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Social Media – Ein eigenes Universum

Social Media hat sich über die letzten Jahre fest in unserem alltäglichen Leben verankert. Der morgendliche Blick auf das Smartphone ist fast schon so normal geworden wie die Tasse Kaffee. Bei den ganzen Social Media-Angeboten kann einen schnell der Überblick verloren gehen.

Visual Capitalist haben sich die Social Media Landschaft geschnappt und sie visuell aufbereitet – in Form eines kleinen Universums. Wir haben euch interessante Erkenntnisse aus der Grafik zusammengefasst.

Der Zuckerberg Cluster

Lange Zeit war Facebook der Inbegriff eines Social Networks und nahezu konkurrenzlos unterwegs. Trotz aller Kontroversen um Facebook, zuletzt der Datenskandal um Cambridge Analytica, sitzt Facebook weiter sicher auf dem Thron. Monatlich melden sich über zwei Milliarden Nutzer bei Facebook an. Das sind mehr als die Hälfte aller weltweiten Internetznutzer!

Dank geschickter Aufkäufe hat sich das Zuckerberg Cluster zudem um weitere Big Player vergrößert. Der 2012 von Facebook aufgekaufte Microblogging-Dienst für Bilder, Instagram, hat mittlerweile eine Milliarde monatliche Nutzer zu vermelden. Der 2014 übernommen Instant-Messaging-Dienst WhatsApp, hat mit 1,5 Milliarden monatlichen Nutzern sogar eine noch größere Reichweite.

Fast wäre übrigens auch noch Snapchat der erfolgreichen Facebook-Familie beigetreten. Zwei Angebote über eine, später drei Milliarden US-Dollar hat der innovative Instant-Messaging-Dienst abgelehnt. Vielleicht würde Snapchat derzeit nicht straucheln, wenn sie das Angebot des Social Media-Riesen angenommen hätten.

YouTube und sein Schatten

Von vielen nicht direkt als solches wahrgenommen, liegt YouTube auf Rang 2 der Social Networks. Auch YouTube war damals ein geschickter Einkauf von Google. Mit 1,9 Milliarden Nutzern profitiert YouTube stark von seinem Quasi-Monopol als Videosuchmaschine.

YouTubes tatsächlicher Social Media-Arm Google+ ist dagegen ein Sonderling. Da jeder YouTube-Account auch automatisch ein Google+ Profil besitzt, hat das Netzwerk eine hohe Nutzerzahl, gilt aber faktisch als tot. Entsprechend zieht Google, nach einem vorangegangenen Datenleck-Skandal, im kommenden Jahr den Stecker für sein gescheitertes Netzwerk.

Es wird noch gezwitschert

Auch Twitter hat eine Art Sonderstatus. Mit seinen „nur“ 336 Millionen Nutzern im Monat ist der 2006 gegründete Microblogging-Dienst weit abgeschlagen von der Spitze. An Aktualität ist Twitter jedoch kaum zu übertreffen. Wenn etwas Spektakuläres passiert, trendet der Hashtag nur kurze Zeit später. Auch Unternehmen und sogar Politiker twittern munter ihre Meinungen und Neuigkeiten in die Welt und sorgen dabei mitunter für Schlagzeilen.

Social Media in allen Bereichen

Mittlerweile wird in sozialen Netzwerken fast alles abgedeckt. LinkedIn ist beispielsweise mit fast 300 Millionen monatlichen Nutzern führend bei der beruflichen Vernetzung. Für die berufliche Kommunikation hat der Messenger Slack seine Nische gefunden. Die virtuelle Pinnwand Pinterest kommt immerhin auf 200.000 Nutzer im Monat. Ello, ein Netzwerk für Kreative, hat seinen großen Hype hinter sich, hält sich mittlerweile aber wieder stabil. Der in Deutschland eher unbekannte Social News-Aggregator Reddit freut sich monatlich über 330 Millionen Nutzer.

Obwohl im Universum viele ausgegraute Planeten gescheiterter Netzwerke zu sehen sind, sorgt Myspace für eine kleine Überraschung. 80 Millionen Nutzer finden noch immer auf das Urgestein unter den Social Networks, das vor dem Aufstieg Facebooks noch an der Spitze stand.

Die Konkurrenz aus Fernost

Trotz der weltweiten Vernetzung gelten für den asiatischen Markt ganz andere Regeln. Im Westen kaum wahrgenommen, ist dort eine Social Media-Landschaft entstanden, die es durchaus mit den uns bekannten Marktführern aufnehmen kann. Vor allem China dominiert den asiatischen Markt, allen voran das Internetunternehmen Tencent. Zu Tencent gehören unter anderem die Social Media Plattform QZone und die Messenger-Dienste QQ und WeChat. Letzterer hat als erstes asiatisches Netzwerk eine Milliarde monatliche Nutzer geknackt. Insgesamt 5 chinesische Social Networks können höhere monatliche Nutzerzahlen aufweisen, als Twitter.

Neben den USA und China schafft es aber kaum ein anderes Land, in der obersten Liga mitzuspielen. Der russische Unternehmer Pawel Durow konnte sich mit seinem Instant Messenger Telegram und seinem Netzwerk Vkontakte einen kleinen Teil des Social Media-Kuchens sichern. Letzteres ist allerdings vorwiegend in Russland, Weißrussland und Ukraine populär.

Aus Japan kommen die Messaging-Dienste Line und Viber, die immerhin beide auf über 200 Millionen monatliche Nutzer kommen. Line ist in Japan unangefochtener Spitzenreiter unter den Messengern. Nach Angaben der Line Corporation nutzen 85 Prozent aller japanischen Smartphone-Nutzer mindestens einmal im Monat deren App. Line wurde übrigens aus der Not heraus entwickelt, als das japanische Telefonnetz nach dem Tōhoku-Erdbeben 2011 nur schlecht funktionierte.

Ständig in Bewegung

Im Social Media-Universum sind die Planeten stets in Bewegung. Manche werden aufgekauft und damit Teil eines neuen Systems, andere verschwinden von der Bildfläche. Doch wie lange werden Asien und die restliche Welt noch voneinander isoliert sein? Ständig entstehen neue Social Networks, die neue Möglichkeiten bieten, sich zu vernetzen. Wir sind gespannt, wo sich die Planeten in den nächsten Jahren hinbewegen.


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Facebook Watch – Was steckt hinter dem Symbol in der App?

Dem einen oder anderen mag es aufgefallen sein. Dieses neue Symbol in der Facebook-App, das einem an ein gewisses Videoportal erinnert. Will das neue Facebook Watch damit etwa den Marktprimus YouTube stürzen? Und was kann dieser neue Facebook-Dienst überhaupt?

In den USA schon länger online

So ganz neu ist der Video-on-Demand-Dienst von Facebook nicht. Bereits im August vergangenen Jahres fiel in den USA der Startschuss. Zum anfänglichen Programm gehörte unter anderem „Little Kitchen“, eine Kochshow mit Kindern, sowie die Übertragungen ausgewählter Spiele der US-Baseball-Liga MBL. Aber jetzt stellt sich die Frage, was Facebook Watch nun eigentlich anders macht?

Facebook will nicht wie YouTube sein. Wo die Google-Tochter ganz nach dem Motto „Broadcast yourself“ jedem die Möglichkeit bietet, seine Videos zu veröffentlichen, geht Facebook restriktiver vor. Neben professionell produzierten Inhalten können zwar auch Facebook-Nutzer eigene Videos veröffentlichen, müssen dafür aber schon 5.000 Fans mitbringen. Dem Zuschauer werden die Videos nach dem gleichen Prinzip empfohlen, wie bereits bei Facebook-Beiträgen.

Wenn man sich auf der Videoseite befindet, wird die Suchleiste für die gezielte Suche nach Videos genutzt. Über den Filter könnt ihr bestimmen, ob ihr für sich losgelöste Videos, Sendungen oder Folgen einer Serie suchen wollt und könnt den Suchradius auf Freunde oder Gruppen beschränken.

Die Suchfunktion von Facebook Watch. Es wird nach einzelnen Videos gesucht. Screenshot by Stefan Reismann

Facebook Watch Party

Eines der interessanten Features von Facebook Watch sind jedoch die „Facebook Watch Partys“. Dabei handelt es sich um eine besondere Art der Facebook-Gruppe. Die Administratoren oder Moderatoren der Gruppe können bestimmen, wann die Gruppe etwas schaut. Das können sowohl Live-Videos sein, als auch eigene Videos oder welche, die auf anderen Facebook-Seiten hochgeladen wurden.

Die Party sieht dann gemeinsam das gleiche Video zum gleichen Zeitpunkt und kann dabei live kommentieren und Emoticons verwenden. Bislang hatte man dieses Erlebnis des gemeinsamen Schauens nur offline auf der heimischen Couch oder beim Verfolgen eines Livestreams. Mit Facebook Watch Party könnt ihr jederzeit übers Internet einen kleinen oder größeren Fernsehabend veranstalten – und jeder muss nur sein eigenes Popcorn mitbringen.

Videomacher könnten außerdem die Veröffentlichung eines neuen Videos gemeinsam mit den Zuschauern feiern und direkt mit ihnen interagieren. Das würde die Zuschauerbindung immens stärken.

Bislang nur auf mobilen Endgeräten

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Bislang ist das Angebot nur über mobile Geräte verfügbar. Wer etwa über den heimischen Browser auf die Watch-Seite geht, bekommt die Fehlermeldung „Leider ist dieser Inhalt derzeit nicht verfügbar“. Da der Service in den USA bereits auch über Desktop verfügbar ist, sollte es nicht lange dauern, bis ihr Facebook Watch auch in Deutschland über euren PC nutzen könnt.


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • INSTAGRAM LITE handy.de: Instagram Lite: Spar-Version der Foto-App schon jetzt testen: Facebook hat es schon vorgemacht und Instagram zieht jetzt nach! Mit Instagram Lite wird demnächst die abgespeckte Version der Foto-App in Deutschland erscheinen. Mit nur rund 573 KB braucht die Light-Version nur einen Bruchteil des Speicherplatzes der Haupt-App – der beträgt rund 32 MB. Die App ist als Einsteigerversion der Haupt-App zu betrachten, Funktionen umfassen das Posten von Stories und Beiträgen im Feed. Lediglich das Senden von Direktnachrichten und die Einbindung ist nicht möglich – zumindest noch nicht. Auch diese Funktionen seien geplant und sollten in den nächsten Monaten implementiert werden.

  • GOOGLE DUPLEX t-online: Das sagen die ersten Tester über Google Duplex: Eine KI-Stimme, die fast nicht von einem Menschen zu unterscheiden ist. Als Google erstmals ihren Assistenten Duplex ankündigte, reagierte die Öffentlichkeit gleichermaßen mit Schrecken und Faszination. In einem aktuellen Demo-Video zeigt Google jetzt den Telefon-Assistenten. Der kann beispielsweise Reservierungen für den Nutzer tätigen, ohne dass dieser selbst zum Hörer greifen muss. Jetzt gibt es die ersten Tester-Stimmen zum smarten Assistenten. Google Duplex soll dann in den nächsten Wochen auf den Markt kommen.

  • PATENTSTREIT tagesschau: Apple und Samsung einigen sich – Patentstreit ums Smartphone beendet: Sieben Jahre hat er angedauert – der Patentstreit zwischen Apple und Samsung. Der große Apfel hat seinem koreanischen Konkurrenten 2011 Plagiat vorgeworfen – Samsung soll das Design von iPad und iPhone gestohlen haben. Die Unternehmen legten den Streit jetzt bei, stellten das Verfahren ein und konnten sich außergerichtlich einigen. Ursprünglich startete Apple-Gründer Steve Jobs die Fehde, um den Konkurrenten Samsung zu untermauern. In einem ersten Verfahren hat das Gericht Apple schließlich auch Recht gegeben. Die Konkurrenz durch die Koreaner besteht aber bis heute.

  • AR golem: Pokémon Go – Niantic öffnet seine AR-Plattform für Drittentwickler: Augmented Reality soll bald so flüssig wie nie funktionieren. In 2016 löste die Firma Niantic mit ihrer AR-App Pokémon Go einen globalen Hype aus. Einwandfrei funktionierte die AR-Technologie zu diesem Zeitpunkt aber nicht immer. Jetzt hat Niantic ein englisches Startup übernommen, sich in London niedergelassen und eine neue AR-Technologie vorgestellt, die das Verschmelzen der echten und simulierten Welt noch flüssiger macht. Das Stichwort dabei ist Machine Learning – dadurch sollen sich die echte und erweiterte Realität noch besser verstehen.

  • TRANSPARENZ t3n: Facebook und Twitter zeigen euch alle Anzeigen eines Accounts: Auf Facebook und Twitter soll künftig wieder für mehr Transparenz gesorgt werden. Der Nutzer kann jetzt einsehen, welche Anzeigen ein Account erstellt hat. Im Jahr 2016 gerieten die Plattformen während der US-Wahl mächtig in Kritik. Im Zuge des Wahlkampfes machten Fehlinformationen auf Social Media die Runde. Wie die Anzeigen eines Seitenbetreibers bei Facebook oder Twitter eingesehen werden können, zeigen die Kollegen von t3n.

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Neues Instagram-Urteil: Ist das denn Werbung?

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Die mit Abstand beliebteste App unter meinen Freunden und auch in vielen anderen Kreisen – seien es Fashion-Victims, Wanderlustige oder Foodies – ist Instagram! Mal postet man sein #OOTD – das “Outfit of the Day” – mit den entsprechenden Marken in der Beschreibung oder markiert einen Beitrag in dem Restaurant, in welchem man gerade schlemmt. Das könnte so schon bald zu heftigen Abmahnungen führen. Was ist da denn los?

Absurdes Urteil: Der Fall Vreni Frost

Influencer erobern derzeit die Social Media Plattformen – allen voran die Bilder-Community Instagram! Vor einiger Zeit war bei deren Postings aber oft nicht klar, ob ihre Meinung zu bestimmten Produkten auch wirklich die eigene war oder ob nicht etwa ein Sponsoring oder ein PR Sample im Spiel war. Gegen diese Art von Schleichwerbung wurde bereits vorgegangen und Markenkooperationen müssen explizit als Werbung genannt werden. “In Kooperation mit..”, “Sponsored by…” oder “#Ad” reicht da nicht mehr!

Jetzt wurde Urteils-Irrsinn aber laut vieler Instagram-Nutzer zu weit getrieben –  so ist das Vreni Frost nämlich passiert. Jüngst hat das Urteil rund um die Bloggerin Instagram-Nutzer landesweit verunsichert. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) hat sie wegen unlauteren Wettbewerbs abgemahnt, da sie die Marken ihrer Kleidung in einem Bild getaggt hat ohne zu erwähnen, dass es sich um unbezahlte Werbung handelt. Das Urteil besagt, dass jede Art der Markennennung nun als Werbung bezeichnet werden muss, selbst wenn man nichts mit dem Konzern zu tun hat und das Produkt, die Dienstleistung etc. rein privat verwendet. Sollte man dem nicht folgen, können heftige Abmahnungen drohen!

Was bedeutet das Urteil jetzt für uns?

Es ist wichtig und notwendig gegen tatsächliche Schleichwerbung auf den sozialen Medien vorzugehen, um leichtgläubigere, aber vor allem auch jüngere Nutzer zu schützen. Dieses aktuelle Urteil gegen “unbezahlte Werbung” geht laut vieler Stimmen allerdings zu weit. Aktuell heißt das für Instagram-Nutzer, dass sie, sobald sie beispielsweise ihren Standort in einem Geschäft der Restaurant angeben, einen Markennamen taggen, in der Beschreibung oder als Hashtag erwähnen, all dies als Werbung kennzeichnen müssen. Diese Kennzeichnung muss zudem gleich zu Beginn der Beitragsbeschreibung erfolgen und nicht etwa unscheinbar am Ende.

Der Kampf gegen das #Abmahngate

Was den Influencern jetzt noch übrig bleibt, ist es dem Urteil den Kampf anzusagen. Wie die Kanzlerin einmal so stechend feststellte, ist das Internet Neuland – so auch viele Rechtslagen darin. Influencern und Privatpersonen sollte es daher ebenso wie Verlags- und Medienhäusern in Zeitschriften und TV-Beiträgen möglich sein redaktionell und ohne Werbeabsicht über Marken, Dienstleistungen etc. berichten zu dürfen.


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Vero – Hype um die neue Social Media App

Wer sich viel im Netz und sozialen Medien aufhält, wird wohl kaum daran vorbei gekommen sein. Quasi über Nacht bahnte sich die neue Social Media App Vero mit einem unverwechselbaren Hype ihren Weg auf die Smartphones dieser Welt. Tatsächlich schlummert die App aber schon seit 2015 im Apple-Store. Aber was genau ist das “neue” Social Network und wird es dem Hype gerecht?

Nein zu Werbung und Datensammlerei, ja zu User-Content!

Social-Media-Plattformen wie Facebook und die Unternehmenstochter stehen vermehrt in der Kritik. Bezahlte Posts von Firmen und Influencern prägen die Feeds der User und die Algorithmen nehmen scheinbar kleinen, aufstrebenden Gewerben und Künstlern die nötige Reichweite, um ihr Following wachsen zu lassen. Vero will das ändern und hat dafür sogar ein Manifest aufgesetzt.

Wie bei jedem “Next Big Thing” war der Hype auch zu Vero anfangs groß. Auf Twitter vermuteten manche User hinter dem schlagartigen Hype schon eine Influencer-Kampagne.

Grund zur Begeisterung vieler war das Versprechen der App-Entwickler. Die App wird so als „True Social“ App bezeichnet. In Vero wird deshalb (noch) auf Werbung und Bezahl-Reichweite verzichtet – der User soll nur das sehen, was er sehen möchte und in der tatsächlichen chronologischen Posting-Reihenfolge. Ein nobles Versprechen, das aber auch die Frage nach der Finanzierung der App aufwirft. Für die ersten Millionen Nutzer soll Vero daher noch komplett kostenlos sein, alle, die sich danach anmelden, dürfen dann jährlich mit einem kleinen Betrag rechnen. Das traf zunächst auch auf viel Anklang in der Netzgemeinde. Allmählich schlagen die Meinungen teilweise aber auch um. Vor allem die AGB verunsichern aber viele User, da gepostete Bilder frei weiter verwendet und bearbeitet werden dürfen – was aber auf Instagram und Co. auch nicht anders ist.

Was kann die App?

Vero lässt sich wohl am besten als Facebook mit einer Prise Instagram beschreiben. Wenn ihr die App öffnet, findet ihr im chronologischen Feed, alle Inhalte von Freunden und Seiten, denen ihr folgt. Die Suchanzeige öffnet sich mit Trends, Vorschlägen und aktuell beliebten Hashtags.

Ihr könnt Freunde hinzufügen, Profilen aber auch gleichzeitig folgen. “Freunde” können zudem in die Kategorien “Bekannte”, “Freunde” und “Enge Freunde” eingeteilt werden und eure geteilten Inhalte so auch individuell nur für bestimmte Gruppen zugänglich gemacht werden. Ähnlich wie bei Twitter und Instagram, gibt es bei Vero aber auch Hashtags.

Wenn ihr Postings erstellt, habt ihr sechs verschiedene Optionen: Kamera, Link, Musik, Film/TV, Buch und Ort. Literarische Ergüsse durch reine Text-Postings sind dadurch also gar nicht möglich, was aber auch nicht stört. Das „Empfehlungs“-Feature durch die Posting-Optionen Musik, Film/TV und Buch sind eine nette Idee sich mit Freunden gezielt zu den Themen auszutauschen.

Fazit

Heutzutage erliegen viele Dinge im Internet dem “Next Big Thing”-Syndrom. Für etwa einen Tag bis zu einer Woche müssen sich Apps, News, Memes und mehr der Feuertaufe der Langlebigkeit im Internet unterziehen. Ob wir in den kommenden Monaten noch über Vero reden, bleibt abzuwarten. Potenzial hat die App definitiv und wenn sich das Konzept des Bezahl-Algorithmus- und werbefreien Feeds durchsetzt, kann sie sich definitiv durchsetzen. Ob man sich nur noch ein Social Media Profil antun will, das ebenso wie die anderen regelmäßig mit Inhalten versorgt werden möchte, ist fraglich.

Vero ist für iOS– und Android-Geräte verfügbar.


Image by Nils Hansen

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Die Netzpiloten sind Partner der AFBMC & AIMC 2018

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Als Partner der Veranstaltung können wir euch auch wieder einen tollen Rabatt in Höhe von 15 Prozent für die Tickets anbieten. Der jeweilige Rabattcode lautet NETZPILOTENAFBMC oder NETZPILOTENAIMC. Lasst euch die beiden Events nicht entgehen!


Wenn ihr einen Wissensvorsprung in Sachen Influencer Marketing und Facebook Marketing haben wollt, dann sind die AFBMC und AIMC die richtigen Events für euch! Ausgeschrieben sind das dann die AllFacebook Marketing Conference und die AllInfluencer Marketing Conference. Der Veranstalter Rising Media lädt euch am 20. und 21. März zu den beiden Events in das ICM der Messe München ein!

AllFacebook Marketing Conference

Für einen Tag wird München der Hotspot in Sachen Social Media Marketing. Nicht nur Themen zu Facebook, sondern auch zu Instagram, WhatsApp, Pinterest, Twitter oder YouTube werden auf vier Bühnen von über 40 Speakern behandelt. Unter anderem spricht Carsta Maria Müller, ihrerseits Director of Social Media bei ProSiebenSat. 1 TV, über die größten Social Media Fehler von ProSiebenSat. 1 und was daraus gelernt werden kann oder Nadine Neubauer, Brand Development Lead bei Instagram, darüber wie die Plattform für visuelles Storytelling genutzt werden kann. Einen besseren Überblick über das Programm und die Speaker bekommt ihr auf der Website der Veranstaltung. 

Schaut doch mal auf dem Hashtag #AFBMC vorbei! Eure Tickets für die Veranstaltung gibt es hier, am Ende dieses Beitrags haben wir zudem einen Rabattcode in Höhe von 15 Prozent für euch! Die 5. AFBMC findet am 20. März im ICM der Münchner Messe statt.

AllInfluencer Marketing Conference

“Learn. Connect. Inspire. Influence” ist das Motto der AIMC! Passend zum Motto wurden auch viele interessante Referenten eingeladen, die von ihren Erfahrungen im Influencer Marketing berichten werden. Christina Dörr – oder “nutellacinderella” in den sozialen Medien – ist selbst Influencerin und war schon im Produktionsmanagement für TV-Formate wie “Germany’s Next Topmodel” oder “The Taste” tätig. Sie ist Expertin im Bereich Social Media und Influencer Marketing und wird auf der AIMC in einer Session zu ihren Erfahrungen referieren. Weitere Infos zum Programm und zu den anderen Referenten erhaltet ihr auf der Website der AIMC.

