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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • ANDROID t3n: Macht Google Android 8.0 fit für den Desktop?: Android Nougat, die aktuelle Version des mobilen Betriebssystems, befindet sich auf gerade einmal 2,8 Prozent der Geräte. Dabei hatte man sich erhofft, dass der Anteil steigen würde, indem man der Release schon relativ früh durchführte. Daher könnte es sein, dass genaue Details zur achten Version von Android erst auf der Google I/O Mitte Mai bekannt gegeben werden könnten. Eines der Features, über dir wir uns in Android 8.0 freuen könnte, ist eine in den Messenger integrierte Suche. Ihr sucht also mit Google im Internet und das Ergebnis wird direkt im Chat gepostet. Außerdem sollen bestimmte Gesten eingeführt werden. Dabei soll man mit dem Fingerknöchel Buchstaben zeichnen können, die bestimmte Apps öffnen.

  • GOOGLE golem: Übersichtliche Suchergebnisse mobil auf Deutsch: Rich Cards heißt die Darstellungsweise, die für mobile User übersichtlich aufbereitete Ergebnisse anzeigt. Bislang gab ich diese Funktion nur auf Englisch, ab jetzt ist sie auch auf Deutsch verfügbar. Durch Fotos und den Karussell-Modus sehen die Suchergebnisse zwar optisch ansprechend aus, allerdings solltet ihr vorsichtig sein, was die Bewertung der Beiträge angeht. Diese sind nämlich nicht neutral, sondern basieren teilweise auf Verträgen mit Website-Partnern. Dazu zählen z.B. chefkoch.de, RTL Interactive, Cinemaxx und Prinz. Für Schlagzeilen gibt es die Funktion auch, zu den angezeigten Medien gehören unter anderem Spiegel Online, die Süddeutsche Zeitung und die Tagesschau.

  • MICROSOFT heise: Keine Windows Updates mit neuen Prozessoren für 7 und 8: Schon vor über einem Jahr hatte Microsoft angekündigt, neuere CPUs nur auf einem aktuellen Windows zu unterstützen – sprich Windows 10. Wie ein Support-Dokument von Microsoft nahelegt, gilt aber auch der Umkehrschluss: Updates für Windows 7 und 8.1 gibt es nur auf älterer Hardware. Als Beispiele nennt Microsoft konkret Prozessoren aus Intels siebter Core-i-Generation (alias Kaby Lake) und AMDs Bristol-Ridge-Serie; für AMDs Ryzen-Prozessoren dürfte aber dasselbe gelten. Bei der angebotenen Lösung bleibt Microsoft seiner Linie treu: Wer diese CPUs nutzen wolle, solle ein Upgrade auf Windows 10 durchführen.

  • DIGITALISIERUNG NETZPOLITIK.ORG: Mehr Rüstung als Bildung: „Digitalpakt“ für Schulen kommt in Haushaltsplanungen nicht vor:Das Bundeskabinett hat die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2018 beschlossen und vorgestellt. Unter anderem wurde ein Digitalpakt beschlossen, der die Digitalisierung in Schulen voran treiben soll. Der Umfang beläuft sich auf fünf Milliarden Euro, die in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen sollen. In den Haushaltsplanungen taucht dieses Geld jedoch nicht auf. Damit das Projekt dennoch umgesetzt werden kann, muss sich Bildungsministerin Wanka nun engagieren. Andernfalls – so der Hamburger Bildungssenator – „stehen in zehn Jahren überall veraltete und ungenutzte Computer herum“.

  • ZENSUR taz.de: Wenn Facebook mal eben aus ist: Immer mehr Staaten verfügen über die notwendige Technik, um den Internetzugang zu blockieren. Das Ziel: sie wollen Kritiker zum Schweigen bringen. Deutlich wird das am Beispiel Ugandas: Ein Facebook-Nutzer, der sich Tom Voltaire Okwalinga nennt, verbreitet in dem sozialen Netzwerk Lügen über den Präsidenten Yoweri Museveni. Die Reaktion der Regierung: Während einer Facebook-Einschränkung nimmt die Polizei den wichtigsten Herausforderer des Präsidenten fest. Dabei liefert dieser nicht einmal Beweise für seine Behauptungen. Die Behörden sehen in ihm dennoch eine Gefahr.

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Muss man wissen: So twittert @realdonaldtrump

Donald Trump (adapted) (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Ein neuer Tag, ein neuer Tweet, ein neuer Vorfall. Bei einem der neuesten Ereignisse schädigte Donald Trump – der reiche und scheinbar wahllose Twitterer, der zufällig auch noch der Anführer der freien Welt ist – die diplomatischen Beziehungen zu Australien, indem er gegen ein Abkommen bezüglich der Umsiedlung von Flüchtlingen wetterte, das in den letzten Tagen der Präsidentschaft Obamas beschlossen worden war.

Als Malcolm Turnbull, der australische Premierminister, Präsident Trump kontaktierte, um sich Klarheit über das Abkommen, das die Umsiedlung in die USA von bis zu 1.250 Asylsuchenden, die Australien in einem Gefangenenlager auf offener See hält, beinhaltete, war Trump unfreundlich und schroff, sodass er den Anruf unerwartet bereits nach weniger als der Hälfte der vereinbarten Stunde beendete.

Wie üblich nutze er später Twitter, um seine Gedanken weiterzugeben:

Die Ausdrucksweise, Zeichensetzung, Wortwahl und der Tonfall dieses einen Tweets sind ein Beispiel für den gesamten Kommunikationsstil, mit dem die Trump-Anhänger mittlerweile vertraut sind.

Zuerst gibt es die faktischen Ungenauigkeiten – es handelt sich um Asylsuchende, nicht illegale Einwanderer. Dann ist da der Stil der Ansprache. Trump twittert häufig, als würde er sich an jemanden persönlich in einem Gespräch richten („Kannst du das glauben?“). Dies hilft natürlich dabei, die Illusion von Vertrautheit und gemeinsamer Erfahrung zu erschaffen. Der Punkt ist, dass es so weit weg von der herkömmlichen, politischen Diskussion sein soll, dass es als erfrischend und anders angesehen wird. Wir erwarten in den meisten Fällen nicht, dass Staatsmänner so herablassend in Bezug auf den politischen Prozess sind und Umgangssprache verwenden – das heißt, die Sprache („blödes Abkommen“), die normalerweise mit ’normalen‘ Menschen assoziiert wird.

Dann haben wir noch Trumps übermäßige Nutzung von Großbuchstaben und Ausrufungszeichen. Stilistische Leitfäden zeigen uns, dass dies Unreife und maßlose Aufregung kennzeichnen – aber Ausrufungszeichen wurden durch die Verbreitung von Emails und Texten ein universeller Ausdruck für die Stimmung des Autors. Wie Jean Berko Gleason herausstellt: „Sie können die Schroffheit einer kurzen Antwort mäßigen, indem sie den Enthusiasmus, die Ehrlichkeit, die Überraschung des Autors ausdrücken – es hängt alles von der Situation ab.“

Mediale Vermittler übergehen

Diese Tweets sind keinesfalls wahllos und unüberlegt. Es ist klar, dass Trump und seine Berater den Wert verstehen, der darin liegt, die „betrügerischen“ etablierten Medien zu umgehen und direkt das Fundament dieser mit einer verständlichen Sprache zu adressieren. Er ist ein Präsident, dem die Macht der sozialen Medien äußerst bewusst ist. Im November erzählte er im 60 Minuten Programm des Senders ABC:

Ich finde es unglaublich. Es ist eine moderne Art der Kommunikation. Es sollte nichts geben, wofür Sie sich schämen sollten… Die Tatsache, dass ich solch eine zahlenmäßige Macht durch Facebook, Twitter, Instagram, etc. habe, hat mir geholfen, all diese Rennen, in denen sie so viel mehr Geld ausgegeben haben als ich, zu gewinnen.

