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Mit Tigerbooks anders lesen

Kelly Sikkema - stock adobe com

In vielen Bereichen bringt die Digitalisierung ständig neue Innovationen mit sich. Auch auf dem Buchmarkt hat sich einiges getan. Ebooks sind immer mehr im Kommen und etablieren sich zunehmend in unseren Lesealltag. Verschiedene Apps geben dem Leser die Möglichkeit ein Buch unterwegs zulesen, obwohl man es gar nicht bei sich trägt. Aber auch für die jungen Leser gibt es nicht nur etwas auf die Augen, sondern auch auf die Ohren.

Mit den Augen lesen, mit den Ohren hören

Nachdem ich mich zum Thema Buch-Apps im Internet einmal umgesehen habe, bin ich auf eine spannende App gestoßen. Auch wenn ich aus dem Alter raus bin, habe ich etwas gefunden, was die jungen Leser begeistern könnte.

Mit Tigerbooks können Kinder von zwei bis zwölf Jahren ein ganz neues Lesevergnügen erleben. Hierbei sind sie nicht nur bloßem Text und Bildern ausgesetzt, sondern mit dieser App geht es weit über das Lesen hinaus.

Tigerbooks Screenshot by Jennifer Eilitz
Tigerbooks Hauptmenü (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Tigerbooks bietet den Kindern hier das Lesen in einer besonderen Form an. Die Bücher sind interaktiv gestaltet und können sowohl als Hörbuch genutzt oder eben selber gelesen werden. Die Bilder sind ebenfalls interaktiv und mit verschiedensten Geräuschen und Tönen bereichert. Kinder können somit auf die unterschiedlichsten Gegenstände und Figuren klicken, um das Leseerlebnis noch einmal zu untermauern.

Mit der App können aber auch Bücher ab 12 Jahren gelesen werden. Somit wird Lesespaß für kleine und große Kinder geboten. Mit Tigerbooks stehen Lesern eine Vielfalt an Büchern, Hörbüchern und interaktiven Büchern zur Verfügung. Wer ein Abonnement mit Tigerbooks eingehen möchte, der kann dies für 9,99 Euro monatlich tun.

Tigerbooks Shop Screenshot by Jennifer Eilitz
Tigerbooks Bibliothek und Shopübersicht (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Ich persönlich fand die App wirklich gut. Selbst die Lesemuffel haben hier einiges zu entdecken und können sich aktiv an den Geschichten beteiligen. Besonders schön finde ich, dass Eltern die Geschichten einlesen können, sodass ihre Kinder die Stimmen der Eltern immer dabeihaben.

Schaut euch die App mal an, es gibt sie kostenlos im Google App-Store und im Apple App-Store.


Kelly Sikkema / stock.adobe.com
Screenshots by Jennifer Eilitz


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Auch im Wartezimmer auf dem aktuellsten Stand mit Sharemagazines

Magazine, vogue, magazine cover and rihanna (adapted) (Image by Charisse Kenion [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Kennst du das? Du sitzt in einem Wartezimmer und möchtest gerade nach einer Zeitschrift greifen, doch im letzten Moment wird sie dir von einem anderen Besucher vor der Nase weggeschnappt? Oder das Magazin ist total zerlesen oder nicht mehr auf dem aktuellsten Stand? Mit Sharemagazines – dem digitalen Lesezirkel kannst du um dieses Problem allerdings einen großen Bogen machen.

Sharemagazines bietet dir nämlich über 250 digitale Magazine und Tageszeitungen direkt auf dein Smartphone. Betrittst du eine Location wie beispielsweise ein Café, einen Friseursalon, eine Werkstatt oder ein Restaurant, welches Sharemagazines anbietet, kannst du dich in der App anmelden und direkt drauf los lesen. So musst du auf deine Lieblingszeitschrift im Wartezimmer nicht mehr verzichten.

Das Ganze verläuft zudem sehr einfach. Du musst dir lediglich die App herunterladen und dich registrieren. Wenn du aber auf eine Registrierung verzichten möchtest und nur ein bisschen stöbern willst, dann kannst du das auch ohne dir einen Account anzulegen. Anschließend kannst du schauen, wer als Partner von Sharemagazines in deiner Umgebung aktiv ist und vor Ort kostenlos in einer Riesenauswahl an Zeitungen, Tageszeitungen und Magazinen blättern. Das Ganze verläuft ähnlich wie bei einem Streamingdienst.

Kleine App – viele Vorteile

Was bringt dir diese App eigentlich? Es gibt einige Vorteile, die für die Nutzung von Sharemagazines sprechen. Zum einen musst du nicht bangen, dass ausgerechnet die Zeitschrift, die dein Interesse geweckt hat, dir vor der Nase weggeschnappt wird. Außerdem erfüllt die App auch einen hygienischen Aspekt, indem du deine eigene Zeitschrift auf deinem eigenen Smartphone liest. Die Zeitschriften sind immer auf einem aktuellen Stand – du musst also nicht die News von vor drei Monaten lesen. Außerdem kannst du deine Inhalte auf dich zuschneiden lassen, indem du einfach ein Lesezeichen setzt, um beim nächsten Mal weiterzulesen oder deine Favoriten markierst.

Nichts für schwache Augen

Das Lesen auf dem Smartphone muss einem persönlich gefallen. Wer einen kleinen Bildschirm hat, der muss natürlich ordentlich zoomen. Wer mehr Wert darauflegt, eine Zeitschrift in der Hand zu halten, für den ist die App selbstverständlich nichts. Aber für alle Digitals unter uns, die ohnehin jede Nachricht via Smartphone in sich aufsaugen, ist Sharemagazines wirklich lohnenswert, da du eine große Auswahl an Tageszeitungen, Magazinen und Zeitschriften auf deinen Screen bekommst und direkt – auch ohne sich zu registrieren – drauf los lesen kannst.

Hol dir die App kostenlos im Google Play Store oder im Apple App Store.


Image (adapted) „Magazine, vogue, magazine cover and rihanna“ by Charisse Kenion (CC0 Public Domain)

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Innovation auf dem Buchmarkt – Worüber sich die digitalen Leser freuen können

Auf dem Buchmarkt konnten in den letzten Jahren einige Veränderungen beobachtet werden. Immer mehr Leser greifen auf E-Books zurück – vor allem dann, wenn unterwegs nicht viel Stauraum in der Tasche vorhanden ist. E-Books werden mittlerweile von vielen Online-Händlern angeboten. Weltbild.de, Thalia.de und Amazon sind die üblichen Verdächtigen, an die man sich wenden kann, wenn neuer E-Book-Lesestoff hermuss.

Neben den Kaufangeboten für Einzelexemplare gibt es für die Vielleser unter uns noch die Flatrate-Variante. Auch da ist Amazon mit seinem Programm Kindle Unlimited oder dem neuen Prime Reading ganz oben mit dabei. Auch Verlage ziehen in der digitalen Welt nach und gründen digitale Imprints, die die verschiedensten Zielgruppen mit einer Vielzahl an E-Books versorgen. Gute Beispiele sind dafür Feelings von Holtzbrinck ePublishing GmbH oder Forever by Ullstein.

