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Chinas grüner Plan für die Welt beginnt mit Infrastruktur

Neue-Seidenstraße-Initiative

Die Vereinigten Staaten ziehen sich aus einer globalen Gemeinschaft unter einem Präsidenten, der das Pariser Klimaabkommen verwarf und NAFTA und NATO verleumdet, zurück. Das bietet China eine Möglichkeit, eine größere Rolle in globalen Fragen zu spielen. Dies stellt den Hintergrund für den 19. Parteitag dar, bei dem China versucht hatte, externe Einflüsse mit inländischer ökonomischer Stabilität zu balancieren. Ein Bereich, in dem China einen größeren Einfluss ausüben kann, ist die Infrastruktur ein dringendes Thema für Entwicklung. Laut den OECD benötigt das Unterstützen der weltweiten Entwicklung eine Investition in Höhe von 6,3 Milliarden US-Dollar jährlich bis zum Jahr 2030. Mit einem Wissen über Entwicklung, das durch Jahrzehnte des rapiden inländischen ökonomischen Wachstums geschliffen wurde, ist China gut positioniert, um die globale Entwicklung auf solch eine Art und Weise zu gestalten, dass dies den Rest des 21. Jahrhunderts definiert. Ein wichtiges Vorhaben ist hier nach wie vor die Neue-Seidenstraße-Initiative.

China hat seit den 1970ern in Infrastruktur-Projekte auf der ganzen Welt investiert, aber eine einheitliche Politik für Infrastruktur-Investition tauchte erstmals 2013 auf. Während einer Rede in Kasachstan enthüllte Xi das Silk Road Economic Belt-Konzept (Neue Seidenstraße). Kurz danach regte er die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank an. Andere Einrichtungen, die Chinas globale Infrastruktur-Initiativen unterstützen, beinhalten den 40 Milliarden US-Dollar Seidenstraßen-Fond und die Neue Entwicklungsbank, die von China, Brasilien, Russland, Indien und Südafrika geführt wird. Das Kronjuwel, Chinas Neue-Seidenstraße-Initiative, wird laut Erwartungen eine Milliarde US-Dollar für Handel, Transport und Energieinitiativen auf der ganzen Welt locken.

Auf eigene Gefahr bauen

Infrastruktur ist eine Notwendigkeit für Entwicklung, aber der Kostenaufwand dafür ist ein Hindernis und Unterstützung durch China ist attraktiv. Mehr als 60 Länder haben Vereinbarungen unterzeichnet, dass China Infrastruktur-Projekte finanziert. Trotzdem sollten Kreditnehmer nicht davon ausgehen, dass Infrastruktur automatisch ihre Wirtschaft verwandeln wird. Projekte können Ressourcen erschöpfen und stellen oft nur einen kleinen Nutzen für die größere Gesellschaft dar. Ein Projekt für die Neue-Seidenstraße-Initiative zu gewinnen mag Schlagzeilen machen, ist aber kein Allheilmittel.

Die wirtschaftlichen Vorteile von Infrastruktur werden meist erheblich überschätzt. Sri Lanka ist momentan nicht dazu fähig, die Schulden für teure, aber weitestgehend ungenutzte Häfen, Flughäfen und Autobahnen bei chinesischen Kreditgebern zu begleichen. Während er für eine Million Passagiere im Jahr konzipiert wurde, befördert der Internationale Flughafen Mattala Rajapaksa im Südosten Sri Lankas momentan nur etwa zwölf Passagiere pro Tag. Das ist weniger als ein Prozent der ursprünglichen Prognosen, aber der Flughafen hat das Land 209 Millionen US-Dollar gekostet.

Als sich die Vorteile der Infrastruktur nicht verwirklichten, schoss Sri Lankas Auslandsverschuldung von zehn Milliarden US-Dollar im Jahr 2006 auf 25 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016, wobei vieles davon auf Kosten Chinas geht. Die Abgabenbelastung trieb die Regierung Sri Lankas dazu an, im Juli 2017 70 Prozent des Hambantota-Hafens, der an der Südküste des Landes lokalisiert ist, an einen im Besitz des chinesischen Staates befindlichen Hafenbetreibers zu verkaufen

Im Jahr 2015 wies Ghana wegen der mangelnden Aufnahmekapazität des Landes, um mit solch hohem Kapitalzufluss fertig zu werden, eine zweite Tranche Darlehen der chinesischen Regierung für ein anderes Energieprojekt zurück. Empfängerländer müssen wirtschaftliche Vorteile mit finanzieller Nachhaltigkeit abwägen, wenn sie entscheiden müssen, ob sie mit ausländischen Partnern bezüglich der Infrastruktur kollaborieren wollen.

Nicht nachhaltige Projekte

Umweltpolitische Fallstricke stellen auch eine Sorge dar. Präsident Xi erklärte 2017, dass die Neue-Seidenstraße-Initiative “grün, kohlenstoffarm, rund und nachhaltig” sein würde. Und doch fließt eine Flut von chinesischen Investitionen zu ökonomisch nicht nachhaltigen Projekten. Eine signifikante Menge des Investments für den chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridor wird ein Energie-Portfolio unterstützen, das Kohlekraftwerke umfasst. In Bangladesch hat die Sorge über Umweltverschmutzung zu gewalttätigen Protesten gegen ein Kohlekraftwerk, das durch chinesische Firmen gebaut worden ist, geführt.

Chinesische Zement-Firmen, die auf Kohle angewiesen sind, sind nach Tadschikistan gezogen. China-finanzierte Projekte für Straßen, Öl- und Gasleitungen und Staudämme könnten ökologisch sensible Gebiete in von Unterstützung abhängigen Ländern wie Myanmar und der Mongolei gefährden. Dieser Trend wird wahrscheinlich beschleunigt werden, wenn kein lokales Zurückdrängen oder Sorge über größere Auswirkungen besteht. In einem Beispiel von 2011 hat die Regierung von Myanmar das Myitsone-Talsperre-Projekt unterbrochen. Proteste hatten Bedenken über die potenziellen ökologischen und sozialen Auswirkungen auf den Irrawaddy, den größten und wirtschaftlich wichtigsten Fluss des Landes, ausgelöst.

Neue-Seidenstraße-Initiative: Grüne Auswirkungen?

China hat einen historischen Fortschritt in inländischem Wachstum erreicht und wendet sich nun ökologischer Nachhaltigkeit zu. Bis 2020 plant China mehr als 360 Milliarden US-Dollar zu verwenden, um erneuerbare Energien zu entwickeln, während sie Kohlekraftwerke außer Betrieb nehmen. Chinas Einsatzbereitschaft für saubere inländische Energie wird auch durch seine Emission von 40 Prozent für die grünen Anleihen im Jahr 2016 bewiesen.

Vom Beginn der Neuen-Seidenstraße-Initiative an kann China seine wachsende Erfahrung nutzen, um von nicht nachhaltigen zu grünen Energiequellen überzugehen. Dies könnte eine neue Generation von ökologisch sensiblen Infrastrukturentwicklungen auf der ganzen Welt formen. China und die anderen Länder, die hier beteiligt sind, müssen alle Risiken bedenken, die mit Infrastrukturprojekten assoziiert sind, nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch und sozial. Teilnehmer an der Neue-Seidenstraße-Initiative sollten die Infrastruktur sorgfältig unter Bezugnahme auf nationale Entwicklungsziele bewerten, anstatt solche Projekte lediglich für politisches Theater zu nutzen.

Im Jahr 2016 veröffentliche die chinesisch geführte Asiatische Infrastrukturinvestmentbank, deren Kreditportfolio mit dem der Weltbank in den nächsten zwei Jahrzehnten konkurrieren könnte, einen Rahmenplan, der ökologische, soziale und Führungsstandards beinhaltet. Diese Richtlinien stellen eine gebrauchsfertige Schablone für chinesische Institutionen dar, die in das globale Kreditwesen für Infrastruktur involviert sind. Sie können auch für individuelle Projekte in den Neue-Seidenstraße-Ländern implementiert werden. Die Sicherstellung, dass diese Richtlinien gewissenhaft befolgt werden, benötigt ein Level an Transparenz, das wohl beispiellos in China ist.

Länder sind bereit für Nachhaltigkeit

Die Neue-Seidenstraße-Initiative stellt eine Möglichkeit dar, das chinesische Modell des staatsgeführten wirtschaftlichen Wachstums zu internationalisieren. Durch vorsichtige Strategie und sorgfältiges Kontrollieren könnte die Initiative ein Abwenden von Dekaden nicht nachhaltiger und gescheiterter globaler Infrastrukturentwicklung einläuten. Wenn das entstehende weltpolitische Machtvakuum zu Chinas Vormachtstellung führt, muss die Regierung des Landes die immense Verantwortung für die Anführung der Entwicklung ernst nehmen. Auf Unterstützung angewiesene Länder sind bereit für nachhaltige Infrastruktur, und sie verdienen bessere Unterstützung als die, die ihnen bisher zuteil geworden ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf The Conversation. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Straße“ by Erdenbaya (CC0 Public Domain)


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Können sich alte Industriekonzerne zu Plattformen wandeln?

Automobilindustrie(adapted)(Image by MikesPhotos[CC0 Domain] via Pixabay)

Das autonome Fahren sei nicht alleine beherrschbar, zitiert Spiegel Online den BMW-Chef Harald Krüger. Genauso sehe es bei neuen Mobilitätsdiensten aus, also bei der Frage, wie die Menschen sich künftig jenseits des eigenen Autos und des bekannten öffentlichen Nahverkehrs fortbewegen, etwa mit selbstfahrenden Shuttlebussen.

„Das Automobil als Wirtschaftsfaktor reicht nicht mehr. Die Branche muss sich neu erfinden. Denn künftig werden die Autokäufer von heute dank autonom fahrenden Fahrzeugen eher neue Mobilitätsdienste nutzen, um ihr Ziel zu erreichen – und diese verstärkt mit anderen Nutzern teilen“, schreibt Spiegel Online-Redakteurin Kristina Gnirke. Gerade bei der Entwicklung autonom fahrender Autos zeige sich jedoch, wie knifflig dieser Wandel für die Autohersteller wird. Bislang würde jeder Konzern lieber seinen eigenen Weg ausprobieren.

Abwehrschlachten nach alten Rezepten

Und nicht nur das. Die Lobbyisten, wie VDA-Präsident Matthias Wissmann ergehen sich in überflüssigen Abwehrschlachten zur Bewahrung alter Konzepte. Da werden dann mahnende Stimmen sogar als „Feinde des Verbrennungsmotors“ tituliert. Auf diesem Diesel-Niveau sollte man nicht weiter agieren und seine Zeit mit Software-Updates verschwenden, kritisiert D2030-Geschäftsführer Klaus Burmeister bei der Vorstellung des Memorandums ‚Der Zukunft eine Stimme geben‘ in Berlin.

‚Es geht nicht um den Diesel. Es geht darum, bis 2030 ein vernetztes Mobilitätssystem zu erfinden, welches intermodal mit allen Verkehrsträgern in der Lage ist, weltweit zu konkurrieren. Wie bekommen wir einen Wandel hin‘, fragt Burmeister.

Die Gestern-Orientierung von Auto-Lobby und Politik lässt sich auch am Bundesverkehrswegeplan ablesen.

Teer, Beton und keine Infrastruktur für autonome Mobilität

„Da werden bis 2030 fast 300 Milliarden Euro in Teer und Beton investiert. Nur 500 Millionen Euro gehen in die vernetzte Infrastruktur für autonome Mobilität. Da stimmt das Bild nicht“, so Burmeister.

Aber können die Industriekonzerne mit ihrer alten Ego-Logik überhaupt anders agieren? Das bezweifelt Professor Martin Kornberger im Netzpiloten-Interview. „Die Prinzipien des Marktes gelten unternehmensintern nicht.“ Da setze man auf Hierarchie, Fließband-Fertigung und Kommandowirtschaft. Es seien zwei Systeme, die parallel laufen. „Das Versprechen des Marktes soll durch das Gegenteil eingelöst werden. Dieser Widerspruch steckt tief in der marktwirtschaftlichen Theorie und kann nur schwer überwunden werden“, erläutert Kornberger.