Auf Twitter verhält sich Trump wie die Berühmtheit, die er ist – er übergeht lästige Mittelsmänner, um sich selbst und seine Grundsätze ohne die Unannehmlichkeiten langer Erklärungen zu vermarkten. Die Begrenzung auf 140 Zeichen ist perfekt geeignet für die Übermittlung von Gefühlen, statt eine eventuelle Ausgewogenheit darzustellen. Der bekannte Akademiker und Medien-Kommentator Jay Rosen sieht es meiner Meinung nach richtig. Das, was Trump kommuniziert, nur als Tweets abzutun, ist eine Illusion, die sie nicht ernst genug zu nehmen droht:

Dies sind öffentliche Aussagen des gewählten Präsidenten. Amtliche Bekanntmachungen von ganz oben. Diese nach ihrer Verbreitungsmethode (Twitter) zu benennen, hilft nicht. Sie können nicht mehr ignoriert werden, genauso wie eine Ankündigung auf whitehouse.gov nicht außer Acht gelassen werden kann.

Wer Trump folgt

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels hat Trump 23,3 Millionen Anhänger auf Twitter – und während viele von diesen offensichtlich nicht zu seinen Unterstützern zählen, ist es dennoch klar, dass eine riesige Menge seine Basis bildet und viele von ihnen seine Gedanken an ein sogar noch größeres Publikum weiterleiten. Wer braucht also noch die herkömmlichen Medien?

Trump merkt offensichtlich, dass er diese nicht braucht – es ist aufschlussreich, wenn man feststellt, dass unter den mageren 40 Leuten, denen @realdonaldtrump folgt, nur wenige Journalisten sind. Vielleicht sollte man diese zutreffender als „Medienarbeiter“ bezeichnen. Unter den Familienmitgliedern und Vertretern der verschiedenen Geschäftsinteressen von Trump finden sich Leute wie Bill O’Reilly, Laura Ingraham, Sean Hannity und Eric Bolling, die alle auf die eine oder andere Weise mit Fox News in Verbindung gebracht werden.

Fox News und der aktuelle Vorsitzende und CEO Rupert Murdoch setzte sich über die letzten fünf Jahre aktiv für die politischen Ziele Trumps ein – und trotz gelegentlicher Streits ist die Bewunderung beiderseits vorhanden. Vor wenigen Tagen erklärte Trump während einer Rede, die eigentlich den Black History Month thematisieren sollte: „Ich schaue kein CNN… Ich mag es nicht, falsche Nachrichten zu sehen… Aber Fox hat mich sehr nett behandelt, wo auch immer Fox ist, danke.“

Dies ist von großer Bedeutung, denn, wie Politico berichtet, ist Fox News seit 15 Jahren der am besten bewertete Kabel-Nachrichtensender der USA. Durchschnittlich hat er 2,8 Millionen Zuschauer zur Hauptsendezeit und 1,8 Millionen Zuschauer über den gesamten Tag hinweg. Seine Bewertungen steigen ebenfalls im zweistelligen Bereich, verglichen mit den Zahlen aus dem Vorjahresmonat.

Der Journalist, der vielleicht Trump zu dieser Zeit am nächsten ist, ist Sean Hannity. Es war dieser zuverlässige Unterstützer, dem Trump sein erstes Interview als Präsident im Kabel-Fernsehen gewährte – und es ist eindeutig Hannity, der energisch und auf wirksame Weise Trumps Gesamtbild der herkömmlichen US-Medien darstellte. Hannity sieht die Wahl 2016 als einen Wendepunkt in der Geschichte, durch den die Glaubwürdigkeit der herkömmlichen Medien zerstört wurde. Er sieht den Berufszweig, dessen Teil auch er ist, mit gänzlicher Verachtung an. In einem Interview mit Politico erklärte er: „Die Medien bestehen aus einem Haufen aus überbezahlten, abgehobenen, faulen Millionären, die nichts als Verachtung für die Menschen, die dieses Land großartig machen, verspüren. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen.“

Die sozialen Medien sind jedoch der Bereich, in dem Trump unangefochten an erster Stelle steht, und wie Gavin Fernando schrieb, hat er das Spiel der sozialen Medien für Politiker revolutioniert. Jetzt liegt es in der gemeinsamen Verantwortung der Journalisten (wer auch immer dann das Weiße Haus besetzt), den Inhalt der Tweets der Politiker genauso eingehend wie jede andere politische Aussage zu untersuchen.

Eine letzte Sache, die von Interesse für Leser aus Großbritannien sein könnte: Trump folgt nur einem einzigen britischen Journalisten – und das ist der ehemalige CNN-Reporter Piers Morgan.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Donald Trump“ by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


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  • AUTONOMES FAHREN heise: Das erste selbstfahrende Auto wird ein Lastkraftwagen: Da ein großer Mangel an LKW-Fahrern in Nordamerika herrscht, sollen nun bald in der Logistikbranche selbstfahrende LKW eingeführt werden. Dieses Vorgehen soll die Fahrer nicht überflüssig machen, sondern den Beruf für die junge Generation attraktiver gestalten. Die Rolle des Fahrers soll dann ähnlich wie die eines Piloten sein: er ist beim Start, der Landung und in brenzligen Situationen gefragt, das Fahrzeug ist sonst auf Autopilot geschaltet.

  • TESLA t3n: Neuer Autopilot-Chef: Swift-Erfinder Chris Lattner verlässt Apple für Tesla: Nach elf Jahren verlässt nun Swift-Erfinder Chris Lattner Apple, um zu Tesla zu wechseln. Lattner wird ab sofort bei Tesla für die Autopilot-Software des Unternehmens verantwortlich sein, nachdem der frühere Autopilot-Leiter Sterling Anderson das Unternehmen verlassen hatte. Für Lattner wird es bei Tesla einiges zu tun geben: nach dem tödlichen Unfall im Frühjahr 2016 geriet der Autobauer in die Kritik, woraufhin dieser Neuerungen angekündigt hatte, die das Autopilot-System sicherer machen sollen.

  • YOUTUBE googlewatchblog: Hamburger Elbphilharmonie: Youtube überträgt das Eröffnungskonzert Live in 360 Grad: 9 Jahre Bauzeit und mehrere Hundertmillionen Euro verschlang die Hamburger Elbphilharmonie, die direkt am Hafen platziert ist. Heute findet endlich das feierliche Eröffungskonzert statt. Wer keine Karten hat, muss sich aber auch nicht grämen. Schon zur offiziellen Fertigstellung der Elbphilharmonie und auch jetzt zur Eröffnung sind Google-Nutzer ganz vorne mit dabei: Per Streetview kann man durch das Gebäude laufen und sich die öffentlich zugänglichen Teile frei ansehen. Wer zudem über ein Google Cardboard verfügt (die Papp-Variante einer Virtual Reality-Brille) kann das Live-Konzert so auch in VR erleben.

  • FACEBOOK golem: Facebook-App leert Akku in Rekordzeit: Schwache Akkus sind bei Smartphone-Nutzern immer ein leidiges Thema. Da hilft es nicht, wenn sich eine App zusätzlich belastend auf die Laufzeit auswirkt. Vor allem Android-Nutzer sind derzeit stinksauer, die Facebook- sowie die Messenger-App belastet den Akku wohl extrem. Neben der drastisch verkürzten Akkulaufzeit machen die Facebook-Apps noch andere Schwierigkeiten. Der Grund für die geschilderten Probleme ist derzeit nicht bekannt.

