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Zeitreise: Beepworld – Schrott aus dem Baukasten

Die 2000er waren schon eine wilde Zeit. Handys eigneten sich damals nur zum telefonieren – gut es gab auch ein paar simple Spiele wie Snake und Klingeltöne, mit denen Kindern das letzte Geld aus den Taschen geleiert wurde, das noch nicht für Pokémonkarten draufgegangen war. Soziale Netzwerke standen noch in den Kinderschuhen. Stattdessen vernetzten wir uns über Chatrooms. Diese konnte man sich beispielsweise über MainChat selbst erstellen oder aber auch große Chat-Communities wie Knuddels nutzen.

Auch ich bin damals in die Internetwelt eingestiegen und verbrachte bald schon unvernünftig viel Zeit in den Chatrooms. In den Anime-Communities, in denen ich mich damals rumtrieb, gab es allerdings auch den Trend, seinem Hobby mit einer eigenen Internetseite Tribut zu zollen. Webspace war damals meist recht teuer und sonderlich viel Ahnung von HTML hatten wir auch nicht. Dafür gab es jedoch eine Lösung: Beepworld.

Mit einem Klick zur Internetseite

Beepworld war ein Produkt, das einfach genau zur richtigen Zeit da war. Es handelte sich um einen Baukasten für Internetseiten, der kinderleicht zu bedienen war und darüberhinaus nichts kostete. Zumindest galt das für das Basispaket – und mehr brauchten wir für unsere Zwecke auch nicht. Auch musste man nichts installieren. Der Editor war auf der Seite selbst und nicht schwerer zu nutzen, als Textprogramme.

Wenige Klicks und wir hatten Schriftart, -größe und –farbe unserer Texte bearbeitet. Dazu noch ein paar wenige Bilder reingesetzt, sowie den besagten eigenen Chat von MainChat in der Navigation eingebunden und die Seite war bereit für die breite Öffentlichkeit.

Schöpfer David Finkenstädt war übrigens erst 16 Jahre alt, als er 1999 seinen Homepage-Baukasten Beepworld aufs Internet losließ. Damals ahnte er noch nicht, dass er bald darauf ein Geschäft anmelden und die Beamten vor eine ganz neue Situation stellen würde. 

Auch heute noch gibt es Fanseiten, die nicht unbedingt mit gelungener Ästhetik punkten. | Screenshot by Stefan Reismann

Wild Wild Net

Ich bin da ganz ehrlich: Diese Seiten sahen meist einfach nur grottenschlecht aus. Wir waren jung und unbedarft und das Internet war damals noch ein vergleichsweise rechtsfreier Raum. Bei Bildern wurde nicht geschaut, ob sie zur Wiederverwendung erlaubt waren. Wir haben sie einfach genutzt. Was heißt genutzt? Wir haben unsere verdammten Seiten regelrecht damit tapeziert. Gerade in besagten Anime-Communities landeten Unmengen Bilder zu unseren beliebtesten Serien auf den Beepworld-Seiten. Einige davon waren zudem noch animierte Gifs.

Dazu sei gesagt, dass das Internet damals noch langsam war. Richtig langsam! Unglaublich langsam! ISDN war damals der Standard und konnte fast 8 Kilobyte pro Sekunde laden. Viele Haushalte griffen damals sogar noch auf ein Modem zurück, das nochmal deutlich langsamer sein konnte. Die mit Bildern zugepflasterten Seiten konnten da schon einige Zeit in Anspruch nehmen. Da wirkt es fast schon absurd, dass Internetseiten heutzutage viel stärker auf Schnelligkeit optimiert werden – vor allem wegen der Mobilgeräte.

Im Internet kursierten auch zahlreiche praktische Bauteile für die eigene Seite. Animierte Hintergrundbilder, Trennlinien, Mausverfolger oder andere kleine Scripts, die zum Beispiel Schnee rieseln ließen. Manche Seiten wurden zu regelrechten Gefahrenzonen für Epileptiker, wenn buntblinkende Hintergründe auf noch mehr funkelnde Bilder trafen, während die ebenfalls bunte Schrift in fettgedrucktem Comic Sans kaum mehr lesbar war. Weiteres blinkendes Zeug verfolgte unseren Mauszeiger, und im Hintergrund dudelte hektisch-fröhliche Musik.

Es war nicht so, dass wir Copyrights damals nicht ernst genommen hätten. Wir wussten davon einfach genau so wenig, wie von einer Impressumspflicht. Amüsanterweise hat trotzdem jeder unten auf seiner Seite ein „Copyrights by“ gesetzt, wenn auch eher aus dem Stolz über die eigene Schöpfung. Ein Counter zählte zudem jeden einzelnen Besuch auf der Homepage.

Auch Gaststätten können mit animierten Feuerwerk-Gifs „beeindrucken“ | Screenshot by Stefan Reismann

Beepworld existiert noch immer

Ich glaube man kann guten Gewissens sagen, dass die potthässlichen Seiten nicht am Baukasten selbst lagen, sondern vor allem an den Nutzern und ihrer sehr naiven Nutzung des Tools. In der Tat habe ich damit irgendwann vergleichsweise hübschere Ergebnisse erreicht, indem ich mehr und mehr den HTML-Modus genutzt habe.

Ich konnte damals noch immer nicht wirklich HTML, habe mir aber den Quellcode richtiger Seiten angeschaut und dreist einzelne Bausteine wie eine Navigation auf der linken Seite kopiert und auf meine eigenen Bedürfnisse angepasst.

Heute habe ich keine Beepworld-Seite mehr und mein Verständnis für gutes Design hat sich deutlich weiterentwickelt. Doch auch heute lässt mich die gestalterische Anarchie vorm geistigen Auge noch nostalgisch lächeln. Beepworld existiert noch immer. Das Logo fällt mit seinem dunklen Gelb und Magenta noch immer aus unserer Zeit, auch wenn die Seite selbst deutlich seriöser anmutet als damals.