Plattformen als Ausweg

Die Auseinandersetzung mit Plattformen sei ein Ausweg. „Es gibt dort Marktelemente, Freiheitsgrade und sogar starke soziale Bindungen. Es gibt Nutzer, die freiwillig mitmachen. Die Autoindustrie braucht ein Ökosystem, das insgesamt Mobilität erzeugt. Diese Herausforderung wird in Wirtschaftskreisen fast überhaupt nicht diskutiert. Das ist aber die komplementäre Seite zur Veränderung der Technologie“, betont der Organisationswissenschaftler. Man könne das nicht nur auf neue Antriebsverfahren reduzieren.

Die Verschiebung in diesem alten Machtgefüge wolle keiner angehen. Man verharrt in der überkommenden Logik. Uber sei vom Ansatz her richtig gewissen. In der Ausführung wirke das allerdings monopolisierend und sei genauso limitierend wie die etablierten Konzepte. Es wäre tausendmal spannender, wenn es dabei Pluralität geben würde. Können die alten Industriekonzerne die Transformation zu Plattformen überhaupt bewerkstelligen?

Kornberger ist skeptisch: „Die Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte belegen eher das Gegenteil. Die Kutscher haben nicht das Automobil erfunden. Genauso wenig waren die Eiswürfel-Lieferanten die Wegbereiter für Kühlschränke. Es steckt unendlich viel Beharrungsvermögen und Macht in den Strukturen. Da ist es einfacher, bis zur letzten Minute Schreibmaschinen herzustellen als zu versuchen, ins Computer-Business einzusteigen. Es passiert relativ selten, dass sich große Unternehmen neu erfinden.“ Das ist ein dystopisches Szenario für die Platzhirsche. Von Einzelakteuren erwartet Kornberger keine Änderungen.

Kollektives Handeln organisieren

Relevant seien einzig und allein organisatorische Stellschrauben. „Das ist etwas Kollektives und das stimmt mich optimistisch, weil man zum ersten Mal kollektives Handeln durch das Internet anders organisieren kann. Es ist viel einfacher geworden, sich zu vernetzen. Projekte wie Wikipedia sind dafür die besten Beispiele. Die Kreativität der Crowd kann schon sehr beeindruckend sein, wenn man sie richtig organisiert.“ Wie kann das traditionelle Management dort hinkommen? Unternehmen wie BMW operieren doch noch nach Methoden des 19. Jahrhunderts. Sie sollten sich diese Methoden anschauen und damit experimentieren. „Das ist nicht Rocket Science. Die Top-Manager sollten endlich ihre Kontrollverlust-Ängste ablegen“, empfiehlt Kornberger von der Lyion Business School. Ob die alte Führungsgarde die dafür nötige Imagination mitbringt, darf bezweifelt werden.

Anstellen und Einstellen – da liegt das Problem im Personalmanagement

Müssen Nachwuchskräfte mit einem anderen Denken rekrutiert werden? „Die ganze Idee mit Anstellen und dann Einstellen ist der Kern der Hierarchie. Der oder die Richtige soll für einen genau definierten Job gefunden werden. Im Netzwerk läuft das anders.“ Wann werde dort jemand mit seinem Wissen relevant? Das sei abhängig von der Resonanz, vom Kontext und nicht vom Organigramm. „Die individualisierte Personalauswahl in Unternehmen tut sich damit schwer. Auf Plattformen ist diese Frage ausgelagert. Die behandeln das sehr viel flüssiger und dynamischer“, resümiert Kornberger im Vorfeld der Kölner Fachmesse Zukunft Personal. Das Notiz-Amt wird dort am 19. und 20. September in Halle 3.1 Stand F27 zum #StudioZ verwandelt und in Interviews mit Experten des Personalmanagements weiter diskutieren.


Image(adapted)„Automobilindustrie“by MikesPhotos [CC0 Public Domain]


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Die Netzpiloten sind Partner der me Convention

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Die me Convention feiert in diesem Jahr seine Premiere und ihr könnt dabei sein. Unter unseren Lesern verlosen wir 2×2 Tickets für die Konferenz von Mercedes-Benz und South by Southwest. Nehmt bis zum 04.September teil und gewinnt mit etwas Glück zwei Tickets für die Konferenz. Wir wünschen euch viel Erfolg! Teilnahmebedingungen


#CreateTheNew ist das Motto der ersten „me Convention“ in der Festhalle in Frankfurt am Main. Gemeinsam haben South by Southwest und Mercedes-Benz  vom 15. Bis 17. September während der Internationalen Automobilausstellung eine Konferenz organisiert, die eine Diskussion über Zukunftsthemen anregen soll. Die Konferenz soll Kreativen aus verschiedensten Bereichen eine Plattform für Dialog, Interaktion, Networking aber auch Unterhaltung bieten. Denn neben Keynotes und Expertentalks sind auch Filmvorführungen, ein Musikalisches Programm und verschiedene Kulinarische Events geplant. Auftreten werden unter anderem Beth Ditto und das Hamburger Kollektiv Beginner.

Mit South by Southwest hat Mercedes-Benz einen etablierten Partner gefunden, das Veranstaltungsformat aus Austin, Texas ist seit 1987 ein Anlaufpunkt für Kreative weltweit. SXSW ist bekannt für seine Messen und Festivals rund um die Interaktions-, Film- und Musikindustrie.

Die fünf Leitthemen

Aus dem CASE-Zukunftskonzept von Mercedes-Benz – Connected, Autonomous, Shared & Electric – wurde für die me Convention ein vielseitiges Themenkonzept entwickelt:

  • New Creation dreht sich um neue Herangehensweisen, Produktionswege und neue Technologien, die zu einer neuen Art des Denkens führen können. Das Thema soll Teilnehmer inspirieren und zeigen was mit neuen Technologien möglich gemacht werden kann.
  • New Leadership zeigt die sich verändernde Beziehung zur Arbeit, wie neue Führungsstile Risiken eingehen, wie Flexibilität zu Innovation innerhalb von Unternehmen führen kann.
  • New Realities beschreibt die Verschmelzung von analogem und digitalem Leben, dem Schaffen einer neuen Realität, einer neuen Art zu leben, kommunizieren und zu arbeiten. Hier stehen Themen wie künstliche Intelligenz, Gen-biologie und vieles Weiteres auf dem Programm.
  • New Urbanism steht im Zeichen von Infrastruktur bis hin zu Architektur und behandelt alles was die Entwicklung von Lebensräumen einschließt, soziale Probleme oder Versorgung.
  • New Velocity zeigt wie sich unsere Entwicklung beschleunigt in einer sich immer verändernde Welt. Gesellschaften und technische Neuerungen gibt es täglich, wie wir damit umgehen wird in diesem Thema behandelt.

Bring your pens

Mehr als 150 Speaker werden in den verschiedenen Panels, Talks und Workshops erwartet. Außerdem wird unter anderem Kurator und künstlerischer Direktor der Londoner Serpentine Galleries, Hans Ulrich Obrist, seine aktuelle Ausstellung „The Handwriting Project“ als Zeichen gegen den Verlust der Handschrift im digitalen Zeitalter präsentieren.

Viele spannende Speaker aus verschiedenen Bereichen werden einen Beitrag zum Dialog über die Gestaltung der Zukunft leisten, unter anderem der ehemalige Astronaut der Apollo 11 und Raketenforscher Buzz Aldrin, Avangarde-Künstler und erster staatlich annerkanter Cyborg Neil Harbisson, der tibetanische Mönch Gelong Thubten, Nick Foster, Head of Design bei X – Googles „Moonshot Technology“ Fabrik und viele weitere internationale Entrepreneure, Forscher und Futuristen. Dazu sei gesagt: Alle Vorträge und Veranstaltungen werden auf Englisch sein.

Wenn die Convention schließt, beginnt das prall gefüllte Abendprogramm in den Urban Hotspots Frankfurts. Drinks, Essen, Konzerte, Ausstellungen und Kinobesuche – die Möglichkeiten sind zahlreich.

Wer dabei sein möchte, kann sich auf der Webseite von South by Southwest sein Ticket sichern. Studierende aufgepasst! Für Studenten ist ein besonderer Rabatt eingeplant, über den man sich auf der Website informieren kann. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben, also seid dabei schreibt sie mit. Wir wünschen euch viel Spaß!

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  • 5G t3n: Bund: Deutschlandweites 5G-Netz bis 2025: Das 5G Netz soll bis 2020 in Deutschland Marktreif sein, bis 2025 flächendeckend, das hat das Bundeskabinett diese Woche beschlossen. Alexander Dobrindt, Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur betonte, dass Deutschland Leitmarkt werden solle. 5G-Netz soll schnellere Datenverbindungen auch für selbstfahrende und computergesteuerte Autos ermöglichen- Ausgebaut werden soll das Netz mit bestehenden Leitmasten und einem ausbau von einem flächendeckenden Glasfasernetz.

  • WAHLKAMPF sueddeutsche: Können Parteien mit personalisierter Werbung die Wahl manipulieren?: Dass soziale Medien in der Politik eine immer größere Rolle spielen hat schon der Wahlsieg von US-Präsident Trump. Nun fragen sich viele, ob die Daten von Facebook und co. wirklich für Wahlmanipulation genutzt wurden oder genutzt werden können. Werbeanzeigen können gezielt auf bestimmte Zielgruppen aufgespielt werden und sie so manipulieren. Nun stellt sich die Frage ob auch deutsche Parteien in Bezug auf die anstehende Bundestagswahl vermehrt den Weg über Facebook nutzen, um gezielt Werbung über diese so genannten „dark adds“ zu machen.

  • HYPERLOOP wired: Hyperloop’s first real test is a whooshing success: Elon Musk’s Vision des Hochgeschwindigkeits-Transrapids “Hyperloop” könnte wahr warden. Das Unternehmen meldete den ersten erfolgreichen Test in Echtgröße in Nevada. Die Bahn erreichte in der nahezu Vakuumröhre ungefähr 112 km/h. Ein Teilerfolg, da die Bahn eine Höchstgeschwindigkeit von 1120 km/h verspricht. Getestet wurden vorerst nur Antrieb, Bremsen und das freie Schweben auf dem Luftkissen, welches die Bahn fortbewegen soll. Das Unternehmen stellte ebenfalls einen Plan für das Design des Personenzugs vor. Das Nächste Ziel sei nun 400 km/h zu erreichen

  • AUTONOMES FAHREN heise: Kalifornien wird fahrerlose Autos genehmigen: Der amerikanische Staat Kalifornien wird den Regelbetrieb selbstfahrender und sogar fahrerloser Autos ohne unabhängige Sicherheitstests genehmigen. Pläne für die Änderungen der Bestimmungen seien seit Jahren in Arbeit. Die jährliche Testgebühr für Unternehmen solle deutlich angehoben werden, Unfälle müssen dafür nur noch der Behörde gemeldet werden, wenn es zu keiner Kollision gekommen ist. Sollten Passagiere auf den Testfahrten transportiert werden, müssen diese Fahrten kostenlos sein.

  • CROWD-LOGISTIK gruenderszene: Auf dem Weg in den Urlaub noch schnell ein Päckchen ausliefern: Das Berliner Start-Up CoCarrier vermittelt über ein Netzwerk Urlauber und Geschäftsreisende Pakete von anderen Privatpersonen mit an ihr Ziel nehmen. Für Versender soll das günstiger sein, als der lange Weg. Über eine App kann man die Lieferung nachverfolgen und die Lieferungen sind bis zu einem Wert von 500 Euro versichert. Vom Netzwerk wird durch verifizierte Profile und einer verpflichtenden Angabe, was das Paket beinhaltet, gewährleistet, dass keine verbotenen Gegenstände verschickt werden.

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  • HACKING Süddeutsche Zeitung: Deutschland plant Cyber-Gegenschläge: Die Bundesregierung will Voraussetzungen schaffen, unter denen es möglich ist, im Falle von Cyber-Attacke zum Gegenangriff überzugehen. Das Verfahren hierfür ist die Zerstörung des feindlichen Servers. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR beschloss der Bundessicherheitsrat unter Vorsitz von Kanzlerin Angela Merkel, zu analysieren, welche technischen Fähigkeiten hierfür vonnöten wären. In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Notwenigkeit der Maßnahmen und füge erklärend hinzu, ein Polizist trage im Einsatz ja nicht nur eine Schutzweste, sondern auch eine Pistole.