Mit dem Hashtag #AIMC bleibt ihr während der Versnstaltung auf dem Laufenden. Tickets bekommt ihr hier, vergesst aber nicht den Rabattcode am Ende des Beitrags! Die 2. AIMC findet am 21. März im ICM der Münchner Messe statt.

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Digitalisierung und Wertesplit: An welche Zukunft glaubst du?

Spaltung (Image adapted by Pablo Heimplatz [CC0 Public Domain] via Unsplah

Ruhe sanft, öffentlicher Diskurs, du warst der größte Gastgeber aller Zeiten, hattest immer Platz an deinem Tisch, warst für lebhafte Abendessen oder Kneipenbesuche stets zu haben, konntest Kampf sein und Spiel, aber auch Heimat und Ziel.“

So schön verabschiedet sich Juli Zeh in ihrem aktuellen Buch „Leere Herzen“ von dem öffentlichen Diskurs. Fragt man die Schriftstellerin und Juristin, wer Schuld an der oben genannten Entwicklung haben könnte, so sind es ihrer Meinung nach: wir alle. Auch die Bundestagswahlen waren für sie ein Beispiel dafür, dass wir heutzutage an den wichtigen Fragen vorbeireden. Wofür stehen wir als Menschen noch? – diese Frage steht in dem Politthriller im Vordergrund. Doch wie realistisch ist so ein Zukunftsszenario wohl?

Daniel Dettling ist der Meinung, dass die Deutschen in zwei unterschiedlichen Wertewelten leben. In einem Kommentar zur Bundestagswahl schreibt er: Studien zufolge sind 20 Prozent der Deutschen weltoffen und sprechen sich für Zuwanderung und Freihandel aus. Exakt so viele setzten auch auf Kooperation, Konnektivität und Kommunikation in Zukunft – jeder Zehnte lehnt jedoch Freihandel und Flüchtlinge ab. Das bedeutet: Zwei Drittel (70 Prozent) der Deutschen sind orientierungslos. Dettling glaubt, dass die Parteien die Angst vor der Zukunft geschürt haben: „So wenig Zukunft war selten in einem politischen Ideenwettbewerb.

Der Verlust der geteilten Öffentlichkeit

Technologischer Wandel bringt auch immer einen gesellschaftlichen mit sich. Manch einer, wie der Philosoph David Richard Precht, mag sogar behauptet haben, es sei der einzige Wandel, der unaufhaltsam ist. Der Wertewandel, den wir heute erleben, ist anders als je zuvor – denn er wird maßgeblich von der Digitalisierung beeinflusst. 

So erlauben die digitalen Medien eine noch nie dagewesene Meinungsvielfalt und punktuelle Vernetzung, bedrohen jedoch gleichzeitig die geteilte Öffentlichkeit. Denn nach der Philosophin Susanne Hahn sind die Menschen nicht mehr auf die öffentlichen Medien angewiesen. Vielmehr finden sie sich in Communities zusammen und tauschen dort Informationen aus. 

Was damit anhergeht, ist die Gefahr, sich eine persönliche, wasserdichte „Filterblase“ im Netz aufzubauen – man hört nur noch das, was durch den Filter dringt und die Nutzer-Algorithmen je nach Mindset erlauben. Diese Blase erlaubt es nicht, dass die eigene Identität mit anderen Wertewelten konfrontiert und das eigene Mindset weiterentwickelt oder hinterfragt wird. Zudem stellt diese Entwicklungen auch einen Verlust „längerfristigen Bindungen“ dar: Dies kann zu einem Problem für das Gesamtgefüge der Gesellschaft werden, wenn es um Mitwirkung und Respekt geht.

Der Werte-Split der Deutschen

Die Studie „Next Germany“ hat es sich zur Aufgabe gemacht die Wertelandschaft Deutschlands aufzuzeichnen. So kristallisieren sich aus ihren Datenerhebungen zwei kulturelle Wertewelten heraus, die Definitionen lauten folgendermaßen:  

  • Die Gruppe der „starken Gemeinschaft“: Sie wird von Schlagwörtern wie Kooperation, Zusammenhalt und Zukunftshoffnung beschrieben. Menschen mit geringer Bildung sind leicht überrepräsentiert.
  • Die Gruppe der „starken Individuen“: Sie wird von Schlagwörtern wie individuelle Leistung, Wettbewerb, vielen Zukunftsperspektiven beschrieben, denken jedoch in individuellen Kategorien. Menschen mit höherem Einkommen sind in dieser Gruppe leicht überrepräsentiert.

Um zu sehen, welcher Kategorie man angehört, kann man hier den Test machen. Die Datenanalyse der Studie zeigt somit auf, dass Deutschland tief gespalten ist – gleichzeitig wollen die Menschen jedoch auch einen Paradigmenwechsel in Form einer umfassenden Transformation der Gesellschaft und des Lebens. Nach Christian Schuldt muss eine neue Zukunftserzählung her, die eine überzeugende Alternative zu den unterkomplexen „rechten“ oder „linken“ Utopien darstellt. So zeigen die Auswertungen, dass wir als Gesellschaft eine neue Position des „progressiven Wir“ anstreben: Eine Position, die Gemeinschaft will, dafür jedoch auch die Stärke des Einzelnen nutzt. Fakt ist, dass dafür jedoch erst ein neues Mindset entwickelt werden muss.

Dass diese Annahme nicht nur von Datenanalysen getragen wird, zeigt zum Beispiel auch das jüngste Buch des Ökonomen Jeremy Rifkin „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“, das von Optimismus nur so strotzt: Hier vertritt Rifkin die Meinung, dass der Kapitalismus, der nur von Effizienz bestimmt ist, an seinen Gegensätzlichkeiten scheitern und von einer gemeinwohlorientierten Gesellschaft ersetzt werden wird. Rifkins Vision ist eine neue und nachhaltige Form der Lebensqualität und eine Besinnung auf das Gemeinsame und das Teilen in der Gesellschaft. Und wie soll das Ganze jetzt genau gehen?

Ein Weg in die Wir-Gesellschaft

Nach Daniel Dettling ist nun vor allem emotionale Intelligenz für das nächste Deutschland gefragt. Dafür hat er drei Vorschläge:

  1. Ein Wettbewerb der Leitkulturen hätte das Ziel, eine möglichst breit akzeptierte Vision des gemeinsamen Zusammenlebens zu ermöglichen. Integration als neue Sicherheit für soziale Katastrophen.
  2. Mehr Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie würde den Menschen helfen, sich mehr zuzumuten und ihre eigenen Bizonen zu vertreten – mit Politikern die offen und ehrlich mit ihnen in eine gemeinsame Richtung gehen wollen.
  3. Die Politik der Glokalisierung kann dabei helfen, dass lokale, regionale und globale Identität einander bedingen können und eine kluge Subsidiarität, eine Aufwertung der kleinen Einheiten, entstehen kann.

Dettlingt sagt: “Es geht um das aktive Gestalten der eigenen Lebenswelt, um individuelle und kollektive Sinnstiftung und neue Freiheiten.“

Hello future: Das Prinzip der Selbstorganisation

Für die mögliche Entwicklung eines “progressiven Wir“, wo Veränderungen innerhalb sowie außerhalb der Gesellschaft stattfinden und andere Formen der Solidarität und Gemeinsamkeit hervorgebracht werden, spricht auch ein Muster, das sich in der Auswertung der nextpractice-Daten abzeichnet: die Ausprägung des Prinzips „Selbstorganisation“. Dieses scheint abseits institutioneller und politischer Akteure immer mehr an Bedeutung zu gewinnen und geht mit einem höheren Grad an Selbstverantwortung einher.

Auch „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart schreibt in seinem Buch „Weltbeben. Leben im Zeitalter der Überforderung“, dass sich Umrisse einer Gesellschaft zeigen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen will und mehr verändern wird als alle Wahlen der vergangenen Jahrzehnte. Ein „selbstbewusstes Bürgertum“ wird entstehen, das die Gewinnung und Ausübung von Macht grundsätzlich verändern wird. Für Steingart werden Transparenz, Teilhabe, Kommunikation und Mitbestimmung als Zeitbegriffe der stillen Revolution gelten.

Dennoch ist es aufgrund des Wertesplits immer noch eine Frage des Blickwinkels. Je nach Wertebasis rückt die Gesamtlage einer expansiven, neuen Entwicklung („Wir gestalten bottom-up alles selbstständig neu!“) oder die restriktive Gegenbewegung („Es ist wichtig, dass das jemand von oben in die Hand nimmt!“) näher. Denn beide ohne Spannung zu vereinen gestaltet sich sehr schwierig.

Die Sehnsucht nach Einigkeit

Die Position der Wir-Gesellschaft stellt meines Erachtens ein Verlangen dar, das mit der Entwicklung der Digitalisierung einhergeht. Die Vielfalt der Meinungen, Lebensstile und Glaubensansätzen führen zu einer Überforderung – die Sehnsucht nach Einheitlichkeit, Gemeinschaft und Kohärenz wird größer. Dennoch wollen die Menschen ihre erlangte Individualität und Freiheit des Denkens und Handels durch den technologischen Fortschritt nicht aufgeben. Sie sollten es auch nicht. Denn Gesellschaften entstehen seit langer Zeit nicht mehr nur analog.

Doch wie realistisch ist so eine Vision für nachfolgende Generationen? Als ich ein Kind war, wollte ich Bäuerin oder Ärztin werden, heute wollen die 8-Jährigen Youtube-Stars werden. Ob sich die Teenies von morgen überhaupt noch für Geschichte interessieren werden? Die Digitalisierung lässt auch Werte verkümmern – die der Nachkriegsgenerationen zum Beispiel.

Während also handwerkliche, soziale Berufe immer uninteressanter und schlechter bezahlt werden, sprießen neue Startups ohne ‚Social Profit‘ und mit kapitalistischen Beigeschmack aus dem Boden. Können Influencer und der Gründungshype in Zukunft eine bessere Gesellschaft formen? Wohl kaum. Und ist der Mensch nicht faul, solange es ihm gut geht? Aber das wäre wohl ein weiterer Artikel.


Image (adapted) „Split“ by Pablo Heimplatz (CC0 Public Domain)


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Die dunkle Vergangenheit von Social Media

Dunkelheit (adapted) (Image by KristopherK [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Im April des Jahres 2016 gab Facebook Gründer Mark Zuckerberg bekannt, dass die Social Media-Plattform seinen nahezu zwei Milliarden Benutzern die Möglichkeit des Livestreams von Inhalten zur Verfügung stellt. Dieser Schritt wurde als die natürliche Erweiterung der grundlegenden Ziele der Plattform betrachtet: Das Anbieten einer Plattform, auf der durchschnittliche Menschen ihre tagtäglichen Erfahrungen mit anderen teilen können – von Alltagserfahrungen bis hin zu bedeutsamen, einschlägigen Ereignissen.

Beinahe genauso schnell fanden die Benutzer der Plattform einen Weg, auch die schlimmsten Vorfälle live im Netz zu verbreiten, darunter das sogenannte Easter Day Slaughter, bei dem die fatale Schießerei auf einen 74-jährigen Rentner live übertragen wurde.

Als Resonanz forderten immer mehr Menschen Facebook dazu auf, das Anbieten des Livestreams zu beenden, oder wenigstens eine Möglichkeit zur besseren Überprüfung der Inhalte zu finden. Der Pastor Jesse Jackson merkte beispielsweise an, dass Facebook Live von den Menschen als Plattform genutzt wird, um ihre Wut, ihre Ängste und ihre Dummheit zu äußern.

Viele haben wegen dieser Verhaltensweisen Facebook eine Schattenseite zugeschrieben und fordern, dass das Unternehmen nach einer Lösung zur Prävention derartigen gesellschaftsfeindlichen Verhaltens sucht. Doch schon ein flüchtiger Blick auf die Geschichte der Sozialen Medien zeigt, dass die Verhaltensweisen, die aus den Schattenseiten resultieren, weder einmalig in der Geschichte von Facebook sind, noch als etwas Neues von den heutigen Benutzern betrachtet werden.

Eine dunkle Geschichte

Die Dichterin und Technologieautorin Judy Malloy beschrieb die ältesten Vorgänger der Social Media Netzwerke als Orte der Kreativität und Gemeinschaft. Programme wie beispielsweise die Berkeley’s Community Memory boten den Benutzern der 1970er einen digitalen Ort, um Inhalte zu posten und Geschichten, die von der Community gelesen wurden, zu teilen. Beliebte Inhalte waren dabei unter anderem persönliche Anzeigen und Kurzgeschichten.

Doch selbst diese friedvollen Tage hatten ihre dunklen Momente. Im Jahr 1985 schrieb die Autorin Van Gelder über ihre Erfahrungen mit dem CompurServe CB‘-Simulator einer der ersten online Chatrooms weltweit. Inmitten der beliebten Programme im CB-Simulator waren diese der Romantik und den Beziehungen gewidmet. Diese stoßen auf das besondere Interesse von LGBTQ-Menschen, denen es im Allgemeinen schwer fiel, über ihre geschlechtliche Identität und sexuellen Präferenzen im öffentlichen Raum zu sprechen. Während viele Nutzer auf der Suche nach der Liebe im Internet fündig wurden – 1991 wurde eine Hochzeit im CB-Simulator veranstaltet, bis heute gilt diese als die erste Online-Hochzeit – wurde Van Gelder getäuscht. Sie hatte eine intime, romantische Onlinebeziehung zu einem Mann, der sich als behinderte Frau ausgab.

Geschichten von sexueller Aggression bekamen im Jahr 1998 einen noch negativeren Touch, als der Technikjournalist Julian Dibbell von einer sexuellen Nötigung, die auf einer textbasierten Onlineplattform namens LambdaMoo stattfand, berichtete. Die Vorstellung einer sexuellen Nötigung im Internet mag abwegig erscheinen, wenn man bedenkt, dass die Benutzer keinen körperlichen Kontakt zueinander haben. Und doch war es einem Nutzer namens ‚Mr. Bungle‘ möglich, das Programm zu hacken und infolgedessen die komplette Kontrolle über die Handlungen der anderen Nutzer zu übernehmen, wie deren Gespräche und Beschreibungen ihrer Handlungsschritte.

Laut Dibbells Bericht benutzte ‚Mr. Bungle‘ diesen Hack, um die Nutzer zu veranlassen, obszöne Handlungen vorzunehmen und gewalttätige sexuelle Aktionen an ihren eigenen Körpern auszuführen. Die Benutzer der Plattform beschrieben auf welche Art und Weise sie sich und andere – ohne Erlaubnis – berührten. Mr. Bungle behauptete im Nachhinein, seine Aktionen seien lediglich ein Streich gewesen, trotz dem Beharren seiner Opfer darauf, dass sie durch seine Aktionen gedemütigt worden sind (oder zumindest durch die Aktionen die seine Opfer dazu gezwungen haben, sich vorzuführen). Die Geschichte ist denkwürdig angesichts der Tatsache, dass Beziehungen über das Internet genauso intim und wichtig sein können wie die Beziehungen außerhalb des Internets.

Springt man ins Jahr 2006, gerät man schnell an die Geschichte von Evan Guttmann und dem gestohlenen ‚Motorola Sidekick‘-Handy seines Freundes, das die Internetnutzer von damals faszinierte. Zunächst fing alles als schlichter Blogeintrag über einen Jugendlichen an, der es ablehnte, das Handy an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Zum Schluss mündete es in einen wachsenden Internetmob, bei dem die Leser von Evans Blog die Adresse des Jugendlichen aufspürten und dessen Familie schikanierten.

Später im gleichen Jahr erfuhren die Nutzer der Plattform MySpace von der tragischen Geschichte der Megan Meier, einem Teenagermädchen aus Missouri, das sich das Leben nahm, nachdem sie von einem Jungen, den sie online kennengelernt hatte (es handelte sich um einen MySpace-Nutzer namens „Josh“), auf der Plattform gemobbt wurde. Erst nachdem Ermittlungen erfolgten, fand Megans Familie heraus, dass es sich bei „Josh“ tatsächlich um die Mutter eines Mädchens handelte, mit der Megan zuvor in einen Streit geraten war. Dieser Vorfall führte zum ersten Gesetzesentwurf in Bezug zum Onlinemobbing in den USA.

Soziale Medien verstehen

Diese Geschichten sind Beispiele dafür, was passieren kann, wenn einzelne Nutzer die Möglichkeiten zur Benutzung von moderner Technik entdecken: Man nutzt die Anonymität von CompuServe für Betrug, modifizierte mit cleveren Programmierungsskripten das Verhalten der anderen Nutzer, es wurden Blogs instrumentalisiert, um maximale Aufmerksamkeit auf ein geringes Vergehen zu lenken. Auch nutzt man Soziale Medien, um eine falsche Identität aufzubauen. In allen Fällen hatten die betrügerischen Aktionen dramatische Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen in deren realen Leben.

Das Wichtigste ist, dass diese Geschichten als Beispiele dienen, wie besonders Facebook und auch andere soziale Medien im Allgemeinen aufzufassen und zu verstehen sind. Es ist wichtig, dass die Nutzer die Gleichwertigkeit der Moral sowohl in Bezug auf Facebook-Kommunikation als auch in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation erkennen. Statt soziale Medien generell als sinnlos und ablenkend abzutun und diese Perspektive an unsere Kinder abzugeben, sollten sie eingestehen, dass die zwischenmenschliche Kommunikation online genauso bedeutsam ist wie offline.

Berichterstatter haben die Livestreaming-Option von Facebook als „wesentlich grenzenloses Verbreitungssystem“ verflucht. Derartige Kritiken ignorieren jedoch die Vorteile dieser „grenzenlosen“ Verbreitung, wie das Vernetzen von Familien und die Möglichkeit, dass auch Stimmen von Verfolgten gehört werden können. Selbst Filmmaterial mit Gewalttaten kann zur richtigen Zeit von Vorteil sein: Die Facebook Live-Übertragung von der Schießerei in Minnesota im Juli 2016 diente als einflussreiche Mahnung, um auf soziale Ungerechtigkeit und Polizeiarbeit in den Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen.

Anti-Terror-Streitkräfte setzen auf soziale Medien, um terroristische Aktivitäten zurückzuverfolgen und besser nachvollziehen zu können. Um den Missbrauch von Livestreaming zu bekämpfen, hat Facebook kürzlich bekanntgegeben, 3.000 zusätzliche Monitore für die Kontrollierung der Livevideos einzusetzen. Jedoch liegt meiner Meinung nach die Verantwortung für den Inhalt in den sozialen Medien letztlich bei den Nutzern, die die Inhalte tagtäglich erstellen und sich auf der Plattform bewegen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Dunkelheit“ by KristopherK (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Wie schaffen wir es, dass uns Social Media nicht einsam macht?

Einsam (adapted) (Image by Jad Limcaco [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Montagmorgen, 8 Uhr, es regnet. Wie ein Mantra scrollst du deinen Facebook und Instagram-Feed im Bett durch: Die Bilder vom Wochenende geben deinem Ego digitale Streicheleinheiten, die es leichter machen, aufzustehen. Doch spätestens wenn du am Montag Nachmittag zum hundertsten Mal dein Handy entsperrt hast, ohne genau zu wissen, warum, wird die Suchfunktion auf Instagram genau eine Funktion haben: Dich daran zu erinnern, dass Frauen mit thigh gap und operierten Nasen eine andere Liga sind. Wie Real Madrid für Eintracht Frankfurt: sie sind einfach unerreichbar.

Den Drang zur übertriebenen Selbstdarstellung nennt man performative Ökonomie. Wie so oft im menschlichen Verhalten ist der Wunsch nach Belohnung der Antrieb. Soziale Belohnung in diesem Fall, in Form von Likes, Abonnenten, Klickraten, Pressenennungen, Interviews.

Dass so ein Verhalten nicht lange gut gehen kann, ist nichts Neues: Eine Studie der University of Pittsburgh hat herausgefunden, dass junge Erwachsene, die mindestens zwei Stunden täglich in den sozialen Medien verbringen, doppelt so anfällig für das Gefühl der sozialen Isolation sind. So können zum Beispiel das Gefühl des Ausgeschlossen-Seins, wenn man Bilder von Unternehmungen der Freunde sieht, und die Auslassungen der negativen Ereignisse in einem zu Hochglanz polierten News-Feed eine geradezu bleierne Einsamkeit auslösen.

Das Alice-im-Wunderland-Syndrom: Es macht uns krank

Die Social Media Studie #StatusOfMind geht zudem davon aus, dass jeder sechste Jugendliche momentan an Angststörungen leidet. So geben vier von fünf Heavy Usern in der Studie an, dass Social Media sie ängstlicher macht. „Fomo“ nennt sich dieses Phänomen: Fear of Missing Out. Es entsteht somit Stress, wenn man immer die glücklichen Bilder seiner Freunde aus dem Urlaub sieht.

Eine weitere schlechte Nachricht für Heavy User: Wer mehr als zwei Stunden am Tag auf Social Media verbringt, hat ein schlechteres Selbstbild. Das eigene Leben scheint nicht mehr so attraktiv zu sein, wenn man die unrealistischen Ausschnitte aus dem Leben der Anderen sieht. Vielleicht ist es das Alice-im-Wunderland-Syndrom, das in uns steckt, und uns die Scheinwelt immer als schöner erachten lässt als sie eigentlich ist.

Selbstdarstellung und Körperkult: Und der Geist verkümmert

In dem Video „Wie perfekt wollen wir sein?“ spricht der Philosoph David Richard Precht mit der Schriftstellerin Juli Zeh über den heutigen Körperkult und Fitnesswahn. Es ist nicht zu leugnen, dass wir in einer Zeit leben, in der der Geist immer mehr verkümmert. Dies hat nicht nur mit der Abkehr von Religionen zu tun, sondern auch mit unserem Drang, uns vergleichbar und messbar zu machen. Hier zeigt sich die performative Ökonomie in ihrer vollen Pracht, denn der Köper ist im Gegensatz zum Geist greifbar.

Plattformen wie Instagram und Facebook spornen diese Entwicklung weiterhin an. Zudem werden die User immer jünger. Dies sind sehr beunruhigende Umstände, wenn man die Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf die mentale Gesundheit betrachtet. So sind Jugendliche die am meisten gefährdete Gruppe für Suchtverhalten, da ihre neurobiologischen Prozesse anders verlaufen als bei Erwachsenen.

Das Gegenteil von Einsamkeit: Verbindung

Die Frage ist also: Wie können wir soziale Medien nutzen, ohne dass sie das Gefühl der Einsamkeit fördern?