Das Mitgliederverzeichnis lässt jedoch erkennen, dass Beepworld seinen trashigen Charme noch nicht ganz verloren hat. Aber an meine Zeit werden sie nicht mehr rankommen. Denn früher war zum Glück auch manches schlechter.

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Image by Stefan Reismann, Beepworld, Wayback Machine

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Lesen zum neuen Jahr: Was uns ‚Herr der Fliegen‘ über 2016 erzählt

Lord of the Flies (adapted) (Image by Alaina Buzas [CC BY 20] via flickr)

Es ist die Geschichte einer Gesellschaft, in der sich die Demokratie in einer Art Stammesdenken und Tyrannei auflöst. Die Geschichte einer Zivilisation, die von den Redlichen nach Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit aufgebaut wurde, die sich dann aber gegeneinander aufhetzten und die Schwachen und Ausgestoßenen zu Sündenböcken erklärten. Letztlich ist es eine Erinnerung an die menschliche Barbarei, die unter der zerbrechlichen Fassade des Anstands lauert.

Klingt das bekannt? Allerdings: Es handelt sich um den Plot von ‚Herr der Fliegen‘, einem Roman über ein paar Jungs aus England, die einen Flugzeugabsturz überleben und auf einer Insel im Südpazifik gestrandet sind. Nach einer kurzen Zeit der Harmonie bewirkt ein Machtkampf zwischen den beiden Anführern Ralph und Jack die Spaltung der Gruppe. Jack gewinnt, indem er verspricht, einen gemeinsamen Feind zu jagen und zu töten – er meint das seltsame Phantom, das im Dschungel lebt und nur als ‚das Monster‘ bekannt ist. Es ist ein erfolgreicher Kampf, der die Angst benutzt, um die Gruppe zu spalten.

Der ‚Herr der Fliegen‘ wurde zuerst im Jahr 1954 veröffentlicht, hauptsächlich als Reaktion auf den Aufstieg des Nationalsozialismus und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Und doch hat das Buch in vielerlei Hinsicht eine direkte Gültigkeit für die Welt von 2016, da Sparmaßnahmen, die Flüchtlingskrise, der Brexit und der Aufstieg Donald Trumps den nationalistischen Eifer ermutigt und die gesellschaftliche Zersplitterung geschürt haben.

Die rassistisch motivierte Sprache der Stammes-„Wildheit“ im Roman lässt zeitgenössische Leser zu Recht innehalten. Hier zeigt sich die Unfähigkeit des Autors William Golding, über eine grundsätzlich eurozentrische und kolonialistische Weltanschauung hinauszudenken. Letztendlich jedoch ist die Botschaft des Buches, dass eine „Wildheit“ quasi allgemeingültig ist. Sie ist weder rassisch noch anhand von Landesgrenzen definiert. Es ist eine Botschaft, die uns darüber nachdenken lässt, dass der Rechtsextremismus erneut in die Mainstream-Politik in ganz Europa und den USA eingekehrt ist.

Im Fahrwasser einer populistischen Sprache unter Betonung nationaler Zugehörigkeit gelingt es den Rechtsextremen, Rassismus zu legitimieren. Amerikas sogenannte alt-right-Bewegung, der Front National in Frankreich, UKIP und die fremdenfeindlichen ‚Leavers‘ in Großbritannien – sie alle nutzen die Unzufriedenheit, die mit der Globalisierung einherging, um im Innern Feindschaften zu schüren. Die Lösung komplexer wirtschaftlicher und politischer Wirklichkeiten ist für diese Gruppen so einfach wie die Jagd auf ‚das Monster‘. Der Anführer Jack gibt sein Erbe weiter an Figuren wie Trump, Marine Le Pen und Nigel Farage.

Die Stimme der Vernunft

Als Gegenstück zu Jacks Agitation und Angstmacherei stellt uns ‚Herr der Fliegen‘ die beiden Freunde Piggy und Simon vor. Piggy glaubt an den wissenschaftlichen Fortschritt, ist sich aber auch bewusst, dass eine Weiterentwicklung der Menschheit aufgehalten wird, wenn „wir Angst vor Menschen bekommen“. Piggy wird geschwächt, wenn die Jungen seine Brille stehlen – sein Symbol von Vision und Klarheit – und sie benutzen, um ein Feuer zu entzünden. Das Feuer gerät außer Kontrolle, was zur Zerstörung eines Teils ihres neuen Zuhauses führt. Statt den ersten Akt einer vereinten Zivilisation zu repräsentieren, signalisiert die Entstehung des Feuers die Uneinigkeit, die die Gruppe spaltet und schließlich unter Jacks Verantwortungs als Stammesoberhaupt zum Tode von Piggy führt.

Wie Piggy den Fortschritt repräsentiert, so steht Simon für die Vernunft. Er weiß, dass ‚das Monster‘ nicht real ist und durch die Angst der Jungen erschaffen wird. „Wann immer Simon an ‚das Monster‘ dachte“, so heißt es, „stand vor seinem inneren Auge das Bild eines Menschen, der heroisch und krank zugleich war.“ Trotz dieser Einsicht wird Simon als schwach angesehen und gemieden.

Nach einer Expedition, die er allein angetreten hatte, entdeckt er, dass ‚das Monster‘ lediglich ein toter Fallschirmjäger ist – ein Opfer des Krieges, der in der Ferne tobt. Sein Fallschirm hat ihn auf die Insel getragen. Simon kehrt zum Lager zurück, um die Nachricht zu überbringen, aber die Phantasie der Jungen erweckt in ihnen einen blinden Blutrausch. Sie sehen keinen Menschen mehr, sondern nur eine Bedrohung für ihre Gesellschaft. Simons Schreie werden durch das „Reißen der Zähne und Krallen“ übertönt.