Die Digitalisierung bietet aber noch weitere Möglichkeiten, den Leser an sich zu binden. Eine eigene Verlagsapp ist eine Möglichkeit, den Verkauf von Büchern anzukurbeln. Der Carlsen Verlag setzt hier auf Modelle für Kinder.

Dennoch gibt es die überwiegende Masse, die auf Print nun einmal nicht verzichten möchte, wie diese Statistik genauer zeigt:
Infografik: Die Deutschen und das E-Book | Statista Quelle: Umfrage „Die Deutschen und das E-Book“ by Frauke Suhr via Statista

Dank dieser Umfrage wird klar, dass E-Books deutlich öfter auf Reisen oder unterwegs im Bus oder der Bahn genutzt werden, abends auf dem Sofa greifen die Vielleser noch immer lieber zum Printbuch.

Aber nicht nur das neue Lesefutter auf den smarten Geräten an sich, ist für die Verlage interessant. Immer öfter schauen die Verlage auch in bestehende Online-Communitys, die sich mit den Themen rund um Bücher beschäftigen, diese bewerten, rezensieren und darüber diskutieren. Für Autoren und Verlage bieten diese Plattformen eine gute Möglichkeit, die Reichweite ihrer Werke zu erhöhen.

Lesen unterwegs mit Read ’n‘ Go

Das Angebot ‚Read’n’Go‘ hat die Verlagsgruppe Random House entwickelt. Die Startseite ist sehr übersichtlich und kommt ohne großen Schnickschnack daher. Hier finden sich einige Titel, von denen bereits eine interaktive Leseprobe zur Verfügung gestellt wurden. Der Leser sucht sich sein Wunschbuch heraus und klickt auf den jeweiligen Titel. Sofort wird er auf die Seite weitergeleitet, bei der es dann wirklich interessant wird.

Die erste Seite zeigt das Cover und leitet den Leser direkt zum Shop, wo er das Buch erwerben kann. Außerdem kann die Leseprobe direkt per E-Mail, auf Facebook und Twitter geteilt werden.

Read'n'Go Startseite Buch (Screenshot by Jennifer Eilitz)
Read’n’Go Bücher Startseite (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Die eigentliche Leseprobe erfolgt dann ganz einfach durch Scrollen. Die wichtigsten Ausschnitte werden nach und nach angezeigt. Zwischendrin gibt es immer wieder kleine Schaubilder mit Zitaten oder Videos, die zum Denken anregen und Lust auf mehr machen.

Read'n'Go Leseprobe (Screenshot by Jennifer Eilitz)
Read’n’Go Leseprobe (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Diese interaktive Leseprobe hat mir schon einmal gut gefallen. Der Leser bekommt hier wirklich Lust auf mehr, denn mit jedem Scrollen erwartet den Leser etwas Neues. Bilder, Sprüche und kleine Textpassagen aus einzelnen Kapiteln verraten dabei nicht zuviel. Die Autoren werden zudem auf einer separaten Seite vorgestellt. Nach ein wenig Stöbern habe ich mich schnell darin verloren und sogar dabei erwischt, wie ich kurz davor war, den Online-Shop zu besuchen. Eine wirklich gute Gelegenheit für die Leser, neue Bücher kennenzulernen und für die Verlagsgruppe, den Leser neugierig zu machen.

Read'n'Go Werbung (Screenshot by Jennifer Eilitz)
Read’n’Go Werbung (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Für Freunde des gedruckten Buches: Papego macht den Mix

Mit der App von Papego wird dem Leser das Schleppen und das schwere Mittragen von Büchern um einiges leichter gemacht. Wer die Taschen schon voll, aber eine lange Bahnfahrt vor sich hat, kann das Buch einfach auf dem Smartphone weiterlesen. Hierfür muss die zuletzt gelesene Seite im Buch fotografiert werden. Der Nutzer kann anschließend bis zu 25 Prozent des Buches weiterlesen. So wird nicht nur eine Menge Platz gespart. Der Leser kann die Kombi-Variante wählen und muss nicht völlig auf das herkömmliche Printbuch verzichten.

Wer ein Papego-Buch lesen möchte, muss auf den Sticker achten, der sich auf dem Cover befindet. Ohne diesen ist das Lesen mit der Papego-App nicht möglich. Die kostenlose App gibt es bei iTunes oder im Google App Store zum Download.

Social Reading mit Goodreads

Reading Challenge (Screenshot by Jennifer Eilitz)
Reading Challenge (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Bei Goodreads handelt es sich um eine englischsprachige Social-Reading-Plattform, auf der sich jeder wohlfühlt, der sich gerne über Bücher austauscht. Hier kann der Leser zu Challenges antreten, bei der die Anzahl von zu lesenden und gelesenen Büchern im Vordergrund steht. Der Leser legt eine Zahl an Büchern fest, die dieser innerhalb eines Jahres lesen möchte.

Goodreads hilft seinen Nutzern außerdem dabei, Bücher zu finden, für die sie sich interessieren. Auf dieser Plattform kann man sehen, was die eigenen Freunde gerade lesen, oder man markiert Bücher, die man selbst gerade liest, lesen möchte oder gelesen hat. Goodreads bietet seinen Lesern zudem persönliche Leseempfehlungen, wenn einem selbst gerade die Ideen ausgehen. Aufgrund meiner Leseinteressen zeigt Goodsreads mir vor allem englischsprachige Empfehlungen, da die Plattform nur auf Englisch ist. Dennoch sind auch deutsche Autoren mit deutschen Inhaltsangaben auf der Plattform unterwegs.

Goodreads Empfehlung (Screenshot by Jennifer Eilitz)
Leseempfehlung von Goodreads (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Hat man sich in dieser Plattform erst einmal zurecht gefunden, dann macht sie wirklich Spaß. Das eigene Bücherregal virtuell nachzustellen und sich Leseziele zu setzen, finde ich als Bücherbegeisterte sehr spannend.

Deine Stimme für das Buch: Lovelybooks

Nicht nur die Aufmachung und das Design ist einer der Gründe, warum ich mich auf Lovelybooks angemeldet habe, sondern auch die zahlreichen Funktionen, die diese Plattform bietet. Dieses Portal ist von den Funktionen her sehr ähnlich wie Goodreads und mehr oder weniger die deutsche Antwort auf die Goodreads-Plattform. Hier können sich Leser ebenfalls mit anderen Lesern austauschen, vernetzen und rund um die Themen Bücher, Autoren, Neuigkeiten und Neuerscheinungen diskutieren. Gewinnspiele, Leserunden – alles was das Bücherwürmerherz begehrt, sind hier möglich. Auch Leseempfehlungen mit Leserstimmen sind ganz oben im Programm von Lovelybooks, sodass die Nutzer immer auf das für sie passende Buch aufmerksam gemacht werden.