Auf der Suche nach einer Antwort, bin ich auf einen sehr sehenswerten Ted Talk von der Forschungsprofessorin Bréne Brown gestoßen. Dort beschreibt sie, wie sie durch ihre Arbeit als Sozialpädagogin bereits lange Zeit wusste, dass es die Verbindungen mit anderen Menschen sind, die unserem Leben Sinn und Bedeutung verleihen.

In ihren Forschungen kam sie zu einer bedeutenden Erkenntnis: Menschen, die sich mit anderen verbunden fühlen, haben die Fähigkeit, sich anderen gegenüber verletzlich zu zeigen. Sie glauben daran, dass Verletzlichkeit wertvoll ist – obwohl es risikoreich ist und es keine Garantie gibt. Zum Beispiel wenn man als Erster „Ich liebe dich“ sagt. Brown schlussfolgert somit, dass Verletzlichkeit nicht nur mit Schande, Angst und dem Verlangen nach Selbstwert in Verbindung zu bringen ist – sondern auch essenziell  für Glück, Kreativität, Zugehörigkeit und Liebe ist.

Lassen wir das mal kurz sacken. Es scheint keineswegs so, als würde unser Drang nach Selbstdarstellung in den sozialen Medien es erlauben, sich verletzlich zu zeigen (auch nicht überraschend: Instagram wurde zu der Plattform mit dem größten negativen Einfluss gekürt). Dabei ist die meisten Zeit unseres Lebens Alltag – doch wo findet man im World Wide Web das Plätzchen,  wo sich die fettige Haut und die Speckröllchen verstecken?

Wie werden soziale Medien wieder sozial?

Einen Alltag ganz ohne Internet zu führen, ist heutzutage kaum möglich und auch für die meisten nicht erstrebenswert. So schlussfolgerte der Internetjunkie Paul Miller nach einem Jahr Internet-Abstinenz, dass diese Erfahrung nicht nur positiv war. Sein Fazit nach der Rückkehr in die Online-Welt: „Kann sein, dass ich mit dem Internet Zeit verschwende oder mich ablenke – aber zumindest hab ich wieder Anschluss.“

Es ist somit unsere Entscheidung, was dieser Anschluss im fördert: Sei es Neid, Hass, Einsamkeit – oder Zugehörigkeit und Verständnis. Denn es lassen sich auch starke Gegenbeispiele im Netz finden. So ging zum Beispiel der Instagram-Account von Celeste Baber viral. Und das nicht, weil sie Modelmaße hatte – sondern weil sie darstellte, wie absurd die Modelposen der Stars sind und absolut gar nichts mit der Realität zu tun haben. Ein weiteres Beispiel wäre Bodyposipanda: Megan Jayne Crabbe zeigt durch ihren harten Weg aus der Magersucht heraus, dass nicht die Klamottengröße bestimmt, ob man glücklich ist.

Was schlussfolgere ich daraus? Nicht das Perfekte schafft Verbindung – sondern vor allem das Verletzliche und Authentische, in dem wir uns selbst wiedererkennen. Denn das Netz eröffnet uns diese grandiose Möglichkeit, mit anderen Menschen von überall in Kontakt zu treten und unsere Ängste und Sorgen gemeinsam von Bord zu werfen. So können soziale Medien wieder sozial werden. Zudem sind die beiden genannten Accounts Beispiele für wahrhaftig mutige und selbstbewusste Frauen – ganz ohne Photoshop und Size Zero. Und sie sind in jedem Fall einen Klick auf den Folgen-Button wert.


Image (adapted) „Einsam“ by Jad Limcaco [CC0 Public Domain]


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Gelten Facebook-Likes als Äußerung der Meinungsfreiheit?

Tasten Facebook (adapted) (Image by bykst [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Australier sind oft überrascht, wenn sie erfahren, dass ihre Verfassung kein Recht zur freien Meinungsäußerung beinhaltet. Auch das Recht zur politischen Rede, die verfassungsrechtlich impliziert ist, wird dort immer komplizierter, wo die Menschen auf Internetplattformen ihre Meinung äußern können.

Der kürzlich von der „Australian Public Service Comission“ (APSC) veröffentlichte Leitfaden für öffentlich Bedienstete hat dieses Problem genauer herausgestellt. Dieser erklärt Angestellten, dass sie gegen ihre Verhaltensregeln verstoßen könnten, wenn sie regierungskritische Artikel auf Facebook liken oder teilen.

Fallen Facebook- oder Twitter-Posts unter den Schutz der freien politischen Meinung? Es kommt darauf an. Es gibt Spannungen im Gesetz, zum Beispiel den Umfang, in dem Arbeitgeber die Äußerungen ihrer Angestellten kontrollieren können.

Der frühere australische Defense Force-Reservist und konservative Katholik Bernard Gaynor testet diese Grenzen immer weiter aus. Er ficht seine Kündigung von der Armee an, die er erhalten hatte, nachdem er die Regeln für Onlinekommentare missachtete, in dem er Anti-LGBTQ-Kommentare verfasste. Der Hohe Gerichtshof wird in Kürze entscheiden, ob dieser Fall aufgenommen wird. Falls dem so ist, könnte der Umfang der politischen Kommunikation Australiens endlich geklärt werden.

Australiens begrenzter Schutz für politische Reden

Für mehr als zwanzig Jahre gab es in Australien einen Glaubenssatz, der besagt, dass freie Kommunikation über die Regierung und Politik ein unverzichtbarer Teil des Regierungssystems ist – einer der „vom Volk ausgewählt“ wurde. Dies wurde im Jahr 1997 einstimmig vom Hohen Gerichtshof in Langes Fall erklärt.

Der Gerichtshof meinte, dass die Garantie der Meinungsäußerung in Bezug zu öffentliche und politischen Themen stets von den verfassungsrechtlichen Prinzipien der Regierung vorausgesetzt werden muss. Im Fall von Lange setzte der Gerichtshof einen zweistufigen Test ein, der die Gültigkeit von Gesetzen festlegt, die die Freiheit störten:

  1. Ob das Gesetz die Freiheit der Kommunikation über die Regierung oder politische Themen einschränkt, egal ob in seinen Begriffen, Handlungen oder Effekten.

  2. Wenn es dies tut, ob das Gesetz „vernünftigerweise angebracht und angepasst ist, um einem legitimen Ende zu dienen, auf eine Weise, die mit dem verfassungsrechtlich vorgeschriebenen System der präsenten und verantwortlichen Regierung vereinbar ist“.

Der zweite Teil des Tests ermöglicht der Regierung die politische Rede zu regulieren, sofern es angemessen ist.

Was ist politische Rede?

Das Konzept „politisch“ deckt eine Bandbreite an Themen ab, aber hier sind nicht alle öffentlichen Angelegenheiten inbegriffen. Im Fall von Lange meinte der Hohe Gerichtshof: „Die Verfassung verlangt, dass das Volk in der Lage ist, miteinander zu kommunizieren in Bezug auf Angelegenheiten, die ihre Entscheidung bei Bundestagswahl oder Verfassungsreferenda beeinflussen könnte oder das ein Licht auf die Ausführung des Ministers und das Verhalten der Exekutive der Regierung.

Der Hohe Gerichtshof hat seine Untersuchungen, wie und wo die vorausgesetzte Freiheit der politischen Kommunikation entsteht, noch nicht beendet. Nicht jeder Austausch über öffentliche Angelegenheiten oder Themen im öffentlichen Interesse wird geschützt. Diskussionen über gesetzliche Regeln über Wohlfahrtsleistungen, auswärtige Angelegenheiten oder den Klimawandel könnten bereits als politische Diskussionen gelten.

Gleichermaßen kann Kritik der Ausführung der Parlamentarier, des Gemeindevorstands oder der Polizei als Rede gelten, wenn der Kommentar oder die Kritik vernünftig und nicht unehrlich oder mit Bosheit geäußert wurde.

Wann sind Sie „bei der Arbeit“?

Es wird immer offensichtlicher, dass der Gebrauch von sozialen Medien die Grenze zwischen dem Arbeitsleben und dem Privatleben verwischt. Laut den Gerichtshöfen war es üblich, dass „ein Arbeitgeber nur unter besonderen Umständen das Recht hat, private Aktivitäten seiner Angestellten zu überwachen“. In der Regel mussten relevante Verbindungen zwischen dem schlechten Verhalten eines Angestellten und dem Arbeitsverhältnis herrschen.

Jedoch hat sich der Kontext für diese Prinzipien in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch verändert. Frühere Arbeitsgesetze beschrieben, dass Aktivitäten in sozialen Medien im Wesentlichen eine private Aktivität waren, während Reporter herausgefunden haben, dass aktuelle Entscheidungen die Kontrollrechte der Arbeitgeber erhöhen.

Die Regeln für öffentlich Bedienstete

Öffentlich Bedienstete sind eindeutig eingeschränkt, was politische Rede betrifft. Ihnen ist es nicht erlaubt, zur Wahl für die Verfassung anzutreten und es gibt klare Argumente, dass sie vorsichtig sein müssen, wenn sie politische Meinungen äußern. Die Regel ist, dass der „Australian Public Service“ (APS) apolitisch ist.

Dies erhöht die Spannung zwischen konkurrierenden Werten: Die Regierung hat ein gerechtfertigtes Interesse daran, unparteiische Arbeitskräfte zu behalten, aber öffentlich Bedienstete müssen private Meinungen haben und müssen das Recht haben, ihre politischen Meinungen zu äußern.

Mit dem zweistufigen Test des Hohen Gerichtshofes ist es wahrscheinlich eine verhältnismäßige Begrenzung für die APSC-Regel, um festzulegen, dass der politische Ausdruck in einer angemessen Weise eingeschränkt wird.

Andere Begrenzungen, die zu streng, unvernünftig oder unangebracht sind, könnten vom Gerichtshof abgelehnt werden. Verbote für Wahlwerbung und Wahlspenden wurden aus diesen Gründen ausgeschlagen. Dennoch bleibt das Gesetz sehr unklar für öffentlich Bedienstete, die ihre politischen Sichtweisen ausdrücken wollen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Der Fall Bernard Gaynor

Der Fall Bernard Gaynor, der von der Armee entlassen wurde, weil er homosexuellenfeindlichedie Kommentare auf Facebook verfasst hatte, könnte Klarheit in diese Probleme bringen. Im Jahr 2015 argumentierte Gaynor erfolgreich vor einem einzigen Bundesgerichtshof, dass seine Kündigung die Freiheit der politischen Meinungsäußerung, die in der Verfassung verankert ist, verletzt.

Der Chef der Verteidigungskräfte erhob Einspruch zu dieser Entscheidung und behauptete, dass die Freiheit der politischen Rede nicht mit den Regeln übereinstimmt, die ermöglichen, dass ein Offizier entlassen wird, wenn sein Dienst nicht im Interesse der Verteidigungskraft liegt. Früher in diesem Jahr stimmte der Bundesgerichtshof mit den Argumenten der Verteidigungskraft überein und verkündete, dass die Entlassung vom Gaynor keine Verletzung der Prinzipien von Lange war.

Sie merkten an, dass „die implizierte Freiheit persönliche Rechte von Individuen weder beinhaltet, noch anerkennt oder zuerkennt“. Stattdessen ist es eine Freiheit von Regierungstaten oder Gesetzen, die die politische Meinungsäußerung beschränken. Der korrekte Ansatz, so meinte der Bundesgerichtshof, war derjenige, ob die Genehmigungsregel selbst ungültig war, weil sie unangebrachterweise die implizierte Freiheit einschränkte.

Im Fall von Gaynor war die Regel der Entlassung „passend, nötig und angebracht im Gleichgewicht mit Respekt zu jeder Last, die sie auferlegt“ in Bezug auf politische Kommunikation – so wurde Gaynors Entlassung als gültig befunden.

Gaynor hat dem widersprochen und der Hohe Gerichtshof wird entscheiden müssen, ob sein Fall die erneute Überarbeitung des Bundesgerichtes verdient. Die Freiheit, politische Themen zu diskutieren, ist eine der wenigen garantierten Verfassungsrechte, die wir haben. Wegen immer mehr Fragen zur politischen Rede in den sozialen Medien werden wir zum Hohen Gerichtshof aufsehen, in der Hoffnung, dass er diesen Schutz in vollem Umfang klären kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Tasten Facebook“ by bykst (CC0 Public Domain)


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Hilfe bei Katastrophen: Netzwerke sind wichtiger als abgefülltes Wasser und Batterien

july-brenda-gonzales-callapaza-341887 (adapted) (Image by July Brenda Gonzales Callapaza [CC0 Public Domain] via unsplash)

Wenn es um der Katastrophenvorsorge geht, konzentrieren sich die meisten Verhaltenshinweise auf den Bau von Schutzräumen und die Versorgung mit Dingen wie Nahrungsmitteln, Wasser und Batterien. Doch Resilienz – die Fähigkeit, sich von Schocks, einschließlich Naturkatastrophen, zu erholen – geht aus unserer Bindung zu anderen hervor und nicht aus materieller Infrastruktur oder Notfallpaketen.

Vor beinahe sechs Jahren sah sich Japan mit einer lähmenden dreifachen Katastrophe konfrontiert: einem enormen Erdbeben, einem Tsunami und einer atomaren Kernschmelze, weswegen 470.000 Menschen aus mehr als 80 Gemeinden, Dörfern und Städten evakuiert werden mussten. Meine Kollegen und ich untersuchten, wie Gemeinden in den am schlimmsten betroffenen Gebieten auf diese Schocks reagierten und fanden heraus, dass soziale Netzwerke – die horizontalen und vertikalen Vernetzungen, die uns mit anderen verbinden – unsere wichtigste Verteidigung gegen Katastrophen darstellen.

Die Katastrophe von 2011

Am Freitag, den 11. März 2011 um 14:46 Uhr traf ein gewaltiges Erdbeben der Stärke 9.0 die Nordostküste Japans. Das Beben war stärker und hielt länger an als Hunderte Beben, die das Land jährlich erschüttern, verursachte aber weniger Schaden an Wohnhäusern und Betrieben. Unglücklicherweise war die Gefahr jedoch noch lange nicht vorüber.

Innerhalb von 40 Minuten zertrümmerten enorme Wellen, teilweise von der Höhe eines sechsstöckigen Gebäudes, küstennahe Gemeinden in der Region Tohoku im Nordosten Japans. Rund 18.500 Menschen verloren ihr Leben, vorwiegend durch den Tsunami.

Der Schaden, den das Erdbeben und der Tsunami verursacht hatten, führte zu einem Zusammenbruch des Kühlsystems in den Reaktorblöcken 1 bis 3 des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, was mehrere Kernschmelzen zur Folge hatte. Mehr als 160.000 Menschen aus dem Bezirk Fukushima mussten evakuiert werden. Die strahlungsbedingte Sperrzone umfasste ursprünglich mehr als 8.600 Quadratkilometer, wurde aber aufgrund voranschreitender Dekontaminierungsmaßnahmen verkleinert.

Insgesamt wurden mehr als 470.000 Menschen während der Katastrophe evakuiert. Das Reaktorunglück lähmte die nationale Politik, verunsicherte und belastete viele Überlebende und veränderte die energiepolitische Landschaft in Japan, indem Anwohner dazu gedrängt wurden, alternative Energiequellen zu nutzen. Viele Gemeinden gründeten Energiegenossenschaften, die Erdwärme sowie Sonnen- und Windenergie für ihre Stromproduktion nutzen.

Wodurch wurden während des Tsunamis Leben gerettet?

Ein japanischer Kollege und ich hofften, etwas darüber zu erfahren, warum sich die Sterblichkeitsrate als Folge des Tsunamis regional so stark unterschied. In einigen Städten entlang der Küste wurde niemand von den Wellen, die bis zu 18 Meter erreichten, getötet; in anderen verloren bis zu 10 Prozent der Bevölkerung ihr Leben. Wir untersuchten mehr als 130 Städte, Gemeinden und Dörfer in Tohoku und betrachteten Faktoren wie die ungeschützte Lage zum Ozean hin, die Höhe von Dämmen sowie die des Tsunamis, Abstimmungsmuster, Demographien und soziales Kapital. Nachdem wir all diese Störfaktoren geprüft hatten, fanden wir heraus, dass Bezirke mit mehr gegenseitigem Vertrauen und einem höheren Interaktionslevel geringere Sterblichkeitsraten zu verzeichnen hatten.

Die Art der sozialen Bindung, die hier von Bedeutung war, war die horizontale, die zwischen den Anwohnern. Dies war eine überraschende Erkenntnis in Anbetracht dessen, dass Japan eine enorme Geldmenge für materielle Infrastruktur wie Dämme ausgegeben, aber sehr wenig in den Aufbau sozialer Bindungen und Zusammenhalt investiert hat.

Aufgrund von Interviews mit Überlebenden und einer Überprüfung der Daten glauben wir, dass Gemeinden mit stärkerer Bindung, Interaktion und gemeinsamen Normen effektiver arbeiteten, um Freunden, Familie und Nachbarn Hilfe zu leisten. Vielerorts vergingen zwischen dem Erdbeben und dem Auftreffen der Tsunamiwelle nur 40 Minuten. Währenddessen sammelten viele Anwohner wortwörtlich ältere Menschen ein und brachten sie aus gefährdeten, tiefliegenden Gebieten hinaus. In miteinander sehr vertrauten Nachbarschaften klopften Menschen an die Türen von denen, die Hilfe benötigten, und brachten sie in Sicherheit.

Was hat den Städten geholfen, wieder auf die Beine zu kommen?

In einer anderen Studie wollte ich herausfinden, warum rund 40 Städte, Gemeinden und Dörfer in der Tohoku-Region über einen Zeitraum von zwei Jahren in sehr unterschiedlichem Maße wiederaufgebaut wurden, Kinder wieder zur Schule gingen und Betriebe wiederaufgenommen wurden. Zwei Jahre nach der Katastrophe wirken einige Gemeinden, als wäre in der Zwischenzeit keine Hilfsmaßnahmen vonstatten gegangen. Die Hälfte ihrer Versorgungsleistungen, Betriebe und saubere Straßen mussten wieder hergestellt werden. Andere Städte haben es in der gleichen Zeit geschafft, sich komplett zu erholen, Evakuierte in vorübergehenden Wohnungen unterzubringen, Gas- und Wasserleitungen wiederherzustellen und Trümmer wegzuräumen.

Um zu verstehen, warum einige Städte sich schwertaten, schaute ich mir Erklärungen zur Auswirkung der Katastrophe, der Größe der Stadt, der finanziellen Unabhängigkeit sowie zu horizontalen Bindungen von Stadt zu Stadt und vertikalen Bindungen von der Gemeinde zu Machthabern in Tokio an. In der Erholungsphase war eine vertikale Vernetzung das beste Anzeichen für einen starken Aufschwung.

Gemeinden, die in den Jahren vor der Katastrophe mehr einflussreiche Vertreter auf Führungsebene nach Tokio entsandt hatten, hatten am meisten erreicht. Die Politiker und lokale Botschafter unterstützten den Druck auf die Bürokratie, Hilfe zu leisten, ausländische Regierungen zur Mithilfe zu bewegen und die komplexe Zoneneinteilung sowie bürokratische Hürden zu vereinfachen.

Während es für die Gemeinden schwierig ist, einfach festzulegen, dass sie mehr Vertreter auf Führungsebene in Tokio etablieren wollen, können sie auch die Initiative ergreifen und Verbindung mit Entscheidungsträgern aufnehmen. Darüber hinaus können sie versuchen, sicherzustellen, dass sie mit vereinten Kräften die Bedürfnisse und Vorstellungen der Gemeinde kommunizieren.

Soziale Bindungen, nicht bloß Sandsäcke

Die Tohoku-Katastrophen bekräftigen frühere Belege zur weltweiten Bedeutung sozialer Netzwerke und sozialen Kapitals bei der Erholung nach Katastrophen. Obwohl der Klimawandel einige Katastrophen noch verheerender macht, gibt es gute Neuigkeiten. Regierungen, nichtstaatliche Organisationen und Privatpersonen verfügen über viele Werkzeuge, um die horizontale und vertikale Vernetzung zu fördern.

Gemeinnützige Organisationen wie das Australische Rote Kreuz, BoCo Strong in Boulder, Colorado und die regionale Katastrophenschutzorganisation von Wellington, Neuseeland nehmen soziales Kapital nun ernst und arbeiten an dem Aufbau stärkerer Resilienz. In diesen Programmen arbeiten Anwohner mit Zivilgesellschafts-Organisationen zusammen, um Verbindungen zu stärken und Netzwerke aufzubauen. Sie machen sich über die Anforderungen der Region Gedanken. Anstatt auf die Hilfe der Regierung zu warten, entwerfen die Regionen ihre eigenen Pläne, um zukünftige Krisen abzumildern.

Wie man Resilienz aufbaut

Gemeinden können Zusammenhalt und Vertrauen auf verschiedene Weise aufbauen. Zunächst können Anwohner es Fred Rogers gleichtun und Nachbarn kennenlernen, die in einer Krise als Ersthelfer zum Einsatz kommen. Darüber hinaus können ganze Gemeinden sich bemühen, Interaktionen und Vertrauen durch die Organisation von Sporttagen, Partys, religiösen Festen und anderen gemeinsamen Veranstaltungen, die Vertrauen und gegenseitiges Interesse aufbauen, zu vertiefen.

San Francisco stellt beispielsweise Finanzmittel für Anwohner bereit, um das NeighborFest, ein öffentliches Straßenfest, zu veranstalten. Stadtplaner und städtische Visionäre können lernen, wie Jane Jacobs zu denken, einer Befürworterin lebendiger Städte und dritter Räume – ein Begriff für Räume über Arbeitsplatz und Zuhause hinaus, wo wir Kontakte knüpfen können. Durch die Verwirklichung von dem, was Befürworter “Placemaking öffentlicher Räume” nennen, wie beispielsweise fußgängerfreundliche Straßen und öffentliche Märkte, können sie Städte so umgestalten, dass die soziale Interaktion gesteigert wird.

Schlussendlich können Gemeinden den Anteil ehrenamtlicher Tätigkeiten erhöhen, indem sie Menschen, die freiwillig ihre Zeit investieren, belohnen und ihnen einen konkreten Nutzen für ihre Dienste anbieten. Eine Möglichkeit dies zu tun, ist, eine regionale Währung zu entwickeln — beispielsweise mit Gutscheinen, die nur bei ortsansässigen Betrieben akzeptiert werden. Eine andere Strategie ist das Zeit-Banking, bei dem die Teilnehmer Punkte für ihre freiwillig geleisteten Stunden verdienen und diese später für Dienstleistungen anderer einlösen können.

Nach der Katastrophe im März 2011 hat eine Organisation in Tohoku versucht, Programme dieser Art, wie das Erzeugen und gestalten von sozialem Kapital, ins Leben zu rufen. Sie stellten einen  öffentlichen Raum bereit, der von evakuierten Senioren betrieben wurde und wo Nachbarn Kontakte knüpfen können.

