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COWORK 2019: Momentum der Coworking-Szene

Das Bundesarbeitsministerium werkelt an einem Gesetz für Home Office und will eigentlich, dass Menschen sich aussuchen können, wann sie von wo ihrer Arbeit nachgehen. Traditionsunternehmen wie Otto und Siemens bauen ihren Mitarbeitern Arbeitsräume, in denen sie ohne feste Sitzordnung abteilungsübergreifend miteinander arbeiten und wollen damit Kollaboration und Agilität im Unternehmen verankern. Bürocenter wie WeWork, Rent24 und Design Offices stellen Kickertische und bunte Sofas vor die gläsernen Bürokästen und nennen dies Community und Zukunft der Arbeit. Im Fazit ist alles gut gewollt, aber dann nur schlecht gekonnt.

Wer das alles gut und vor allem aus vorgelebter Überzeugung kann, sind die Menschen in den Coworking Spaces. Am vergangenen Samstag trafen sich mehr als 150 von ihnen in Mannheim zur jährlich stattfindenden COWORK, einer Konferenz mit Barcamp zu den Themen Coworking und Neue Arbeit. Im Jahr 2015 war ich das erste Mal als Gast mit dabei, seit 2016 bin ich als Mitorganisator der Veranstaltung ehrenamtlich engagiert. Die deutschsprachige Coworking-Szene ist an sich noch sehr klein und auch jung, aber bereits hervorragend vernetzt. Jedes Jahr wächst die Gästeliste der COWORK und auch die Anzahl internationaler Gäste steigt stetig.

Es geht nicht bloß um die Büros.

In diesem Jahr überraschten mich aber zwei Sachen ganz besonders. Erstens, gefühlt die Hälfte der auf dem Barcamp angebotenen Sessions handelten von Coworking im ländlichen Raum. Jedes Mal, wenn wieder jemand eine Session rund um die Themen Rural Coworking, Workation, Arbeitsplätze für Pendler*innen oder Team Offsites vorschlug, applaudierte die Menge. Selbst die Politik hat in Bemühungen um gleiche Lebensverhältnisse, das Thema schon auf dem Schirm und scheint ein Faible für die gemeinsamen Arbeitsräume zu entwickeln. Zweitens, viele Themen des Barcamps drehen sich um die Professionalisierung von Coworking Spaces und neue Geschäftsgebiete.

Veranstaltungsort der COWORK 2019 war das Kreativwirtschaftszentrum C-HUB (Bild: Daniel Lukac für Startup Mannheim)

Coworking ist in aller Munde. Das war es schon länger, aber leider viel zu oft als reines Buzzword im Marketing. Inzwischen scheint aber verstanden worden zu sein, dass es bei Coworking Spaces um mehr als nur Büros mit WLAN, Tischen und Stühlen geht. Vor allem die Werte der Bewegung – Offenheit, Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit – sind prägende Elemente, mit denen sich Coworking Spaces von den bisherigen Büroanbietern unterscheiden können. Dazu können Themen kommen, wie einen Ort für Freelancer zu schaffen, Coworking für Frauen oder eben Coworking auf dem Land. Das Warum ist relevant.

Die Coworking-Szene lebt Neue Arbeit vor.

Damit zeigt die Coworking-Szene, dass sie selbst nicht nur ein Ort für Neue Arbeit ist, sondern selber die Ideen von Frithjof Bergmann momentan am besten vorlebt. In nahezu allen Punkt der aktuellen Debatten um die neue Arbeitswelt, haben Coworking Spaces im Kleinen bereits Antworten entwickelt und geliefert. Kein Wunder, dass uns der Stand der Diskussionen um New Work, Flexibilität, Selbstorganisation, Netzwerke, Innovation, Communities und Freiheit in der deutschen Wirtschaft eher verwundert, da sie so rückständig wirken. Die Szene hat ein Momentum, in dem sie die Entwicklung der neuen Arbeitswelt nachhaltig prägen kann.

Wir haben das schon einmal getan, wie Markus Albers in seiner Keynote auf der COWORK 2019 zeigte. Coworking, vor allem dessen Prinzipien, sind Teil der neuen Arbeitswelt. Bisher wurde jedoch nur alles Haptische kopiert. Wie jedoch wir als Coworking-Szene Communities betrachten, entwickeln und pflegen, wird in Zukunft noch relevanter werden. Diese Perspektive zeigte Anja C. Wagner in der zweiten Keynote des Eröffnungstages auf. Wir sollten wieder voranschreiten und in unseren Coworking Spaces eine Realität schaffen, die in den Unternehmen wie eine Utopie erscheint. Dadurch überzeugen wir am Ende die Menschen von der Kultur des gemeinsamen Arbeitens.

Coworking ist eine Kultur des Miteinanders.

Für mich bleibt eine wichtige Erkenntnis der diesjährigen Veranstaltung, dass unser Produkt nicht der Arbeitsplatz, sondern unsere Kultur ist. Coworking ist eine Kultur und kein Profitcenter der Immobilienwirtschaft. Diese Kultur ist unglaublich facettenreich. Die Räume sind dabei ein Instrument, dass uns hilft, etwas nach unseren Werten zu gestalten. Niemand betreibt einen Coworking Space des Arbeitens wegen. Wir wollen eine Umgebung schaffen, in der Menschen nicht alleine sind, in der Nischengruppen sich entfalten oder gesellschaftliche Minderheiten sich frei bewegen können. Wir wollen mit Hilfe von Coworking die Welt verbessern.


Graphic: Max Bachmeier

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Netzpiloten @Cowork2019

Die Cowork der German Coworking Federation zählt zu den wichtigen Veranstaltungen im Bereich Coworking und Neue Arbeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vom 22. bis zum 24. März findet die Konferenz in Mannheim statt. In verschiedenen Formaten (viele im Barcamp-Stil) dreht sich ein Wochenende lang alles um Coworking, flexibles Arbeiten, Neue Arbeit, sowie innovative Lern- und Arbeitsformen. Wir Netzpiloten sind gerne wieder als Medienpartner mit dabei und gespannt auf tiefere Einblicke in das wichtige Gegenwarts-und Zukunftsthema.  

Welche Speaker werden da sein?

Zu den Rednern und Mentoren gehören unter anderem Netzpiloten Editor-at-Large und Coworking-Experte Tobias Kremkau. Er ist Head of Coworking des St. Oberholz in Berlin und Gründer des Instituts für Neue Arbeit (IfNA). Spannend wird es sicherlich auch mit Dr. Anja C. Wagner, Consultant und Public Speaker (FrolleinFlow). Sie beschäftigt sich mit User Experience, Bildungspolitik, Arbeitsorganisation und gesellschaftlichen Themen im Hinblick auf die Digitalisierung. Ein weiterer herausragender Redner ist Markus Albers, Buchautor und Media Expert (Rethink GmbH).  

Welche Themen und Formate erwarten dich?

  • Best Practice Coworking Space
  • Barcamp Sessions
  • Vorträge und Diskussionsrunden
  • Konferenzen
  • Offene Workshops
  • Open-Space-Methode

Und sonst noch?

 Tickets für das Wochenende gibt es hier. Außerdem habt ihr die Möglichkeit euch schon vorher auf der Facebook Eventseite zu vernetzen. Viel Spaß in Mannheim!

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#NWX19: Neue Arbeit als Unterhaltung

Vorbemerkung: Falls mein Text als eine Kritik an der New Work Experience 2019 verstanden wird, möchte ich zu bedenken geben, dass es mehr als 30 Stunden Programm auf sieben Bühnen mit über 40 Speakern gab. Dies wäre auch nicht meine Absicht gewesen. Dieser Text legt deshalb einen Fokus auf meine Gedanken zu den beiden Keynotes der Veranstaltung, die nahezu alle Teilnehmer vor Ort besucht haben.

Ich möchte nicht despektierlich klingen, aber auf einer Veranstaltung wie der New Work Experience (NWX) von der Xing SE, die sich womöglich bald in New Work SE umbenennen wird, fühle ich mich immer etwas fremd am Platz. Die meisten der Gäste sind wesentlich älter als ich, haben oft schon beachtliche Karrieren in großen Unternehmen hinter sich, besitzen teurere Uhren und weißere Turnschuhe, aber dafür ältere Smartphones als ich. Vor allem sind sie durch solche Veranstaltungen auch viel mehr zu begeistern als ich.

Mir fällt es sehr schwer, dieses Publikum richtig einzuschätzen. Der Enthusiasmus wirkt ehrlich. Frank Schabel von Hays wird gerne mit dem Satz zitiert, dass wer vom Wandel profitieren will, ihn begrüßen muss. Ich muss sagen, dass ich diese Grundeinstellung nahezu bei jedem Gast auf der New Work Experience gespürt habe. Und doch nehme ich einen Unterschied zu mir wahr. Man begrüßt das Unbekannte, nicht aber das Vertraute. Dies akzeptiert man, nimmt es als gegeben an und sieht darin nichts Neues mehr.

Laloux: Es gibt zwei Sorten von Neue Arbeit

So ging es mir auch mit der zweiten Keynote. Der Vortrag des belgischen Organisationsforschers Frederic Laloux, einer der beiden männlichen Keynote-Speaker, bekam euphorischen Applaus. Wer sich mit dem Wandel der Arbeitswelt beschäftigt, steht auf Laloux. Obwohl er nur wieder das von ihm bekannt gemachte Beispiel des niederländischen Pflegedienstes Buurtzorg vorstellte. Lalouxs Buch „Reinventing Organizations“ (Provisionslink) aus dem Jahr 2014 schien dem Publikum vollkommen unbekannt zu sein.