Lovelybooks Empfehlung (Screenshot by Jennifer Eilitz)
Lovelybooks Empfehlung (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Besonders gut gefallen mir die Rankings, bei denen die Leser mitvoten können. Es gibt viele verschiedene Rankinglisten, wie beispielsweise der Lovelybooks-Leserpreis oder das Abstimmen für die persönlichen Lesehighlights, um das Lieblingsbuch nach ganz oben auf die jeweilige Liste zu bringen. Hierbei erhält jeder Leser 30 Punkte, die er an die jeweiligen Bücher vergeben darf.

Voting bei Lovelybooks (Screenshot by Jennifer Eilitz)
Voting bei Lovelybooks (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Der Nutzer kann zudem seine eigene Bibliothek erstellen und die einzelnen Bücher darin anhand von Sternen bewerten und diese rezensieren. Außerdem kann er seinen Lesestatus mit anderen Nutzern teilen und sogar die Seitenzahl angeben, auf der er sich im aktuellen Buch befindet.

Lovleybooks Bibliothek (Screenshot by Jennifer Eilitz)
Lovleybooks Bibliothek (Screenshot by Jennifer Eilitz)

Auch Autoren haben die Möglichkeit, aktiv auf der Plattform mitzuwirken. Allerdings muss der Autor mindestens ein Werk veröffentlicht haben, um an diesem Autorenprogramm teilzunehmen. Hier kann er unter anderem Leserunden und Gewinnspiele veranstalten und vor allem mit seinen Lesern direkt in Kontakt treten. Für das Marketing eines Autors bietet sich eine solche Social-Reading-Plattform besonders gut an, da die Werke direkt mit dem Autorenprofil verbunden sind und auch auf anderen sozialen Kanälen die neuesten Aktivitäten geteilt werden können.

Auf den Autorenseiten kann der Leser Feedback hinterlassen. Aber nicht nur begeisterte Leser tummeln sich auf Lovelybooks, sondern auch Blogger, die auf der Suche nach neuen Inhalten und Themen für ihre Buchblogs sind.

And the winners are…

Eins vorweg: Alle vier Portale haben mir sehr gut gefallen. Mein absoluter Favorit, wenn es um die Social-Reading-Plattformen geht, ist jedoch eindeutig Lovelybooks. Der Aufbau ist überschaubar und überhaupt ist die Bedienung sehr einfach. Auf dem zweiten Platz folgt Read’n’Go, denn hier habe ich mich selbst ganz schnell beim Stöbern verloren und war bestens über die jeweiligen Bücher informiert. Ich würde mir wünschen, dass die Anzahl der angebotenen Read’n’Go-Bücher noch weiter steigt, denn nun bin ich gespannt auf die nächsten interaktiven Leseproben.

So, ich werde dann mal bei Lovelybooks mein virtuelles Bücherregal sortieren müssen…


Image (adapted) „lesen-ebook“ by haderer17 (CC0 Public Domain)


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Lesen, bis der Akku leer ist: Die neuesten E-Reader im Test

Lesen (adapted) (Image by Arcaion [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Bücher sind für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil des Alltags. So auch für mich. Habe ich ein Buch beendet, beginne ich direkt mit dem nächsten – was natürlich immer ein tolles Gefühl ist, wenn man das Bücherregal mit einem weiteren Werk schmücken kann. Da ich wegen meines Studiums viel Zeit mit vollen Taschen in Zügen verbringe, muss ich mich immer wieder entscheiden: Passt zwischen die dicken Uniwälzer noch genug Essen und die Wasserflasche – oder sollte ich lieber auf ein paar Snacks verzichten und doch noch das spannende Buch für die Rückfahrt hineinquetschen? Mein Rücken meckert auch, und ich beschließe: Es wird Zeit für eine digitale Revolution in meiner Tasche.

Natürlich ist der E-Book-Trend nicht völlig an mir vorbeigegangen, hin und wieder lese ich ein paar E-Books auf meinem zu groß geratenen Tablet. Für einen E-Book-Reader konnte ich mich nicht so sehr erwärmen – bis jetzt! Denn nachdem ich die folgenden drei E-Reader getestet habe, weiß ich, dass ich nie wieder auch nur ein Wort mehr als nötig auf meinem Tablet lesen möchte. Ich habe drei aktuelle Geräte auf Laufzeit, besondere Merkmale und Vielseitigkeit getestet: Den neuen Amazon Kindle Oasis, den herkömmlichen Amazon Kindle und den Tolino Vision 4 HD.

Der Neuling: Tolino Vision 4 HD

Am Tolino Vision 4 HD gefiel mir auf den ersten Blick sein schlichtes Design. Er liegt mit seinen 175 Gramm und seiner Gummibeschichtung sehr leicht und angenehm in der Hand. Mit einer Bildschirmgröße von gerade einmal sechs Zoll ist er zum Lesen genau richtig. Der Tolino bringt neben seiner Wasserresistenz einige coole Features mit, die mich als E-Reader-Neuling beeindruckt haben.

Tolino schläft (Image by Jennifer Eilitz)
Tolino schläft (Image by Jennifer Eilitz)

Als ich den Tolino aus der Verpackung genommen habe, fiel mir als erstes das schlafende Gesicht auf dem Display ins Auge mit der Bildunterschrift: „Psst… Tolino schläft“. Das verleiht dem Ganzen einen niedlichen Charakter und macht Tolino zu einer Art begleitendem Maskottchen, das man gerne bei sich trägt.

Das erstmalige Verbinden mit WLAN hat reibungslos geklappt und verlief ziemlich schnell. Was mir allerdings nicht gut gefallen hat, war die ständige Erinnerung an ein neues Update, was gefühlt bei jeder Benutzung aufpoppte.

Auf dem Tolino findet sich der Shop auf der Startseite, bei dem man das Gerät gekauft hat, in diesem Fall war es der Onlineshop von Hugendubel. Wollte ich meine Bücher lieber bei Thalia oder einem anderen Shop aussuchen, dann musste ich das über den Webbrowser tun. Das Scrollen und Surfen im Web über den Reader gestaltete sich leider als weniger angenehm, da die Reaktionen des Readers sehr langsam, zögerlich und flackernd waren.

Wer allerdings den Dreh raus hat und Kunde bei Hugendubel, Thalia und Co. ist, hat ein angenehmes Lesevergnügen vor sich. Denn hier hat der Tolino ein besonderes Feature, bei dem man nicht mehr zwangläufig mit dem Finger auf dem Bildschirm tippen muss, um zu blättern, sondern man kann dies bequem auf der Rückseite tun, indem man auf das Logo tippt. Allerdings muss der Nutzer hier eine Menge Fingerspitzengefühl beweisen – bei mir wollte das nicht immer auf Anhieb klappen.