Da Gemeinden weltweit immer öfter mit Katastrophen konfrontiert werden, hoffe ich, dass meine Forschungsergebnisse über die Ereignisse in Japan nach dem März 2011 eine Orientierungshilfe für Menschen, die sich Herausforderungen stellen müssen, sein können. Obwohl die materielle Infrastruktur wichtig ist, um kommende Katastrophen abzumildern, sollten Gemeinden auch Zeit und Mühe in die Ausbildung von sozialen Bindungen investieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „341887“ by  July Brenda Gonzales Callapaza (CC0 Public Domain)


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Das Digitale sprengt Schulen auf: Jöran Muuss-Merholz über Digitalisierung in den Schulen

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Snapchat statt Zeitung, Youtube statt TV, Slack statt Arbeitsgruppentreffen: Für die Jugend ist das Digitale selbstverständlich. Über einen groß angekündigten „Digitalpakt“ zwischen Bund und Ländern sollen die Schulen – das tägliche Umfeld von Kindern und Jugendlichen – eigentlich besser ausgestattet werden. Die Rede ist von fünf Milliarden Euro, die in naher Zukunft fließen sollen. Nun stocken die Verhandlungen erst einmal.

Aber was heißt eigentlich ‚digitale Schule‘ bisher in Deutschland? Jöran Muuß-Merholz, Diplom-Pädagoge und Experte für digitale Medien im Bildungsbereich, zum Ist-Zustand und was er ändern würde. Dabei plädiert er dafür, sich bei der Digitalisierung in den Schulen nicht auf falsche Fährten locken zu lassen.

Netzpiloten: Wo stehen wir bei der Digitalisierung der Schule, also des Umfeldes, wo die junge Generation täglich mit am meisten Zeit verbingt?

Joeran Muuß-Merholz (CC-by-3.0) (Image by Hannah Birr) (cc-by-3-0 DE)
Jöran Muuß-Merholz. Image by Hannah Birr/J&K

Jöran Muuß-Merholz: Im Moment würde ich das als großes Durchwursteln bezeichnen. Es gibt zwar immer mehr Schulen, an denen das Internet und Digitales als hilfreich entdeckt wird. Das ist aber noch die Minderheit. Insgesamt erlebt das Thema Auftrieb, alle finden Digitalisierung plötzlich toll. Der Digitalpakt wird verhandelt. Bei den Parteien ist es im Bundestagswahlkampf ein großes Schlagwort. Das Schuljahr 2017/2018 könnte in Bezug auf die Schulen rückblickend irgendwann mal als Wendejahr wahrgenommen werden.

Das heißt, noch ist eher das Arbeitsblatt up-to-date?

Das Arbeitsblatt ist sogar Nummer Eins unter den Lehrmaterialien und einer Untersuchung der Uni Augsburg zufolge am Schulbuch vorbeigezogen.

Ideen für Digitales in der Schule scheitern an schlechter Ausstattung mit Hard- und Software, wird häufig beklagt…

Was die Ausstattung angeht, landet Deutschland im Industrieländervergleich regelmäßig hinten. Hardware ist allerdings das Zweitwichtigste. Davor kommt das Netz. Ich bin im Beirat einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die im Herbst veröffentlicht wird. Ein Befund ist, dass Schulen ihr Internet als gar nicht so schlecht empfinden. Ich halte diese Selbsteinschätzung für falsch. Es ist nur solange nicht das Schlechteste, wie nur ein paar Geräte einbezogen sind.

Das heißt: Wenn wir Schulen jetzt ans Netz bringen, haben sie teilweise 50 Mbit pro Sekunde. Gehen alle Schüler gleichzeitig ins Netz, verursacht das aber irren Traffic. Das ist zu bedenken, wenn man auf politischer Ebene Infrastrukturmaßnahmen beschließt. Es reicht außerdem nicht, den Schulen einfach nur Netz und Technik zu geben. Jede Organisation, in der 500 Leute arbeiten, hat einen Systemadministrator. Das kann in der Schule niemand nebenbei leisten.

So denn Technik gegeben ist, wie digital ist der Schulalltag schon gestaltet?

Sehr viel wird entdeckt, was das Lehren und Lernen erleichtert. Um ein Beispiel zu nennen: Ein großer Hype ist der so genannte flipped classroom. Den Lehrstoff schauen sich die Schüler zuhause als Video an. Die Zeit in der Schule ist zum Üben und der Lehrer kann unterstützen. Die Videos machen die Lehrer selbst, das ist eine regelrechte Bewegung. Es gibt Youtuber mit Erklärvideos, die haben Millionen Klicks. Weiter werden Apps oder Quizze genutzt. Alles lauter gute Ideen. Allerdings handelt es sich bisher eher um eine Optimierung des Bestehenden.

Also noch nicht die große Revolution? Sind Apps, Videos und Quiz-Spiele nicht ein erster Schritt?

Das wäre der optimistische Blickwinkel, also dass im Fahrwasser der digitalen Medien neue Möglichkeiten in den Schulen einziehen. Ich glaube inzwischen, dass es so nicht funktioniert. So ist zum Beispiel die Ausstattung mit interaktiven Whiteboards an den Schulen sehr gut. Man kann damit bestimmt tolle Sachen machen – macht man aber nicht. Die Hauptanwendung besteht darin, dass Lehrer Youtube-Videos von einem USB-Stick abspielen. Hier, böse formuliert, optimiert es nur den Frontalunterricht.

Was wäre aus Ihrer Sicht stattdessen notwendig?

Neben einem technischen braucht es einen pädagogischen Wandel. Auch weil Computer immer mehr das übernehmen, wofür die Schule einmal Menschen ausgebildet hat. Wir müssen uns folgende Frage stellen: Was sollten Leute in der Schule lernen, damit sie mehr können als ein Computer. Die 4K-Kompetenzen, die von der OECD angeführt werden, zum Beispiel: Kreativität, Kollaboration, Kommunikation und kritisches Denken.

Wie anders sollten digitale Herangehensweisen ans Lernen aus diesem Blickwinkel aussehen?

Wie das pädagogisch aussehen kann, wissen wir schon länger als es Digitalmedien gibt. Das Lernen anhand von Projekten oder an Real-World-Zusammenhängen steht im Vordergrund. Das Digitale aber sprengt plötzlich auf, worauf Schule bisher limitiert war. Man hat nicht nur das Schulbuch als Quelle, sondern das ganze WWW. Früher war es sehr aufwändig, einen Experten in die Schule einzuladen, heute ginge das unkompliziert per Skype.

Ein tolles Beispiel kenne ich von einer Grundschullehrerin an der Nordsee. Sie hat mit ihren Schülern Partnerprojekte mit Schulen in Kanada und Neuseeland. Im Sachkunde-Unterricht stellen sie sich gegenseitig ihre Heimat vor, auf Englisch. Außerdem arbeiten sie gemeinsam an einer Blogplattform. Internet und reale Welt verbinden sich hier ganz stark.

Nun ist Bildung Ländersache. Welche Weichen müssten denn Bundesländer stellen, um ihre Schulen nach vorn zu bringen?

Infrastruktur braucht es auf jeden Fall. Ob der Netzzugriff dann über ein von Schülern mitgebrachtes oder von der Schule bereitgestelltes Gerät erfolgt, ist eine Frage der Konzepte und Kosten. Wenn man über eine Cloud arbeitet, ist es egal, von welchem Gerät aus er geschieht – Hauptsache, man hat einen Browser. Da spielt die Technik den Schulen in die Hände. Was aber ein Bundesland wirklich als erstes machen könnte, und zwar völlig kostenfrei, betrifft Open Educational Ressources: dafür nämlich eine Ermutigung auszusprechen. Die Stadt Leicester in England macht das vor. Als Schulträger sagt sie: Wir finden toll, wenn unsere Lehrer freie Materialien selbst entwickeln und unter freier Lizenz bereitstellen. In Deutschland ist für Lehrer unklar, ob sie überhaupt frei lizensieren dürfen, wenn sie etwas im Auftrag ihres Dienstherren gemacht haben.

Gibt es in Bezug auf freie Bildungsmaterialien nicht viel größere Bedenken beim Copyright?

Da gibt es eine seltsame Situation. Copyright-Unsicherheiten können ein großer Treiber für zwei verschiedene Tendenzen sein: Entweder stärkt es den Impuls zu sagen, dann machen wir die Fotos und Infovorlagen halt alle komplett selbst. Oder es wirkt bremsend. Viele lassen davon lieber die Finger – was ich nachvollziehen kann. Es ist nicht mal geklärt, wer bei Fehlern eines Lehrers haftet. Letztlich brauchen wir eine Reform des Urheberrechts.

Welche Chancen bieten Lernplattformen für die Schulen?

Lernplattformen erfüllen ganz verschiedene Zwecke: Zugang zu Tools, Videos und Dateien zu gewähren, die ganze Schulkommunikation kann darüber laufen. Möglich ist auch, Zugang zu Microsoft Office-Produkten in der Cloud zu schaffen. So etwas möchte Microsoft gern in die Schulen bringen.

Die deutliche Mehrheit der Schulen hat eine Lernplattform. Das heißt aber gar nichts: Ganz viele davon sind tot, werden kaum genutzt oder nur von einzelnen Lehrern. Zu dem, was möglich ist, hatte ich an einer Berufsschule in Kassel einen Aha-Effekt. Sie nutzen zwei Plattformen, eine für die Lehrmaterialien, eine für die Lernergebnisse. Tausende spannende Sachen, die andere Schüler anschauen können. Das geht nur mit einer modernen Pädagogik, wo Abschreiben nichts bringt. Es muss deutlich gesagt werden, dass es bei einer Aufgabenstellung nicht um reine Wiedergabe des Gelernten geht. Vielmehr muss der Schüler zeigen, dass er die Inhalte wirklich verstanden hat. So schließt sich übrigens der Kreis zu den 4Ks.


Jöran Muuß-Merholz schreibt Bücher über das Digitale und Bildung, darunter „Mein Kind ist bei Facebook. Tipps für Eltern“ (2012) und „Neues Lernen mit Medien. Wie man Internet und moderne Pädagogik verbindet“ (2009). Aktuell hat er ein Buch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, das unter dem Titel „Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen“ im September 2017 erscheint. In Hamburg betreibt er die Bildungs-Agentur „Jöran und Konsorten“.


Image „Klassenzimmer“ by Dmitry Vereshchagin/stock.adobe.com

Image by Hannah Birr / J&K (CC BY 3.0 DE)


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IFA-Kurztest: Die Polaroid Pop verbindet Selfiekultur und Sofortbild-Trend

Polaroid_Pop_Image by Anne Jerratsch

Es ist die Geste des 21. Jahrhunderts. Manch einer nutzt sie tagtäglich, andere nur zu bestimmten Gelegenheiten, der eine nutzt Hilfsmittel dafür, anderen reichen die angewinkelten Arme aus, und die für ihre Selbstdarstellung berühmt gewordene Kim Kardashian hat ein ganze Buch darüber veröffentlicht: Das Selfie ist aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken.

Dabei sind die schnell geschossenen Selbstportraits fast immer als Statusmeldung gemeint. Schau her, wo ich gerade bin, wen ich getroffen habe, wie die Lage ist. In den sozialen Netzwerken verteilt, erfährt schnell jeder, der es wissen will, wer sich wo und in welcher Gesellschaft aufhält.

Doch je schneller die Bilder geschossen sind, desto kürzer ist auch ihre Halbwertszeit auf den digitalen Speichern. Der traditionsreiche US-Hersteller Polaroid will das wieder ändern. Mit seiner Polaroid Pop will er an alte Zeiten anknüpfen und das Selfie – und natürlich auch beliebige andere Motive – wieder zurück auf das Papier bannen.

Happy Birthday, Polaroid!

Polaroid feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag und will mit der Pop irgendwo zwischen Tradition (Bilder zum Anfassen) und Innovation anknüpfen. Mit der Digitalkamera zum Sofortdrucken hat Polaroid die erste Sofortbildkamera gebaut, bei der sich das Display auf der Rückseite befindet.

Dabei setzt Polaroid auf das simple Design der Anfangstage und eine möglichst einfache Handhabe. In Verbindung mit der kostenlosen Polaroid Print-App, die auch verschiedene Filter anbietet, können hier Schnappschüsse kreativ gestaltet werden.

Rund und bunt: Das Design der Polaroid Pop

Die Pop kommt in einem farbenfrohen Design daher. Der Korpus ist aus stabilem schwarzem Plastik, die Ecken sind kindgerecht abgerundet. An einer Seite befindet sich eine bunte Schlinge. Die gleichfarbige Unterseite ist aus festem Gummi und abnehmbar. Hier wird neben dem Fotopapier auch die microSD-Karte im Gehäuse versenkt. Das 4″-Display hat eine Touchfunktion. Auf der Rückseite der Kamera findet sich die Fotolinse und ein Dual-LED Blitz.

Back to the Roots mit Print

Im Inneren der Pop befindet sich ein mobiler Drucker, der ähnlich dem bewährten Trennbildverfahren arbeitet. Die Kassette wird mit 10 einzelnen Spezialpapierblättern geladen. Hier ist sich Polaroid dem klassischen Polaroidformat von 8,9 x 10,8 Zentimetern und dem klassischen Rahmen treu geblieben. Beim Druck werden die ins Papier eingebetteten Zinkristalle aktiviert.

Polaroid_Pop_Innenleben_Image by Anne Jerratsch

Die Schnittstelle ins Heute: Starker Sensor, Video und Funk

Mit einem 20 Megapixel starken CMOS-Sensor sowie dem integrierten Bildstabilisator sollen die Bilder ruckelfrei aufgenommen werden können. Doch nicht jeder Schnappschuss gelingt und nicht jedes Foto möchte man ausgedruckt vor sich liegen haben.

Hier hat die Pop mitgedacht: Mittels WLAN und Bluetooth können die Schnappschüsse auch direkt aufs Smartphone geschickt werden.

Hier kann man noch einmal genauer aussuchen, welches der Motive es später auf das kristalline Bild schaffen soll. Die Polaroid Pop verfügt natürich auch über die unvermeidliche Videofunktion. Hier sind Aufnahmen in HD-Qualität mit 1080p möglich.

Kurztest: Gehäuse, Menü, Bildqualität

Mit ihrer robusten Verarbeitung und den voluminösen Formen sowie den quietschbunten Farben erinnert die Pop eher an eine Unterwasserkamera oder an ein Kinderpielzeug als an die nächste Generation der Kameratechnik. Zudem ist die Pop recht massiv gebaut, so dass es schwierig werden dürfte, zugleich den Partydrink festzuhalten und gleichzeitig auf den Auslöser zu drücken. Zum Glück bewahrt in solchen Fällen die Schlinge das Gerät vor dem Zerschellen auf dem Dancefloor. Mit den Filtern und Zusatzfunktionen lässt sich wunderbar herumspielen. Laut Hersteller werden die Filter auch je nach Saison angepasst – so dürften im Herbst bereits die ersten Halloween- und Weihnachtsmotive mit dabeisein. Im Test war die Auswahl noch etwas dürftig.

Und wie sehen die Bilder selbst aus? Beim ersten Testbild sind die Farben leider eher dunkel und rauschig geraten. Für eine Partykamera, die wahrscheinlich unter eher miesen Lichtbedingungen zur Anwendung kommen soll, ist die Qualität hier eher mittelmäßig zufriedenstellend. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass der Akku leider nicht allzulange halten würde – maximal eine bis anderthalb Stunden dauert der Spaß, bis die Kamera wieder ans Kabel muss.

Die Kamera soll ab Oktober in den Läden stehen. Sie ist in den Farben Schwarz, Weiß, Pink, Grün, Blau und Gelb erhältlich und kostet rund 250 Euro.


Images by Anne Jerratsch


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#G20-Proteste: Die Bilder erschrecken jeden – auch mich!

Hamburg, 7.7.17 X (adapted) (Image by Robert Anders) (CC BY 2.0) via flickr

Die Nachrichten zu den Ausschreitungen beim G20-Gipfel gehen gerade durch alle Medien, auch bei Twitter gab es hitzige Diskussionen. Auch die Netzpiloten-Zentrale befindet sich mitten im Hamburger Schanzenviertel. An dieser Stelle erzählt unsere Redaktionspraktikantin, wie sie die vergangenen Tage vor Ort und in den sozialen Netzwerken erlebt hat.


Zum ersten Mal seit einer Woche kann ich wieder mit offenem Fenster schlafen. Keine Helikopter-Rotoren oder laute Polizeisirenen sind mehr zu hören. Es ist wieder ein bisschen Normalität eingekehrt. Von Seiten der Politik wurde der G20-Gipfel in Hamburg vorher noch mit großen Worten angekündigt, als Fest der Demokratie. „Wir richten ja auch jährlich den Hafengeburtstag aus“, sagte Olaf Scholz, erster Bürgermeister der Hansestadt, fast schon euphorisch. „Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist.“ Nun, wenn der nächste Hafengeburtstag so aussieht, möchte ich lieber nicht hingehen.

Die Erwartung, dass alles ruhig bleibt, wäre absolut naiv gewesen

Leere Kreuzung (Image by Melina Mork)
Leere Hamburger Kreuzung am Holstenwall

Die Stadt war in einem Ausnahmezustand, das war von vorn herein klar. Als Journalistik-Studentin hat bei mir hier allerdings die Neugier überwogen, wie eine politische Großveranstaltung in Hamburg ablaufen wird. Deswegen bin ich nicht, wie viele meiner Kommilitonen und Kollegen, in den Urlaub gefahren, sondern hier geblieben. Weit genug von der Sicherheitszone entfernt war ich mir sicher, dass der gewaltsame Teil des Gipfels an mir vorbeiziehen würde.

Das war wohl naiv. Die Einschränkungen begannen nicht am ersten Gipfeltag, sondern lange bevor überhaupt ein Staatsgast gelandet war. Busse und Bahnen fuhren nicht mehr, die Straßen gespenstisch leer, die Parkplätze nur belegt von Mannschaftswagen der Polizei. Anspannung lag über der Stadt wie die Ruhe vor dem Sturm.

Lieber Tanz Ich als G20 (Image by Sophia Herzog)
Farbrauchpatronen auf der Nachttanzdemo „Lieber Tanz‘ Ich als G20“ – Image by Sophia Herzog

Die ersten angemeldeten Demonstrationsaktionen beginnen schon am Dienstag und werden mit Wasserwerfern beendet. Ab hier fängt bei mir das Bauchgrummeln an. Am Mittwoch will ich mir selbst ein Bild von den Demonstrationen machen: Nachttanzdemo mit dem Motto „Lieber tanz‘ ich als G20 “. Es bleibt friedlich. Außer ein paar Farbrauchpatronen und Konfettikanonen wird nichts abgefeuert, und in mir steigt die Hoffnung, dass demonstrieren nicht sofort eskalieren muss.

Am Donnerstag hat unser Chef beschlossen, das Netzpiloten-Büro in der Schanze frühzeitig zu schließen, denn ab 16 Uhr gilt in Hamburg das Motto „Welcome to Hell“. Auch der militante „Schwarze Block“ hat sich angemeldet und bringt dem Wortwitz zur Demo vom Vortag entsprechend einen aufblasbaren schwarzen Block mit der Aufschrift „lieber militanz‘ ich als G20 “ mit.

Die Polizei schreitet frühzeitig ein und ab hier beginnt das Chaos, das von da an alle Medien überflutet. Die ersten brennenden Mülltonnen, Straßenschlachten mit Wasserwerfern, Eskalation. Wahrscheinlich hat so mancher schon damit gerechnet, aber die Bilder schocken trotzdem.

Panik in den Sozialen Medien

Am Freitagmorgen hatte ich das erste Mal Angst. Nachdem ich nur mit Ausweiskontrolle und strikten Anweisungen der Polizeibeamten zur Arbeit gehen konnte, tauchen weitere Bilder und Berichte auf. Diesmal brennen statt Mülltonnen Autos und Straßenbarrikaden, während vermummte Menschen ganz bewusst Scheiben von Geschäften einschlagen. Das hat nichts mehr mit politischem Protest zu tun.

Zu diesem Zeitpunkt mache ich Twitter für meine wachsende Angst verantwortlich. Die Videos und Bilder der Zerstörung verstärken den Eindruck, dass die ganze Stadt in Flammen steht und dass die Störer jede Minute auch bei mir vor der Tür stehen könnten. Dabei sehe ich auf meinem Fußweg nach Hause die Bewohner der Umgebung entspannt in den Cafés ihren Kaffee trinken und Kinder auf den Straßen spielen. Aber all das kann mir meine Angst nicht nehmen. Ich checke alle paar Sekunden die Sozialen Medien. Kaum zu Hause, mache ich den Livestream an und hoffe, dass nicht noch eine Schreckensmeldung auftaucht. Das politische Geschehen ist für mich ab diesem Zeitpunkt in den Hintergrund gerückt.

Am Abend sollten Freunde zu Besuch kommen, um Geburtstag zu feiern. Im Nachhinein scheint es auch eine naive Idee, da bis zur letzten Minute unklar war, ob es überhaupt alle durch die Polizeisperren schaffen. Selbst als alle angekommen sind, sind die neuesten Twitter- und Liveticker-Meldungen das vorherrschende Gesprächsthema. Es werden hitzige Diskussionen geführt, ob die Polizei richtig gehandelt hat. Die Scheinwerfer der Helikopter über der Schanze ziehen immer wieder unsere Aufmerksamkeit auf sich. Irgendwann bin ich froh, als mein Smartphone keinen Akku mehr hat und ich die Meldungen nicht mehr aktualisieren kann.

„Und, warum demonstrierst du?“

Einen Tag noch, denke ich mir, als ich Samstag wieder durch das Dröhnen der Helikopter aufwache. Ich meide Twitter, Facebook und die Nachrichten, damit ich Zeit habe, wach zu werden. Meine Freunde wollen auf die Großdemonstration gehen – „Grenzenlose Solidarität statt G20 “. Nach den Bildern der letzten Nacht war mir doch mulmig zumute. Aber von ein paar Randalierern sollte man sich das Recht auf demokratischen Protest nicht nehmen lassen.

Auf dem Weg zur Demo fragen mich zwei junge Besucher aus Münster, wo es zur Demo geht. Im Zweifelsfall immer dem Bass und den Menschenmengen nach. Wir gehen das letze Stück zur Demo gemeinsam. Irgendwann fragt mich einer der beiden: „Und, warum demonstrierst du?“ und bringt mich zum Nachdenken, was mich die letzten Tage beschäftigt hat.