Während seiner Vortragsreise an amerikanischen Universitäten im Jahr 1962 erklärte Golding die Gründe, weshalb er den ‚Herr der Fliegen‘ geschrieben hatte:

Mein Buch will sagen: Sie denken, dass jetzt der [Zweite Weltkrieg] vorbei ist und etwas Böses zerstört worden ist, und dass Sie jetzt in Sicherheit sind, weil Sie von Natur aus gut und anständig sind. Doch ich weiß, warum diese Sache in Deutschland so mächtig wurde. Ich weiß, dass es in jedem Land passieren kann.

So weit, so finster. Und dennoch – während Golding die Neigung der Menschheit zu Vorurteilen darstellt, gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Nach seiner Flucht vor den von Jack bestellten Menschenjägern trifft Ralph auf einen Marineoffizier, dessen Schiff angelegt hat, nachdem die Mannschaft den Rauch gesehen hat, der von der verwüsteten Insel aufsteigt. Als Ralph „das Ende der Unschuld“ beweint, dreht sich der Offizier um, um das Kriegsschiff in der Ferne zu betrachten. Dieses finale Bild des Buches ist ein Moment der Selbstreflexion. Inmitten der Wildheit und der Katastrophe der rudimentären Zivilisation der Jungen wird die Erwachsenenwelt mit einer Vision ihrer eigenen Torheit konfrontiert.

Die Moral von ‚Herr der Fliegen‘ ist nicht nur, dass die Barbarei keine Grenzen kennt. Die Moral besteht auch darin, dass die Barbarei verhindert werden kann, und zwar durch das Engagement für eine gemeinsame Menschheit. „Wenn die Menschheit eine Zukunft von hundert Millionen Jahren auf diesem Planeten hat“, sagte Golding in seinem Vortrag von 1962, „ist es unvorstellbar, dass sie diese Äonen in einem Gepräge von nationaler Selbstzufriedenheit und chauvinistischer Idiotie verbringen sollte.“

Der Roman mag keine sonderlich herzerwärmende Geschichte sein, aber er präsentiert uns eine erbarmungslose Darstellung einer Gesellschaft, die von Angst getrieben wird. Im neuen Jahr soll dies dem Leser eine dringende Warnung und ein Aufruf zum Handeln sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Lord of the Flies“ by Alaina Buzas (CC BY 2.0)


The Conversation

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IFA 2016 Rückblick: Die Netzpiloten lassen Revue passieren

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Vom 2. bis 7. September fand in Berlin wieder einmal die Internationale Funkausstellung (IFA) statt. Als bedeutendste Messe für Consumer Electronics wurden wieder zahlreiche Innovationen und Trends aus dem Elektronikbereich präsentiert.

Nachdem wir vor Ort waren und Euch mit allerlei Trends und Highlights um die Messe versorgt haben, ist es nun an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Unsere Redakteure haben dazu ihre persönlichen IFA-Erfahrungen noch einmal für Euch zusammengefasst.


Jonas Haller:Auch in diesem Jahr blieben auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin die bahnbrechenden Innovationen aus. Viele Hersteller der Unterhaltungs- und Mobilfunkindustrie präsentierten lediglich Technik-Upgrades, um auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben zu können. Trotz allem gab es für mich einige technische Raffinessen, die vom bestehenden Erfindergeist zeugen. Zuerst ist der chinesische Hersteller Lenovo zu nennen, der mit dem Yoga Book den wohl größten Paukenschlag in der Convertible-Welt für sich verbuchen kann. Sie setzen auf ein neuartiges Halo Keyboard. In einem separaten Artikel habe ich die Vielfältigkeit der neuen Technologie unter die Lupe genommen.

Große Anstrengungen werden von immer mehr Unternehmen im Bereich der virtuellen Realität unternommen. Besonders eindrucksvoll war für mich ein erstes Produktsample einer alleinstehenden VR-Brille, die Prozessorhersteller Qualcomm im Gepäck hatte. Mit lediglich On-Board-Rechentechnik konnten beachtliche Ergebnisse mit einem hohem Immersionsgrad erzielt werden. Neben der kabellosen Nutzung eines recht leichten Headsets ist der geringere Preis ein wichtiger Vorteil. Auch im boomenden Drohnenmarkt könnten die mobilen Brillen zum Einsatz kommen.

Einen immer wichtiger werdenden Markt stellt das Smartphone-Zubehör. Als Foto- und Video-Fan hat mir besonders das DJI Osmo Mobile gefallen – einem Kameragimbal für das Mobiltelefon, mit dem in Zukunft cineastische Aufnahmen und mobiles Storytelling in einer neuen Dimension möglich sind. Eine leistungsstarke Smartphone-Kamera vorausgesetzt, ließen sich in einem ersten Test beeindruckende Aufnahmen erzielen.


Lars Rehm:Im Vergleich zu den Vorjahren war es schwieriger, einen spezifischen Supertrend auf der IFA zu identifizieren. Stattdessen gab es interessante Neuerungen und Produkte in vielen etablierten Bereichen zu sehen, aber natürlich waren auch Wachstumsbranchen dabei. Bei den Smartphones konzentrierten sich die meisten Hersteller auf die obere Mittelklasse, wo es zwar keine bahnbrechenden Neuerungen, aber immer mehr Leistung fürs Geld zu sehen gibt. Das HTC One A9s bietet zum Beispiel ein edles Metallgehäuse zum Sparpreis und das ZTE Axon 7 kommt mit Stereo-Lautprechern und Soundchip – für Musikliebhaber, die sich ein Oberklasse-Smartphone nicht leisten können oder wollen. Einzig Sony hat mit dem Xperia XZ ein echtes Flaggschiff vorgestellt, das auch den anspruchsvollsten Nutzer zufriedenstellen dürfte.

