Wir starten das Buzzword-Glossar (Teil 4)

buzzword-glossar

„Egal, ob Shitstorm, Community-Awareness oder klassische Content-Trigger: Am Ende des Tages müssen die KPIs stimmen.“

Habt Ihr diese Phrasen auch schon einmal gehört oder beschäftigt Ihr euch in Meetings mittlerweile lieber mit Buzzword-Bingo, weil Ihr nur noch Bahnhof versteht? Netzpiloten.de bringt mit dem Buzzword-Glossar Licht ins Dunkel und erklärt, was eure Kollegen euch eigentlich wirklich sagen wollen.

Das Netzpiloten-Buzzword-Glossar ruft euch außerdem zum mitmachen auf. Wir werden regelmäßig neue Buzz-Wörter präsentieren, sie erklären und Stück für Stück in eine alphabetische Reihenfolge einfügen, sodass wir mit der Zeit ein Glossar von A – Z angelegt haben. Also erzählt uns, welches Buzzword euch am meisten Kopfzerbrechen bereitet.

Web 3.0, das:

Der Superlativ in der Web-Evolution, umweht von geheimnisumwitterter Vollkommenheit. Wo Pragmatiker nüchtern von semantischem Web reden, kündigen gewiefte Speaker auf den einschlägigen Konferenzen schon Lösungen für Projekte an, die Sie zuvor im Web 2.0 verbockt haben (vgl. auch Erfolgscase Google+).

Verwendungsbeispiele:

  • „Das ist total Web-3-Nullig“: Bedeutet: Aussage, die noch so lahmenden Kampagnen-Vorschlag legitimiert (funktioniert super bei Vorstand und Budgetverteilern).

Weitere Begriffe: Social Web, Web 2.0, Mitmach-Web

 

Fanbase, die (eng):

Rasant gestiegener Bedeutungzuwachs im Marketing seit ein unbekannter Junior-Product Manager aus Buxtehude auf die Ähnlichkeit der Wörter „band“ und „brand“ gestoßen ist. Beide, so wissen Marketing-Gurus inzwischen, eint nicht nur eine nahezu identische Schreibweise, sondern gleiche Erfolgskriterien. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die treue Fanbase. Merkmale ihrer Mitglieder sind praxisnahe Weltverbesserer-Theorien über Produkte, Marken oder auch Gitarrenverstärker. Fanbase-Zugehörigkeit äußert sich außerdem in Selbstkasteiungen wie stundenlanges Schlange stehen (Eintrittskarten oder Apple-Produkte), ständig seine Freunde und Follower um Einladung bitten (Google+, Pinterest, etc.).

Verwendungsbeispiele:

  • „Unsere Fanbase steht hinter uns“: Bedeutet: Wackeres Häufchen von Menschen, die sich auch trotz medialem GAU, verkorkster Beta-Version oder unverschämter Verkaufspreise nicht beirren lassen.

Weitere Begriffe: Crowdsourcing, Kiss Army, DSDS

 

Mindset, das (eng):

Häufiger Kündigungsgrund für Job, Dienstleister oder Beziehungen. Früher lapidar als „Einstellung“ bezeichnet, ist das Mindset nun bedeutungsschweres Non-Plus-Ultra für alle Lebenslagen: Wenn im Leben nichts mehr sicher scheint, der FC Bayern München nicht mehr Meister wird, dann soll wenigstens mein unmittelbares Umfeld genauso ticken wie ich.

Verwendungsbeispiele:

  • „Das richtige Mindset ist ein unverzichtbares Asset für unser Unternehmen.“: Bedeutet: Egal, was Sie drauf haben, Hauptsache Sie ticken so wie wir.

Weitere Begriffe: Simple Minds, Dimple Minds, brainwash

 

Feedback, das (eng):

Beliebtes Füllsel um eigene Wissensdefizite, Unsicherheiten oder auch fehlende Entscheidungsbefugnisse zu kaschieren. Häufig anzutreffen in unspezifischen E-Mail-Verteilern (Freue ich auf Euer Feedback) oder auch in unmotiviert geführten Mitarbeitergesprächen im Stile von: „Haben Sie schon Feedback zu der Sache?“ – „Welche Sache meinen Sie genau?“ „Na, an was arbeiten Sie denn hier für mich?!“

Verwendungsbeispiele:

  • „Ich warte noch auf Feedback!“: Unternehmenssprech für: Hab das Projekt auf die lange Bank geschoben, wenn keiner aus dem Mittelmanagement mehr nachhakt, wird es stillschweigend beerdigt.

Weitere Begriffe: asap, Stromberg

 

Prozessmanagement, das:

Der Begriff klingt zunächst so gefährlich wie eine Büroklammer, doch die Wirkung ist für Beteiligte meist so giftig wie der Biss einer Kobra. Blöd: So manche Arbeitnehmer verlieren dabei ihre Jobs. Noch blöder: Ihre Chefs feiern sich intern als Zampanos für erfolgreiche Umstrukturierungen und machen weiter Karriere.

Verwendungsbeispiele:

  • „Unser Prozessmanagement hinkt“: Bedeutet: Hier arbeitet jeder so, wie er es für richtig befindet.

Weitere Begriffe: Change Management, Betriebsrat, Altersteilzeit

 

Myrjam Ansorge

ist PR Managerin bei cocodibu, wo sie hauptsächlich Kunden aus dem Online-Bereich, u.a. die Netzpiloten, berät. Privat ist die Wahl-Münchnerin ein großer Fan von stundenlangem Internetsurfen und Skifahren. Außerdem schreibt sie für das Pop-Feuilleton philibuster.de.


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