  • SOCIAL MEDIA dw: White House preserves Obama’s social media legacy: „Präsdient Obama ist der erste ‚Social Media Präsident'“ so ein Sprecher des Weißen Hauses und so hat er einem den Job des mächtigsten Mannes der Welt näher wie nie gebracht. Er verabschiedete sich nun von dem Twitter-Handle ‚@POTUS‘ (steht für ‚president of the united states‘) mit: „Thank you for everything. My last ask is the same as my first. I’m asking you to believe—not in my ability to create change, but in yours.“ Das Weiße Haus hat jetzt einen nahtlosen Übergang zwischen den präsidialen Social Media Accounts eingeleitet.

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Wie sich Trump in das Weiße Haus getwittert hat

donald-trump-image-by-lisettebrodey-via-pixabay-[CC0 Public Domain]

Der Sieg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl wurde als atemberaubend und schockierend beschrieben und hat einen „Aufschrei“ in den Medien hervorgerufen. Der gewählte Präsident fand bei mehr als 59 Millionen Amerikanern genug Gehör, dass sie in der Wahlkabine für ihn den Ausschlag gaben und ihm zum Sieg verhalfen. Trump erreichte seine Unterstützer sowohl persönlich als auch über die Social-Media-Plattformen, vor allem über Twitter. Wenige Stunden, nachdem er seine Siegesrede gehalten hatte, war er schon wieder am twittern.

Trumps Twitter-Affinität ist gut dokumentiert. Ein Politiker charakterisierte die Präsenz des Kandidaten auf der Social-Networking-Seite als „eine kontinuierliche Trump-Kampagne, die rund um die Uhr auf Twitter statfindet.“. Angesichts seines Geschicks erklärten ihn einige Leute zum Gewinner in den sozialen Medien und in der Wahlkampfschlacht.

Aber wie viel Einfluss hatte Twitter während der Präsidentschaftswahl 2016? Als Rechtsprofessor, der die Auswirkungen des Internets auf die äußere Welt untersucht, glaube ich, dass die Antwort auf diese Frage durchaus die Art und Weise verändern könnte, wie politische Kandidaten ihre Kampagnen für die kommenden Jahre gestalten.

Politik im Taschenformat

Mit mehr als 300 Millionen aktiven Nutzern in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 ermöglicht Twitter den Menschen, mit Scharen von Freunden und Followern in 140 Zeichen oder weniger zu kommunizieren. Während Amerikaner dazu neigen, Diskussionen über Politik offline zu vermeiden, machen soziale Medienumgebungen wie Twitter es fast unmöglich, sich von politischen Interaktionen im Internet fernzuhalten. Obwohl die Forschung zeigt, dass nur wenige Clinton- oder Trump-Fans enge Freunde im gegnerischen Lager haben, weiten die sozialen Medien diese Kontakte erheblich aus. Vor allem auf Twitter neigen die Nutzer statistisch gesehen eher dazu, Menschen zu folgen, die sie nicht persönlich kennen, als das auf Facebook der Fall ist, wo sich die Nutzer oft mit denen anfreunden, die sie persönlich kennen.

Dies ist besonders entscheidend, wenn man bedenkt, welche Auswirkungen soziale Medien auf politische Meinungen haben. Langanhaltende Konfrontationen mit politischen Diskursen können die Anteilnahme an der Politik verstärken, und die Kommunikation mit anderen elektrisiert politische Aktivitäten bezüglich gemeinsamer Anliegen. Einer von fünf Menschen berichtet, dass sich seine Ansichten über eine politische oder soziale Frage ändern, weil er etwas in den sozialen Medien gelesen hat, und fast die gleiche Anzahl an Menschen sagt, dass sie ihre Ansichten zu einem bestimmten Kandidaten auf Basis dessen, was sie dort gelesen haben, änderten.

Trumps unzensierte Tweets haben überzeugt

Trump war bemerkenswert effektiv darin, die meinungsbildende Macht der sozialen Medien zu nutzen. Seine Kampagne nutzte erfolgreich die Kenntnisse, Kontakte und Fähigkeiten seiner Anhänger im Verbreiten seiner Tweets, um mit dem Werkzeug des Crowdsourcings Wut und Angst zu verbreiten. Zum Beispiel erreichte Trump jeden Tag fast doppelt so viele Twitter-Erwähnungen wie Hillary Clinton, obwohl (oder vielleicht gerade weil) seine Meldungen viel negativer waren. Er brüstete sich auch mit etwa 40 Prozent mehr Twitter-Anhängern als seine demokratische Rivalin.

Trump baute eine Beziehung zu seinen Anhängern auf, indem er seinen eigenen Twitter-Account während eines Großteils seiner Kampagne selbst verwaltete. Clinton nutzte vor allem ein Medienteam – und das merkte man auch. Experten haben darauf hingewiesen, dass Trumps Tweets für seine Anhänger sehr überzeugend waren, weil man ihnen weitgehend anmerken konnte, dass sie direkt von ihm kamen – sie wirkten spontan und nicht so, als wären sie von Medien-Profis bearbeitet worden.

Auf diese Art eine Beziehung aufzubauen, erwies sich als entscheidend, da sich Fans und Follower der Trump-Bewegung anschlossen und sich zu großen Wahlblöcken entwickelten. Scott Adams, der den „Dilbert“-Comic erschuf, verbrachte den Großteil der Wahlkampfphase damit, über Trump als einen Meister der Überzeugung zu schreiben, der besonders das Mittel der Angst nutzt.

Trumps scheinbar ungefilterte Beiträge, die ihre Kernaussagen regelmäßig wiederholten, führten zu viel mehr quantitativem Twitter-Engagement für ihn, im Vergleich zu Clinton. Trumps Anhänger wiederholten und teilten seine Botschaften in Scharen. Manche beschrieben eine „emotionale Verbindung“ zu ihm und sagten, sie würden Stunden damit verbringen, seine Botschaft mit ihren eigenen Netzwerken zu teilen, obwohl sie keine offiziellen Mitarbeiter der Trump-Kampagne waren.

Darüber hinaus erzeugten Trumps Beiträge einen Rückkopplungseffekt, das heißt Social Media Beiträge schafften es in die Fernseh-Nachrichten – und das immer kostenlos in einem Umfang, dessen Äquivalent von medialer Berichterstattung und Werbung Kosten von 3 Milliarden US-Dollar aufgeworfen hätte. Er bezahlte letztlich weniger Geld pro Stimme und pro Delegiertem als jeder andere, der in diesem Jahr für die Präsidentschaft kandidieren wollte, erreichte dabei aber den höchsten Grat an Sichtbarkeit. Ich möchte damit nicht behaupten, dass Clinton keine eigenen Erfolge hatte. Als Reaktion auf eine Beleidigung von Trump, gelang ihr der Tweet, der im Laufe der Wahlkampfphase am meisten geteilt wurde, als sie vorschlug, dass Trump seinen Twitter-Account löschen solle.

Aber Trump monopolisierte Twitter und den Nachrichtenzyklus und erhielt schließlich die meisten Wählerstimmen.

Aktuelle Techniken nutzen

Historiker haben festgestellt, dass in den Alltag eindringende Technologien die Macht haben, politische Wahlen zu beeinflussen. Franklin D. Roosevelt verwendete das neue Medium des Radios, um seine Kamingespräche zu verbreiten, weil seine Konkurrenten viele der Zeitungen in den dreißiger Jahren kontrollierten und eine gewisse Voreingenommenheit durch Zeitungsberichte vermeiden wollte.