Viele neue Produkte gab es im Bereich Wearables zu sehen, wo der Trend ganz eindeutig zu Fitness und Gesundheit geht. TomToms Touch-Fitnessarmband ist zum Beispiel das erste seiner Art, das Fett- und Muskelanteil am Körper messen kann. Samsungs Gear S4 Frontier ist eine ausgewachsene Smartwatch, die viel mehr kann als ein Fitnessarmband. Aber wenn man Design und Features der Uhr genauer unter die Lupe nimmt, ist klar, dass Samsung auch hier die Fitness- und Outdoorklientel im Visier hat.

Auch Dronenliebhaber kamen auf der IFA 2016 voll auf ihre Kosten. Fliegende, schwimmende und fahrende Varianten waren zahlreich zu bestaunen und testen. Hier stach die PowerEgg-Kameradrone, die sich bei Nichtbenutzung in Eiform zusammenfalten lässt, hervor. Der ungewöhnliche Mechanismus verwandelt die PowerEgg in ein Designobjekt und schützt gleichzeitig die empfindlichen elektronischen Komponenten, inlusive 4K-Kamera, vor Schäden beim Transport.


Berti Kolbow-Lehradt:Die IFA 2016 war kein Knaller, aber auch kein Rohrkrepierer, eher ein durchschnittlicher Jahrgang. Bei den Top-Trends Virtual Reality, Augmented Reality und Smart Home habe ich leider nichts Bahnbrechendes in Berlin erlebt. Bei Smartphones und Smartwatches scheinen die Innovationen in der Spitze auch ausgereizt. Vieles, was man schon kannte, wurde nochmals in die Breite verlängert. Das ist aber zum Glück nicht zwingend etwas Schlechtes, sondern führt dazu, dass gute Technik noch massentauglicher wird.

Virtual Reality ist eines der nächsten großen Dinge der Unterhaltungstechnik. Neue, alltagstaugliche Produkte und Anwendungen, die das Thema der Masse nahebringen, habe ich aber vermisst. Ja, es ist cool, dass VR-Headsets das Fotografieren mit Multicoptern erleichtern. Das ist aber nur was für die Nische. Hoffnungsfroh stimmen mich die Headset-Vorstellungen von Alcatel und Qualcomm, für die man weder ein zusätzliches Smartphone noch einen PC braucht. Das ist die Einfachheit, die VR massentauglich macht. Allerdings sind diese Neuerungen noch Zukunftsversprechen.

Augmented Reality könnte aus meiner Sicht noch viel größer werden als VR. In diesem Punkt war aber echt tote Hose. Schade, dass zum Beispiel Lenovo nicht, anders als erwartet, sein erstes AR-Smartphone nach „Google Project Tango“-Bauart vorgestellt hat. Immerhin hat Lenovo mit dem Yoga Book ein geniales 2in1-Tablet mit ungewöhnlicher Tastatur vorgestellt. Das Gerät hat das Zeug zum Kult-Objekt – aber leider hat es nichts mit AR zu tun.

Der Bereich Smart Home wartet auch nach der IFA 2016 noch auf seine Initialzündung. Die Hersteller vertändeln das Thema weiterhin mit Insellösungen, ohne eine gemeinsame Linie oder einen gemeinsamen Standard zu finden. Im Einzelnen gibt es hier aber Highlights, die mich begeistern. So habe ich aktuell einen Narren an smarten Kühlschränken gefressen.

Die beste Nachricht der IFA 2016: Es gibt immer bessere Smartphones mit Oberklasse-Features zu Mittelklasse-Preisen. Zwar gehen die Hersteller nach oben hin die Ideen aus, aber das Gefühl, nicht mehr den Gegenwert eines Jahresurlaubs in den Smartphone-Kauf investieren zu müssen, um etwas Ordentliches zu kriegen, ist auch was Feines.“


Image by IFA


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Zurückgeklickt: StudiVZ – Bist du noch drin?

computer-pc-workplace(Image by janeb13(CC0)via Pixabay)original

Seit fünf Jahren regt sich nichts mehr bei meinen studiVZ-Freunden. Das soziale Netzwerk ist zu einer Zeitkapsel verkommen, die Zeichen des Verfalls sind allgegenwärtig. Eine Reise in die Vergangenheit. // von Hendrik Geisler

Ich melde mich im Februar 2016 zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder bei studiVZ an. Ich wusste gar nicht mal mehr, ob mein Profil noch besteht. Das tut es – nur ein neues Passwort muss ich erstellen, da ich mich beim besten Willen nicht mehr an mein altes erinnern kann. Als ich mich endlich einlogge, sieht alles aus, als wäre ich nie weg gewesen. Ein Besuch auf studiVZ ist eine Reise in die Vergangenheit. Weiterlesen »

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Die Kunst auf dem Daten-Highway

The Whitechapel Gallery (adapted) (Image by Herry Lawford [CC BY 2.0] via flickr)

Wie hat das Internet die Kunst verändert? Mit dieser anspruchsvollen Frage beschäftigt sich eine Ausstellung in der Whitechapel Gallery in London, die aufregender Weise den Namen “Electronic Superhighway (2016-1966)”, also Datenautobahn, trägt.

Die Ausstellung nimmt den Besucher rückwärts mit auf eine Reise durch bahnbrechende Kunst über das Internet. Wir starten in der Gegenwart, bevor wir auf eine Helter-Skelter-Tour in die Vergangenheit aufbrechen, die uns ins Jahr 1967 zurückversetzt, als das Bell Laboratory anfing, die Zusammenarbeit von Künstlern und Technikern zu sponsern. Diese Zusammenarbeiten brachen mit der Geburt des Internets zusammen. Im Jahre 1968 ging das erste Netzwerk – ARPANET – online und bildete damit die technische Grundlage des heutigen Internets.

Diese Show ist in ihrer Bandbreite wirklich bemerkenswert. Die historische Reise regt zur Reflexion über die rasante Entwicklung unserer Informationsgesellschaft und deren sozialen, wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen an.