Wahrscheinlich will ich mit meiner Anwesenheit ein Zeichen setzen, dass Protest auch friedlich geht. Der Großteil lässt sich von schlechten Nachrichten nicht unterkriegen. Mit mir zusammen waren offiziell insgesamt 76.000 Menschen unterwegs – die größte Demo in Hamburg seit den 80er Jahren. Die Moderatorin der Abschlusskundgebung feiert zu Recht das friedliche Gelingen des Protests: „76.000 Menschen, das ist 76.000 Mal Hoffnung.“ 76.000 Mal Hoffnung, dass der Gipfel nicht nur durch die Krawalle in Erinnerung bleibt.

Am 9. Juli wache ich zum ersten Mal ohne Helikopterdröhnen auf. Der Blick vom Balkon zeigt Leute, die ihrem ganz normalen Alltag nachgehen, als wäre nichts gewesen. Und ich spüre nichts als Erleichterung, dass der Gipfel endlich vorbei ist.


Header Image „Hamburg, 7.7.2017 X“ by Robert Anders (CC By 2.0)

Image „Lieber Tanz ich als G20“ by Sophia Herzog

Image by Melina Mork


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Halla Walla: Die Khaleeji-Emoji-Familie fürs Handy

Image (adapted) Abdulrasheed by Dielmann [CC0 Public Domain], via Pixabay

Yalla!! Nicht mehr und nicht weniger braucht man, um auf Arabisch zu sagen: Mach doch mal schneller, ich warte hier schon ewig im Cafe auf dich. Mit der neuen regionalen App Halla Walla gibt es sogar die passenden Emojis dazu. Seit Februar bringt sie arabisches Flair in jeden mobilen Chat und macht die Konversationen so bunt wie die Emirate selbst.

„Wir wollten etwas schaffen, was eng mit unserer Khaleeji-Kultur verbunden ist und zugleich ihre Kreativität zeigt. Schon lange haben wir gemerkt, dass die Stimme des Nahen Osten in den Sozialen Medien fehlte. Unsere lauten Familien, die riesigen Feste mit der Verwandtschaft, die unverkennbaren Ausdrücke, unser Verständnis von Fashion, Fußball, unsere Shisha-Kultur oder ganz einfach das Shawarma als Mitternachtssnack – das arabische Leben sprüht nur so vor Insidern!“, erklärt Yasmin Rasool, Co-Founderin der App und Gründerin von YERV. Und der Bedarf ist gegeben. Wohnungssuche, Essensbestellung oder auch der Kontakt zur nächsten Apotheke – alles läuft in den Vereinigten Arabischen Emiraten über Whatsapp. Aktuelle Studien belegen: Neben Facebook ist es das zweitstärkste soziale Netzwerk, über das kommuniziert hier wird. Es ist also an der Zeit, diese auch der Region anzupassen.

Zusammen mit ihrer Kollegin Eriko Varkey zaubert sie seit Februar Ahmed, Shaikha, Lulu und Waleed aufs Handy. Die Khaleeji-Emoji-Familie bringt die arabische Kultur bildtechnisch auf den Punkt und bereichert via Download jeden Chat. Genutzt werden können die Smileys und animierten Sticker von Waleed in seiner Kandura oder typischen arabischen Essen in der Halla Walla-App selbst oder mit allen anderen Chat-Funktionen des Handys. Habibi kann nun ganz einfach per Emoji zum Tee neben der Moschee eingeladen werden.

Über 200 arabische Emojis

Nach dem Herunterladen warten über 200 arabische Emojis und animierte Sticker auf ihren ersten großen Auftritt. “Was geht” – so wie die App aus dem Khaleeji Slang frei übersetzt heißt – kann für umgerechnet 1,77 Euro in englischer und arabischer Sprache für IOS und Android heruntergeladen werden. Ein bisschen soll durch Applikation auch Völkerverständigung betrieben werden. Die Welt der Bilder kann jeder entschlüsseln und sie zeigt zugleich, wie nah sich Menschen in ihrer Menschlichkeit stehen: Wer sieht schon einen Unterschied, wenn der coole Ahmed mit seinem Käppi einen anblinzelt oder Shaikha mit tränennassen Augen auf traurige Nachrichten reagiert? Also – ab in den Appstore und Khalas!


Images via YERV

Image (adapted) Abdulrasheed by Dielmann (CC0 Public Domain)


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  • BITCOIN t3n: Bitcoin knackt 2.000 Dollar: Darum boomt die Kryptowährung jetzt: Nach dem ersten Allzeithoch Anfang Mai folgt jetzt der Nächste Meilenstein. Die Kryptowährung Bitcoin steigert erneut seinen wert. Seit Beginn des Jahres zieht das Unternehmen viele internationale Investoren an. Wenn der Wert von Bitcoin weiterhin steigt, könnte die Währung demnächst doppelt so viel Wert haben wie eine Feinunze Gold. In Japan ist Bitcoin seit Anfang Mai ein offizielles Zahlungsverfahren. Eine weitere Erklärung des Aufschwungs kann auch das Wissen über die Funktionsweise sein, welches bei Investoren zu vertrauen führt.

  • WINDOWS heise: Windows 10 S: Nur Apps, aber kein Linux: Windows 10 soll demnächst um eine Schüler und Studenten Version erweitert werden, welche nur die Installation von Apps aus dem Microsoft Store erlaubt und deutlich bessere Administrationsfunktionen aufweisen soll. Allerdings sollen unter anderem Linux-Distributionen oder andere Kommandozeilen Zugänge nicht auf Windows S laufen. Grund dafür sei, dass sich die Schülervaritante an ein nicht technikaffines Publikum wende. Wen diese Grundlage stört, muss sein Windows S auf Windows 10 Pro umwandeln.

  • Protest wired: Twitter and Tear Gas: How Social Media changed Protest Forever: Der Wandel der Protestorganisation begann 2011 mit dem Arabischen Frühling, der es schaffte sich über Soziale Medien wie Twitter zu organisieren. Proteste heutzutage haben durch die Vernetzung durch das Internet deutliche Unterschiede zu Protesten der Vergangenheit, und zeigen spannende Veränderungen auf. Zeynep Tufekci schreibt über Vor- und Nachteile des Protests mit Sozialen Medien.

  • ALEXA golem: Amazon verbietet fast alle Werbung in Alexa-Skills: Ein neues Start-Up plante die Einbindung von Werbebotschaften durch die Voice Funktion des Amazon Assistenten Echo. Burger King hatte vor Kurzem für Nachrichten gesorgt, nachdem ein Werbespot einen Befehl für sprachgesteuerte Geräte wie Alexa Echo oder Google Home beinhaltete. Amazon selbst sieht allerdings keine Notwendigkeit, Skills-Entwicklern generell die Möglichkeit von Werbeeinnahmen zu erlauben und hat nun die Richtlinien für die Zulassung zu dieser Funktion gestrafft. Strenge Regeln gibt es besonders für Alexa Skills mit Bestellmöglichkeiten.

  • DROHNEN handelsblatt: Schöne neue Pharma-Welt: Amazon erwägte bereits einen Einstieg in die Pharmaindustrie, durch Drohnenlieferung von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Diese Neuerung wäre eine Veränderung besonders für Apotheken und weitere Ketten. Eine weitere Neuerung in der Pharmaindustrie könnten Forschungen im Bereich der Sensorenüberwachung an. Diese Sensoren würden Ähnlich wie Kontrollleuchten im Auto Patienten niedrigen Blutzucker oder Blutdruck melden.

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Seitenwechsler verändern die PR

Konferenzraum (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Nicht nur die Netzszene reagierte hellhörig als die Meldung durchsickerte, dass Sascha Pallenberg, einer der prominentesten Tech-Blogger und Gründer der national und international bedeutsamen Plattform „Mobile Geeks“, von der Daimler AG rekrutiert wurde. Pallenberg steht als Head of Digital Content des Stuttgarter Konzerns in einer Reihe von weiteren spektakulären Seitenwechseln, die eine neue Phase in der PR einleiten. Ausführlich nachzulesen in der April-Ausgabe des prmagazins.

„Die klassische Unternehmenskommunikation lief über den Gatekeeper Journalist, dann über den Gatekeeper Blogger oder Influencer und jetzt erleben wir den dritten Schritt. Unternehmen werden selbst zu Medien“, erläutert Karsten Lohmeyer, Chief Content Officer der Agentur The Digitale, die 2014 von der Deutschen Telekom als Content-Marketing-Startup aus der Taufe gehoben wurde. Was wir jetzt erleben, sei die nächste und richtige Stufe.

„Warum soll ich als guter Kommunikator nur mit zehn oder 20 Journalisten sprechen, wenn ich direkt mit allen Stakeholdern in Verbindung treten kann. Also mit Kunden, potenziellen Kunden, Lieferanten, Aktionären und allen weiteren relevanten Zielgruppen eines Unternehmens. Was bei Daimler passiert, war auch der Beweggrund unseres Mutterkonzerns. Also der Gedanke des Telekom-PR-Chefs Philipp Schindera, eine Content Factory nicht nur zu formulieren, sondern auch umzusetzen. Es gibt rund 130 Kolleginnen und Kollegen, die alle gut ausgebildet und unglaublich gut in ihren Themen sind. Sie sind auch in der Lage, die Themen eines solchen Konzerns direkt in einer massenmedialen Kommunikation auf die Straße zu bringen“, so Lohmeyer.

Gleiches vollziehe sich bei der Allianz über Storytelling-Konzepte.

Schlauer Schritt von Daimler

Er findet es faszinierend, wie viele neue Konzepte in deutschen Unternehmen entstehen. „Es ist ein sehr schlauer Schritt von Daimler, Sascha Pallenberg an Bord zu holen. Das ist ein unglaublich spannendes Experiment“, betont Lohmeyer, der mit dem Blogprojekt LousyPennies.de bekannt wurde. Erste Akzente konnte man beim Musik- und Internetfestivals South by Southwest (SXSW) in Austin erkennen, bei dem sich Daimler-Chef Dieter Zetsche mit der Silicon Valley-Ikone Guy Kawasaki ins Getümmel stürzte und in neuen Western-Boots die lockere Atmosphäre der Netzszene aufsaugte.

Ganz im Gegensatz zu vielen Protagonisten der deutschen Wirtschaft, die offene Formate als esoterischen Quatsch abstempeln und einen großen Bogen um Netzaktivisten machen. Unter dem Hashtag #KölnerBarcampKontroverse ist das gut dokumentiert. Zetsche ist der erste Vorstandschef eines DAX-Konzerns, der die SXSW in seiner 31. Auflage besuchte. „Es war ein Event zum Lernen. Für den Konzern Daimler und für Mercedes Benz war das sehr wichtig“, so Pallenberg im Gespräch mit dem prmagazin.

Der nahbare Konzernchef

Zetsche sei für alle ansprechbar gewesen. „Jeder hatte die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder spontan Interviews zu machen – wie die Zeitschrift Wired. Das ist mehr oder weniger aus der Hüfte entstanden und belegt, dass wir in Austin eine progressive und gute Kommunikation gemacht haben, die sich von anderen Firmen abhebt. Man kam locker an Zetsche ran“, bemerkt Pallenberg. Es sei alles durchgespielt worden. „Wie positioniert sich ein Unternehmen wie Daimler auf so einem Festival? Wie diskutieren wir über Technologie-Themen? Welche Anregungen nehmen wir auf? Dazu zählen auch emotional gedrehte Videos und andere Darstellungsformen, die über Selfie-Videos hinausgehen.“

Man konnte deutlich erkennen, an welchen Punkten Zetsche lockerer wurde und es ihm persönlich auch Spaß gemacht hat. Es sei aber noch mehr erreicht worden. Mit der me Convention, die Daimler gemeinsam mit der SXSW parallel zur IAA im September in Frankfurt organisiert , werde der erste Ableger des Internet-Festivals außerhalb von Austin etabliert. Die me Convention findet vom 15. bis 17. September in der Frankfurter Festhalle statt, der traditionellen Bühne des Mercedes-Benz IAA Messeauftritts. Das Programm wird ergänzt um Konzerte und andere Veranstaltungen im Stadtzentrum.

Neuer Geist auf der IAA

„Das zeigt deutlich, wie sich Daimler positioniert. In der Vergangenheit war es ja eher so, dass Automobilfirmen zu Tech-Messen gekommen sind. Auf einmal erleben wir eine Entwicklung in die andere Richtung. Und das ist sehr wichtig. Die klassische Automobil-Messe hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht großartig verändert. Wir leben aber in einer Zeit, wo wir vor fundamentalen Veränderungen dieser Branche stehen. Deshalb ist es essentiell, dass man das auf den klassischen Formaten auch abbildet. Was im September passiert, ist ein riesengroßes Ausrufezeichen“, sagt Pallenberg.

Der Konzern habe begriffen, sich zu öffnen und nicht mehr in der eigenen Blase vor sich hinzuköcheln.

Owned Media anders denken

Änderungsbedarf sieht Pallenberg auch bei den Netzaktivitäten. Auf Online-Marketing-Kongressen hört man nach seiner Ansicht wenig zu neuen Kommunikationsformen und Inhalten. Besonders, wenn es um „Owned Media“ geht.

„Schließlich begeben sich Firmen und Werbetreibende in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis zu den Plattformanbietern. Genau das will ich ein wenig ändern mit unseren Inhalten.“

„Wir haben in den vergangenen Jahren durch die Dynamik der sozialen Netzwerke zu sehr darauf gesetzt, wirklich jeden Trend mitzumachen. Es ging immer darum, direkt herauszufinden, wie wir jede neue Plattform bespielen können. Mittlerweile sind wir umgeben von über sechs sozialen Netzwerken, die von den Unternehmen beackert werden – von Snapchat bis YouTube. Wir geben damit eine ganze Menge unserer Content-Hoheit ab und vertrauen darauf, was uns diese Plattformen in Reportings zurückgeben. Aber was sind diese Zahlen wirklich wert?“, fragt sich Pallenberg.

Ob das alles so stimmt, sollte zumindest kritisch hinterfragt werden.

„Wir sehen schon wahnsinnige Unterschiede bei einem recht einfachen Indikator: Den Views bei Online-Videos. Bei Snapchat wird ein View schon in der ersten Sekunde gezählt. Bei einem Facebook-Video nach drei Sekunden und bei einem YouTube-Video aber erst nach 30 Sekunden. Dann weiß ich aber immer noch nicht so genau, ob das stimmt. Ich halte es daher für unverzichtbar, auch seine eigenen Plattformen nicht zu vernachlässigen und eine Back-to-the-Roots-Strategie zu fahren.“

„Man muss die Nutzer auf die eigenen Plattformen zurückholen, weil ich dort die Möglichkeit habe, den Erfolg der Kommunikation zu messen, die Nutzer auf der Seite zu führen und sie besser kennenzulernen. Im Moment lernen nur die Betreiber der sozialen Netzwerke über die Internet-Nutzer. Das ist viel mehr als wir nur ansatzweise an Daten sammeln können. Bei Facebook ist fast das gesamte Leben hinterlegt“, führt Pallenberg gegenüber dem prmagazin aus.

Ein wenig mehr Autarkie könnte nicht schaden, denn man wisse nie, ob ein Snapchat trotz Börsengang in fünf Jahren noch existiert. Gleiches gelte für Facebook. „Was ist denn, wenn die von heute auf morgen ihre Algorithmen ändern oder für Werbung einfach mal das Doppelte verlangen? Je mehr man auf diese Plattformen auslagert, desto mehr Abhängigkeiten entstehen.“

Neuer Kommunikationshabitus vonnöten

Ob die vielen Seitenwechsler, die jetzt in den Unternehmen neue Content-Einheiten etablieren, zu einem Niedergang des Journalismus führen, gehe nach seiner Meinung an den Tatsachen vorbei. Das sei eher ein Beleg für zu wenig Selbstbewusstsein auf der journalistischen Seite. Die Herausforderung liege doch bei den klassischen Medien, Premium-Inhalte herauszubringen. „Gute Unternehmenskommunikation lebt von der Transparenz. Es muss klar sein, von wem die Botschaften stammen.“

Die Content Factorys lösen in der klassischen PR einen enormen Veränderungsdruck aus. Wer ohne Vermittlungsinstanzen mit der (Netz-)Öffentlichkeit sprechen will, braucht einen anderen Kommunikationshabitus. Wer weiterhin Botschaften über tindereskes Reichweitenmarketing (Wortkreation von Falk Hedemann) rausballert, sich Kunden gegenüber rambohaft wie die Fluggesellschaft United in Szene setzt, kritische Diskussionen über unethisches Verhalten ins Hinterzimmer verbannen will oder weiterhin Service-Probleme mit Hotline-Idiotie lösen möchte, sollte über Content Factory-Gründungen noch nicht einmal nachdenken. Das Notiz-Amt empfiehlt diesen Unternehmen weiterhin Schweinebauch-Anzeigen, die mit Nichtwahrnehmung bestraft werden können.


Image (adapted) „Konferenzraum“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Afrikanische Regierungen und die sozialen Medien: Warum ist das Verhältnis so unstet?

Afrika (adapted) (Image by WikiImages [CC0 Public Domain] via pixabay)

Viele kenianische Social-Media-Nutzer sind beunruhigt, dass die Regierung die Nutzung des Internets während der Parlamentswahlen stilllegen könnte. Der Regierungssprecher von Kenia hat versucht, die Wähler zu beruhigen, dass dies nicht der Fall sein wird. Trotzdem sind die Ängste, dass die Freiheit des Internets bedroht ist, nicht unbegründet.

Die Liste der afrikanischen Länder, die den Zugang zu den sozialen Medien während Wahlen und anderen politisch heiklen Phasen unterbunden haben, wächst stetig. Im vergangenen Jahr war dies in Kamerun, Tschad, der demokratischen Republik Kongo, Gabun, Gambia, der Republik Kongo und Uganda der Fall. Länder wie Äthiopien, Madagaskar und Tansania haben außerdem die Gesetze der Internetkriminalität so verschärft, dass die Meinungsfreiheit bedroht ist.

Anderswo sind die Nutzer sozialer Medien, Journalisten eingeschlossen, unter den geltenden Gesetzen für online geteilte Inhalte verfolgt worden. Solche Aktionen werden oft damit begründet, dass sie Frieden und Sicherheit sichern sollen, da die sozialen Medien eine potenzielle Plattform für die Verbreitung von Hassreden und Aufrufen zur Gewalt darstellen.

Dies ist besonders dann problematisch, wenn politische Kandidaten auf ethnische und religiöse Unterschiede aufmerksam machen, um Unterstützung zu bekommen. Die Rolle, die aufwieglerische Textnachrichten bei den gewalttätigen Ausschreitungen während der Wahlen von 2007 in Kenia spielten, wird immer wieder als Beispiel dafür genommen, welche potentielle Gefahr unkontrollierte Massenkommunikation bietet.

Im Südsudan wird der anhaltende Konflikt durch im Internet verbreitete Gerüchte und Hassreden weiter angefacht. Manche geben sogar einem „falschen“ Facebook-Beitrag die Schuld für 150 Todesopfer. In Teilen von Afrika sind die sozialen Medien für Terroristen eine Möglichkeit, um mit ihren Anhängern zu kommunizieren und neue Mitglieder anzuwerben. Deshalb behaupten die Regierungen, dass die sozialen Medien gefährlich sind und nicht immer für bare Münze genommen werden sollten. Neue Formen der Kommunikation erschüttern die politische Lage in Afrika genauso wie anderswo. Das führt zu beunruhigenden Unsicherheiten bei Regimen, die ihre Macht behalten wollen.

Alternative Informationsquellen

Soziale Medien bieten neue Möglichkeiten, um Informationen in kurzer Zeit mit einer großen Anzahl an Menschen zu teilen. In der Vergangenheit wurde ein Witz über einen Politiker vielleicht mit ein paar Freunden geteilt – heute kann er Tausende erreichen. Blogs und Plattformen wie WhatsApp sind zu Hauptinformationsquellen für viele Internetnutzer geworden. Manchmal informieren sie schon darüber, was in den ‚traditionellen‘ Medien berichtet wird.

SAber abgesehen davon können auch Zuwiderhandlungen von Regierungen bei Wahlverfahren oder Verstöße gegen die Menschenrechte online bloßgestellt werden. Soziale Medien spielten eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Zivilgesellschaft und helfen Oppositionsbewegungen, sich in einigen der autoritärsten Länder Afrikas zu organisieren.

Außerdem bietet das Internet auch lokalen politischen Belangen ein globales Publikum. Dies war beispielsweise während der jüngsten Proteste in Äthiopien der Fall, als Gegner des Regimes in der Diaspora sich mithilfe der sozialen Medien beteiligen konnten. Allerdings bietet die eine vermehrte Online-Kommunikation auch neue Möglichkeiten für staatliche Überwachung und Zensur. Abschalten des Internets und eine Verfolgung von ‚Internetkriminalität‘ gegen Kritiker des politischen Systems sind Handwerkszeug, um politische Freiheiten einzuschränken. In Ländern wie Tansania wurden Beschränkungen der Auseinandersetzungen im Internet durch Offline–Maßnahmen begleitet. Dazu gehören ein Verbot von politischen Kundgebungen und Strafverfolgung von Oppositionsmitgliedern des Parlaments für Volksverhetzung.

Dem Staat standhalten

Angesichts der Regierungszensur haben die Bürger versucht, sich den Beschränkungen ihrer Internetfreiheit zu widersetzen. Zum Beispiel haben im Jahr 2016 viele Ugander virtuelle private Netzwerke (VPNs) miteinander verbunden, um dadurch die Versuche, die sozialen Medien zu blockieren, zu unterbinden. Mobile Netzwerkbetreiber müssen sich zur Frage, was sie in Zukunft machen können, um gegen die Regierungen standzuhalten, positionieren. Herausfordernde restriktive Rechtsvorschriften können sich vor Gericht jedoch auch als erfolgreich erweisen. So wurde zum Beispiel in Kenia eine gesetzliche Bestimmung über die ‚unsachgemäße‘ Nutzung eines Telekommunikationsgeräts für verfassungswidrig erklärt.
Dagegen wurde jedoch im benachbarten Tansania der Versuch, das Gesetz der Internetkriminialität in Frage zu stellen, abgetan.

Dies sind aber keineswegs nur Belange, die afrikanische Länder betreffen. Zwischen Juni 2015 und Juli 2016 gab es in 19 Ländern 81 kurzfristige Störungen des Internetanschlusses, unter anderem in Indien, der Türkei und Vietnam. Weltweit hat das Wachstum der sozialen Medien die Debatte darüber angeregt, wo die Grenze zwischen dem Schutz der Redefreiheit und der Stimme des Hasses und des Extremismus zu ziehen ist. Die Präsidentschaftskampagne des vergangenen Jahres in den Vereinigten Staaten hat zusätzlich Bedenken über die Rolle der sozialen Medien bei der Verbreitung von sogenannten Fake News mit wichtigen politischen Folgen ausgelöst.

