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Beste Ergebnisse für Facebook Ads

Im zweiten Teil der Facebook Ads Summit von Social Media Examiner lag der Fokus auf Kostreduzierung von Campaigns durch intelligentes Re-Targeting. Oder – so wie es Rick Mulready, einer der geladenen Experten, ausdrücken würde: „Wie wird meine ‚kalte‘ Zielgruppe ‚warm‘, damit die Kassen heiss laufen?“

Custom Audience – der Schlüssel zum Erfolg

Rick Mulready produziert nicht nur den Podcast ‚The Art of Paid Traffic‘, sondern arbeitete zudem auch für namhafte Kunden wie AOL, Yahoo!, Funny or Die und Vibrant Media. Er betont vor allem, wie wichtig es ist, sich beim Advertising auf wahre Beziehungen mit der Zielgruppe zu konzentrieren. „Wie im echten Leben gilt auch auf Facebook: Likes sind super. Aber die Menschen möchten echte Verbindungen aufbauen. Als Geschäftsführer ist es das, was sie zum Erfolg führen wird.“

On Facebook. Image by Social Media Examiner

Mit mehr als 1,4 Billionen Menschen, die täglich auf Facebook online sind, ist es schwer, sich jedem einzelnen auf persönliche Art zu nähern. Für Mulready sind Custom Audiences des Rätsels Lösung.

Sie können von Facebook aus den Menschen generiert werden, die in irgendeiner Art und Weise schon mal mit ihrem Facebook Content interagiert haben. Sei es, dass Besucher ein Post liken, ein Video schauen oder ein Link anklicken. Während die ‚Awareness‘-Phase den Content ‚Saved Audiences‘ aufzeigt, kann Facebook nach einiger Zeit diejenigen herausfiltern, die sich tatsächlich für das Produkt interessieren.

Aus kalt wird heiss

So werden aus ‚kalten‘ Zielgruppen, die nichts von der Marke bisher wussten, ‚warme‘ Audiences gebildet. Unter ihnen sind dann die Zielgruppen, die motiviert dem Content folgen. Sie sind der Pool, aus dem sich am Ende des sogenannten Sales Funnels echte Conversions bilden lassen.

Sie sind die Käufer der Produkte, die zuerst über die Marke informiert und dann mit gezielten Content zum Kauf geführt wurden. Ihnen wurde die Möglichkeit gegeben, über einen längeren Zeitpunkt eine Beziehung zu dem Angebot aufzubauen. Und Beziehungen führen in sozialen Netzwerken zum Erfolg.

Awareness, Consideration, Lead. Image by Social Media Examiner

4 Must-Have Custom- Audiences

Diese massgeschneiderten Zielgruppen lassen sich aus unterschiedlichen Daten zusammensetzen. Für Mulready lohnen sich vor allen Dingen die Folgenden:

  • Facebook Engagement: Eine Zielgruppe, die aus denjenigen gebildet wurde, die in irgendeiner Weise mit dem Content oder der Facebook Page interagiert haben
  • Video Views: Alle, die in einem bestimmten Zeitraum ihre Videos geschaut haben
  • Email-Liste: Gesetz dem Fall, sie haben ihre Email-Subscriber über die weitere Nutzung ihrer Daten informiert, lohnt sich eine Custom-Audience aus ihrem Email-Verteilern. Diese Nutzer haben nämlich bereits ihr Interesse an der Marke gezeigt
  • Website-Traffic: Auch bei der Installation von Pixeln auf ihrer Website gilt: Die Besucher müssen der weiteren Nutzung ihrer Daten zugestimmt haben. Ist dies erfolgt, können Audiences dank des „Page View Pixels“ aus den Webseiten-Besuchern generiert werden.

Um die Reichweite der Zielgruppen zu vergrößern, können aus den Custom-Audiences wiederum Lookalikes generiert werden. Diese ähneln im Verhalten und in den Interessen.

Auch beim Bilden der Custom Audiences ist der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Facebook Ads Manager macht es möglich, sehr ins Detail zu gehen. Es lohnt sich, verschiedene Zusammensetzungen zu testen, bis man eine gute, interessierte und ‚warme‘ Zielgruppe gefunden hat.

Sollte man die gleiche Ad in einer Campaign für mehrere Target Audiences gleichzeitig laufen lassen, ist es sinnvoll die ‚Exclude‘ Funktion zu nutzen. Das ist wichtig, um Überlappungen zu verhindern. Man schließt bei der ‚Video-View- Audience‘ diejenigen aus, die auch mit dem Post interagiert haben. Bei der ‚Facebook-Engagement- Audience‘ werden wiederum die nicht eingeschlossen, die das Video gesehen haben.

Mehr Tipps vom Experten gibt es hier zum freien Download.

In den Grundsätzen herrscht Einigkeit

Wer bereits den ersten Teil der Ads Summit verfolgt hat weiß, wie man ein Produkt über Facebook erfolgreich vermarktet. Auch wie man den richtigen Advertising-Text verfasst und wie man Video Views in Conversions verwandelt, wurde hier gezeigt.

Jede Session passt thematisch in die andere. Und obwohl die Experten unterschiedliche Herangehensweisen an das Advertising haben, sind sie sich doch in einigen Grundsätzen einig. Soziale Medien werden ihrem Namen gerecht. Das Marketing muss menschlich sein. Wir müssen daher unsere Zielgruppe genau kennen. Wir müssen ihre Probleme und Sorgen definieren können, um sie mit den Ads zu lösen. Langzeitbeziehungen bringen auf Facebook Erfolg. Sie machen Herzen warm und lassen Kassen heiss laufen.

Obwohl jeder Experte seine eigene Herangehensweise hat, haben alle Taktiken eines gemeinsam. Die Testphase, die mühselig, aber notwendig ist. Wer nicht genug Zeit (und Geld) in die Proberunden steckt, kann kaum auf Erfolg hoffen. Wie in der Küche bedarf es mehrere Versuche, bis das Rezept perfekt gelingt.

Azriel Ratz, der nächste Experte auf der Facebook Ads Summit Bühne, widmete seinen kompletten Vortrag dem systematischen Testen.

Wie erreiche ich meine perfekte Zielgruppe mit den richtigen Ads zum niedrigsten Preis?

Die Antwort ist ganz einfach – mit gezielten Tests.

Zielgruppen-Test: Mit Mulready haben wir bereits gelernt, wie man aus allgemeinen Zielgruppen diejenigen herausfiltert, die tatsächlich am Produkt interessiert sind. Doch ist es wichtig zu verstehen, dass jede Zielgruppe unterschiedlich auf Campaign-Objektives reagiert.