Interessant war die These von Laloux, dass es zwei Sorten von Neue Arbeit gibt: Neue Arbeit als Werkzeugskiste mit lauter kleinen, tollen Formaten, die man einzeln im Unternehmen einsetzt, und Neue Arbeit als eine ganz neue Weltanschauung und damit auch einer ganz anderen Art zu Denken. Diese Trennung erscheint mir sinnvoll. Sie erklärt, wie deutsche Traditionsunternehmen sich als Verfechter von Neue Arbeit darstellen können und trotzdem ihren eigenen Mitarbeitern nahezu keine Handlungsmacht abgeben.

Frederic Laloux spricht auf der New Work Experience 2019 (Image: Tobias Kremkau)

Arbeit ist aber ein Gestaltungsakt, erklärt der Neurobiologe Gerald Hüther, der vor Laloux die erste Keynote hält. Ob und wie Menschen ihre Arbeit gestalten können, ist deshalb entscheidend. Der Aspekt der Handlungsfreiheit, statt nur eine Wahlfreiheit zu besitzen, ist der Kern der Ideen von Neue Arbeit, wie Frithjof Bergmann sie einst in seinem Buch „Neue Arbeit, neue Kultur“ (Provisionslink) beschrieb. Das bringt mich zur Frage, ob sich nach einer Veranstaltung wie der New Work Experience wirklich etwas in den Unternehmen ändert.

Es gibt durchaus auch schon Wandel in den Unternehmen, dies möchte ich gar nicht bezweifeln. Doch der Einsatz einzelner Formate, wie beispielsweise der Besuch der New Work Experience, und wirklich Neue Arbeit zu ermöglichen, sind ja sogar nach Laloux zwei verschiedene Dinge. Der Graben zwischen meiner Realität von Neue Arbeit und der in den die Veranstaltung besuchenden Unternehmen, ist riesig. Dort wird sich schon für eine Duz-Kultur gefeiert. Ein oft genannter „Beleg“ für angewendete Neue Arbeit.

Warum Neue Arbeit – oder warum nicht?

Laloux bringt in seiner Keynote eine Anekdote über die Vorstandschefs der Unternehmen, die ihn um Rat fragen, in der ein wesentlicher Aspekt für Wandel enthalten ist: der Grund. Laloux fragt seine Kunden zu Beginn, warum sie Neue Arbeit implementieren wollen. Eine Kultur kann man einem Unternehmen nicht aufzwingen, sie muss aus einem Grund heraus selbst entstehen. Ich glaube, sie muss auch von Mitarbeitern gefordert werden und nicht von oben verordnet. Die Antwort auf das Warum ist deshalb essentiell.

Hier zeigt sich ein Problem von Unternehmen mit der Idee von Neue Arbeit. Sie ist individuell wahrnehmbar und wird unterschiedlich interpretiert. Es gibt keine anzuwendende Blaupause, wie Neue Arbeit geht. Es kann das Arbeiten in offenen Bereichen sein, aber auch das Home Office oder flexible Arbeitszeit. Der Cubicle gehört genauso dazu wie die Schichtarbeit. Das Wie ergibt sich erst, wenn man das Warum verstanden hat. Das Warum ist eine ein Unternehmen erst in Bewegung setzende Kraft.

Dies sollte Unternehmen eigentlich ganz leichtfallen. Sie sind es gewöhnt, Lösungen und Produkte für die Bedürfnisse von Kunden zu entwickeln. Die Kunden sind im Falle der Unternehmenskultur die eigenen Mitarbeiter. Doch so wie der Kunde als König angesehen wird, müssen es auch die Mitarbeiter. Dies bedeutet aber, Macht abzugeben und Veränderungen zuzulassen. Statt einem Laloux oder Hüther auf der New Wow Experience zuzuhören, sollte man seinen Mitarbeitern zuhören, was sie wirklich, wirklich wollen.


Image by Tobias Kremkau

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#SMWHH: Neue Arbeit und ihre Helden

Können Sie sich noch an den Wortlaut der Märchen Ihrer Kindheit erinnern? Oder derer, die Sie vielleicht Ihren eigenen Kindern vorgelesen haben? Vermutlich nicht, jedoch können wir alle noch die Moral dieser Geschichten wiedergeben. Die Narrative hinter den Märchen haben eine langfristige Wirkung und helfen uns, eine eigene Sicht auf die Welt zu entwickeln. Deshalb vergessen wir sie, einmal verinnerlicht, zeitlebens auch nicht mehr.

Diesen Ansatz wählten die beiden Autorinnen Christiane Brandes-Visbeck und Susanne Thielecke, als sie sich dem Thema New Work zuwendeten. Anstatt erklärende Thesen und abgrenzende Definitionen aufzustellen, die dann doch ignoriert werden, haben sie für ihr Buch „Fit für New Work: Wie man in der neuen Arbeitswelt erfolgreich besteht“ (Provisionslink), die Geschichten von Menschen, die Neue Arbeit vorleben, erzählt. Unter anderem auch meine.

Deshalb war ich am Donnerstag der diesjährigen Hamburger Social Media Week auch einer von fünf geladenen Gästen, die die beiden für ihr Buch interviewten und nun auf der Bühne des Altonaer Theaters zum Gespräch baten. Neben mir saßen noch Nico Lumma, Stephan Grabmeier von Kienbaum, Ministry-Agenturchef Andreas Ollmann und WorkGenius-Gründer Daniel Barke mit auf dem Podium.

Digital Heroes (v. l. n. r.): Stephan Grabmeier, Nico Lumma, Andreas Ollmann, Tobias Kremkau, Daniel Barke, Susanne Thielecke und Christiane Brandes-Visbeck, Hamburg 2019

Warum all diese Herren, und ich, für dieses Buch interviewt wurden, wie auch die Karriereberaterin Svenja Hofert und Strategieberaterin Kerstin Hoffmann, erfahren Sie am besten durch Lektüre des oben erwähnten Buches. Darum soll es hier jetzt nicht gehen. Vielmehr möchte ich die wenigen Wissenshappen, die wir fünf redseligen Gäste in diesem 50-minütigen Gespräch wiedergeben konnten, einmal Revue passieren lassen.

Gelebte Expertise zu Neue Arbeit

Andreas Ollmann und Stephan Grabmeier betonten, aus verschiedenen Blickwinkeln, dass das Warum klar sein muss. Sowohl Mitarbeiter, wie auch das Unternehmen, müssen wissen, welchen Sinn die Arbeit hat. Da es bei Neue Arbeit darum geht, dass zu machen, was man wirklich möchte, muss man auch einen Arbeitgeber finden, der die gleichen Werte wie man selbst hat. Ansonsten fühlt sich Arbeit wie Verschwendung von Lebenszeit an.

Was man wirklich machen möchte, kann verschieden sein und ändert sich womöglich auch. Durch Neue Arbeit und der steten Sinnsuche, sollten sich Unternehmen auch viel mehr auf Quereinsteiger*innen einlassen. Daniel Barke setzt da mit seiner Plattform WorkGenius an und bringt qualifizierte Arbeitnehmer*innen mit Unternehmen zusammen. Ein Versuch, bessere Modelle für freie Arbeit zu schaffen – dabei selbstbestimmt und fair.

Dies wird Grundlage einer von Neue Arbeit geprägten Wirtschaft, ob bewusst nach der Philosophie von Frithjof Bergmann ausgerichtet oder aus einem inneren Antrieb heraus, mit einer Brise Lebenserfahrung. Nico Lumma, Managing Partner beim next media accelerator, berichtete aus dem Arbeitsalltag mit Startups. Auch junge Gründer*innen brauchen noch Tipps, beispielsweise Sonnenstunden in Hamburg zu nutzen statt nur zu arbeiten.

Neue Arbeit ist, was man selbst will

Am Ende des Podiumsgespräch kann ich für mich festhalten, dass wir nicht versucht haben, zu definieren, was Neue Arbeit ist. Ein jeder von uns hat einen anderen Blickwinkel auf dem Podium vertreten und wir alle haben aus unseren sehr persönlichen Erfahrungen heraus argumentiert. Neue Arbeit hat nichts mit Tischen aus Europaletten oder Kickertischen zu tun, sondern Menschen, die selber entscheiden dürfen, wie sie arbeiten wollen.


Image by Tobias Kremkau

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All doors in Flight @NWX19, Lisa Nölting?

Am 7. März geht in Hamburgs wieder die New Work Experience (NWX) an den Start. Wir Netzpiloten sind als Medienpartner mit dabei, wenn sich einen Tag lang alles um den Wandel unserer Arbeitswelt drehen wird. Mitten in der heißen Vorbereitungsphase erwischen wir Xings Partner Relationship Managerin Lisa Nölting noch schnell für drei Fragen:

Ihr setzt ein gigantisches New Work Event in die spektakuläre Hamburger Elbphilharmonie. Wie laufen die Vorbereitungen?

Genau, die NWX findet jetzt zum dritten Mal statt. 2017 das erste Mal im Westhafen in Berlin mit 700 Gästen. Zur NWX19 freuen wir uns auf knapp 2.000 Gäste in der Elphi, die bereits zum zweiten Mal Veranstaltungsort ist. Hier hat sich also in den vergangenen Jahren viel getan – auch was die Organisation angeht. Die Vorbereitungen laufen sehr gut. Jetzt ist Endspurt angesagt, aber wir sind ein super Team, das auf zack ist. Die Vorfreude auf das Event treibt einen zu Höchstleitungen an.

Unter dem Begriff New Work sammeln sich neue Organisationsmodelle und Arbeitsformen. Welche Rolle spielt die Nutzung der Digitalisierung und KI?

Die Digitalisierung ist einer der zentralen Treiber, neben dem demografischen- und dem Wertewandel, der die Veränderungen in der Arbeitswelt beeinflusst. Durch Digitalisierung ist ortunabhängiges Arbeiten überhaupt erst möglich geworden, was völlig neue Formen der Zusammenarbeit eröffnet. Insofern haben diese Punkte eine zentrale Bedeutung.