Die Ausstellung beginnt mit dem banalsten aller Bilder: Ein überdimensionales Bild eines weiblichen Hinterteils, aus dem SMS-Sprechblasen herauskommen. Olaf Breunings Text Butt redet sprichwörtlich Mist, was vielleicht eine freche Entgegnung an die Kunstkritiker darstellt. Es ist auch eine Erinnerung daran, dass, obwohl die Kultur des Internets immer mehr als Kunst gefeiert wird, das meiste davon doch eher trivial bleibt.

Die Banalität ist ein durchgehendes Thema in vielen der zeitgenössischen Werke am Beginn der Ausstellung – beispielsweise James Bridles Hologramm, Homo Sacer, das im Stile eines Flughafens gehalten ist, dröhnt die Binsenweisheiten über den Überwachungsstaat geradezu heraus. Natürlich ist dies auch ein Hinweis auf die dunklen Seiten der Weltlichkeit unseres technologischen Zeitalters.

Douglas Coupland, der renommierte Autor von Generation X, und Trevor Paglen, der für seine umfangreichen Fotografien von NSA-Einrichtungen berühmt wurde, legen dar, dass sich die dunkle Seite immer mehr durch die staatliche Überwachung ausdehnt. Deep Face, Couplands Reihe von Portraits, in denen die Gesichter durch Mondrian-ähnliche Abstraktionen verhüllt sind, sind ein Protest gegen die Entwicklung einer Gesichtserkennungssoftware von Facebook, wurde uns mitgeteilt. Paglen beleuchtet sowohl das Problem als auch die Lösung der Thematik staatlicher Überwachung. Seine Karte von den Unterseekabeln, die von der NSA angezapft sind, hängt direkt hinter dem Autonomy Cube, einem funktionierenden WLAN-Hotspot, der seinen gesamten Traffic durch ein anonymes Tor-Netzwerk schleust.

Wenn man die Ausstellung durchschreitet, fällt besonders auf, wie sehr die Paranoia und die Banalität, die das Internet heute charakterisieren, im Kontrast stehen zu dem Optimismus, der einst das Netz aufbrachte und zu seinem Siegeszug beitrug. Diese Rückschau ermöglicht ein Reflektieren über die gebrochenen Versprechen und ungenutzten Möglichkeiten für den sozialen und politischen Wandel, die frühe Utopien über das Internetzeitalter vorhergesagt hatten.

Der Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung stellt zwei Werke einander gegenüber. Die technologische Großartigkeit von Nam June Paiks Video-Installation Internet Dream aus dem Jahre 1994 steht im starken Kontrast mit den voyeuristischen, manchmal sogar pornographischen Klängen von Jill Magids Surveillance Shoe (2000). Obwohl diese nur sechs Jahre auseinander liegen, trennt sie doch eine ganze Epoche. Das erste Werk wurde mitten im Boom des aufkommenden Word Wide Webs geschaffen, das spätere Werk in den Jahren einer platzenden Dotcom-Blase, welche einherging mit der einsetzenden Entwicklung vieler Instrumente (wie etwa der totalen Verfügbarkeit von Information), die heute die Grundlage des Überwachungsstaates des 21. Jahrhunderts bilden – einer Zeit und Gegenstand des neuen Romans von Thomas Pynchon.

Läuft man hinter Magids Schuh vorbei, gelangt man zurück in die Zukunft der unschuldigen ersten Jahrzehnte des Internets. Die letzten verbliebenen Räume beschwören das Gefühl von Neugier und Möglichkeiten, die die ersten Jahre des Internets charakterisierten. Sowohl in Technik als auch in Form abstrakter Experimente, unter anderem von Tom Longson und Frieder Nake, zeigen die Wahrnehmung von unglaublichen Möglichkeiten, die das Aufkommen eines völlig neuen Mediums mit sich brachte.

Eines der letzten Ausstellungsstücke ist ein Poster der Cybernetic Serendipity Ausstellung von 1968. Ihre Slogans versprachen damals “Freudige Entdeckungen eines Wandels”, die durch das Zusammentreffen von Mensch und Maschine entstünden, in einer Ausstellung, die zeige, wie die Menschheit Computer und Technik nutzen könne, um ihre Kreativität und Schaffenskraft zu steigern. Neben ihrem futuristischen Design, ihrer heiteren Sprache und ihrem uneingeschränktem Optimismus, betreffend Missbrauch der Technik, ist dies ein veraltetes Relikt eines vergangenen Zeitalters, in dem Sexting, Ashley-Madison-HacksTempora, Massenüberwachungsprogramme und all die anderen Auswüchse unseres technischen Zeitalters, noch nicht vorhersehbar waren.

Dreht man sich um und läuft zurück durch die Ausstellung – kehrt man also schrittweise in die Gegenwart zurück – kann man die gesamte Auflösung dieser “Cyber-Weide”, die von Richard Brautigan 1967 wie folgt beschrieben, erkennen:

“Wo Säugetiere und Computer in Eintracht zusammenleben und Harmonie programmieren wie reines Wasser und einen klaren Himmel berühren”

Als ich die Ausstellung verließ, blickte ich auf und bemerkte Addie Wagenknechts stählernen Kronleuchter aus CCTV-Kameras, die über uns wachten und die ich beim Hineingehen übersehen hatte. Und dann, gleich draußen vor der Galerie, auf dem kurzen Weg zur U-Bahn-Station Aldgate, entdeckte ich einen Komplex von Kameras, die ähnlich ausgefuchst und provozierend angeordnet waren, wie ich es eben noch in der Ausstellung gesehen hatte. Nur war ich nicht mehr im geschützten Raum einer Kunstgalerie, sondern auf den Straßen einer der meistüberwachten Städte der Welt.