Ansprechend fand ich auch die Option, Bücher über eine Leihbibliothek auf seinen Reader zu laden. Auch das geht ganz einfach, ohne dass man erst das E-Book auf den PC laden muss. Außerdem braucht der Leser auch das Buch nicht fristgerecht zurückzugeben, denn das passiert am Ende der Leihfrist ganz von selbst, indem sich das E-Book vom Reader entfernt.

Wie bei allen getesteten E-Readern kann der Leser beim Tolino seine Leseeigenschaften individuell einstellen. Ob Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand oder sogar die Randbreite – die Möglichkeiten sind sehr vielseitig und können das Lesen noch angenehmer gestalten.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf eine wirklich gute Funktion des Tolino Vision 4 HD aufmerksam machen: Das smartLight. Hier verändert der Reader automatisch die Beleuchtung, um sich entsprechend des Tageslichts und des Leseverhaltens der Nutzer anzupassen. Morgens strahlt er im kaltweißem Licht, abends leuchtet er warmweiß, um den Leser nicht vom Einschlafen abzuhalten. Diese Funktion hat natürlich Einfluss auf die Akkulaufzeit, die aber mit etwa zwei bis dei Wochen für meine Bedürfnisse absolut ausreicht.

Der Tolino Vision 4 HD ist in vielen Shops erhältlich und unter anderem auch bei Hugendubel für ca. 180,00 Euro online zu bestellen.

Der Klassiker: Amazon Kindle

Ich muss zugeben, dass ich ein absoluter Amazon-Fan und Prime-Kunde bin und gerne auf die Produkte und Bücher des Onlinehändlers zugreife. Daher wollte ich es mir auch nicht nehmen lassen, den altbewährten Amazon Kindle zu testen. Dazu gibt’s jeden Monat ein E-Book gratis.

Genau wie beim Tolino war auch hier die WLAN-Anmeldung sehr einfach und schnell. Ich mochte den Kindle auf Anhieb und war gespannt, was er alles zu bieten hat. Der Startbildschirm ist sehr übersichtlich und einfach aufgebaut. Es gibt eine digitale Bibliothek, in der sich alle Bücher befinden, die ich lese oder bereits gelesen habe. Außerdem kann man eine Liste mit Büchern erstellen, die man noch lesen möchte und erhält exklusive Empfehlungen.

Amazon Kindle Startbildschirm (Image by Jennifer Eilitz)
Amazon Kindle Startbildschirm (Image by Jennifer Eilitz)

Der Kindle ist mit seinen 161 Gramm und seinem Bildschirm, der sechs Zoll misst, sehr leicht und praktisch. Allerdings würde ich eine Schutzhülle mit Gummibeschichtung empfehlen, da dieser E-Reader – anders als der Tolino – durch die Plastikhülle hin und wieder mal aus der Hand rutscht. Was ich allerdings zu bemängeln habe, ist, dass die Beleuchtung nicht reguliert werden kann. Sobald es dunkler wird, wird es also auch schwieriger mit dem Lesen und man muss wie in analogen Zeiten eine Leselampe zu Hilfe nehmen.

Ich habe mir zum Test ein E-Book auf den Reader geladen, was als Prime-Kunde sehr einfach und schnell ging. Auch das Lesen hat mir sehr viel Spaß gemacht, da ich in verschiedenen Situationen getestet habe: Im Wartezimmer beim Arzt, als Beifahrer auf einer längeren Autostrecke, gemütlich auf dem Sofa, oder im Bett kurz vor dem Schlafengehen. Er hat mich immer überzeugt. Sowohl mit der langen Akkulaufzeit, die mit eine Länge von mehr als drei Wochen beachtlich ist, als auch mit der riesigen Auswahl an E-Books, die Amazon seinen Kunden bereitstellt.

Ich hatte jedoch zu Beginn ein paar Probleme, mit der Funktionsweise der Seitenanzeige. Anfangs wurde mir immer wieder die Positionsangabe aufgezeigt, die ich nicht praktisch fand. Ich weiche zwar mit einem E-Reader von einem physischen Buch ab, möchte aber dennoch das Buch-Gefühl, so gut es eben geht, nachempfinden. Kurz: Mich interessieren Seitenzahlen einfach mehr als Daten. Ich fand schließlich heraus, dass ich für die Darstellung auf die linke unterste Ecke tippen musste. Die Option, erfahren zu können, wie viele Minuten für ein Kapitel noch benötigt werden, hat mir gefallen – solange es eine Option bleibt.

Den klassischen Kindle kann man schon für kleines Geld kaufen und so ist er bei Amazon für ca. 69,99 Euro in schwarz und weiß erhältlich.

Der Luxuriöse: der Amazon Kindle Oasis

Der wohl wichtigste Punkt des großen Bruders von Amazon ist das optische Erscheinungsbild: Er liegt durch seine ergonomische Haltefläche, in die der Akku integriert ist, bequem in der Hand. Der Kindle Oasis lässt sich sowohl per Berührung als auch anhand von zwei Knöpfen umblättern, was das Lesen und Halten des Readers noch einfacher macht. Der Kindle Oasis ist der bislang leichteste und dünnste Reader des Anbieters und hat mich optisch angenehm überrascht

Oasis ergonomische Form (Image by Jennifer Eilitz)
Oasis ergonomische Form (Image by Jennifer Eilitz)

Auch er mit einem Bildschirm von sechs Zoll ausgestattet, jedoch ist er mit seinem einmaligen Design kaum mit dem Tolino Vision 4 HD oder dem herkömmlichen Amazon Kindle vergleichbar. Der Menüaufbau gleicht dem Kindle in beinahe allem, nur dass ich hier zusätzlich an der Helligkeit stellen kann, was ich mir beim klassischen Kindle gewünscht hätte. Daher testete ich überwiegend den klassischen Kindle am Tag und den Oasis abends im dunklen Schlafzimmer – und ich muss sagen, dass es meine Augen nicht im Geringsten angestrengt hat.

Besonders gefallen hat mir hier die Idee, die Anzeige drehbar zu gestalten – solche Features sind wir mittlerweile vom Smartphone gewöhnt, bei den E-Book-Readern suchte man sie allerdings bisher vergeblich. Das macht es auch für Linkshänder oder Bequemlichkeitsfanatiker gut nutzbar, denn so kann die Knopfleiste sowohl links als auch auf der rechten Seite genutzt werden.

Amazon Oasis mit Ladehülle (Image by Jennifer Eilitz)
Amazon Oasis mit Ladehülle (Image by Jennifer Eilitz)

Ein sehr praktisches Feature ist die Ladefunktion über die Hülle, die man mit durch Magnete am Kindle befestigen kann. Dadurch kann die Laufzeit des Kindle Oasis, die in anderen Produkttests bereits deutlich kritisiert wurde, ordentlich verlängert werden. Der Trick steckt in der Verpackung: Solange die Lederhülle, die man in verschiedenen Farben erhält, am Kindle befestigt ist, wird der Akku darüber verbraucht und das eigentliche Gerät wird nicht in Mitleidenschaft gezogen.