Diese Debatten sind in Teilen von Afrika sehr dringend. Im Jahr 2017 finden Wahlen in einer Reihe von Ländern statt, bei denen es noch in der jüngsten Geschichte zu Gewalt bei Wahlen kam. Hier wurden in der Vergangenheit ethnische und regionale Unterschiede von politischen Kandidaten zu Wahlzwecken manipuliert. Es besteht daher die Notwendigkeit, zu prüfen, wie man sicherstellen kann, dass soziale Medien nicht dazu verwendet werden, zu Gewalt anzuregen oder gefährliche Gerüchte zu verbreiten. Ebenfalls bleibt aber auch die Frage, wie Regierungen daran gehindert werden können, die Möglichkeiten der sozialen Medien zur Beschränkung der Menschrechte zu nutzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Afrika“ by WikiImages (CC0 Public Domain)


The Conversation

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  • TWITTER zeit: Twitter verklagt US-Regierung: Dass Twitter eine mehr oder minder wichtige Rolle im US-Wahlkampf- und Regierungszirkus einnimmt, ist nicht abzustreiten. Jetzt verklagt das Unternehmen hinter dem Social-Media-Kanal gar die US-Regierung. Das Heimatschutzministerium hatte Nutzerdaten eines Trump-kritischen Accounts eingefordert, woraufhin Twitter sich weigerte und nun juristische Schritte einleitet. Besagter Account hat rund 100.000 Follower und ruft zum Widerstand gegen Trumps Einwanderungspolitik auf. Twitter will die Daten nicht herausgeben, solange die Regierung keine Beweise für straf- oder zivilrechtliche Verstöße vorlegt.

  • ROAMING spiegel: EU-Parlament besiegelt Ende der Roaminggebühren: Es ist endlich beschlossene Sache – pünktlich zum Sommer und der Urlaubszeit fallen Roaminggebühren in Europa endgültig weg. Ab Mitte Juni sollen Reisende im EU-Ausland endlich mobil telefonieren und surfen können, ohne anfallende Zusatzkosten. Am Donnerstag wurde in Straßburg ein Kompromiss über Roaming-Großhandelspreise beschlossen. Die Abschaffung der Roaminggebühren ist allerdings für Reisende gedacht, die sich nur zeitweise im europäischen Ausland aufhalten. Wer sich dauerhaft im Ausland aufhält, muss mit Extragebühren rechnen.

  • PLAYSTATION heise: PlayStation Experience (PSX) 2017: Prey, 360-Grad-Filme und Controller-Experimente: Die PlayStation Experience ist das hauseigene, alljährliche Event zu Sonys Mutterschiff-Konsole. Seit 2015 findet das Event ebenfalls in München statt. Headliner der Veranstalter war der Ego-Shooter Prey. Selbstverständlich durften auf der PSX auch brisante Themen wie Virtual Reality und 360 Grad nicht fehlen. Gerade mit letzterem experimentiert Sony derzeit verstärkt. Die Veranstaltung ist nicht dafür da, Plattform für große Neuankündigungen zu sein, vielmehr soll an die Sony Hardware herangeführt und begeistert werden.

  • SOCIAL MEDIA gruenderszene: Dieses neue soziale Netzwerk zieht gerade scharenweise Twitter-Nutzer an: Mastodon – so der Titel des Twitter-Konkurrenten, benannt nach den prähistorischen Mammuts – ist ein neues soziales Medium, das seit Anfang der Woche rund 40.000 neue Nutzer verbuchen konnte. Anders als bei kommerziellen Anbietern gebe es kein Risiko, dass „ein einzelnes Unternehmen unsere Kommunikation monopolisiert“, heißt es auf der Seite. Entwickler ist der 24-jährige Eugen Rochko aus Jena, der das Projekt über die Funding-Plattform Patreon finanziert.

  • NINTENDO chip: Harmlos oder verwerflich? PETA will dieses Nintendo-Spiel stoppen: Denkt man an ein Videospiel – speziell in diesem Fall an den Titel 1-2-Switch – würde man nicht darauf kommen, was daran verwerflich in Bezug auf Tierschutz sein könnte. Besagter Titel ist eine Minispiel-Sammlung auf der Nintendo Switch, erst mal nichts Verwerfliches. Die Tierschutzorganisation PETA ist da allerdings anderer Meinung. Sie prangern das Spiel dafür an, im Segment ‚Wettmelken‘ die Milchindustrie und den Melkprozess zu verharmlosen. Ob man dies nun für harmlos oder verwerflich hält, liegt natürlich im Auge des Betrachters.

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  • HACKER sueddeutsche: Tausende Twitter-Accounts offenbar von Erdogan-Anhängern gehackt: Sie verbeiteten in großem Stil die Hashtags “#NaziAlmanya” und “#NaziHollanda”. Hacker haben am gestrigen Tag tausende prominente Twitter-Accounts, betroffen waren beispielsweise Amnesty International, Pro Sieben, Borussia Dortmund oder Ex-Tennisprofi Boris Becker, gehackt und für diese Botschaften missbraucht. Verantwortlich sind offenbar Erdogan-Sypmathisanten und den Einstieg haben ihnen mutmaßlich Drittanbieter-Apps ermöglicht.

  • FACEBOOK zeit: Pakistan schränkt soziale Medien ein: Gotteslästerliche Inhalte sind in pakistanischen sozialen Medien nicht gerne gesehen. Der Ministerpräsident Nawaz Sharif hat jetzt das Innenministerium angewiesen, umgehend alle Seiten mit solchen Inhalten zu sperren. Ebenfalls wies er das Außenministerium an, internationale Institutionen und sozialen Netzwerken in Kontakt zu treten, um das Problem zu lösen. Die Zensur erfolgt seit Anfang des Jahres und schon bis 2016 war YouTube drei Jahre lang gesperrt, weil dort ein islamfeindlicher Film hochgeladen worden war.

  • TESLA golem: Tesla braucht neues Geld für Model 3: Für die Produktion des “Model 3” will sich Tesla jetzt eine Milliarden-Geldspritze verschaffen. Der Elektroauto- und Ökostromkonzern braucht für seine ambitionierten Expansionspläne und den Vorstoß in den Massenmarkt frisches Geld. Wie Tesla am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte, sollen die Mittel vor allem zur Stärkung der Bilanz und somit zur Minimierung von Risiken beim Anlauf der Produktion des ersten Mittelklasse-Elektrowagens „Model 3“ genutzt werden.

  • SXSW t3n: Holoplot: Berliner Audio-Startup räumt bei Tech-Festival SXSW ab: Noch ist das South by Southwest Festival (SXSW) in Austin, Texas in vollem Gange. Auch ein deutsches Tech-Startup konnte auf dem Festival jetzt Wellen schlagen. Das Berliner Startup Holoplot setztt sich mit seinen Produkten das Ziel, zielgerichtet Schall zu verteilen. Sie haben ein Audiosystem entwickelt, das die Akustik etwa in Museen, Bahnhöfen oder Konzertsälen verbessern soll. Auf dem SXSW haben sie dafür jetzt den „Interactive Innovation Award“ in der Kategorie „Music & Audio“ verliehen bekommen.

  • MESSAGING heise: Schwere Sicherheitslücke in den Web-Oberflächen von WhatsApp und Telegram geschlossen: Nachdem bei den beiden Messaging-Diensten WhatsApp und Telegram kürzlich eine Schwachstelle gefunden wurde, konnten diese mittlerweile beide geschlossen werden. Die Lücke erlaubte es den Angreifern, die Web-Sessions der Messenger zu kapern und so Nachrichten mitzulesen, Adressbücher zu kopieren und Schadcodes an Kontakte zu versenden. Wer vor allem die App-Versionen verwendet, sei auf der sicheren Seite, die Angriffe betrafen vor allem die Browser-Versionen und Web-Apps.

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  • AUTONOMES FAHREN heise: Das erste selbstfahrende Auto wird ein Lastkraftwagen: Da ein großer Mangel an LKW-Fahrern in Nordamerika herrscht, sollen nun bald in der Logistikbranche selbstfahrende LKW eingeführt werden. Dieses Vorgehen soll die Fahrer nicht überflüssig machen, sondern den Beruf für die junge Generation attraktiver gestalten. Die Rolle des Fahrers soll dann ähnlich wie die eines Piloten sein: er ist beim Start, der Landung und in brenzligen Situationen gefragt, das Fahrzeug ist sonst auf Autopilot geschaltet.

  • TESLA t3n: Neuer Autopilot-Chef: Swift-Erfinder Chris Lattner verlässt Apple für Tesla: Nach elf Jahren verlässt nun Swift-Erfinder Chris Lattner Apple, um zu Tesla zu wechseln. Lattner wird ab sofort bei Tesla für die Autopilot-Software des Unternehmens verantwortlich sein, nachdem der frühere Autopilot-Leiter Sterling Anderson das Unternehmen verlassen hatte. Für Lattner wird es bei Tesla einiges zu tun geben: nach dem tödlichen Unfall im Frühjahr 2016 geriet der Autobauer in die Kritik, woraufhin dieser Neuerungen angekündigt hatte, die das Autopilot-System sicherer machen sollen.

  • YOUTUBE googlewatchblog: Hamburger Elbphilharmonie: Youtube überträgt das Eröffnungskonzert Live in 360 Grad: 9 Jahre Bauzeit und mehrere Hundertmillionen Euro verschlang die Hamburger Elbphilharmonie, die direkt am Hafen platziert ist. Heute findet endlich das feierliche Eröffungskonzert statt. Wer keine Karten hat, muss sich aber auch nicht grämen. Schon zur offiziellen Fertigstellung der Elbphilharmonie und auch jetzt zur Eröffnung sind Google-Nutzer ganz vorne mit dabei: Per Streetview kann man durch das Gebäude laufen und sich die öffentlich zugänglichen Teile frei ansehen. Wer zudem über ein Google Cardboard verfügt (die Papp-Variante einer Virtual Reality-Brille) kann das Live-Konzert so auch in VR erleben.

  • FACEBOOK golem: Facebook-App leert Akku in Rekordzeit: Schwache Akkus sind bei Smartphone-Nutzern immer ein leidiges Thema. Da hilft es nicht, wenn sich eine App zusätzlich belastend auf die Laufzeit auswirkt. Vor allem Android-Nutzer sind derzeit stinksauer, die Facebook- sowie die Messenger-App belastet den Akku wohl extrem. Neben der drastisch verkürzten Akkulaufzeit machen die Facebook-Apps noch andere Schwierigkeiten. Der Grund für die geschilderten Probleme ist derzeit nicht bekannt.

  • SOCIAL MEDIA dw: White House preserves Obama’s social media legacy: „Präsdient Obama ist der erste ‚Social Media Präsident'“ so ein Sprecher des Weißen Hauses und so hat er einem den Job des mächtigsten Mannes der Welt näher wie nie gebracht. Er verabschiedete sich nun von dem Twitter-Handle ‚@POTUS‘ (steht für ‚president of the united states‘) mit: „Thank you for everything. My last ask is the same as my first. I’m asking you to believe—not in my ability to create change, but in yours.“ Das Weiße Haus hat jetzt einen nahtlosen Übergang zwischen den präsidialen Social Media Accounts eingeleitet.

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Vom Gefühl zur Nachricht: Was tun gegen Fake News?

fragezeichen-image-by-qimono-via-pixabay

Barack Obama glaubt, dass Fake News eine Bedrohung für die Demokratie darstellen. Der scheidende US-Präsident sagte, er sei besorgt über die Art und Weise, wie „so viele Fehlinformationen sehr gut verpackt“ und in den Social-Media-Feeds der Menschen als Tatsachen dargestellt werden können. Auf einer Konferenz in Deutschland sagte er:

Wenn es uns nicht ernst ist mit den Tatsachen und damit, was stimmt und was nicht, wenn wir nicht unterscheiden können zwischen ernsthaften Argumenten und Propaganda, dann haben wir ein Problem.

Aber wie unterscheiden wir zwischen Tatsachen, legitimer Debatte und Propaganda? Seit der Brexit-Abstimmung und dem Wahlsieg Donald Trumps ist sehr viel darüber geschrieben worden, inwiefern die Auswirkungen sozialer Medien und der Verbreitung von Fake News auf den politischen Diskurs, das Funktionieren der Demokratie und den Journalismus zu erklären sind. Detaillierte sozialwissenschaftliche Forschung ist noch im Entstehungsprozess begriffen, doch es kann bereits eine Menge aus bestehenden Studien zu Online- und Offline-Verhalten gelernt werden.

Vertrauenssache

Beginnen wir mit einer allgemeinen Definition von Fake News als Informationen, die über ein Medium verbreitet werden – oft zugunsten bestimmter sozialer Akteure – und sich dann als unüberprüfbar oder im Wesentlichen falsch erweisen. Wie bereits erwähnt, hat man Fake News bislang als Propaganda bezeichnet. Und es gibt umfangreiche sozialwissenschaftliche Literatur über Propaganda, ihre Geschichte, Funktion und Verbindungen zum Staat – sowohl zu demokratischen als auch diktatorischen.

Tatsächlich ist Russland, wie die Untersuchungen aus den USA und Italien zeigen, eine der wichtigsten Quellen der Fake News. Full Fact, eine Website aus Großbritannien, untersucht die Quellen der Medienberichte, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen – und an solchen mangelt es nicht.

Man könnte argumentieren, dass die „Mainstream“-Medien in den Augen ihres Publikums als weniger vertrauenswürdig (ob gerechtfertigt oder nicht) wahrgenommen werden, und es dadurch schwerer geworden ist, zwischen Medien zu unterscheiden, die vermeintlich ein echtes Interesse daran haben, die Wahrheit zu sagen, und solchen, die nicht unbedingt dieselbe ethische Grundlage haben. Wie kann der Mainstream-Journalismus, der von allen Seiten politisch voreingenommen ist, die moralische Deutungshoheit behalten? Dieses Problem geht sicherlich noch auf die Zeit vor der digitalen Technologie zurück.

Filterblasen und Echokammern

Hier stellt sich die Frage, ob Social Media das Problem noch schlimmer macht. Fast ebensoviel wurde über die Diskussionen der sogenannte „Filterblasen“ in den sozialen Medien geschrieben – wir neigen alle dazu, uns eher mit Menschen zu umgeben, die unsere Perspektive teilen. Das gilt nicht unbedingt nur für das digitale Zeitalter und funktioniert auf zwei verschiedene Weisen:

Filterblasen sind ein Produkt der Klasse und der kulturellen Position. Eine aktuelle britische Studie über gesellschaftliche Schichten geht weiter darauf ein. Ein wichtiges Detail ist hierbei, dass sich diejenigen mit einem höheren sozialen Status sehr wahrscheinlich am ehesten zusammenfinden, dabei aber dennoch vielfältigere soziale Kontakte haben werden als diejenigen, die sich in den niedrigeren Einkommens- und Statusgruppen befinden. Sie werden wahrscheinlich auch eine größere Vielfalt von Medien, vor allem Internet-Angebote, nutzen. Nicht alle Blasen sind gleich groß oder gleichartig und unsere Social-Media-Blasen spiegeln unsere alltäglichen „Offline“-Blasen wieder.

Und tatsächlich können Social-Media-Blasen für Interaktionen zwischen Journalisten und Politikern sehr relevant sein, denn eine der am klarsten definierten Twitter-Blasen ist die, die Politiker und Journalisten umgibt. Damit werden ältere Modelle von Medieneffekten in den Fokus gerückt, wie etwa das Kommunikationsmodell nach Lazarsfeld, demzufolge wichtige „Meinungsführer“ – einflussreiche Knotenpunkte in unseren sozialen Netzwerken – einen beträchtlichen Einfluss auf unseren Medienkonsum haben. Analysen eines Fake-News-Artikels deuten darauf hin, dass es nicht um Social Media an sich geht, sondern darum, wie Geschichten, die in den sozialen Medien kursieren, von führenden Seiten und Akteuren mit vielen Anhängern aufgegriffen und verbreitet werden können.

 

 

Eine falsche Annahme in einem Tweet von einer Einzelperson wird zu Fake News auf einer ideologisch motivierten Nachrichten-Website oder ein Tweet von einem Präsidentschaftskandidaten wird für viele automatisch zu einer „Tatsache“. Wir sorgen uns heute mehr denn je darüber, da die sozialen Medien sowohl die Nachricht an sich als auch die Art und Weise ihrer Verbreitung sehr sichtbar machen.

Fake News aufdecken

Was ist hilfreich und wie können wir da herangehen? Erstens, die Ökonomie der sozialen Medien favorisiert Klatsch, Neues, Geschwindigkeit und „Teilbarkeit“. Sie verwechselt Belustigung mit sozialem Wert. Es gibt Hinweise darauf, dass Fake News, die bestehenden Vorurteilen in die Hände spielen, eher geliked werden und somit mehr Umsatz für die Schöpfer erzeugen. Das ist das gleiche Prinzip wie bei den sogenannten Promi-Magazinen. Hier ist es unwahrscheinlicher, dass man mit gut recherchierten und dokumentierten Nachrichten eine vergleichbare Reichweite erreicht.

Der andere wichtige Punkt ist hier, dass es – auch laut Obama – schwierig ist, die ‚Fakes‘ von den echten Nachrichten zu unterscheiden, und viele Leute scheinen ihre Schwierigkeiten damit zu haben. Wie meine Kollegen und ich bereits vor fast 20 Jahren argumentierten, machen digitale Medien es schwieriger, die Wahrhaftigkeit von Inhalten einfach durch das physikalische Format zu unterscheiden (Printzeitung, qualitativ hochwertige Nachrichtenübertragung, Lehrbuch oder Boulevardzeitung). Online-Nachrichten sind schwerer zu unterscheiden.

Das nächste Problem besteht darin, dass die Rücknahme von Fake News in den sozialen Medien derzeit von der Technologie eher unzureichend unterstützt wird. Obwohl Beiträge gelöscht werden können, ist dies ein passiver Akt, sogar noch weniger wirksam als die aus einem kleinen Absatz bestehenden Richtigstellungen in Zeitungen. Um eine Wirkung zu erzielen, wäre es notwendig, nicht nur Beiträge zu löschen, sondern sie sichtbar zu markieren und zu verlangen, dass Nutzer bestimmte Elemente als Fake News erkennen und dies bestätigen.

Ob Fake News nun eine Erscheinung des digitalen und sozialen Medienzeitalters sind oder nicht – es ist zumindest wahrscheinlich, dass soziale Medien dazu neigen, die Verbreitung von Fehlinformationen zu verstärken. Ihre Ökonomie begünstigt Teilbarkeit gegenüber Wahrhaftigkeit und Verbreitung gegenüber Richtigstellung. Dabei handelt es sich nicht um technologische „Gegebenheiten“, sondern um Entscheidungen – und zwar seitens der Systemdesigner und ihrer Regulatoren, wo immer es dann solche gibt. Darüber hinaus haben Mainstream-Medien ihren eigenen Ruf durch „Falschmeldungen“ und sichtbar ideologische Berichterstattung getrübt und somit die Tür für andere Nachrichtenquellen geöffnet.

 

 

Das Verständnis dieser komplexen Mischung von Faktoren ist die Aufgabe der Sozialwissenschaften. Aber vielleicht ist die eigentliche Botschaft hier, dass wir uns als Gesellschaft und als Individuen der Frage zu stellen haben, wie wir die Menschen zum verantwortungsvollen Nachrichtenkonsum erziehen können – und ob wir nicht die Wahl haben, unser eigenes Verhalten zu ändern, statt die sozialen Medien zu regulieren, wie wir es mit Printmedien und Fernsehen tun. Fragen Sie sich doch einmal: Wie oft prüfen Sie die Faktenlage einer Nachricht, bevor Sie sie verbreiten?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Fragezeichen“ by qimono (CC0 Public Domain)


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Jung gegen Alt: Nachrichten werden anders gelesen

french tourists (Image by Ron Porter [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Vergessen Sie die unterschiedlichen Meinungen zu Heirat, Hausbesitz und Politik: die aussagekräftigsten Unterschiede zwischen jungen und alten Menschen liegen in der Art und Weise, wie sie ihre Nachrichten bekommen.

Die neue Umfrage des Pew Research Centers über Trends der modernen Nachrichtennutzung, die mit der Knight Foundation zusammen durchgeführt wurde, zeigt, dass einen großen Unterschied zwischen jungen und alten Nutzern hinsichtlich der Nachrichtennutzung gibt. Während 54 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen, dass sie ihre Nachrichten am liebsten digital abrufen, geben bloß 38 Prozent im Alter von 30 bis 49 und 15 Prozent im Alter von 50 bis 64 Jahren das gleiche an.

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Image by Pew Research Center

Die Ungleichheit in der bevorzugten Nachrichtennutzung der Jungen und der Alten ist sogar noch deutlicher, was Handys betrifft. Siebzig Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen, dass sie es bevorzugen, nur Nachrichten über mobile Geräte zu bekommen.

Diese Zahl sinkt auf 53 Prozent bei Menschen zwischen 30 und 49 Jahren und sogar nur 29 Prozent zwischen dem 50. und dem 64. Lebensjahr. (Die mobile Nachrichtennutzung insgesamt steigt jedoch: Ungefähr 72 Prozent der Befragten sagten, dass sie Nachrichten über mobile Geräte abrufen. 2013 lag diese Zahl noch bei 53 Prozent.)

Diese Unterschiede zwischen den Generationen könnten schlechte Nachrichten für das Fernsehgeschäft bedeuten. Pews Bericht beweist, was die meisten Fernsehnetzwerke bereits in ihren Zuschauerzahlen bemerkt haben: die Zahl der jungen Zuschauer sinkt.

Während 72 Prozent der Menschen zwischen 50 und 64 Jahren und 85 Prozent derer über 65-Jährigen sagen, dass sie ihre Nachrichten im Fernsehen anschauen, sagen nur 29 Prozent der 18- bis 29-Jährigen das gleiche.

Pew befragt nur Menschen ab 18 Jahren, was eine bedeutende Anzahl von jüngeren Nachrichtennutzer mit eigenen Bevorzugungen für die Beschaffung von Nachrichten auslässt. Es ist trotzdem wahrscheinlich, dass diese Vorlieben schlechte Nachrichten für die traditionellen Medien bedeuten.

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Image by Pew Research Center

Hier sind ein paar Highlights des Berichts:

  • Mehr schlechte Nachrichten für Verlage, die versuchen, dass die Menschen ihre Nachrichtenvideos online anschauen: Pew fand heraus, dass Menschen, die gerne Nachrichten sehen, dies zu 80 Prozent über das Fernsehen tun. Im Gegensatz dazu hat das Internet diejenigen angezogen, die die Nachrichten lieber lesen als sehen wollen.