Wie hat das Internet die Kunst verändert? Vielleicht wäre es korrekter zu sagen, dass das Internet uns verändert hat – unser Leben, unsere Beziehungen, Karrieren, Regierungen, Moralvorstellungen, Sprache, Gesellschaften – und die Kunst hat sich mit diesen verändert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “The Whitechapel Gallery” by Herry Lawford (CC BY 2.0)


The Conversation

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Die 12. Woche im Web

Es bahnt sich Seltsames an im Staate CLOUD-COMPUTING. Bekannte Anbieter von mietbarerer Infratstruktur für das Web wie Amazon oder Rackspace haben ein Problem mit Kunden, die sie gar nicht haben. Denn viele angesagten Webdienste buchen dort ihre Server, Datenbanken und Prozessorzeiten und nehmen damit irgendwie auch die Cloud-Anbieter mit in die Haftung, wenn es z.B. um Urheberrechtsverstöße geht. Pinterest, der Foto/Grafik/Video-Bookmarking-Dienst kann ein Lied davon singen, was es heißt, wenn seine Nutzer wirldfremde Inhalte einfach weiterverbreiten. Physikalisch liegen diese Fotos dann jedoch auf den Servern eben der Cloud-Anbieter. Und so nimmt Amazon nun die Beschwerden für Pinterest entgegen

In den 5 wichtigsten EU-Ländern in Sachen mobiler Nutzung greifen 37% der Smartphone-Nutzer täglich auf News-Webseiten zu, im Vereinigten Königreich sind es schon fast 50 Prozent, laut einer ComScore-Studie. Damit stieg der Anteil allein im letzten Jahr um 75%. Es lässt sich also leicht erklären, warum Springer so gute Geschäfte im Netz macht. Seit Döpfner vor Steve Jobs niederkniete, bescherte die mobile Welle dem Hamburger Konzern ein Rekordergebnis nach dem anderen.

Dass Adobe seine Beta von CS6 „verschenkt“ (für 60 Tage freie Nutzung jedenfalls), dürfte sich herum gesprochen haben. Hoffen wir, dass die heiligen Hallen der Mehrprozessorarchitektur nun besser mit diesem Kleinod an Ressourcenfresserei umgehen bzw. umgekehrt. Manchmal, wenn man mehrere Layer im Photoshop oder ein bißchen aufwendigere Schnittvorhaben hat, wünscht man sich bei Adobe-Produkten würden 16-Kern-CPUs und 32 GB RAM gleich mitgeliefert. Aber was soll ich meckern, die armen Menschen, die ihr MacBook Air aufrüsten für die Apokalypse, damit sie endlich mal drei Browsertabs und einen Text-Editor gleichzeitig aufmachen können, ohne das das ganze System in Geschwindigkeiten läuft wie zu seligen 486er-Zeiten. Damals waren Computer von Apple übrigens rattenschnell…

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Die 11. Woche im Web

wochenrückblick

Das neue iPad ist da. Auf der Pressekonferenz wurde Apples neues Wunderwerk bereits ausführlich angepriesen. Heute kommt es in den Handel. Ist allerdings schon ausverkauft – zumindest was die Vorbestellungen angeht. Die gute Nachricht: Alles Hardcover, die man fürs iPad2 anschaffte, passen auch beim Neuen. Aber muss man sich dann überhaupt ein neues iPad kaufen, wenn man die zweite Generation schon besitzt? Hm. Das Neue ist einen Ticken schwerer und wird schneller warm. Insofern gibt es Abzüge in der B-Note. Und sonst? Das neue Retina-Display stellt auf derselben Fläche wie früher nun mehr dar: 2048 × 1536 Bildpunkte. Das sind vier Mal so viel wie beim iPad 2 (1024 × 768 Pixel). Die Pixeldichte hat sich mit 264 dpi gegenüber dem iPad 2 verdoppelt. Das Auge guckt ja mit. Apple hat dankenswerterweise die Icons und die Menus auf die höhere Auflösung angepasst. Bei den App-Entwicklern dürfte dies dauern und zunächst für Blinzelorgien sorgen. Insgesamt ist das Surferlebnis gleich gut wie früher, nur Bilder und Karten ruckeln mehr, weil sie ja nun mehr Daten nachladen müssen wegen der höheren Auflösung. Mehr dazu hier

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Die 8. Woche im Web

Es war keine Freude in den letzten Tagen zu lesen, wie Webexperten und Internet-Berater ihre Besserwisserei auf Twitter-Nutzer und andere User Sozialer Netzwerke in rhetorisch gestählten Artikeln auf deutlich mehr als 140 Zeichen niederprasselten. Gauck hatte sich in diversen Reden und Interviews zu dem einen oder anderen Sachverhalt geäußert, der wenig Gegenliebe im Netz produzierte. Da ging dann eine Deutungsschlacht los, die die alten Gewehre der Qualitätsjournalisten auf einzelne Tweets anlegte. Aus den Richtungen Jakubetz, Lobo und Breitenbach wurde angelegt und das Kind der freien Meinungsäußerung mit den hehren Ansprüchen der äußerst fragwürdigen Qualitätsjournalismusdebatte oder gar der Filter Bubble mit dem Bade ausgeschüttet. Befremdlich und völlig am eigentlichen Thema des kollektiven und offenen Diskurses im Web vorbei. Natürlich müssen wir einen Streitkultur im Web zumal in Deutschland erst erlernen, aber mit solchen erhobenen Zeigefingern selbst ernannter Lehrkörper wird offener Dialog nicht klappen. Lyotards Verdikt über Habermas‘ Primat des Konsens läßt grüßen. Sprich: Wer anderen vorschreibt, was Konsens ist, begeht einen Akt der Aggression.

