich hat Withings drei weitere, deutlich elegantere Farbvarianten unter der Bezeichnung „Timeless Chic“ herausgebracht. Image by Withings.

Die Withings Move im Test als Fitnesstracker

Natürlich soll die Withings Move im Test nicht nur nach etwas aussehen, sondern mich auch beim Fitnesstracking unterstützen. Für diese Preisklasse ist die Withings Move in dieser Hinsicht sehr gut ausgestattet. Denn von den üblichen Funktionen fällt nur ein Pulsmesser der Preisschere zum Opfer.

Auf der Uhr selbst kann ich nur ablesen, wie viele Schritte ich am Tage zurücklege. Anders als etwa der Fitnesstracker Withings Pulse HR verfügt die Move-Uhr über kein digitales Display. Daher veranschaulicht mir ein dritter Zeiger in einem kleineren Ziffernblatt den prozentualen Anteil meines bisher erreichten Leistungsziels, das ich mir in der App gesteckt habe. Besonders an faulen Tagen frustriert die im Vergleich zu anderen Trackern sehr defensive Zählweise. Die vielen kleinen, im Alltag zurückgelegten Schritte entgehen dem Beschleunigungssensor offenbar. Ich muss schon sehr aktiv sein, idealerweise sogar „richtigen“ Sport betreiben, um auf meine Schritte zu kommen.

Apropos Sport. Ob ich schnell gehe oder jogge, erkennt die Withings Move im Test automatisch – und zwar für eine so günstige Sportuhr bemerkenswert zuverlässig. Nur beim Radfahren muss ich öfters manuell nachhelfen. Möchte ich sichergehen, dass der Fitnesstracker auch wirklich keinen Sport verpasst, aktivere und stoppe ich die Aufzeichnung mit einem Knopfdruck am Gehäuse. Die zurückgelegte Strecke und den geschätzten Kalorienverbrauch kann ich beim nächsten Blick in die App einsehen. Dort lege ich auch die Sportart fest, wenn die Withings Move im Test sie nicht selbst identifizieren konnte. Sogar die Entfernung beim Schwimmen kann die Uhr festhalten. Dazu ist sie bis auf 50 Meter wasserfest.

Ferner kann ich mit der Withings Move im Test auch meine Schlafqualität messen. Dabei registriert sie Tief- und Leichtschlafphasen sowie Schlafunterbrechungen und errechnet daraus einen Score für die Schlafqualität. Soweit ich das beurteilen kann, tut sie das recht zuverlässig. Score und subjektive Erholung passen meiner Erfahrung nach gut zusammen.

Hilfreiche Datenauswertung in der App

Über das Tracking hinaus verfügt die Withings Move im Test über keine smarten Funktionen. Anders als bei einer Smartwatch müssen Nutzer beispielsweise auf Benachrichtigungen ebenso wie auf eine Musiksteuerung verzichten. Das ist prima für alle, die nicht durch ständige Push-Nachrichten gestört werden und nicht täglich die Uhr aufladen wollen. Denn bis zu 18 Monate lang soll die Withings Move zwischen zwei Batteriewechseln aushalten. Leider ist der Restladestand weder auf der Uhr noch in der App ersichtlich.

Ansonsten ist die App namens Withings Health Mate ein wertvoller und unverzichtbarer Begleiter fürs Fitnesstracking. Sie visualisiert die von der Withings Move im Test gesammelten Daten auf verständliche Weise. Dabei bündelt sie sämtliche Datenquellen von Produkten aus dem Withings-Ökosystem. Das gilt etwa für Infos, die die smarte Waage Withings Body Cardio oder die Sensormatte Withings Sleep bieten.

Wer sich die Mühe macht, sich in tiefere Menüebenen durchzuklicken, findet außerdem hilfreiche Erklärungen zu den einzelnen Werten. In Verbindung mit den kostenlosen Coaching-Programmen zum Meditieren oder Abnehmen zählt Withngs Health Mate daher zu den umfangreichsten und anspornendsten Fitness-Apps.

Fazit zur Withings Move im Test: Die Swatch unter den Fitnesstrackern

Äußerlich hebt sich die Withings Move im Test durch das kreischend bunte Farbkonzept und der Möglichkeit zur individuellen Gestaltung von der Masse der Fitnesstracker ab. Trotz tadelloser Verarbeitung wirken die gewählten Materialen geradezu billig. Insofern kann man die Withings-Move wohl als digitales Geschwister im Geiste früherer Swatch-Uhren bezeichnen.

Funktionell überzeugt die Withings Move im Test jedoch durch ein durchdachtes Bedienkonzept mit analogem Design und digitaler App. Statt mit Benachrichtigungen am Handgelenk zu nerven, gibt sie in der App wertvolle Einsichten in die eigene Fitness und Gesundheit.

Zusammengefasst erweist sich die Withings Move im Test somit als funktionsreiche Sportuhr mit höchst individueller aber nicht allzu hochwertiger Optik zu einem insgesamt fairen Preis.

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Images by Berti Kolbow-Lehradt, Withings

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Netzpiloten Apple und Netzpiloten Android befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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