Ist die Custom-Audience aus Video-Views gebildet, ist es einfacher zu sagen, dass sie wohl gut mit dynamischen Content interagiert. Doch wie es zum Beispiel mit der Email-List Custom Audience aus?

Find your best potential audience. Image by Social Media Examiner

Deswegen rät auch Ratz, jede Campaign mit Audience-Testing zu beginnen. Sinnvoll ist es hierbei, den gleichen Post in separate Ad-Sets mit unterschiedlichen Audiences zu testen.

Viele begehen den Fehler, alle Audiences zusammenzufassen in dem Wunsch mit größerer Reichweite bessere Ergebnisse zu erzielen. Doch damit umgeht man die Möglichkeit, die beste Audience für jedes Objektive zu finden, da es keinen Vergleich gibt.

Text- und Bild- Test: In einem zweiten Schritt kann auch der Post an sich getestet werden. „Wenn Sie Ads kreieren, schaut Facebook auf die Worte, die Sie in dem Text nutzen und sucht sich einige Schlüsselwörter heraus. Dann vergleicht es diese Wörter mit den Menschen, die Sie mit den Ads erreichen wollen; mit deren Interessen und dem Content, den sie sich anschauen. Wenn Sie zum Beispiel Fahrräder verkaufen und Sie versuchen Menschen zu erreichen, die daran interessiert sind, dann ist es wichtig, dies im Ad-Text zu benennen. Facebook wird das erkennen und Sie werden weniger für die Impression per Person bezahlen. Einfach weil Sie das richtige Schlüsselwort genutzt haben.“

Ads. Image by Social Media Examiner
Create multiple versions of ads. Image by Social Media Examiner

Wo genau diese Schlüsselwörter zu setzen sind, lässt sich wieder in der Testphase herausfinden. Ratz rät besonders für Link-Ads, die über Ad-Text, Titel und Unterschrift verfügen, mehrere Test-Ads laufen zu lassen. Das ist sinnvoll, um die einzelnen Teile miteinander beliebig zu tauschen.

Wer Videos testet, dem sei geraten, unterschiedliche Thumbnails auszuprobieren. Und auch bei Fotos können kleine, aber feine Unterschiede riesige Auswirkungen auf den Ads-Spend haben.

Experten-Tipp für kleinere Unternehmen

Besonders für kleinere Unternehmen hat Ratz auch hier einen wichtigen Experten-Tipp. Auf die Frage hin, was er raten würde, wenn ein Business nicht viel Budget hat, um so viel in die unterschiedlichen Testphasen zu investieren, hat er eine Antwort parat.

„Ich rate Kunden, die weniger als 2.000 Dollar im Monat ausgeben wollen, sich komplett auf Re-Targeting von bestehenden Zielgruppen zu fokussieren. Lassen Sie die ganz neuen Kunden Sie von selbst finden. Aber die Menschen, die Sie bereits kennen – die Email-Subscriber, die Webseiten- und Facebook-Besucher – wenn diese Menschen nicht bei Ihnen einkaufen und aktiv sind, dann haben Sie ein viel größeres Problem.

Also stellen Sie sicher, dass Sie die fünf, zehn oder 20 Dollar pro Tag für die beste Audience mit den besten Ads ausgeben. Finden Sie heraus, wie Sie diese Menschen immer und immer wieder zum Kauf bewegen können. Und sobald Sie genug Profit mit ihnen machen, können Sie einen Schritt zurück gehen und neue Menschen für Ihre Marke gewinnen.“

So schließt sich der Kreis wieder. Lang lebe die Langzeitbeziehung im schnelllebigen Facebook-Business!

Mehr Experten-Tipps von Azriel Ratz gibt es hier.


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Beste Ergebnisse für Facebook Ads

Facebook Ads - Thought Catalog unsplash com

Wie vermarkte ich ein neues Produkt auf Facebook? Wie schreibe ich den perfekten Text für meine Ad? Und wie erhöhe ich Verkaufszahlen mit Video Views Campaigns? Das verraten wir in unseren Tipps und Tricks von der Social Media Examiner Facebook Ads Summit.

Die diesjährige Facebook Ads Summit der bekannten Plattform Social Media Examiner versammelte internationale Experten, um auf diese und mehr Fragen passende Antworten zu finden. Zuallererst kam Nicholas Kusmich zu Wort und eröffnete die Veranstaltung mit seinem Vortrag über die besten Praktiken, um eine Facebook Ads Kampagne zum Erfolg zu führen.

Die vier Schlüsselfaktoren für Interaktion. Image by Social Media Examiner

Wie vermarkte ich erfolgreich ein Produkt mit Facebook Ads?

“Freunde, wenn ihr die vier Launch Beschleuniger bei eurer nächsten Kampagne anwendet, versichere ich euch bessere Ergebnisse als ihr heute habt”, verspricht der Autor von “The Ultimate Guide to Using Facebook Advertising.” Dafür muss man nur folgende Schritte befolgen:

Definiere deine Zielgruppe

Der erste “Launch-Beschleuniger”, so wie Kusmich seine Kernprinzipien nennt, ist ein tiefgreifendes Verständnis des Marktes, in dem das Produkt platziert werden soll. Da soziale Medien “sehr laut” sind, muss die passende Nische gefunden werden, da man “sonst in den vielen Stimmen auf Facebook untergeht”. Nur wer sich genau auf seine Interessengruppe fokussiert, wird Ergebnisse erhalten. Doch wie finde ich diese Zielgruppe? Zur Eingrenzung hilft es, sich die Frustrationen, Ängste, Bedürfnisse und Ziele der angestrebten Kundengruppe vor Augen zu halten. Dann muss klargestellt werden, wo sich diese Menschen in den sozialen Netzwerken aufhalten. Wem folgen sie? Welche Profile besuchen sie? Wo investieren sie Zeit und Geld? Was motiviert sie? Diese Recherche dient dazu, die Zielgruppe möglichst genau per Facebook Ads Manager zu erstellen. Kusmich muntert auf, ins Detail zu gehen – nicht umsonst bietet Facebook detailliertes Targeting mit ‘Behaviours’ und ‘Interests’ an.

Erstelle einen Verkaufsmagneten

Als zweites Prinzip stellt Kusmich einen sogenannten “Verkaufsmagneten” vor. “Etwas, was wirklich einen Mehrwert für deine Zielgruppe darstellt, zugleich einfach, schnell anwendbar und zielgerichtet ist.” Das hilft potentiellen Kunden, Vertrauen zu fassen und kostenfrei den Service zu nutzen, für den sie später gerne bereit sind zu zahlen. So kann man eine gratis Vorlage für einen Ernährungsplan, ein Video mit Kochtipps oder einen kurzen Guide als PDF (nicht länger als zwei Seiten!) zum Download anbieten. Frei nach dem Prinzip – wir müssen erst geben, um zu nehmen!