  • OPEN SOURCE heise: Black Duck: Open Source ist allgegenwärtig – und gefährlich: Black Duck Software, ein Spezialist für Open-Source-Audits hat über 1. 000 kommerzielle Anwendungen untersucht. Das Ergebnis liegt nun in Form der Open-Source-Sicherheits- und Risikoanalyse 2017 vor. Demnach kommt kaum noch eine Software ohne Open-Source-Komponenten aus. Gut ein Drittel des Codes stammt durchschnittlich aus Open-Source-Projekten, die am häufigsten genutzten sind jQuery, Bootstrap, JUnit, Apache Log4j sowie Software aus dem Apache-Commons-Projekt. Die verbleibenden zwei Drittel der Anwendungen nutzen allerdings Komponenten in Versionen mit bekannten Sicherheitslücken. Ausgerechnet die Branchen Handel, E-Commerce, Internet und Software-Infrastruktur sowie Finanzdienstleister und Fintechs sollen laut der Studie betroffen sein.

  • APPLE golem: Weiter Lieferprobleme bei den Apple Airpods: Auch vier Monate nachdem die Apple Airpods auf den Markt kamen, gibt es weiter Probleme bei der Auslieferung. Sechs Wochen muss man derzeit warten, wenn man jetzt ein Paar der kabellosen Kopfhörer bestellt. Im Appel Retail Store am Ku’damm in Berlin ist es bisher sogar so, dass man mit größter Wahrscheinlichkeit keine Airpods erhalten hat, ohne sie in das Geschäft vorzubestellen. Über die Gründe für die schlechte Verfügbarkeit kann nur spekuliert werden. Möglicherweise hat Apple im Vorfeld falsch kalkuliert und die Nachfragen nach den rund 180 Euro teuren Geräten unterschätzt.

  • FACEBOOK Welt: Facebook-App soll das Gedankenlesen lernen: Es klingt wie Science-Fiction, aber Facebook arbeitet wirklich daran: Das weltgrößte Online-Netzwerk will Menschen direkt aus dem Gehirn heraus Worte in Computer schreiben lassen. Es gehe zum Beispiel um die Möglichkeit, einem Freund eine Textnachricht zu schicken, ohne dafür das Smartphone herausholen zu müssen, sagte Facebook-Managerin Regina Dugan auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 im kalifornischen San José. Das aktuelle Ziel sei, auf 100 Worte pro Minute zu kommen. Dies könne in einigen Jahren erreicht werden.

  • MICROSOFT t3n: Microsoft killt das Passwort: Das Eingeben von Passwörter ist bei fast allen Nutzern unbeliebt, egal ob man immer dasselbe Passwort verwendet oder ein sicheres und immer anderes. Microsoft hat sich dem Problem angenommen und eine neue Art der Authentifizierung entwickelt, die nun an alle Nutzer ausgerollt wird. Statt das Passwort stationär auf dem PC einzugeben, kann man stattdessen sein Smartphone mit dem Konto verknüpfen. Ist es notwendig, dass sich der Nutzer identifiziert, hat er nun die Wahl, sich einen Code auf sein Smartphone schicken zu lassen. Dort kann er den Code bestätigen und so die Eingabe des Passworts umgehen.

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Die neuen Work-At-Home-Mütter: Innovatives Arbeitsmodell oder Stress pur?

kid-1520705_1920 (Image by LiudmilaKot [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Katja Cragle ist eine hochaktive Frau. Sie ist engagiert, leidenschaftlich und macht alles mit viel Herzblut. Sie arbeitet Vollzeit für eine belgische Werbefirma und wenn im Job mal „die Bude brennt“, wie sie es nennt, steht sie schon mit dem Feuerlöscher daneben. Doch Katja Cragle ist auch Vollzeit-Mama. Ihr dreijähriger Sohn Emil ist ihr täglicher Sonnenschein. Beides gehört zu ihrem Leben dazu und die Frage ob Kind oder Karriere hat sie sich so nie gestellt. Als Alleinverdienerin war für Cragle schon immer klar, dass sie beides miteinander verbinden musste. Ihre Lösung: arbeiten im Homeoffice als Work-At-Home-Mama.

Homeoffice für Eltern? Nicht in Deutschland

Die WAHM, wie sie in den USA genannt werden, sind in Deutschland ein neues und vor allem seltenes Phänomen. Nach einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Herbst 2015 arbeiten gerade einmal 6 Prozent der Eltern in Deutschland im Homeoffice, die Mehrheit davon (59 Prozent) sind interessanterweise Männer, obwohl sich 56 Prozent der berufstätigen Mütter wünschen, von zu Hause aus zu arbeiten.

Katja Cragle (Image by Katja Cragle)
Katja Cragle (Image by Katja Cragle)

Katja Cragle kennt es fast gar nicht anders. Seit 2009 ist ihr Büro in ihrem Haus. Damals lebte sie allerdings noch in den USA, wo es ihrer Meinung nach eine offenere Einstellung zum Homeoffice gibt als hierzulande, wie sie gegenüber den Netzpiloten erklärt. „Es ist in den USA einfacher von zu Hause aus zu arbeiten, weil es dort viel normaler ist. Auch hatte ich den Eindruck, dass es dort sehr viel selbstverständlicher war, sich digital zu unterhalten. Alles wurde über Chat erledigt, selbst wenn der Kollege nur fünf Meter weiter saß.“ Auch glaubte dort niemand, dass sie zu Hause nur faul auf dem Sofa herumlag – ein Vorwurf, mit dem die meisten Heimarbeiter in Deutschland konfrontiert werden.

Bei einer Umfrage des Bundesministeriums für Arbeit unter Beschäftigten und Betrieben in Deutschland bewerteten viele Arbeitgeber das Homeoffice-Modell als negativ. Arbeit und Freizeit würden demnach zu stark miteinander vermischt. Die Sorge: Angestellte lassen sich zu sehr ablenken. Das ist tatsächlich eine Gefahr für das Arbeiten von Zuhause, gerade für Mütter, die neben Kind und Job auch noch den Haushalt schmeißen. Denn während Mütter so einerseits Familienleben und Job besser miteinander in Einklang bringen können, liegt genau darin auch eine Gefahr. Jedoch arbeiten Work-At-Home-Mütter nicht weniger, wie Arbeitgeber vermuten, sondern eher zu viel. Menschen, die von zu Hause aus arbeiten, tendieren nämlich nach Einschätzung des Bundesministeriums für Arbeit grundsätzlich dazu, mehr Überstunden zu machen als Angestellte mit einem typischen Bürojob.

„Ich war durch meine Arbeit zu Hause gespalten“

Diese Erfahrung hat auch Claudia V. gemacht. Die Münchnerin, die ihren vollen Namen nicht nennen möchte, hat rund sechs Jahre im Homeoffice gearbeitet, von der Geburt ihres Sohnes bis nach der Einschulung. Als Selbständige wollte sie dabei sowohl 150 Prozent im Job geben als auch viel Zeit mit ihrer Familie verbringen. Denn das ist ja schließlich auch die Erwartungshaltung an das Arbeitsmodell ‚Homeoffice‘. Das war aber ein Spagat, der ihr nur selten gelang. „Ich war durch meine Arbeit zu Hause ständig zwischen Haushalt, Familie und Job hin- und hergerissen, da sich alles an einem Ort abspielte. Sprich, ich rief spät noch Kunden an, schrieb Angebote, wenn mein Sohn und sogar mein Mann zu Hause waren und verhielt mich manchmal unfair ihnen gegenüber, da ich nicht ansprechbar war, wenn ich Druck hatte. Sie waren im Entspannungs-Modus und ich wollte mein Pensum durchboxen und das bestmögliche für meine Arbeit rausholen.“

Das angeblich entspannte und flexible Arbeiten von zu Hause wurde für sie so zum reinen Stressfaktor. Während ihr Sohn in der Schule war, versuchte sie so viel wie möglich im Haushalt vorzubereiten und dabei die wichtigsten Punkte auf ihrer beruflichen Agenda abzuarbeiten. Blieb etwas liegen, wenn ihr Sohn mittags nach Hause kam, wurde dies zur Belastung, da sie einerseits Zeit mit ihrem Kind verbringen wollte, andererseits aber nie völlig vom Job abschalten konnte. „Wenn die Kinder noch Babys oder kleiner sind, mag das ja mit dem Homeoffice eine Zeit lang klappen, aber sobald sie aktiver werden, wird es sehr schwierig“, sagt sie.

Eine Tagesmutter oder Haushaltshilfe hätte sie natürlich entlasten können. Doch das hätte einen guten Teil ihrer Einnahmen wieder aufgefressen. So hat sich Claudia V. vor zwei Monaten dazu entschieden, ihr Homeoffice dicht zu machen und sitzt seitdem wieder als klassische Angestellte im Büro. Rein rechnerisch verbringt sie dadurch zwar weniger Zeit mit ihrem Sohn und ihrem Mann, doch die Zeit, die sie gemeinsam mit der Familie hat, ist dann wenigstens zu 100 Prozent Freizeit.

Wenn die Kinder zu Hause sind, kann man das Arbeiten vergessen

Dieses Dilemma kennt auch die Webentwicklerin Katrin Härtl aus Hürth bei Köln. Sie hat zwei Töchter, die gerade im Kindergarten- und Kitaalter sind. Zum Arbeiten kommt auch sie nur, wenn die beiden aus dem Haus sind, erzählt sie im Netzpiloten-Gespräch: „Wenn die beiden zu Hause sind oder Ferien haben, kann ich das Arbeiten eigentlich vergessen. Denn dann kommen meine Töchter alle zehn Minuten zu mir, damit ich den Klebestift halte oder die Legosteine auseinander baue.“ Dennoch ist das Work-At-Home-Modell für sie ideal. Sie spart sich die nervige Pendelei und kann ohne Ablenkung von Kollegen fokussiert an ihren Projekten arbeiten. Ihr Tag sieht so aus, dass sie am Morgen arbeitet und am Nachmittag und Abend Zeit für ihre Familie hat. Möglicherweise kann sie besser abschalten als Claudia V., weil sie nicht selbständig ist, sondern als Angestellte mit festen Zeiten für ein Unternehmen arbeitet.

Dennoch, zu schaffen und zu genießen ist dieses Wechselspiel zwischen Job und Familie eigentlich nur durch gute Organisation, glaubt Härtl. Auch Katja Cragle beteuert, dass es ohne einen durchstrukturierten Tag nicht gehen würde. Ihr Tag ist von der morgendlichen Fahrt zum Kindergarten über das Mittagessen um 13 Uhr am Schreibtisch bis hin zur Arbeit am Abend bis ins kleinste Detail durchgeplant.

Doch nicht nur die zeitliche Organisation, auch die räumliche Trennung von Familie und Arbeit ist dabei sehr wichtig. So ist ein Raum in Cragles Kölner Wohnung auch ganz bewusst ihr Büro. „Dort arbeite ich dann ganz normal am Schreibtisch und habe, wie auch in einem ?richtigen? Büro, meinen Laptop mit einem externen Monitor und externer Tastatur, Telefon und Drucker, um die Arbeit gut erledigen zu können. Abends, wenn Emil wieder zu Hause ist, schließe ich mich dann sogar im Büro ein, damit er nicht andauernd hereinkommt. Er versteht aber, dass das Mamas Arbeitsplatz ist.“

Brauchen wir ein Homeoffice-Gesetz?

Wenig Verständnis bei den deutschen Arbeitgebern, Überstunden und der ständige Wechsel zwischen Arbeit und Familie – ist das Work-At-Home-Modell für Mütter überhaupt erstrebenswert? „Jein“, findet Katrin Härtl, die auch für die SPD im Hürther Stadtrat sitzt, „ein gesetzlich festgeschriebenes Modell zum Homeoffice wie etwa in Holland halte ich für schwierig“, sagt sie. Denn zu sehr unterscheiden sich die individuellen Situationen von arbeitenden Müttern, um dies in einem Gesetz für festhalten zu können.

Begrüßenswert wäre es aber sicherlich, wenn mehr Mütter tatsächlich die Wahl zu so einer Arbeitsform und auch eine bessere Infrastruktur zur Kinderbetreuung hätten. Dann kann das Modell für Mütter und Karrierefrauen wie auch bei Katja Cragle voll aufgehen: „Wenn ich zwischen meiner Arbeit Emil einfach nur mal fest in den Arm nehmen kann, dann ist die Welt wieder in Ordnung.“


Image „„kid-1520705_1920““ by LuidmilaKot (CC0 Public Domain)


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DynDNS: Ein DDoS-Angriff als Warnung

Vor Kurzem kam es zu einem groß angelegten DDoS-Angriff auf den DNS-Provider DynDNS. In der Folgen waren zahlreiche, teils sehr populäre Internet-Dienste zeitweise nicht zu erreichen. Durchgeführt wurde die Attacke, soweit bislang bekannt, durch gekaperte Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik – das „Internet of Things“ (IoT) zeigt seine Schattenseite. Der Vorfall zeigt, dass es höchste Zeit wird, kritische Infrastrukturen besser abzusichern. Zudem sollten insbesondere auch beim IoT und bei sogenannten „Smart Homes“ Sicherheits- und Datenschutzaspekte stärker berücksichtigt werden.