John F. Kennedy sagte vier Tage nach der knappen Niederlage von Richard Nixon: „Mehr als alles andere war es das Fernsehen, das das Blatt wendete.“ Das Fernsehen, das neue aktuelle Medium, hatte im Jahrzehnt vor der Wahl von 1960 massiv an Popularität gewonnen. Es scheint so, dass Trump einige Erfahrungen aus der Geschichte genutzt hat, um eine der größten Überraschungen in der modernen Wahlgeschichte zu bewirken.

Ich denke, die Forscher werden Trumps Wahlkampfstrategien noch jahrelang analysieren. In der Tat haben Analysen der Auswirkungen von Twitter auf die Präsidentschaftswahl von 2016 bereits begonnen. Die New York Times hat sogar kürzlich alle „Menschen, Orte und Dinge“ aufgelistet, die Trump auf Twitter beleidigt hat. Trumps unkonventionelle Methoden, die ursprünglich von traditionellen Experten als ineffektiv und wie ein „überstürztes Schulsprecherwahlprogramm“ klingend verspottet wurden, zeigten in dem schnellen und ungefilterten Universum von Twitter einen enormen Effekt. Mit seiner Kampagne konnte er die Wirkung schroffer Wortmeldungen beinahe in Echtzeit anhand seiner Follower testen, um festzustellen, ob sie ihm im weiteren Wahlkampf von Nutzen sein werden.

Traditionellen Politikern, die im Amt bleiben wollen, könnte bald einleuchten, dass Trumps unkonventioneller Aufstieg einen neuen Standart für Wahlkampfstrategien geschaffen hat. Es ist nicht überraschend, dass Twitter-Nutzer, deren Beiträge eine Menge von Aufmerksamkeit durch Likes, Retweets und Antworten bekommen, häufiger twittern als Benutzer, bei denen das nicht der Fall ist. Und die Forschung zeigt auch, dass Emotionen auf Twitter ansteckend sind – sowohl negative als auch positive Tweets erzeugen mehr von dem Gleichen auf der Plattform (positive Tweets sind ansteckender).

Da Emotionen im diesjährigen politischen Wahlkampf eine Rolle spielten, wird das Erlernen der Strategien zu einer weiten und dauerhaften Verbreitung für politische Kandidaten sehr wertvoll sein, um die Macht von Twitter und anderer sozialer Plattformen zu nutzen… zumindest, bis die nächste Innovation kommt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Donald Trump” (adapted) by LisetteBrodey (CC0 Public Domain)


 

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Kann Facebook unsere Wahlergebnisse beeinflussen?

Domino's (adapted) (Image by David Pacey [CC BY 2.0] via Flickr)

Facebook geriet im Mai diesen Jahres aufgrund von Anschuldigungen einer liberalen Einflussnahme in seiner „aktuelle Themen“-Funktion in Schwierigkeiten. Dies war nicht das erste Mal, dass Facebook beschuldigt wurde, sich heimlich in die Politik einzumischen. Im Jahr 2012 wurde Facebook von dem Vorwurf entlastet, die Nachrichteneinspeisung von 1,9 Milionen Nutzern zu optimieren, indem man diese mit politischen Inhalten anreicherte.

Im Jahr 2014 fragte Clay Johnson, der Mitgründer von Blue State Digital, einer Firma, die die Online-Kampagnen von Barack Obama für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 plante und verwaltete, nach einem Experiment in der Emotions-Manipulation, an dem 689.ooo Menschen teilnahmen, folgendes: „Könnte Mark Zuckerberg eine Wahl drehen, indem er für Upworthy (eine Website, auf der sich virale Inhalte sammeln) zwei Wochen vor der Wahl dafür wirbt? Und sollte das überhaupt erlaubt sein?“

Aber Facebooks politisch einflussreichstes Instrument ist vielleicht eines, das sich gut versteckt. Man denke nur an den „Ich habe gewählt“-Button. Der Button, der von Facebook als ‚Sprachrohr der Wähler‘ bezeichnet wird, ermöglicht den Nutzern, mitzuteilen, ob sie gewählt haben und zeigt, welche ihrer Freunde auch gewählt haben.

Ein einflussreiches Instrument

Der harmlos aussehende Button ist ein politisch sehr einflussreiches Instrument. Wie fast jede Funktion auf fast jeder kommerziellen Internetseite wird das Sprachrohr auf Facebook für kontrollierte, vermittelnde Experimente genutzt. Facebook wandte den Button in einem großen Experiment bezüglich der amerikanischen Kongresswahlen im Jahr 2010 an. 61 Millionen Menschen wurden in einer Gemeinschaftsstudie der Universitäten von Kalifornien und San Diego zusammen mit Datenwissenschaftlern von Facebook verschiedene Versionen des Buttons gezeigt, manchmal war auch gar kein Button zu sehen.

Sie nutzten Wählerverzeichnisse, um den Einfluss des Buttons auf das tatsächliche Wahlverhalten zu ermitteln. Es stellte sich heraus, dass der Aufruf zum Handeln die Gesamtzahl der Wähler um 340.000 Wähler anstiegen ließ. Der Bericht dieser Studie, der im Magazin Nature veröffentlicht wurde, weist darauf hin, dass selbst kleinste Veränderungen an der Wahlbeteiligung „den Ausgang der Wahl beeinflussen können“. Es wird das Beispiel der Wahl des amerikanischen Präsidenten im Jahr 2000 zitiert, bei der George W. Bush seinen Konkurrenten Al Gore in Florida durch lediglich 537 Stimmen schlagen konnte. Hätte Gore im Staat Florida gewonnen, hätte er die Wahl zum Präsidenten gewonnen.

Kann das Sprachrohr Wahlen beeinflussen?

Wenn Facebook gewillt war, seine parteienneutrale Selbstdarstellung aufzugeben, wäre es einfach, das Wahlergebnis mit einem Instrument, das zum Wählen animiert, zu beeinflussen. Studien haben gezeigt, dass das Feststellen einer politischen Tendenz der Facebook-Nutzer einfach ist, auch für jene, die sich von politischen Aktivitäten im Netz fernhalten.

Facebook könnte deshalb das „Ich habe gewählt“-Instrument gezielt nur für die Unterstützer von Kandidaten oder politischen Parteien seiner Wahl anbieten und so nur deren Stimmen vermehren. Das wäre sogar legal, selbst wenn es heimlich geschehen würde. Aber nehmen wir einmal an, dass Facebook nicht gewillt wäre, solche Risiken auf sich zu nehmen. Kann es einen Einfluss auf Wahlen haben auch ohne, dass man verschiedene Wähler verschieden behandelt?

„Ich habe gewählt“ und Voreingenommenheiten

Der Bericht über die Facebook-Studie aus dem Jahr 2010 erwähnt nicht, ob die Zunahme in der Wahlbeteiligung in irgendeiner Weise mit der Voreingenommenheit für eine Partei in Verbindung stand und es gibt keine Möglichkeit, das zu überprüfen. Aber statistisch gesehen ist es beinahe unmöglich, ein solches massives Eingreifen in den politischen Prozess durchzuführen, ohne damit Voreingenommenheit zu erzeugen.

Es wäre sehr überraschend und würde einiges an Erklärung verlangen, wenn keine Beeinflussung entstehen würde. Der Grund hierfür ist, dass die hierbei involvierten Variablen kaum unabhängig sind. Die Zugehörigkeit zu einer Partei hängt stark von anderen Eigenschaften ab, wie zum Beispiel vom Alter und dem Bildungsgrad. Diese wiederum können davon abhängen, wie sehr man mit dem Button auf Facebook konfrontiert wird und von der Wahrscheinlichkeit, dass man durch den Gruppenzwang im Internet, falls vorhanden, beeinflusst wird.