Sende deine Botschaft

“Drittens musst du eine gute Botschaft haben”, erklärt der Experte. Diese muss per Text und Bild ins Auge fallen. Bei Fotos lohnt es sich besonders Kontraste anzupassen. Texte müssen die Sprache der Nutzer sprechen und klar formuliert sein: “Vergiss nicht, eindeutig zu machen, was als nächstes zu tun ist. Klicke hier, um mehr zu erfahren. Lade das Dokument herunter, um mehr zu lernen… und so weiter.”

Bewege deinen Markt

“Und dann musst du deinen zukünftigen Kunden ein tolles Angebot machen.” Kreiere Bewegung in deinem Markt. Gib jedem Käufertyp Gelegenheit, das Richtige zu finden. Denen, die direkt überzeugt sind, aber auch jenen, die mehr erfahren möchten, bevor sie eine Entscheidung treffen. “Baue Beziehungen zu deiner Zielgruppe auf; sie wird dir mit tollen Verkaufszahlen danken”, schließt Kusmich seinen Vortrag. Wer mehr über seine Arbeit erfahren will, kann sich seinen Verkaufsmagneten anschauen.

Nun Bühne frei für Zach Spuckler vom Heart, Soul & Hustle podcast – einer Show, die Unternehmen hilft ihre Leistung auf Facebook zu verbessern.

Die Bedürfnisse der Zielgruppe zu identifizieren, ist wichtig. Image by Social Media Examiner

Wie schreibt man überzeugende Advertising-Texte?

Auch für Spuckler gibt es mehrere Schritte zum Erfolg; doch er fasst sie in Fragen zusammen:

1. Frage: Welches Problem hat meine Zielgruppe?

“Jede gute Copy startet mit dem Problem, was deine Leser haben. Nicht mit der Lösung, die du anbietest”, stellt er gleich klar. “Das ist einer der meist verbreiteten Fehler bei Unternehmen und Agenturen: sie gehen von sich aus und nicht von dem Kunden.” Wer zum Beispiel ein Produkt zum Abnehmen vermarktet, muss mit dem Ursprungsproblem beginnen: Meine Kunden passen nicht mehr in ihre Lieblingsjeans.

2. Frage: Wie kann ich dieses Problem lösen?

“Auch wenn es kaum einen Unterschied zu geben scheint, ist es wichtig zu fragen: wie kann ich dieses Problem lösen und nicht – welche Lösung habe ich parat?”, stellt der Experte klar. Die Lösung ist, um dem Beispiel zu folgen, nicht, schlank zu sein, sondern in dem Advertising Text zu erklären, wie das Präparat dem Nutzer helfen wird das zu erreichen. Zeige Wege auf, damit Nutzer sie gehen.

3. Frage: Was passiert, wenn sie NICHT das Problem angehen?

Spuckler erklärt, dass die dritte Frage nicht zwingend in einer Copy geklärt werden muss, aber ein weiterer guter Ansatzpunkt ist, einen ansprechenden Text zu liefern. Sie zielt auf den Einsatz an, den der potentielle Kunde bringen muss, um sein Problem zu lösen – und das ist das angebotene Produkt. Die Ad soll eine erleichternde Wirkung haben – wie eine Aspirin, die Kopfschmerzen lindert, hilft der Klick auf die Ad.

Sobald das geklärt ist, geht es ans Schreiben. Aber Vorsicht:

  • Nutze immer die Sprache deiner Zielgruppe – klar, einfach und keine Fachsimpelei.
  • Ein super Tipp ist es, sich Drei-Sterne Amazon-Bewertungen zum jeweiligen Thema durchzulesen. Um bei dem Beispiel zu bleiben, könnte dies ein Buch über gesunde Ernährung sein. Drei Sterne, da sie sowohl Positives als auch Negatives aufgreifen: “Mir gefielen die klaren Erklärungen zur Ernährung, aber Rezepte haben mir gefehlt”. Sie sind nicht nur eine wunderbare Quelle, die sogenannten Schmerzpunkte der Zielgruppe zu finden, sondern helfen auch, die richtige Wortwahl zu treffen. Spuckler erzählt, dass er ganze Advertising Texte aus Amazon-Bewertungen geschrieben hat. Auch lohnt es sich in Facebook-Gruppen oder auf Reddit nachzuschauen. Und wer wirklich Zeit investieren möchte, kann sogar eigene Online-Umfragen erstellen, um gezielt seine Follower zu fragen, was sie derzeit bewegt.
  • Setze gezielt und bewusst “Buzz-Wörter” wie “entdecke”, “erfahre”, “genieße” ein. Aber – weniger ist mehr.
  • Die Menschen erinnern sich nicht an das, was du gesagt hast, sondern wie sie sich dabei gefühlt haben: “Ziele darauf ab, die Menschen nicht nur rational, sondern auch emotional zu treffen.”

“Gute Copywriter sind gute Zuhörer” – schließt er seinen Vortrag. Mehr über Spucklers Arbeit hier.

Mit dem dritten Vortrag des Facebook Ads Summit geht es ins Eingemachte – Tommie Powers ist selbst ein Advertising Spezialist und zeigt in seinen kostbaren 45-Minuten, wie man Video Views in Sales verwandeln kann. Denn Video wird immer wichtiger.

Zutaten für mehr Interaktionen bei Videos in Facebook Ads. Image by Social Media Examiner

Wie beschleunige ich Conversions mit Video-Sequences bei Facebook Ads?

“Das Erste, was du erreichen musst, ist, die Menschen zu berühren und zu aktivieren. Sobald sie aufmerksam geworden sind und deine Videos geschaut haben, kannst du im zweiten Teil deiner Kampagne diese Views in Einnahmen verwandeln”, erklärt der Experte.

Wie Kusmich und Spuckler, setzt Powers zuerst auf Recherche, um sie zum Erfolg zu bringen. Ohne seine Zielgruppe und Wettbewerber zu kennen, kann man keinen guten Content kreieren.

Während er ebenso auf Facebook Gruppen, Amazon Reviews, Umfragen, Foren und Blogs zur potentiellen Kundensuche setzt, nennt er auch einige interessante Tools, die bei der Wettbewerbsanalyse helfen:

  • SEMRush hilft, laut Powers, andere Webseiten und Unternehmen auszuspionieren und zu schauen, wie sie organische Reichweite erhalten
  • SimilarWeb schlüsselt auf, woher und wie viel Webseiten-Traffic sie bekommen
  • BuzzSumo zeigt vor allen Dingen die Positionierung der Wettbewerber in der digitalen, sozialen Landschaft.