Das DNS: Das Navigationssystem für das Internet

Das Domain Name System (DNS) ist dafür da, durch IP-Adressen bezeichneten Webservern die korrekten Domain-Namen zuzuordnen. Gibt also ein Nutzer eine bestimmte Website-Adresse in seinen Browser ein, schlägt das DNS die dazu passende IP-Adresse des Servers nach. Es funktioniert somit quasi wie ein Navigationssystem für das Internet, das zur vom Benutzer eingegebenen Adresse die richtigen GPS-Koordinaten und die Route dorthin bereitstellt.

Das DNS ist hierarchisch aufgebaut. Ein gezielter Angriff auf die höchste Ebene dieses Systems kann daher große Teile des Internet lahm legen, wie es Mitte Oktober auch geschehen ist.

Der nun viel diskutierte Angriff galt dem populären und von zahlreichen Internet-Diensten verwendeten DNS-Provider DynDNS. Die Attacke – ein sogenannter DDoS-Angriff, bei dem die Infrastruktur durch eine Vielzahl von Anfragen überlastet wird – legte unter anderem populäre Websites wie Amazon, Twitter, Netflix, PayPal und Spotify zeitweise lahm.

Experten verdächtigen das Mirai-Botnet

Angesichts des großen Umfangs der Attacke bemühten sich schon bald zahlreiche Sicherheitsforscher, den Hergang und die Verursacher der Attacke zu ermitteln. Schon bald zeichnete sich ein Hauptverdächtiger ab: das sogenannte „Mirai“-Botnet. Ein Botnet ist ein Zusammenschluss gekaperter Computer oder anderer Geräte, der von Kriminellen ferngesteuert werden kann. Das Mirai-Botnet besteht unter anderem aus Überwachungskameras, digitalen Videorecordern und ähnlichen Geräten, wie der IT-Sicherheitsforscher Brian Krebs beschreibt. Krebs war in der Vergangenheitz selbst schon Opfer einer massiven Attacke des Mirai-Botnets geworden.

Smart Devices: Klug, aber oft unsicher

Botnets wie Mirai sind leider eine unerfreuliche, aber keineswegs überraschende Erscheinung. Schon seit Jahren prangern IT-Sicherheitsexperten und Datenschützer an, dass beim Internet of Things – egal, ob es, wie hier, um Kameras und Videorecorder geht, oder um sogenannte „Smart Homes“ mit vernetzten Haushaltsgeräten – der Aspekt der Datensicherheit oft zu kurz kommt. Zwar gab es in den letzten Jahren einige Verbesserungen. Doch kranken viele Smart Devices nach wie vor an unzureichenden Sicherheitsfeatures oder, was häufiger vorkommt, unzureichenden Werkseinstellungen, die Möglichkeiten beispielsweise zur Verschlüsselung der Datenübertragung nicht ausnutzen. Die Erfahrung lehrt, dass viele Verbraucher diese Einstellungen aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit niemals ändern (ähnlich, wie es noch vor einigen Jahren bei WLAN-Routern der Fall war, was für massenhafte Verbreitung schlecht abgesicherter Netzwerke sorgte).

Hier müsste dringend angesetzt werden. Das Internet of Things kann zweifellos das Leben für viele Menschen einfacher und komfortabler machen und bietet gerade Senioren oder Menschen mit körperlichen Behinderungen große Chancen, mit Hilfe der Technologie weniger auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein. Somit sollte diese Technologie keinesfalls verdammt werden. Es wird aber höchste Zeit, bei der Entwicklung dieser Systeme und Infrastrukturen den Sicherheits-Aspekt ernster zu nehmen und potentielle Bedrohungsszenarien realistisch in die Planung zu integrieren. Anderenfalls sind nicht nur sensible Daten der Nutzer auf das Höchste gefährdet. Es kann auch immer wieder zu Vorfällen wie dem DynDNS-DDoS kommen.

Mehr Sicherheit für kritische Infrastrukturen

Daneben ist der Angriff aber auch eine Warnung, das DNS als kritische Infrastruktur – ohne die große Teile des Internets nicht funktionieren – besser abzusichern. Allgemein kam die Sicherheit solcher kritischer Infrastrukturen in der Vergangenheit oft zu kurz. Auch hier wird es Zeit für gezielte Entwicklung von Konzepten und auch für die Ausarbeitung tragfähiger Richtlinien für die Betreiber solcher Systeme.

Der Angriff auf DynDNS war eine Warnung und ein Hinweis darauf, an welcher Stelle Datenschutz und IT-Sicherheit dringend verbessert werden müssen. Nun ist die Zeit, diese Warnung zu beherzigen und sich den Herausforderungen der aktuellen Bedrohungslandschaft zu stellen. Das ist ebenso zum Wohle des großen Ganzen wie der einzelnen Nutzer und Kunden.

 


Image „cyber“ by bykst (CC0 Public Domain)


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Eine Lehrstunde für die nächste Generation der Netzsicherheitsexperten

Es scheint derzeit, als gebe es täglich neue Berichte über Hacks, Verletzungen der Privatsphäre, Bedrohungen für die nationale Verteidigung oder unsere schwierig zu händelnde Infrastruktur, sogar über Stilllegungen von Krankenhäusern. Die Attacken werden ausgereifter und öfter von Nationalstaaten und kriminellen Kartellen verübt, der Mangel an bekämpfenden Kräften wird immer deutlicher: Bis 2020 wird die Netzsicherheitsindustrie 1,5 Millionen Arbeiter mehr brauchen als es bis dahin geben wird.

Ich habe die Cyber Security Awareness Week (CSAW), eine Woche für die Bewusstheit für Netzsicherheit, im Jahr 2003 mit einer Gruppe von Studenten gegründet. Das Ziel war, mehr Ingenieurstudenten in unser Netzsicherheitslabor zu bekommen. Wir haben Wettbewerbe erschaffen, die den Studenten die Möglichkeit gaben, in der echten Welt ihr Wissen, ihr Improvisationsgeschick und Entwürfe für neue Lösungen für Sicherheitsprobleme unter Beweis zu stellen.

Im letzten Jahrzehnt bekamen unsere Mühen mehr Interesse von Lehrenden, Studenten, Unternehmen und Regierungen und zeigte einen Weg den bevorstehenden Mangel an Netzsicherheitsfachkräften zu unterbinden. Heutzutage ist die CSAW mit mehr als 20.000 beteiligten Studenten aus aller Welt die größte Netzsicherheitsveranstaltung in der Welt, die allein von Studenten ausgerichtet wird. Personalreferenten aus Amerikas Heimatschutz-Ministeriums und anderer großer Unternehmen beobachten und bewerten jeden Wettbewerb.

Aber die Vorbereitung für Talente in der Netzsicherheit kann nicht erst in den Universitäten beginnen. High School-Schüler und Lehrer beteiligen sich ebenfalls in den CSAW-Veranstaltungen, um jungen Menschen Informatik und Mathematik beizubringen, um auf Universitätslevel zu bestehen.

Schülern Konkurrenzgedanken beibringen

Das Highlight der CSAW ist die ‚Capture the Flag‘-Veranstaltung, ein Wettbewerb, in dem Teammitglieder ihre Fähigkeiten zusammenbringen, um neue Hackermethoden in der echten Welt zu lernen. Benannt nach dem Outdoor-Spiel, bei dem zwei Teams die gegnerische Flagge finden und stehlen müssen, beinhaltet es mehrere Spiele, die eine großen Bereich von Informationssicherheitsfähigkeiten, wie Kryptographie (Codes erstellen und knacken), Steganographie (verstecke Nachrichten in harmlosen Bildern oder Videos) und Handysicherheit abdecken.

Die Teams bekommen ein System zugeordnet, das Sicherheitslücken hat. Sie bekommen ein Zeitlimit, um diese zu identifizieren und zu beheben. Dann wird jedes Team einem Gegner zugeordnet und muss sein eigenes System beschützen, während es das gegnerische angreift. Die versteckten „Flaggen“ sind Datenpakete, die im gegnerischen System gespeichert sind.

In der realen Welt würden diese kritische Informationen enthalten – wie Kreditkartennummern oder Codes für Kontrollwaffen. Im Spiel enthalten sie Informationen, die beweisen, dass das Team die „Flagge erobert“ hat, mit denen das Team eine gewisse Anzahl von Punkten erhält, basierend auf dem Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Herausforderung.

Es gibt viele ‚Capture the Flag‘-Wettbewerbe im ganzen Land, wobei unsere Veranstaltung wohl eine der berühmtesten in dieser Woche ist. Es ist auch die aufreibendste: Die Teams müssen durchgängig arbeiten, zudem wird geprüft, ob die Teilnehmer fokussiert genug sind, um neue Lösungen für aufkommende Probleme zu erschaffen.

Diese Art des Lernens, basierend auf Herausforderungen, ist unermesslich wichtig in einem Themenfels, bei dem neue Bedrohungen regelmäßig auftreten. Es macht den Studenten bewusst, was der Gegner denkt – dies gilt als essenzielle Fähigkeit für erfolgreiche Sicherheitsexperten. Es ist ein entscheidender erster Schritt, die unterschiedlichen Wege ein System selbst einzubrechen, um zu lernen, wie man es sichert.

Spontane Anpassung

In einem CSAW-Wettbewerb, der Embedded Security Challenge, brechen Studenten in Teams ein, die schnell arbeiten müssen, um anzugreifen und sich gegenseitig vor unterschiedlichen Gefahren zu schützen. Dies ist also ebenso ein Angriffs- und Verteidungsspiel wie ‚Capture the Flag‘, konzentriert sich aber eher auf Anfälligkeiten der Hardware als auf die der Software. Letztes Jahr bekamen die Wettbewerber die Aufgabe, die digitalen Ergebnisse einer Testwahl zu verändern – was mögliche reale Gefahren für alltägliche Wahlen aufdeckt.

Diese Fähigkeit, sich schnell auf neue Gefahren einzustellen, wird als oberste Priorität für Sicherheitspersonal angesehen. Es ist ein Hauptmerkmal aller CSAW-Wettbewerbe – die Idee, dass erfolgreiche Internetsicherheit nicht darin besteht, das Bekannte zu meistern. Studenten und Experten müssen eher gleichermaßen konstant daran arbeiten, ihre Fähigkeiten, zukünftige Gefahren in einem stets wachsenden Gebiet zu unterbinden, auszubauen.

Die Internetsicherheitsindustrie und alle Einsätze, die darauf aufbauen – von Kleinunternehmen bis zu großen Militäreinsätzen – hängt von der Fähigkeit ihrer Profis ab, Neuerungen zu schaffen. Jedes Jahr verändern wir die Art der Herausforderungen, um neue Gefahren darzustellen, wie zum Beispiel der aktuelle Anstieg von Ransomware.

Der Aufwand in der Netzsicherheit muss nationale Grenzen deutlich überschreiten: Dieses Jahr wird die CSAW die internationalen Aktivitäten dramatisch ausbauen. Eine Zusammenarbeit mit NYU Abu Dhabi und dem Indian Institute of Technology Kanpur ermöglicht Teams im Mittleren Osten, Indien, Nordafrika und den Vereinigten Staaten gleichzeitig am Wettbewerb teilzunehmen.

Die Wettbewerber dieser Spiele in einem pädagogischen Umfeld, in Amerika und in der ganzen Welt, werden in kürzester Zeit unserer empfindlichsten persönlichen und nationalen Daten schützen. Sie müssen vorbereitet sein.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „hacking“ by joffi (CC0 Public Domain)


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Straßen, die Elektroautos laden, sind Teil der neuen Automobilwelt

Park and charge (adapted) (Image by Justin Pickard [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Einer der am weitesten verbreiteten Vorbehalte gegenüber Elektroautos ist die Schwierigkeit, sie dauerhaft mit Strom zu versorgen.