Was sind deine persönlichen Highlights am 7.März?

Besonders freue ich mich auf Ricardo Semler und Frédéric Laloux. Und natürlich auf die Aftershowparty, die wir jedes Jahr zusammen mit Business Punk veranstalten.

Wir wünschen euch eine super Veranstaltung!

 

Weitere Informationen zum Event

Auf dieses Event freuen wir uns schon seit einiger Zeit: Am 7. März findet zum dritten Mal die New Work Experience (NWX) statt. Das Event rund um das Thema Arbeit (veranstaltet von xing) tagt in Hamburgs neuestem Wahrzeichen, der Elbphilharmonie. Passend: Dort wo sich sonst zahlreiche Musiker aufs Feinste konzertieren, soll es einen ganzen Tag lang um das ideal abgestimmte Zusammenarbeiten im modernen Berufsalltag gehen. Wir Netzpiloten sind zum ersten Mal als Medienpartner mit dabei.

Welche Speaker werden erwartet?

Zu den vielen namenhaften Vortragenden gehört Frédéric Laloux. Er ist Autor von „Reinventing Organizations“ und liefert mit seinem Framework ein wichtiges Besteck, um im eigenen Unternehmen die Hierarchie abzubauen. Kathrin Menges, Personalvorstand der Henkel AG spricht darüber, dass die nächste Generation in Berufen arbeiten wird, die es heute noch gar nicht gibt. Besonders freuen wir uns auf den Blogger-Posterboy Sascha Lobo, der als Vordenker zu einem neuen Arbeitsbegriff (bereits 2006 mit seinem Buch „Wir nennen es Arbeit„) uns sicherlich einige starke Impulse geben wird.

Um welche Themen geht es?

  • Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft
  • Hierarchien in der Arbeitswelt
  • Transformation in Unternehmen
  • Diversität, Dialog, Wertschätzung und die Entwicklung individueller Antworten

Und sonst noch?

Nette Kleinigkeit: Mit dem Kauf eines NWX19 Tickets könnt ihr am Veranstaltungstag den lokalen Nahverkehr HVV kostenlos nutzen. Zudem erhaltet ihr vergünstigte Konditionen, wenn ihr euch für eine Übernachtung in einem der Partnerhotels entscheidet. Dafür müsst ihr euch ganz einfach unter dem Kennwort „New Work Experience“ anmelden. Außerdem gibt es den New Work Award. Hier werden innovative Ideen, die die Arbeitswelt von morgen bereichern, ausgezeichnet. Tickets erhältst du hier. Wir sehen uns lässig-arbeitend in der Philharmonie!

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Die Netzpiloten sind Partner der COWORK 2018!

COWORK-Barcamp (Image by Mirko Lux-German Coworking Federation)

Vom 9. bis 11. März 2018 findet in Bremen die COWORK 2018 statt, die größte Konferenz zum Thema Coworking und ortsunabhängige Arbeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die von der German Coworking Federation (GCF) mitorganisierte Konferenz mit Barcamp, wird von dem Bremer Coworking Space weserwork veranstaltet. Die Konferenz und das Barcamp finden im KWADRAT Bremen statt. Tickets für das Event gibt es hier.

Cowork 2018_Poster(Image by Cowork)Den diesjährigen Auftakt am Freitagabend stellt ein Impuls Markt dar. Dieser legt den Fokus auf Themen wie Achtsamkeit in der Coworking-Gemeinschaft, dem Lernen aus (eigenen) Fehlern, die Forschung zu Coworking und die Debatte um die Coworking-Werte. Zu jedem dieser Themen sind verschiedene Impulsgeber*innen eingeladen, die den Gästen der Konferenz Impulse zur gemeinsamen Diskussion geben und durch den Abend führen.

Der Samstag ist wie immer bei einer COWORK, vor allem von dem durch die Teilnehmer*innen der Konferenz selbstgestalteten Barcamp bestimmt. Netzpiloten-Gründer Wolfgang Macht besuchte letztes Jahr das COWORK-Barcamp und war vor allem davon angetan, diese „kräftige, vielfältige Alternativkultur zum herkömmlichen Arbeiten“ kennengelernt zu haben, die „unsere Zukunft des Arbeitens gestaltet“.

Am Sonntag stellen sich dann u.a. Coworking Spaces aus ganz Deutschland auf der COWORK 2018 vor und zeigen die bereits heutzutage starke regionale Verbreitung dieser neuen Orte der Arbeit (dazu ein Lesetipp: das Blog #100CoworkingSpacesDE von Netzpiloten-Autor Tobias Kremkau stellt vom 29.11.2017 bis zum 08.03.2018 pro Tag ein Coworking Space aus Deutschland vor) und ein Panel widmet sich dem Thema einer kooperativen Wirtschaft.

tl;dr: Die COWORK 2018 findet vom 9. bis 11. März 2018 in Bremen statt.

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Coworking Insights: Die richtige Person auf dem richtigen Arbeitsplatz

Arbeitsplatz (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via pixabay)

Seit November 2016 werde ich als Coworking Manager von einer Assistentin unterstützt, die mich vor allem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit entlasten sollte. Wie alle Mitarbeiter in einem Coworking Space ist sie eine Quereinsteigerin – ausgebildete Coworking-Experten gibt es nicht. Doch schon in den ersten Wochen stellte sich heraus, dass ihre wahre Stärke woanders liegt. Ihre beste Fähigkeit war und ist ihr Lachen, der persönliche Umgang mit unseren Mitgliedern.

Ich habe wenige Mitarbeiter eines Coworking Spaces gesehen, die mit einer derartigen Wärme und Herzlichkeit mit anderen Menschen umgehen können. Mir selber ist dies nicht in die Wiege gelegt worden. Auch wenn ich ein freundliches Verhältnis zu Mitgliedern pflege, ist eine professionelle Distanz bei Themen wie offenen Rechnungen auch nützlich. Dies kann ich mir aber nur erlauben, da ich mit meiner Assistentin einen mich ergänzenden Gegenpol habe.

Wir hatten die richtige Person für die falsche Stelle eingestellt. Unser sehr lehrreicher Fehler war die fixe Fokussierung auf das Stellenprofil. Die letzten Wochen haben mir gezeigt, dass die wohl größte Herausforderung für ein jeden Coworking Space, noch vor der Schaffung einer eigenen Mitglieder-Community, die Zusammensetzung des eigenen Teams ist.

Mitarbeiter sind Menschen mit eigenen Persönlichkeiten und Erfahrungen. Je vielseitiger diese sind, desto besser kann dies für das eigene Team und die eigene Community sein. Auch die eigenen Mitarbeiter sind ein Teil des Serendipitäts-Phänomens, das man in von Offenheit geprägten Räumen beobachten kann. Sie beeinflussen mit, dass Menschen etwas entdecken können, nach dem sie gar nicht gesucht haben.

Menschenzentrierte Arbeit mit dem Team vorleben

Doch auch wenn berufliche Expertise im Hospitality-Management und der Umgang mit anderen Kulturen (wie beispielsweise im Hotel, Restaurants, Tourismus, etc.) ein Vorteil sein kann, muss sich jeder Mitarbeiter als individueller Mensch ebenfalls in einem Coworking Space zurechtfinden. Dies kann in einem von Hierarchien, Strukturen und Traditionen wenig bis gar nicht geprägten Umfeld eine persönlich sehr schwere Aufgabe sein.

Deshalb ist es wichtig zu beachten, wie man sein Team und seine Prozesse zusammensetzt, und dabei immer zu bedenken, was Menschen an ihrem Arbeitsplatz brauchen. Tracy Brower, Leiterin der Abteilung „Human Dynamics + Work“ beim US-amerikanischen Möbelhersteller Herman Miller, hat mit ihrem Team die Forschung der letzten 80 Jahre in den Bereichen Psychologie, Soziologie und Anthropologie dahingehend untersucht.

Ergebnis ihrer Recherche sind sechs Kernbedürfnisse von Menschen an einem Arbeitsplatz, unabhängig vom Geschlecht, Ethnie und sozioökonomischem Status:

  • 1. Wir streben u.a. nach Sicherheit und Handlungskompetenz.
  • 2. Wir möchten, dass sich unser Status nach unserer Leistung richtet.
  • 3. Wir streben nach Erfolg und sind stolz auf unsere Leistung.
  • 4. Wir streben nach Unabhängigkeit in unserem Handeln.
  • 5. Wir wollen mit unserem Handeln etwas Sinnvolles bewirken.
  • 6. Wir wollen sinnstiftende Verbindungen mit anderen eingehen.

Diese unterschiedlichen Bedürfnisse als Manager eines Coworking Spaces zu verstehen, hat einen massiven Einfluss darauf, wie wir ein Team führen und verwalten, welche Technologien wir unseren Mitarbeitern zur Verfügung stellen und auf die Definition der Aufgaben an sich. Coworking Spaces werden als Beispiel für menschenzentrierte Arbeitsplätze gesehen, dies muss aber auch für das eigene Team gelten.

Auf den Werten der Neuen Arbeit aufbauen

Im St. Oberholz besprechen wir regelmäßig unsere Aufgabenprofile mit den beiden Gründern Koulla Louca und Ansgar Oberholz. Eine Stelle kann so innerhalb von drei Monaten neu definiert werden, abhängig von den Entwicklungen im Coworking Space, aber auch den persönlichen Bedürfnissen der einzelnen Mitarbeiter. Ziel ist es, den Wert von Mitarbeitern zu maximieren, indem die Kosten der übertragenen Aufgaben minimiert werden.

