Wir starten das Buzzword-Glossar (Teil 5)

buzzword-glossar

„Egal, ob Shitstorm, Community-Awareness oder klassische Content-Trigger: Am Ende des Tages müssen die KPIs stimmen.“

Habt Ihr diese Phrasen auch schon einmal gehört oder beschäftigt Ihr euch in Meetings mittlerweile lieber mit Buzzword-Bingo, weil Ihr nur noch Bahnhof versteht? Netzpiloten.de bringt mit dem Buzzword-Glossar Licht ins Dunkel und erklärt, was eure Kollegen euch eigentlich wirklich sagen wollen.

Das Netzpiloten-Buzzword-Glossar ruft euch außerdem zum mitmachen auf. Wir werden regelmäßig neue Buzz-Wörter präsentieren, sie erklären und Stück für Stück in eine alphabetische Reihenfolge einfügen, sodass wir mit der Zeit ein Glossar von A – Z angelegt haben. Also erzählt uns, welches Buzzword euch am meisten Kopfzerbrechen bereitet.

pending, (eng).:

Konsensuale und für alle gesichtswahrende Umschreibung für Prozesse und Projekte, die faktisch längst zum Erliegen gekommen sind. Bei Verwendung des Begriffs wird in der Regel peinlich genau darauf geachtet, einen direkten Bezug zu den handelnden Personen zu vermeiden. Die Dinge sind eben einfach pending. Geradezu frei schwebend. Wie Seifenblasen kurz vor dem lautlosen Zerplatzen. Zurück bleibt: Nichts.

Verwendungsbeispiele:

  • „Der Request ist noch pending“: Bedeutet: Aufgemotztes „Da bin ich dran“, Zeit die Anfrage von letzter Woche zu stellen.

Weitere Begriffe: Feierabend, Feedback, Mittagsschlaf

 

Facebook-Party, die:

vergleichsweise neue Form der Gäste-Einladung von zweifelhafter Güte und Qualität (vgl. Media-Lexikon “Fehlstreuung“). Die Wahl eines falschen Verteilers führt in der Regel zu massiven Polizeieinsätzen begleitet von erheblichem Stirnrunzeln der Innenministerien der Länder. Seit Horst Seehofer per Facebook in die Münchner Diskothek P1 einlud, prognostizieren Soziologen ein rasches Ende dieses umstrittenen Trends.

Sie verweisen dabei auf Oskar Lafontaine, der 1996 auf dem Jugendparteitag der SPD seinen Körper zu für ihn offenkundig ungewohnten Klängen ekstatisch zucken ließ – und der Techno-Bewegung damit ein sofortiges Ende setze.

Weitere Begriffe: Hype, Seehofer, Thessa

 

adressieren, Verb:

Bedeutungsschwer für das Ansprechen wichtiger Themen bei Entscheidern und nächsten Vorgesetzten. Um die Wichtigkeit der Causa zu unterstreichen, wird der zu Adressierende in Konferenzen bei Nennung direkt per Blickkontakt fixiert. Echte Meeting-Profis garnieren diesen Effekt mit einer kurzen Kunst-Pause, die allerdings keinesfalls mehr als dreieinhalb Minuten betragen sollte. Für alles was adressiert werden muss, sollte ein großzügiger Zeitrahmen gesteckt werden (siehe Maya-Kalender).

Verwendungsbeispiele:

Das adressiere ich, sobald sich ein günstiger Zeitpunkt ergibt. Ich gehe das Thema asapst an, gleich nachdem ich das Ozonloch gestopft und Griechenland gerettet habe.

Weitere Begriffe: Mittagspause, Parteiprogramm, Gehaltserhöhung

 

Meet & Greet, das (eng):

Politisch korrekte Downsizing– Variante des inzwischen leicht verpönten Wining & Dining, die auch dem mittleren Management zumeist sogar den einfachen Angestellten die Möglichkeit einräumt, den Arbeitstag leicht beschwipst zu beenden. Gewiefte, dem Betriebsrat durchaus wohlwollend gegenüberstehende Arbeitnehmer reklamieren diese durchaus Energie raubenden Stunden zu Recht als Arbeitszeit. Die so im nu gefüllten Stundenkonten führen erstaunlicherweise immer wieder zu ebenso heftigen wie unnötigen Auseinandersetzungen mit dem häufig uneinsichtigen Arbeitgeberlager (Abteilungsleitung, Geschäftsführung, Vorstand).

Verwendungsbeispiele:

  • „Beim Meet & Greet lernen Sie ihre Co-Referenten kennen“: Unternehmenssprech für: Schwiegermutter in lockerer Atmosphäre besuchen.

Weitere Begriffe: Oskar Lafontaine, Die Linke, verdi

 

Prio, die:

Der vergebliche Versuch von sogenannten Führungskräften die Arbeit für Mitarbeiter nach Wichtigkeit zu ordnen. In der Praxis wird dies unter Verwendung des bekannten Dezimalsystems praktiziert, wobei die Prioritätsskala häufig bei der Zahl 2 ihr Ende findet. Als Faustregel für Abteilungen in herkömmlichen Unternehmen gilt: Alles was kein Gedaddel auf Facebook, Twitter, Youtube darstellt, hat Prio 1. Für Social Media-Firmen gilt die Regel gleichermaßen – lediglich das Wörtchen „kein“ ist in dem Satz ersatzlos zu streichen.

Verwendungsbeispiele:

  • „Das hat für uns absolute Prio 1“: Gemeint ist der kleinerer Teil von Aufgaben, auf die sich die Arbeitszeit neben Facebook und Kollegenklatsch konzentriert.

Weitere Begriffe: Todo-Liste, Einkaufszettel, Reporting

 


Hier geht es zu Teil 1 bis 4


Myrjam Ansorge

ist PR Managerin bei cocodibu, wo sie hauptsächlich Kunden aus dem Online-Bereich, u.a. die Netzpiloten, berät. Privat ist die Wahl-Münchnerin ein großer Fan von stundenlangem Internetsurfen und Skifahren. Außerdem schreibt sie für das Pop-Feuilleton philibuster.de.


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