Stellen Sie sich also eine Welt vor, in der die Straßen selbst dazu beitragen, dass Ihre Batterie stets vollgeladen ist, oder in der Ihre Auffahrt mit dem Ladeprozess beginnt, kaum dass Sie das Auto abgestellt haben. Diese Art von Traum verlangt nicht nur massive Investitionen in die Infrastruktur, sondern wirft auch einige grundlegende Fragen der Automobilphilosophie auf.

Die Medien zeigen neuerdings ein enormes Interesse an der Technologie und haben auf diese Weise ein neues, nützliches Diskussionsfeld eröffnet. Wir gewöhnen uns langsam an die Idee der drahtlosen Energieübertragung, wenn es um unsere Handys geht – warum also nicht auch im Bezug auf Elektroautos im Straßenverkehr?

Einige vielversprechende Experimente wurden bereits mit Bussen durchgeführt, die über Induktionsschleifen an Bushaltestellen aufgeladen werden. Rolls-Royce hat unterdessen vorgeschlagen, drahtlose Ladestationen in Privatgaragen zu installieren. Andere Vorschläge bemühen sich um eine Ausweitung dieser Idee auf Hauptverkehrsadern und Schnellstraßen, die entlang mehrerer Kilometer mit Induktionssystemen versehen werden könnten, um jedes entsprechend ausgerüstete Fahrzeug aufzuladen. In Verbindung mit den jüngsten Durchbrüchen im Feld der Batterietechnologie scheint sich hier eine realisierbare Alternative für das Verkehrswesen aufzutun.

Fahrerkontrolle

Abgesehen von den beachtlichen Kosten, die voraussichtlich mit der Einführung einer solchen Technologie verbunden wären, stellt sich auch die grundlegende Frage darüber, bei wem die Kontrolle über die Technologie verankert sein sollte: Im Gerät selbst – in diesem Falle also dem Auto – oder innerhalb der Infrastruktur.

Wäre die Technologie im Auto selbst verortet, dann befände sie sich größtenteils unter der Kontrolle des Fahrers. Funktioniert sie überwiegend im Rahmen der Infrastruktur, dann ist sie unter der Kontrolle des Anbieters, sei dieser nun staatlich oder einem Unternehmen zugehörig.

Dadurch, dass wir unseren Schwerpunkt immer auf individuelle Verantwortlichkeit legen, ist es für uns ganz normal, dass wir die Kontrolle über Schlüsseltechnologien ebenfalls auf dieser Ebene ansiedeln wollen. Der Staat wird jedoch, genau wie die Privatunternehmen, in den meisten Fällen versuchen, seine Macht- und Kontrollsphäre auszubauen. In genau diesem Kontext sollten wir daher nicht nur die Idee drahtloser Energieübertragung, sondern auch andere Entwicklungen sehen, die in Richtung eines autonomen Autos führen.

Zusammenarbeit von Unternehmen

Aktuelle Beispiele für den schleichenden Einfluss größerer Unternehmen werden in Gebieten wie dem Cloudcomputing sichtbar. Das Speichern von Daten in der Cloud mag in bestimmten Fällen zwar durchaus nützlich sein, gibt dem Anbieter aber auch potenziellen Zugriff auf eine riesige Menge an Daten, die zu Geld gemacht werden können. Dass jeder individuelle Benutzer für dieses Privileg zahlt, macht das Ganze nur noch besser. Im Falle drahtloser Energieübertragung ist es theoretisch zwar möglich, dass das Auto eine kleinere Batterie benötigt – es wird aber gleichzeitig auch abhängiger von der Infrastruktur, wodurch es leichter nachverfolgt werden kann und zusätzliche Daten generiert.

Andere, weniger philosophisch angehauchte Fragen tauchen in diesem Kontext natürlich ebenfalls auf – beispielsweise die erheblichen Kosten, die mit der Ausarbeitung einer solchen Infrastruktur verbunden wären; die Störungen im Straßenverkehr, die durch Bauarbeiten entstehen würden, und die Frage darüber, was passiert, wenn die Technologie versagt. Dann steht da auch noch die Frage im Raum, wer überhaupt für all das aufkommen soll: Die Fahrer von Elektroautos, alle Verkehrsteilnehmer, oder der Infrastrukturanbieter, der anschließend Daten sammeln kann?

Binary code(Image by Christiaan Colen(CC BY-SA 2.0) via Flickr)
Image (adapted) „Binary code“ by Christiaan Colen (CC BY-SA 2.0)

 

Probedurchläufe

Die Idee drahtloser Energieübertragung für Autos ist ihrem Kern nach Teil einer größeren Entwicklung, die den Fahrerinput eliminiert und ihn von seinem Auto entfremdet. Autonome, nicht nur fahrerlose, Autos rücken in greifbare Nähe.

Die wenigen autonomen Autos und LKWs, die aktuell an Orten wie Kalifornien und Nevada im Testlauf unterwegs sind, sind bereits in einige kleinere Unfälle verwickelt worden. Wenngleich beim Großteil dieser Unfälle zwar die menschlichen Fahrer anderer Autos beschuldigt wurden, bleibt der Umstand bestehen, dass es solche Zwischenfälle gab. Tatsächlich wird die Kombination autonomer und menschengesteuerter Fahrzeuge auf den Straßen zu einem zunehmend ausschlaggebenden Problem. Werden Autofahrer sich gegenüber autonom gesteuerten Autos mit derselben Vorsicht verhalten, die sie auch gegenüber anderen Fahrern zeigen?

Es hat sich ebenfalls erwiesen, dass autonom gesteuerte Fahrzeuge – gesetzeskonform, wie sie sich nun einmal verhalten müssen – Probleme in vielen alltäglichen Verkehrssituationen haben, in denen Menschen stattdessen Einsicht und Initiative walten lassen. Zum Beispiel bei der Auffahrt auf eine verkehrsreiche Straße: Aktuell kommt es dazu, dass autonom gesteuerte Fahrzeuge in diesen Situationen steckenbleiben und auf einen netten Menschen warten müssen, der ihnen erlaubt, sich einzufädeln.

Wenn Sie also weder für die Fahrt noch für den Ladeprozess zuständig sind, was ist dann überhaupt Ihre Rolle als “Fahrer” in einem autonom gesteuerten Auto? Diese Frage ist besonders mit Hinblick auf solche Fahrzeuge besorgniserregend, die noch nicht hundertprozentig autonom sind. Sollte die dringende Intervention eines Menschen nötig sein, so verstreichen zunächst wertvolle Sekunden, in denen sich die Aufmerksamkeit des Menschen auf die sich nahende Gefahr richtet.

Die logische Schlussfolgerung ist also, dass eine klare Entscheidung gefällt werden muss, wenn sich diese Technologie nicht im Treibsand der Realität festfahren soll. Die volle Verantwortung muss entweder dem Menschen überlassen werden, der dann permanent aufmerksam sein muss – oder dem Fahrzeug. Möglicherweise zeichnet die drahtlose Energieübertragung aber auch bereits das Bild einer zukünftigen Welt, in der die Infrastruktur die volle Kontrolle übernehmen wird und nicht nur den Menschen, sondern auch das Fahrzeug von jeglicher Verantwortung entbindet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Park and charge” by Justin Pickard (CC BY-SA 2.0)


 

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Hirnintensive Arbeit als Konjunkturmotor

Industrie-Skyline (adapted) (Image by Nico Kaiser [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Ständig wird einem von Lobbyisten und Regierungspolitikern eingetrichtert, wie wichtig die Industrie sei als Stabilitätsfaktor der Konjunktur. Länder wie Frankreich hätten es da nicht so gut.Die gallische Wirtschaft sei weitgehend deindustrialisiert, produziere nichts mehr Gescheites oder müsse wie Peugeot Citroën von chinesischen Konzernen aufgefangen werden. Was da wohl noch mit VW passiert. Ein anständiger industrieller Anteil wird als Voraussetzung für eine ausgewogene ökonomische Entwicklung gesehen. Die VWL-Berater flöten es Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ins Ohr: Es müsse wieder mehr produziert, gebaut, geschraubt werden. Das war auch nach der Finanzkrise das Allheilmittel.

Abwrack-Politik

Abwrackprämie statt Investitionen in Wissensberufe oder den Ausbau der digitalen Infrastruktur. So konnte der Industriesektor seinen Anteil an der Wertschöpfung bei 25 bis 26 Prozent stabilisieren. Gleiches gilt für die Zahl der Industriebeschäftigten. Für die globalen Märkte hat sich Deutschland auf Luxusautos, Maschinenbau und Chemie spezialisiert – allerdings mit einer sinkenden Fertigungstiefe im eigenen Land. Wird ein großer industrieller Sektor auch künftig noch von Vorteil sein, fragt sich der Wirtschaftspublizist Henrik Müller. Diese trügerischen Stärken können sich sehr schnell und gut in Schwächen umkehren.

“Osteuropäische, später asiatische Volkswirtschaften, allen voran China, industrialisierten sich im Zeitraffer. Davon profitierte Deutschland wie kein anderes Land: Weil es hierzulande noch potente Firmen gibt, die Fabriken mit Maschinen ausstatten oder gleich ganze Fabriken errichten, weil es Infrastrukturanbieter wie Siemens gibt, die etwa ganze Bahnsysteme zu installieren in der Lage sind, weil es Luxusautohersteller gibt, die die neuen Reichen in den Schwellenländern mit Statussymbolen versorgen. Kurz: Deutschland hat all das noch im Angebot, was es anderswo längst nicht mehr gibt – weil der Strukturwandel in den 1980er und 1990er Jahren hierzulande verzögert ablief.”

Wissensintensive Dienstleistungen als Wettbewerbsfaktor

Wenn sich aber der Aufholprozess in diesen Schwellenländern abschwächt, was derzeit der Fall ist, wenn ausländische Autohersteller lernen, die Bedürfnisse der neuen Mittelschichten zu befriedigen, dann fragt sich, wer denn künftig die Kunden der deutschen Industrie sein sollen. Der Niedergang des Wolfsburger Konzern könnte das im Zeitraffer beschleunigen. Generell wird die Industrie in der Massenproduktion an Bedeutung verlieren.

“Wirtschaft und Gesellschaft wachsen über das Produzieren und Konsumieren von physischen Produkten hinaus und verlegen sich aufs Dienen und später aufs Wissen. Dienstleistungen, zunehmend auch wissensintensive Dienstleistungen dominieren heute in allen entwickelten Ländern die Wirtschaftsstrukturen. Es werden nicht mehr zuvörderst physische Güter hergestellt, viel wichtiger sind Leistungen an Mensch oder Materie”, schreibt Müller in seinem Opus “Wirtschaftsirrtümer”.

Postindustrielle Arbeitsplätze

Gesundheit, Bildung, Freizeit, Ernährung, Haushaltsservices, Vernetzungskonzepte, Apps oder Cloud-Technologien werden wichtiger.

“Auch Deutschland hat diese Entwicklung seit den 1970er Jahren durchgemacht, allerdings ist sie im Zuge der Globalisierung zum Stillstand gekommen. Um 1997 hat sich die industrielle Produktion stabilisiert. Die absolute Zahl der produzierenden Beschäftigten ist dabei in den vergangenen Jahren in etwa stabil geblieben. Die beeindruckenden deutschen Beschäftigungsgewinne haben in anderen Sektoren stattgefunden. Im Jahr 1995 waren ein Viertel der Arbeitnehmer mit Produzieren beschäftigt, heute sind es nur noch ein Fünftel. Beschäftigungszuwächse konnten vor allem die Unternehmensdienstleister verbuchen, teils durch Outsourcing von Aktivitäten aus traditionellen Industriekonzernen sowie Informations-und Kommunikationsservices”, so Müller. Er sieht keinen Grund, dass die Schwellenländer einen fundamental anderen Weg gehen werden. Wir sollten uns deshalb neue Vorbilder suchen, die besser dastehen als wir selbst. Schweden zum Beispiel.

“Das skandinavische Land genießt ein höheres Wohlstandsniveau als Deutschland (eine Differenz von 2.000 US-Dollar pro Kopf). Beschäftigungsstand, Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit sind höher, die Einkommensverteilung gleichmäßiger. Staat und Wirtschaft geben einen größeren BIP-Anteil für Forschung und Entwicklung aus als alle anderen OECD-Länder (außer Finnland): Stabil zwischen 3 und 4 Prozent des BIP. Das Vertrauen ins politische System ist hoch. Um nur einige Wohlfahrtsindikatoren zu nennen. Man muss Schweden nicht in allen Facetten als vorbildlich ansehen, aber dass das Land ökonomisch und gesellschaftlich gegenüber Deutschland einen Vorsprung hat, ist offensichtlich. Schwedens Wirtschaft ist hochgradig wettbewerbsfähig, was sich in ähnlich hohen Leistungsbilanzüberschüssen niederschlägt, wie sie Deutschland verzeichnet”, weiß Müller. Folgt man der Litanei der Industrievertreter, dürfte es das nicht geben.