Wissen ist Macht. Wer nicht nur weiß, wer seine potentiellen Käufer sind, sondern auch wer um sie mitbuhlt, kann Strategie und Kommunikation entsprechend anpassen.

Dann geht es zur Content-Creation. Powers betont immer wieder, wie wichtig es ist, sich über die Geschichte, die die Videos erzählen, das Narrativ, in das diese eingebettet werden sollen und vor allem das Angebot, dass sie zuletzt kommunizieren, im Klaren zu sein. Kurz gefasst: Das S.N.O. Framework (Story, Narrative, Offer).

Die drei Elemente von Social Video

“Den ganzen Prozess nenne ich Social Video Engagement Sequenz. Diese besteht aus drei Teilen: dem Seed Video, dem Segue Video und dem Sales Video.”

“Das Seed Video hat eine ganz einfache Funktion: Es soll Brand Awareness erhöhen und die User aktiv machen”, erklärt er weiter. Es hat eine ausschliessliche Erzählfunktion und eröffnet die Geschichte. Wichtig ist, die User hier noch nicht mit dem Verkaufsangebot abzuschrecken – so verlockend es doch ist.

Das Segue Video ist ein nächster, aber nicht zwingender Schritt. Er bietet sich an, wenn das Produkt noch mehr Erklärung bedarf oder der Kontext besonders wichtig ist. Das beispielsweise bei besonders produzierten Lebensmitteln der Fall, wo Nutzer mehr über die einzelnen Zutaten erfahren möchten. Oft werden hier auch Fallstudien oder Kundenempfehlungen eingebunden, die der Zielgruppe bei der Verkaufsentscheidung später helfen sollen.

Zuletzt zeigen wir unserer Audience das Sales Video, was klar die Verkaufsbotschaft formuliert. “Ohne es zu übertreiben wird hier der potentielle Kunde klar über das Angebot, und wie er es erhalten kann, informiert.”

Powers empfiehlt beim Advertising mindestens zehn Target Audiences zu testen und das erste Video für 48 Stunden für jeweils fünf Dollar pro Audience laufen zu lassen. Diese erste Investition lohnt sich, um das Video auf dem Markt und die Zielgruppen zu testen.

Neben den “Saved Audiences”, die man per Recherche selbst erstellen kann, verweist der Advertising Experte auch auf sogenannte “Custom Audiences”. Dabei handelt es sich beispielsweise um “Lookalikes of highest-value buyers”, “Lookalikes of buyers”, “Lookalikes conversion pixels”, “People who visited website more than once”, “People who engaged with the page” und “Lookalikes of people who engaged with your page”. Wer bereits einige Aktivität auf seiner Facebook Seite und Webseite hat, kann diese in einfachen Schritten im Ads Manager erstellen.

Social Video richtig analysieren

Nach den 48 Stunden analysiert Powers die Performance. Dabei konzentriert er sich vor allen Dingen auf den Relevance Score (“wenn er nicht höher als sieben ist, stimmt entweder mit dem Video oder mit der Audience etwas nicht”) und die “View-to-like ratio”. “Wir wollen mindestens ein oder zwei Prozent erreichen. Das bedeutet, dass ich bei 1.000 Views mindestens zehn oder 20 Likes bekommen möchte.” Ähnliches gilt für Kommentare unter dem Video, die wiederum an der “Comment-to-Like-ratio” gemessen werden. Hier gilt es mindestens sieben bis zehn Prozent zu erreichen, was bei 100 Likes sieben bis zehn Kommentare bedeutet.

Für das zweite Video setzt Powers bei der Analyse eher auf die Zeit, in der das Video gesehen wurde. Dabei kreiert er auch Lookalike-Audience von Personen, die mehr als 50 Prozent gesehen haben. In dieser Phase hilft es auf Re-Targeting zu setzen, da man den bereits interessierten potentiellen Kunden in ihrer Verkaufsentscheidung helfen will.

Zuletzt läuft das Sales Video in einer Conversion Campaign. Das führt, wenn die vorherigen Schritte sorgfältig analysiert und optimiert wurden, zu den versprochenen Verkaufszahlen.

Mehr zu Tommie Powers Arbeit findet ihr hier.

Das war der erste Streich – der zweite folgt im nächsten Artikel mit mehr Updates von der Facebook Ads Summit!


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Kontext Mensch: datengetriebenes Marketing braucht neue Perspektiven

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Marketiers in nahezu allen deutschen Unternehmen müssen oder wollen neuerdings „datengetrieben“ unterwegs sein und „alle stürzen sich auf die Marketingtechnologie“, wie Pascal Lauscher, Inhaber und Lead Brand Strategy Consultant von Lauscherconsulting so treffend formuliert. Der Münchner Unternehmer berät namhafte Kunden wie Siemens oder Microsoft und wird beim Big Data Marketing Day am 22. Februar 2018 in München darüber berichten, wie Marketiers Daten nutzen können, um kreativer und wirkungsvoller zu kommunizieren.

Meist können sie nämlich schon froh sein, wenn wenigstens eine unternehmensweite Daten-Strategie existiert und schon jemand ein Daten-Audit gemacht hat. Von ihnen wird nun vor allem erwartet, dass sie Metriken und Conversion-Rates im Auge behalten, dass sie Zielgruppendaten, Kundenfeedbacks und Kaufverhalten auswerten, um das Angebot zu optimieren. Doch oft führt selbst das klassische Vorgehen nicht zum gewünschten Ergebnis, wie Pascal Lauscher weiß: „Das datengetriebene Marketing befasst sich sehr stark damit, Menschen schlauer und besser wissen zu lassen, dass es zum Beispiel ein Produkt gibt. Aber das reicht noch nicht. Die Frage ist: Wie bringe ich Menschen dazu, etwas zu tun?“

Also auch tatsächlich etwas zu kaufen, sich zu registrieren, zu sharen, zu liken, oder zu klicken. Lauschers Antwort ist so einfach wie überzeugend: „Ich muss die Menschen verführen, mit meiner Marke zu interagieren. Und dass mache ich mit Kreativität, denn mit Argumenten kann man nicht verführen.“

Daten müssen besser interpretiert werden

Wenn es um Handlungsmotivation geht, liefern Daten allerdings keine Insights. Dennoch steckt ein Teil der Antwort auch in den Daten, vor allem wenn man sie so zu interpretieren weiß, dass der Mensch dahinter wirklich besser sichtbar wird: „Dazu muss man sich hinsetzen, am besten im Team, und die Daten anschauen, drehen, wenden, diskutieren“, so Lauscher. Leider passiere das noch immer sehr selten und man bleibe gerne beim Offensichtlichen. „Doch wenn ich die Daten in den Kontext Mensch stelle, kann ich die Person hinter den Daten entdecken und sie mit all ihren Emotionen, Wertvorstellungen, Ängsten und Träumen adressieren. Der Mensch, den wir auch Kunde nennen, steckt ja da irgendwo hinter den Daten“, fügt er hinzu.