Nahezu alle Aufgaben in unserem Team sind horizontal verteilt und nicht, wie meist, in vertikalen Silo-Strukturen. Dadurch bekommen Mitarbeiter einen Gesamteindruck vom Unternehmen und können ihren Kollegen individuell zu Hilfe kommen. Tools wie Slack, Redbooth und Trello unterstützen das, indem sie Transparenz innerhalb der Belegschaft schaffen, woran Kollegen gerade arbeiten und was sie in ihrem Bereich beschäftigt.

Diese horizontale Vernetzung der einzelnen Mitarbeiter führt zu einem besseren Verständnis des Unternehmens als lebender Organismus, der Hervorhebung individueller Leistungen zum gemeinsamen Erfolg und der Motivation des Einzelnen, sich nach besten Kräften und seinen individuellen Fähigkeiten einzubringen. Seine Individualität, die auch geprägt ist von eigenen Erfahrungen, wird so als besondere Fähigkeit erlebbar.

Unser Handeln und unsere Organisation beruht auf der Ausrichtung unserer eigenen Arbeit nach den Idealen der Neuen Arbeit, wie sie der austro-amerikanische Sozialphilosoph Frithjof Bergmann entwickelte. Ziel ist es, dass die Arbeit der Mitarbeiter des St. Oberholz nach den Werten Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft gestaltet ist.


Image (adapted) „Arbeitsplatz“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Förderer der COWORK 2017

Cowork Titelbild

tl;dr: Wir verlosen zwei Tickets für die vom 31.03. bis 02.04. in Leipzig stattfindende Coworking-Konferenz „COWORK 2017“!

Vom 31.03. bis 01.04.2017 findet die COWORK, die größte Konferenz zum Thema Coworking und New Work in Deutschland, Österreich und der Schweiz, in den beiden Leipziger Coworking Spaces Basislager und Social Impact Lab statt. Bereits zum dritten Mal in Folge unterstützen die Netzpiloten die alljährlich stattfindende Coworking-Konferenz.

Mehr als nur Coworking im Blick

Die dreitägige Veranstaltung zieht jedes Jahr ein internationales Publikum von Coworking-Enthusiasten und Neue-Arbeit-Pionieren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an. Der Freitagabend ist traditionell für Impulsreferate und Networking reserviert, Höhepunkt ist das am Samstag stattfindende Barcamp zu den Themen Coworking und Neue Arbeit.

Den Freitagabend eröffnen GOODplace-Gründerin Monika Kraus-Wildegger mit ihrem Vortrag über Feelgood Management und Dr. Alexandra Schmied von der Bertelsmann Stiftung, die praxisnah über digitale Umbrüche in Unternehmen berichten wird. Am Samstag bestimmen dann die anwesenden Teilnehmer in dem Barcamp das Programm selbst.

Am Sonntagvormittag widmet sich die COWORK-Konferenz in einer Fishbowl-Diskussion mit Prof. Reiner Schmidt von der Hochschule Anhalt, den immer wichtiger werdenden Fragen nach der Rolle und dem Potenzial von Coworking Spaces und ähnlichen Kreativzellen für die Gesellschaft in der Stadt und auf dem Land.

Auf Augenhöhe über die Zukunft der Arbeit reden

Dies ist die Gelegenheit, für einen Zehntel der Ticketpreise vergleichbarer Konferenzen, die Menschen zu treffen, die nicht nur über den Wandel der Arbeitswelt reden, sondern ihn vorleben und mitgestalten. Auf der COWORK treffen sich die engagiertesten Akteure der hiesigen Coworking-Szene. Hier wird auf Augenhöhe über die Zukunft der Arbeit geredet.

Unter allen Neuanmeldungen für den monatlichen Newsletter der German Coworking Federation (GCF), verlosen wir bis zum 16.03.2017 zwei Freitickets für die COWORK 2017 in Leipzig!

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Jive-CEO Elisa Steele über Social Collaboration

ElisaSteele Headshot (Image by Jive)

Über Portland gibt es nicht viel zu erzählen, wenn man über die Zukunft der Arbeit nachdenkt. Wirtschaftlich interessant ist der von hier gestartete Trend der Mikrobrauereien. Die Stadt hat, bezogen auf die Einwohnerzahl, die meisten Brauereien in den USA. Dass der Softwarehersteller Jive Software hier gleich zwei Zentren für Software-Engineering unterhält, überraschte mich, als Jive-Geschäftsführerin Elisa Steele dies im Interview für die Netzpiloten erwähnte. Ende des letzten Jahres traf ich sie in Berlin zum Gespräch über ihr Unternehmen.

„Portland war eine der ersten Standorte für Jive. Die beiden Gründer kamen früh nach der Gründung des Unternehmens hierher und so wuchs der Standort über die Jahre. Unser Büro in Portland ist nun unser größter Technologie-Standort weltweit und ein Zentrum für exzellente Softwareentwicklung.“– Elisa Steele

Jive Software entwickelt Programme zum Wissensmanagement und zur Kollaboration von Teams in Unternehmen sowie zum Aufbau von Online-Communities. Volkswagen nutzt beispielsweise die auf Jive basierende Social-Collaboration-Plattform „Group Connect“.

Was die Hipsten unter den hipsten Startups weltweit mit Programmen wie Slack oder HipChat lösen, versuchen Großkonzerne mit Social-Collaboration-Plattformen wie Microsoft Teams, Unify oder eben Jive. Nur eben skalierbar und mit der nötigen Brise Corporate.

Digital Workplace für interdisziplinäre Teams

Chat-based Workspaces kommen in den Unternehmen an, wie das unabhängiges IT-Research- und Beratungsunternehmen Crisp Research schreibt:

„In diesem noch jungen Marktumfeld wird sich 2017 einiges tun. (…) Bestehende Anbieter aus verwandten Märkten, wie beispielsweise Citrix/LogMeIn, Unify oder Jive, haben schon sehr ähnliche Lösungen und hohe Synergie-Potentiale, diese auch als Chat-based Workspace-Hub aufzubauen.“– Max Hille

Dieser neuen Tools sind Ausdruck, dass sich mit der Digitalisierung eines Unternehmens auch die Zusammenarbeit ändert. In Zukunft werden wir mehr interdisziplinäre Teams im Digital Workplace sehen. Wenn die Unternehmenskultur diesen Wandel mitmacht. Jive lebt als Unternehmen die Möglichkeiten des ortsunabhängigen Arbeitens mit interdisziplinäre Teams vor, die wie die von ihnen entwickelten Produkte ermöglichen. Doch dies ist kein Selbstzweck fürs eigene Marketing, sondern fast schon eine Notwendigkeit.

Jive_CEO_Elisa Steele_Portrait (Image by Jive)
Digitales Arbeiten und Kommunikation passt gut zusammen, findet Jive-Geschäftsführerin Elisa Steele (Image by Jive)

“Ich würde nicht sagen, dass es [ortsunabhängiges Arbeit] bei uns eine Vorgabe ist, sondern mehr unserem kulturellen Umfeld entspricht. Wir stellen gerne die besten Leute für den Job ein und manchmal bedeutet das, dass die beste Person nicht im Silicon Valley oder im Zentrum von Portland sitzt.“– Elisa Steele

Wir sollten arbeiten wie wir leben – gemeinsam mit anderen

Selbstverständlich kann nicht jeder bei Jive von wo auch immer arbeiten, genauso wenig wie das bei Yahoo ging oder das Microsoft heutzutage praktiziert.

Auch Steele weiß, dass nur ganz bestimmte Positionen und Menschen im Unternehmen dafür geeignet sind. Dass Teams sich treffen, also miteinander arbeitende Menschen persönlich begegnen und miteinander von Angesicht zu Angesicht kommunizieren, ist die Grundlage dafür, dass ein Digital Workplace überhaupt funktionieren kann, dass Team miteinander arbeitet.

“Wir wollen die Leute ziemlich regelmäßig zusammenbringen, denn Arbeit ist wie das Leben. Es geht um Beziehungen, den Austausch mit anderen und sich gegenseitig zu unterstützen, um seine Arbeit zu schaffen. Deshalb ist es wichtig, dass die Leute zusammenkommen und sich persönlich kennen.“– Elisa Steele

Unternehmen müssen oft noch ihre bisherigen Arbeitsweisen den neuen Anforderungen und Möglichkeiten anpassen. Schnelligkeit, Agilität und Vernetzung sind die neuen Maßstäbe für Zusammenarbeit.

Persönliche Freiheit des Einzelnen im Miteinander

Zum Schluss reden Elisa Steele und ich über Coworking und wie dieses noch relativ junge Konzept erst ortsunabhängiges Arbeiten ermöglicht, indem es Menschen einen offenen Raum anbietet, der zugleich ein professionelles Arbeitsumfeld darstellt. Genau für solche Konzepte sind ihrer Meinung nach Social-Collaboration-Plattformen wie Jive geschaffen wurden. Es geht für Steele darum, dass Menschen miteinander vernetzt sind, egal wo auf der Welt, um miteinander Ideen auszutauschen und zusammen zu arbeiten.

“Ich mag das Konzept, dass verschiedene Leute für unterschiedliche Unternehmen im selben Raum arbeiten. Dies passt zu unserer Vorstellung von Community, die von unterschiedlichen Menschen geprägt wird, die verschiedene Herkunft, Hintergründe und Wegen zu Denken haben. Das ist ein Ort, an dem man seine beste Leistung schafft.“– Elisa Steele

Für Elisa Steele zählt dabei aber das Ergebnis des Einzelnen, nicht Kategorien wie Produktivität. Diese Form von Arbeit und neue Tools sollen dem Einzelnen helfen, etwas zu erreichen, was vorher nicht möglich gewesen wäre.