So kann der Leser den Reader laut Hersteller über mehrere Monate benutzen, ohne ihn aufladen zu müssen. Ganz so viel Zeit hatte ich leider nicht zum Testen, aber drei gute Wochen hielt das Gerät ohne Probleme durch. Wie handlich das Ganze dann mit Hülle noch ist, daran scheiden sich die Geister. Mich hat es nicht so sehr gestört, die Idee geht aber auf Kosten des Gewichts.

Die Hülle kann aber noch mehr: Da sie den Reader wie ein richtiges Buch verschließt, wacht der Reader auf, wenn man sie aufklappt. Das Gerät wird in den Ruhemodus versetzt, wenn man die Hülle wieder schließt.

Dem Nutzer wird noch mehr geboten – und das fand ich genial: Man kann sich wie auch bei den anderen beiden E-Readern über WLAN anmelden, aber hier wird von Amazon zusätzlich 3G bereitgestellt, sollte man sich nicht direkt über WLAN anmelden können. Die Kosten für die Drahtlosverbindung übernimmt Amazon, dem Nutzer entstehen so keine zusätzlichen Kosten oder Verpflichtungen. So kann das Lesen und Herunterladen von Büchern direkt beginnen. Der einzige Nachteil dabei ist, dass das Gerät beim Kauf teurer ist, als wenn man nur auf die herkömmliche WLAN-Funktion zurückgreift.

Für den Kindle Oasis muss der Leser schon etwas tiefer in die Tasche greifen: Zu einem Preis ab 289,99 Euro kann er bei Amazon bestellt werden. Die mitgelieferte Ladehülle ist in drei verschiedenen Farben erhältlich: Walnuss, Schwarz oder Bordeaux.

Fazit

Nachdem ich also drei Wochen damit verbracht habe, auf den verschiedensten E-Readern zu lesen, bin ich wirklich positiv überrascht. Die Tests haben mir gezeigt, wie praktisch diese Reader sind und wie bequem man sie zu jeder Zeit nutzen kann.

Am besten haben mir die Kindle-Modelle gefallen. Die Funktionen, wie beispielsweise die Leseflatrate Kindle Unlimited für zehn Euro im Monat, fand ich ziemlich überzeugend. Prime-Nutzer können sich sogar monatlich ein Buch kostenlos ausleihen. Zudem verlief das Durchstöbern der Bücher auf der Amazon-Plattform viel schneller und auch die Reaktionen waren sowohl beim klassischen Kindle als auch beim Oasis besser als beim Tolino.

Aber muss der Leser nun in jedem Fall auf das teurere Produkt zugreifen? Für meine Zwecke reicht der klassische Kindle vollkommen aus. Wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, kann ich dort auf die Beleuchtung zurückgreifen, die mir beim Kindle am Abend oder wenn es dunkel wird, fehlt.

Die Luxus-Variante Kindle Oasis hat zwar auch vieles zu bieten, dennoch ist er mir schlichtweg zu teuer – und auch wegen des Preises würde ich ihn nicht überall mitnehmen. Von den Leseoptionen unterscheiden die beiden Geräte sich bis auf die Beleuchtung nicht. Der klassische Kindle erscheint mir sehr robust – und selbst, wenn er einmal in meiner Tasche zwischen all den Uniwälzern landet und vielleicht auch mal einen Kratzer abbekommt, wäre das zwar ärgerlich und schade, aber bei Weitem nicht so schlimm wie bei einem Gerät, für das ich knapp 300 Euro bezahlt habe und das ich mit Samthandschuhen anfassen muss.

Da ich auch in Zukunft viel in Zügen unterwegs sein werde, wird in mein Regal und vor allem in meine Tasche demnächst der klassische Kindle einziehen, denn hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis auf jeden Fall.


Image (adapted) „Lesen“ by Arcaion (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • FIREFOX golem: Firefox 49 kann vorlesen: Mozilla hat eine neue Version von Firefox für Windows, Linux, Mac OS und Android veröffentlicht. Ein besonderes Feature des Updates ist die Vorlesefunktion. Diese lässt sich im Reader-Modus, den man über das Buch-Symbol in der Adressleiste öffnen kann, anschalten. Außerdem benutzt die Android-Version den Cache sinnvoll und zeigt zuvor aufgerufene Seiten auch an, wenn gerade keine Internet-Verbindung vorhanden ist.
  • YAHOO handelsblatt: Yahoo ließ sogar Verizon im Dunkeln tappen: Yahoo wurden mehr als 500 Millionen Datensätze geklaut. Nicht nur den Kunden hat die CEO Marissa Mayer dies verheimlicht, sondern auch dem Telekomkonzern Verizon, der das Unternehmen übernehmen möchte. Außerdem können unter den entwendeten Daten Namen, Geburtstage, E-Mail-Adressen und Telefonnummern sein. Teilweise konnten die Angreifer sogar Sicherheitsfragen und Antworten übernehmen, mit denen man Passwörter zurücksetzten kann.
  • FACEBOOK heise: CarPlay-Unterstützung: Facebook Messenger lernt Autofahren: Dank iOS 10 kann man ab sofort Anrufe von dem Facebook Messenger auch im Auto entgegennehmen. Jedoch gibt es noch keine Siri-Unterstützung, sodass man die Telefonate nicht selbst einleiten kann. Außerdem werden in CarPlay-Fahrzeugen nun auch Benachrichtigungen des Messengers empfangen. CarPlay ist eine intelligente, sichere Möglichkeit, um das iPhone im Auto nutzen zu können, die man in ausgewählten Modellen findet.
  • INDUSTRIE 4.0 t3n: Industrie 4.0: SAP und Bosch planen Kooperation für das Internet der Dinge: Bosch und SAP haben jetzt eine langfristige Kooperation angekündigt. Beide Unternehmen bieten jeweils eigene Produkte für das Internet der Dinge an und möchten nun im Cloud-Sektor zusammenarbeiten. In Zukunft wollen die beiden Konzerne auch im Rahmen des Industrial Internet Consortium und der deutschen Plattform Industrie 4.0 gemeinsame Industriestandards entwerfen. Zusammen wollen sie einheitliche Rahmenbedingungen schaffen, von denen die gesamte Industrie profitieren wird.
  • TWITTER spiegel: Die Türkei fordert Twitter besonders oft zum Löschen auf: Twitter bekommt immer mehr behördliche Anfragen zum Löschen von Inhalten. Einem aktuellen Transparenzbericht zufolge kamen fast 80 Prozent der Aufforderungen aus Russland und der Türkei. Im ersten Halbjahr 2016 bekam Twitter 4434 Anträge von Regierungs- und Polizeistellen, das sind 13 Prozent mehr als im Vorhalbjahr. Die Anfragen wurden meistens damit begründet, dass Inhalte gegen gesetztliche Bestimmungen in den betreffenden Ländern verstoßen haben.
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OpenBookCase: Ein Mann, ein Buch, ein Regal

Image 'Screenshot Open Bookcase' by Marinela Potor

Zum Buch-Tausch ins Netz: Mit einer einer Website, mit der Nutzer auf der ganzen Welt auf einer interaktiven Karte öffentliche Bücherregale finden können.