Es gibt deshalb keinen Grund zu der Annahme, dass der gleiche Button alle Wählergruppen gleichermaßen beeinflusst. Wenn der Anstieg der Wählerstimmen aufgrund des Buttons in allen Gruppen nicht exakt gleich ist, erzeugt dies Voreingenommenheit.

Eine absichtliche Voreingenommenheit?

Die Existenz einer solchen Voreingenommenheit ist an sich nicht welterschütternd. Man kann mit einer ähnlichen Begründung sagen, dass Veränderungen des Wetters das Wahlergebnis auf eine Art beeinflussen können, sodass das Wahlergebnis beeinflusst wird. Der „Ich habe gewählt“-Button unterscheidet sich in der Hinsicht von den Methoden, die Facebook verwendet hat, um die Wahlbeteiligung zu beeinflussen, dass dieser individuelle Wahlinformationen liefert.

Indem die Information, wer gewählt hat, mit den Informationen der politischen Tendenzen kombiniert werden, verfügt Facebook über eine einzigartige Position und weiß, wie jede Veränderung des Knopfes jede Wählergruppe beeinflusst hat. Dementsprechend kann Facebook vorhersagen, welche Voreingenommenheiten durch das Anwenden einer jeden Button-Variation quer durch alle Wählergruppen bei zukünftigen Wahlen erzeugt werden.

Zum Beispiel hätte sich Facebook dazu entschließen können, das Sprachrohr der Wähler bei der US-Präsidentschaftswahl einzusetzen oder auch nicht. Weil Facebook weiß, welche Aktion welcher Partei nutzen wird, konnte die Wahl nicht unvoreingenommen sein. Schon das Sammeln der Daten selbst hat Facebook zu einem politischen Mitspieler gemacht.

Die Wahl des Anwendens oder Nichtanwendes ist ein einfaches Beispiel der absichtlichen Voreingenommenheit. Man stelle sich vor, es gäbe Unterschiede in den Wahlmustern der Parteien abhängig von der Tageszeit, zu der gewählt wird. Indem man sich dazu entschließt, dass der Button erst am späten Nachmittag erscheint (wie es Facebook für ein paar Nutzer bei der Präsidentschaftswahl des Jahres 2012 getan hat), wird ein feinerer Grad der Kontrolle über die Voreingenommenheit erzeugt.

Im März, als Facebook-Mitarbeiter Mark Zuckerberg die Frage stellten, welche Verantwortung Facebook hat, um dabei zu helfen, zu verhindern, dass Trump im Jahr 2017 Präsident wird, ging es nicht um die Befähigung. Wie wir festgestellt haben, kann Facebook die Wahlbeteiligung beeinflussen. Sheryl Sandberg aus dem Facebook-Vorstand für das operative Geschäft sagte dazu: „Facebook würde nie versuchen, Wahlen zu kontrollieren.“ Aber wenn Facebook Millionen von Stimmen mit dem sprichwörtlichen Klick auf einen Knopf kontrollieren kann, ist das dann noch Demokratie?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Domino’s“ by david pacey (CC BY 2.0)


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Oliver Stones ‚Snowden‘ – ein Abbild des Internet-Sicherheitsstaates?

camera(image by staffordgreen0[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der neue Film über Edward Snowden, den Mann, der geheime Dokumente über eine umfassende Spyware der US-Regierung veröffentlichte, ist seit wenigen Tagen in den Kinos zu sehen. Damit setzte sich erneut eine Debatte um seine Person in Gange – inklusive einer erneuten Anfrage bei Präsident Obama, ihn zu begnadigen. Aber, wie auch Snowden selbst vielleicht sagen würde, was uns zum Innehalten bewegen sollte, ist die Macht der Geheimdienste der Regierung.

Das Ausmaß ihrer Fähigkeiten, Kommunikation abzufangen und Informationen zu sammeln, ist dabei verblüffend: Snowden stellt die Überwachungssysteme der NSA bloß, die kaum auf den Erhalt der Privatsphäre der Bürger ausgelegt ist, und die doppelzüngigen Aussagen der NSA über ihre Aktivität. Der Film erzählt Snowdens Geschichte in einer etwas dramatisierten und fiktionalisierten Art und Weise – von seinem Militärtraining über seine krankheitsbedingte Entlassung bis hin zu seiner Arbeit im Geheimdienst. Dem Laien liefert er einen Einblick darin, wie die Regierung die moderne Kommunikationstechnologie nutzt.

Der Film bietet keinen differenzierten Einblick in die Gründe, warum Geheimdienste tun, was sie tun. Er liefert auch keine Information darüber, was die Geheimdienste anderer Staaten machen. Die Darstellung der verwendeten Technologie und des Aufwands, den die US-Regierung betreibt, um Whistleblower festzunehmen, ist jedoch ziemlich präzise.

Sammeln: ja – begutachten: nein

Der Film greift drei verschiedene Aspekte der NSA-Aktivitäten auf: Datensammlung, Datenanalyse und die rechtliche Grundlage für Überwachung. Er zeigt auch ziemlich deutlich die Systeme der NSA auf, die große Mengen an Daten aus dem ganzen Land sammeln über direkte Verbindungen zur den großen Telefon- und Internetfirmen wie AT&T, Verizon, Google, Microsoft und Facebook. Was der Film suggeriert ist aber, dass die Daten aller Bürger nicht nur gesammelt werden, sondern er zeigt – fälschlicherweise – auch, dass die Bürger auch ständig unter Beobachtung stehen.

Wenn man die Menge an Kommunikation und die sich ständig verändernden Bedrohungen von außen bedenkt, ist auch verständlich, dass die Geheimdienste nicht auf jede Spur in Echtzeit anspringen können. Mit ihrem Programm PRISM sammelt die NSA Daten über jede Bürgerin und jeden Bürger – ihre E-Mails, ihren Suchverlauf, Aktivitäten auf sozialen Netzwerken, Aufzeichnungen von Sprach- und Video-Chats, Telefonanrufe, Textdokumente, Bilder und Videos.

Statt den immensen Datenstrom zu überwachen, werden die Daten archiviert, um später nach relevanter Information suchen zu können, wenn neue Hinweise hereinkommen und Ermittlungen beginnen. Der Film zeigt diesen klaren Unterschied zwischen der Möglichkeit und der tatsächlichen Umsetzung der Beobachtung jedes Bürgers nicht auf.

Data Mining vereinfachen

Der Film zeigt auch das XKeyScore-System, das auf alle gesammelten Daten zugreifen kann. Die Informationen, die Snowden enthüllt hat, beinhalten auch Details in die Funktionsweise von XKeyScore, das die massiven Datenmengen im Hinblick auf Verbindungen zwischen Menschen, Sprachmuster und noch viele weitere Parameter analysieren kann. Im Film finden die Analysten, die XKeyScore nutzen, immer sehr schnell und einfach, wonach sie suchen – die Eingabe eines Namens oder einer E-Mail-Adresse reicht aus.

In Wirklichkeit ist Data Mining viel anspruchsvoller, besonders, wenn man es mit so einer großen Datenmenge zu tun hat wie die NSA. Eine große Menge harmloser Daten schirmt die kleine Menge an verwendbaren Daten ab. Data Mining kann helfen, die große Fülle an Informationen auf kleinere Mengen herunterzubrechen. Aber nur menschliche Analysten – und keine computerbasierte Suche – sind der Schlüssel zur Auffindung relevanter Datensätze. Regeln und Beschränkungen beschränken den Zugang zu dieser Information. Was die Analysten machen, wird genau überwacht.

Außerdem sind wirklich gefährliche Personen vorsichtig damit, ihre Spuren zu verwischen – sie verwenden temporäre E-Mail-Adressen und starke Verschlüsselungen. Auch das beschränkt die Möglichkeit des Data Minings.