Beim Big Data Marketing Day wird Lauscher dazu sein 4D-Modell vorstellen. Dieses kann bei der Interpretation als Orientierung dienen, indem Marketiers nacheinander jede der vier Perspektiven auf die Daten einnehmen.

4d Modell von Pascal Lauscher (Image by Pascal Lauscher)
4D-Modell von Pascal Lauscher; Image by Pascal Lauscher

Zudem wird er fünf goldene Regeln vorstellen, mit denen Unternehmen ihre Kunden erreichen.

Eine davon verrät uns Pascal Lauscher schon vorab: „Eine meiner Regeln besagt: Wenn man nicht weiter weiß, universelle Motivatoren bedenken. Es gibt universelle Motivatoren, die jeder von uns kennt und die immer funktionieren. Die muss man nicht neu erfinden – sie sind schon in der menschlichen Psyche verankert. Limitation zum Beispiel (sechs Leute interessieren sich auch für dieses Hotel, nur noch drei Zimmer frei). Oder Neugier (25 alltägliche Dinge, von denen Du nicht wusstest, wozu sie gut sind. Nummer vier hätte ich nie erwartet…). Diese Motivatoren lassen sich auf jeden Fall immer abarbeiten und man ist schon ein Stück weiter in Sachen wirksames Marketing. Am besten verknüpft man diese Motivatoren allerdings in einer Kreativitätstechnik mit den Daten. Ich zeige im Vortrag, wie man das macht und wie man damit haufenweise kreative Ideen für Content generieren kann.“

„There are a lot of great technicians in advertising. And unfortunately, they talk the best game. They know all the rules … but there’s one little rub. They forget that advertising is persuasion, and persuasion is not a science, but an art. Advertising is the art of persuasion.“ – William Bernbach

Wichtig sind die Menschen hinter den Daten

Statt sich also im datengetriebenen Marketing immer stärker den predictive Algorithmen, den Tools und Prozessen zu unterwerfen und damit viel mehr Potential zu verschenken als wir es ahnen, sollten wir lernen, die Menschen hinter den Daten zu erkennen und sie auf kreative Weise zu begeistern. Mit den richtigen Methoden ist das durchaus möglich und als Resultat wird unser Marketing freier und gleichzeitig wirkungsvoller.


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Facebook und die Teenager: Es ist kompliziert.

Sad and grumpy teenage girl (adapted) (Image by draganagordic via AdobeStock)

Der letzte Versuch von Facebook, sich als interessante Plattform für Teenager aufzustellen, wurde heimlich, still und leise zu Grabe getragen. Die Lifestage-App der Social-Media-Plattform (die so erfolglos war, dass die meisten wahrscheinlich gerade zum ersten Mal davon hören), wurde vor etwa einem Jahr unter einigem Getöse, aber mit ziemlicher Gleichgültigkeit ins Leben gerufen und hielt sich seitdem nur schwer.

Dennoch hat Facebook, wie es im Silicon Valley öfter mal vorkommt, auf das Scheitern eines Unternehmens schnell mit einem neuen reagiert und ein neuen Service zum Videostreaming enthüllt. Facebook Watch soll kurze Videos ins Portfolio aufnehmen, die live oder vorher aufgezeichnet werden und eigene, professionelle Inhalte enthalten. So kann die Plattform direkter mit den „Likes“ von YouTube, Netflix und traditionellen TV-Sendern in Konkurrenz treten.

Lifestage war nur ein Teil einer langen Serie von Facebooks Versuchen, gegen die Welle junger Leute anzukämpfen, die immer mehr auf verschiedensten Plattformen interagieren. Mit Facebook Watch scheint die Firma sich von dem Fokus, junge Leute zu behalten, abgewandt zu haben und stattdessen auf eine weit größere Basis an Benutzern abzuzielen. Vielleicht hat Facebook gelernt, dass es einfach nie cool sein wird – aber das heißt nicht, dass es nicht trotzdem beliebt sein kann.

Lifestage hätte mit dem immer beliebter werdenden Snapchat, der App, mit der man Fotos und Videos teilt und die besonders unter Teenagern beliebt ist, konkurrieren sollen. Doch der Ableger erreichte nie die Anzahl an Benutzern, die es gebraucht hätte, um das Unternehmen zu erhalten. Was beunruhigend für Facebook ist, dass nach den kurzlebigen Services Facebook Poke und Facebook Slingshot, die beide ebenfalls in ihr stilles digitales Grab verbannt wurden, bereits der dritte gescheiterte Versuch war, den Erfolg von Snapchat bei Teenagern nachzuahmen. Mit eher lauer Begeisterung hat Facebook außerdem einige Features von Snapchat, wie etwa die Stories-Funktion, in seine Haupt-App eingearbeitet.

Dies rührt daher, dass der Social-Media-Markt nach wie vor unheimlich schnell expandiert. Der Konkurrenzkampf ist heftig und zahlreiche Firmen wetteifern mit Neugründungen und aufsteigenden Marken, um die Aufmerksamkeit der wachsenden und immer stärker vernetzten Benutzer. Es ist nicht mehr der Fall, dass ein oder zwei Firmen das Monopol in der Social-Media-Landschaft besitzen. Die meisten Jugendlichen benutzen nach und nach mehr als eine Plattform, um online zu interagieren (wobei dieser Trend außerhalb der westlichen Welt etwas anders zu sein scheint). Junge Leute experimentieren mit neuen Formaten und Arten der Interaktion – dies reicht von kurzen Videos und Nachrichten, die nicht dauerhaft gespeichert werden, zu anonymen Feedback-Apps wie Sarahah, die bei Teenies sehr beliebt ist und Medienpädagogen zum Schluchzen bringt.

Trotz dieser Schwierigkeiten ist Facebook nach wie vor mit Abstand die beliebteste Social-Media-Plattform der Welt und hat mehr als zwei Milliarden Benutzer weltweit. Jüngste Daten zeigen, dass es unter Teenagern und jungen Benutzern beinahe so beliebt ist wie Snapchat. Ebenso verhält es sich mit der Foto-Plattform Instagram, die mittlerweile auch Facebook gehört.