Christian Nielebock hat mit OpenBookCase eine Webseite gegründet, mit der Nutzer auf der ganzen Welt auf einer interaktiven Karte öffentliche Bücherregale finden können. Das funktioniert im Prinzip wie eine Tauschbörse, auf der jeder Bücher einfach abgeben, tauschen oder mitnehmen kann.

Es war an einem Septembertag im Jahr 2013. Christian Nielebock stand gerade unter der Dusche, als ihm die Idee zu seiner Webseite kam. Davor hatte er schon seit einer Weile nach einem Platz in seiner Heimatstadt Frankfurt gesucht, an dem er seine alten Xbox-Spiele loswerden konnte. Doch der öffentliche Bücherschrank in Frankfurt akzeptierte keine Computerspiele oder Videos mehr.

Christian Nielebock machte sich also auf die Suche im Internet und fand erst eine Wikipedia-Liste von Bücherschränken in Deutschland, Österreich und der Schweiz und schließlich die Seite Tauschgnom.

Keine der beiden Lösungen überzeugte ihn so wirklich. Die Wikipedia-Liste wurde zwar von vielen in Foren von Thread zu Thread kopiert, doch schien das Ganze sehr umständlich und nicht besonders übersichtlich. Wer einen Bücherschrank finden wollte, musst sich mit der Liste erstmal selbst auf die Suche nach dem eigentlichen Ort des Schranks machen. Tauschgnom wiederum war zwar besser aufgestellt, aber auch hier sah Nielebock Verbesserungspotential: “Die haben zwar auch offene Bücherregale, allerdings ist es so, dass neue Einträge nur dort auf der Karte erscheinen, wenn man dem Admin eine Mail schreibt.”

Wenn aber beispielsweise ein Bücherschrank nicht mehr existiert oder die Öffnungszeiten ändert, kann es ein sehr langfristiger Prozess sein, bis Nutzer die Änderungen auch tatsächlich auf der Seite sehen können. Nach all diesen Recherchen erlebte Nielebock sein “Eureka!” unter der Dusche: Eine eigene Webseite musste her.

Ein Bücherschrank für alle

So machte sich der Softwareentwickler und Familienvater von drei Kindern also daran, seine eigene Webseite zu gründen: OpenBookCase erblickte das Licht der Welt. Das “Open” steht dabei für Open Source und Open Data, das war Christian Nielebock ganz wichtig. Jeder darf also die Daten der Seite benutzen, verändern und hat auch Zugriff darauf:

Wenn jemand einen Bücherschrank einträgt kann ein anderer ihn verändern. Er kann ein Bild dazu hochladen, kann die Daten aktualisieren, kann ihn zur Not auch löschen. Das mag am Anfang etwas riskant klingen, aber tollerweise klappt das super und keiner treibt Schindluder.

Nielebocks Idee der Share-Economy geht also auf. Doch bis das Projekt erst einmal so weit war, dauerte es noch eine Weile.

Von der Idee zum Erfolg

Im November 2013, zwei Monate nach seiner Dusch-Idee, stellte er sein Projekt zum ersten Mal öffentlich auf dem BarCamp in Dieburg vor. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aus allen bekannten Listen eine Übersichtskarte von insgesamt 356 Bücherschränken erstellt. Nielebock wollte, dass Nutzer direkt auf der Karte sehen konnten, wo ein Bücherschrank in ihrer Nähe war. Dazu hatte er selbst in mühseliger Kleinarbeit zu allen ihm bekannten Schränken die Koordinaten herausgesucht, Bilder hochgeladen, Öffnungszeiten herausgefunden und all dies auf seiner Webseite eingetragen. Das Publikum war begeistert. Mit diesem guten Feedback präsentierte Nielebock schließlich das OpenBookCase-Projekt auf dem Webmonitor in Frankfurt.

Doch so begeistert die Community auch war, die Seite kam nur schleppend voran – bis Nielebock die Plattform Bookcrossing entdeckte. Hier schicken Nutzer Bücher auf Reisen um die ganze Welt und können anschließend beobachten, wer gerade in welcher Ecke des Globus ihr Buch liest.

Screenshot Bookcrossing by Marinela Potor
Ein Buch geht um die Welt: mit Bookcrossing. (Image: Screenshot by Marinela Potor)

Als Christian Nielebock den Nutzern von Bookcrossing die OpenBookCase Seite vorstellte, waren diese gleich Feuer und Flamme, sagt Nielebock: “Die Mitglieder waren begeistert, sie haben dann angefangen ihre Schränke einzutragen und da war ich dann ganz froh, dass es plötzlich 400 und 500 waren.”

Besonders viel Feedback kam aus Russland und Zentralasien sowie aus den Niederlanden. So kamen dann zwei Bookcrossing-Nutzer schließlich auch auf die Idee, OpenBookCase für Nielebock auf niederländisch und russisch zu übersetzen. So wurde aus der Idee von Christian Nielebock schließlich eine weltweit engagierte Community. Während die Karte in Europa und Asien gut gefüllt ist, fehlen derzeit Daten vor allem aus Amerika und Afrika. Mittlerweile sind aber über 2.000 offene Bücherschränke weltweit auf OpenBookCase zu finden.

Screenshot Open Bookcase by Marinela Potor
Eine interaktive Karte zeigt, wo sich die Regale befinden. (Image: Screenshot by Marinela Potor)

Reale Welt trifft virtuelle Welt

Auf OpenBookCase treffen die Welt des Internets und die reale Welt aufeinander. Wer auf der Suche nach einem offenen Bücherschrank in seiner Stadt ist, entweder um Bücher abzugeben oder selbst einfach stöbern möchte, klickt sich also einfach auf OpenBookCase rein und kann über die Seite direkt einen Standort in seiner Nähe finden. Für Smartphones zeigt die Standort-Funktion den Nutzern direkt Bücherschränke in ihrer unmittelbaren Umgebung an. Nielebock möchte auch ein Navigationsprogramm einrichten, das die Nutzer dann direkt zu den Bücherschränken führen soll.

Mittlerweile hat Nielebock auch Give-Boxen und Umsonstläden in seine Karte mit eingefügt. Einige dieser offenen Tauschstände haben Paten, andere funktionieren als Selbstläufer – möglich gemacht durch das Engagement der Online-Community. Das hilft auch Christian Nielebock, der das Projekt alleine in seiner Freizeit bestreitet. An neuen Ideen für OpenBookCase fehlt es ihm dabei aber nicht.