Skandinavisches Wirtschaftswunder dürfte es eigentlich nicht geben

Denn Schweden habe einen vergleichsweise kleinen industriellen Sektor: 20 Prozent trägt die Industrie noch zum BIP bei, deutlich weniger als im Jahr 2000. Die Zahl der Jobs, im produzierenden Gewerbe, ist von 19 auf 15 Prozent der Gesamtbeschäftigung gefallen.

“Aber das skandinavische Land verfügt über eine große Stärke, die Deutschland nicht hat: Es verdient sehr erfolgreich im Handel mit Dienstleistungen. Mehr als 20 Milliarden US-Dollar Überschuss erwirtschaftete Schweden 2011 mit dem Verkauf von Services, Patenten und Lizenzen – viermal so viel wie noch 2004. Deutschland hingegen machte im selben Zeitraum ein Defizit im Dienstleistungshandel von knapp 32 Milliarden US-Dollar”, führt Müller aus.

Der Handel mit hirnintensiven Dienstleistungen und der Verkauf von Wissen ersetzen in Schweden zunehmend den Handel mit physischen Produkten – postindustrielle, hochproduktive Aktivitäten mit großem Input von Wissen. Dafür sind andere Qualifikationen und ein anderes Umfeld vonnöten. Mit der dualen Berufsausbildung auf IHK-Niveau kommt man nicht mehr weit. Ralf T. Kreutzer und Karl-Heinz Land sprechen gar vom digitalen Tsunamie der “Dematerialisierung”, der selbst den so hochgelobten Maschinenbau bedrängt. Wie viel Industrie wird also noch in der Netzökonomie stecken, fragt sich das Notiz-Amt.

Mit Professor Kreutzer wird es dazu in Vorbereitung der Next Economy Open in Bonn ein Bibliotheksgespräch geben.


Image (adapted) “Industrie-Skyline” by Nico Kaiser (CC BY-SA 2.0)


 

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Mobilfunkanbieter greifen Netzneutralität an

Rolling Rebellion Sparks in Seattle to Defend Internet & Stop the TPP (adapted) (Image by Backbone Campaign [CC BY 2.0] via Flickr)

Der auf mehr Wettbewerb setzende EU-Kommissar Günther Oettinger und die die Kosten scheuenden Mobilfunkanbieter gefährden die Netzneutralität. Mit immer neuen Vorstößen versuchen Mobilfunkanbieter Diensten wie Netflix, Google & Co. für die Nutzung ihrer Infrastruktur an den Kosten des Netzausbaus zu beteiligen. In der Politik gibt es derweil Tendenzen, ein Zwei-Klassen-Internet für bestimmte Bereiche zu ermöglichen und die Netzneutralität zugunsten eines verstärkten Wettbewerbs zu opfern.

Vor einer Woche hat die Initiative „Save the Internet“ auf der re:publica das Video „Netzneutralität tötet“ vorgestellt, in dem die Debatte über das Thema Netzneutralität sehr anschaulich dargestellt und mit einigen Fehlinformationen aufgeräumt wird. Dass noch viele dicke Bretter zu bohren sind, zeigt auch ein heute in der Wirtschaftswoche veröffentlichtes Interview mit „Digital“-Kommissar Günther Oettinger, der sich allem Anschein nach inzwischen vollkommen von der Idee der Netzneutralität abgewandt hat.

Nachdem Oettinger Anfang März den Befürwortern einer gleichberechtigten Übertragung aller Daten noch Talibanartiges Verhalten vorgeworfen hatte, unterstreicht er in dem Interview seine Forderung, bestimmten Diensten aus dem Gesundheits- und Mobilitätsbereich Vorrang bei der Datenübermittlung einzuräumen. Der Rat der EU und das Europäische Parlament sind, wie bereits berichtet, in der Frage der gesetzlichen Verankerung der Netzneutralität gespalten. Das Parlament beharrt aber auch nach der Positionierung des Ministerates im März auf der Festschreibung der Netzneutralität.

Während Europa in der Frage auf der Stelle tritt, zeigen die jüngsten Ankündigungen und Überlegungen von Telekommunikationsunternehmen, welche Entwicklungen ohne eine gesetzlich garantierte Netzneutralität in Aussicht stehen.

Heute wurde bekannt, dass mehrere europäische Mobilfunkanbieter den Einsatz einer Software planen, die Online-Werbung auf Smartphones blockieren soll. Das ist natürlich kein selbstloser Akt der zuvorkommenden Kundendienste, sondern soll in Form eines kostenpflichtigen Zusatzservices angeboten werden. Die Maßnahme richtet sich offensichtlich gegen Internetfirmen wie Google und Netflix, deren Services davon betroffen sein würden. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte dann „The Bomb“ gezündet werden, mit der auf einen Schlag die angezeigte Online-Werbung für alle Mobilkunden blockiert würde. Davon ausgenommen sein soll In-App-Werbung, zum Beispiel bei Facebook oder Twitter. Die Mobilfunkkonzerne begründen das Vorhaben mit den großen Datenmengen, die durch Online-Werbung anfallen und für die immer mehr Datenvolumen benötigt wird. Mit der Blockierung von Werbung sollen Firmen wie Google dazu gebracht werden, sich an den Kosten für die notwendige Infrastruktur zu beteiligen. Der Vorschlag wird als Angriff auf die Netzneutralität gewertet, da er eine Ungleichbehandlung von Datenpaketen vorsehen würde.

Streit um die Kosten des Netzausbaus

Am Rande der re:publica erteilte Netflix-Chef Reed Hastings den Telekommunikationsunternehmen in der vergangenen Woche bereits eine Absage. Diese hatten gefordert, Netflix solle sich künftig an den Kosten für den Ausbau der notwendigen Breitbandinfrastruktur beteiligen, die durch Video-on-Demand-Dienste immer stärker gefordert wären. Aktuell ist allein Netflix für ein Drittel des übertragenen Datenvolumens in den USA verantwortlich. Der Chef des beliebten Streamingdienstes lehnte die Forderung der Konzerne ab, da sie bereits vonseiten der Nutzer durch die Buchung größerer Daten- und schnellerer Internetpakete zusätzliche Einnahmen erzielen würden.

Die aktuell diskutierten Vorschläge zeigen einerseits, dass ohne eine gesetzliche Regelung der Netzneutralität dem Einfallsreichtum der Telekommunikationsunternehmen keine Grenzen gesetzt sind. Noch richten sich die Forderungen vor allem gegen die Anbieter von Online-Services und -produkten, doch eine stärkere Fokussierung auf den Verbraucher ist zu erwarten. Andererseits rückt wieder die Frage in den Mittelpunkt, wer die Kosten für den Ausbau der Breitbandnetze und den Erhalt der Infrastruktur tragen soll. Die eigentlich zuständigen Netzinhaber bringen mit ihren Forderungen nun auch die Onlinedienstleister wieder ins Spiel. Damit dieser Konflikt nicht bald schon zu Lasten der Verbraucher geht, wäre dringend die Regierungskoalition gefragt, die sich in diesem Punkt aber ebenfalls uneinig ist.

Zuerst erschienen auf politik-digital.de und steht unter CC BY-SA 3.0.


Image (adapted) „Rolling Rebellion Sparks in Seattle to Defend Internet & Stop the TPP“ by Backbone Campaign (CC BY 2.0)


 

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Mein Leben ohne Internet: Ein Selbstversuch

Unplugged - no computer, no internet, possible (adapted) (Image by photosteve101 [CC BY 2.0] via Flickr)

Wir ohne Internet? Geht zwar, will aber keiner! Warum das Internet für uns eine so wichtige Infrastruktur ist, testete Tinka am eigenen Leib. Online-Sein ist für viele von uns Normalzustand. Doch noch immer gibt es viele Orte in Deutschland ohne Breitband-Zugang. Und noch immer sind Themen, die zum Erhalt und zum Ausbau der Schlüssel-Infrastruktur Internet unverzichtbar sind, nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit angekommen  – trotz Digitaler Agenda und dem Ministerium für digitale Infrastruktur. Warum wir nicht aufhören dürfen, über Netzpolitik und das Internet zu diskutieren, wird deutlich, wenn man sich vorstellt, ein Leben ohne Internet zu führen. Egal ob Kaffeeklatsch mit der Freundin in London, wissenschaftliche Recherche oder Nachrichtenfluss –  schon für den Einzelnen ist der Nutzen riesig, von dem Potential für Staat und Gesellschaft ganz zu schweigen.

Gestrandet im Offline

Es ist Montagmorgen. Ich stehe im Schlafanzug in meinem Wohnzimmer und halte noch einmal inne, bevor ich den kleinen grünen Schalter umlege. Einige Augenblicke später verfällt mein Telefon in die erwartete Kette von Signaltönen, während E-Mails und Threema-Nachrichten einprasseln. Erleichterung durchströmt mich. Die Welt hat mich wieder!

Rückblick: Vor ziemlich genau drei Wochen stand ich nachmittags um halb sechs im Zentrum von Oxford. In den linken Hand meinen knallgrünen Koffer, auf dem Rücken den orange-leuchtenden Rucksack, in der rechten das Telefon. Nach einigen Augenblicken hätte man beobachten können, wie ich das Telefon schüttelte. (Was ja nachgewiesen immer eine gute Idee ist, wenn ein Gerät nicht funktioniert …) Mit gekräuselter Stirn schaltete ich die Datenverbindung aus und wieder an. Ich bestätigte erneut, dass ich Daten-Roaming zulassen möchte. Nichts. Ich startete das Gerät neu. Nichts.

Und nun? Ich war auf dem Weg zur Internet, Policy & Politics Conference 2014. Bis auf Oxford, Universität, Oxford Internet Institute (OII) und #ipp2014 hatte ich keine Angaben im Kopf. „Wird ja wohl ausgeschildert sein“, hatte ich mir gedacht und: „Sonst hast du ja Google Maps.“ Pustekuchen! In Oxford war ich. Einfach dem Schild zur Uni folgen ging nicht – die einzelnen Colleges und Gebäude sind in der ganzen Stadt verteilt. OII hätte mir auch nichts genützt: Das organisierte die Konferenz zwar, aber die Räume waren irgendwo anders. Und ein Hashtag hat mir in der Offline-Welt eh noch nie eine Wegbeschreibung eingebracht. Ich musste mich also an klassischen Mitteln versuchen: Auf zur Touristen-Info. Die immerhin war groß ausgeschildert – und bereits geschlossen, wie  ich kurz darauf feststellen musste. Na prima. Kurz dachte ich an den Teil meiner Freunde, die zu Ausflüge und Reisen immer mit einer Mappe voller Ausdrucke erscheinen: Adresse, Wegbeschreibung, Alternativroute, Notfallplan, SOS-Morse-Code. Vielleicht doch keine so schlechte Idee?

Ein bisschen Handy-Rebellion

Doch fast sofort kam der Trotz: Wäre doch gelacht, wenn ich mich von ein bisschen Handy-Rebellion unterkriegen lassen würde! „Entschuldigen Siebitte. Wo ist denn St. Anne’s College?“ Der Name war mir in der Zwischenzeit immerhin wieder eingefallen. „Öh, keine Ahnung, ich bin auch neu hier.“ „Kein Problem, danke.“ „Tschuldigung, wissen Sie, wo St. Anne’s ist?“ „Ist das ein College? Noch nie gehört, leider.“ Langsam wurde es dunkel. „Sorry, wissen Sie, wie ich zum St. Anne’s College komme?“ „Leider nein, aber schauen Sie doch mal da auf den Plan, da sind die Colleges eingetragen.“ Halleluja! Und tatsächlich: Ganz am unteren Rand ein Pfeil Richtung Süden, über den Rand der Karte hinaus: St. Anne’s. Gerettet! Schwungvoll marschierte ich los – und drehte nach zwei Kreuzungen wieder um, um ein Foto von der Karte zu machen. Sicher ist sicher.