Was sagt das Gesetz?

Der Film transportiert, dass die von der NSA verwendeten Programme illegal sind. Die Programme sind mit Sicherheit kontrovers, die Gesetzmäßigkeitist unklar. Der Foreign Intelligence Surveillance Act (Geheimdienst-Überwachungsverordnung für das Ausland) von 1978 gibt rechtliche Prozeduren für physische und elektronische Überwachung und die Sammlung von Kommunikationsdaten zwischen ausländischen Einrichtungen und ihren Agenten in den USA vor. Es ermöglicht auch die Überwachung von amerikanischen Staatsbürgern und Personen, die ihren permanenten Wohnsitz in den USA haben, sofern diese der Spionage oder des Terrorismus verdächtig sind. Während die Verordnung gedacht war, um Daten von Einzelpersonen zu sammeln, rechtfertigt die NSA damit ihre Macht, massenweise Daten zu sammeln und zu analysieren.

Ein paar Bundesgesetze wurden nach Snowdens Enthüllungen geändert – in manchen Fällen wurden sogar rückwirkend Praktiken, die illegal gewesen wären, legalisiert. Die NSA selbst veränderte ihre Programme aufgrund des Aufschreis gegen sie, der nicht nur durch die Öffentlichkeit, sondern auch durch den Kongress ging. Als Resultat von Snowdens Enthüllungen hat die NSA aufgehört, massenweise Daten aus Telefongesprächen zu sammeln. Weiterhin haben sie die Überwachung ihrer ausländischen Verbündeten eingeschränkt. Die NSA bot dem Kongress auch eine erhöhte Transparenz bezüglich einiger ihrer Aktivitäten an und reduzierte die Speicherdauer der Informationen.

Der internationale Kontext

‚Snowden‘ gibt Details der Kooperation der NSA mit anderen Geheimdiensten preis und erzählt von der Überwachung ausländischer Staatsoberhäupter, wie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. In Wirklichkeit ist es so, dass jedes Land geheime Informationen über andere Länder herauszufinden versucht, um am internationalen diplomatischen Parkett einen Vorteil zu haben – sowohl mit Freunden als auch mit Feinden.

Snowdens Enthüllungen werden es dem US-Geheimdienst, nicht aber den Geheimdiensten anderer Länder erschweren, diese Art von diplomatischer Überwachung weiter durchzuführen. Die Aufmerksamkeit der Welt auf die US-amerikanischen Spionagetätigkeiten hat auch der Überwachung in weniger demokratischen Ländern wie China und Russland Tür und Tor geöffnet.

Gibt es überhaupt noch echte Privatsphäre?

Die Auswirkungen der publik gemachten Information war enorm – sowohl für die US-Regierung als auch für Snowdens Privatleben. Seit der Enthüllungen kam er in Russland unter – aber nur mit einer temporären Aufenthaltsbewilligung. Sein amerikanischer Pass wurde ihm entzogen. Er kann sich weder frei bewegen noch einfach kommunizieren, aus Angst, dass die Geheimagenten der US-Regierung ihn inhaftieren könnten – oder sogar Schlimmeres.

Der Film zeigt nicht viel über sein Leben in Russland. Eine Entscheidung dagegen, um nochmals die Message des Films zu bestärken, dass es keine Privatsphäre mehr gibt. Denn würde es mehr darüber preisgeben, wie Snowden heutzutage kommuniziert, könnte dies wertvolle Information liefern, die es Amerikanern – und anderen weltweit – ermöglichen könnte, verschlüsselte Software zu nutzen, um der Überwachung durch die Regierung zu umgehen.

Was der Film jedoch über sichere Kommunikation aussagt, ist ein guter Anfang. Wenig überraschend spricht sich Snowden dafür aus, Software zu verwenden, die das Verfolgen von Nutzeraktivitäten wie Internetsuche, Einkäufe und Kommunikation verhindern. Er empfiehlt auch das Tor-Netzwerk, das Daten anonymisiert, indem es sie durch eine ganze Reihe von verschlüsselten Computern schickt. Er schlägt anderen Whistleblowern vor, Tools wie SecureDrop zu verwenden, um anonym mit Journalisten kommunizieren zu können.

Der Snowden-Film zeigt den langen Arm des Gesetzes, der Daten über seine Bürger sammeln und den Kampf eines desillusionierten Bürgers gegen genau diese Praxis der unbeschränkten und unbemerkten Macht, die die Regierung besitzt. Er zeigt die Komplexität der Welt der Geheimdienste und die Herausforderung an die Datensammlung in einer vom Internet dominierten Welt auf. Außerdem stellt es die Herausforderungen im persönlichen Leben eines ambitionierten Individuums, das seinen Überzeugungen, die soziale Gerechtigkeit herauszufordern, folgte.

Ob er ein Patriot oder ein Geächteter ist, liegt wohl im Auge des Betrachters – aber er hat auf jeden Fall wichtige Diskussionen über Privatsphäre und Internetsicherheit für den Normalbürger, sowie über die freie Meinungsäußerung und die Macht, die Regierungen hinsichtlich der Überwachung ihrer Bürger hat, in Gang gebracht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „überwachung“ by staffordgreen0 (CC0 Public Domain)


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Der Boston Globe hat eine Wahl-App, die Sie an Ihr Smartphone fesseln wird

Donald Trump in Reno, Nevada (adapted) (Image by Darron Birgenheier [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Während ich in der letzten Nacht auf die Ergebnisse des Iowa-Ausschusses gewartet habe, erwischte ich mich dabei, wie ich immer wieder Seiten mit dem Finger herunterzog, um sie erneut zu laden. Gott möge mir verzeihen, dass ich nur wenige Minuten warte, um zu sehen, ob Trump einen kleinen Vorsprung vor Cruz haben sollte.

Dann sah ich folgenden Tweet:

Die als Desktop- und Mobilversion verfügbare Anwendung bot mir genau das, was ich brauchte. Sie war schnell, sauber, benötigte keine manuelle Aktualisierung und ich war nicht die einzige, der sie gefiel.

Das AP-Daten einbeziehende Projekt wurde von Michael Workman, dem Leiter der Abteilung für digitales Design beim Boston Globe, geleitet. Ihm zur Seite stand ein Team bestehend aus dem Softwareentwickler John Flaherty, dem Nachrichtenentwickler Gabriel Florit und der Designerin Elaina Natario. Workman berichtete mir: “Die Leute  konnten sich gar nicht von ihr [der App] losreißen.” Die App basierte auf einem ähnlichen Projekt des Boston Globe aus dem Jahr 2014, das zu den Gouverneurswahlen entwickelt wurde. “Wir haben im Prinzip von Grund auf alles überarbeitet.” ergänzte Workman. “Eines der Dinge, die wir erfolgreich verbessern konnten, war, die Aktualisierungszeit von 60 Sekunden aus dem Jahr 2014 auf 15 Sekunden zu verringern. Das hat den Einsatz in jedem Fall verbessert.”

Die Seiten mit den Ergebnissen der Republikaner und Demokraten waren die am häufigsten angesehenen an diesem Tag auf BostonGlobe.com.

Das Social-Media-Team des Globe nutzte Screenshots der App, um sie zu bewerben:

Die zu der App führenden Tweets des Globes führten zu einem Zehnfachen der Klicks, die sonstige Tweets bringen. “Das zeigt, dass die Richtung, die wir einschlagen, anscheinend die Richtige ist,” sagte Matt Karolian, der Leiter der Social-Media-Abteilung. Und er ergänzt: “Aufgrund des Erfolges auf Twitter werden wir zusätzliche Werbemaßnahmen auf Facebook durchführen.” Dies sollte vor den Vorwahlen in New Hampshire am 9. Februar stattfinden.