Images by Jive


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Die neuen Work-At-Home-Mütter: Innovatives Arbeitsmodell oder Stress pur?

kid-1520705_1920 (Image by LiudmilaKot [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Katja Cragle ist eine hochaktive Frau. Sie ist engagiert, leidenschaftlich und macht alles mit viel Herzblut. Sie arbeitet Vollzeit für eine belgische Werbefirma und wenn im Job mal „die Bude brennt“, wie sie es nennt, steht sie schon mit dem Feuerlöscher daneben. Doch Katja Cragle ist auch Vollzeit-Mama. Ihr dreijähriger Sohn Emil ist ihr täglicher Sonnenschein. Beides gehört zu ihrem Leben dazu und die Frage ob Kind oder Karriere hat sie sich so nie gestellt. Als Alleinverdienerin war für Cragle schon immer klar, dass sie beides miteinander verbinden musste. Ihre Lösung: arbeiten im Homeoffice als Work-At-Home-Mama.

Homeoffice für Eltern? Nicht in Deutschland

Die WAHM, wie sie in den USA genannt werden, sind in Deutschland ein neues und vor allem seltenes Phänomen. Nach einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Herbst 2015 arbeiten gerade einmal 6 Prozent der Eltern in Deutschland im Homeoffice, die Mehrheit davon (59 Prozent) sind interessanterweise Männer, obwohl sich 56 Prozent der berufstätigen Mütter wünschen, von zu Hause aus zu arbeiten.

Katja Cragle (Image by Katja Cragle)
Katja Cragle (Image by Katja Cragle)

Katja Cragle kennt es fast gar nicht anders. Seit 2009 ist ihr Büro in ihrem Haus. Damals lebte sie allerdings noch in den USA, wo es ihrer Meinung nach eine offenere Einstellung zum Homeoffice gibt als hierzulande, wie sie gegenüber den Netzpiloten erklärt. „Es ist in den USA einfacher von zu Hause aus zu arbeiten, weil es dort viel normaler ist. Auch hatte ich den Eindruck, dass es dort sehr viel selbstverständlicher war, sich digital zu unterhalten. Alles wurde über Chat erledigt, selbst wenn der Kollege nur fünf Meter weiter saß.“ Auch glaubte dort niemand, dass sie zu Hause nur faul auf dem Sofa herumlag – ein Vorwurf, mit dem die meisten Heimarbeiter in Deutschland konfrontiert werden.

Bei einer Umfrage des Bundesministeriums für Arbeit unter Beschäftigten und Betrieben in Deutschland bewerteten viele Arbeitgeber das Homeoffice-Modell als negativ. Arbeit und Freizeit würden demnach zu stark miteinander vermischt. Die Sorge: Angestellte lassen sich zu sehr ablenken. Das ist tatsächlich eine Gefahr für das Arbeiten von Zuhause, gerade für Mütter, die neben Kind und Job auch noch den Haushalt schmeißen. Denn während Mütter so einerseits Familienleben und Job besser miteinander in Einklang bringen können, liegt genau darin auch eine Gefahr. Jedoch arbeiten Work-At-Home-Mütter nicht weniger, wie Arbeitgeber vermuten, sondern eher zu viel. Menschen, die von zu Hause aus arbeiten, tendieren nämlich nach Einschätzung des Bundesministeriums für Arbeit grundsätzlich dazu, mehr Überstunden zu machen als Angestellte mit einem typischen Bürojob.

„Ich war durch meine Arbeit zu Hause gespalten“

Diese Erfahrung hat auch Claudia V. gemacht. Die Münchnerin, die ihren vollen Namen nicht nennen möchte, hat rund sechs Jahre im Homeoffice gearbeitet, von der Geburt ihres Sohnes bis nach der Einschulung. Als Selbständige wollte sie dabei sowohl 150 Prozent im Job geben als auch viel Zeit mit ihrer Familie verbringen. Denn das ist ja schließlich auch die Erwartungshaltung an das Arbeitsmodell ‚Homeoffice‘. Das war aber ein Spagat, der ihr nur selten gelang. „Ich war durch meine Arbeit zu Hause ständig zwischen Haushalt, Familie und Job hin- und hergerissen, da sich alles an einem Ort abspielte. Sprich, ich rief spät noch Kunden an, schrieb Angebote, wenn mein Sohn und sogar mein Mann zu Hause waren und verhielt mich manchmal unfair ihnen gegenüber, da ich nicht ansprechbar war, wenn ich Druck hatte. Sie waren im Entspannungs-Modus und ich wollte mein Pensum durchboxen und das bestmögliche für meine Arbeit rausholen.“

Das angeblich entspannte und flexible Arbeiten von zu Hause wurde für sie so zum reinen Stressfaktor. Während ihr Sohn in der Schule war, versuchte sie so viel wie möglich im Haushalt vorzubereiten und dabei die wichtigsten Punkte auf ihrer beruflichen Agenda abzuarbeiten. Blieb etwas liegen, wenn ihr Sohn mittags nach Hause kam, wurde dies zur Belastung, da sie einerseits Zeit mit ihrem Kind verbringen wollte, andererseits aber nie völlig vom Job abschalten konnte. „Wenn die Kinder noch Babys oder kleiner sind, mag das ja mit dem Homeoffice eine Zeit lang klappen, aber sobald sie aktiver werden, wird es sehr schwierig“, sagt sie.

Eine Tagesmutter oder Haushaltshilfe hätte sie natürlich entlasten können. Doch das hätte einen guten Teil ihrer Einnahmen wieder aufgefressen. So hat sich Claudia V. vor zwei Monaten dazu entschieden, ihr Homeoffice dicht zu machen und sitzt seitdem wieder als klassische Angestellte im Büro. Rein rechnerisch verbringt sie dadurch zwar weniger Zeit mit ihrem Sohn und ihrem Mann, doch die Zeit, die sie gemeinsam mit der Familie hat, ist dann wenigstens zu 100 Prozent Freizeit.

Wenn die Kinder zu Hause sind, kann man das Arbeiten vergessen

Dieses Dilemma kennt auch die Webentwicklerin Katrin Härtl aus Hürth bei Köln. Sie hat zwei Töchter, die gerade im Kindergarten- und Kitaalter sind. Zum Arbeiten kommt auch sie nur, wenn die beiden aus dem Haus sind, erzählt sie im Netzpiloten-Gespräch: „Wenn die beiden zu Hause sind oder Ferien haben, kann ich das Arbeiten eigentlich vergessen. Denn dann kommen meine Töchter alle zehn Minuten zu mir, damit ich den Klebestift halte oder die Legosteine auseinander baue.“ Dennoch ist das Work-At-Home-Modell für sie ideal. Sie spart sich die nervige Pendelei und kann ohne Ablenkung von Kollegen fokussiert an ihren Projekten arbeiten. Ihr Tag sieht so aus, dass sie am Morgen arbeitet und am Nachmittag und Abend Zeit für ihre Familie hat. Möglicherweise kann sie besser abschalten als Claudia V., weil sie nicht selbständig ist, sondern als Angestellte mit festen Zeiten für ein Unternehmen arbeitet.

Dennoch, zu schaffen und zu genießen ist dieses Wechselspiel zwischen Job und Familie eigentlich nur durch gute Organisation, glaubt Härtl. Auch Katja Cragle beteuert, dass es ohne einen durchstrukturierten Tag nicht gehen würde. Ihr Tag ist von der morgendlichen Fahrt zum Kindergarten über das Mittagessen um 13 Uhr am Schreibtisch bis hin zur Arbeit am Abend bis ins kleinste Detail durchgeplant.

Doch nicht nur die zeitliche Organisation, auch die räumliche Trennung von Familie und Arbeit ist dabei sehr wichtig. So ist ein Raum in Cragles Kölner Wohnung auch ganz bewusst ihr Büro. „Dort arbeite ich dann ganz normal am Schreibtisch und habe, wie auch in einem ?richtigen? Büro, meinen Laptop mit einem externen Monitor und externer Tastatur, Telefon und Drucker, um die Arbeit gut erledigen zu können. Abends, wenn Emil wieder zu Hause ist, schließe ich mich dann sogar im Büro ein, damit er nicht andauernd hereinkommt. Er versteht aber, dass das Mamas Arbeitsplatz ist.“

Brauchen wir ein Homeoffice-Gesetz?

Wenig Verständnis bei den deutschen Arbeitgebern, Überstunden und der ständige Wechsel zwischen Arbeit und Familie – ist das Work-At-Home-Modell für Mütter überhaupt erstrebenswert? „Jein“, findet Katrin Härtl, die auch für die SPD im Hürther Stadtrat sitzt, „ein gesetzlich festgeschriebenes Modell zum Homeoffice wie etwa in Holland halte ich für schwierig“, sagt sie. Denn zu sehr unterscheiden sich die individuellen Situationen von arbeitenden Müttern, um dies in einem Gesetz für festhalten zu können.

Begrüßenswert wäre es aber sicherlich, wenn mehr Mütter tatsächlich die Wahl zu so einer Arbeitsform und auch eine bessere Infrastruktur zur Kinderbetreuung hätten. Dann kann das Modell für Mütter und Karrierefrauen wie auch bei Katja Cragle voll aufgehen: „Wenn ich zwischen meiner Arbeit Emil einfach nur mal fest in den Arm nehmen kann, dann ist die Welt wieder in Ordnung.“


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Macht das Arbeiten in Startups krank?