Als nächstes möchte er eine Wunschliste einführen, ein Vorschlag seiner Frau. Nutzer sollen dabei auflisten können, wenn sie sich ein bestimmtes Buch wünschen. Andere Nutzer wiederum können diese Bücher dann in die Bücherschränke einstellen und so die Bücherwünsche erfüllen. Wer weiß, vielleicht kann Christian Nielebock diese Idee ja sogar noch passend zur Weihnachtszeit umsetzen.


Teaser & Image by Marinela Potor (Screenshots)


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Überlebenskunst im Daten-Mahlstrom

Books HD (adapted) (Image by Abhi Sharma [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Unendlichkeit der Lektüremöglichkeit ist kein Problem der Internetzeit. Heute wie damals gibt es aber nur eine praktikable Lösung: Go with the flow. Das Gefühl, in einer Flut von digitalen Daten zu versinken und die Orientierung zu verlieren, ist nicht wirklich neu. Das Jammern der liebwertesten Gichtlinge des Kulturpessimismus erinnert ein wenig an die Hampelmänner in dem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil. Und hier besonders an General Stumm, der auf der Suche nach dem erlösenden Gedanken ist: „Du erinnerst Dich“, sagte er, „dass ich mir in den Kopf gesetzt habe, den erlösenden Gedanken, den Diotima sucht, ihr zu Füßen zu legen. Es gibt, wie sich zeigt, sehr viele bedeutende Gedanken, aber einer muss schließlich der bedeutendste sein; das ist doch nur logisch? Es handelt sich also bloß darum, Ordnung in sie zu bringen.

Zehntausend Jahre Lektürezeit

Wenig vertraut mit Gedanken und ihrer Handhabung, noch weniger mit der Technik, neue zu entwickeln, beschließt General Stumm, sich in die Hofbibliothek zu begeben, ein grundsätzlich idealer Ort, um sich mit ungewöhnlichen Gedanken auszustatten. Er hofft, sich „über die Stärke des Gegners Klarheit zu verschaffen“ und auf eine möglichst organisierte Weise zur originellen Idee zu gelangen. Der Besuch in der Bibliothek versetzt den General allerdings in große Angst, da er mit einem Wissen konfrontiert wird, das ihm keinerlei Orientierung bietet und über das er nicht die vollständige Befehlsgewalt hat, die er als Militär oder Zeitungsherausgeber gewohnt ist:

Wir sind den kolossalen Bücherschatz abgeschritten, und ich kann sagen, es hat mich weiter nicht erschüttert, diese Bücherreihen sind nicht schlimmer als eine Garnisonsparade. Nur habe ich nach einer Weile anfangen müssen, im Kopf zu rechnen, und das hatte ein unerwartetes Ergebnis. Siehst du, ich hatte mir vorher gedacht, wenn ich jeden Tag da ein Buch lese, so müsste das zwar sehr anstrengend sein, aber irgendwann müsste ich damit zu Ende kommen und dürfte dann eine gewisse Position im Geistesleben beanspruchen, selbst wenn ich das ein oder das andere auslasse. Aber was glaubst du, antwortet mir der Bibliothekar, wie unser Spaziergang kein Ende nimmt und ich ihn frage, wie viel Bände denn eigentlich diese verrückte Bibliothek enthält? Dreieinhalb Millionen Bände, antwortet er! Wir sind da, wie er das sagte, ungefähr beim siebenhunderttausendsten Buch gewesen, aber ich habe von dem Augenblick an ununterbrochen gerechnet (Google oder Wolfram Alpha könnten das in einer Nanosekunde ausspucken); ich will es dir ersparen, ich habe es im Ministerium noch einmal mit Bleistift und Papier nachgerechnet: Zehntausend Jahre würde ich auf diese Weise gebraucht haben, um mich mit meinem Vorsatz durchzusetzen!

Ertränkt von Büchern

Die Unendlichkeit der Lektüremöglichkeit ist also kein Problem der Internetzeit. Jeder Leser ist eben auch ein Nicht-Leser. Es ist das alte Problem von Kultur und Unendlichkeit, die auch mit Boole’scher Mathematik nicht in den Griff zu kriegen ist. Das wäre auch anmaßend. Auch Johann Gottfried Herder stellt sich im 18. Jahrhundert die Frage, wie man eine ganze Bibliothek und das gesamte Weltwissen lesen kann. Zum Zeitpunkt seiner Abreise aus Riga zu einer langen Seefahrt ist Herder gerade einmal 24 Jahre alt. „Er beklagt sein Gelehrtenschicksal und sieht sich geradezu ertränkt von Büchern. Er sei ‚ein Wörterbuch von Künsten und Wissenschaften‘. Herder beschreibt sich als trockenen Gelehrten, als ein totes, künstliches System von Wissensbeständen. Er selbst sei ‚ein Tintenfass von gelehrter Schriftstellerei‘. Mit 24 ist Herder so angefüllt von Wissen, dass er dieses als Ballast beklagt“, so Matthias Bickenbach und Harun Maye in ihrer Abhandlung „Metapher Internet – Literarische Bildung und Surfen“.

Entdeckungen zulassen

Herder befreit sich aus der Flut der Bücher. Er konnte nur noch zählen, registrieren, auflisten, was es alles gibt und was noch möglich wäre. Seine Seereise ist der Aufbruch für eine Abweichung. Seine Lektüre ist nicht mehr festgelegt auf einen ursprünglichen oder autoritätsfixierten Wortlaut. Herders Suchläufe kennen keinen Abschluss. Das Universalarchiv ist uneinholbar. Eine beständige Lektüre der Menschheitsschriften ist unmöglich. „Alles“ ist nicht zu lesen, zu kennen, zu wissen. Es reicht nur zu Verweisen und Fundorten. Entscheidend ist die Zirkulation der Daten, der Datenstrom, der keinen Anfang und kein Ende hat, der neue Routen und Entdeckungen zulässt. Eine mögliche Taktik im Wissensmanagement beschreibt Edgar Allen Poe in einer Kurzgeschichte. Dem Matrosen in Poes Abhandlung über den „Sturz in den Mahlstrom“ bleibt nichts anderes übrig: Er nutzt die Strömung des Wirbels gegen ihre eigene Gewalt. Man muss mit der Geschwindigkeit gehen können, um danach erst an jenen Stellen langsam zu werden, wo es sich lohnt.

Ströme ohne Befehl

Eine ähnliche Empfehlung geben die Internet-Veteranen Tim Cole und Ossi Urchs in ihrem neuen Opus „Digitale Aufklärung – Warum uns das Internet klüger macht“ (gerade im Hanser Verlag erschienen). Man sollte erst gar nicht versuchen, gegen den (Mahl-)Strom zu schwimmen, sondern ihn geschickt für die Erreichung der eigentlichen Ziele nutzen, und zwar ohne Befehl von oben: „Und erst recht ohne zu jammern und zu verzagen, sondern in dem Bewusstsein, dass eine starke Strömung uns nicht an ein Ziel, wenn es das tatsächlich geben sollte, aber der Lösung anstehender Aufgaben näher bringen.