Auf dem Weg formulierte ich schon die böse E-Mail, die ich meinem Mobilfunk-Anbieter schreiben wollte – und natürlich den Facebook-Status. Ich lichtete ein paar Häuserfassaden ab, um sie direkt an Freunde und Familie schicken zu können: Oxford at last! Doch die Sozial-Vernetzungs-Blase platzte, sobald ich es tatsächlich bis zum St. Anne’s geschafft hatte. „Tut mir Leid, aber Ihren W-LAN-Zugang bekommen Sie erst Morgen mit den Konferenz-Unterlagen!“ „Waaaaaaaas …!“ Ich kürze ab: Nichts zu machen. Kein Internet. Und somit auch keine abendlich gesendete E-Mail mit der Einladung zum gemütlichen Pub-Beisammensein. Keine Chance, noch schnell nachts nachzugucken, wann es Frühstück gab (8:00 bis 9:00, wie man mir um 9:15 vor verschlossener Tür mitteilte). Und auch kein Hinweis darauf, dass das Konferenz-Programm noch einmal geändert worden war und wir erst um 11 Uhr anfangen würden.

Offline-Sein

Wie verändert das Internet unsere Gesellschaft? Mit dieser Frage beschäftige ich mich täglich – und doch wird sein Einfluss besonders deutlich, wenn man plötzlich ohne dasteht. Warum also nicht das Ganze auf die nächste Ebene bringen?

Es ist Freitagmorgen. Ich stehe im Schlafanzug in meinem Wohnzimmer und halte noch einmal inne, bevor ich den kleinen grünen Schalter umlege. Stille. Ich habe die Stromversorgung für Telefonanlage und Router ausgestellt. Ich zögere kurz und schalte dann die Datenverbindung meines Telefons ab, genau wie das WLAN. Ob ich das durchhalte? Klar, im Urlaub bin ich öfter ohne Internet, aber im Alltag?  Natürlich muss ich ein wenig schummeln. Die Arbeitsmails am Freitag werden gelesen. Ansonsten aber: Internetverbot.

Risiken und Nebenwirkungen

Direkt als Erstes wird mir nach dem Abschalten klar: verdammt, kein Radio. Natürlich höre ich Radio per Internet-Stream. Die Batterien in meinem FM-Empfänger, vollgestaubt im Küchenregal, sind seit langem leer. Kurz schlechte Laune, aber das legt sich. Höre ich beim Zähneputzen eben ein paar CDs. (Ja, ich besitze CDs!) Im Büro angekommen, fällt mir ein: Mist, ich sollte doch einer Freundin meine Katzenohren mitbringen (Kostümparty …). Die habe ich natürlich zu Hause liegen lassen. Automatisch öffne ich den Browser, um ihr eine Facebook-Nachricht zu schreiben, doch halt! Darf ich nicht. Und jetzt? Ihre Telefonnummer habe ich nicht. Ok, ein Notfall: Ich schummele und schicke ihr eine E-Mail. Was soll ich auch machen? Als ich sie später sehe, schreibe ich direkt ihre Telefonnummer auf. Überhaupt stelle ich im Laufe der nächsten Tage fest: Mein Telefonnummern-Verzeichnis ist eine Katastrophe. Mindestens ein Drittel der Menschen, mit denen ich am Wochenende sprechen möchte, sind nur mit Threema- oder Skype-Kontakten vermerkt – oder überhaupt nur auf Facebook gelistet. Diejenigen, deren Nummern ich habe, wundern sich, warum ich sie auf einmal anrufe. Oder noch merkwürdiger: SMS schreibe. Aber eigentlich ganz nett, so ein kleiner Schnack zwischendurch – mein Freiminuten-Kontingent aber leidet beträchtlich. Außerdem sind es nur meine Freunde in Deutschland, die davon profitieren. Alle anderen hören dieses Wochenende nichts von mir.  Kein kurzer Kaffeeklatsch mit London. Das ist wirklich hart!

Aber weiter im Text: Nachrichten. Ich bekomme nichts mit! Gar nichts. In der Mittagspause schnappe ich mir aus lauter Verzweiflung eine kostenlos ausliegende Lokalzeitung, die aber mein Informationsbedürfnis in keinster Weise befriedigen kann. Wie zum Henker kommt man eigentlich sonst an Nachrichten? Gibt es noch Zeitungskioske? Und gibt es eine Print-Ausgabe von Aljazeera?

Am Nachmittag lesen ich ein Paper über e-Cognocracy: Das Staatsmodel von Moreno-Jiménez, Pérez-Espés und Velázquez, das direkte und repräsentative Demokratie mit Hilfe neuer IT-Tools verbinden will (2014. e-Cognocracy and the design of public policies. Government Information Quarterly, 31(1), 185–194. doi:10.1016/j.giq.2013.09.004). Ich bin nicht überzeugt und würde das gerne zur Diskussion in eine meiner E-Partizipations-Gruppen posten – aber die sind auf Facebook. ARGH! Dann muss ich daran denken, dass ich das Paper digital lese, über die Uni-Bibliothek runtergeladen und vorher mit drei, vier Mausklicks gesucht habe – wäre ohne Internet auch nicht gegangen.

Generell sind es tatsächlich eher kleine Dinge, die mich aus dem Tritt bringen: Mal eben googeln, wann noch die Zeitumstellung ist und in welche Richtung? Fehlanzeige. Schnell die Vokabel nachschlagen? Nichts da! Kurz nachsehen, wie lange ich mit dem Zug nach Linz brauche? Nein! (Zwischenfrage: Wie hat man eigentlich früher Zugverbindungen rausgefunden? Am Schalter? Musste man dafür jedes Mal zum Bahnhof fahren?!)

Samstag und Sonntag lenke ich mich gut ab, schreibe viele SMS und höre CDs. Zum Glück habe ich gerade einen frischen Bücher-Stapel rumliegen und die Shopping-Tour bei meinen Lieblings-Online-Fair-Trade-Läden verschiebe ich auf nächstes Wochenende. Ok, ich verpasse ein paar Party-Einladungen, vergesse Geburtstage, bekomme nichts mit von den Heimspielen der Uni-Sport-Mannschaften, und um zu sehen, wie das Wetter wird, muss ich die Wolken am Horizont angucken. Die nervösen Zuckungen bleiben zwar aus. Trotzdem: Wann ist endlich Montag?

Offline geht zwar, will aber keiner!

Es ist Montagmorgen. Ich stehe im Schlafanzug in meinem Wohnzimmer und halte noch einmal inne, bevor ich den kleinen grünen Schalter umlege. Erleichterung durchströmt mich. Als Erstes gucke ich mir alle Tagesschau-Sendungen der letzten Tage an. „Willkommen zurück“, schreibt ein Freund. Drei Tage (fast) ohne Internet? Klar ist das machbar. Besonders Facebook hat mir weniger gefehlt als gedacht. Vielleicht heißt das ja, dass es Hoffnung gibt für Alternativen wie Omlet! Und doch: Nicht mehr einfach so mit meinen Freunden außerhalb von Deutschland plaudern? Keine Schnappschüsse mehr an meine Familie schicken? Auf eine Tageszeitung angewiesen sein oder auf die 20-Uhr-Nachrichten warten? Nur mit anderen WissenschaftlerInnen diskutieren können, wenn man sich trifft? Oder mich durch stationäre Bibliothekskataloge wühlen? Unvorstellbar! Und das sind nur die kleinen Dinge, die das Internet für mich persönlich leistet. Von den bereits erschlossenen und noch auszuschöpfenden Potentialen für Organisationen und Staaten fange ich gar nicht erst an. Das Internet ist eindeutig eine unserer wichtigsten Infrastrukturen und deshalb dürfen Themen wie Netzzugang, Breitbandausbau, digitale Bildung, Netzneutralität, Privatsphäre und Datenschutz keine Randbemerkungen sein. Vielen Dank an die Netzpiloten, dass ich zu diesem Ziel einen Beitrag leisten durfte. Dies ist vorerst mein letzter Artikel gewesen. Die Diskussion aber geht weiter! Stay in touch und danke für den vielen Fisch.


Image (adapted) „Unplugged – no computer, no internet, possible?“ by photsteve101 (CC BY 2.0)


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Digitale Agenda: Deutschland verliert die IT-Expertise

CeBit Delegation 01 022 (adapted) (Image by Sterling Communications [CC BY 2.0], via flickr)

Schon vor vier Jahren wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutschland mit einem schnellen Internet von mindestens 50 Megabit pro Sekunde erfreuen und sprach auf IT-Gipfeln bereits von Visionen einer Gigabit-Gesellschaft. Über durchschnittlich 7 Megabit sind wir bislang nicht hinaus gekommen. Mit der „neuen“ Digitalen Agenda, auf die man sich heute im Kabinett geeinigt hat, soll der Sprung bis 2018 erreicht werden – ein Jahr nach der nächsten Bundestagswahl.

Es solle „darauf hingewirkt werden, die europäischen wie nationalen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich Investitionen auch im ländlichen Raum lohnen„. Der Bund wolle sich beim EU-Kommissar für eine Rahmenregelung einsetzen, die den Breitbandausbau „in unbürokratischer, technologieneutraler und wettbewerbsfreundlicher Weise ermöglicht„. Alles wieder leere Absichtserklärungen, die im ministerialbürokratischen Moloch zu Tode verwaltet werden, auch wenn sich Innenminister Thomas de Maizière, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Verkehrsminister Alexander Dobrindt auf einen Minimalkonsens geeinigt haben.

Keinen einzigen Cent macht der Bund locker, um Deutschland eine zukunftsfähige Daten-Infrastruktur zu spendieren. Entsprechend groß ist das Erstaunen und Erschrecken bei den Experten von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Rahmenbedingungen vergraben keine Kabel

Wenn Politiker von Rahmenbedingungen plaudern, sei das ein politischer Code für „kein Geld, nur Gesetze„, so Sascha Lobo. Rahmenbedingungen vergraben eben keine Kabel. Verwundern könne das nicht. „Ein Megabit reiche doch„, das habe Lobo noch beim IT-Gipfel 2011 von Mitarbeitern des federführenden Wirtschaftsministeriums gehört. In Südkorea bastelten sie da schon am Sprung zu 100-Megabit-Leitungen, um den Wandel zur Netzökonomie voranzutreiben.

Den Hauptgrund, warum wir uns die digitale Rückständigkeit nicht leisten können, hat Lobo simpel zusammengefasst: „Es gibt zwei Arten von Unternehmen: diejenigen, deren Geschäft sich durch die Datenökonomie verändert. Und diejenigen, die noch nicht wissen, dass ihr Geschäft sich durch die Datenökonomie verändert.“ Und das liegt nicht an den Marketing-Ausgaben für irgendwelche Facebook-Präsenzen oder Investitionen für die Suchmaschinen-Optimierung. Vielmehr greife die digitale Vernetzung tiefer, als man zunächst vermuten würde, in die Geschäftsmodelle fast aller Branchen ein.

Betriebssysteme auf klingonisch

Habe man vor rund zehn Jahren Jugendliche gefragt, welches Handy sie haben, war ihre Antwort vermutlich: „Ein Nokia.“ Heute sagen sie: „Ein Android.“ „Der Unterschied? Beim ersten war das entscheidende Kriterium die Hardware, beim zweiten ist es die Software. Und zwar die vernetzte Software. Genau dafür braucht man überall schnelles Netz. Vernetzte Software dringe via Schlagworte wie „Cloud“, „Big Data“ und „Business Intelligence“ in alle möglichen Bereiche der Wirtschaft ein, von Medien bis Medizin, von Mobilität bis Maschinenbau, von Marketing bis Finanzwirtschaft„, schreibt Lobo. Die Verschiebung von der Hardware zur Software zur vernetzten Software sei die entscheidende Entwicklung der nächsten Jahre. Und wie viele Internetkonzerne sind im DAX noch mal gelistet, um auf diesem Feld Akzente zu setzen? Null, nischta, nix. Was ist die Folge?

VW, BMW, Mercedes schließen Verträge mit – Überraschung! – Apple und Google. Es lässt sich der Zeitpunkt absehen, wo diese Allianzen umschlagen können wie einst die Allianz zwischen IBM und Microsoft„, bemerkt Lobo. 15 Jahre später verabschiedete sich IBM aus dem Geschäft mit Personal-Computern und Microsoft war der größte Tech-Konzern der Welt. Jetzt zählen Apple und Google zu den wichtigsten Digitalkonzernen und werden sich sicherlich nicht von den vollmundigen Industrie-4.0-Gesängen der Wirtschaftslobbyisten in Deutschland beeindrucken lassen. Die Software unserer Autohersteller, die im PKW immer relevanter wird, sei niemanden zuzumuten, meint Sascha Lobo.