    Vorhergehende Forschungen vom Oxford’s Reuters Institute for the Study of Journalism behandelten ebenfalls die Herausforderungen von digitalen Nachrichtenagenturen, die Menschen dazu bewegen sollen, sich die die Nachrichten-Videos online anzuschauen.

 

  • Druckerzeugnisse gehen weiterhin zurück: Nur 20 Prozent der Menschen bekommen ihre Nachrichten über analoge Zeitungen; drei Jahre zuvor waren es noch 27 Prozent. Nur 26 Prozent der Menschen, die die Nachrichten lieber lesen, tun dies mit Printerzeugnissen.

 

  • Menschen, die ihre Nachrichten online abrufen, haben öfter eine negative Meinung über die Medien. Ungefähr 67 Prozent der Menschen, die es bevorzugen, die Nachrichten online abzurufen, haben eine positive Meinung über die Medien, im Vergleich zu 81 Prozent der Menschen, die andere Plattformen bevorzugen. Besonders junge Erwachsene sind den Medien generell negativer eingestellt.

 

  • Nachrichten insgesamt scheinen ein Vertrauensproblem zu haben: Nur 20 Prozent der Amerikaner vertrauen den Informationen, die sie von Nachrichtenagenturen online und offline bekommen. Das Vertrauen in Nachrichten der sozialen Medien ist noch geringer,zeigen die Befunde eines Berichts im April vom AP-NORC Center for Public Affairs Research and the American Press Institute

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „French tourists“ by RonPorter (CC0 Public Domain)


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Facebooks Algorithmen sorgen für mehr redaktionelle Verantwortung

facebook (Image by Simon [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die kürzliche Kritik an Facebook für das Entfernen eines Posts, das ein ikonisches Bild eines nackten Mädchens während des Vietnamkrieges zeigte, war nicht das erste Mal, dass Facebook mit dem Vorwurf der Zensur beschuldigt wurde. Und zugleich wird es dafür getadelt, hasserfüllte, illegale oder unangebrachtes Material, zuletzt von der deutschen Regierung, nicht schnell genug entfernt zu haben.

Die schwierige Aufgabe, zu entscheiden, ob man etwas veröffentlicht oder zurückzieht, oblag früher menschlichen Redakteuren für Print-Publikationen, Sendern oder Webseiten. Da heute so viele von uns durch die Seiten sozialer Medien, wie beispielsweise Facebook, Zugriff auf Neuigkeiten und Unterhaltung haben, haben sich die Verhältnisse, die kontrollieren, was wir sehen und was nicht, verschoben. Aber Facebooks zunehmender Einsatz von Computer-Algorithmen bedeutet, dass es mehr redaktionelle Verantwortung erhält und nicht weniger – egal, was das Unternehmen uns glauben machen will.

Facebook ist darauf erpicht, eine Titulierung als Herausgeber zu vermeiden. Das würde dazu führen, dass man durch die Medien und durch die Verleumdungsgesetze verunglimpft werden könnte. Der Gründer und CEO Mark Zuckerberg machte dies kürzlich deutlich, als er Berichten zufolge sagte: „Wir sind eine Technikfirma, wir sind keine Medienfirma [Wir bauten] die Werkzeuge, wir produzieren keinen Inhalt.

Die Betreiber der Sozialen Medien argumentieren damit, dass die Algorithmen, die sie benutzen, um festzustellen, was ein Benutzer sieht, nur Empfehlungen liefern, statt Inhalte zu publizieren, zu entfernen oder zu verändern. Aber wie stark die Seite den Inhalt sichtbar macht, hat einen immensen Einfluss darauf, wie weit dieser sich über die Grenzen des Kontos des eigentlichen Beitragenden hinaus verbreitet. Die Art und Weise, wie Algorithem arbeiten, kann einen ähnlichen Effekt haben wie bei einem Herausgeber einer Zeitung, der einen Artikel für die Titelseite auswählt.

Die Torwächter

Ein Bericht des Reuters-Institut für Journalismus hat herausgefunden, dass soziale Medien und Suchmaschinen als editorische Torwächter agieren, die die Natur und die Bandbreite der Nachrichten verändern, zu denen Nutzer Zugriff haben.

Es gibt keine exakten Parallelen für die neuen, hier identifizierten digitalen Mittelsmänner – die meisten sind keine neutralen „Rohre“ wie ISPs, durch die alle Inhalte des Internets fließen (obwohl Twitter dem nahe kommt); ebenso sind sie keine reinen Medienkonzerne, wie zum Beispiel Sender oder Zeitungen, die stark in kreative und redaktionelle Entscheidungen involviert sind. Aber sie spielen dennoch wichtige Rollen dabei, Informationen auszuwählen und zu verbreiten, was auf ein rechtmäßiges öffentliches Interesse an dem, was sie tun, schließen lässt.

Soziale Netzwerke entgegnen, dass die aussortierten und empfohlenen Inhalte nur wie redaktionelle Urteile erscheinen. Weil es durch Computer-Software und nicht durch Menschen erfolgt, ist das Aussortieren rein objektiv. Die Algorithmen wählen die Resultate lediglich auf eine Art und Weise aus, die darauf abzielt, den Nutzern hilfreiche und nützliche Informationen zu liefern.

Es gibt zwei Hauptprobleme bezüglich dieses Arguments. Erstens sind die Algorithmen oftmals noch nicht komplex genug, um gänzlich ohne die Einbeziehung von Menschen arbeiten zu können. Nach der Anschuldigung der politischen Voreingekommenheit hat Facebook sich kürzlich dazu entschieden, die menschlichen Redakteure seiner „neuen“ Nachrichten-Sektion zu feuern und sie gänzlich durch Algorithmen zu ersetzen. Dennoch war diese Software nicht perfekt und die Facebook-Ingenieure kontrollieren nun die automatisch kalkulierten aufkommenden Neuigkeiten, nachdem verschiedene falsche und sexuell eindeutige Posts beworben wurden.

Zweitens ist die Annahme, dass Algorithmen „neutral“ sind und sich auf logische Entscheidungen verlassen, die völlig frei von Vorurteilen sind, äußerst fehlerhaft. Die Software macht „rationale“ Entscheidungen über relative Vorteile verschiedener Posts, welche auf einer Menge an Werten basieren und welche entscheiden, welche Posts beim Nutzer beworben werden sollen.

Diese Werte müssen von einem Entwickler festgelegt werden oder aus seinen Daten ausgewählt werden, und dies gilt auch für die Art der menschlichen Vorurteile, die in das System miteingebaut wurden. Das bedeutet, dass die Verantwortung für redaktionelle Entscheidungen, die durch ein algorithmisches Werkzeug getroffen werden, noch immer auf den Urheber zurückfallen und auch auf die, die für die Festsetzung der Werte verantwortlich sind (in der Regel die Chefs der Firma).

Die Macht, die mit dem redaktionellen Einfluss, den die Sozialen Medien entwickelt haben, einhergeht, bedeutet, dass die Seiten auch eine öffentliche Verantwortung dafür tragen, was sie ihre Nutzer sehen lassen und was nicht. Wie der Reuter-Report sagt, brauchen wir nun Regulatorien, um die Öffentlichkeit vor einem unzulässigen Einfluss oder Manipulation der sozialen Medien zu schützen. Zum Teil bedeutet das Transparenz. Firmen, die sich mit sozialen Medien beschäftigen, sollten die Kritierien, nach denen sie ihre Neuigkeiten für die Bewerbung auswählen, öffentlich machen. Allgemein gesagt bedeutet das, dass Facebook und andere, ähnliche Seiten die redaktionelle Verantwortung, die sie jetzt haben, ernst nehmen müssen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Facebook“ by Simon (CC0 Public Domain)


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Mädchen und die Sozialen Medien: Psychodruck im Internet

code(image by JESHOOTS [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Aktuelle Forschungsergebnisse des britischen Bildungsministeriums zeigen, dass sich das geistige Wohlergehen von Mädchen im Teenageralter im Vereinigten Königreich verschlechtert hat. Die Studie, die auf den Angaben von 30 000 14-jährigen Schülern in den Jahren von 2005 bis 2014 fußt, kommt zu dem Ergebnis, dass 37 Prozent der Mädchen unter psychischen Belastungen leiden, wohingegen es im Jahr 2005 nur 34 Prozent waren. (Im Vergleich sind nur 15 Prozent der Jungen im Teenageralter betroffen, während es ein Jahrzehnt zuvor noch 17 Prozent waren). Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass eine Sache, die sich zwischen 2005 und 2014 geändert habe, der „Beginn des Zeitalters der sozialen Medien“ sei.

Die Jugendjahre sind eine Zeit der enormen körperlichen, kognitiven und emotionalen Entwicklungen. Teenager gehen aufeinander ein, um zu lernen, wie man ein kompetenter Erwachsener wird. In der Vergangenheit wandten sie sich an Eltern, Lehrer und andere Erwachsene in ihrem Umfeld sowie entfernte Familienangehörige und Freunde. Heute können wir zu dieser Liste der sozialen und emotionalen Entwicklungen auch die sozialen Medien hinzufügen. Doch warum sollte der Beginn des Zeitalters der sozialen Medien ein Problem darstellen?

Untersuchungen weisen darauf hin, dass Mädchen ein höheres Risiko aufweisen, die negativen Aspekte der sozialen Medien zu spüren zu bekommen, als Jungen dies tun. Junge Mädchen sind mit ihrer noch eingeschränkten Fähigkeit zur Selbstkontrolle und ihrer Anfälligkeit für Gruppenzwang gefährdet, online schlechte Erfahrungen zu machen, die ihre Entwicklung zu gesunden Erwachsenen negativ beeinflussen und zu Depressionen sowie Angststörungen führen könnten.

Im Laufe der Adoleszenz erwerben Menschen Charaktereigenschaften wie Selbstbewusstsein und Selbstkontrolle. Da jugendliche Gehirne noch nicht vollständig entwickelt sind – und es bis zum Erreichen des frühen Erwachsenenalters auch nicht sein werden – fehlt es ihnen noch an den kognitiven Fähigkeiten der eigenen Bewusstheit und Privatheit, und so kann es dazu kommen, dass sie unangebrachte Nachrichten, Bilder und Videos posten, ohne sich der Langzeitwirkungen derer bewusst zu sein. Was sie posten, bleibt möglicherweise nicht nur im kleinen Kreis ihrer Freunde, sondern kann weit und breit mit verheerenden Konsequenzen die Runde machen.

Im Gegensatz zu ihren männlichen Altersgenossen sind Mädchen eher geneigt, zu viele persönliche Informationen über sich selbst oder über andere zu teilen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine negative Reaktion wie Mobbing oder abwertende Kommentare bei Altersgenossen hervorzurufen.

Falsche Ideale

Die sozialen Medien vermitteln der „Generation X-Factor“ das Streben nach Prominenten-Status und unmögliche Erwartungen. Die Social-Media-Plattformen sind voll von umwerfend aussehenden Models, denen junge Mädchen nacheifern können. Die Körperwahrnehmung der Mädchen im Teenageralter wird geprägt durch Emotionen (das Bedürfnis, gemocht zu werden), Wahrnehmungen (eine der Entwicklung angemessene Größe des Busens) und darüber hinaus von kulturellen Botschaften und gesellschaftlichen Standards. Die sozialen Medien ermöglichen es den Mädchen, sich sowohl mit Freunden als auch Prominenten zu vergleichen und liefern „Lösungen“ wie extreme Ernährungs- oder Trainingstipps gleich mit, damit die Mädchen ihre Ziele erreichen können.

Untersuchungen haben ergeben, dass heranwachsende Mädchen gefährdet sind, Essstörungen oder Dysmorphophobie zu entwickeln (der Drang, eine wahrgenommene Unvollkommenheit operativ zu beheben, z.B. zu kleine Brüste). Sorgen, die ihr Körperbild betreffen, können ihre Lebensqualität nachhaltig negativ beeinflussen, indem sie sie beispielsweise davon abhalten, gesunde Beziehungen zu pflegen. Sie könnten viel Zeit darauf verwenden, sich zu sorgen, die besser darin investiert wäre, andere Aspekte ihrer Persönlichkeit zu entwickeln.

Die sozialen Medien können sich ebenfalls negativ auf die Pubertät auswirken, indem sie junge Mädchen ermuntern, die „Welt der Erwachsenen“ zu betreten und sexuell aktiv zu sein, bevor sie reif genug sind, mit all den Konsequenzen zurechtzukommen, die dies mit sich bringen kann.  Sexting ist zu einer gewöhnlichen Erscheinung unter 20 Prozent der Jugendlichen geworden. Sie schicken dabei Bilder, auf denen sie nackt oder halbnackt sind, an Gleichaltrige. Kommt es zum Betrug, muss sich der Teenager gegen Demütigung wappnen, die er erleben kann, wenn ein anderer Mensch, dem er private Informationen anvertraut hat, ein privates Foto im Netz verbreitet. Die extremen psychischen Belastungen, denen diese Mädchen ausgesetzt sind, und ihre Auswirkungen auf die geistige Gesundheit sind weitreichend dokumentiert.

Die Adoleszenzphase ist auch eine Zeit, in der die Jugendlichen beginnen, fortgeschrittene Fähigkeiten zum logischen Denken auszubilden, und während der ihre kognitive Entwicklung vorangetrieben wird. Es ist eine Zeit, in der sie beginnen, darüber nachzudenken, wie sie von anderen wahrgenommen werden. Jugendliche Mädchen haben die Tendenz, sich in Profanes hineinzusteigern und Handlungen und Gedanken immer wieder zu analysieren, da sie bestrebt sind, sich anzupassen und die Informationen zu verarbeiten. Dies ist grundsätzlich ein gesundes Verhalten, doch Untersuchungen haben gezeigt, dass sich dieses Verhalten in Verbindung mit sozialen Medien zu einer ungesunden Aktivität steigern und so zu einem Vorboten von Depressionen und depressiven Symptomen werden kann.

Die sozialen Medien können Freund oder Feind sein – und statt sich nur auf die negativen Aspekte zu fokussieren, sollten wir sie stattdessen als ein Mittel nutzen, das den heranwachsenden Mädchen dabei helfen kann, zu verstehen, dass die Bilder, die in den sozialen Netzwerken konstant projiziert werden, keinesfalls eine durchschnittliche Person widerspiegeln. Wir sollten ihnen auch beibringen, dass es eine enorme Vielfalt an Aussehen und Entwicklungsgeschwindigkeiten gibt. Wir sollten junge Mädchen dazu ermuntern, sich mit den sozialen Medien kritisch auseinanderzusetzen.

Heranwachsende Mädchen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit online. Der Versuch, dieses Verhalten zu unterbinden oder zu kontrollieren, wird nur zu heimlichen Online-Aktivitäten führen.  Stattdessen sollten Eltern sich mehr engagieren, ihre Teenager beim Überwinden von Social-Media-Hindernissen zu unterstützen und ein gesundes Selbstbewusstsein vorleben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image ”Mädchen chattet” by JESHOOTS (CC LIZENZ)


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Wie man „digitale Lauffeuer“ in sozialen Medien überwacht

Smartphone (adapted) (Image by Christian Hornick [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Am 29. Oktober 2012 wurde New York vom Hurrikan Sandy getroffen. Es war eine Zeit großer Sorge und viele Leute wandten sich an Social Media-Plattformen wie Twitter und Facebook, um Neuigkeiten über Überschwemmungen, Stromausfällen, Schäden und mehr zu teilen und zu sammeln. Während dieser Zeit postete ein Twitter-Nutzer namens @ComfortablySmug eine Reihe von Kurzmeldungen über die Auswirkungen des Hurrikans. Diese beinhalteten Berichte, dass die Börse überflutet war, Manhattan einen kompletten Stromausfall erleben würde, und dass das U-Bahn-System für eine Woche geschlossen sei. Diese Meldungen waren sicherlich erschreckend – aber sie waren schlichtweg falsch.

Trotz fehlender Beweise zu den Behauptungen von ComfortablySmug wurden die Posts bald als Retweets weiterverbreitet und manche wurden als Fakten im Fernsehen aufgezählt. Es dauerte einige Zeit, bis die Behauptungen von den Organisationen widerlegt wurden. Die Verbreitung dieses Inhalts führte zweifellos zu mehr Angst während des Hurrikans.

 

In einem Bericht aus dem Jahr 2013 beschrieb das World Economic Forum die Posts von ComfortablySmug während des Hurrikans als bedrohliches „digitales Lauffeuer“. Diese brechen aus, wenn sich Inhalt, der entweder beabsichtigt oder unbeabsichtigt irreführt oder provokativ ist, schnell ausbreitet und ernste Konsequenzen nach sich zieht. Laut dem WEF-Bericht entsteht das Potenzial digitaler Lauffeuer häufig durch die gegenwärtige Beliebtheit sozialer Medien und durch die Art, wie die Plattformen die Verbreitung und das Teilen von Inhalten ermöglichen. Sie breiten sich besonders in Zeiten von Spannungen rasch aus – zum Beispiel gab es zahlreiche Fälle von nicht verifizierten aufrührerischen Inhalten, die sich nach den jüngsten Terrorereignissen rasch verbreiteten. Ein manipuliertes Bild des Journalisten Veerender Jubbal, ein Kanadier indischer Abstammung, brachte ihn fälschlicherweise mit verschiedenen Terrorakten in Verbindung – sein Bild schwappte nach den Anschlägen in Paris im November 2015 und nach dem Amoklauf in Nizza im Juli 2016 durch das Netz. Die Verbreitung weiterer falscher Gerüchte in Folge des Anschlags in Nizza – zum Beispiel, dass der Eiffelturm brannte, und dass einige Stadtbewohner als Geiseln genommen wurden – veranlasste die französische Regierung dazu, an Nutzer sozialer Medien zu appellieren, dass diese nur Informationen von offiziellen Quellen teilen sollten.  

Es ist offensichtlich, dass digitale Lauffeuer verheerende Konsequenzen für den Ruf von Einzelpersonen, Gruppen, Gemeinschaften und sogar ganzen Bevölkerungen nach sich ziehen können. Inzwischen macht das Tempo, mit dem sich Inhalte verbreiten, es für offizielle Agenturen sehr schwierig, auf diese rechtzeitig zu reagieren: Zu dem Zeitpunkt, an dem die Verbreitung der Inhalte sich verlangsamt oder endet, ist möglicherweise bereits großer Schaden entstanden. Aber was kann getan werden, um die Verbreitung von Fehlinformationen zu begrenzen oder zu verhindern?

Wenn wir akzeptieren, dass digitale Lauffeuer durch die schnelle Verbreitung von irreführenden oder provokativen Inhalte in sozialen Medien massive Schäden anrichten können, können wir ebenso fragen, wie sie verwaltet und gesteuert werden können. Die Auswirkungen dieser „globalen Risikofaktoren“, wie das WEF sie beschreibt, können theoretisch begrenzt werden – die Frage ist nur, wie das geschehen soll.

Eine Antwort darauf ist für einige Gruppen von Belang: Politische Entscheidungsträger, Social Media-Plattformen, Strafvollzugssorganisationen, Erzieher, ganz normale Bürger, Organisationen, die sich gegen sexuelle Belästigung einsetzen und die Nutzer sozialer Medien selbst. Es ist auf alle Fälle ein enorm komplexes Thema.

Zunächst kann es schwierig sein, praktische Lösungen zu identifizieren. Zum Beispiel könnten wir legale Mechanismen in Betracht ziehen, um Individuen für unangemessene Posts zu bestrafen. Jedoch erschwert die weltweite Nutzung des Internets die Rechtsprechung und in jedem Fall würden die legalen Strafen rückwirkend angewandt, was nicht sonderlich dazu beiträgt, die digitalen Lauffeuer in Echtzeit zu bewältigen.

Zudem müssen wir uns mit ethischen Fragen zur Redefreiheit auseinandersetzen. Jeder Versuch, Einzelpersonen davon abzuhalten, Inhalte zu posten oder zu teilen oder ganz extreme Formen zu verbieten, würde wahrscheinlich von vielen Gruppen, auch von der Mehrheit der Social Media Plattformen, als eine nicht akzeptable Begrenzung der freien Meinungsäußerung angesehen werden.

In unserem Forschungsprojekt versuchen wir, Möglichkeiten für verantwortliche Regierungsmechanismen zu identifizieren, die die Schäden aufgrund irreführender oder provokativer Inhalte bewältigen können und zugleich die Redefreiheit schützen.

Seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2014 konzentrierten wir uns auf Selbststeuerung als ein potenziell verantwortliches und effektives Mittel zur Regulierung von Inhalten. Nutzer sozialer Medien würden ihr eigenes und das Onlineverhalten anderer verwalten – zum Beispiel durch Postings, um falsche Informationen zu korrigieren, die Verbreitung von Gerüchten zu verhindern, Hassreden entgegenzustehen und vieles mehr. All das könnte durch weitere technische Mechanismen unterstützt werden. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass Selbststeuerung jemals alleine vollständig effektiv sein wird, und auch ein Risiko des Anprangerns und digitaler Selbstjustiz in sich birgt, kann es in Echtzeit wirken und Massenverbreitung von Posts verhindern, die zu digitalen Lauffeuern führen könnten.

Im Laufe unseres Projektes unternehmen wir rechnerbasierte Modellierungsarbeit, um die Auswirkung selbstregulierender Praktiken auf die Verbreitung von Inhalten zu untersuchen. Wir beschäftigen uns auch mit relevanten Akteuren, um weitere Maßnahmen wie Bildungsprogramme zu beurteilen. Eine Gemeinschaftsbildung im Netz könnte die Selbststeuerung in sozialen Medien fördern, festigen und verbessern, um Bedrohungen durch digitale Lauffeuer zu begrenzen.