Es ist zwei Uhr morgens in Colorado. Sarah Jane Coffrey schreckt hoch und checkt panisch ihre E-Mails. Sie hat Angst, dass sie eine wichtige Nachricht verpasst hat – obwohl sie mal wieder bis in die Nacht gearbeitet hat. Sie ist nicht nur müde, sie ist erschöpft, am Ende ihrer Kräfte. So hatte sie sich das glamouröse Startup-Leben nicht vorgestellt. Rückblickend erinnert sie sich an ihre schlimmsten Momente ihrer ersten Startup-Erfahrung: „Bald fing ich an, bei der Arbeit zwei oder drei Mal die Woche auf der Toilette zu weinen. Es gab zwar manchmal konkrete Gründe für die Tränen, aber meistens weinte ich aus dem starken Gefühl der Überwältigung heraus.“

Wenn der Mythos Startup zu bröckeln beginnt

Das widerspricht eigentlich komplett dem Image der Gründerszene. Denn wohin man schaut, Startups sind der letzte Hype. Gründer sind die neuen Rockstars. Sie sind kreativ, verändern die Welt und durchbrechen festgefahrene Strukturen der Arbeitswelt. Wer möchte nicht in so einem Umfeld arbeiten?

Menschen wollen, dass ihre Arbeit bedeutungsvoll ist. Sie wollen etwas beeinflussen, ihre Talente nutzen, wertgeschätzt werden. Und sie wollen natürlich auch mit ihrer harten Arbeit die Karriereleiter schneller erklimmen als sie das je in einem klassischen Unternehmen könnten.“ So erklärt zumindest Sarah Jane Coffrey im Netzpiloten-Gespräch die Faszination, die die Gründerszene auf viele ausübt. Doch was, wenn dieser Mythos anfängt, zu bröckeln?                                           

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Sarah Jane Coffrey by Sarah Jane Coffrey

Sarah Jane Coffrey ist nicht die einzige, die mit viel Enthusiasmus bei einem Startup zu arbeiten anfing und dann, nach Monaten oder sogar Jahren, in denen 60-Stunden-Wochen die Norm sind, in ein tiefes Loch fällt. Miriam Goos, Neurologin und Gründerin von Stressfighter Experts, einer Burnout-Prävention-Firma, kennt viele solcher Beispiele aus ihrer täglichen Arbeit: „Je höher wir fliegen, desto tiefer können wir fallen“, sagt Goos. Was so poetisch klingt, ist für Betroffene aber alles andere als romantisch. Denn sie leiden meist unter Burnout, Depression, sozialer Vereinsamung – oder allem zusammen. 

Gerade Gründer haben nach Meinung von Goos diese große Fallhöhe. „Anders als Angestellte in einem langweiligen Bürojob, um es mal ganz platt zu sagen, wissen Gründer sehr genau, warum sie arbeiten. Sie verwirklichen ihre eigenen Ideen und oft steckt natürlich auch noch viel Eigenkapital im Startup. Da ist die Motivation natürlich sehr hoch“, erklärt Goos gegenüber den Netzpiloten.

Hohe Ideale, große Ziele und persönliche Investitionen sind natürlich riesige Antriebe, um voll durchzupowern. Das wäre an und für sich etwas sehr Positives. Problematisch wird es aber dann, wenn diese hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Gerade bei Startups, wo vieles noch im Anfangsstadium ist und Gründer sich selbst unter sehr viel Zeit- und Gelddruck setzen, können diese Erwartungen schnell enttäuscht werden. Die Folge: Burnout.

Wie eine Sucht

Deshalb vergleicht Miriam Goos die Vorgänge von Burnout im Gehirn durchaus mit einem Suchtverhalten. „Wenn Gründer ihre ersten Ideen umsetzen und Erfolge haben, wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert und es kommt zur Dopaminausschüttung. Dieses Glücksgefühl macht süchtig und ist so stark, dass Gründer weitermachen. Wenn dann aber die Stimuli überraschend ausbleiben, weil etwa der gewünschte Umsatz oder ein bestimmtes Ziel nicht erreicht wurden, sinkt die Dopaminkonzentration stark ab. Man fällt in ein Loch. Daraus entsteht eine Unsicherheit und auch Angst vor dem ausbleibenden Erfolg, das Immunsystem leidet und auch die emotionale Stabilität und die geistige Leistungsfähigkeit sinken ab.“

Nicht selten führt das bei Gründern tatsächlich auch zu Drogenkonsum. Vor allem Drogen, die die Performance steigern, seien bei Gründern beliebt, sagt Goos. Sarah Jane Coffrey hat in der Startup-Szene in Denver vor allem exzessiven Alkoholkonsum erlebt. Der eine oder andere Drink nach der Arbeit sei sicher okay, doch die Trinkkultur, die sie erlebt hat, deute darauf hin, dass man mit Alkohol tiefere Probleme kaschiere, sagt Coffrey: „Wenn das Team sich regelmäßig betrinkt und das Dampf ablassen nennt, weil alle kontinuierlich Überstunden schieben, dann ist das kein Stressventil, dann ist das ein Zeichen dafür, dass etwas gewaltig kaputt ist.“

Tabu-Thema Burnout in der Gründerszene

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Miriam Goos by Philipp Goos

Goos ist überzeugt davon, dass die Erlebnisse von Coffrey auch auf Deutschland zutreffen, auch wenn das Thema „Drogenproblematik“ in der Startup-Szene hierzulande noch absolut Tabu ist. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass es zum Beispiel noch nicht mal eine offizielle Anlaufstelle für Gründer gibt, die über Probleme wie Stress oder Burnout sprechen möchten.

Dabei wäre es wichtig, die Burnout-Symptome früh zu erkennen. Zu Miriam Goos kommen die meisten Kunden erst, wenn sie am Ende sind. Sie leiden unter Schlaflosigkeit, hohem Blutdruck, ernähren sich mangelhaft, arbeiten ohne Unterlass und gehen dabei sehr hart mit sich selbst ins Gericht. Die meisten ihrer Klienten beschweren sich aber darüber, dass sie nicht abschalten können. „Sie haben eine ständige Autobahnfahrt ihrer Gedanken im Gehirn und müssen erstmal lernen, das Tempo wieder herauszunehmen. Ich nehme sie dann zum Beispiel mit zu einem Spaziergang und dann üben wir bewusst ganz, ganz langsames Gehen. Das allein schon fällt den meisten unglaublich schwer.“

Leider wird diese „Always-On-Mentalität“ selten als etwas Problematisches erkannt, sagt Coffrey: „Was das Ganze noch schlimmer macht ist ja gerade die Tendenz dazu, diesen sehr intensiven Lebensstil als etwas Glamouröses darzustellen. Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn ich einen Tweet über die Arbeit um drei Uhr morgens mit dem Hashtag #startuplife sehe. Das ist doch nicht sexy, das ist  sehr traurig.“

Coffrey selbst hat ebenfalls lange gebraucht, um sich einzugestehen, dass ein solches Leben ungesund ist. Mittlerweile arbeitet sie bei Reboot, einem Unternehmen, das Startups coacht. Doch der Prozess der Selbsterkenntnis ist lang und schwierig. Daher wäre es wichtig, die Anzeichen von Burnout in Startups nicht zu verherrlichen oder zu ignorieren, sondern offen zu diskutieren.

„Manchmal reichen auch 80 Prozent“

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Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert by Jennifer Fey

In Deutschland trauen sich mittlerweile, wenn auch noch sehr vereinzelt, die ersten Gründer, offen über die Schattenseiten von Startups zu sprechen. Dazu gehört auch Nora-Vanessa Wohlert, Mitgründerin des Webmagazins Edition F. Im ersten Unternehmensjahr versuchten sie und ihre Geschäftspartnerin Susann Hoffmann ein tolles Magazin auf die Beine zu stellen, ein kleines Team zu leiten, eine Unternehmenskultur aufzubauen und Investoren zu finden – und all das natürlich auf einmal. „Die Wahrheit ist: Gründen ist herausfordernd. Immer wieder kommen Zweifel. Ängste. Harte Entscheidungen. Die Sorge um das Geld. Die Sorge um den Erfolg. Erwartungen. Zeitmangel“, schreibt Wohlert über ihre eigene Erkenntnis, dass das Startup-Leben nicht immer so glamourös ist, wie es klingt. 

Etwa ein Jahr ging das so, bis Wohlert klar wurde, dass sie so nicht mehr weitermachen wollte: „Ich hatte in dem Jahr keinen Urlaub, habe mir kein Gehalt gezahlt und mir selbst auch einfach nichts gegönnt. Ich habe mir zum Beispiel in eineinhalb Jahren wirklich gar nichts für mich selbst gekauft“, erinnert sie sich im Gespräch mit den Netzpiloten. Erst als ein Unbekannter sie bei Facebook fragt, wann sie anfangen würde zu leben statt zu arbeiten, macht es Klick bei Nora-Vanessa Wohlert.

Sie hatte die Warnungen ihres Umfelds größtenteils ignoriert, sich selbst nie eine Pause gegönnt und sich selbst auch nie die Zeit genommen, sich zu den vielen kleinen und großen Erfolgen als Gründerin zu gratulieren. „Ich habe zum Glück mittlerweile einen Weg gefunden, mir selbst das Abschalten zu erlauben. Ich habe erkannt, dass ich ersetzbar bin – und dass das eine Entlastung ist. Auch habe ich meinen Perfektionsdrang etwas gedrosselt, manchmal reichen auch 80 Prozent.“ Das scheinen bei Wohlert keine leeren Worthülsen zu sein – sie bereitet sich gerade auf ihren Urlaub nach Thailand vor.


Image „burnout“ by moritz320 (CC0 Public Domain)


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„Coworking ist ein Evolutionsschritt“ – Ansgar Oberholz im Gespräch über Neue Arbeit

St. Oberholz in Berlin (Image: Tobias Schwarz)

Im Sommer 2015 unternahm ich als Projektleiter der Netzpiloten eine zweimonatige Reise durch Europa. Dies war kein Urlaub, ich leitete die Redaktion von unterwegs und suchte dafür jeden Tag ein anderes Coworking Space auf, um meinen täglichen Aufgaben nachzugehen. Auf diese Art besuchte ich zusammen mit meiner Freundin Katharina-Franziska Kremkau, die so ihrer Arbeit als Freelancerin nachging, mehr als 29 Coworking Spaces in 18 europäischen Städten in 10 verschiedenen Ländern.