Das Problem liegt hier selbstverständlich darin, dass durch die Beliebtheit und vor allem durch das klare, nutzerfreundliche Design nun auch die Eltern, Lehrer, Chefs und sogar die Großeltern die Plattform nutzen. Für die Teenager bedeutet das, dass die Plattform zu einem Problem geworden ist. Sie steckt voller konkurrierender und zwiespältiger Verpflichtungen, da nun verschiedenste Aspekte und Umstände ihres Lebens an einem einzigen Platz zusammenlaufen.

Die jungen Leute, mit denen ich für meine Untersuchung spreche, meinen, dass der große Anklang und das einfache Design von Facebook für sie eine einmalige Erfahrung sind. Facebook ist ein Ort mit potenziellen sozialen Landminen, mit der Angst, dass die verschiedensten Nutzer alles sehen, was gepostet wird – was zu Angst, Ausflüchten und Untätigkeit führt.

Dieses breite Publikum zu bewältigen bedeutet, dass junge Leute die öffentlichen Seiten von Facebook seltener nutzen und stattdessen auf Aspekte wie Gruppen und Privatnachrichten bauen. Das erklärt, warum sie anscheinend immer mehr auf Plattformen wie Instagram und Snapchat setzen, um mit ihresgleichen zu interagieren – ein Trend, der auch von anderen Forschern festgestellt wurde.

So gesehen scheint der Versuch, Teenager zu ermutigen, dieselben Features wie auf Snapchat zu benutzen, wenn die Marke Facebook doch so mit einem stark öffentlichen und sozial schwierigen Umfeld assoziiert wird, an sich fehlerhaft. Wir können nicht sagen, in welche Richtung sich die Firma in Zukunft entwickeln wird, aber es scheint naheliegend, dass sie Schwierigkeiten haben wird, jemals wieder so zentral für die Onlineerfahrungen von jungen Leuten zu werden, wie sie einmal war.

Facebook Watch zielt auf größeres Publikum ab

Das Einrichten von Facebook Watch suggeriert jedoch, dass die Firma vielleicht ihre Lektion gelernt hat. Das neue Service ist ein Versuch, einen umfassenderen Ort zu kreieren, der seine größere Benutzerbasis ansprechen kann und Inhalt, Ideen und Platz nicht nur auf Teenager und junge Leute ausrichtet.

Mit der Ankündigung des Services zum Teilen von Videos hat Facebook bekanntgemacht, dass man „gemeinschaftsorientierte“ Ergebnisse braucht. Nutzer werden Videovorschläge bekommen, die darauf basieren, was andere – insbesondere ihre Freunde – sich ansehen. Auf diese Art ermöglicht Facebook den Benutzern, Inhalte zu finden, die ihre Interessen und Freundschaften jeglicher Art widerspiegeln. Anstatt zu versuchen, eine bestimmte demografische Gruppe beizubehalten und nur auf sie abzuzielen, scheint Facebook Watch den breiteren Anklang der Plattform zu würdigen.

Dies scheint mit dem Schritt, weniger als reines soziales Netzwerk aufzutreten, und hin zu einem umfassenderen Zentrum für Neuigkeiten und Inhalte übereinzustimmen, den Facebook hier vornimmt. Dank Facebook Watch brauchen Benutzer die Plattform nie zu verlassen, da sie sowohl Inhalte, die im Netz eingebettet sind, als auch eigene Videos, die von der Seite zur Verfügung gestellt werden, ansehen können. Und weil Facebook hinsichtlich der Videoinhalte bereits an zweiter Stelle nach YouTube steht, sieht dieser Schritt abermals aus wie ein Versuch, sich auf einen breiteren Markt als nur den der Teenager auszurichten.

Die Tatsache, dass Facebook zunehmend seine diverser werdende Benutzerbasis nährt, kann zu einem Problem für junge Leute werden, die um ihre Interaktionen auf der Plattform besorgt sind. Wenn man jedoch den massiven Erfolg von YouTube bei den meisten Teenagern berücksichtigt, dient Watch vielleicht dazu, Teenager zurück zu Facebook zu locken. Es gibt wirklich nur eine Art, die Beziehung zwischen jungen Leuten und Facebook zu beschreiben: Es ist kompliziert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Sad and grumpy teenage girl“ by draganagordic/AdobeStock.com


The Conversation

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Spieleentwickler gegen Fake News

Spiele (adapted) (image by Pexels [CC0] via pixabay)

Was ich toll an dem Spiel finde, ist, dass ich sehr schlecht darin bin und dass andere Leute sehr schlecht darin sind.“ Möchtest du deine eigenen Fake News erstellen? Ja, dafür gibt es eine App. Möchtest du Spaß dabeihaben, wenn du lernst, wie du Fake News von deinem Medienkonsum entfernst? Zum Glück gibt es dafür auch einige Apps.

Die Epidemie von Fake News während und nach der Präsidentschaftswahl in den USA brachte mehrere Spieledesigner und Journalisten dazu, über den Tellerrand hinauszuschauen, um gegen das Problem anzugehen. Sie sagen, dass große Geister ähnlich denken – und drei verschiedene Gruppen haben drei ähnliche Apps entwickelt, um Usern zu helfen, wie sie den Unterschied zwischen marktschreierischen Schlagzeilen und tatsächlichen Fakten erkennen können.

„Es ist heutzutage anstrengend, politisch aufmerksam zu sein”, meint Christopher Cinq-Mars Jarvis, der Entwickler eines Spiels, das auf überprüften Behauptungen von PolitiFact basiert. „Etwas, das es etwas erreichbarer macht und Hilfe anbietet. Dies funktioniert nicht nur mit Politik, sondern mit einer Vielzahl an Dingen.“

Nach der Wahl war Jarvis inspiriert, sich mit PolitiFact zusammenzutun, um das Handyspiel PolitiTruth zu entwickeln. Die Agentur für Digitale Medien ISL mit Sitz in Washington D.C. kreierte ‚Fake News: The Game‘ und veröffentlichte es als eine App und als Handyspiel für Spielautomaten, wie sie in manchen Bars stehen. Und Maggie Farley, ein Mitglied der JoLTan der American University und ehemalige L.A. Times-Korrespondentin, entwickelte das Konzept eines Fake News-Spiels mit Lindsay Grace, der Geschäftsführerin von AU Game Lab, sogar noch vor der Wahl – obwohl das Labor kurz vorher die Version 2.0 von Factitious veröffentlichte. Dabei handelte es sich um ein browserbasiertes Spiel.