Warum habe VW vermutlich die besten Sowieso-Einspritzer der Welt, aber die Spracherkennung wirkt wie auf klingonisch programmiert? Und die Bedienkonzepte der Touchscreens deutscher Autos fühlten sich an wie Geldautomaten der 90er-Jahre. Was wir vom Smartphone gewöhnt sind, verlangen wir auch bei allen anderen Produkten.

De Maizière macht den Morozov

Wer das anprangert, wird vom prosafreudigen Innenminister in die Kategorie naiver Techno-Optimist eingetütet. Eine Typologisierung, die sich der liebwerteste Sicherheits-Gichtling für einen „FAZ“-Gastbeitrag bei der Dauersirene Evgeny Morozov ausgeliehen hat. Morozov verortet drei Personengruppen bei der Bewertung des digitalen Wandels: die Techno-Pessimisten, die Techno-Optimisten sowie die Techno-Agnostiker. Intellektuelle Sandkastenspielchen ohne empirische Unterfütterung. Einfach mal so hingeschrieben, um irgendwie die Naivlinge des Silicon Valley anzupinkeln.

Maizière schwingt die Morozov-Keule gleich in Richtung der gesamten „Netzgemeinde“, um die niederschmetternde Kritik an der Netzpolitik seiner Regierung mit Teflonpfannen-Rhetorik abzuwehren. Dennoch wolle er das schnellste und sicherste Netz in Deutschland schaffen. Wie im Koalitionsvertrag der GroKo schreibt der Innenminister viel über Sicherheit und wenig über die Modernisierung der digitalen Infrastruktur. Irgendwann habe ich aufgehört, im „FAZ“-Beitrag die Häufigkeit des Wortes „Schutz“ zu zählen.

Je gravierender die Risiken, desto höher müssten die Anforderungen an Schutzvorkehrungen sein. Auf freiwilliger Basis bestehende Angebote und Initiativen in Anspruch zu nehmen reicht hier nicht mehr aus! Der Staat müsse deshalb „Sicherheitsgurte für die IT der kritischen Infrastrukturen“ einführen. Wird dann ein Melderegister eingeführt? Schafft man eine Cyber-Polizei, um Verstöße gegen die Meldepflicht aufzuspüren? Und bestimmt ist schon ein umfassender Bußgeld-Katalog in Arbeit, um den Ungehorsam bei der Meldepflicht zu ahnden. Das klingt nicht nach digitalen Visionen, sondern nach der Notwendigkeit eines Sondereinsatz-Kommandos, um das Überleben im Cyber-Krieg zu sichern. So wird das nichts mit der digitalen Kompetenz, Herr Minister. Bitte sagen Sie das Ihren Redeschreibern.

Größtmöglichster Unfug

Was soll man mit solchen Formulierungen anfangen? „Wir wissen, dass wir beim Thema ‚IT-Sicherheit‘ verstärkt global denken müssen. Die Basis hierfür ist ein entschlossenes nationales Handeln Deutschlands. Die IT-Systeme und digitalen Infrastrukturen Deutschlands sollen die sichersten weltweit werden. Mit dem IT-Sicherheitsgesetz wollen wir international Vorreiter und Vorbild für die Entwicklung in anderen Ländern sein und so nicht zuletzt auch die deutschen IT-Sicherheitsunternehmen stärken und ihnen verbesserte Exportchancen eröffnen“, heißt es seitens der Bundesregierung. Aber was soll man mit solchen Formulierungen anfangen?

Das sei der größtmögliche Unfug, moniert Innovationsberater Jürgen Stäudtner: „Das Beispiel der De.Mail oder der elektronischen Patientenkarte zeigt, dass nur bürokratische, industriefreundliche Ungeheuer entstehen, die sich eben nicht durchsetzen„, so der Cridon-Geschäftsführer. Ist das nun ein Ausfluss von naivem Techno-Optimismus, den da ein Praktiker der Wirtschaft artikuliert? Oder das kritische Urteil von Personalmanager Thomas Sattelberger über die IT-Expertise in Deutschland: „Die USA sind das Digital House der Welt geworden und China das Maschinenhaus der Welt. Damit ist Deutschland im Sandwich zwischen digitaler Innovation und effizienter Produktion aus Asien. Zugleich entwickeln sich neue Felder wie IT, Biotech und Big-Data-Management in dramatischer Geschwindigkeit. Hier spielt Deutschland kaum eine Rolle.“ Auch nur naive Techno-Optimisten oder Techno-Agnostiker?

Die digitalen Naivlinge sitzen wohl eher am Kabinettstisch von Neuland-Kanzlerin Merkel. Diese Bemerkung sei mir gestattet, wo doch der Innenminister so gerne klassifiziert. Hinweis an Facebook: Dieser Beitrag ist keine S A T I R E!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.


Image (adapted) “DeBit Delegation 01 022“ by Sterling Communications (CC BY 2.0)


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Damals war’s… als ich in der Zukunft war

High Speed Internet (adapted) (Image by ReindeR Rustema [CC BY SA 2.0], via flickr)

Als ich Ende 2011 von München nach Berlin zog, ließ ich nur mein schönes Zimmer im Schlachthofviertel links der Isar zurück, sondern auch meinen 100 Mbit/s-Internetanschluss, den ich damals seit rund einem Jahr von einem lokalen Telekommunikationsanbieter bezog. Diese Geschwindigkeit kannte ich bis dahin nur von meinem Arbeitsplatz bei CHIP Online, zu Hause war das ein vollkommen neues Erlebnis. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht las ich damals die Ankündigung der Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass „drei Vierteln der Bevölkerung bis 2040 das Internet mit einer Übertragungsrate von 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung“ soll. Auch noch nachdem die Jahreszahl im Redemanuskript von 2040 auf 2014 geändert wurde. Das Leben war schön, die Zukunft noch weit entfernt, aber ich an sich schon da. Zumindest was meinen Internetanschluss anging.

Ein Jahr später war ich in der Berliner Realität gestrandet. 16 Mbit/s, also nur bis unsere WG ein Volumen von 30 GB aufgebraucht hat, denn dann drosselte uns Vodafone, damit die eigenen LTE-Mobilfunkkunden ungestört surfen konnten. Noch einmal zwei Jahre später war Angela Merkel immer noch Bundeskanzlerin, die in meinen Münchner Tagen belächelten 50 Mbit/s kamen aber immer noch nicht aus meiner Leitung. Das Jahr 2040 wirkte auf einmal alles andere als ein Tippfehler. Morgen wird bei der Präsentation der „Digitale Agenda“ vom Jahr 2018 die Rede sein. Bis dahin soll es eine flächendeckende Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Mbit/s geben. Alexander Dobrindt, der als ich das letzte Mal mit 100 Mbit/s surfte noch Generalsekretär der CSU war, hat nun als Verkehrs- und Infrastrukturminister dafür Gelder aus der künftigen Versteigerungen von Mobilfunk-Frequenzen in Aussicht gestellt.

Die Opposition zweifelt daran. Gegenüber Zeit Online sagte Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, dazu: „Die Ankündigungen in dieser ‚Agenda‘ klingen oftmals sinnvoll – ohne die Bereitstellung der nötigen finanziellen Mittel sind sie aber eben nicht mehr als Absichtserklärungen ohne Substanz und Aussicht auf tatsächliche politische Durchsetzung.“ Ähnlich sieht das Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme, der den Netzausbau „von den politischen Rahmenbedingungen“ abhängig macht. Damit bis zur voraussichtlich nächsten Bundestagswahl der Ausbau schneller Internetzugänge auch in 65 Prozent der bundesdeutschen Haushalte abgeschlossen ist, braucht es zehn Milliarden Euro, wie van Damme im Gespräch mit dem Focus vorrechnete. „Für die letzten zehn Prozent brauchen wir weitere 15 Milliarden Euro.

Der Ausbau ist eine Notwendigkeit, wie auch die Situation in den USA zeigt, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28,27 Mbit/s sogar noch einen Platz vor Deutschland (durchschnittlich 27 Mbit/s) im globalen Ranking liegen. Dort verpasst der Staat den Ausbau der Netze, was Internetunternehmen dazu bringt, ihre eigenen Netze zu verlegen, damit die USA „kein Dritte-Welt-Land wird, wenn es um Kommunikation geht„, wie es die Rechtswissenschaftlerin Susan Crawford formulierte. Etwas wie Googles Glasfaserprojekt Fiber ist aber hierzulande kaum vorstellbar, nicht im Land der Streetview-Verweigerer. Es wäre aber auch nicht vorteilhaft, wenn einige Gemeinden von einzelnen Unternehmen gefördert werden, andere nicht. Es braucht eine staatliche Lösung, die das gesamte Land an schnelles Internet anschließen möchte.

Die Telekom ist wohl der erste Ansprechpartner für die Politik, wenn es um den Ausbau der Infrastruktur geht. Doch das Angebot der Telekom ist nicht ka­ri­ta­tiv. Natürlich wird auch kein anderer Wettbewerber dazu bereit sein, ohne staatliche Zuschüsse in ländlichen Gebieten schnelle Anschlüsse zu bauen, grundsätzlich sollten Unternehmen aber nicht mit Steuergeldern unterstützt werden, damit diese ein Mangel erzeugendes und ausnutzendes Geschäftsmodell betreiben können. Die Drosselkom-Pläne der Telekom sind nicht vom Tisch und wahrscheinlich auch zu lukrativ, um sie aufzugeben. Ich ahne schon, dass die Telekom dann die Notwendigkeit von Netzneutralität umgehenden Tarifen ähnlich wie der Anwalt für Telekommunikation, George Foot, begründet  (siehe ab 3:16 in „Last Week Tonight with John Oliver: Net Neutrality„), denn dann gibt es Dank dem steuerfinanzierten Netzausbau „schnelles Internet für alle und hyperschnelles Internet für manche„. So oder so will der Staat den Telekommunikationsanbietern den Ausbau der Netze bezahlen, damit wir denen dann gedrosselte Tarife bezahlen können. Denn schon jetzt ist eine Drosselung des Netzzugangs von der Infrastruktur her nicht nötig, mit einem Argument wie „Schnelleres Internet kostet auch mehr Geld!“ aber besser zu bewerben.

Das es auch anders geht, zeigt das Beispiel Estland. In diesem die Digitalisierung nutzenden Staat wurde im Jahr 2009 schon beschlossen, als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise, bis 2015 jeden Haushalt und jedes Gewerbe an ein 100 Mbit/s-Netz anzuschließen. Das Projekt „projekti EstWin“ wurde von der gemeinnützigen Estonian Broadband Development Foundation (ELA) koordiniert, in der estnische Telekommunikationsanbieter transparent zusammenarbeiten mussten. Ein Prinzip beim Netzausbau war deshalb übrigens Open Access, also dass die Infrastruktur allen Telekommunikationsanbietern zur Verfügung steht. Das ermöglicht zwar noch nicht Netzneutralität, sollte aber ein Anbieter das versuchen, kann immer noch zu einem anderen Anbieter gewechselt werden, ohne das die Leistung der Internetverbindung schlechter wird. Es wäre wünschenswert, wenn Alexander Dobrindt sich davon inspirieren lässt, bevor er der Telekom einfach die Milliarden zuschiebt.


Image (adapted) “High Speed Internet“ by ReindeR Rustema (CC BY-SA 2.0)


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Selbstfahrendes Auto: Selber fahren bald teurer als gefahren zu werden

Google und andere Konzerne forschen gerade an selbstfahrenden Autos, deren Nutzung in 7 Jahren bereits günstiger sein soll als selber zu fahren.  // von Daniel Kuhn

Traffic (Bild: Minesweeper [CC BY-SA 3.0], via wiki)

Dass wir bald in Autos durch die Gegend gefahren werden, ohne noch etwas selber machen zu müssen, steht außer Frage. Nur wann es soweit sein wird, darüber herrscht noch Unklarheit. Es gibt viele Gründe, die für und gegen ein Festhalten am klassischen selbst zu steuernden Automobil sprechen – eine neue Schätzung geht nun aber davon aus, dass die Kostenfrage schon in fünf bis sieben Jahren für die selbstfahrenden Autos ausgehen wird. Selber fahren wird zum Luxusgut. Weiterlesen »

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