Das Thema Coworking faszinierte uns. Ich glaube, darin einen Teil der Zukunft entdeckt zu haben. Schon im März 2015 gehörten Katharina und ich zu den Gründungsmitgliedern der German Coworking Federation, deren Vorstand ich heutzutage zusammen mit Christian Cordes und Silke Roggermann bilde. Seit Januar 2016 arbeite ich als Coworking Manager im Berliner St. Oberholz und bin Mitgründer des Instituts für Neue Arbeit. Im Gespräch mit Ansgar Oberholz möchte ich den Wandel ergründen, den Coworking auslöst.

Vor über sieben Jahren kam das Thema Coworking endgültig in Deutschland an. Doch die Ursprünge sind wesentlich älter und liegen in Berlin-Mitte. Die erste C-Base am Hackeschen Markt bot bereits ein an Coworking erinnerndes Konzept der Kollaboration und des Zugangs zu WLAN und Strom in den 1990er Jahren an. 2005 eröffnete mit dem St. Oberholz ein Kaffeehaus am Rosenthaler Platz, das den Gedanken des Coworkings, noch vor der Eröffnung des offiziell ersten Coworking Spaces in San Francisco, Realität werden ließ.

Gründer des Instituts für Neue Arbeit: Tobias Schwarz und Ansgar Oberholz (Foto: Carolin Saage)
Gründer des Instituts für Neue Arbeit: Tobias Schwarz und Ansgar Oberholz (Foto: Carolin Saage)

Tobias Schwarz (TS): Wann hast du eigentlich das erste Mal den Begriff Coworking gehört?

Ansgar Oberholz (AO): Als wir Ende 2004 das Konzept für das ehemalige Burger King am Rosenthaler Platz erarbeiteten, gab es den Begriff Coworking noch nicht. Ich kann nicht ganz genau sagen, wann und wo ich den Begriff Coworking zum ersten Mal gehört habe, aber ich meine, er fiel in einem Gespräch mit Christoph Fahle, dem Gründer vom Betahaus, als er mir 2007 das Konzept erklärte und wir darüber diskutierten. Bis vor kurzem noch musste ich den Begriff fast jedesmal, wenn ich ihn verwand, kurz erklären, das ändert sich seit ungefähr zwei Jahren stetig und mündete jüngst darin, dass das Wort Coworking es als Buzzword in die Marketingmaschine geschafft hat.

TS: Wieso war das Thema Arbeiten ein wesentlicher Teil des Café-Konzeptes?

AO: Meine Frau Koulla Louca und ich wollten an diesem historischen Ort ein ganz neues, urbanes Café-Konzept aufbauen. Etwas, das es so noch nie gab und das dem Erfinder- und Innovationsgeist der Aschinger-Brüder, die das Haus am Rosenthaler Platz 1898 erbauten und hier ihre neunte Bierquelle betrieben hatten, gerecht wurde. Daher war für uns das Arbeiten im Café und damit Stromversorgung und Wifi wichtig, aber auch viele verschiedene Sitzmöglichkeiten, für Meetings, für inspirierende Blicke über den Platz. Für uns war es von Anfang an auch ein Experiment, wie das Konzept angenommen würde und was die Gäste damit anstellen würden.

TS: Wie reagierten die Gäste zum Anfang darauf, dass andere da auch arbeiteten?

AO: Innerhalb kurzer Zeit gab es kaum noch Gäste, die nicht zum Arbeiten kamen, und die damit also keinen Laptop auf dem Tisch stehen hatten. Obwohl es damals wie heute auch Gäste gab, die analog bei uns arbeiten. Der Anblick der arbeitenden Menschen polarisierte in den ersten Jahren ungemein. Es gab regelrechte Anfeindungen und wütende Reaktionen, die meiner Meinung nach vor allem auf Neid basierten. Unsere Gäste wirkten bei ihrer Arbeit offensichtlich fröhlicher und hatten auch noch einen besseren Kaffee als man selber im Büro. Als ich merkte, dass wir mit dem Konzept und dass unsere Gäste polarisieren, freute ich mich, da ich wusste, die Idee geht auf!

Im Frühjahr 2009 eröffnete mit dem Berliner Betahaus das erste Coworking Space in Deutschland. Der damalige Netzpiloten-Leiter Peter Bihr interviewte bereits einen Monat später mit Chris Messina, Axel Hillman und Tony Bacigalupo internationale Pioniere der Coworking-Szene und die Journalistin Anja Krieger ahnte bereits Ende 2009 in einem Artikel auf Netzpiloten.de, „wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, gehört das gute, alte Büro vielleicht bald schon zur Vergangenheit.“ Coworking veränderte bereits die Arbeitswelt.

TS: Wann und warum wurde aus dem St. Oberholz auch noch ein Coworking Space?

AO: 2009 eröffneten wir als Vorstufe Apartments im gleichen Haus, sie sollten neben ganz normalen Übernachtungen auch Events oder Workshops beherbergen. 2011 nutzte Soundcloud die Apartments als Büro für ihr Community Team, denn die Eröffnung der Factory Berlin verzögerte sich und das Team platzte aus allen Nähten. Als dann im gleichen Jahr die letzte Etage im Haus frei wurde, war es ein logischer Schritt, den Bedürfnissen der Community zu folgen und direkt über dem Café einen Coworking Space mit Flexdesks und Besprechungsraum anzubieten.

TS: Gibt es eine kausale Verbindung zwischen Kaffee und Coworking?

AO: Unbedingt! Und zwar eine viel wichtigere als zwischen Bürokultur und Coworking. Eines der größten Missverständnisse in der Rezeption und Verständnisses von Coworking ist, dass es eben nicht aus der Bürokultur, sondern aus der Kaffeehauskultur geboren wurde. Schon immer zog es eher kreativ arbeitende andersdenkende Menschen in Kaffeehäuser, um dort zu arbeiten und Gleichgesinnte zu treffen, das ist kein neues Phänomen. Coworking ist ein Evolutionsschritt in dieser Tradition und vereint Elemente aus Cafés und Büros und dem privaten Lebensraum in einer perfekten halböffentlichen Symbiose.

TS: Welche Veränderungen hast du beim Arbeiten im Café beobachten können?

AO: Die eindringlichste und anschaulichste Veränderung spiegelt sich im Telefonverhalten unserer Gäste. Ging man vor einigen Jahren noch zum Telefonieren hinaus aus dem Café, um durch die Hintergrundgeräusche nicht den Eindruck erwecken zu wollen, gar nicht wirklich zu arbeiten, sondern in einem Café herumzusitzen, ist das heute gar kein Problem mehr. Im Gegenteil, man hat den Eindruck, dass die Gäste sich möglichst nah an der Kaffeemaschine aufhalten, damit die passenden Zisch- und Mahlgeräusche klarstellen, wo man ist und vermitteln, dass man selber unkonventionell und innovativ ist.

Im St. Oberholz sind MacBooks und Flat Whites beliebte Nachbarn (Foto: Melanie Samat)
Im St. Oberholz sind MacBooks und Flat Whites beliebte Nachbarn (Foto: Melanie Samat)

Doch was ist eigentlich Coworking? Für den ehemaligen Netzpiloten-Praktikant Lukas Menzel war es „eine Faszination für sich“, wie er nach einem Gespräch mit Alex Ahom erstaunt zusammenfasste. Ahom gründete mit Shhared bereits den zehnten Coworking Space in Hamburg. Peter Bihr beschrieb es in seinem Interview mit Chris Messina als „miteinander arbeiten, gemeinsam arbeiten, zusammenarbeiten“ und als „eine neue Philosophie des Arbeitens“. Coworking ist kein Hype, sondern Ausdruck von einer Entwicklung namens Neue Arbeit.

TS: Was macht für dich eigentlich den Reiz an Coworking aus?

AO: Coworking ist die Petrischale der Neuen Arbeit. In Coworking Spaces geht es um viel mehr als nur eine Modeerscheinung. Hier werden Grenzen der Zukunft der Arbeitswelt ausgelotet. Kollaboration, Serendipität und Selbstbestimmtheit füllen die Köpfe und Räume. Das macht für mich den Reiz aus! Orte zu erschaffen, an denen ich selber gerne arbeite. Orte, bei denen man nicht weiss, wohin die Entwicklung gehen wird. Das fasziniert mich und lässt mich meine Arbeit lieben.

TS: Inwiefern ist Coworking Ausdruck von Neue Arbeit und nicht nur ein Trend?

AO: Das Digitale und Coworking Spaces haben in den letzten Jahren der Idee der Neuen Arbeit Flügel verliehen. Nie war es so einfach und mit so wenig Investition verbunden, frei und selbstbestimmt zu arbeiten und Unternehmen zu gründen. Gerade die in Berlin bestehende Coworking-Landschaft ist der Beweis, dass es sich längst nicht mehr nur um einen Trend handelt. Anzahl, Größe und Vielfalt der Coworking Spaces hier sprechen für sich.

TS: Welche Prinzipien sind deiner Meinung nach im Coworking maßgebend?

AO: Leichte Zugänglichkeit, Authentizität und Community. Das fängt bei bezahlbaren Mitgliedschaften an und hört bei wertvollen Netzwerkeffekten auf. Gerade in letzter Zeit wird der Community-Aspekt immer wichtiger und auch mehr von Membern eingefordert. Denn Kollaboration und das damit einhergehende Vertrauen untereinander wird immer bedeutsamer und unabdingbarer in einer sich schneller verändernden Welt.