Die Spiele haben alle etwa das gleiche Setup: Der Spieler bekommt eine Überschrift, einen Artikel oder eine Behauptung und muss dann den Wahrheitsgrad erraten. Nichts davon ist ausgedacht – alles ist irgendwo online veröffentlicht worden, entweder auf einer Website, die bekannt für Fake News ist, oder auf einer Seite einer wirklich existierenden Organisation. ‚Fake News: The Game‘ zeigt nur eine Überschrift und Facticious bezieht einen kleinen Ausschnitt eines Artikels mit einer Überschrift und einer Quelle ein, wenn man dies auswählt. (Factitious ist ein Open Source-Projekt, das mit der Knight Foundation entwickelt wurde, die für Gaming im Journalismus gewährt wird. Knight unterstützt auch das Nieman Lab.)

PolitiTruth bezieht aus dem Archiv von PolitiFact aus überprüften Behauptungen bestimmte Zitate und den Namen der Person, von der es stammt. Auch wird drn Kontext, der besagt, wann und wo das Zitate entstanden ist, angegeben. Der Spieler muss dann den Wahrheitsgrad der Behauptung des Zitats erraten. Man erhält Punkte für richtige Antworten. Bei manchen Spielen werden die auf einer weltweit einsehbaren Liste angezeigt.

Machen diese Spiele so süchtig wie Pokemon Go oder Candy Crush? Das ist zu hoffen. „Die globale Pandemie von falschen Informationen ist offensichtlich unvermeidbar und wahr und wenn wir auch nur eine winzige Rolle spielen können, um dagegen angehen zu können, dann sind wir erfreut und gespannt, dass wir etwas für die gute Seite tun können“, sagt D.J. Saul, Marketingchef und Geschäftsführer von ISL.

Gaming im Journalismus ist ein Konzept, das zunehmend Erfolg hat. Das bestätigt zumindest Rose Eveleth kürzlich in unsererem Schwestermagazin, den Nieman Reports:

Da die digitale Technologie es ermöglicht, immer mehr aus unserem Leben als Kunden mit einzubringen, zu spielen, Punkte zu sammeln oder gegen andere anzutreten, haben sämtliche Firmen Dinge wie Spiele in ihre Strategien eingebunden. Energielieferanten bewerten deine Energieeffizienz im Vergleich zu anderen Haushalten in deiner Nachbarschaft; Krankenversicherungen motivieren dich, Punkte zu sammeln, indem du Sport machst und aktiv bleibst. Foursquare motiviert seine Nutzer, regelmäßig ihre Lieblingsorte zu besuchen, um zu „gewinnen“ und Bester zu werden.

Für Journalisten bieten diese Art Spiele eine attraktive Möglichkeit, um Geschichten zu erzählen. Sie können komplexe System simulieren, bei denen verschiedene Entscheidungen unterschiedliche Enden bewirken können. Sie können Emotionen und Dringlichkeit in den Spielern hervorrufen. Und sie können die Menschen mit Erfahrungen in Verbindung bringen, die sie womöglich niemals im echten Leben haben werden. „Unser Job als Journalisten ist es, die Öffentlichkeit zu informieren“, sagt der Journalist und Spieledesigner Sisi Wie. „Indem wir Emotionen und Empathie nutzen, wird es durch das Spiel für den Leser möglich, sich auf eine neue Weise zu informieren, die die Leser sofort verstehen und sich auch später noch daran erinnern können.“

Nach links oder rechts zu wischen, um eine Entscheidung zu fällen, iwie es bei Dating Apps wie Tinder und Bumble üblich ist, kann hier genauso hilfreich sein. Ich habe mit Mitgliedern aus jedem Entwicklerteam gesprochen, um zu sehen, was sie wirklich aus ihren Fake News-Spielen gelernt haben. Dies haben sie herausgefunden:

Ein Fake-News-Spiel ist nicht so weit hergeholt

Lindsay Grace, der Geschäftsführer des AU Game Lab, ist fasziniert vom Konzept von Spielen in Nachrichtenproduktion. The Onion ist eine besondere Spieleform. Wo hat dies einen Platz im großen Mediensystem?“ sagt er. „Die Menschen verbinden Unterhaltungsnachrichten, Leute wie Jon Stewart und die vielen Daily Shows mit traditionellen Nachrichten und sie verschmelzen miteinander… Wir haben herausgefunden, dass es innerhalb der Spielewelt ebenfalls Verschmelzungen gibt. Wir haben das Konzept die ernsten Spiele verkauft. Hier glaubt man, dass Spiele uns helfen, uns anders zu entwickeln, Lernmöglichkeiten und Möglichkeiten bieten, um komplexe Systeme zu verstehen. Warum sollte man dies nicht miteinander verbinden?“

Jarvis, der Entwickler von PolitiTruth, ist als Programmierern geboren. Mit dem Journalismus hat er nicht so viel am Hut, obwohl PolitiFact ihm durchaus ein Begriff ist. „Es entstand eine abhängige Beziehung seit der letzten Wahl“, erzählt er. Seine Idee für ein Fake News-Spiel „entstand, als ich sah, dass sie eine offene Programmierschnittstelle haben. Ich dachte, dass dies eine optimale Gelegenheit ist, um etwas zu erschaffen, wo man die Menschen motivieren kann, sich diesem tollen Journalismus zu stellen und sie in gewisser Weise auszutricksen, indem es in einen Wettkampf umwandelt.“

Manchmal braucht man mehrere Versuche, um das richtige Spieledesign zu schaffen

Factitious von AU begann vor der Wahl als Gameshow Spiel. Aber es wurde schnell klar, dass für Personen, die nichts mit Nachrichten zu tun haben, das Spiel zu steuern, erläutert Grace. „Die erste Version dieses Spiels passte nicht wirklich zu dem, was wir über die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen wissen, wie die Interaktion Spaß macht und wie man eine schnelle mobile Erfahrung designt. Die zweite Version hat all diese Punkte bereits eingebaut.“ Die Änderung zahlte sich aus: das erste Spiel hatte nur ein paar hundert Spieler, aber Grace meint, dass Factitious mehrere Millionen Mal in den wenigen Monaten gespielt wurde, in denen es live erreichbar ist.