Workman fügte außerdem hinzu: “Wir werden die Anwendung auf die verbleibenden Vorwahlen und später natürlich auf die allgemeinen Wahlen ausweiten. Wir wollen sicherstellen, dass wir einen guten und robusten Rahmen schaffen, der uns alle bis in den November hinein tragen wird.”

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Donald Trump in Reno, Nevada“ by Darron Birgenheier (CC BY-SA 2.0)


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Ein Jahr nach Charlie Hebdo: Frankreich sucht Antworten

Hommage et soutien de la Demeure du Chaos à Charlie Hebdo #jesuischarlie _DDC1879 (adapted) (Image by thierry ehrmann [CC BY 2.0] via flickr)

Ein Jahr sind die Anschläge auf das Satiremagazin Charlie Hebdo nun her und noch immer sucht Frankreich nach aufklärenden Antworten. Frankreich hat im vergangenen Jahr eine stürmische Zeit durchgemacht, seit die beiden Brüder das Feuer in den Büroräumen des Satiremagazins Charlie Hebdo eröffneten und elf Menschen töteten, bevor sie weitere fünf Menschen in Paris ermordeten. Nur zehn Monate später zeigten die Anschläge vom 13. November, dass die Terrorismusgefahr nicht zurückgegangen war.

Nur Wochen nach dem zweiten großen Anschlag erweckte der Vormarsch der extremen Rechten in den Regionalwahlen den Anschein, dass ein erheblicher Teil der Wählerschaft nach all dem, was sie im Jahre 2015 gesehen hatte, Flucht in der Sprache, der Angst und der Rache suchte. Diese wachsenden Ängste spiegelten sich auch auf der höchsten Ebene des politischen Systems wieder.

Die französische Führung agierte vorsichtig in ihrer Antwort auf den Anschlag auf Charlie Hebdo. Damals war in der Folge der Blick auf die Meinungsfreiheit und das lang bestehende Problem der sozialen Exklusion gerichtet. Die gleiche Vorsicht wurde bei den Novemberanschlägen nicht berücksichtigt. Präsident François Hollande setzte sofort den Notstand in Kraft, der zu willkürlichen Festnahmen und heftigen Antiterroraktivitäten führte. Er billigte sogar eine militärische Reaktion im Nahen Osten, die mehr an Amerikas Krieg gegen den Terror als an den Geist des 11. Januars erinnerte.

Im Januar 2015 rief der Premier Manuel Valls zu einem Ende von Frankreichs “sozialer Apartheid” auf. Im November fielen Bomben auf Syrien. Der Kontrast hätte nicht größer sein können.

Verblüfft

Und dennoch, trotz der heftigen Antwort auf die Novemberanschläge, war es die Unfähigkeit Lösungen zu finden, die die letzten zwölf Monate in Frankreich charakterisierten.

Seit dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar ist Nicolas Sarkozy, dem Vorsitzenden der Mitte-Rechts Partei, nichts besseres eingefallen als für eine Umbenennung seiner Partei in “Les Républicains” zu plädieren. Nichts davon hatte einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Partei oder deren Ideen.

Währenddessen wurde die sozialistische Partei immer mehr zwischen denjenigen, die die toleranten, “republikanischen” Werte der französischen Linken vertraten und denjenigen, die eine deutlichere Antwort auf die Bedrohung durch den Terror haben wollten, hin- und hergerissen.

Nur die extreme Rechte blieb ihrer Forderung treu: Dass ein dekadentes Frankreich Ausländer ausweisen, aus dem Euro austreten und seine Grenzen selbst sichern muss.

Die verzweifelte Unfähigkeit der Parteien der Mitte, eine positive Plattform für Veränderungen zu formulieren, wurde nicht zum ersten Mal in den letzten Jahren damit offengelegt. Dabei ist es bedrückend, dass heute noch die gleichen Fragen wie vor zehn Jahren gestellt werden.

Wie kann Frankreich seine mächtige Verankerung in der Sprache der Einheit der Republik behalten und gleichzeitig die Realität des Multikulturalismus anerkennen? Wie sieht die heutige Rolle Frankreichs in der Welt aus, jetzt, wo sie ohne Kolonialreich sind und nichts weiter als eine nur noch zweitrangige Regionalmacht? Wie kann sich das politische System Frankreichs selbst reformieren, um repräsentativer und weniger korrupt zu sein?

Es wäre falsch zu sagen, dass es keinen Fortschritt bei diesen Problemen gab. Detaillierte statistische Untersuchungen haben gezeigt, dass Frankreich in den letzten zehn Jahren immer offener für Multikulturalismus wurde. Zudem ist Frankreich ein wichtiger Akteur in Europa und hat die alte Gewohnheit, stets unilateral zu agieren, aufgegeben.

Jedoch ist der Symbolismus wichtig und hierbei sind die Ergebnisse weniger erbaulich. Die soziale Exklusion und die Arbeitslosigkeit sind noch immer Teil der heimischen Probleme. Die Ideen, die zentral in der republikanischen Tradition verankert sind, wie beispielsweise “laïcité” (Säkularismus), sind von der extremen Rechten bis zur Unkenntlichkeit pervertiert worden, um Muslime zu stigmatisieren. Dabei helfen auch neokoloniale Eskapaden in Libyen, Mali oder nun Syrien nicht weiter.

Eine Tendenz nach rechts

Der Mangel an Fortschritt bei diesen Problemen befeuert eine Tendenz nach rechts, da die französische Politik nun von den Problemfeldern der Sicherheit und Migration dominiert wird. Nicht überraschend hatte dies die extreme Rechte genutzt. Die Parteivorsitzende Marine Le Pen konnte sich vielleicht bei ihrer Bewerbung um das Präsidentenamt einer französischen Region in den Regionalwahlen nicht durchsetzen, ihre Partei konnte sich aber 27,73 Prozent der Stimmen der gesamten Wählerschaft sichern und sie sich durch dieses gute Ergebnis eine entsprechende Medienberichterstattung versprechen.

Aber die Veränderung ist sichtbar, auch in anderen Bereichen. Vor kurzem floss diese Veränderung in die etwas heikle Debatte um die “déchéance de nationalité” ein – ein Vorschlag, um Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft die französische Staatsbürgerschaft zu entziehen, falls sie terroristische Akte begehen.

Dies war seit langem ein charakteristischer Grundsatz der extremen Rechten, welcher jedoch von Mitte-Links Sozialisten immer zurückgewiesen wurde, da es in deren Augen das fundamentale Recht auf Bürgerschaft durch Geburt verletzt.

Die Tatsache, dass nun ein sozialistischer Präsident “déchéance de nationalité” unterstützt, ist sowohl bittere Ironie als auch ein Zeichen wie weit sich der politische Diskurs bei Problemen, die zu den Grundthemen der extremen Rechten gehören, angenähert hat.

Wie schon im Jahr 2002, als Jean-Marie Le Pen die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen erreichte und auch wie im Jahr 2005, als Frankreich durch Krawalle aufgewühlt wurde, so erschütterte das Jahr 2015 die französische Politik in ihren Grundfesten. Wir werden wahrscheinlich eine Neuordnung der politischen Landschaft im kommenden Jahr sehen – und potentiell einen neuen Präsidenten im Jahr 2017 – aber nur wenige fundamentale Probleme der früheren Jahre werden angesprochen werden.

