Wikileaks ist doch keine „extremistische Website“!

Im internationalen Code für Bücher, den die Nationalbibliotheken der Länder nutzen – der Cataloging-in-Publication (CIP) – hatte die Library of Congress und die National Library Australias, Wikileaks, aufgrund der Kategorisierung einiger Bücher über die Whistleblower-Website, als „extremistische Website“ eingestuft. Die Library of Congress, mittlerweile aufgrund ihrer Bücher- und Medienbestände die bedeutendste Bibliothek der Welt, wurde – ebenso wie die Australier auf die seltsame Kategorisierung durch Hinweise einiger Twitter-User aufmerksam gemacht und beide machten diese Bezeichnung wieder rückgängig. Die untenstehende Twitter-Aufzeichung zwischen @carwinb und @librarycongress zeigt die Antwort auf die Anfrageänderung der beiden Bibliotheken.

Die CIP ist im Grunde eine von der Library of Congress verwaltete Datenbank für bibliografische Informationen. CIP-Datensätze können nationalen Bibliotheken, wie der National Library of Australia, auf Antrag zur Verfügung gestellt und auch erweitert werden. Ein CIP-Eintrag ist das, was man gewöhnlich als Betreffzeile eines Buches betiteln könnte. Sie enthält Keywords, die es Bibliothekaren und anderen Informationsmanagern erleichtert ein Buch zu klassifizieren. Im Fall Wikileaks, wurde die Website aufgrund der Keywords einiger archivierter Bücher wie z.B. „Inside WikiLeaks“ von Daniel Domscheit-Berg, als „extremistische Website“ eingestuft. Andere Bücher, wie „Staatsfeind WikiLeaks“ von Marcel Rosenbach und Holger Stark, hatten die entsprechenden Keywords nicht und wurden anders kategorisiert. Es scheint also, als ob die Wahl der Keywords einer subjektiven Einschätzung einiger weniger Personen zu Grunde liegt. Aufgrund der Unterschiede treten dabei nun die Fragen auf „Wer entscheidet eigentlich über die Betreffzeilen und genehmigt sie für Cataloging-in-Publication Aufzeichnungen?“ oder „Wie objektiv und politisch neutral ist die Wahl der Betreffzeilen für die Katalogisierung?“.

Auf die Anfrage hin wie es zu der aktuellen Klassifizierung kam, erklärte die Direktorin der Australian Collections Management and Preservation Filiale an der National Library, Frau C. Foster:

„When creating the Catalogue in Publication record for „The most dangerous man in the world“ by Andrew Fowler we referred to catalogue records for similar titles. The subject term “Extremist web sites” was one of the terms used in a record from the Library of Congress for a similar title and the term was reused in the NLA catalogue record for “The most dangerous man in the world”.
The inappropriateness of this term was not identified at the time. The record has been corrected this morning and the amended version is now reflected in our catalogue.“.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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