In digitalen Ökosystemen, die geprägt sind von sozialen Netzwerken, Peer-to-Peer-Formationen, Communities und Open-Source-Projekten, funktionieren die alten Mechanismen von zentraler Steuerung nicht mehr. Cole und Urchs verwenden den von mir nicht so geschätzten Begriff des Schwarms, weil ich die Analogien zum Tierreich meide. Klar ist nur, dass die Weisheit der vielen oder die vernetzten Systeme über mehr Fähigkeiten verfügen als die Summe seiner Teile.

Kundenschwärme sind schlauer als Unternehmen

Als Schwarm sind die Kunden seinem Unternehmen, das noch immer als Einzelwesen handelt, grundsätzlich überlegen“, so Cole und Urchs. Warum sollte ich noch das Call Center eines Fachhändlers anrufen, um mich über ein sinnvolles Equipment fürs Livestreaming von Audio und Video beraten zu lassen, wenn ich über Crowd-Services wie Helpouts auf einen Fachmann wie Hannes Schleeh stoße, der als StreamCamp-Mitorganisator sein Wissen und seine Fähigkeiten über den Google-Dienst zur Verfügung stellt? Dort muss er seine Kompetenzen fortwährend unter Beweis stellen und kann sich nicht in der Fließband-Anonymität einer Hotline verkriechen.

Im digitalen Mitmachkosmos findet sich Wissen an allen Ecken und Enden von selbst – schlaue Apps auf Smartphones und Tablets wirken dabei als Katalysator. Der TÜV-Rheinland-Berater Johannes Wiele nennt gegenüber der Zeitschrift „brandeins“ ein amüsantes Beispiel: „Heute läuft ein Chefarzt mit seinem iPad zum IT-Verantwortlichen, zeigt ihm eine englische Gesundheits-App für bessere Krankenbetreuung und sagt: ,Die brauchen wir in unserem System auch.‘ Der IT-Chef steht dann unwissend da und muss sich erst einmal einarbeiten.

Zentralistische Organisationen verlieren in diesem Spiel, wie groß und übermächtig sie heute in Gestalt der Marktführer auch noch erscheinen mögen, so die Autoren Cole und Urchs. Organisationen bleibt in dieser vernetzten Welt nur noch eine Option übrig, sie müssen sich wie der Mahlstrom-Matrose verhalten. Sie können Signale wahrnehmen, deuten, kuratieren und daraus das richtige Verhalten ableiten: „Go with the flow“, lautet die Empfehlung von Tim Cole und Ossi Urchs.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The European


Image (adapted) „Books HD“ by Abhi Sharma (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 12. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Creative Commons, die Digitalisierung des Freistaats Bayern, Digital Natives im Journalismus, Debatte um Datenschutz-Gesetz und Apps zum schneller lesen. Ergänzungen erwünscht.

  • CREATIVE COMMONS creativecommons.org: White House supports CC0 for federal government datasets: Seltener als 2008 tut sich die Obama-Regierung in den USA mit guten Initiativen im Bereich Internet hervor, aber jetzt schlägt das Weiße Haus im sogenannten „U.S. Open Data Action Plan“ vor, dass nicht-vertrauliche Regierungsdokumente unter einer Creative Commons als gemeinfrei veröffentlicht werden sollten. Deutschland hinkt, trotz einiger Regierungswebsites unter einer Creative Commons, hier noch weit hinterher.
  • BAYERN eGovernment Computing: Freistaat investiert fast 1,8 Milliarden Euro in den digitalen Aufbruch: Bayerns soll nach dem Willen des Minister­präsidenten Horst Seehofer Leitregion für den digitalen Aufbruch werden. Auf dem IT-Gipfel der bayerischen Staatsregierung wurde nun eine entsprechende Digitalisiserungsstrategie beschlossen, nach der der Freistaat über 1,8 Milliarden Euro in den digitalen Aufbruch investieren möchte.
  • DIGITAL NATIVES Lousy Pennies: Ich dachte, diese Jungjournalisten wären Digital Natives: Auf Lousy Pennies schreibt Karsten Lohmeyer über „Digital Native Journalisten“, die für ihn inzwischen zu einer Urban Legend geworden sind. Er zeigt auf, dass es sie, zumindest in der Breite, gar nicht unter den Nachwuchsjournalisten gibt und beendet seinen Artikel mit nützlichen Tipps der Selbstvermarktung.
  • DATENSCHUTZ Heise Online: Bundesregierung will Datenhehlerei mit scharfen Mitteln bekämpfen: Im Bundesrat wird ein Gesetzesentwurf diskutiert, dass den Handel mit gestohlenen Identitäten kriminalisieren soll. Die Große Koalition, im Gegensatz zur schwarz-gelbrn Bundesregierung, die sich gegen die Bezahlung von Straftätern für Steuer-CDs aussprach, begrüßt die aktuelle Version. Datenschützer wie Peter Schaar kritisieren, dass das Gesetz stellenweise zu weit geht. Der Daten-Schwarzmarkt ist seiner Meinung nach in erster Linie ein Problem der Rechtsdurchsetzung.
  • APPS Bold Economy: 1000 Wörter pro Minute: Unsere morgenlichen fünf Lesetipps in unter einer Minute schaffen? Wer das will, sollte sich mit den von Thorsten Schröder auf Bold Economy vorgetellten Apps beschäftigen, die einem beibringen wollen, in Hochgeschwindigkeit über Texte zu fliegen. Das funktioniert sogar – und hat eine beinahe halluzinogene Wirkung, wie Schröder erklärt.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Rooster – die Zukunft von Büchern

Mit Rooster will Plympton das Lesen im Zeitalter von Blogs und Streaming revolutionieren und in die Zukunft retten. // von Tobias Schwarz

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In unseren Lesetipps haben wir heute über die App Rooster des E-Publisher Plympton berichtet, die das durch soziale Medien und Streaming-Diensten geförderte Verhalten des Konsums kurzer Informationshappen für das Lesen von Büchern nutzen will. Denn oft fehlt es uns an Zeit fürs Lesen von Büchern. Mit der iOS-App Rooster will das Startup Plympton aus San Francisco uns das Lesen wieder näher bringen.

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Topliste Literatur im Netz

Literatur-Weblogs und Websites mit literarischen Bezug  haben sich innerhalb der Netzkultur einen festen Platz erobert. Die Autorenkultur könnte hybrider nicht sein: traditionelle Schriftsteller treffen so im virtuellen Bereich auf experimentelle Schreibprojekte und Autorennetzwerke. Im nun Folgenden sollen zehn auserlesene Linktipps zum Thema in aller Kürze vorgestellt werden. Weiterlesen »

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