Die Vermittlung von echter Sorge nach den Novemberanschlägen und der riesigen Zunahme bei der Wahlbeteiligung in der zweiten Runde der Regionalwahlen, waren beide Erinnerungen, dass die Franzosen eine Krise erkennen, wenn sie vor ihnen steht. Ihnen muss nicht gesagt werden, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Aber sie brauchen dringend Führung und neue Ideen – und es gibt leider nur unglaublich wenige Hinweise, dass sie eines der beiden Dinge bekommen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Je suis Charlie” by thierry ehrmann (CC BY 2.0)


 

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Auf allen Kanälen: Obamas letzte Rede zur Lage der Nation

Barack_Obama (Teaser by Gage (CC0 Public Domains), via Wikimedia Commons)

Unter Obama ist die “State of the Union”-Rede, die der US-Präsident einmal im Jahr hält, zu einer Leistungsschau digitaler Regierungskommunikation avanciert. Aus der Perspektive der Online-Kommunikation hat das Weiße Haus während Obamas Präsidentschaft viele Kanäle der sozialen Medien, die eine relevante Reichweite aufweisen, mit eigenen Inhalten bespielt sowie mit neuen Formaten experimentiert. In diesem Jahr waren beim Medienereignis #SOTU (State of the Union) vor allem folgende Innovationen zu verzeichnen: Kooperationen mit Amazons Video-Streaming-Dienst und mit Genius.com, wo Texte kommentiert werden können, sowie eine Präsenz beim Messenger Snapchat. Und auf die Rede folgen dann diverse Dialogangebote, um mit den Bürgern online ins Gespräch zu kommen.

Im letzten Jahr hatte die Obama-Administration noch den Unmut traditioneller Gatekeeper auf sich gezogen, weil der Text der Ansprache vorab vom Weißen Haus auf der Publikations-Plattform Medium.com veröffentlicht wurde: Ein Privileg, das bis dahin nur ausgewählten Journalisten etablierter Massenmedien zu Teil wurde. In diesem Jahr gehört es nun schon zum Standard, dass Interessierte das Manuskript dort in Echtzeit mitlesen, die prägnante Sätze markieren und diese via Twitter teilen können.

Dass “The People Formerly Known as the Audience” (Jay Rosen) Inhalte eben nicht nur passiv rezipieren wollen, sondern den Anspruch haben, sich darüber in den sozialen Medien auszutauschen, reflektiert Jason Goldman, der Chief Digital Officer des Weißen Hauses. Ebenfalls bei Medium hat er die diesjährige Agenda seines Stabes unter dem Titel “Meeting People Where They Are” so umrissen:

The American people will see a multi-platform streaming and social broadcast of the State of the Union that reflects the ways people experience live events in 2016. We’ll be reaching people where they are – and making it possible for them to engage, respond, and share the President’s speech themselves in new and different ways.

Mit diesem Anspruch wären die Verantwortlichen vom “White House Office of Digital Strategy” auch gut für die Inszenierung anderer Medienereignisse gerüstet, die als nächstes in den USA anstehen, also Super Bowl und Oscarverleihung.

Obamas Abschieds-Show: enhanced, on demand und behind the scenes

Das Herzstück der #SOTU-Online-Kommunikation ist schon seit 2011 ein „enhanced Live Stream“, bei dem die Übertragung der Rede im Split-Screen-Modus mit Animationen, Fotos, Grafiken und Texten angereichert wird. Dieser wurde bislang auf der Website des Weißen Hauses und in dessen YouTube-Kanal ausgestrahlt. Hinzu kommt in diesem Jahr Amazons Video-Streaming-Dienst, wo die Rede ebenso wie die anderen SOTU-Ansprachen aus Obamas Amtszeit dann auch on demand verfügbar bleibt. Polit-Junkies, die von House of Cards genug haben, können sie also bingewatchen.

Um echten Fans am Abend die Zeit bis zur Übertragung der Rede zu vertreiben, wurde dann vom und im Weißen Haus noch die “1 More Years! State of the Union Pre-Show” produziert und live gestreamt. Moderiert von Terrence Jenkins übernahm Vize-Präsident Joe Biden das Warm-Up und es gab musikalische Einlagen von Wale und EL VY.

Desweiteren hat sich das Weiße Haus nun ein Profil bei Snapchat zugelegt und publiziert dort kurze Filmchen. Die offizielle Begründung unter der Überschrift “We’re on Snapchat: Add WhiteHouse” lautet: “There are over 100 million daily active Snapchat users, and over 60 percent of American smartphone users between the ages of 13 and 34 use the platform.” Und für diese Zielgruppe gibt es dann, wie bei anderen Events inzwischen üblich, jede Menge “behind the scenes”-Material.

Multimediales Mitmachen

Einen Blick hinter die Kulissen der von Obama gehaltenen Reden zur Lage der Nation lieferte im Vorfeld schon eine andere Innovation: Die Manuskripte wurden nämlich mittels der Anwendung Genius.com multimedial kommentiert. Da geben beispielsweise Anmerkungen von Mitarbeitern des Weißen Hauses persönliche Eindrücke wieder. Andere Einträge betreiben einen interessengeleiteten Faktencheck, ob beispielsweise formulierte Ziele erreicht wurden. Insofern können bei Genius registrierte Nutzer auch Anmerkungen machen, über deren Veröffentlichung aber das Weiße Haus entscheidet.

Am Tag nach #SOTU soll es dann auch Antworten auf Beiträge der Bürger geben: Über 50 Offizielle reagieren nach einem ausgeklügelten Schema in den sozialen Medien auf Kommentare zu zentralen Themen, darunter die First Lady und der Vize-Präsident. Und am Freitag nach der Rede folgt dann wie im letzten Jahr noch ein Live-Interview mit drei YouTube-Stars. Am Start sind in diesem Jahr Destin Sandlin (Smarter Every Day), Ingrid Nilsen, eine Beauty-Vloggerin und Gamer und Youtubestar Adande Thorn. Diese Akteure fungieren einerseits als Filter für Fragen, die via #YouTubeAsksObama erhoben wurden, andererseits als zielgruppenspezifische Multiplikatoren: Zusammen haben ihre Kanäle über zwölf Millionen Abonnenten, während das Weiße Haus zum Staffelfinale von Obamas “State of the Union” bei weniger als 650.000 Abos lag.

Teaser & Image “Obama Rede” (adapted) by Chuck Kennedy/The White House (CC0 Public Domain)


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Hat das Netz gewusst, wer US-Präsident wird?

Obama wurde wieder gewählt. Wie stark konnte das Web in der Wahl als Indikator herangezogen werden?

2008 war er der große Held: Barack Obama. Der erste schwarze US-Präsident und der erste US-Präsident, der das Internet für den Wahlkampf nutzte. Seinem republikanischem Herausforderer damals, John McCain, blieb nichts anderes übrig, als eine haushohe Niederlage zu verzeichnen. Heute ist Barack Obama, der netzaffine Präsident, zu seiner zweiten Amtszeit wiedergewählt worden. Diesmal allerdings mit größerer Konkurrenz – auch im Netz.

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CommonCraft Show: Electing a US-President in plain English

Und weiter geht es beim aktuellen Themenspecial der Blogpiloten. Wir beschäftigen uns mit der Wahl zum nächsten „Most-powerful-Präsidenten-in-the-World“ und geben euch hier schon einen ersten Überblick über die Websites der beiden Kontrahenten und werfen hier einen genaueren Blick auf die Clip-Fights bei YouTube und Co.

Heute gibt es ein besonderes Schmankerl, denn die genialen Macher der Commoncraft-Show haben ein ebenso geniales Erklär-Video gemacht, in dem erläutert wird, wie die Wahl in das US-Präsidentenamt eigentlich funktionert. Das Video gibt’s nach dem Klick. Weiterlesen »

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