Dieser Artikel wurde von Marina Jirotka verfasst, die dabei von ihren Kollegen des Digital Wildfire Projekt Teams unterstützt wurde: Helena Webb, William Housley, Rob Procter, Adam Edwards, Bernd Stahl, Pete Burnap, Omer Rana und Matthew Williams. Obwohl Twitter eine öffentliche Plattform ist, gibt es unter Forscher die Debatte, ob es ethisch vertretbar sei, Tweets in Veröffentlichungen zu benutzen und für ein größeres Publikum bereitzustellen. Die Tweets dieses Artikels wurden nach folgenden Bedingungen ausgesucht: Sie kommen entweder von institutionellen Accouncts, oder sind von Usern, die schon länger als Personen des öffentlichen Lebens zu definieren sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Smartphone“ by Christian Hornick (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Wie Technologie helfen kann, Terroranschläge vorherzusagen

Control is an Option to Command (adapted) (Image by Frederico Cintra [CC BY 2.0] via flickr)

Das Internet ist zu einer Waffe für Terroristen geworden, die sozialen Medien und andere Technologien zur Organisation, Rekrutierung und Verbreitung von Propaganda nutzen. Ist es also möglich, Technologie umzukehren, und sie nicht nur zur Verhaftung zu nutzen, sondern auch zur Vorhersage und möglicherweise Verhinderung von terroristischen Anschlägen, noch bevor sie geschehen? Wir können die Technologie zur Online-Untersuchung von Handlungs- und Sprachmustern von Terroristen und ihren Unterstützern einsetzen. Wenn wir Tendenzen, die im Vorfeld von Attacken geschehen, aufdecken können, müsste es in Zukunft automatisch möglich sein, geplante Gewalttaten zu identifizieren. In einer gerade erschienenen Studie versuchten Forscher der Harvard Universität eben dies zu tun. Sie nutzten Computersimulationen, um aufzuzeigen, wie sich inoffizielle Gruppen von Online-Unterstützern des Islamischen Staats durch Seiten in sozialen Netzwerken verbreiten und wachsen und wie dies in Zusammenhang mit den Zeitpunkten von Gewalttaten steht. Dies ergibt sich aus Untersuchungen, wie beispielsweise Twitter-Nachrichten eine Möglichkeit der Klassifizierung bieten, um Unterstützer oder Gegner des IS einzuordnen. Andere Forschungen nutzen die gezielte Auswertung großer Datenmengen in den sozialen Medien, um herauszufinden, wann Unterstützer beginnen, Verhaltensweisen anzunehmen, die darauf hinweisen, dass sie sich für den IS begeistern. Andere wiederum verwendeten Textanalyse-Software, um zu verdeutlichen, dass sich Sprachmuster bestimmter extremistischer Gruppen in den Monaten vor einem gewalttätigen Anschlag wandeln. Zum Beispiel kann die Sprache einen Mangel an kognitiver Komplexität aufweisen – also eine simplere Art und Weise, Sprache zu betrachten – wenn es weniger komplexe Satzstrukturen mit kürzeren Worten und Sätzen nutzt. Meine eigene Forschung mit Paul J. Taylor und Paul Rayson an der Universität von Lancaster nutzte Textanalyse-Software, um Sprachmuster verschiedener extremistischer Gruppen aufzudecken und mögliche Hinweise in Nachrichten einzugrenzen. Mittels der Methode der Kollokation, welche die Assoziationsstärke zwischen Wörtern oder zwischen einem Wort und einem Konzept misst, konnten wir aufzeigen, dass es möglich ist, automatisch festzustellen, ob Nachrichten von Extremisten, Menschen oder Orte positiv oder negativ beschreiben. So wurden beispielsweise einige persönliche Namen wesentlich mit dem negativen Begriff der „agentry” (bezogen auf Personen, die als feindliche Agenten handeln) in Verbindung gebracht, während andere Namen mit dem Begriff „heroisch” assoziiert wurden. Diese Methode könnte auf potentielle terroristische Ziele hinweisen, und zwar mittels Markierung von Personen oder Orten, die mit Gewalt oder Verachtung verknüpft werden. Wir könnten beispielsweise feststellen, dass Begriffe wie „Ziel”, „abzielen auf”, „Attacke” oder „töten” stark mit dem Namen eines bestimmten Ortes, einer Person oder Organisation in Zusammenhang gebracht wurden. Anschließend können wir den Zusammenhang, wo und wie diese Worte im Text verwendet wurden, betrachten, um herauszuarbeiten, ob es einen Hinweis gibt, dass die Person, der Ort oder die Organisation eine Gefahr darstellen könnten.

Andere Technologien

Die Grenze einer solchen Herangehensweise ist jedoch die Abgrenzung terroristischer Anschläge, die ohne eine solche vorangegangene Online-Verbreitung stattgefunden haben könnten. Jede dieser Untersuchungen konzentriert sich auf nur einen kleinen Aspekt des weiten Ökosystems des Terrorismus. Solange wir nicht aufzeigen können, dass solche Muster in allen Arten von terrorverwandten Situationen aufzufinden sind, dürfen wir ihre Bedeutung nicht überbewerten und uns darauf besinnen, dass andere Faktoren, einschließlich politischer und persönlicher Situationen, zu Gewalttaten führen können. Terroristische Onlinekommunikation ist nur ein Teil des Bildes. Wir haben ebenso Möglichkeiten, die Verhaltensweisen terroristischer Offline-Kommunikation zu untersuchen. Das geschieht durch die Messung des Stress- und Angstlevels oder das Aufdecken von Mustern, die mit Betrug assoziiert werden. Wir können beispielsweise Sensoren, Infrarot-Scanner und bildgebende Verfahren des Gehirns wie das fMRT-Verfahren nutzen, um Veränderungen im Körper zu überwachen oder Gesichter, Körper oder Augenbewegungen nachzuverfolgen. Einige argumentieren, dass ein Einsatz einer solchen Technologie in der Flughafensicherheit auf Personen mit der Absicht, Angriffe auszuüben, aufmerksam machen könnte. Die Forscher der Honeywell Laboratorien in den USA haben bereits im Jahr 2002 aufgezeigt, wie Thermographie-Technologien ein Hitzemuster um die Augen darstellen. Dieses tritt auf, wenn Personen versuchen, jemanden zu täuschen. Sie schlugen vor, diese Technologie zu nutzen, um Flugreisende während eines Interviews vor dem Flug relativ schnell überprüfen zu können, ohne auf geschultes Personal angewiesen zu sein.

Der menschliche Faktor

Aber ein solches System wäre nicht narrensicher. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, aus denen eine Person am Flughafen nervös sein könnte. Dies muss nicht im Zusammenhang mit einem Versuch stehen, das Flughafenpersonal zu täuschen – möglicherweise hat derjenige einfach nur Flugangst. Diese Technologien sind nicht zu einhundert Prozent akkurat. Sie werden meist unter Laborbedingungen getestet und angelernt, also auf Basis von imitierten Täuschungsversuchen, statt in realen Situationen. Einige argumentieren, dass Technologie drei wesentliche Eigenschaften des Menschlichen nicht besitzt: Erfahrung, einen gewissen Wertekanon und Urteilsvermögen. Dies bedeutet, eine Maschine könnte durchaus etwas übersehen – eben etwas, das nur ein Mensch entdecken könnte. Während Technologie also aufregende Möglichkeiten bei der Verfolgung terroristischer Kommunikationen und der Vorhersage von Anschlägen bietet, ist sie dennoch kein Ersatz für menschliches Urteilsvermögen und sollte mit Bedacht eingesetzt werden. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Control is an Option to Command“ by Frederico Cintra (CC BY 2.0)


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Verschärfen Soziale Medien die politische Debatte in Großbritannien?

Westminster (adapted) (Image by Hernán Piñera [CC BY-SA 2.0] via flickr)

In der angespannten Atmosphäre, die Großbritannien nach der Ermordung des Parlamentsmitgliedes Jo Cox fest im Griff hält, ist die Sorge um den Ton der politischen Debatte im Land groß. Es gibt zwar keinen Hinweis darauf, dass die Sozialen Medien eine direkte Rolle in der Straftat spielten, doch die Aufmerksamkeit richtet sich darauf, wie diese generell die Wut der Menschen schüren. Parlamentsmitglied Stephen Kinnock teilte sich ein Büro mit Cox und die beiden waren gute Freunde. Nach dem Angriff wurde er desöfteren zitiert:

Wir müssen auf den Ton in unserer Politik und auf die Art und Weise, wie Politiker und die Presse miteinander reden, Acht geben… und auch auf die Art, wie die Sozialen Medien teilnehmen und diese Tendenzen verstärken. Es ist kein allzu großer Schritt zwischen dem Aussprechen von schrecklichen Dingen und einer schrecklichen Tat.

Die Sozialen Medien werden oft dafür angeprangert, einen öffentlichen Schauplatz für Meinungen zu bieten, die Leute niemals im echten Leben aussprechen würden (dies ist als der Online-Enthemmungs-Effekt bekannt) und dafür uneingeschränkt zu Belästigung und Missbrauch aufzurufen und eine Massenmentalität zu entwickeln . Doch die Rolle, die die Sozialen Medien politisch spielen, ist dank der Natur politischer Debatten viel komplizierter. Der feindliche Kommunikationsstil, den wir in der heutigen Politik beobachten können, ist mit Sicherheit kontraproduktiv und polarisiert Meinungen. Meinungsverschiedenheiten sind an sich großartig und das Herz der Demokratie. Aber, so argumentiert Politikwissenschaftlerin Susan Bickford, der demokratische Prozess ist nur dann erfolgreich, wenn man sich die Meinungen der Anderen tatsächlich anhört und sie nicht nur abtut. Und es verhält sich hier genauso wie persönliche Interaktion zwischen Politikern oder Fernsehdiskussionen – das Internet hat bewiesen, dass es nicht in der Lage ist, es Menschen zu ermöglichen, einander zuzuhören, dass es nun Versuche gibt, unsere Onlinekommunikation zu verändern, um uns zu besseren Zuhörern zu machen. Besonders in der Politik gibt es mehrere Dinge, die uns daran hindern, aktiv zuzuhören. Menschen neigen bewiesenermaßen dazu, Informationen, die ihre Überzeugungen und Positionen angreifen, abzutun, was als Bestätigungsbias bekannt ist. Und weil politische, kulturelle und religiöse Werte oft im Zentrum unserer Identität stehen, wird ein Angriff auf diese Werte schnell zu einem Angriff auf uns selbst und wie wir uns wahrnehmen. Wenn jemand gegen unsere Weltsicht argumentiert, nehmen wir das persönlich. Es wird argumentiert, dass wir, um in der Lage zu sein, uns die Meinung anderer Leute anzuhören, in der Lage sein müssen, unsere persönliche Identität von unseren Überzeugungen und Werten zu trennen. Das wird in einem politischen Umfeld, in dem Persönlichkeiten immer wichtiger werden, in dem ein einzelner politischer Anführer mehr und mehr Bedeutung als die Institutionen und Ideale, die er oder sie repräsentiert, erlangt, noch schwerer gemacht als es ohnehin schon ist. Diese erhöhte Persönlichkeitsbildung in der Politik wird von traditionellen Medien verstärkt, was politische Bindungen impliziert. Beispielsweise habe ich kürzlich eine kleine, noch nicht veröffentlichte Studie durchgeführt, die im Einklang mit anderen Untersuchungen aufzeigte, wie personalisierte Berichterstattung die Absicht junger Leute verringert, sich aktiv politisch zu beteiligen. Teilnehmer der Studie waren weniger gewillt, an politischen Aktivitäten wie Diskussionen, Wahlen oder ehrenamtlicher Arbeit teilzunehmen, nachdem Sie einen auf einen einzelnen Politiker fokussierten Bericht gelesen hatten als nach dem Lesen desselben Berichtes, der diesmal auf eine Partei oder die Regierung fokussiert war.

Es wird persönlich

Die Sozialen Medien jedoch sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits fördern sie die politische Beteiligung sowohl online als auch offline. In einer unveröffentlichten Studie, die ich durchgeführt habe, fand ich heraus, dass Menschen, die das Internet nutzen um zu diskutieren und unter Nachrichten zu kommentieren, wahrscheinlicher auch im echten Leben politisch aktiv waren. Dies deckt sich ebenfalls mit anderen Nachforschungen auf diesem Gebiet. Doch die Sozialen Medien fördern ebenfalls Polarisierung. Menschen tendieren dazu, sich mit Gleichgesinnten zu verbinden – und sich mit Inhalten zu beschäftigen, die ihre bereits existierenden Ansichten und Einstellungen reflektieren. Die Sozialen Medien fokussieren politische Diskussionen sogar noch mehr auf Personen, die aktive Profile auf Sozialen Netzwerken haben. Sie können besonders auffallen und somit mehr persönlichen Missbrauch von denen hervorrufen, die ihre Meinung nicht teilen. Der kürzlich angelaufene Kampagne „Reclaim the Internet“ hat die Höhe der Anzahl der Missbrauchsvofälle, dem Einzelne (und besonders Frauen) im Internet ausgesetzt sind, herausgestellt. Die Probleme des Cyberbullying und der Frauenhasser im Netz verdienen ernsthafte Beachtung für den negativen Einfluss den sie auf die Empfänger solchen Missbrauchs haben können. Trotzdem ist es wichtig, daran zu erinnern, dass nur wenige Menschen auch nach den gewalttätigen Tendenzen handeln, die sie online ausleben. Und leider sind solche Trends auch nicht nur auf die Ära der Sozialen Medien beschränkt. Es gibt kaum Beweise dafür, dass Missbrauch in Sozialen Medien zu Missbrauch jenseits des Netztes führt, wenn die Personen ansonsten nicht auffällig sind. Was können wir dagegen tun? Nutzer von Sozialen Medien müssen Missbrauch im Netz aktiv angreifen, die Plattformen selbst müssen effektiv und mit ernstzunehmenden Regularien auf Berichte solchen Missbrauchs reagieren. Die Polarisierung und Personalisierung der Politik ist allerdings ein sehr schwerwiegenderes Problem. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Westminster“ by Hernán Piñera (CC BY-SA 2.0)


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • SOCIAL MEDIA Spiegel: Soziale Netzwerke und Depression: „Facebook war Gift für mich“: Depressionen werden oft unterschätzt oder auch von Dritten müde belächelt. Dabei handelt es sich hierbei und eine ernstzunehmende Krankheit. Auch soziale Netzwerke spielen hierbei eine große Rolle. Während man „früher“ auf persönliche Wertschätzung und Akzeptanz hoffte, spielt sich diese Rolle nun auch auf Facebook und Co. ab. Man wartet regelrecht auf Bestätigung und freudige Ergebnisse und wird oftmals enttäuscht. Kati Krause über ihre Erfahrungen mit Depressionen und die Abhängigkeit der sozialen Medien.

  • TTIP nzz: Ein Skandal, der keiner ist: Greenpeace veröffentlichte angeblich geheime Papiere zum Freihandelsabkommen TTIP. Doch so richtig skandalös waren die Details nicht. Jeder Partner verteidigt seine Interessen und dass die USA beispielsweise einen Zugangserleichterung für europäische Autos haben wollen, ist auch nicht neu. Doch worin liegt nun der eigentliche Skandal?

  • SECURITY gruenderszene: Millionen für eine Software, die vor Hackerangriffen im Smarthome schützt: Ob Tablet, Smartphone oder auch der smarte Kühlschrank – Auf fast allen Geräten die wir tagtäglich nutzen, werden unsere sensiblen Daten benötigt. Doch so richtig sicher vor Hackerangriffen sind solche Geräte oftmals nicht, meint zumindest das Startup Secucloud. Mit ihrer Software as a Service sollen alle internetfähigen Geräte eines Haushalts geschützt werden und somit Hackerangriffe ausschließen.

  • INSTAGRAM Quelle: Instagram now larger than Twitter as user tally climbs to 400 million: Wieder verzeichnet Instagram einen neuen Höchstwert und erreicht somit einen neuen Meilenstein. Mittlerweile loggen sich bei der Foto-App mindestens 400 Millionen User pro Monat ein. Damit liegt Instagram nun offiziell vor Twitter mit 316 Millionen Usern pro Monat. Allein seit Dezember sei die Userschaft um ca. 25 Prozent gewachsen. Dabei wird Instagram aber vor allem außerhalb der USA genutzt.

  • ARBEIT berufebilder: 6 Tipps für die Zukunft der Arbeit: „Wir leben in einer Übergangszeit mit tiefgreifenden Brüchen. Es geht nicht nur um eine technologische Transformation, sondern um eine soziale und kulturelle – und sie verändert unser Denken, die Führung und das Management“, sagt Prof. Dr. Bernhard von Mutius, ein Zukunftsdenker am HPI School of Design Thinking. Doch gerade die Veränderung in den Köpfen fällt oftmals schwer. Wie Interim Manager in diesem Kontext neue Impulse setzen können.


Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Süchtig nach sozialen Medien? Wie wäre es mit E-Fasten?

Text On The Beach (adapted) (Image by Pete [Public Domain Mark 1.0] via Flickr

Soziale Medien sind ein zweischneidiges Schwert, das sowohl Vor- als auch Nachteile hat.

Um miteinander in Verbindung zu bleiben, sind viele von uns zunehmend fasziniert von den weit verbreiteten Tools. Ein Bericht über soziale Medien von Sensis aus dem Jahr 2015 legt dar, dass nahezu die Hälfte aller Australier täglich auf eines oder mehrere soziale Netzwerke zugreift.

Der Bericht hat ebenfalls herausgefunden, dass Australier im Durchschnitt 8,5 Stunden pro Woche allein auf Facebook verbringen und dass 24 Prozent ihre sozialen Medien mehr als fünf Mal pro Tag kontrollieren. Sieben von zehn Personen nutzen ein Smartphone, um auf ihre Nutzerkonten zuzugreifen.

Wenn man oft wiederholt und ziellos übermäßig viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringt, kann dies als eine Sucht angesehen werden. In der Tat könnte man sagen, dass soziale Medien zu einer nationalen Besessenheit geworden sind und die Australier süchtig danach zu sein scheinen. Diese Sucht beschränkt sich nicht nur auf Australien, sondern betrifft die ganze Welt.

Wer sich nicht sicher ist, ob seine Nutzung der sozialen Medien in eine Sucht verwandelt hat, sollte einmal den Test mit dem Facebook Addiction Scale von Bergen ausprobieren, um es herauszufinden.

Welches Ausmaß hat diese Abhängigkeit? Schwache soziale Beziehungen und Isolation, Zwanghaftigkeit, Viktimisierung, Stress, Depressionen und Ängste, Exhibitionismus und eine Präferenz für Online- anstelle von realen Interaktionen.

Durch die steigende Nutzung sozialer Medien werden diese Probleme in der näheren Zukunft nicht verschwinden. Schon jetzt spricht man darüber, wie man sich von sozialen Medien befreien kann.

Vor ein paar Jahren hat sich das unten stehende Video von Coca Cola über unsere Sucht nach sozialen Medien lustig gemacht und eine neuartige Lösung präsentiert.

 

Das Halsband ist vielleicht nicht ganz so praktisch, aber das Verständnis von der Nutzung sozialer Medien hilft dabei, die Sucht zu kontrollieren und wieder Macht über die Zeit wiederzuerlangen.

Es gibt auch kostenpflichtige Möglichkeiten, um die eigene Zeit zurückzugewinnen. Ein Online-Unternehmen bietet sogar ein zwölfwöchiges Therapiepaket zur Abhängigkeit von sozialen Medien an, welches dabei hilft, exzessive Mediennutzung zu kontrollieren und dadurch die mentale Gesundheit zu verbessern.

Besser – und kostengünstiger – ist es allerdings, selbst dagegen vorzugehen. Soziale Medien mögen in unserem Leben immer allgegenwärtiger werden und in die Abhängigkeit führen, aber anstatt Trost in den sozialen Medien zu suchen, können wir unsere Zeit viel effektiver für erfüllendere Aktivitäten im Leben nutzen.

Deshalb sind so manche rehabilitativen Maßnahmen gerechtfertigt. Vielleicht sogar das „E-Fasten“.

Wie man sich aus den sozialen Medien ausstöpselt

Fasten wird definiert als die Praxis, nichts zu essen. Elektronisches Fasten (E-Fasten) kann als Abstinenz von elektronischen Geräten und Services, wie Smartphones und sozialen Netzwerken, verstanden werden. Um dem obsessiven Verhalten gegenüber sozialen Medien ein Ende zu setzen, ist es wichtig, zu versuchen, sich davon fernzuhalten oder die Nutzung zumindest gelegentlich zu regulieren.

Komplette Abstinenz von sozialen Medien mag nicht möglich sein, aber die folgenden fünf Tipps (in keiner bestimmten Reihenfolge) könnten dabei helfen, in Form von E-Fasten die Abhängigkeit von sozialen Medien zu reduzieren.

1. Fernhalten von sozialen Medien

Man legt einen bestimmten Tag fest, den man frei von sozialen Medien verbringt. Dies könnte das Angstgefühl kurzzeitig verstärken, die freie Zeit macht es jedoch möglich, anderen Aktivitäten nachzugehen.

Schafft man es einen Tag lang, probiert man beim nächsten Mal zwei Tage oder ein Wochenende lang aus. Wenn man die sozialen Medien dann wieder nutzt, schafft man möglichst eine diszipliniertere Routine für die Nutzung.

2. Sich selbst regulieren

Man setzt sich Regeln, die es einem erlauben, nur zu bestimmten Tageszeiten auf soziale Medien zuzugreifen. Beispielsweise am Abend für eine beschränkte Zeit oder nicht im Bett zu surfen.

3. Kontrolle der sozialen Medien beschränken

Es ist keine gute Idee, ohne konkretes Ziel Seiten in den sozialen Medien anzuschauen. Die Algorithmen der Feeds sozialer Medien sind so konzipiert, dass die Nutzer ständig verleitet werden, online zu bleiben, indem bestimmte Informationen, basierend auf vergangenen Interaktionen der Nutzer, an höherer Stelle im Feed platziert werden. Beim Drang nach dem ständigen Nachsehen sollte man überlegen, ob es wichtig ist oder vielleicht doch noch warten kann.

4. Klingelzeichen und Benachrichtigungen ausschalten

Das bedeutet, dass man nicht mehr ständig an Nachrichten auf Social-Media-Plattformen erinnert wird. Die Anwendung eines pull-basierten anstatt eines push-basierten Ansatzes für Benachrichtigungen wird auch zu weniger Unterbrechungen führen. Dies sollte die Lust senken, ständig die sozialen Netzwerke zu checken.

5. Apps der sozialen Netzwerke vom Smartphone entfernen

Falls das Ausschalten der Klingelzeichen und Benachrichtigungen nicht zum gewünschten Ergebnis führt, sollte man in Erwägung ziehen, Apps der sozialen Medien komplett vom Smartphone zu löschen. Da die meisten Leute per Smartphone auf soziale Medien zugreifen, würde das Löschen dieser Apps in weniger Bequemlichkeit resultieren. In diesem Fall ist es nur über den PC möglich, auf soziale Medien zuzugreifen.

Balance

Das Ziel des E-Fastens ist es, sich selbst zu ermöglichen, sein Leben zurückzugewinnen, eine Balance im Leben zu erreichen und keine Geisel der sozialen Medien zu sein.

Wie bei jeder Diät oder Fastenkur gibt es keine allgemeingültige Formel, aber die genannten Tipps zur Selbstkontrolle und Disziplin sollten die Abhängigkeit von sozialen Medien zumindest ein bisschen reduzieren. E-Fasten hat das Potenzial, als neues Mittel die Sucht nach sozialen Medien zu behandeln und das eigene Leben zu entgiften.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Text On The Beach“ by Pete (CC0 Public Domain)


 

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