Auf meiner Reise durch die europäische Coworking-Landschaft stellte ich einen interessanten Unterschied fest: In von Wirtschaftskrisen betroffenen Ländern war Coworking ein finanziell lukratives Geschäft und seitens der Politik als Form der Wirtschaftsförderung verstanden worden. In wirtschaftlich starken Ländern war Coworking kaum ein Thema, es gab weniger Spaces und das Geschäftsmodell nur schwer zu betreiben. Die Politik nahm eher von Startups allgemein Kenntnis als von Coworking Spaces.

TS: Wie haben Coworking Spaces und Startups eine Stadt wie Berlin beeinflusst?

AO: Ich sehe Berlin selber als ein Startup an. Es gibt kaum einen anderen Ort, an dem „realease early, release often“ und „trial and error“ so exzessiv praktiziert wurde. Die heutige Gründerwelle und das damit verbundene Erblühen der Coworking-Szene ist das Ergebnis einer lange überfälligen Lösung für die Stadt, die seit dem Zweiten Weltkrieg kein funktionierendes Geschäftsmodell mehr hatte. Allerdings sollte Berlin aufpassen, dass es nicht im Lauf dieser Entwicklung und in dieser Euphorie die Wurzeln verrät, weshalb die Gründer und Entrepreneure überhaupt an diesen Ort kommen.

TS: Welche Rolle spielt Coworking außerhalb von Berlin im Rest von Deutschland?

AO: In Europa gibt es zwei Coworking-Hochburgen, Barcelona und Berlin. In Deutschland ist aber keine andere Stadt vergleichbar mit der Coworking-Szene in Berlin, das unterstreicht die bereits erwähnten besonders günstigen Rahmenbedingungen in der Hauptstadt.

TS: Wie bewertest du Coworking als ein eigenständiges Geschäftsmodell?

AO: Coworking alleine in Reinform ist als Geschäftsmodell schwierig. Es müssen die Komponenten Gastronomie, Event und Community Management professionell abgedeckt sein und auch als Einnahmequellen dienen, sonst bleibt der wirtschaftliche Erfolg aus. Und genau das sind auch die Herausforderungen für die Betreiber von Coworking Spaces.

Das Coworking Space im neuen St. Oberholz in der Zehdenicker Straße 1 (Foto: St. Oberholz)
Das Coworking Space im neuen St. Oberholz in der Zehdenicker Straße 1 (Foto: St. Oberholz)

Der Blogger Ben Capper schrieb im März 2016 auf Netzpiloten.de, dass Coworking die wohl zeitgemäßeste Form des Arbeitens ist und wunderte sich, dass es immer noch Anbieter von „gewarteten Büroräumen“ gab, die sich in einem Mix aus „grauen Teppichen und Sesseln aus schwarzem Leder“ präsentierten. Er vermutet, dass nicht nur Café-Ketten, Banken, und Büroraumvermieter in Zukunft eigene Coworking-Modelle entwickeln werden, sondern auch größere Unternehmen könnten sich diesem Ort der Arbeit öffnen.

TS: Welche Rolle spielt deiner Meinung nach das Design in einem Coworking Space?

AO: Design matters! Jeder, der schon mal an hässlichen dunklen Orten versucht hat, kreativ zu sein, weiß das. Leider sind immer viele der konventionellen Arbeitsstätten genau so. Wie ein Space designt ist, ist egal, aber es muss designt sein. Das kann sehr unaufwändig oder mit viel Investition verbunden sein. Aber es muss durchdacht und mit dem Herzen gestaltet sein. Dann springt der Funke über.

TS: Wie sollte ein Coworking Space heutzutage strukturiert sein?

AO: Für mich ist ein Coworking Space perfekt, wenn er mühelos und spielerisch gastronomische Elemente mit Büroelementen verbindet. Wenn es den Nutzern möglich ist, durch die verschiedenen Nutzungsarten zu gleiten und trotzdem Rückzugsorte geboten und Privatheit vermittelt werden.

TS: Wie unterscheidet sich Coworking vom Vermieten von Büroflächen?

AO: Ganz grundsätzlich dadurch, dass man im Coworking eine Mitgliedschaft erwirbt, ein Zugangs- oder besser Nutzungsrecht des gesamten Spaces und seiner Infrastruktur und nicht einen einzelnen Raum anmietet. Am ehesten ist das vielleicht vergleichbar mit der Nutzung von Spotify – mit dem Zugang zu sehr viel Musik versus eine CD kaufen. Zudem ist die Membership sehr flexibel kündbar, da kommt kein noch so kurz gestrickter Mietvertrag mit.

Inzwischen sind es nicht nur die Freelancer, die in Coworking Spaces arbeiten. Immer mehr Unternehmen wechseln zu flexibleren Bürolösungen, die vom Coworking inspiriert sind, um so Raum für Innovationen zu schaffen und noch mehr den modernen Ansprüchen ihrer Angestellten an einen Arbeitsplatz zu entsprechen. Firmen wie die KPMG und Microsoft, aber auch Pepsi und Heineken, sind die bekanntesten Corporates, die Teams in Coworking Spaces auf der ganzen Welt geschickt haben.

Microsofts neues Büro in München wurde vom Arbeiten in Coworking Spaces inspiriert (Foto: Microsoft)
Microsofts neues Büro in München wurde vom Arbeiten in Coworking Spaces inspiriert (Foto: Microsoft)

TS: Warum zieht es immer mehr Unternehmen in Coworking Spaces?

AO: Angst vor Disruption. Und die Frage: Wo findet eigentlich Innovation statt, wenn nicht mehr in den uns bekannten Strukturen? Und auch: Wo sitzen all die jungen Talente, die wir mit Geld nicht mehr zu uns locken können?

TS: Welche Erfahrungen hast du bisher mit Corporates im St. Oberholz gemacht?

AO: Alle großen Konzerne bauen eigene Innovation-Hubs auf, die meisten in Berlin. Eine andere Möglichkeit ist, sich mit einem Team in einem Coworking Space einzumieten, das machen immer mehr Unternehmen. Beispielsweise die BVG, um nur eines zu nennen, das mit ihrem Innovationsteam bei uns am Rosenthaler Platz sitzt und jüngst von dort eine App für Fahrradfahrer rausgebracht hat. Vermutlich wäre im eigenen Büro ein ganz anderes Produkt zustande gekommen.

TS: Was können Corporates in Coworking Spaces lernen?

AO: Für die meisten Corporates steht schon nur nach einer einfachen Führung durch das St. Oberholz fest, dass sie keinen Stein mehr auf dem anderen lassen wollen. Häufig sind sie wie durch ein Fieber gepackt und wollen vieles ändern in ihrem Unternehmen. Fragen und Fragezeichen entstehen.

Dann den nächsten Schritt zu tun und wirklich in diese Welt einzutauchen, die eigene Komfortzone zu verlassen, wird dann zum elementaren Erleben, das hoffentlich soweit in die Konzerne strahlt, dass sich auch dort die Arbeitsbedingungen verändern. Was zu einem immer größeren Effekt wird, auch wenn nicht immer die korrekten Rückschlüsse gezogen werden. Zudem können Corporates ganz praktisch in Coworking Spaces mit Startups in Kontakt treten und kollaborieren.

Coworking stellt die Zukunft der Arbeit dar, dies drückt sich aber in verschiedenen Formen aus. In Ländern mit Wirtschaftskrisen, wie beispielsweise Frankreich und Spanien, stellen Coworking Spaces schon heute den Nährboden für neue Innovationen dar. In starken Volkswirtschaften, wie zurzeit in Deutschland, wirken Elemente und Idee aus dem Coworking in die Corporates rein, die sich den neuen Entwicklungen langsam anpassen. Der kollaborative Gedanken des Coworkings wird ein zentraler Bestandteil von Arbeit.

TS: Welche aktuellen Entwicklungen werden die Zukunft der Arbeit beeinflussen?

AO: Es gibt einen neuen Turbolader für die Neue Arbeit. Das sind die Blockchain-Technologien und damit verbundene Smart Contracts. Die Blockchain hat das Zeug, das Internet zu reparieren und den gleichen aufregenden Geist wieder aufleben zu lassen, der mit dem Aufkommen des Internets selber in den 90er Jahren vorherrschte, aber in der Aktienblase erstickt wurde. Mit dieser autonomen und dezentralen Technologie können sich Teams und Arbeitsgruppen auf völlig neue Weise vernetzen.

Ich denke, wir werden über kurz oder lang starre Strukturen verlassen. Agile Teams, die sich immer wieder neu zusammsetzen und verflüchtigen, werden ein Motor sein. Denkt man dann noch an die rapide Senkung der Grenzkosten und das damit verbundene Stichwort 3D-Druck, dürften spannende und schmerzhafte Jahre auf uns zukommen, die auch politisch eine Herausforderung sein werden. Und ich sage vorher, dass die Festanstellung, wie wir sie heute kennen, in absehbarer Zeit verschwinden wird.

TS: Was ist deine Prognose für die Entwicklung von Coworking in den nächsten Jahren?

AO: Trifft die oben genannte Entwicklung ein, werden Coworking Spaces – oder Strukturen, die dem Prinzip entsprechen, also Co-Strukturen – weiter aufblühen und immens wichtig sein. Konzepte wie Co-Living, Co-Kindergarten und Co-Krankenhaus könnten entstehen. Nutzungsrecht wird Besitz ablösen und Communities die Idee der geschlossenen Büros.

TS: Wie wird sich das St. Oberholz durch diese Entwicklungen verändern?

AO: Wie in all den Jahren davor werden wir versuchen, unsere Konzepte entlang den Bedürfnissen der Community und der Neuen Arbeit auszurichten und immer einen Schritt voraus zu sein, ohne zu überfordern. Vermutlich stehen wir noch ganz am Anfang von tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitswelt und ich wünsche mir, dass das St. Oberholz im Auge des Sturms agieren wird.


Image „St. Oberholz am Rosenthaler Platz in Berlin“ by Tobias Schwarz


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