Was ein Tweet so alles anrichten kann…

Wer auf Twitter zwitschert sollte aufpassen, was genau er dort von sich gibt. Besonders wenn er als öffentliche Person auftritt. Bereits zwei Olympioniken können jetzt schon ein Lied davon singen.

Tiraden im Olympia-Geschehen…

Da konnte wohl einer schlecht verlieren?! Nach dem verpatzten Olympia-Vorrunden-Match der Schweizer gegen die Südkoreaner (1:2) ist der Nationalspieler Michael Morganella mit beleidigenden Ausfällen auf Twitter gestern ins Visier der Sittenwächter geraten. Als „Bande geistig Behinderter“ beschimpfte er die Sieger-Elf aus Südkorea und ließ gegenüber dem gesamten Volk verlauten, dass er „sie alle fertig machen würde“.

Ebenso wie Morganella hat auch die Griechin Voula Papachristou sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als die Dreispringerin vergangenen Mittwoch ebenfalls über Twitter, mit einer rechtsradikalen Partei sympathisierte und sich im Rahmen dessen auch über afrikanische Migranten lustig machte.

Das Ende vom Lied? Rausschmiss aus dem Olympia-Kader und ein wahrscheinlich für immer beschädigtes Image.

Gott lass Hirn vom Himmel regnen…

Zu Recht fragt man sich derweil, was in einigen Personen eigentlich vorgeht und wer hier tatsächlich mit geistiger Abstinenz glänzt. Es fällt vielen schwer zu realisieren, dass Twitter, Facebook und Co. nach wie vor keine Stammtische im herkömmlichen Sinne sind, dass man hier nicht „unter sich“ ist und das man hier ein wenig Contenance an den Tag bringen und mit vorschnellen, gar beleidigenden Statements lieber zurückhaltender umgehen sollte.

Wie können Politiker, Stars, Sportler oder andere Personen, die eine ganze Schar von Followern und Fans, nicht zuletzt aus den Medien auf Ihren Social-Media-Kanälen hinter sich bündeln, zu solchen Entgleisungen fähig sein? Ist denen nicht klar, dass auch hier jedes Wort, wie auf einer Pressekonferenz mitgeschnitten und öffentlich verwertet wird? Gott bitte lass Hirn vom Himmel regnen für diese Digital Ignorants.

Fans waren empört…

Auch wenn die Olympioniken damit nicht gerechnet haben, das Echo dieser Hasstiraden folgte prompt auf den eigenen Profilen. So wurden beispielsweise Morganellas 140 Zeichen mit entrüsten Tweets wie „Willkommen in der digitalen, koreanischen Hölle!“ beantwortet und auf Facebook wünschte man ihm sogar Schläger an den Hals: „Hoffentlich verfolgen Dich alle Hooligans rund ums Stadion. Du bist eine Schande für den Weltfußball und solltest sofort heimreisen und aufhören mit Fußball“.

Um weitere Gegentiraden zu stoppen wurde inzwischen im Falle Morganellas sogar der Twitter- und Facebook-Account, offenbar auf Druck des Schweizer Fußballverbandes, gesperrt. Besser so, denken sich die Lordsiegelbewahrer wohl.

Es fehlt einfach an allem…

Was wir hier nun wieder sehen, ist ein Paradebeispiel für den Kontrollverlust eigener Aussagen im Web, einer mangelnden Medienkompetenz eigentlich medienaffiner Menschen sowie einer fehlenden Diskussionskultur (auch von den Fans) in sozialen Netzwerken. Von dem Kontrollverlust mal abgesehen, den ich getrost als positive Entwicklung einstufen würde, sind die zwei letzteren Umstände eher etwas was ich per se nicht mehr nachvollziehen kann.

Twitter, Facebook und Co. sind nun inzwischen regelrecht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Knapp 30 Millionen Deutsche sind in sozialen Netzwerken aktiv. Mehr als die Hälfte davon allein auf Facebook und Twitter. Im Europäischen Vergleich liegen die Deutschen damit sogar noch im Mittelfeld. In Ungarn und Lettland sind es bisweilen sogar fast 80 Prozent der Internetnutzer, die die genannten Netzwerke privat nutzen. Doch warum versteht keiner die Funktionsweise dieser Plattformen? Und das obwohl nun in den letzten Jahren wirklich schon fast inflationär über Dos and Dont’s diskutiert und berichtet wurde?

Es fehlt einfach an allem, was gutes Benehmen ausmacht. Und man gerät als Beobachter schon fast in die Situation zu glauben, dass es nicht an der Aufklärung, sondern einfach an der Ignoranz oder vielleicht sogar an der fehlenden Intelligenz dieser sich selbst diskreditierenden Personen liegt.

Mal gucken wer als nächstes fällt. Vielleicht Gianluigi Buffon oder der von Web-Enthusiasten heiß geliebte Hans-Peter Uhl? Die Palette der Fettnäpfchen-Tretter ist jedenfalls groß.


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Andreas Weck

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.

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2 comments

  1. Es ist schon verwunderlich,dass Profisportler,die eine Vorbildfunktion ausüben sollen,offensichtlich erst schreiben bevor sie nachdenken.Nicht das Profisportler aufgrund ihrer Vorbildfunktion intelligenter sein müssten als der Durchschnittsbürger,wohl aber sollten sie mit Themen zu denen sie sich äussern sensibler umgehen,da gerade diese von einer Vielzahl von Menschen mitverfolgt werden.Twitter,Facebook und ähnliche Social Media Plattformen erhöhen neben den klassischen Printmedien noch die Reichweite.

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