Und auch die Piratenpartei hat ein Problem. ACTA. Es fehlt ihnen laut Köhntopp an Fachwissen. Es kann auch sein, dass Isotopp recht hat und ein Chefideologe her muss. Obwohl mein Eindruck ist, dass solche steilen Hierarchien bei der Piratenpartei ein Unding wären, weil es nicht der Graswurzelideologie entspräche. Klar ist, dass der Piratenvertreter gegen den GEMA-Vertreter im Fernsehen unbedarft aussah. Das darf bei einem der Kernthemen der Piraten eigentlich nicht geschehen, zumindest nicht vor der ganzen Nation beim TV-Magazin Report. Hier liegt eine Herausforderung: Grassroots meets Expertise

Und dann war da noch das inoffizelle Ende des F-Commerce. Das ist die eCommerce-Variante bei Facebook. Nicht wenige Firmen laufen dem zukünftigen Lieblingskind der New Yorker Börse davon, weil es sich einfach nicht rechnet. Nicht ganz unverständlich, dass sich die Leute zwischen dem Verabreden zur Party, zum Shoppen oder dem Posten der neuesten Schnappschüsse nicht einfach Dinge bei Facebook bestellen. Zuckerberg muss sich beeilen. Ab 2014 wird es wahrscheinlich nicht mehr so rosig aussehen für die Firma des „sozialen Wunderkindes“.

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Die 7. Woche im Web


Mobiles Web ist der Burner. 2011 seien erstmals mehr als 100 Millionen Gigabyte an Daten übertragen worden, heißt es in Branchenkreisen. Wahrscheinlich hat sogar der eine oder andere Politiker mittlerweile verstanden, dass es ganz schlau ist, das Internet immer dabei zu haben. Sogar Marktforscher Gartner hat erkannt, dass der Anteil der Smartphones am Handymarkt unvorstellbare Ausmaße einnimmt und ständig weiter steigt. 5 Milliarden Euro wollen die Firmen mit Smartphones 2012 umsetzen. Aber: Parallel zum Aufstieg von Apples iOS und Googles Android verlieren Nokia und RIM (Blackberry) an Boden. Kennt jemand Windows Phone?

Und wer sein eBook verschenkt, der gehört sowieso verboten; wo kommen wir da hin, wenn das jeder…

Mächtiger Badabum letztes Wochenende in Sachen ACTA. Deutschland sowie mittlerweile auch Bulgarien und die Niederlande legen die Ratifizierung des industrienahen weltweiten Paktes zum Schutz des Geistigen Eigentums auf Eis. Wieviele Nachfolgeabkommen nun unter dem Siegel der völligen Verschwiegenheit weiter verhandelt werden steht in Sternen. Sicher ist nur, dass es jetzt noch geheimniskrämerischer zugehen wird. Wie zu erwarten war, wird die Gegenbewegung zur Transparenz ein verschrecktes Häuflein Lobbyisten sein, dass nur noch in privaten Clubs und unter Vorlage von Non-Disclosure-Vereinbarungen mit empfindlichen Strafen verhandeln wird…

Cisco, der Netzwerkausrüster, will sich Anteile in einem toten Markt sichern und klagt nun gegen die EU-Entscheidung, den Skype-Deal von Microsoft zu genehmigen. Die Begründung der Amis klingt speziell: Man wolle Videokonferenzen zu etwas ähnlich weltumspannenden machen wie die E-Mail. Wenn die wüssten, dass nur 15% der 15-25jährigen überhaupt E-Mail mehr als ein Mal pro Woche nutzen… Weiterlesen »

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Die 6. Woche im Web

netzpiloten wochenrückblick

Die 6. Woche im Web brachte einiges zum Vorschein: Pinterest und Path drehen krumme Dinger. Google möchte einen eigenen Cloud-Speicherdienst an den Start bringen, Apple heizt die Gerüchteküche um das iPad 3 an und ACTA-Gegner hatten wieder was zum Feiern, nachdem nun auch Lettland bei der Ratifizierung aussetzt. Und dann war da auch noch Facebook. Das Social Network machte, neben der Kunde von traumhaften Gehältern, leider auch mit angeblichen technischen Problemen beim Löschen von Daten auf sich aufmerksam.

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Die 4. Woche im Web

WochenrückblickKaum ist SOPA/PIPA auf Eis gelegt, um später, wenn alle etwas Anderes fokussieren, wieder aus dem Hut gezaubert zu werden, da kommt die nächste Hiobsbotschaft aus den Staaten: Google zentralisiert alle seine Nutzerdaten. Zumindest hatte man bis dato den Anschein, als wären die Informationen über die Nutzer noch nicht zusammen geführt. Künftig wird jeder Dienst aus Mountain View an das Google Konto fest verdrahtet. Wer glaubt, dass es vorher keine aggregierten Übersichten gab, der wird sich wundern. Denn mithilfe von Cookies und anderen lustigen Trackingvarianten waren und sind die Webservices schon lange in der Lage, Daten zusammenzuführen. Aber im Zeitalter der Personalisierung aller Dienste wird es nun neben den Datenclustern in denen wir als Werbeziele unser digitales Leben verbringen, auch ein nicht-anonymisiertes Leben geben. Der Avatar kriegt Beine, mit denen er aber nicht laufen kann…

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Top oder Flop? Corporate Blogs und das Jahr 2008

Ein Jahreswechsel bringt eines immer ganz gewiss mit sich: Zahlreiche Jahresrückblicke und ebenso viele Ausblicke auf die kommenden 12 Monate: In- und Out-Listen, neue Entdeckungen und Verabschiedungen von Vergangenem. Und natürlich zahlreiche Vorhersagen. Was wird 2008 ganz sicher kommen, zu wem und zu was können wir leise Servus sagen.

Was diese Rückblicke und Vorschauen zu Corporate Blogs zu sagen hatten, fassen wir hier zusammen. Schließlich wurde das Thema heiß diskutiert – von einigen schon vorab für tot erklärt, von anderen als heißer Trend bewertet.

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Jahresrückblick 2007, Teil 4: Von Percanat und Productivity Porn

Video

Video erobert das Netz! Nicht zuletzt der Erfolg von YouTube und seinen zahlreichen Konkurrenten hat dazu geführt, dass die Popularität von Videoschnipseln weiterhin rasant steigt.