Das Wischen wie bei Tinder funktioniert

Grace gab zu, dass die Einführung vom „Wischen nach links oder nach rechts, um zu sehen, ob ein Artikel echt ist oder unter Fake News fällt“, einen entscheidenden Unterschied für das neue Design machte. Jarvis von PolitiTruth bemerkte einen ähnlichen Erfolg: „Als wir das Spiel bei der E3 [die Electronic Entertainment Expo in Los Angeles] bekanntgaben, nannten die Menschen es gerne ‚Tinder für Fake News‘.“

Informationen wollen aufgesaugt werden

In den ersten drei Tagen von Factitious spielten sich die Teilnehmer laut Grace durch 1,6 Millionen Artikel. Das durchschnittliche Ergebnis für Menschen, die die 15 Artikel des Spiels durchspielten, liegt bei 82 Prozent richtigen Antworten. „Wenn man gut spielen möchte, kann man den Inhalt jedes Artikels überprüfen, bevor man wischt“, sagt er. „Das ist eine Verhaltensänderung, die sonst nur durch Twitter oder Facebook scrollen und nur teilen, ohne zu überprüfen, ob es wahr ist.“

Saul von ISL führt aus, dass die Daten von ‚Fake News: The Game‘ zeigen, dass die Menschen immer akkurater werden, je öfter sie spielen. Die Spieler haben einen Durchschnitt von 65 Prozent in der korrekten Identifizierung von realen oder falschen Überschriften.

Die Nutzer von PolitiTruth haben eine weltweite Erfolgsrate von 70 Prozent, meint Jarvis. „Das Spiel wäre kein nützliches Mittel, wenn man immer 100 Prozent erreichen würde.“ Er merkte an, dass die Ausschnitte in dem Spiel tatsächlich manche Nutzer informieren. „Die Menschen sollen nicht denken, sie müüssen den ganzen Artikel lesen, aber sie können es tun. Wenn etwas merkwürdig erscheint, können sie direkt auf die Nachrichtenseite weitergeleitet werden. Sie können sogar sehen, wie Kommentarschreiber und andere Menschen auf diese journalistische Erhebung geantwortet haben“, sagte er.

Die Menschen sind davon überrascht, wie schlecht sie abschneiden

“Es macht viel Spaß, den Menschen dabei zuzuschauen, wie sie das Spiel spielen. Sie können nicht glauben, dass manche Ergebnisse tatsächlich wahr sind. Sie glauben jedoch auch nicht, dass etwas falsch ist – auch wenn sie die Antwort bereits kennen“ berichtet Saul. (Zusätzlich zur App reist ‚Fake News: The Game‘ durch verschiedene Bars in der Region von D.C. im Stile eines Arcade-Spiels aus den Neunzigrn.)

“Was ich an dem Spiel wirklich toll finde, ist, wie schlecht ich darin bin und wie schlecht andere Menschen darin sind”, schlussfolgert Jarvis über PolitiTruth. „Sogar Menschen, die insgeheim denken, dass sie wissen, was passiert, wischen nach links und liegen komplett falsch. Es ist eine große Herausforderung für das politische Bewusstsein.“

Jedoch kann es Menschen frustrieren, weswegen sie das Spiel schnell verlassen. Grace schloss daraus, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Menschen gibt, die Zeit damit verbringen Factitious durchzuspielen und denen, die das Spiel vorzeitig verlassen. „Die Menschen, die aufgeben, erzielen meistens schlechte Ergebnisse und verlassen das Spiel vor dem vierten ALevel,“ erläutert er und bemerkt, dass diese Gruppe rund 20 bis 30 Prozent der Spieler ausmacht. „Sie sind frustriert und kriegen nicht die Antwort, die sie erwarten.“

Auch die Entwickler lernen – aus den Daten der Spieler

„Wir führen detaillierte Statistiken, die wir hoffentlich demographisch analysieren können, um gezielt zu sehen, woher die Fake News kommen und wer dafür am anfälligsten ist,“ fasst Jarvis zusammen. Aaron Sharockman, Geschäftsführer von PolitiFact, führt aus, dass diese Einblicke in das Verhalten der Nutzer dem zukünftigen Faktencheck behilflich sein können. „Die Menschen spielen das Spiel gerne, aber wir kriegen viele Informationen nebenbei, die wir nutzen können“, sagte er.

„Wir können darüber nachdenken, was wir auf Fakten überprüfen und wie wir das machen.“ Als Teil der Knight Foundation, die die Produktion des Spiels unterstützt, hat das Factitious Team vor, die Daten mit verschiedenen Nachrichtenorganisationen zu teilen. „Wir können es dort auslegen und unsere Zielgruppe das Spieldurchspielen lassen“, erklärt Grace. „Nachrichtenorganisationen können Dinge machen, wie das Bild tauschen… Überschriften bearbeiten, den Haupttext einsehen.“

Diese Spiele sind nicht das Ende

ISL überlegt, seine Sets zu verkaufen, sodass die Menschen die Arcadeversion von ‚Fake News: The Game‘ selbst aufbauen können, aber auch, dass Spieler das Spiel mit Alexa von Amazon mit einem von ISL entwickelten Skill zu nutzen. Saul erklärte, dass ein vorgeladener O-Ton von Donald Trump den Nutzern mitteilt, ob sie richtig oder falsch liegen.

Da Factitious ein Open-Source-Projekt ist, ist AU Game Lab vorsichtig in Bezug auf Fake News-Produzenten, die falsche Versionen des Spiels anbieten. „Wir haben es so gestaltet, dass es leicht erreichbar ist. Die Herausforderung ist, dass wir auch in Bezug auf Branding vorsichtig sein müssen,“ sagt Grace. „Wenn jemand ein Fake News Spiel entwickeln möchte und sämtliches schädliches Material einbauen möchte, müssen wir aufpassen.“ Andererseits ist PolitiFact gespannt PolitiTruth als ein neues Mittel für Reichweite zu haben. “Während wir alles versuchen, um so transparent und objektiv wie möglich zu sein, gibt es Teile in der Bevölkerung, die uns als voreingenommen betrachten,“ sagt Sharockman. „Das Spiel wäre ein neuer Weg, um Leser in einem anderen Format zu erreichen, mit ihnen in einer neuen Weise zu interagieren und langzeitig zu sehen, ob wir das Vertrauen in den Faktencheck und PolitiFact selbst verbessern können.“

Sharockman fügte in diesem Herbst hinzu, dass PolitiFact verschiedene Experimente veröffentlichen wird, um die Verbreitung von Fake News mit der Unterstützung der Knight Foundation zu bekämpfen. Dieses Spiel ist einer dieser Experimente und Sharockman hofft auch, dass das Spiel Einzug in die Schulen halten wird, um für mehr Nachrichtenkompetenz sorgen zu können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Spiel“ by Pexels (CC0 Public Domain)


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