Prügel- und Lehrermobbing-Videos gehörten zwar im Jahr 2007 ebenso zu den Aufregern wie der Dauerstreit um die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material, aber dass private und professionelle Videoinhalte im Web weiter Fuß fassen werden, kann niemand ernsthaft bezweifeln.

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Jahresrückblick 2007, Teil 3: Von Abmahnanwälten und Podcast- Politikern

Barcamps & Co

Als hippe und „szenige“ Alternative zu den großen Medienkonferenzen sind im vergangenen Jahr die BarCamps als Form des Unconferencings durchgestartet. Bereits in zweiter Auflage traf man sich 2007 in Berlin und andernorts. Die Liste der geplanten BarCamps für 2008 ist schon jetzt imposant und illustriert, dass das Format sich nicht nur weiter etabliert, sondern sich insbesondere thematisch durch diverse Spezialisierungen weiter entwickelt.

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Jahresrückblick 2007, Teil 1: Von Fremdüberwachung und Selbstentblößung

Vorratsdatenspeicherung

Innenminister Schäuble will sie, die kritische und freiheitsliebende Netzgemeinde nicht: Es geht um den Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung. Das Wort selbst würde wohl bei der Wahl zum Unwort des Jahres einen Spitzenplatz erreichen.

Worum geht es: „Nach einem Gesetz, das CDU, CSU und SPD am 9. November 2007 gegen die Stimmen von FDP, Grüne und Linke beschlossen haben, soll ab 2008 nachvollziehbar werden, wer mit wem in den letzten sechs Monaten per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden oder das Internet genutzt hat. Bei Handy-Telefonaten und SMS soll auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten werden. Anonymisierungsdienste sollen verboten werden.“

Das Problem: Unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung werden wir alle zu gläsernen Bürgern. Privatsphäre, ade!

Auch dagegen? Dann bei der Sammel-Verfassungsbeschwerde noch bis zum 24.12. mitmachen!

Microblogging

Kaum einer hat es bisher bemerkt, aber fast jeder aktive Digital Native tut es inzwischen: Microblogging hat 2007 rasant an Fahrt gewonnen. Erst waren es Dienste wie Tumblr, die das Bloggen noch leichter, noch schneller, noch aktueller gemacht haben. Dann kam über die Facebook-Apps weiterer Microcontent hinzu und schließlich startete Twitter als neues Spielzeug der Online-Avantgarde durch. Die simple Idee: 140 Zeichen Platz für Belangloses, Gedankenfetzen, emotionale Zustandsbeschreibungen und Breaking-News.

Während sich in manchen Teilen der Blogosphäre 2007 eine gewisse Blogmüdigkeit breit zu machen schien, wird über Twitter und seine inzwischen rund 100 Klone ge-micro-bloggt was das Zeug hält. Für mich die Entdeckung und der Trend des Jahres. Geschäftsmodell: unbekannt. Spaß- und Suchtfaktor: unermesslich. Wie erkläre ich das bloß meinen Eltern?

StudiVZ

StudiVZ hatte schon im vergangenen Jahr nicht immer die beste Presse und in der Blogosphäre war vor allem einer der Gründer nicht gut gelitten. StudiVZ-Schlagzeilen schlugen aber auch in diesem Jahr immer wieder Wellen. Die Aufsehen erregendste Meldung kam Anfang des Jahres, als bekannt wurde, dass Holtzbrinck Ventures, ein Tochterunternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, StudiVZ für 85 Millionen Euro gekauft hat.

Jüngst kündigten die StudiVZ-Macher an, die AGB des Studierendennetzwerks zu ändern. Ziel: Individualisierte Werbung auf allen Kanälen inklusive Handy und zu diesem Zweck die Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte. Zwar ruderte man inzwischen schon wieder etwas zurück, aber wohin die Reise gehen soll dürfte spätestens jetzt nochmal klar geworden sein.

Facebook

Facebook hat im Jahr 2007 eine Bilderbuchkarriere hingelegt, allerdings mit einem Schönheitsfehler namens Beacon. Aber eins nach dem anderen. Zunächst konnte Facebook erheblich Boden gegenüber MySpace in Sachen Nutzerzahlen und Reichweite gut machen. Der Coup: Die Öffnung der Facebook-Plattform für Facebook-Applikationen von Drittanbietern. Seither sprießen Facebook-Apps massenhaft aus dem virtuellen Boden. Doch nachdem Beacon in die „Gesichtsbücher“ der User Einzug nahm, war der Aufschrei groß. Machte Beacon doch Informationen über Useraktivitäten öffentlich verfügbar, was nicht gerade auf Gegenliebe bei den Nutzern traf. Spät – aber immerhin – kam die Entschuldigung von Facebook-Gründer Zuckerberg, der sich zum Jahresausklang den ganzen Ärger durch den 240 Millionen US-Dollar schweren Einstieg von Microsoft bei Facebook versüßen ließ.

Tageszeitung 2.0

 

Der wohl am längsten und mit großer Spannung erwartete Relaunch einer Zeitungs-Website im Jahr 2007 war der der WAZ-Gruppe. Nachdem Katharina „Lyssa“ Borchert im vergangenen Jahr das Onlineruder bei der WAZ übernommen hatte, wurde außen viel spekuliert und von der WAZ selbst viel getrommelt, wie toll und richtungweisend alles sein werde. Und in der Tat: Die WAZ ist nach zuvor indiskutablen Webauftritten mit dem neuen Regionalportal DerWesten endlich im Web angekommen.

Bereits im Frühjahr 2007 startete das unter der Federführung von Peter Schink entwickelte neue Portal der Welt.de, das nun den bisher klickintensivsten Nachrichtenportalen den Rang abläuft.

Last but not least, zeigt der Tagesspiegel nach seinem Relaunch unter Online-Chefredakteurin Mercedes Bunz, wie Onlinejournalismus heutzutage auszusehen hat. Einen Überblick über weitere Relaunchs im jahr 2007 gibt es bei Matthias Kretschmer.

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